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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1875, Image 5

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Auskunft.
A n a e W e n e a n a u i u n
hat noch Geld auögeliehcn, bezahlt aber seine
Schuldet, nicht, kann ein solcher die Sakra
mente gültig empfangen?
A n w o e K e n e a e i s o e n
bar dieser, ob Jemand, der bankerott gemacht
hat, und dabei entweder beträchtliches Eigen
thum absichtlich l»ei Seite geschafft oder der
heimlicht hat, oder der später wieder Vermögen
erwirbt, seinen Gläubigern den Rest des $el
des, das sie ans der Bankerottmasse nicht er
hielten, zu bezahlen verpflichtet ist. Ist der
erste Fall vorhanden, hat nämlich ein Schuld.
er nach seiner Bankerott-Erklärung Eigen
tl/um in betrüglichet Weise bei Seite geschafft,
ti'ioorgcn oder verschleudert, so kann derselbe
«ach den Gesehen der Bereinigten Staaten mit
Gesänguih bis zu 3 Jahren bestraft werden.
Dieses ganz gerechte Gesetz verpflichtet auch im
Gewissen und ein Mann, der so gehandelt hat,
kann nicht die heiligen Sakramente gültig em
pfangen. Wenn aber Jemand bei einem Ban
kerott Alles, was er besitzt, seinen Gläubigern
redlich übergeben hat, diese aber nur 30 oder
auch 60 Prozent ihrer Forderung erhalten ha»
ben, weil seine Aktiva nicht mehr ergeben ha
ben, ist nun ein solcher Bankerottem:, wenn er
später etwa wieder zum Wohlstande kommt,
verpflichtet, die fehlenden 70 oder 40 Pro
cent an seine Gläubiger zu bezahlen? Nach
den Staatsgesehen ist er zwar frei von
dieser Verpflichtung, aber im Gewissen ist er
dazu verpflichtet und verbunden, später, wenn
es ihm irgendwie möglich, seine Gläubiger voll
ständig zu befriedigen. Wenn auch der Staat
durch da« Bankeröttverfahren und die „Dis
charge" die Forderungen als abgemacht und
erloschen betrachtet, so sind sie es darum im
Gewissen durchaus nicht. Ein solcher Schuld
ner, der seine Gläubiger später vollständig be
zahlen könnte, und es nicht wollte, weil er es
nach den Staatsgesetzen nicht braucht, würde
ebenso ungerecht handeln, als ein solcher, der
sein Eigenthum durch einen Scheinverkauf bei
Seite schafft. Nur die Mitglieder einer Com
pagnie, die bankerott wird, möchten von dieser
Verpflichtung ausgenommen sein, wenn der
Bankerott ohne ihr Verschulden eingetreten ist.
A n i n e W a n n u n v o n w e i s e
Freimaurer-Orden gegründet'!
A n w o I n e z u a u e n U s u n
der Freimaurerei haben lange Zeit die Logen
brüder es gemacht, wie die Völker deS Alter
thttms. Diese suchten nämlich einen besonde
ren Stolz dann, ihren Ursprung in unvordenk
liehe Zeiten zu versetzen. So behaupteten srü
her auch die Logenbrüder, daß sie von den ge
Heimen Verbindungen Chaldäa's, Egypten'«,
Indien«, Griechenlands, die weit vor Christus
bestanden, abstammten. Allein die Logenbrü
der machen sich heute selbst über solche Mär
chen, sowie über die Fabelei lustig, daß Hiram,
der Baumeister des salomonischen Tempel«,
ihr Vater sei.
In neuerer Zeir hat vielfach die folgende
Meinung über den Ursprung der Freimaurer
Beifall gefunden:
Schon in frühen Zeiten hatte sich eine An
zahl wirklicher Baumeister und Wirklicher Mau
rer zu einer Art Zunft verbrüdert, und die
Mitglieder dieser Zunft nannten sich im Mit
telalter Freimaurer. Diesen Namen legten sie
sich deshalb bei, weil sich diese Zunft der Man
rer, wie viele andere Zünfte, großer Privile
gien oder Freiheiten erfreute von Seiten des
Staates und der Kirche. Diese Genossenschaft
der sogenannten Freimaurer trug nicht im min
besten etwas Bedenkliches an sich, im Gegen
theil herrschte frommer Sinn und thatkriiftiger
Glaube in derselben.
Allein im vierzehnten Jahrhundert hatten
sich allerlei lockere, freisinnige Geselle« in jene
Genossenschaft eingeschlichen, und so war die
selbe in Verfall gerathen. Gerade in diese
Zeit fiel die Aufhebung des Templer-Orden«.
Dieser Orden war früher im heiligen Lande
zur Vertheidigung des Glaubens errichtet wor
den. Die Tempelritter verbreiteten sich bald
durch ganz Europa und erlangten durch ihre
Reichthümer einen großen Einfluß. Einer ih°
rer ersten Großmeister ließ sich durch die Türken
verführen und brachte nebst widernatürlichen
Sitten gotteslästerliche Hebungen in den Or
den, welche nur zu lange ein tiefes Geheimniß
geblieben sind. Philipp der Schöne, König
von Frankreich entdeckte diese abscheulichen Ge
Heimnisse und drang in den Papst Clemens den
Fünften, die Templer zu bestrafen und den
Orden aufzuheben. Der Hauptzweck des Kö
nigs Philipp war die Wegnahme ihrer Güter
der des Papstes, die Sache des Glaubens, der
Gerechtigkeit nnd der Sittlichkeit zu vertheidi
ßen. Viele Templer wurden freigesprochen
andere strenge bestraft, einige, die Schuldigsten,
dem weltlichen Arme überliefert, wieder andern
gelung es, sich zu retten. Dieser Punkt ist
heutzutage eine bekannte Thatsache. Viele
Tempelritter flüchteten nach Deutschland und
Schottland. Namentlich hier in Schottland
schlössen sich diese Tempelritter den dort beste
henden Genossenschaften der oben genannten
Freimaurer an, und brachten in die ohne dies
schon in Verfall gerathene Zunft ihre Sitten
losigkeit und ungläubige Gesinnung mit. Die
Tempelritter gewannen bald einen solchen Ein
fluß in der Zunft, daß sie dieselbe ganz leite
leu. Daher herrschte seit dieser Zeit jener
Geist des Ha^es gegen die Kirchen unter den
Freimaurern, der die Tempelritter, oie aus der
Kirche verstoßen waren, selbst beseelte. Die
Tempelritter, oder die neue« Freimaurer im
schlimmsten Sinne des Wortes, wie wir ihn
heute haben, behielten die Abzeichen der Mau.
rerei, Hammer, Kelle und Winkel bei, geben
aber diesen Zeichen eine gchcimnißvolle Bedeu
tung.
Da die ersten Freimaurer Schotten waren,
so darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn
wir gerade auf den britischen Jnleln die ersten
Spuren der Maurerei finden.
Eingangs des vierzehnten Jahrhunderts fin
den wir auch die Namen von englischen Lords
in der Maurerliste. Die alten Bauziinfte nah
men nämlich gleich andern Zünften auch Mit
glieder auf, welche das eigentliche Handwerk
nicht trieben, sondern sich den Bauhütten zu
andern besonders geselligen Zwecken anschlos
sen. Zweihundert Jahre später übernahm
Heinrich der Achte in England den Schutz über
die eigentliche Freimaurerei. In Frankreich
wurde sie erst im Jahre 1725 durch Lord Der
went-Baters eingeführt, nachdem einige Jahre
vorher ein anderer Engländer, Namens George
Payne als Ordens-Großmeister in Verbindung
mit dem Naturforscher Desaguliers und dem
Theologen Jameö Anderson dem Freimaurer
Wesen einen ganz neuen Umschwung gegeben
hatte, einesteils dadurch, daß er regelmäßig
wiederkehrende Versammlungen anordnete und
anderntheils und zwar hauptsächlich dadurch,
daß er unter der Hülle alter Formen ihm ganz
neue Regeln gab, so büß das Jahr 1717 oder
1719 gleichsam als das Gründungsjahr der ge
genwärtigen Freimaurerei angenommen wird.
Nach Belgien kam die Freimaurerei in 1721,
also vier Jahre früher, wie nach Frankreich.
Alsbald wurde zu Möns eine Loge eingerichtet
in Folge der offenen Schreiben Jahann's, Her
zog» von Montaigu, Großmeisters der Mutter
löge der ganfen Welt. Die alte Verbrüderung
ver Maurer-Bauleute, anS welcher unsere je
tzige Freimaurerei im Laufe der Zeit sich cut
wickelt hat, war, wie oben bemerkt, durchaus
uuverdächtig.
Ganz anders gestaltete sich die Sache erst
dann, als die Tempelherren in den Reihen der
Lehrlinge, Gesellen und Meister Schutz suchten
und fanden und die vorgefundene Einrichtung
zn ihren Zwecken ausbeuteten und denselben
dienstbar machten.
Auf vorstehende Thatfache glauben wir um
so mehr Nachdruck legen zu müssen, weil diese
unverkennbar von großem Belange ist für nn
sere Behauptung, die eigentliche Freimaurerei
habe von jeher auf Seiten der Kirchenfeinde
gestanden, wenn wir auch gern einräumen, daß
die Freimaurerei nicht gleich anfangs einen so
schroffen firche«feinblichen Standpunkt einnahm,
wie sie gegenwärtig inne hat und entschieden
festhält uii6 spricht dies unser Zugeständniß
dafür, daß die Freimaurerei in widerchristlickier
Richtung Fortschritte gemacht hat, wie solches
naturgemäß nicht anders zu erwarten ist.
A n a e W a s e e u e e e e u h
staben M. D. C.* und L. als Zahlen?
A n w o e e u e 1 0 0 0 5 0 0
100 und 50. Mit diesen römischen
Zahlzeichen wird die Jahreszahl 1876 auf fol
gende Weife geschrieben: MDCCCLXXVJ.
A n a e I s i e W e e i n Körper?
A n w o a n a u e i n e Z e i
ten annehmen zu müssen, daß die Wärme ein
seiner alles durchdringender Stoff sei, dessen
Gegenwart die Wärnie-Erscheinungen bedinge.
Diese Annahme ist jedoch unhaltbar, denn die
Wärme ist nichts Körperliches, sondern nur eine
Erscheinung oder ein Zustand der Körper. Aus
der frühern aber jetzt ansgegenen Ansicht hat
sich vielfach die Sprachweisc, die Wärme als
Körper zu bezeichnen, erhalten, was jedoch un
richtig ist.
A n a e I s e e e i n e e i s s e i s e
A n w o t: Ganz gewiß.
Fragsteller I. L. in Ein. Das Jahrhundert
in Ihrer Anfrage ist unrichtig. Sonst sind die
Thatsachen, die "der Protestant behauptete, rich
tig. Wir werden bald darüber einen längeren
Artikel bringen.
A n a e a a n a n A s i n n z a e n
Hühnersuppe essen
A n w o i e e n i e n w e e n i v o
Abstinenzgebote dispensirt sind, dürfen an sol
chen Tagen keine Hühners»^ pe essen.
A n a e W e a K a e n o e n e i
lig gesprochen Und ist es wahr, daß sein Name
aus dein römischen Brevier gestrichen wurde?
A n w o K a e o e w u e v o n e
Cegenpagst Paschalis in die Zahl der Heiligen
ausgenommen und die spätem rechtmäßigen
Päpste gestatteten dessen kirchliche Verehrung.
Das römische Brevier ist im Laufe der Jahr
hunderte vielfach umgearbeitet und umgeändert
worden nnd da dasselbe nur die Namen jener
Heiligen jetzt enthält, deren Feste in der 3 laM
Rom und aus der ganzen Erde gefeiert werden
oder für deren Gedächlniß ein bestimmter Tag
festgesetzt ist, so tyim es wohl möglich sein, daß
der'Name Karls des Großen daraus gestrichen
wurde, wie auch Namen von Heiligen, die jetzt
im Brevier stehen, vielleicht n ich Jahrhunderten
mal gestrichen werden, um andern Platz zu
machen. Wir bezweifeln aber, ob der Name
Karls deS Großen jemals im römischen Brevier
stand.
A n a e I s o a n n e s e y k a e
crcommiuiicirtc Janscnistcnbischos früher katho
lisch gewesen?
A n w o e y k a i s n i e k a o i s e
Wesen, sondern in der Sekte der Jansenisten,
die etwa 5000 Mitglieder zählt, geboren. Diese
Sekte besteht etwa 200 Jahre und bewegt sich
iii dem merkwürdigen Widerspruch, daß sie den
Papst wohl als Oberhaupt der Kirche anerken
nen will, dabei aber ihm den Gehorsam ver
weigert. Die Jansenisten wollen katholisch
sein, aber die Kirche erkennt sie nicht an, weil
sie von ihren Jrrthümern nicht lassen wollen.
Im Widerspruch mit sich selbst erkennen sie an,
daß der Papst das Recht habe, Jrrthiimer zu
verdammen, als aber der Papst diese« Recht im
Jahre 1653 den Jansenisten gegenüber aus
übte, da erfanden sie die Ausrede, die Jrrthü
iner, die der Papst verdammt habe, seien in
beut Buche des Jauseuius nicht enthalten und
ob das der Fall sei oder nicht, darüber habe der
Papst nicht zu entscheiden. Diese lächerliche
Ausrede ist bis zum heutigen Tage der Stütz
Punkt der Jansenisten in ihrer theilweisen Un
terwerfung und theilweisen Auflehnung gegen
das Oberhaupt der kath. Kirche gewesen.
A n a e W i e v i e e v e s i e e n e S a e n
gibt es ungefähr auf der Welt, ist die irische
Sprache eine Ableitung der englischen und ist
die holländische eine Ableitung der deutschen
Sprache?
A n w o E s i s k a u ö i a u n u
annähernd anzugeben, wie viele Sprachen es
auf der Welt gibt. Warum dieses so ist, ergibt
sich aus Folgendem: Es gibt zuerst lebende
und tobte Sprachen. Die ersten sind solche,
die jetzt noch gesprochen werden, die letztem sind
solche, die nicht mehr im gewöhnlichen Leben
gesprochen, sondern nur noch von Gelehrten
verstanden und gebraucht weiden, wie z. B.
die lateinische oder hebräische Sprache. Dann
hat jede Sprache verschiedene Dialekte oder
Mundarten wie hochdeutsch und plattdeutsch.
Ob man diese nun mitzählen will, oder nicht,
davon wird es abhängen, ob es eine größere
oder gerinecre Anzahl Sprachen gebe. Man
theilt die Sprachen meistens in drei Sprach,
stamme, den indo-gerinanischeu, den semitischen
und den finnisch.tartarischen. Wir wollen nur
angeben in wie viele Sprachen der erstgenannte
Sprachst«»«»! zerfällt: Indisch, Persisch, Grie
chisch, Lateinisch, Germanisch, Slavifch, Kel
tisch. Jede dieser Sprachen hat wieder zahl
reiche abgeleitete Sprachen, von denen wir nur
die Ableitungen der lateinischen und germani
schen nennen. Vom Lateinischen ist abgeleitet:
Romanisch, Italienisch, Französisch, Spanisch,
Portugiesisch, Wallachisch, Provenealisch. Vom
Germanischen ist abgeleitet: Gothisch, Althoch
e u s i e o e u s N e u o e u s
Niederdeutsch, Altsächsisch, Plattdeutsch, Alt
a n e s s i s i e e n i s N e u e n i s
Schottisch, A ltfrisisch, Flamändisch, Holländisch,
Isländisch, Dänisch und Schwedisch. Die iri
sche Sprache ist keine Ableitung der englischen,
sondern gehört zu den keltischen Sprachen, die
jotzt säinintlich tobte Sprachen sind. Die hol
ländische Sprache hat sich wie die deutsche und
englische aus der germanischen Sprache ent
wickelt.
A n a e W a u n e n n a n i n i n i n
nati die Apotheker „Nennnndnennziger"
Antwort: (MitgctHcilt ßoii einem Apo
theker.) Weil, wenn man das Alphabet nimmt
und bezeichnet jeden Buchstaben mit der Zahl
s e i n e e i e n o e n i A I 2 3
4 :e. und jede Zahl, die unter den Buchsta
ben des Wortes „Ap.otheker" kommt, zusammen,
zählt, dieses gerade 99 ausmacht. (Wir ha
ben nicht nachgerechnet. Red.)
A li a e: Können Sie mir eine Gesell
schaft von hem Faraday Oeean Kabel nennen,
und wo sich die Office derselben befindet?
A i i w o i e e s u e e s e s a a
eine Office in New Äork nnd werden Briefe mit
folgender Adresse:
„Direct. U.
8.
Company, Nexv York,'*
Cable
wahrscheinlich
an den Superintendenten der Gesellschaft ge
langen.
Kommt da dieser Tage ein Mensch in unser
Waisenhaus, um zu sehen wie man s ch w a z e
Negerknaben weiß macht, denn es fei ihm ge
sagt worden, das geschehe hier und darum
Heiße das Haus „Waisenhaus!"
Ohio Waisensreund. 5.
Liberale Zustände in Mexiko.
Ein Correspondent des Neiv-?)ork-s?e
raid Hat im Laufe der Juli West-Mexiko
Heimgesucht und veröffentlicht' nun, was
er dort gesehen und gehört. VollenGlau
ben verdient derselbe gewiß beim er ent
puppt sich im Verlaufe seines Berichts ob
ein eifriger Knlturkämpser. Nachdem die
ser unser Gewährsmann zunächst den all
gemeinen Zustand des Lande? als den
änßersterUnzufnedenhcit,Unsicherheit und
Verwirrung geschildert, kommt er des
Näheren auf die Hafenstädte, die er per»
sönlich besucht hat. Acapulco, den Haupt
Handelsplatz inGuerrero.fand er von einer
ungeheuernRäuberbande belagert In
Folge dessen war in der armen Stadt eine
Hungersnoth ausgebrochen. Korn festete
nenn Dollars der Bushel, fiel aber beiAn
fünft des Dampfers, der den Herald
Korrespondenten trug, ungefähr auf die
Hälfte.Inzwischen waren.Wciber undKin
der bereits in nicht geringerAnzahl Hun
gers gestorben. Noch schlimmer stand es in
Manzanilla. Auch dort hatte eine Spitz
bubenbande von 250 Mann, die übrigens
im Einvcrständniß mit den „Behörden"
stand, Wochen lang die Thore belagert.
Wer nur immer die Stadt verließ, wurde
all seiner Habe beraubt. Ja die offenbar
humoristisch angelegten Ku'.turkämpfer
pflegten ihn bis auf's Hemd auszuziehen
und ihn in diesem Zustande tanzen zu las
sen. Daß sie nicht in die Straßen von
Manzanilla hineinkamen, bewirkte die
Anwesenheit einer starken und gutbewafs
neten Abteilung, die Maaren für „Schu
manns Transatlantic Company" durch
Michoacan undColima transportirt hatte.
Aber am 22. Juli ging diese Eskorte
per Dampfer nach San Francisco, und
schon in der Nacht vom 23. zum 24. be
setzten die Banditen Zollhaus undMarkt
platz. Eine allgemeine Plünderung war
die Folge. Und Nachdem jeder irgend
werthvolle, nicht niet- nnd nagelfeste Ge
genstand fortgeschleppt worden war, trie
ben die Ränder auch noch einige der an
gesehensten Bürger mit sich in die Berge,
«m für sie ein Lösegeld zu erpressen. Die
nicht eben entfernte flarkcBundcsbesatzung
von Colima sah ruhig zu und rühlte zum
Beistande der so furchtbar mißhandelten
Stadt auch nicht einen Finger. Am aller
gelungensten sind aber die Zustände an
der Südspitze des mexikanischen Kalifor
nien, in La Paz. Dort waltet nämlich
der Kulturkämpfer und Bundesgeneral
Devallos. Nachdem dieser Biederman das
Seinige gethan hatte,um die„Regierungs
candidaten" erwählen zu helfen, organi
sirte er eine Räuberei im Großen. Als
dann das gepeinigte Volk sich erhob und
ihn festsetzte, bot er 2000 Dollars Löse
geld summt dem Versprechen, sich nie
wieder in der unglücklichenProvinz blicken
zu lassen. Kaum war er aber frei, da ließ
er eine Abtheilung Hilfstruppen auS Ma
zatlan kommen, überfiel die Insurgenten,
stellte sie attdie Mauer und ließ sie
45 an der Zahl— ohne Prozeß, ja ohne
den Schein eines Prozeßverfahrens— er
schießen. Und damit nicht zufrieden, ver
folgte er auch noch die Weiber und Kin
der ber Gefallen nnd ermordete, so viele
er davon erhaschte. Das sind die Män
ner, welche „Aufklärung und Bildung"
verbreiten, das diejenigen, welche die
barmherzigen Schwestern als staaisge
fährlich aus dem Lande jagen, welche
friedliche Ordenslcute als „Feinde der
Toleranz" gleich wilden Thüren auf der
ganzen Erde herumhetzen. Nun, selbst der
kulturkämpferische Correspondent des
Herald meint ans verschiedenen Zeichen
schließen zu dürfen, daß diesen Herren die
Vergeltung nicht ferne sei. Möge er sich
nicht getäuscht haben!

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