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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1875, Image 6

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6. Ohio Waisenfreund.
Gemeinnützige Kenntnisse.
Dehnbarkeit, Eigenschaft der Körper,
vermöge welcher sie durch äußere Kräfte
(Druck oder Zug) ihre Gestalt ändern
lasseti, ohne ihren Zusammenhang aus
zugeben, also ohne zu zerreißen oder zu
zerbrechen. Die Dehnbarkeit wird daher
in Anspruch genommen, wenn man ei
nen Körper, der in Folge von Druck oder
Zug seine Elasticitätsgrenze schon über
-schritten hat, noch weiter der Wirkung
von Kräften aussetzt, welche seinen Zu
sammenhang auszuheben streben. Ehe
dieser wirklich ausgehoben wird, tritt
eine Gestaltänderung des Körpers ein,
welche um so größer ist, je größer eben
die Dehnbarkeit des Körpers ist. Der
Begriff „Zähigkeit" fällt mit dem der
Dehnbarkeit zusammen, während „Sprö
digkeit" daß Gegentheil bezeichnet. Man
unterscheidet zwei Arten von Dehnbar
feit: die Hämmerbarkeit und die Streck
forfeit. Erstere ist die Dehnbarkeit der
Körper bei gewaltsamer Ausbreitung ih
rer Masse in eine Fläche durch Hämmern
oder Walzen, welcher durch auftretende
Risse, Sprünge oder Löcher ein Ziel ge
setzt wird die Streckbarkeit wird durch
Ziehen an dem Körper in Anspruch ge
iiommcn und endigt durch dessen Zerrei
ßen. Beide Dehnbarkeiten besitzt das
Gold im höchsten Grade. Es kann einer
seits so fein ausgewalzt werden, daß eine
Unze eine Fläche von 150 Quadrat-Zoll
IbebedUmb andererseits läßt es sich durch
Drahtzüge als Ueberzug von Silberd'raht
so strecken, daß seine Dicke nur noch
einer Pariser Linie beträgt und
eine Unze eine cylindrische Fläche von
2300 Quabrat-Zoll einnimmt. Dabei
ist zugleich die außerordentliche Dehn
barkeit des Silbers zu bewundern, da
man aus einer 22 Zoll langen Siber
stange von 1 Zoll Durchmesser, welche
mit einer Unze Gold überzogen ist, einen
iifer 50 geographische Meilen langen
Draht zieht. "Bricht man ein Stückchen
dieses Drahtes ab und bringt es in Sal
petersäure, so löst diese den Silberkern
heraus und es bleibt ein hohler Cylinder
von Gold übrig, welcher trotz seiner ge
ringen Dicke noch so dicht ist, daß sein
Metallglanz keine merkliche Schwächung
zeigt. Um sehr seinen Golddraht zu
ziehen bedient man sich des umgekehrten
Verfahrens: man überzieht dicken Gold^
braht mit Silber und zieht dann den
Draht so sein, als es die Dehnbarkeit
des Silbers erlaubt, worauf das Silber
durch Salpetersäure weggeäzt wirb. Auch
Platin, obwohl es weniger behnbar ist
als Gold, kann in Drähte von Linie
Dicke ausgezogen werden durch Walzen
aber unb Hämmern wirb es schsn sieb
artig löcherig, lange ehe es die geringe
Dicke bes Blattgolbes erreicht. Auch
Kupfer unb Messing besitzen vorzügliche
Dehnbarkeiten in beiden Beziehungen.
Zink, Zinn, Blei lassen sich zwar zu sehr
dünnen Blättchen schlagen (Staniol)
aber nicht zu'feinem Drahte ziehen. Sehr
viele Körper, welche bei gewöhnlicher
Temperatur sehr wenig dehnbar sind,
werden es bei einer Temperatur, welche
ihrem Schmelzpunkte nahe liegt, oft in
ausnehmendem Grade. Dahin gehört
insbesondere das Glas, welches man,
wenn es durch Hitze weich geworben ist,
zu Fäden ziehen kann, welche dünner sind
als ein Haar. Ja matt hat von sol
chen Gläsfäden am Ende des vorigen
und Anfange dieses Jahrhunderts ihrer
dauerhaften Farbe unb ihres Glanzes
wegen Perrücken unb Frisuren verfertigt,
welche nur ihrer Gefährlichkeit für die
Augen wegen außer Gebrauch kamen.
Delaware, einer ber 13 Staaten,
welche ursprünglich bie Ber. Staaten
von Norbamerrka bilbeten, nach Rhobe
Jslanb ber kleinste ber Union, umfaßt
ben norböstlichen Theil ber Halbinsel
zwischen ber Chesapeake unb ber Dela
ware Bay, grenzt nörblich an Pcnnsyl
vania, westlich unb südlich an Maryland,
östlich an den atlantischen Ocean bis
zum Cape Henlopen- und nordöstlich an
die Bay und den Fluß Delaware und
hat ein Areal von 2120 engl. Quadrat
Meilen. Das Land ist im Ganzen flach,
nur der nördliche Theil wird am äußer
sten Ende durch Vorberge der Appala
chen hügelig. Der nördliche Theil des
Staates hat schweren Thon- und frucht
baren Weizenboden. Im Süden ist der
Boden sandig und mit Salzmarschen
wechselnd. Die Sümpfe im Süden,
namentlich der berühmte große Cypreß
Swamp, der fast drei geogr. Meilen
lang unb mit mannigfältigen Bäumen
und immergrünen Sträuchern besetzt,
außerdem aber auch mit schädlichen Rep
tilien angefüllt ist, haben eine torfige,
auf weißem' Meeressand ruhende Unter
läge. Die Küste ist sumpfig, niedrig
und ohne natürliche Häfen, weshalb in
ber Nähe vom Cape Henlopen, Lewiston
gegenüber burch Erbauung des Dela
ware-Breakwater, der aus zwei Hafen
dämmen, einem 1500 Fuß langen Eis
brecher und einem 3600 Fuß langen Flu
thenbrecher besteht, ein künstlicher Hafen
auf Bundeskosten hergestellt worden ist.
Der Staat zerfällt in drei Counties,
New Castle ixi Norden, Kent in der
Mitte unb Sussex im Süden des Staa
tes, die wiederum in „Hundreds" abge
thcilt sind.
Demokratie, bezeichnete im alten
Griechenland, welches diesen Begriff in
das politische Leben einführte, diejenige
Form der Staatsverfassung, wo die
höchste Gewalt weder von einem Ein
zelnen, noch von einer bevorrechteten
Classe, sondern von der Gesammtheit der
das Staatsbürgerrecht besitzenden Ein
wohner ausgeübt wurde. Die Sklaven
waren überall vom Staatbürgerthum,
ur,b beshalb von' ber Theilnahme an
ber Regierung ausgeschlossen. Die grie
chischen Republiken hatten theils eine de
mokratische, theils eine aristokratische
Verfassung. Die bedeutendste der ersten
Classe war Athen. Das Recht Aller, an
der Gesetzgebung Theil zu nehmen,
führte naturgemäß zu Bestrebungen, die
Gleichberechtigung aller Staatsbürger
durchzuführen. Unter der Leitung von
gewandten Demagogen führten diese Be
strebungen an manchen Plätzen zur Pö
belherrschast. Bei den alten Germanen
war das demokratische Prinzip insoweit
anerkannt, daß jeder freie Mann Mit
glied ber Volksgemeinde war, welcher die
Entscheidung über die Angelegenheiten
der Gesammtheitzustanb. Als die ger
manischen Stämme seßhaft wurden,
machten jedoch diese demokratischen Ein
richtungen allmählig dem aristokratischen
Lehnsstaate Platz, der dann in den mei
sten Staaten Europas zur Durchfüh
rung kam. Nur in einzelnen Gegenden
Deutschlands und den Altcantonen der
Schweiz erhielt sich eine rein demokrati
sche Verfassung. Das demokratische
Prinzip der Theilnahme aller Staats
bürger an der höchsten Staatsgewalt
behielt jedoch in vielen Feudalstaaten
zahlreiche Vertreter und errang in der
französischen Revolution von 1789 und
später in ben Revolutionen von 1848
welterschütternbe Siege. Eine vollstän
bige Durchführung erfuhr das demo
kratische Prinzip in den demokratischen
Republiken der Schweiz und Amerika's.
In den übrigen Ländern haben viele, die
die ganze oder theilweise Berechtigung
des demokratischen Prinzips anerkennen,
einer Beschränkung desselben mit Hin
sieht auf besondere geschichtliche oder
tatsächliche Verhältnisse das Wort ge
redet unb ber constitutionellen Monar­
chie ben Vorzug vor einer bemokratischen
Republik zuerkannt. Das Programm
ber bemokratischen Partei in ben einzel
nen Staaten zeigt unter bem Einflüsse
totaler Verhältnisse manche Verschieden
heilen, hielt jedoch überall fest an dem
allgemeinen, gleichen Wahlrecht und an
der Berechtigung aller Bürger zur Aus
Übung aller politischen Rechte.
Demokratische Partei in den Ver.
S a a e n E s s i k e i n e s i
ter Zeitmoment angeben, in dem die
Bildung dieser Partei, welche Jahrzehnte
lang mit nur kurzen Unterbrechungen
die Herrschaft in den Ver. Staaten ge
führt hat, stattgefunden hat. Der Name
taucht zuerst in dem Wahlkampfe zwi
schen Jackson und dem jüngeren Adams
auf. Das Programm der neuen Par
tei aber war in allem Wesentlichen das
nämliche, zu dem sich die von Jefferson
gegründete republikanische Partei bekannt
hatte. Im Laufe der Zeit hat dieses
Programm jedoch mannigfache Wechsel
erfahren und zu verschiedenen Zeiten sind
sehr verschiedene Theile desselben als die
eine entscheidende Grundfrage in den
Vordergrund gestellt worden, hinsichtlich
deren die gesammte Partei in sich einig
und im Widerspruch mit der entgegen
stehenden Partei war. Nur an dem ei
nen Grundgedanken hat die Partei we
nigstens in der Theorie festgehalten, daß
die Constitution streng nach dem Wort
laut ausgelegt wesden müsse, und nicht
durch „Construction" der Centralgewalt
Machtbefugnisse vindicirt werden dürs
ten, welche ihr nicht ausdrücklich in der
Verfassung, erthcilt wären und daß die
„Souveränetät" der Einzelstaaten, d. h.
der Theil ihrer Souveränetät, deffen sie
sich nicht ausdrücklich zu Gunsten der
Centralgewalt „entäußert" hätten, auf's
Aengstlichste gewahrt werden müßte,
wenn die Freiheiten des Volkes nicht
durch „Confolidirung" der Union unter
graben werden sollten.
Ein Abenteuer in den Ardennen.
Noch vor 40 Jahren war der Ardenner
Wald äußerst berüchtigt. Es geschahen
dort fortwährend Verbrechen. Reisende
von jedem Alter und Geschlecht, welche
auf ihrer Reise in denselben gekommen
waren, verschwanden daselbst. Die Regie
rung ordnete Nachforschungen an, um
die Opfer wiederzufinden, oder doch we
nigstens zu ermitteln, aus welche Weise sie
verschwunden waren aber die Bemühun
gen der Polizei, der Gensd'armerie und
selbst der zu diesem Zwecke organisirten
bewaffneten Schaaren blieben gleich ver
geblich man durchsuchte nutzlos die Ge
gend mehrere Meilen in der Runde, und
der Schleier, welcher das Geheimniß ein
hüllte, war lange nicht zu lüpfen.
„Mein Vater." so erzählte mir ein jun
ger Kaufmannssohn aus den Elsaß, „ließ
mich eine« Tages in sein .Comptoir rufen
und zeigte mir an, ich möge mich bereit
halten am nächsten Tage eine Geschäfts
reise nach dem nördlichen Frankreich an
zutreten. Mein Vater erlaubte mir, diese
Reise zu Pferde zu machen, und ich war
mit meinem Vorbereitungen bald zuEnde.
Ich mußte bei dieser meiner Reise einen
großen Theil jenes berüchtigten Waldes
durchreiten aber wenn man zweiund
zwanzig Jahre alt ist. fürchtet man sich
vor der Gefahr nicht im Gegentheile
schmeichelte der Gedanke an irgendein nn
gewöhnliches Abenteuer meinerPhantasie.
Am andern Morgen übergab mir mein
Vater ein versiegeltes Paquet, das für
seinen Geschäftsfreund bestimmt war, und
fügte einen Brief an General M. hinzu.
„Ais ich ihn das letzte Mal sah," erzählte
er mir. „war'st Du noch ein Kind er ist
Dein Pathe, und ich kann Dir die herz
lichste Aufnahme bei ihm versprechen.
Das Schloß meines Freundes liegt etwa
eine Stunde diesseits bes Walbes, unb ich
habe Dich in bem Briefe an ihn bringend
seiner Freundschaft empfohlen. Gott gebe
Dir eine glückliche Reise!"
Die Trauer von meinen Eltern eine
Zeit lang scheiden zu müssen, verschwand
balb vor ber Aussicht auf romanhafte
Abenteuer, bie ich zu bestehen hoffte. Ich
hatte ein tüchtiges Pferd, zwei Pistolen in
ben Halftern, einen wohlgespickten Beutel
und glaubte demnach allen Gefahren der
Reife trotze» zu können. Nach einigenTa
gen kam ich auf dem Schlöffe meines Pa
then an, übergab meine Karte und den
Brief meines Vaters einem Diener unb
brauchte nicht lange zu warten. Der ehr
würbiger Besitzer eilte mir entgegen unb
empfing mich wie einen Sohn.
Mährenb ber Mahlzeit, die er sogleich
austrage* ließ, erzählte ich ihm von dem
Zwecke unb Ziele meiner Reise unb setzte
euch hinzu, baß ich wieder aufzu
brechen gedenke sobald mein Pferd
sich einigermaßen erholt haben würbe.
Davon wollte ober der General nichts
hören unb als er mich eigensinniger fanb
als er erwartete, beutete er mir ziemlich
deutlich an. daß mein Entschluß mehr als
tollkühn sei. da bereits Mittag vorüber
und ich den Wald vor Eintritt ber Nacht
kaum würbe erreichen können. „Du weißt,
lieber Pathe,", setzte er hinzu, „baß auch
bie Muthigsten zu einer solchen Zeit sich
nicht in ben berüchtigten Wald wagen
ich muß also im Namen Deines Vaters
eingreifen und bestehe darauf, daß Du
wenigstens die Nacht in meinem Hause
bleibst. Wenn Du wirklich mich so bald
verlassen willst, so kannstDu morgen früh
zu jeder beliebigen Stunde Deine Reise
fortsetzen."
Ich gab seinen freundschaftlichenB'tten
und Vorstellungen nach, und als wir uns
Abends trennten, zeigte ich ihm an, daß
ich mit Tagesanbruch weiter zu reisen ge
benfe.
Am tinbern Morgen ging ich mit so
wenig Geräusch als möglich in den Stall
und sattelte eben mein Pferd, als mir
leise aus bie Achsel geklopft wurde.
ES
war mein «.üfmerksamer Pathe, der zu
mir sagte:
„Du siehst, ein alter Soldat ist eben so
zeitig ans wie Du. Ich kann Dich nicht
allein burch den Walb reisen lassen. Ein
alter treuer Diener wirb Dich begleiten
bis Du außer Gefahr bist. Ich habe ihm
bereits bie nöthigsten Instructionen ge
geben. Er befinbet sich jetzt in ber Küche
unb kocht Dir eine Tasse Kaffee, bie Du
vor bem Aufbruche trinken magst."
Ich that Alles, was er haben wollte,
nahm bann von dem würdigen General
Abschied unb verließ baS Schloß besselben
in Begleitung seines erprobten Dieners
Peter.
Als wir uns in der Allee hinter bem
Schlosse befanden, sah ich nach, ob meine
Pistolen sich in guten Zustande befanden
und Peter that dasselbe, benn sein Herr
hatte ihm auch ein Paar fruchtbare Rei
terpistolen übergeben. Wir gelangten
balb in ben Wald, unb ich will eS nicht
verheimlichen, baß e3 mir bie erste halbe
Stunbe hinburch ziemlich unheimlich zu
Muthe war. Aber ich bemühte mich, meine
Ängstlichkeit so viel als möglich zu ver
bergen, unterhielt mich beshalb eifrig
mit meinem Begleiter, unb ber Muth
fanb sich wieder, je weiter wir in den
Wald hineinkamen, bis ich endlich gar zu
dem Glauben gelangte, man habe dieGe
fahren einer Reife durch denselben zu sehr
übertrieben. Um ein Uhr waren wir glück
lich und wohlbehalten durch ben Walb
hindurch..
Sobald wir im Freien und auf der
Straße waren, rief ich aus: „Nun, Peter,
da sind wir benn mit heiler Haut bavoti
gekommen unb haben uns vergebens ge
ängstigt jetzt sinb wir, benf' ich, ganz in
Sicherheit."
„Das ist so gewiß nicht," antwortete er

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