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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, October 30, 1940, Image 8

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(Fortsetzung)
Johannes Capistranus, der arme
altersschwache Franzi Monermöttch,
war es, der da einem Mohammed dem
Zweiten, der Geißel Gottes in jenen
Tagen, Halt zurief. Konstantinopel
war 1453 gefallen, das Kreuz war
von der Sophienkirche hernnterge
stürzt, und der Halbmond thronte an
dessen Stelle. 1456 lagerte Moha
med bereits vor Belgrad. Der König
von Ungarn, Ladislaus, floh nach
Wien. Die Festung schien verloren
da aber rettete sie in der letzten ent
scheidenden Stunde jener nur aus ho
Heren Beistand vertrauende arme
Franziskaner. Ein Haufen Streiter,
bunt zusammengesetzt aus Bauern,
Bürgern, Studenten, bewaffnet mit
Schwertern, Dreschflegeln, Sensen,
Mistgabeln, Feuerhaken, eilte der be
drängten Stadt zu Hilfe Capistran
ist der Führer. Da erhebt dieser seine
Stimme, und hoch lodert, durch sein
Flammeilwort entfacht, das Feuer der
Glanbensbegeisternng auf, unbe
schreiblicher Heldenmut erfüllt aller
Herzen, alles riß man mit sich fort.
Keiner konnte widerstehen unter des
tapfern Huugadi's Führung schlägt
man sich glücklich durch das türkische
Belagerungsheer durch und zieht in
Belgrad ein. Jetzt begannen aber die
Türken den allgemeinen Sturm schon
war die Stadt genommen, schon stan
den die osmannischen Streiter im
Graben der Zitadelle, schon Pflanzte
man die Kalme des Propheten auf der
erstiegenen Mauer auf, da gaben Ca
pistran und Hlmyadi das Zeichen zum
Angriff. Wunder der Tapferkeit wur
den verübt die Iauitscharen werden
ill die Gräben zurückgeworfen und
taufende findeil hier durch siedendes
Pech und angezündetes Reisig in den
Flammen ihren Tod. Capistran hält
daranf hoch in der Hand das Kruzifix
iiud mit diesem allein geht er allen
voran dem fliehenden Feinde nach.
Alles, selbst Hnnyadi, wird mit fort
gerissen und ein neues blutiges Tres
sen beginnt: das türkische Lager wird
erstürmt Mohamed selbst wirft sich
gegen den Feind jedoch ohne Erfolg,
und die Niederlage seiner Truppen ist
entschieden. Europa war gerettet der
drohenden, die Zivilisation vernichten
den lleberflutung durch die Moslenün
war ein schützender Damm gegenüber
geworfen worden, wie 700 Jahre vor
her Karl Martel (der Hämmerer)
Enropa vor der lleberflutung durch
die Araber gerettet hatte. Erregt das
Nicht int höchsten Grade uuser Staunen
und unsere Bewunderung? Ja, wirk
Iich, du Galliläer, hast wieder gesiegt,
nicht Capistran, nicht Hnnyadi! Chri
stus vincit Christus siegt?
Wir können bei diesem Siege mit
bei diesem Siege mit voraitgetrageneni
Kreuz nur au den Sieg der Israeli
ten denken über Jericho mit ihrer
Bmideslade. Der Herr sprach zu Jo
sua: Gehe Tage lang, des Tages
einmal um die Stadt herum. Am sie
benten Tage aber sollt ihr siebenmal
mit die Stadt gehen, die Priester sol
len vor der Bundeslade hergehen und
mit Posaunen blasen, und das ganze
Volk soll ein großes Geschrei erheben."
Josua tat, wie der Herr geboten. Und
siehe, am siebenteil Tage beim sieben
ten Umgänge, als die Postninett er
klangen, stürzten die Mauern zusam
bei, und die Israeliten drangen von
allen Seiten in die Stadt. Hier, die
Gedanken und Erinnerungen
sieben Zahl erinnert an den Hl. Geist,
der alles lenkt. Die Bundeslade siegt
auch wieder in der Heiden (Philister)
Tempel und ihr größter Gott Dagon
stürzte herab von seinem Platze und
siel in Stücke, so muß auch vor dem
Kreuze der Teufel und seine Bande
fliehen aber das Kreuz wie die Bun
deslade beschützt bloß die Guten. Der
dritte ist David, der hält in seiner
Hand die Schleuder beim feierlichen
Empfang nach feinem Siege über Go
liath, als das Volk aus den Städten
Fatit, Jungfrauen und Frauen mit
Pauken und Zymbeln tanzten und
sangen: „Scrul hat tausend erschla
gen, David aber zehntausend." Die
Schleuder ein Vorbild des Kreuzes,
mit dem Christus den großen Goliath
den Satan überwand und immerfort
überwindet. Wie in der Hand des
kleinen David die Schleuder zum
Siege führt, so ward das Kreuz in
der Hand des armen Franziskaners
das Werkzeug, das Sieg brachte.
Priester entwirft und baut einen Altar
Nun treten wir ins IG. Jahrhun
dert. Hier schoß auf und reifte zur
Frucht das, was im 15. Jahrhundert
ausgesät worden war. Gelockert war
das Band, das bis dahin die Bischöfe
und die übrige Geistlichkeit mit dem
Oberhaupte der Kirche verknüpft hat
te. Die Disziplin war infolgedessen
in tiefen Verfall geraten. Sündhaft
war die Aussaat, sündhaft konnte da
her'auch nur die Frllcht sein, und diese
Frucht war die große Glanbensspal
tung des 16. Jahrhunderts. Ein eid
brüchiger Mönch schlug 1517 seine
95 Thesen an die Schloßkirche von
Wittenberg an und riß damit an der
einen Seite des Baumes der Kirche
einen mächtigen Ast ab. Ein anderer
Mönch setzte 1534 an der anderen
Der hübsche Altar von der Wunderbaren Medaille in der St.
Leo's Kirche in Baltimore wurde von dem Hilfspriester Rev. Ar
mando Bufali in seiner freien Zeit entworfen und gebaut. Es
war eine Arbeit von Monaten. Obiges Bild zeigt (links oben)
das Bild des Priesters.
JD|t# W«ise«fremch Mittwoch, de« 30. Oktsber 1940
eitt, und es entwickelte sich daraus ein
noch mächtigerer Ast. Loyola war die
ser letztere er war es, der damals
seinen berühmten Orden stiftete. Neun
verbanden sich mit ihm zu einer zeit
lichen Genossenschaft. Aus diesem klei
neu Bunde erwuchs aber bald eine
geistige Heeresmacht, die bis zur
Shmbe der Schrecken aller Feinde der
Seite desselben ein frisches Pfropfreis
Kirche geblieben ist. Kein christenseind
licher Staat, keine freidenkerische, frei
maurerische Wissellschaft hat es je
mals gewagt, diesem Männerbunde
mit gleichen Waffen, mit den Waffen
des Geistes nämlich, im Kampfe ent
gegenzutreten. Nur brutale Gewalt
war es stets, mit der man denselben
zu bekämpfen suchte, und nur durch sie
suchte man den Geistesriesen zu un-
terdrücken, von dem man sich so recht
bewußt ist, daß matt auf dem Felde
der Intelligenz von ihm erdrückt wer
de. Wie schön sagt Karl Adolf Men
zel von dieser Gesellschaft Jesu: So
viel ist gewiß, daß dieser Männer
bund, welcher der Kirche des Abend
landes zur Zeit ihrer größten Be
drängnis rettend zur Seite stand, der
selben zwei Dritteile Europas erhielt
und ihr jenseits der Meere durch
Glanbensbote und Märtyrer mehr An
hänger, als sie diesseits verloren, er
warb." Ist das nicht wunderbar, ist
das nicht ein glorreicher Sieg da, wo
man eine schmähliche Niederlage ge
wähnt hatte? Christus vincit, Chri
stus siegt: als wenn aus der Sünde
das Heil erwachse: „O felix culpa,
quae talent ac tantum profert Salva
torem." St. Augustin in Voxilla Re
gis prodeunt gesungen am Karsams
tag. Ist die Sünde groß, dann ist
Gottes Barmherzigkeit umso größer.
Ein Noe rettet das Menschengeschlecht
aus der Sünflut ein Abraham, als
die Welt wieder am versumpfen war.
rettet den Gottesglauben und wird
Stammväter aller Gläubigen des Al
ten und Neuen Testamentes. Ein Mo
ses rettet Israel aus der ägyptischen
Sklaverei Heli und Söhne gehen un
ter und Samuel tritt auf Saul geht
ab in Untreue, der kleine David wird
König Absalon wird ein Vatermör
der und sein Bruder Salomon der
glänzendste König Achaz mit Israel
fällt ab von Gott und der große Pro
phet Elias und Eilfäus treten auf,
ums Volk zu retten Juda versumpft
und Jeremias predigt Buße Juda
in babylonischer Gefangenschaft und
Daniel von Gott als Retter des Vol
kes geboren so geht es bis auf Ju
das Macchabäus und bis auf den hl.
Johannes den Täufer, Bußpredigec
am Jordan, um das Volk vor dem
Untergang zu bewahren und als
Stephanus betend für das Volk unter
den Steinen starb, da wurde die Gna
de für Saulus bereitet: aus dem Blute
Stephanus stammt der hl. Paulus,
und ans dem Blute der Märtyrer ent
sprangen die zahlreichen neuen^Chri
sten „Das Blut der Christen ist der
Samen des Christentums." Tertulian,
Geschichtsschreiber. Gott laßt das
Uebel zu und wendet es zum Guten.
Ist das nicht wunderbar, nicht gött»
(Fortsetzung folgt) lich?
Unoffiziellen Warnungen sind era
Jugoslawien ergangen. Die einfluß
reiche italienische Zeitung „La Staut
pa" tadelt Jugoslawien, weil es im
mer noch zögert, sich der Berlin-Rom
Achse anzuschließen und warnt Jugo
slawien, seinen miltärischen Kurs zu
ändern, widrigenfalls es einen ge
fährlichen Pfad wandelt. Den italie
nifchen Manövern nahe der jugosla
wischen Grenze wohnen Vertreter Un
garns, Spaniens, Bulgariens und
Rumäniens bei. Südlich hat Jtalieit
ein starkes Heer in Albanien zusam
mengezogen.
Die Po-Armee, Sie eigentlich iit
Afrika zur Verwendung kommen soll,
steht immer noch in Italien, und mi
litärische Beobachter glauben, daß sie
vielleicht im südöstlichen Europa ge
braucht werden wird.
„La Stampa" verweist darauf, daft
die Regierung in Belgrad immer noch
Juden und Freimaurer in wichtigen
R?gierungsstellllngen habe und daß
ihre antisemitischen Maßnahmen im
Vergleich zu denjenigen Deutschlands
und Italiens unbedeutend sind.
Dem offiziellen italienischen Bericht
zufolge entwickelt die italienische In
fanterie an der ägyptischen Grenze
große Tätigkeit auch italienische
Flugzeuge haben die Feindseligkeiten
erneut aufgenommen. Offiziell wird
zugegeben, daß britische Bomber neue
Ueberfälle auf Tobruk und Bardia,
Vorrätghafen in Libyen, unternom
men haben Verluste an Menschenle
ben aber sind nicht zu beklagen.
Eine große Gärung geht durch
unsere Zeit. Man läuft tun die Wette
nach den höchsten Zielen. Aber wun
derbar! Wenn die vorgeschrittensten
Läufer alle Stationen durchlaufen ha
ben, wenn sie endlich erschöpft ans
Ziel gelangen, entdecken sie mit un
fehlbarer Sicherheit, mit Erstaunen
freilich und Ueberraschung, daß dies
Ziel der reine, der tatsächliche Katho
lizismus ist. Der Künstler, der Phi
losoph, der Sozialpolitiker, der Hi
storiker, sie alle finden sich, wenn sie
nicht am Wege liegen bleiben, vor
den Toren des Vatikans zlisainmen.

Bon Rev. Franz FuertgeS

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