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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, May 19, 1875, Image 7

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Ambrosius antwortete ihnen „Ver- !hört Gott an Niemand kann sagen,
Plötzlich traten Feldoberste mit Solda
ten in die Kirche. Bei ihrem Eintritte
wurde Ambrosius von Entsetzen ergriffen
denn er fürchtete, es würdeBlut vergossen
und einGemetzel entstehen, das denÜnter-
Einige Tage nachher, als das gläubige
Volk in der neuen Kirche versammelt war,
wurden plötzlich die Thore mit Soldaten
besetzt und es erschienen Diener des kai
serlichen Palastes, um Alles zur Feier des
ketzerischen Gottesdienstes zu bereiten, den
Auxentius, ihr angeblicher Bischof, hal
ten wollte. Ambrosius befand sich ge
rade in der Kirche Portiana, als er Nach
richt hiervon erhielt. Sogleich sandte er
Priester dahin, welche den Soldaten uit*
ter Androhung des Kirchenbannes befeh
Ien mußten, nach Hause zu gehen. Die
Soldaten, meistenteils Katholiken, ge
horchten und kamen beinahe alle in die
alte Kirche, wo Ambrosius sich befand.
Ihre plötzliche Erscheinung erregte Ent
setzen unter dem versammelten Volke
doch dieSoldaten beruhigten sie und sag
ten: Sie seien gekommen,' nicht, um zu
streiten, sondern um mit ihnen zu beten.
Da ward den Arianern bange und sie
getrauten sich nicht, ihre Pläne auszufüh
ren. Ambrosius aber durchschaute ihrArg
list, blieb bis zum grünen Donnerstage
in der Kirche, die von Soldaten umge
ben war und hielt dem Volke, das treu
bei ihm abhielt, mehrere rührende Pre
digten, in denen er auf baldige Erlösung
von den Drangsalen hindeutete. Und
wirklich wurden die Soldaten znrückge
zygen und die Verfolgung nahm ut den
legten Tagen der Charwoche ein Ende.
Mit dem Beginn der Fastenzeit des
Jahres
383 aber brach die Verfolgung
mit erneuerter
Wuth aus. Die Kaiserin
zurFeicrihresGottesdienstes-auSzulieser»,!verlang!'' abermals die Auslieferung der Unangenehmste bei der Geschichte mar,
widrigenfalls Marter und Tod seinLoos Kirche Portiana. Ambrosius aber ant- daß die See auch von uns ihren Tribut
fei,. Ambrosius weigerte sich standhaft,
itt Kas ungerechte Begehren zu w lligen.
Utvterbrsftn erfuhr das katholische Volk,
i
iuortete: „Nabot wollte das Erbe seiner verlangte und wir ihn sehr reichlich zah
Väter der Iezabel nicht übergeben und ten mußten. Was Du mir von Vil
ich sollte das Erbe Jesu Christi anslie- lenslraft gesagt hast, ist sehr schön, lei-
d'q?mLt^mersch!"!?rlicher Liebe an- seinen fern Bewahre Gott!" Nun wurde ihm der aber tintzte es uns nichts in unserer
©jfdUbtn und seinen Obeihirten hing, der Befehl des Kaisers zugesandt, die!erl'är,nlicheu Lage nolentos volou
dciß der Bischof im Palaste des Kaisers Stadt zu verlassen. Ambrosius aber, der' tes, wir mußten zahlen. In der Nacht
habe erscheinen müssen. Sogleich strömte sah, daß der Verlust der Kirche mit seiner tnxttt 28. auf den 2U. November hatten
es in'Schaaren herbei und utsiiingte den Abreise verbunden sei, blieb und begab jwir einen förmlichen Orfait, Jvelcher auf
Palast. Man sandte einen Offizier mit »sich in die KirchePortiana, wo sich bereits!dein Schiffe mehrere Unglücksfälle tm
Soldaten ab, um es zu zerstreuen. 'Doch! eine Menge braver Katholiken vcvjanv (befolge hatte. Einer der Kellner wurde
vergeblich Alle riefen mit lauter Stimme^ melt hatte. löhlich erschienen 5 ttnaven aus dem Verdeck von einer Welle gefaxt
„Wir sind bereit, für unfern Glauben zu von Soldaten, die die Kirche umringten und mit solcher Gemalt an ein Eisenge
sterben Da ward denen im Palaste: ivn und die zwar Jeden hineinließe», aber 'tänder geschleudert, daß ihm der Vorder
klinge. Sie baten Ambrosius, das Volk! den strengen Befehl hatten Niemanden kopf^ in der Länge einer Hand bis auf s
zu befärstigen. Auf das Wort des Vi'! herauszulassen. Es brachte also das Volk Gehirn gespaltet wurde. Nach, unserer
schoss giug das Volk ruhig nach lyaufe.
mehrere Tage und Nächte mit seinem h. Ankunft in New
.Nach einiger Zeit, da der h. Bischof Obeihirten in der Kirche zu. Ambrosius Aaubeiier Schwestern in ihr Hospital
ebnt sich in der Kirch.? Portiana befand, tröstete und erhob das betrübte Volf' aufgenommen. Ebenso zertrümmerte eine
erschienen Soldaten und Feldoberste, die! durch mehrere herrliche Predigten, in de- Weile in tier Nacht die Kabine eines au
Uebergabe der Kirche von ihm zu fordern, inen rt unter andern sagte: „Wir geben der» Kellners und schwenunte seine ganze
Sie behaupteten, der Kaiser übe nur! dem Kaiser, was des Kaisers ist. Die Ab- Habe über Bord. Gegen Morgen end
fein Recht, denn Alles sei des Kaisers. gäbe gebührt dem Kaiser, die Kirche ge- lich wurde auch noch der Koch mehrere
es
langte der Kaiser, was mein ist, mein gebe sich hierin ein Mangel der dem Kai- Boden geworfen, so daß der Amte ein
Landgut, mein Geld, ich würde ihm fer gebührenden Ehrfurcht kund. Kann Bein brach. ES tvar ein ^/lück, daß wir
nicht verweigern, wiewohl Alles, was man ihn mehr ehre» als wenn
man
ich habe, den Armen gehört. Was aber! ihn einen Sohn bei Kirche nennt ?'geschickte Krankenwärterinnen an Bord
Gott ougehört daraus Hat der Kaiser Der K«.ser ist in der Kirche, nicht über! Hatten, die sich der Verwundeten mit der
kein Recht. Will er mein Erbe, er
mag!
der K.rche!" Um
das
es hinnehmen mein Leib, ich selbst gen dei Prüfung in der Kirche auf gott- nahmen.
will mich erbieten. Wollet ihr mich selige W.\) zu beschäftigten, ließ er das-j Am Feste des hl. Franziskus Laverlus
in Banden legen, mich zum Tode füh-selbe Tag nnd Nacht Hymnen, die erjDeeember) hatten wir zum ersten
ren, ich würde darüber hoch erjreut! selbst verfaßte, und Psalmen abwechselnd Male wieder schönes Wetter wir konn
sein. Ich will die Altäte nicht umfan-! singen.
gen, mein Leben zu retten. Lieber will ich So verharrte der Bischof mehre Tage! feier/t,_ d. h. gemeinschaftlich die Meßge
selbst für die Altäre mich opfern Alfoimit dem Volke in der Kirche, bis endlich bete lesen und die dazu gehörigen Lieder
sprach der h. Bischof, denn er wußte, daß die Soldaten ermüdet abzogen. Nun aber fingen. Um dem schlechten Wetter zu
man Bewaffnete gesandt hatte, derKirche, ging die Kaiserin in ihrer Wuth gegen entgehen, hatte unser echtst eine ganz
sich zu bemächtigen.
er den tödllichen Streich führen wollte,
gang derStadi nach sich ziehen könnte.Da erstarrte plötzlich sein Arm. Da bekannte ^un Abend des Iii. Dezember legten wir
nun die Befehlshaber in ihn drangen er renmüthig, daß ihn die Kaiserin znm uns zur Ruhe mit der frohen Hoffnung,
das Volk iit Ruhe zu erhalten, gab er,
ihnen zur Antwort: „Ich werde das Volk
nicht anfregen, aber es ruhig zu halten,
das steht bei Gott allein !—Nun verließen
dieKrieger die Kirche denn alle.Verfuche,
sie in Besitz zu nehmen, scheiterten an der
Festigkeit des Bischofs. Kaiserin Jnstina
und ihr arianischer Anhang waren außer
sich vor Wuth.
s?)mf
ein Mensch mit gezücktem Schwerte in somit einen Umweg von mehr als 500
das Zimmer des Bischofs, um ihn zu er- engl. Meile» und hatten es da»» auch so
morden. In dem Augenblicke, aber, als warm, wie bei uns im Mai und
Vertriebene Schwestern.
Wenn das Sprichwort: „„Was etwas! liche Befürchtung, das Schiff möchte an
kostet, ist etwas werth"", die Wahrheit der Seite aufgefahren sein und deshalb
sagt, dann dürfen wir uns doppelt nnfe
rcr Reife über den Oeean freuen, denn
sie Hat uns wirklich etwas gekostet. Der
erste Tag unserer Seefahrt war schön,! den Seiten noch 14 Fuß Wasser und nur
dann aber folgten acht Tage
ununter-
brochenen Sturmes, so daß wir keinen in den Sand eingebohrt. Man versi
Fuß auf's Verdeck fetzen durften dabei
war die Bewegung des Schiffes so stark,
daß wir nur mit beiden Händen an einen
festen Gegenstand angeklammert uns in
aufrechter Stellung halten konnten und
Schüsseln und Teller auf dem Boden
herumtanzten. Da fühlten wir so recht
die Ohnmacht des Menschen gegenüber
der Wuth der tobenden Elemente. Die
Wellen thürinten sich haushoch zu beiden
Seiten des Schiffes und obgleich unsere
Kabinen sich auf dem Verdecke befanden,
sandte uns der schäumende Ocean den
noch ab und zu seine Grüße in recht
unwillkommener Weise durch die ver
schlossenen Schüren und Fenster. Das
wurde er von den
Fuß weit über das Verdeck und dann zu
in den Aachener ^ranziskanerinnen 10
Volk in diesen Ta-! größten Liehe nnd Aufmerksamkeit an-
ten daher auf
den Heiligen soweit, daß sie ihm nach südliche Richtung eingeschlagen, bis fast
dem Leben trachtete. Eines Tages
trat
dem Verdecke die hl. Mnse
den azorischen Inseln wir machten
x\unt.
Das Wetter blieb jetzt ziemlich gilt und
am folgenden Morgen das heißerfehnte
Land begrüßen und betreten zu können.
Das ist nun zwar auch geschehen, aber
Morde gedungen worauf der Heilige
betete, und die erstarrte Hand des Mcu=
chelmöders Heilte. Bald nach dieser That
fand endlich das einmütige Gebet des ganz anders, als wir dachten
Hirten nnd der Heerde um den Frieden! Bereits gegen Halb elf Uhr Abends
der Kirche Erhörung. wurden wir in sehr unsanfter Weife ans
!dem Schlafe geweckt, und zwar durch ei-
-neu gewaltigen Stoß, der das ganze
Im Anfang dieses Jahres wurde, wie! Schiff erschütterte. In der Meinung,
unsere Leser wissen, in Columbus, O.,jman werfe die Anker, wollte ich schon
ein
nnd
Waisenhaus für Mädchen eröffnet! aufspringen, um aufs Verdeck zu eilen, da
eingeweiht. Dasselbe wird von den erfolgt ein neuer Stoß, zugleich fliegen
durch Bismarck aus Deutschland nertrie-j die Schüren unserer Kabinen auf und man
benen Schwestern vom dritten Orden des jruft uns hastig zu: „fechweftern, rasch
heiligen Franziskus geleitet, lieber die auf! das Schiff ist aufgefahren^ die
Reife diefer Schwestern nach Amerika Rettungsboote find bereit." lliifer ^chre
bringen die „katholischen Missionen" ei-jrfeii war nicht klein, in drei Minuten wa
tten längern Bericht, den eine der Schwc- ren wir fertig und harrten beklommenen
stern von Buffalo aus am 30. December! .Herzens der Dinge, die da kommen foil
v. I. geschrieben hat, und den wir hier! ten. Die erste Kunde, die uns zukam,
folgen lassen war beruhigender Natur. Die ansang-
in Gefahr stehen umzukippen, Hatte sich
bei näherer Untersuchung als unbegrün
det erwiesen das Senkblei zeigte zn bei-
das Vordertheil des Schiffes hatte steh
cherte uns, daß wir bis zum An
brück) des Tages ohne Gefahr an
Bord bleiben könnten, am Morgen wiir
den Rcmorqiicre unsern Dampfer wieder
flott machen.
Auf dem Verdecke gab es unterdessen
ein wildes Durcheinander das beständige
Hämmern, Rufen, Hin- und Herlaufen
der Mannschaft, der klagende Ton des
Hülfsignals, das in kurzen Zwischenräu
men ertönte, die aufgeworfenen Raketen
?c. ließen uns ahnen, daß die Gefahr
größer sei, als man uns gestehen wollte.
Ab nnd zu kam auch der erste Steuer
mann, um uns Nachricht zu bringen, al
lein auch an ihm merkten wir bald, daß
Ohio Waisenfreund. 7
es schlimmer fei, als er uns mit Worten
mittheiite. Indessen verhielten wir uns
ganz ruhig und betete» wir wußten ja,
Idaß wir in Gottes Hand standen. Ge
gen :J Uhr Morgens vernahmen wir ein
merkwürdiges Vtieriiuich vom Verdecke Iiei
iuud auf unsere Erkundigung nach der
Ursache erfuhren wir, daß mau die La
5 dung in« Meer zu werfen augefanaeu
habe, da das
Schiff,
wie »vir auch an
unfern Salon inerten konnten, immer
tiefer in den Sund einsank. Als wir
gegen 7 Uhr das Schiff »erließen, hatte
imau bereits gegen :t(oo ixen hier Znck.r
ins Meer geworfelt nnd man bcabfich
tigie mit dieser Arbeit noch bis um Mit
I tag fortzufahren.
1
Auf die Nothfigunic waren drei kleine
Schlepper Herbeigeeilt sie konnten aber
der Ebbe wegen während der Nacht nichts
'thnn. UM 7 Uhr brachte man uns die
Nachricht, daß ein 2ü)iff bereit fei, inv:
ans Land zu bringen. Nie werde ich
vergessen, mit welchen Empfindungen ich
über das Verdeck schritt, das mit Zucker
jtuie mit Schnee ganz bedeckt war. Ich
mar die erste, weiche die schwankende Vei
iter bestieg der Eapitän und die bei Den
Offiziere leisteten uns die niuhige Hülfe,
unö die guten Matrosen schauten ganz
i betrübt dem traurigen Abzüge der Schwe
stent zu. Es waren alle so brave Men
Aschen ans dem Schiffe und wir hatten
manchmal Gelegenheit gehabt, uns fo
I tu oh! an der Freundlichkeit nnd Gefäl
ligkeit als ganz besonders an dem an
ständigen Benehmen der ganzen Mann
fchaft zu erbauen. Mit bettt festen Ver
I trauen, der liebe Gott werde fo gute
Menschen nicht umkommen lassen, be
stürmten wir den Himmel um Rettung
des Fahrzeuges.
I Glücklich und ohne weitern Unfall ka
'titelt wir alle auf dein kleinen Hülfsdam
pf er, der uns in ztoei Stunden in den er
ahnten Hafen von Brooklyn brachte.
I
Von hier telegraphiren wir unsere An
kunft an die Aachener Franzisfanerintten,
welche in New
s2)orf
ein Hospital besitzen.
Nach anderthalb Stunden schon trafen
zwei jener lieben Schwestern mit einigen
Wage» ein und nun ging es nach New
i?)ort znm Hospital der Franziskanerin
jitctt. Hier war Alles Liebe nnd Herzlich
fett, nur deutsche Schwestern, die an Zu=
Verkommenheit gegen die neuen An fönt in-
inge mit einander wetteiferten. Wir
bliebe» von Montag bis Dienstag Abends
7 Uhr in New -J)orf, reisten die Nacht
durch nnd kauten ant Mittwoch Nachmit-
tag hier in Buffalo an, wo unsere Schwe
Istern uns mit großem Jubel empfingen.
Drei der mit mir angekommenen
Schwestern reiften ant nämlichen Tage in
Begleitung einer englischen Postnlantin
nach Kolumbus, £)., wo ein großes
Haus für den neuen Wirkungskreis ih=
irer wartet. Hierin Buffalo haben wir
zwei Klösterchen, jedes mit 7 Schwestern,
i das eine in der Nähe der St. Michaels-,
das andere bei der St. Anna-Kirche. Ich
bin im St. Michaelsfloster und werde
gleich nach den Weihnachtsfeiern das
Vergnügen haben, ein Regiment von 60
!wilden, unwissenden Knaben im Alter
ivtitt U—12 Jahren zn übernehmen und
außerdem noch einige Stunden in der
Töchterschule geben. Mit großer Un
wissenheit verbindet die amerikanische In
gend eilte gute Portion Ungezogenheit,
wie ich sie in Deutschland nicht kennen
gelernt habe es erklärt sich dieses aller
dings wohl theilweise daraus, daß die
einwandernden Deutschen durch die vie
len für ihr zeitliches Fortkommen durch
aus nothwendigeii Arbeiten abgehalten
werben, auf die' Erziehung ihrer Kinder
die nöthige Zeit zu verwenden. Vor
läufig haben die Schwestern fetttre Arbeit
und wenig Erfolg, doch wird es mit
Gottes Gnade wohl besser werden."

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