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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, October 30, 1940, Image 11

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«ittw-ch, He» 30. Oktober 1040
leuchtete. Im linken Winkel war ein
rußiger Herd, um den drei Stühle
und ein Hocker herumstanden. In der
anderen Ecke hingen Kleider an der
Wand, Hüte, Gewehre, Lassos, Felle,
Satteltaschen, Zaumzeug, Pfannen
und Stiefel. Alles bunt durcheinan
der. An der Wand gegenüber der
Eingangstür befand sich noch einmal
eine Tür, und dort stand auch noch
eine große geschlossene Kiste.
Mehr war nicht zu sehen. Das
heißt, es stand noch ein Mann mitten
in diesem gemütlichen Zimmer. Er
war genau so salopp gekleidet wie die
beiden anderen Männer und mochte
dreißig Jahre alt sein. Er unterschied
sich lediglich dadurch von seinen Ka
meraden, daß er ein gut Teil intelli
genter aussah. Im übrigen hatte er
eine geradezu prächtige Gestalt.
Myrna Bent hatte sich den Besit
zer dieser romantischen Hütte ganz
anders vorgestellt, aber trotzdem wußte
sie, daß dieser schlanke hochgewachsene
Mann Terry Could war. Und sie
hatte recht.
Er stand breitbeinig da, drehte sich
eine Zigarette und sah mit einem
ziemlich gleichgültigen Blick auf Myr
im.
Aber dann trat der junge Bandit
hinter ihr vor und berichtete kurz. „Da
ist sie!" sagte er, und dabei strahlte er.
„So", machte Terry Could und
sah Myrna mit einem trägen Blick
von oben bis unten an. „So!" Dann
drehte er sich um, nahm eine alte zer
Iesene Zeitung aus der Schublade
und setzte sich auf die Kiste, wo er zu
lesen begann.
Myrna war erstaunt. Etwas Der
artiges war ihr denn doch noch nicht
begegnet. Genau so verwundert wie
sie selbst war aber auch der junge
Bandit, der sie hergebracht hatte, denn
er stand immer noch am selben Fleck
und starrte auf den lesenden Terry
Could. Nach fünf Minuten wurde es
aber Myrna zu bunt, und sie sagte
mit einer hellen schnippischen Stim
me:
„Hier bin ich, haben Sie das nicht
gehört? Was soll ich nun?"
Terry Could sah auf. Er blickte
völlig ernsthaft drein.' „Tja", sagte
er, „das weiß ich selbst nicht.". Und
zu dem jungen Banditen gewandt,
suhr er fort: „Was soll ich mit ihr,
Ted?"
Ted schluckte. Er hatte einen roten
Kopf bekommen und brauchte eine
Weile, bis er ein Wort herausbrachte.
Dann stotterte er:
„Wir sollten, wir sollten doch dau
ernd mal ein Mädel heranschaffen
wegen dem Kuchen!"
Terry Could stand auf und faltete
seine alte Zeitung zusammen. „Ach
so", machte er, „na ja, allerdings, ein
Mädel. Das habe ich ganz vergessen.
Ist das nun ein Mädel?" Er sah
Myrna wieder an, die in lässiger Hal
tung mit ihrem Reitanzug vor der
Tür stand und wütend war. Solche
Idioten waren ihr denn doch noch nicht
vorgekommen. Schleppte man sie da
mitten in der Nacht vom Weg ab in
ein einsames Haus, und dann wußten
die Kerle noch nicht einmal warum.
Diesem Terry Could traute man in
Mortonhill zu, daß er Vieh stahl.
Nein, das glaubte sie nicht. Dazu war
er sicher viel zu dumm.
„Wie heißen Sie?" wurde sie nun
gefragt. Sie stand genau zwei Meter
von Terry Could, der einen guten
Kopf größer war als sie selbst, obwohl
sie wirklich nicht klein war. Myrna
gab keine Antwort. Was ging diesen
langen Kerl ihr Name an.
Terry Could verzog seinen Mund.
„Siehst du", sagte er zu Ted, „das
dachte ich mir doch gleich. Das ist ja
gar kein Mädel. Das ist eine dunune
Gans, die nicht mal weiß, wie sie
heißt." Damit drehte er sich gelassen
um, nahni die Zeitung wieder vom
Tisch und hockte sich von neuem aus
die Kiste. Ted stand mit offenem
Mund.
Das hxtr zuviel für Myrna. Wenn
sie noch ihren Revolver gehabt Hätte,
würde sie den Mann auf der Kiste
erschossen haben. Der Bandit neöen
ihr stand nur einen Schritt entfernt.
Blitzschnell handelte sie, ohne auch mir
eine Sekunde zu überlegen. Nur ge
trieben von ihrem Aerger, riß sie Ted
den Revolver
aus
DI?» ffittfenfrirthil
dem Gürtel und
schoß.
Der peitschende Knall und der
Rauch, der den Raum erfüllte, ließ sie
aber sofort darauf erschrecken. Wozu
hatte sie sich hinreißen lassen! Auf
einen nichtsahnenden Mann zu fchie
feci!. Was war in sie gefahren. Der
Revolver entglitt ihrer zitternden
Hand.
Aber Terry Coult war nichts ge
schehen. Er hockte innner noch auf der
Kiste und sagte nur trocken: „Das
können Sie noch nicht. Das müssen
Sie erst richtig lernen. Sie haben das
Ding um zwanzig Zentimeter zu hoch
gehalten."
Hinter Myrna wurde die Tür auf
gerissen, und herein stürmte der alte
Bandit mit dem dicken Bauch, der die
Pferde versorgt hatte. Er war ganz
bleich. „Verfault", keuchte er, „was
ist hier los?"
Ted beruhigte ihn jedoch, während
er die Tür verschloß.
„Gar nichts ist los", sagte er, „sie
wollte uns nur erschießen." Er machte
eine spöttische Kopfbewegung zu Myr
na hinüber.
„Ah", schnaufte der Dicke. „Ich
dachte schon, einen Toten zu finden."
Myrna faßte sich langsam wieder.
Sie stand immer noch am selben Fleck,
während Terry Could wieder in sei
ner Zeitung las und die beiden an
deren Banditen neben ihr nicht recht
wußten, was sie tint sollten.
Eine lächerliche Situation, fand
Myrna. Lange würde sie das nicht
mehr mit ansehen. Sie sagte deshalb
herrisch:
„Wenn Sie meinen Namen wissen
wollen ich heiße Myrna Bent. Ich
bin Sheriff Bents Tochter."
„Ah, sehr liebenswürdig", höhnte
Terry Could, ohne auszusehen, so daß
die Röte in Myrnas Wangen stieg.
„Wenn Sie nicht wissen, was Sie
mit mir anfangen sollen, und wenn
ich in Ihren Augen nicht das bin, was
Sie brauchen, dann kann ich ja wohl
gehen", fuhr sie mit erregter, leiden
schaftlicher Stimme fort, ohne auf fei
ne spöttische Bemerkung zu achten.
Nun sah Terry Could auf. Er lä
chelte etwas und faltete feine Zeitung
umständlich zusammen. „Ach", meinte
er, „wenn Sie nun schon da sind,
dann bleiben Sie nur. Wir können
es ja mal mit Ihnen versuchen." Er
stand auf. „Erzählt ihr mal, was sie
soll", sagte er zu den beiden anderen
Männern, und damit ging er, ohne
auch nur noch einmal Myrna anzu
sehen, durch die rückwärtige Tür in
ein angrenzendes Gemach, vermutlich
den Schlafraum der Hütte.
Myrna seufzte. Zuerst, als sie mit
den zwei Banditen durch den dunk­
len Wald geritten »var, hatte sie Angst
gehabt. Aber jetzt war nur noch Aer
ger in ihr. Wütend gab sie Teds Re
volver, der noch auf dem Boden lag,
einen Fußtritt, daß er durch den
Raum flog. Dann machte sie zwei
lange Schritte zu dem rußigen Herd
hinüber und setzte sich energisch auf
einen krachenden Stuhl.
„Na, los dann", sagte sie und lehn
te sich zurück, daß der Stuhl nur noch
aus zwei Beinen stand, „erzählt mal,
wie euer fabelhafter Herr befohlen
hat. Wie heißt er übrigens? Er hat
sich mir jticht vorgestellt. Ich nehme
an, daß er Terry Could ist der
berühmte Mustangjäger."
Ted brummte, und der Alte lächelte
belustigt. „Das ist es, jawohl", be
stätigte er. „Sie müssen übrigens
entschuldigen wenn wir gewußt
hätten, daß Sie aus Mortonhill sind,
hätten wir Sie nicht belästigt. Mor
tonhill liegt uns zu nahe, als daß wir
dort Scherereien bekommen möchten."
„Ich würde es euch auch nicht ra
ten", antwortete Myrna und begann
auf dem Stuhl zu schaukeln. „Wenn
ich nämlich will, dann könnt ihr zu
sammenpacken hier. Dann jagt euch
mein Vater zum Teufel, und ganz
Mortonhill kauft euch keine Pferde
mehr ab."
Aber diese Kerle hier waren über
die Vorgänge in Mortonhill unterrich
tet. Sie grinsten beide, und Ted sagte
langsam:
„Das bezweifle ich sehr, daß Sie
in Mortonhill soviel ausrichten. Es
ist aber gar nicht nötig. Es wird Jh
nen ja kein Haar gekrümmt."
„Aber zum Teufel", rief nun Myr
na, „was soll ich dann hier. Dann laßt
mich doch schon endlich mal gehen."
„Nur langsam", beschwichtigte der
Dicke. „Morgen mittag sind Sie
längst zu Hanse. Sie sollen uns hier
nur rasch einen Kuchen backen."
„Was soll ich?" fragte Myrna, und
sie sah in diesem Augenblick nicht sehr
geistreich aus.
„Einen Kitchen backen", wiederholte
der Dicke, und Ted begann etwas ver
lege» zu erklären: „Terry Could ißt
für sein Leben gern etwas Süßes.
Seit Wochen bildet er sich einen Ku
chen ein einen Zopf, wissen Sie, so
etwas mit Rosinen und Mandeln und
weiß der Teufel, was alles. Wir brin
gen das nicht zusammen."
„So", sagte Myrna, „und sonst
nichts", denn sie hatte tatsächlich die
Sprache verloren. War das Ernst
oder machte man sich über sie lustig?
Aber es schien den Männern mit ih
rer lächerlichen Idee Ernst zu sein,
denn Ted holte einen Sack Mehl her
an. „Je mehr Sie sich beeilen", sagte
er eifrig, „desto rascher kommen Sie
nach Mortonhill."
Myrna rührte sich jedoch nicht. „Ich
denke gar nicht daran, auch nur einen
Finger hier zu rühren", sagte sie ru
hig. „Wie komme ich dazu, für einen
Terry Could Köchin zu spielen. Ab
gesehen davon, kann ich das gar
nicht."
Sie hockte sich bequem auf ihren
Stuhl zurecht, fest entschlossen, nichts
in diesem Blockhaus hier anzurüh
ren, und sie setzte ihren Willen auch
durch. Ted versuchte es zwar, sie um
zustimmen, indem er drohte, daß sie
nicht eher aus dem Hause gelassen
würde, bis ein Shichcn auf dem Tisch
stünde. Aber nach geraumer Weile
war er müde, und dann verzog er sich
zusammen mit dem Dicken, nachdem
er nochmals alle Türen und Fenster
III
geprüft hatte, ebenfalls in den Ne»
benraum zu Terry Could.
Da saß Myrna dann auf einem un«
bequemen Stuhl in einem Haus, in
das sie nicht hinein gehörte, und är
gerte sich. Die ganze Nacht rührte sie
sich nicht vom Platz. Sic versuchte zu
schlafen, was ihr aber nicht gelang.
Ant nächsten Morgen gab ihr Terry
Could gleichgültig ihren Revolver
wieder zurück und öffnete ihr die
Tür. „Das dachte ich mir doch gleich,
als ich Sie sah, daß Sie nicht kochen
können", sagte er mit einer frechen
Freundlichkeit. „Aber nichts für un
gut. Leben Sie wohl und grüße»
Sie Sheriff Bent von mir."
4.
Der Mord an Blue war eilte böse»
häßliche und sehr schlimme Angele^
gcuhcit. Für die Witwe Book jedoch
war er eilte Sensation. Und sie lebte
nur von Sensationen. Nachdem ihy
kleiner Sohn Joe neben Roy Fergon
der erfte war, der den Toten in sei
ner Hütte gefunden hotte, fühlte sie
sich als Hauptperson in diesem gan
ze« Drama. War nicht sie diejenige
gewesen, die zuletzt noch mit Blitc ge
sprochen hatte an jenem Freitag, olSj
Blue feine Bestellung bei ihr aufge
geben hatte? Sie sprach von nicht!
anderem mehr als von Blue oder von
Dingen, die mit Blue zusammenhin
gen!
Die Witwe Book war die Zeitung
von Mortonhill. Sic besaß den größ
ten Laden im Ort, den kleinen Jun
gen Joe und ein altes Faktotum, die
wunderliche Nan. Joe mußte auf
das Vieh aufpassen, Nan besorgte den
Haushalt und fuhr alle vier Wochen
einmal mit dem Planwagen nach Tns
carora, um die Vorräte des Ladens
zu ergänzen, und sie, die Witwe Booy
selbst, stand von früh bis spät zwi
schen ihren Waren, gleichgültig ob daä
eilt Alltag war oder ein Sonntag. Sie
wußte alles, was in Mortonhill vor
sich ging, und sie erzählte bereitwil
lig jedem davon, der es hören wollte.
Sie war eine sehr tüchtige Ge
schäftsfrau, das mußte man ihr las
sen. Sie hatte ihre Ware gut in Ord
nung, und ihre Preise waren so, daß»
man wiederkam. Das heißt also, dost
sie nicht teurer war als die Konkurs
renz. Dafür gab sie aber immer noch
irgendeine Neuigkeit dazu.
Mortonhill besaß keine Zeitung.
Es lag zu abseits und einsam zwi
schen seinen Wäldern. So fernab lag
es vom großen Verkehr, daß die Ein
wohner gar kein Interesse mehr anl
den Vorgängen der Welt draußen hat»
te». Die kleinen Ereignisse in 9.tor*
tonhitt waren dafür umso wichtiger«
Und hierfür war die Witwe Book ge*
radezu unentbehrlich.
(Fortsetzung folgt)
Die katholische Presse in Indien
gewinnt beständig an Umfang und
Ansehen. Katholische Zeitschriften er
scheinen in 18 Sprachen: in englischer,
portugiesischer und in 16 andern
Sprachen. 51 Blätter werden in den
verschiedenen Sprachen des Landes,
und 49 in englischer Sprache heraus*
gegeben. 4
Die weltberuehmte
St. Benedict Wund-Salbe
Erprobtes Hellmittel gegen alle Arten VOHI
alten und frischen Wunden, Geschwueren,
Gewaechsen, Bisswunden, Karbunkeln usw.
Bitte Geld nur durch Post Money Order stt
schicken. Keine Stemps. 60 Cents die
Schachtel, bei: J. L. STA AB, 17209 Valley«
view Avenue, Cleveland. Ohio.

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