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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, June 09, 1875, Image 7

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feie Brüder Valerian und Tiburtius vor
die goldene Säule des Jupiter. Dort
sollen sie im Angesichte des Volkes den
Göttern ein Opfer bringen oder wenn
sie sich weigern, enthauptet werden."
Die Jünglinge, umringt von einer
Rotte unbarmherziger Schergen,wurden
unter Spott und Hohn durch die beleb
testen Straßen geführt. Der Anführer
der dtotte aber er hieß Maximus
macht? i-e Ausnahme von den- wacht
habenden Soldaten. Er wußte wohl,
daß die Jünglinge zehnmal lieber zur
schrecklichst-" Folter, als zur Anbetung
der leblcs.u Bildsäule gingen und er
wurde sehr traurig, daß dies edle Blut
in den Blüthenjahreii jugendlicher Kraft
und Männlichkeit auf eine so schmähliche
Weise verströmen sollte. Uebermpnnt
vom Gefühl des Mitleids, und umfangen
vom Gewirre mannigfaltiger Gedanken
und Zweifel, ward er endlich bis zu
Thräuen gerührt.
Die Jünglinge merkten dies, beteten
in der Stille zu Jesus um Gnade und
Erleuchtung des armen Zweiflers, und
benützten nun jeden Augenblick, mit einer
Sprache voll Kraft und Wahrheit dem
Rottenführer das Dasein eines einzig
wahren Gottes in die Seele einzuprägen,
ihn zu überzeugen von der Gewißheit des
ewigen Lebens und in seinem Herzen die
himmlische Glut unsterblicher Liebe zu
dem göttlichen Erlöser zu entzünden.
Der gütige Heiland kam mit seiner bese
ligendeu Gnade. Die Thränen des Mit
leids verwandelten sich in Glaubeusthrä
nen, in Liebesseufzer. Gesegnet nop den
Brüdern ging Maximus hinweg, ließ
sich in der Lehre des Heiles unterrichten
und wurde getauft. Sein Glaube hat
ihm geholfen.
Nun standen die Brüder vordemTkm
pel des Jupiter. Sie opferten nicht
und wurden enthauptet.
Nach einigen Tagen erfuhr der Stadt
Vogt, was sich mit dem Rottenführer zu
getragen, und er ließ ihn alsobald vor
sich rufen.
Maximus fürchtete sich nicht, und kam
und bekannte vor dem Richtet den Namen
des Gekreuzigten. Zähneknirschend warf
der empörte Heide den Neubekehrten von
sich und übergab ihn den mordgierigsten
Henkern, die dessen Leib unter höhnischem
Gjespötte so lange zerschlüge», bis der
Märtyrer leblos zur Erde fiel.
Jetzt trug der Stadtvogt aufs Neue
ein sündhaftes Verlangen nach den Gü
tern der erwürgten Brüder in seinem
verstockten Herzen. Aber der Nathsherr
Tarquinius machte ihn abermals auf
merksam und flüsterte ihm zu: „Cäcilia
ist Valerian's vermeintliche Gattin!
Wenn du sie nicht aus dem Wege räumst
wird sie öffentlich als Erbin aller Güter
ihres Mannes angesehen. Ist sie nicht
Christin? Hängt sie nicht der Seete der
Nazarener an, wie die-Jünglinge, die
du dem Schwert des Henkers übergeben?
Was hindert dich, ein Gleiches an ihr zu
thun? Und du bist Herr der Reichthümer
dieser adeligen Familien!"
Der Stadtvogt nickte dem Rathsherrn
Beifall zu. Sie boten sich einander die
Hand und versprachen sich gar freund
schaftlich, Tags darauf, wenn auch diese
Mordthat vollendet, sich wieder zu sehen
beim fröhlichen Festfchmauße.
In dem einsamen Gemache stiller An
dacht und geistiger Erbauung saß Cäci
lia, die edle christliche Jungfrau. Sie
war von Jugend auf eine Meisterin des
Gesanges, und verstand, dem Saiten
spiele die süßesten Töne zu entlocken. Al
lein sie öffnete nur den Mund zum Lobe
Gottes, und rührte das Saitenspiel,
wenn sie die erhabenen Lieder des Königs
sang.
So entschwebte eines Morgens, da
das Gefühl heiliger Andacht sie beseelte.
ihren reinen Lippen der trostreiche erqui
ckende Psalm:
„Fröhlich fin9' ich mit meinen Lippen,
Wenn ich dir spiele
Und es jauchzen in meinem Herzen
Fromme Gefühle.
Und es rufet mein Mnnd
Hochentzückt himmelan
Große Dinge, 0 Gott,
Hast du an mir gethmi!"
Die Töne des heiligen Saitenspiele«
waren noch nicht verklungen da traten
Schergen zur Jungfrau, und sprachen
„Wir haben den Befehl vom Stadtvogt
dich vor den Richterstuhl zu führen."
Das Seitenspiel in der Rechten folgte
Cäeilia ohne Widerrede.
Sie stand vor dem Richterstuhle. Al
machius wollte sie zwingen zum Götzen
Opfer. Aber sie griff voll himmlischer
Begeisterung in die Saiten und sang ein
Preislied dem allmächtigen Gotte, einen
Dankpsalm dem Gekreuzigten auf Gol
gatha.
vihnachiii» zürnte ititd schrie: „Fort
mit ihr, wenn sie den Götter» nicht op
fern will. Sie wandle den Weg nach der
Stätte, wo die adeligen Jünglinge und
der Rottenführer verblutet!"
Und Cäeilia wurde hinausgeführt.
Taufende von Menschen hatten sich um
sie versammelt und weinten in der Stille
und manches weiche Herz konnte sich des
lauten Schluchzens nicht einhalten.' Sie
aber, erleuchtet und gestärkt von dem
'Geiste Gottes erhob laut ihre wohlklin
gende Stimme, und sprach": Mitbürger
und Brüder, hört! Ihr seid die Diener
eures. Vogtes, wiewohl es scheinet, daß
ihr nicht gerne theihiehmet an seiner Un
gerechtigkeit. Ich aber rechne es mir
zur großen Ehre, uüd es 1st mir ange
nehm, Alles, was nur hart sein kann,
für das Bekenntznß Jesu Christi zu er
dulden. Verlassen habe ich alle Anhäng
lichkeit an dieses irdische Leben. Darum
bekümmert euch nicht um mein zartes
Alter! Ihr werdet es aller Sorge ent
binden, wenn ihr thut, was euch von dem
Statthalter befohlen worden. Denn
meine Brüder, ich verliere durch den Tod
mein jugendliches Leben nicht! ich ver
tausche es nur. Eine Erdscholle geb' ich
dahin und empfange dafür reines
Gold. Ich trete aus einer vergänglichen
armsÄigen Hütte, und darf dafür eine
große herrliche Wohnung beziehen, köst
licher erbaut, als von Gold und Edel
steinen. Dunkel ist der Winkel, den ich
verlasse aber herrlich glänzet vom hiinin
tischen Lichte der Ort, wohin ich gelange.
Dort werden wir für den Verlust der
vergänglichen Schätze dieser Erde ewig
unvergängliche Güter einer bessern Welt
zu Theil."
Dann stimmte sie noch einmal ihr
Saitenspiel zum Preisliche des göttlichen
Heilandes und sang mit zarter Stimme
immer leiser und leiser immer
schmelzender bis endlich unter dem
Schwertstreich des Henkers den heiterlä
chelnden Lippen der letzte Sehnsuchtston
entflogen.
e w ö e
Zur Eedächinijuibung für unsere jungen Leser
Comfort, (engl.) Behaglichkeit.
Commandant, (fr.) Befehlshaber.
0 111 enta r, (Int.) Erklärung.
Commerz, (Igt.) Handelswesen.
0 mmis, (fr.) Handlnngsdiener.
0 mmissär, (lat.) Bevollmächtigte.
6. Preisaufgabe.
Aufgabe No. 70.
Mit welcher zweizifferigen Zahl erhält man
durch Multiplication derselben mit ganzen Zah
len, die Produkte:
111, 222, 333, 444, 555, «60, 777 888, 999
Für die richtige Auslösung dieser Preisauf
gäbe sind sechs Preise ausgesetzt, nämlich
1) Eine goldplattirtc Brustnadel,
i2) Ein Paar göldplattirte Ohrgehänge,
3) Ein goldplattirter Bleistifthalter,
4) (Sine groste Photographic des Pomcrol)
Waisenhauses,
5 it. (i) Zwei Broschüren.
Diese sechs Preise werden am 25. Juni im»
tvi die Bewerber ausgewset. (:s müssen also
die Auflösungen bis zu jenem Tage in unfern
Händen fein, wenn sie berücksichtigt werden sol
len.
Auflösung der Aufgabe No. 67.
1. 2.
Nichtige Auflösungen der obigen Ausgabe
wurden eingesandt von H. Lansing, Joseph
Dreymann, A. Mühlbauer.
Entzifferung der rvnt. Handschrift.
(5ajus Julius Cäsar as lieber Austern und
Neunaugen als Sauerkohl und iuhkäs.
Konsonanten Räthsel.
W vftVitnfchhn ch w ghdn st.
Wir müssen unsere Leser wohl auf die Spur
Helsen, wie man die Räthsel ohne Pokale oder
die „Consonanien-Näthsel" auflöset. Wir ge
ben z. B. das folgende Räthsel auf:
Llrnfngstfchwr.
Die Auflösung min ist die folgende: sind
Von einem Satze die Pokale ausgelassen und
die (ii)iisominten hinter einander geschrieben.
Es handelt sich also darum, die fehlenden Po
kale zu finden und die Wörter zu trennen. In
dem Beispiele steht zuerst „VI". Damit sängt
fein deutsches Wort an, also fehlt ein Pokal,
das ist „ti". Jetzt heißt es also „All". Mit
„lr" hört kein deutschem Wort ans, also fehlt
ein Vokal, tun* ist „e". Das erste Wort heißt
daher „Aller". So fährt man fort biv man
den Satz gefunden hat. Hier ist die' ganze
Auflösung:
Llrnsngstschwr.
Vir itfmi st schwr.
Aller Anfang ist schwer.
S ch a ch.
Schluß der Partie N'o. 1. Zugleich Auflösung
der Ausgabe No. 2.
W e i ß. S ch w a z.
35) G.4—(s)
ft 2 nimmt ft' 3t) ft 5—(sl 4
:7 ft 3—(vi 2 37) (5 nimmt 4
38) (s 2—05 1 38) (5 S—E 1
3!l) 5—ft 1 39) (5 4—H 3
40) 1—(5 3 4(i) E 1 nimmt A 1
4 1) 7—B 8 Dame 41) A 1 nimmt ft 1
42) E 3 nimmt ft 1 42) 4—ft 3
•13) 1—H 1. 43)
(S)
3—(S) 2 i
Anfänger, die eine Partie durchspielen Ivo!
•(eil, sollten sich jetzt die letzten Nummern unseres
Blattes zusammen legen und diese jetzt been
dete Partie nachspielen.
Wir werden in den nächsten Nummern ganz
leichte Hebungen für Anfänger bringen. Wei
das Schachspiel erlernen will, sollte alle Blät
ter, die S ch a ch enthalten, aufbewahren.
Es sind nnö von verschiedenen Seiten An
fragen zugegangen, wo man Schachspiele er
halten könnte andere haben wegen des Preises
eines Schnchspiels angefragt noch andere ha
ben uns gebeten, ihnen Schachspiele zu senden.
Wir haben daraus ersehen, daß die Sache vielen
Lesern interessant ist. Was nun die Anfragen
betrifft, so meinen wir, daß sich wohl in jeder
Stadt irgend ein Store findet, wo man ein
Schachspiel kaufen kann. In der englischen
Sprache heißt das Schachspiel Chess (sprich
Tscheß) daö Schachbrett heißt: Chess-board
die Schachfiguren heißen: CheSS-men. Der
Preis eines Schachspiels hängt ab von dem
Material, woraus es gemacht ist und von der
Feinheit der Arbeit. Ein hölzernes Schachspiel
kann nicht mehr als 25 bis 50 Cents kosten.
Schachfiguren von Elfenbein sind natürlich
theurer. Wir selbst haben keine Schachspiele
zum Perkauf. Indem wir hoffen, daß diese
Angaben unsere angehenden Schachfreunde zu
frieden stellen, erklären wir uns zu weiteten
Antworten in Bezug auf das Schachspiel gern
bereit. i
i
Nichts ist so feilt gesponnen
Auf dein schönen Friedhofe zu Freiburg!
im Breisgau, den so viele prächtige stei
nerue, aber auch armselige hölzerne Grab
dcnkmäler zieren, harren hochweise Pro
sessoren, Doktoren, Philosophen, die gar
manchesBuch studirt und manche Wissen
schaft erlernt dann Bürgermeister, Raths-
Ohio Waiseufreund. 7
Herren,geheime und andereRäthe, ja sogar
Dichter, endlich Reiche und Arme,fromme
Christen und IInchristen, barmherzige und
wohl mich unbarmherzige Schwestern mit
einander dem Tag der allgemeinen Auf
erstebung des Fleisches entgegen. Auf die
sem Friedhofe ficht auch ein ganz beson
ders schönes und großes Denkmal n ti in
lich das hohe steinerne Kreuzbild unseres
Herrn.
Am Fuße dieses hohen Cnizisircv nun
aber bemerkt der aufmerksame Beschauer
einen Todtenschädel, gleichfalls auf Stein
unter welche ein ekelhaftes Thier, eine
Kröte hervorkriccht. Was dann noch bc'
sonders auffällt ist ein eiserner Nagel,
der den Schädel auf dem Fundamente
festzuhalten scheint und au dem linken
Backenknochen des Schädels hervorragt.
Dieß ist wohl schon Manchem ansge
fallen, der es besehen, und mochte er sich
in der Folge den Kopf darüber zerbrochen
haben. Denn der Nagel mußte ja doch
seine Bedeutung haben, der das Ganze
so verunstaltet! Daher will ich kiindthnn
was es damit für eine Bewanduiß hat
Cs ist kein Faden so fein gesponnen.
Kommt endlich alles an die Sonnen.
Bor langer Zeit war es, da der Tod
tengräber eben auch an seiner Arbeit war.
Da warf er denn allerlei Stücke, Knochen,
Schädel, was immer sich seinem nnbarm
herzigeit Spaten entgegensetzen mochte,
hinaus, ohne besonders auf seine Arbeit
zu merken, die ihm ja ganz zur Gewohn
heit geworden. Ein Fremder sah ihm
bei diesem seltsamen Geschäfte.zu, mochte
wohl in eine heilsame Betrachtung ver
funken sei» über die Ei telle it der Men
schen und menschlichen Dinge, welche Ei
nem qnf Kirchhöfen so nahe gelegt wird,
zu welcher jeder Grabstein oder noch mehr
jed^s, auch ungeschmückle, arme Grab
Einen gleich!aw auffordert, als er plötzlich
gewahrte, daß ein eben herausgeworfe
ner Schädel sich fortbewegte. Granen er
griff den Fremden und selbst den darauf
aufmerksam gemachten Todlengräber.
Man ging der Sache auf die Spur, in
dem man den Schädel aufhob, und siehe
da, ein häßliches Thier, eines der
jenigen die auf dem Erdreich zn
kriechen verdammt sind, hatte sich in
demselben befunden und durch feine
Bewegungen auch den Schädel fortbe
wegt. Gleichzeitig aber gewahrte man ein
1711er durch den Schabe! gehendes t'och.
Matt tiüi] den Schädel sofort auf die
Anatomie zur ilnlerfüchung. Es war
klar am Tage, dar, hier ein Mord vor
liege nämlich dem Manne, dem einst die
ser Schädel angehört hatte, mußte ein
Nagel in den Kapf geschlagen worden
sein. Dieß war das Ergebniß der Unter
suchung der Herren Doktoren. Man
forschte nach Familie oder Benvandschaft
des ehemaligen Eigentümers des selt
samen Schädels. Man ließ die noch le
bende Fran desselben kommen, denn auf
sie siel in der Folge ein Verdacht. Sie
kam. Man wies ihr jenen Schädel vor,
ob sje ihn kenne? Aber sie sank sofort
ohnmächtig zusammen, und dies war eine
furchtbar dentlichcAntiunrt auf jeneFrage.
Ein Jahrzehnte laug verborgen gebliebe»
nes Verbrechen lag am Tage in der
That gestand die Fran ihr Verbrechen
ein und erlitt die ihr gebührende Strafe.
Zum Andenken au diese wunderbare
Kundwerdung eines so lange littgerächt
gebliebenen Mordes hat man jenen stei
»erneu Schädel gebildet und ihn an be i
Fuß des Kreuzes gesetzt, als ein zugleich
abschreckendes nnd belehrendes Beispiel!
Nichts ist so sein gesponnen,
Kommt alles an die Sonnen'.
Gottes Wille hat kein Warum.
Nesseln brennen Freund und Feind.
Kleiner Regen macht auch naß.

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