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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1875, Image 7

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-^"lii'uri! fl iilri-rtimir I iililii in i imm
„wir können noch immer unangenehme
Bekanntschaften machen.
Ich scherzte über seine Furchtsamkeit,
setzte mein Pferd in Galopp und forderte
ihn auf, mir zü folgen. Eine Viertelweile^
von dem Walde, etwas abgelegen von der'
Straße, trafen wir ein Wirthshaus, das
freundlicher und versprechender aussah,
als die meisten, die man sonst in jener
Gegend an der Straße findet. Ich be
nutzte gern die Gelegenheit, etwas auszu
ruhen und einige Erfrischungen einzuneh
inen.
Wir stiegen also vordem WirthShause
ab und ein Knabe führte uns durch die
Nebenthür in den Stall. Während Peter
sich mit den Pferden beschäftigte, wollte
ich durch die Thür von der Straße her in
das Haus hineingehen, aber meine Auf'
merks«mkeit wurde in diesem Augenblicke
durch ein Mädchen von ungewöhnlicher
Schönheit erregt, die mich von dem höl
zernen Äalkon herab betrachtete. Sie trat
auf demselben bis an den äußersten Rand
vor und sagte mir:
„Kommen sie hierher, wenn es Ihnen
gefällig ist."
Ich stieg die Treppe, die zu dem Bal
Ion führte, hinauf und sie geleitete mich
in ein bescheiden meublirteS Zimmer, das
sie das Speisezimmer nannte.
Ich habe weder vor- noch nachher ein
schöneresMädchen gesehen. In ihren Zü
gen lag eine so bewunderungswürdige
Vollkommenheit, in dem Ausdrucke ihres
Gesichts etwas so Ungewöhnliches und
Reizendes, defc ich wie geblendet vor ihr
stehen blieb sie aberschien in sichtba
rerTrauer so daß ich unwüllkürlich fragen
mußte, was ihr fehle,
DaS Mädchen schlug die Augen zu mir
empor und warf mir einen Blick zu. des
sen seltsamen Ausdruck ich heute noch nicht
vergessen habe. „Ach antwortete sie mir,
„ich bin betrübt und recht sehr unglücklich.
Auch sie würden es sein, wenn Sie wüß
ten, welches Schicksal Sie erwartet."
„Und was habe ich zu fürchten fragte
ich mit ungläubigerMiene, weil ich glaubte,
sie wolle über mich spotten.
„Sie haben höchstens noch drei Stun
den zu leben," antwortete sie leise „ich
weiß nicht, was mich gegen meinen Wil
len zwingt, Ihnen dieses schreckliche Ge
heimniß mitzutheilen, aber ich kann nicht
schweigen. Die Flucht ist unmöglich, bin
nen drei Stunden werden Sie das Schick
sal zahlreicher Opfer theilen, welche die
sen Ort betreten haben."
„Du erzählst mir d« ein Mährchen, um
mich ängstlich zu machen. Vielleicht steckt
eine Liebesgeschichte dahinter, und Du
willst Dich auf diese Weise von meiner
Zudringlichkeit befreien."
„Gott ist mein Zeuge, daß ich Ihnen
die Wahrheit gesagt habe—aber still.
Nach diesen Worten ging sie nach der
Thür« zu, dann auf den Corridor, um zu
sehen, ob Jemand uns hören könnnte."
Nachdem sie hierüber beruhigt war, kam
sie zurück, schloß die Thüre zu, und trat
mit Thränen in den Augen zu mir.
.Betrachten. Sie." sagte sie, „diesen
Fußboden diesen Sand. Haben Sie je
mals Sand in einem Speisezimmer, na
mentlich in der zweiten Etage, gesehen
Nch, wie viel Blut hat dieser Boden schon
getrunken Sie haben Essen bestellt, man
macht es unten bereit. Einige Minuten,
bevor eS fertig ist, werden drei Offiziere
zu Pferde, in der Uniform der kaiserli
Garde, in den Hof hereinreiten, denWirth
rufen. Essen, Champagner und dergleichen
verlangen. Der Wirft wird selbst erschei
nen, um Ihnen die Ankunft dieser vor
nehmen Gäste zu melden, und Sie zu
fragen, ob Sie bei diesem unerwarteten
Besuche wohl erlauben wollen, daß die
drti Personen Ihre Mahlzeit theilen, da
die Speisen, wie er versichern wird, wohl
für fünf Personen an einem Tische hin
reichten. Sie werben einwilligen, denn
eine Weigerung würde Ihren Tod nur
beschleunigen. Dadurch, daß Sie einwil
ligen gewinnen Sie Zeit, und Gott gebe
daß Sie mit Ihrem Diener irgend "ein
Mittel finden, die Pläne der Mörder zu
vereiteln."
Ich war wie versteinert, und es währte
ziemlich lange, ehe ich mich wieder faßte.
Ich bat das vortreffliche Mädchen mir
meinen Diener zu schicken, sobald -fit-es
thun könnte, ohne Argwohn zu erregen.
Sie that es, und ich erzählte Peter Wort
für Wort, was sie mir gesagt hatte. An
fangs wollte er mir nicht glauben, aber
die Einzelheiten die ich ihm mitthciltc,
machten ihn aufmerksamer.
„Aus Vorsicht," sagte er, „werde ich in
den Stall gehen, unter dem Vorivande,
nach den Pferden zu sehen, und dann nn
fere Pistolen mitbringen, die ich leicht in
meinen Taschen verbergen kann."
Kaum war er wieder bei mir angekom
men, als wir Hufschläge hörten, und drei
Offiziere, in der Kleidung, wie sie das
Mädchen beschrieben hatte, in denHos des
Wirthshanses Hereinriten. Ihre Erzäh
lung war also bis dahin bestätigt, und
auch Peter zweifelte nun nicht mehr.
„Es ist nur zu wahr, sagte er „ich werde
während des Besuches, den Ihnen der
Wirth machen wird, wieder in den Stall
gehen. Es ist jedenfalls besser, wenn er
uns nicht beisammen sieht nachher aber
werde ich Sie nicht verlassen."
Nach einigen Minuten erschien der
Wirth. Man kann sich unmöglich ein
gutmüthigeresGesicht als das dtrsesMetv
schen denken. Wie das Mädchen gesagt
hatte, entschuldigte er sich zuerst wegen
de? Vorschlages, den er mir machen wolle,
nämlich, ob'ich nicht, geneigt sei, drei
Offiziere von der kaiserlichen Garde mit
mir, speisen zu lassen. Er habe genug
für fünf Personen, wenn aber die
getheilt und in zwei Zimmer getragen
werden sollten, würden sie für dieselben
nicht wohl hinreichen. Er schloß mit der
Versicherung, daß ich nicht bedauern
würde, jene Herren kennen gelernt zu ha
ben es wären höhere Offiziere, deren
liebenswürdiges Wesen vonAnstand Tact,
und feiner Bildung zeuge.
Ich stellte mich so unbefangen als mög
lich, und antwortete, die Gesellschaft der
drei Herren würde mir ein besonderes
Vergnügen sein. „Nur," setzte ich hinzu
„dürfen sie es nicht übel nehmen,daß mein
Diener mit an dem Tische ißt. Ich reise
meiner Gesundheit wegen, und bekomme
häufig Krämpfe, weshalb er immer bei
mir sein muß." Ich stellte mich, als be
merke ich den Eindruck nicht, den diese
unerwartete Nachricht aus den Elenden
machte, ließ ihn fortgehen, und Peter, der
gleich darauf erschien, übergab mir meine
Pistolen, wobei er sagte:
„Ich habe einen Plan entworfen. Sie
setzen sich einem der beiden Räuber ge
genüber, und lassen die beiden andern an
derselben Seite des Tisches sitzen, so daß
sie mir gegenüberkommen. Sobald das
Dessert aufgetragen ist, werde ich mein
Glas ergreifen dann schießen Sie zu
gleich auf den welcher Ihnen gegenüber
sitzt ich nehme die beiden andern auf
mich nur fehlen Sie nicht. Unsere
Rettung hängt von Ihrer Kaltblütigkeit
ab. Wir spielen ein verzweifeltes Spiel,
und nur der Muth kann uns retten."
Ich versprach dem treuen Peter, ihn
gut zu unterstützen, und stellte mir die
blutige Scene vor, als die Offiziere in
Begleitung des Wirths erschienen. Sie
waren sorgfältig, vielleicht zu sorsältig ge
kleidet, und sprachen etwas frei, wenn
auch nicht unanständig. Sie dankten mir
für die Ehre, die ich ihnen erzeigte, kurz,
sie spielten ihre Rolle ganz gut. Die
Blicke, die sie einander zuwarfen als sie
Peter sahen, entgingen mir nicht, und als
sie ihreComplimente beendigt hatten, ent»
schuldigte ich die Nothwendigkeit, meinen
Diener mit ihnen an demselben Tische
essen zit lassen, und führte denselben
Grund an, welchen ich bereits demWirthe
genannt hatte. Das Essen wurde aufge
tragen, aber ich konnte kaum etwas ge
nießen jeder Bissen erstickte mich fast.
Man bemerkte, meinen geringen Appetit,
und ich schrieb ihn meiner Kränklichkeit
zu. Die Räuber aßen, tranken, lachten
und plauderten.
Die Mahlzeit war beinahe beendet
das hübsche Mädchen, das tins bediente,
hatte die Tellern weggenommen, als ei
»er der Räuber, die Peter gegenüber
saßen, etwas zu suchen schien. „Da habe
ich meine Dose vergessen!" sagte er, wo
rauf er, zu Peter gewendet, hinzufügte:
„Wollten Sie wohl lieber Freund, die
Gefälligkeit haben, und einmal hinunter
gehen aus dem Buffet unten werden Sie
eine goldene Dose stehen sehen, sie ist
mein ich habe sie eben stehen lassen.Brin
gen Sie mir dieselbe herauf."
Peter antwortete ruhig, ohne« sich auf
seinem Stuhle zu rühren, er befolge stets
mir die Aufträge und Befehle feinesHerrn.
Der Räuber, den diese Antwort verlegen
machte, und der sich auf die Lippe biß.
wendete sich an mich und bat mich sehr
artig, ob ich nicht meinem Diener diesen
Auftrag ertheilen wollte. Zum Glück er
schien in diesem Augenblicke das schöne
Mädchen mit Obst, Käse und Butter. Ich
machte dem Räuber bemerklich, daß sie die
Dose wohl holen könnte. Er trug ihr dies
auf, und sie kam bald darauf mit der An
zeige wieder, es stehe keine Dose unten.
„So bring' Champagner!" rief ihr der
Räuber zu.
Während sie fortging, um den Wein
zu holen, bemerkte der Offizier, der zu
meiner Rechten saß. daß ihm sein Taschen
tuch fehle, und er befahl barsch meinem
Peter, dasselbe unten aus dem Gastzim
mer zu holen. Der unerschrockene Diener
antwortete darauf wie daS erste Mal
und setzte hinzu, die Magd würde sogleich
wiederkommen, und könne das gewünsch
te besorgen. Der Champagner kam, und
der Stöpsel war noch nicht heran?, als
das Taschentuch sich zufällig unter dem
Tische fand.
In biesemAugenblicke verließ dasMäd
chen das Zimmer, und ich werde nie den
Blick vergessen, denn sie mir zuwarf, als
sie die Thür schloß. Sie schien sagen zu
wollen: „Deine Stunde hat geschlagen,
wir werden einander nie wiedersehen/'
Die Flaschen freisten, und als dieReihe
an Peter kam, sich einzuschenken, sah er
mich an, als wollte er andeuten, nun sei
es Zeit zu handeln. Er führte das Glas
an den Mund, setzte es aber plötzlich wie
der nieder und sagte zu mir: „Sie sind
krank, Herr
„Nein!" antwortete ich.
Ich tmifete wohl, was diese Worte be
deuten sollten, aber ich besaß nicht die
geringste Kraft mehr, und Peter setzte
hinzu:
„Ich muß Ihnen Ihr gewöhnliches
Stärkungsmittel, geben."
Bei diesen Worten griff er in dieTasche,
zog seine Pistolen heraus, und schoß mit
unglaublicher Schnelligkeit die Offiziere
nieder, die ihm gegenüber saßen. Dann
stürzte er wie ein Tiger auf den Dritten,
packte ihn an der Kehle, warf ihn nieder
und rief mich zu Hülfe. Ich hatte wieder
Muth gefaßt, eilte zu ihm und wir hielten
beide den Räuber fest. Peter band ihm
mit einer Serviette die Hände auf den
Rücken fest, und verdeckte ihm mit einer
andern das Gesicht.
„LassenSie denBöscwicht nicht ans den
Augen," sagte er bann, „bis ich mit einem
Strick aus dem Stalle zurückkomme."
Nach zwei Minuten war er wieder da,
und wir banden den Gefangenen fest.
„Ich werde nun fo schnell als möglich
nach der nächsten Station reiten," sagte
Peter, „die nur zwei Stunden entfernt ist,
Ohio Waiseufteimd. 7.
um Hülfe zu holen. Unterdessen bewachen
Sie denGefangenen Sie haben nichts zu
fürchten, denn das ganze Haus ist verlas
sen. Rechnen Sie auswich, ich werde Sie
bald aus Ihrer unangenehmen Lage be
freien."
Als mein treuer Diener sich entfernt
hatte, nahm ich mir vor mein Leben so
theuer als möglich zu verkaufen, wenn
mau den Gefangenen vielleicht zu befreien
versuchen sollte. Die Thür? wurde ver«
rammelt, und ich blickte abwechselnd durch
das Fenster hinaus und auf die Elenden
zu meinen Füßen. So verbrachte ich dje
zwei längsten Stunden meines Lebens.
Endlich kam Peter mit dem Friedensrich
ter und mehreren Gensd'armen. Ich über
gab ihnen den Gefangenen, und dasHauS
wurde von oben bis unten durchsucht. Alle
Bewohner desselben waren entflohen
in einem großen Keller aber fand man
mehrere Leichen und Skelette, die später
auf dem Gottesacker zu MeziereS begra
ben wurden, während das empörte Volk
das Haus von Grund au« zerstörte.
Von dem Wirthe und dem schönen
Mädchen hat man nie wieder etwas ge
hört vielleicht ist die Unglückliche so
gar unter den Händen des elenden Be
sitzers des Wirthshanses gestorben. Was
ich vermochte, bot ich auf, um ihr Schick
sal zu ermitteln ich bot eine bedeutende
Summe, wenn man mir Kunde von ihr
bringe, bis jetzt vergebens, aber auch heute
noch gäbe ich gern die Hälfte meines Ver
mögens, darum wenn ich sie wiederfinden
könnte: denn ich verdanke ihr mein Leben.
9
Vor Kurzem empfahlen die bifchöf
lichen Methodisten die Anstellung eine?
in Illinois lebenden MiltgliedeS ihrer
Kirche, für welches man sich in den über
schwänglichsten Ausdrücken verbürgte, als
Judianeragent zu Fort Peck. Die Kirche
hatte sich Monate lang nach dem rechten,
zur Empfehlung geeigneten Manne um
gesehen, und nach den von der empfoh
lenen Person beigebrachten Zeugnissen
glaubte man, jene Leute hätten wirklich
jemanden auSgefunten der jener Kirche
und der Regierung nur Ehre machen
würde. Die Anstellung erfolgte, die Be
stallung wurde ausgefertigt, die Verhal
tungsmaßregeln wurden ertheilt und der
neue Agent machte sich nach seiner Sta
tion auf den Weg. Drei Stunden nach
seiner Abreise liefen weitere Aufschlüsse
über den Herrn ein, und der Indianer
commiffär erfuhr, daß jener Mann in
Illinois wegen eines Verbrechens in An
klagestand versetzt worden war und des
halb doch nicht gerade ganz nach demHer
zen derRegierung fein konnte. Man schickte
also einTelegramm ab, welches den neuen
Agenten auf der Eisenbahn einholte und
ihn anwies, seine Bestallung und die sei
nen Händen anvertrauten Papiere zurück
zugeben. Dies geschah denn auch. wo
rauf die Bestallung sofort widerrufen
wurde. Die Methodistenkirche aber sieht
sich jetzt nach einer anderen Person um.
Bland County, Va., ist kürzlich mitHerrn
Allen Hannah verheirathet worden und
so ist ihr Name gegenwärtig FrauHannah
Hannah und sie ist vielleicht die einzige
Fran in der Welt, deren Vor- und Zu
name rück- und vorwärts gelesen gleich
lautet.
TF Alle Anfragen unb Einsendungen, die für
weitere Kreise Interesse haben, werden im Wai«
senfreund berücksichtigt, indem die ersteren be
antwortet, die letzteren abgedruckt werden. ES
ist uns ganz gleich, von wem immer eine An
frage oder ine Einsendung kommt. Wenn nur
die Sache von allgemeinem Interesse ist, fo
kommt sie ins Blatt.
TP Unser Agent für Eineinnati, O., Herr
Joseph Wehming, wohnt No. 183 Liuustrahe,

i a n n a A e n v o n

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