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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, October 30, 1940, Image 2

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.. Allerseelen bringt in eindrucksvoller
Weise Gedanken an Tod und Tote in
den Vordergrund unseres Denkens
und Empfindens. Wie in so vielen
Dingen, die unser Leben oder die
Ewigkeit betreffen, bestimmt auch hier
die Kirche den Ton und unsere Hal
iititg. Die Allerseelenliturgie ist an
sich ergreifend. Noch mehr, sie ist
richtungweisend für uns, wie wir uns
gmit Tode und zu den Toten einzu
stellen haben. Die kirchliche Boge
hung des Gedenktages von allen See
ICH ist tatsächlich die Zusammenfassung
all der Erweise der Ehrfurcht seitens
der Kirche im Laufe des Jahres ge
flcuiibcr Tod und Toten. In der
Vorbereitung des einzelnen Christen
siir sein Hinübergehen in das Reich
des Todes, beim Begräbnisse der Ver
storbenen, bei den Totenmessen und
Iahresgedächtnissen, ist ein Grundzug
in der Auffassung und Haltung der
Kirche unverkennbar: Es ist innner
der Ernst, die Würde, die Wertung
des Todes, und die Ehrfurcht und
Liebe den Toten gegenüber, die zum
Ausdruck kommen. Statt den Gedan
ken an den Tod zu fliehen, oder die
Erinnerung an die Toten mit stum
mem Schmerz zu umzäunen, hat sie
einen Teil ihrer großartigsten, jeden
falls ergreifenden Liturgie gerade um
diese herum aufgebaut. Und besonders
am Tage Allerseelen kommt all dies
zum ergreifendsten Ausdruck.
Wie in so vielem' anderen ist auch
hier die Liturgie der Ausdruck der
Glaubenslehre der Kirche. In diesem
Falle der Ausdruck der Auffassung
der Kirche vom Tode. So einschnei
dend auch der Tod im Menschenleben
Radisredner am
Miffions-Programm
Erzbischof Spellman
Vergangenen Samstag, 19. Ok»
tober, richtete Papst Pius der
Zwölfte eine Radioansprache an die
Ver. Staaten. Nach Beendigung
derselben erwiderte Erzbischof
Spellman von New Dork dem Pap
ste den Dank der Katholiken Ame
rikaS. Der Hw'ste Herr Thomas
I. McDonnell, nationaler Direktor
der Gesellschaft der Glaubensver
breitung, führte den Hl. Vater am
Radio der amerikanischen Zuhörer
schaft vor.
Ehrfurcht gegenüber Tsd und Tote«
ist, und wie lehr diese schmerzliche
Tatsache von der Kirche mitempfun
den wird, so behält sie sich doch den
klaren Sinn für die richtige Bewer
tung des Todes. Sie sieht in ihm
nicht einen Akt der Vernichtung son
dern die Uebergangsform zum besse
ren Leben, zun: ewigen Glück. In
ihren Augen ist der Tod, zumal der
Tod des Gerechten, „der" Heimgang
der (Seele zu den ewigen Wohnungen
des Himmels, nach denen sie sich doch
zu tiefst ein Leben lang gesehnt hat.
Nirgendwo als in der katholischen
Glaubenslehre findet diese Tragödie
des Menschenlebens eine so besriedi
gende und versöhnliche Endlösung.
Um dies voll und ganz zu würdi
gen, vergleiche man doch einmal die
Haltung, die der Unglaube oder Halb
glaube oder die sonstige der Religion
abgewandte Welt dem Tode und den
Toten gegenüber einnehmen. Man
beobachte einmal all deren Bestreben,
die Wahrheit vom Tode zu verschlei
ern, ihr aus dem Wege zu gehen, sie
nicht zu beachten, gewaltsam und oft
lächerlich umzudeuten, oder sozusagen
mit Seufzen und Jammern als unser
schlimmes Schicksal zu beklagen. Vor
einigen Jahren bat mich die nichtka
tholische Lehrerin "einer öffentlichen
Schule, ihrer Klasse unser Haus und
seine Einrichtung zu zeigen. Ich tat
es und kam schließlich bei dem Rund
gang durch unsere Gartenanlagen in
die Nähe unseres schönen Friedhofes.
$ch glaubte, der Lehrerin und ihren
Schülern einen Gefallen zu tun, wenn
ich sie auf unseren Friedhof aufmerk
fam machte und vorschlug, ihn zu be
sichtigen. Die junge Dame war Plötz
lieh ganz entsetzt. „Aber bitte, tun
Sie mir doch ja den Gefallen und
führen Sie uns nicht dahin. Nein,
von derlei Dingen, diesen Nachtseiten
des Lebens, reden wir ja nicht und
halten sie von dem Bewußtsein unse
ter Kinder fern." Ich konnte wahr
nehmen, wie sie ganz nervös wurde
infolge meines was sie wahr
scheinlich als Mangel an gutem Ton
auslegte Vorschlages, den Kindern
den Friedhof, die Pietätsboll gepflegte
Ruhestätte der Toten zu zeigen. Ich
versuchte ihr klarzumachen, daß doch
viel erzieherisches Moment darin lie
ge, wenn man die Kinder mit der
rechten Auffassung des Todes ver
traut mache. Aber sie schnitt die Un
terhaltung über diesen Punkt fast be
schwörend ab.
Sie steht aber nicht allem mit die
sent gedanklichen Fliehen vor dem To
de. Die Allgemeinheit ist nicht besser.
Man sehe sich doch einmal die Namen
der nichtkatholischen Friedhöfe an.
Solche Namen wie „Jmmergün
Park", „Gedächtnis Park", „Ruhe«
tal", „Waldheim", „Hoffnungsberg",
„Waldrasenstätte", „Zedern Park".
„Rosenhügel", „Eichenhain", „Eden
friedhof", „Akazien Park" usw. sind
einzig dafür da, um doch ja den miß
lichen Gedanken an den Tod und die
Stätte von Toten aus dem Sinn und
Empfinden der Menschen fernzuhal
ten. Als ob damit der Tcd und das
Gesetz des Todes für jeden Menschen
aus der Welt geschafft wären!
Der Unglaube bewegt sich so oft in
den schroffsten Gegensätzen. Auch hier,
zwischen feiger Furcht und frechstem
Zynismus. Sind so viele darauf aus,
jedem Gedanken an den Tod aus dem
Cliio IPniirnfrrllnt)
Wege zu gehen, sind es andere genau
das Gegenteil. Sie legen jede Scheu
vor dem Tode ab und in zynischer
und frecher Weise verhalten sie sich
dem Tode und Toten gegenüber in
einer Weise, die der Dichter, wenn
auch bei einer anderen Anwendung,
mit den Worten beschreibt: „Sie trei
ben mi? Entsetzen Scherz." Z. B.
finden sich in der dieswöchigen Aus
gäbe der in Millionenauflage erschei
nenden größten Bilderzeitschrift unse
res Landes eine Reihe von'Photogra
phien, die, genau bewertet, etwas ganz
Entsetzliches darstellen. Ein Nachtklub
in einer großen Stadt im Mittelwe
sten nennt sich „Katakomben". Der
Name ist nicht zufällig. Die Bilder
zeigen dies nur allzu deutlich. Die
Besucher dieses Nachtlokales gelangen
zu den eigentlichen Vergnügungsräu
men nur durch eine Anzahl von Rän
nten und Gängen, die als Grabkam
mern, Katakomben eingerichtet und
ausstaffiert sind mit Särgen, Toten
grippen an den Wänden, Totenschä
deln, Skeletten mit rasselnden Ketten,
und selbst die Bedienten dieses Teiles
tragen Uniformen mit Skeletten auf
gezeichnet. Viele der Besucher zeigen
ihren „Mut", in Wahrheit, ihre Ro
heit, dadurch, daß sie in höhnischer
Weise allerhand Allotria mit den
Skeletten treiben. Der Zweck ist der,
daß jeder Besucher so das Gruseln
bekommt, daß er nachher sich mit al­
Der britischen Wochenschrift „Week
ly Review" entnimmt die „Eine. Fr.
Presse" einen Artikel HiÖaire Bel
loc's, in welchem derselbe Stellung
zu den kriegerischen Ereignissen in
Europa und zu ihren Auswirkungen
nimmt. Wenn ein Mann wie Belloc,
der zu den bekanntesten und beden
tendsten Männern Englands gehört
und der die Wahrheit überalles stellt,
sein Urteil -abgibt, so wird jeder
Wahrheitsliebende es umso höher
schätzen, als Lüge und Entstellung ge
geuwärtig zu den Alltäglichkeiten ge
hört.
Hilaire Belloc beginnt mit Enthnl
lungert der „lächerlichen und grotes
ken Mißgriffe" der britischen Propa
gandisten und ihrer Verlogenheit.
Dieser Stand der Dinge werde amt
lich entschuldigt^ mit der Versicherung,
daß es in einem Lande wie England
mit seinen großen Städten und sei
nem traditionellen System der Klas
senherrschaft nötig sei, um dem Pn
blikum ben guten Humor zu erhal
ten. Ursprünglich und lange Zeit sei
diese Propaganda gegen Frankreich
gerichtet gewesen, später ebenso aus
schließlich gegen Deutschland. Als die
Aenderung gemacht und die neue Pro
Pagattda, die ebenso idiotisch gewesen
sei als die alte, eingeleitet worden sei,
seien die neuen Lügen, obschon sie den
alten diametral gegenüberstanden,
ebenso schädlich gewesen wie jene, weil
jede Mischung von Dummheit und
Falschheit noch immer die öffentliche
Meinung vergiftet habe.
Hilaire Belloc über die euroMfche Lage
Auch mit der so oft gehörten Be
hauptung der britischen Propaganda,
daß die Pro-deutschen Tendenzen in
Skandinavien, in Holland, Belgien
und anderswo sich auf geringe Min
derheiten, richtiger noch auf wenige
Personen, Angehörige der „Fyth
Column" beschränkten, findet Belloc
sich ab mit der Erklärung, das gerade
tiirm c#»$r «6
ler Ausgelassenheit auf die Vergnü
gungen stürzt, wie sie in einem raffi
nierten Nachtklub geboten werden.
Also das Grauen des Todes ein Per«
Verses Reizmittel zu größerer Ausge»
lassenheit. Ein Rückschlag in Barbarei.
Jedenfalls ein Zeichen völligster in
nerer Zuchtlosigkeit gegenüber dein,
das das allerschwierigste Problem des
Menschenlebens bildet.
Angesichts solcher Unkultur Iflffe
man einmal auf sich wirken z. B. den
Gedanken an die Tatsache, daß die
Kirche das Fest der Toten in unmit
telbare Nähe des Festes Allerheiligen
gelegt hat, daß sie die Toten, soweit
sie nicht vollends den Himmel verwirkt
haben, als die dritte große Gemeinde
in der „Gemeinschaft der Heiligen'*
einbezieht. Oder man mache sich in
nerlich zu eigen den wunderbar trö
stenden Inhalt der Präsation der To
tenmesse, oder den tiefsten und doch
so würdevollen Ernst des unsterblichen
„Dies Jrae" mit seinem Flehen on
den milden Herrn Jesum, die unent
rinnbare Tragödie des Menschenlebens
kraft seines Erlösertodes umzutvan»
dein in ein Mittel, durch sie zum
Genüsse ewigen Glückes zu gelangen.
Hier finden wir die Ehrfurcht vor
dem Tode und den Toten und für
uns selbst den sieghaften Trost, der
uns mit dem schmerzlichen Schicksal
in unser aller Leben auszusöhnen im
stande ist. Fr. Martert, S.V.D.
Gegenteil sei der Fall, auch hier wer
de mit der Lüge gegen die Wahrheit
gearbeitet. Die Prinzipien des Na
tionalsozialismus hätten einen so
mächtigen Einfluß auf die Bevölke
rung der Nachbarstaaten Deutsch
lands, weil sie gegen die Plutokratie
gerichtet und weil ihre Verfechter von
einem Geiste geleitet würden, der dem
Geiste, aus dem die Kreuzzüge ent
standen, ähnlich sei. Mit dieser Tat
sache müsse man vertraut sein, wenn
man zur Wahrheit kommen wolle.
Hier gibt Belloc eine ausführliche
Schilderung von dem faschistischen und
dem nationalsozialistischen Regime
und betont noch einmal ihren anti
plutokratischen Charakter. „Das Drit
te Reich", so führt er aus, „führte
den allgemeinen Militärdienst ein und
stellte Deutschlands Souveränität über
die Rheinlande wieder her. Aber das
war nicht das Wichtigste, was es tat.
Mit diesen Akten ging Hand in Hand
die Umformung der sozialen Struktur
des Landes entlang den anti Pluto
kratischen Linien. Die Klassenherr
schaft verschwand. In den Arbeits
dienst müssen auch die jugendlichen
Glieder der reichsten Familien sich
einfügen und Seite an Seite mit den
ärmsten arbeiten. Die Arbeitslager
haben nicht nur die letzten Unterfchei
dungen von Rang und sozialer Stel
lung zerstört, sondern gleichzeitig
auch die produktive Stärke des Lan
des beträchtlich vermehrt. Alles neue
Jdeetr, die sich als unzerstörbar er
weisen und überall finden werden."
Alles Darlegungen, die von tie
fem Verständnis für die Entwicklun
gen zeugen, die sich in den letzte»
Jahren in Deutschland vollzogen ho
ben und mit denen man sich auch in
England wird abfinden müssen. Im
übrigen kann man Belloc nur dank
bar dafür sein, daß er den verlogenen
Charakter der britischen Propaganda

Entere* aa Second Class Matter Oetefcc* S, 1913, mjt tlie Pest Ol« at Celembne, Ohio, ender the Act ef March 8. 1879. Acceptance foratailin* at special rate ef postage provided in section 11
Mt
Act 9t October 8, 1917, authorised December 14, 1918. Publication OMce, 32 Warren St* Colambus, Okie. Published weekly on Wednesday. Send Notice Form 3578 to Worthing ton, Okie.

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