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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 13, 1941, Image 11

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Mittw»ch, be» jK A«fi«st 1041
,Ich habe acht Tage erhalten", er
wWerte Georg.
„Gut ich habe enw kleine Reise
zu inachen. Du kannst mich begleiten.
Man hat mir, wie ich dir sagte, den
Kauf eines Grundbesitzes angetragen,
uud ich möchte mich selbst von dem
Werte desselben überzeugen."
Frau Morris hörte dkse Mittei
lung ziemlich gleichgültig an sie küm
«leite sich nie um geschäftliche Ange
legenheiten ihres Mannes imb war
in diesein Augenblick besonders glück
lich darüber, daß derselbe wieder ru
hig und heiter erschien.
Georg drückte seinem Bater wit
dankbaren! Blick die Hand, und Ellen
nickte ihrem Bruder verständnisvoll
A«.
schon am nächsten Tage reiste
Morris mit seinem Sohne ab. Die
Eisenbahnfahrt dauerte nur etwa zwei
Stunden. Morris war während der
selben ziemlich schweigsam und nach
denklich, und wenn er sich mit seinen»
Sohne unterhielt, so sprach er über
alle möglichen Dinge, ohne auch nur,
mit einer Andeutung den Gegenstand
zu berühren, der Georg am meisten
interessierte.
i. Doch dieser kannte die Eigentüm
lichkeit seines Baters, niemals von uw
fertigen Dingen zu sprechen, er wi%
te, daß derselbe seinen Herzenswün
scheu nicht imbcbiitgt ablehnend ge
genüberstand, und war, wenn auch
sein Herz etwas unruhiger klopfte,
doch glücklich darüber, das eine Ent
scheidung mm bald bevorstehen sollte.
Auf dem kleinen Bahnhof von Ro
fettan wartete der Oberverwalter der
Herrschaft mit seinem Wagen und
machte die Fahrt über ein Hauptvor
werk und einen Teil der Felder, um
Herrn Morris sogleich einen lieber
blick über die Art der Bewirtschaftung
und die Rentabilität der weit ausge
dehnten Herrschast zu geben.
Man sah auf dem Wege seitwärts
hin ain Abhänge einer waldigen Höhe
ei» altes Schloß mit seinen Tünnen
und Erkern. liegen, aus dessen Zinne
ifite blaue und gelbe Fahne wehte.
„Dort wohnt Graf Wilkenberg?"
fragte Morris den Verwalter, und
auf dessen Bejahung sagte er leichthin
zu seinen! Sohne: „Tu kennst ja den
Grafen, du kannst hinreiten und ihm
meinen Besuch anzeigen. Du wirst
hier ein Pferd zurVerfügung finden,
Der Graf ist als guter Landwirt be
fount er wird es natürlich finden,
wenn ich ihn über die Verhältnisse
der Gegend frage."
„Der- Graf wird Ihnen ausführ
lichen Bescheid über etiles geben kön
nen. Wir sind auf einer langen Grenz
strecke Nachbarn, er kommt oft her
über und interessiert sich sehr sür Ro
senan, das. ja früher zy den Besitzun
gen seiner Vorsahren gehörte", sagte
der Verwalter eifrig.
Er war sehr erfreut, daß
bei dem Grafen Erkundigungen einzie
hen wollte, denn der Erbschaftsoerwal
tung war viel an einem vorteilhaften
Verkauf gelegen und es gab in der
ganzen Gegend keinen Käufer, der die
Kaufbedmgungen hätte erfüllen kön
nen.
Man fuhr an dein in einem pracht
hollen Park liegenden Schlosse-"vor,
der Bau war weit ausgedehnt und
bildete einen hochherrschaftlichen Sitz.
Freilich war seit längerer Zeit weilig
daran getan. Alles stand leer, kein
Diener war zu sehen, es war eben
ein Bild verfallener Größe.
„Es wird nicht schwer )iu, alles
4.»
»W*
zu restaurieren", sagte Morris, mit
einen! gewissen Wohlgefallen den
Schloßbau betrachtend. Dann trat er
in die Wohnung des Verwalters, und
während Georg eilfertig davon ritt,
sah er die Wirtschaftsbücher durch und
ließ sich genaue Auskunft über den
Stand der Hypotheken und der gau
zen übrigen Vermögensverwaltung
geben.
Mit sei nein gewohnten geschäftli
chen Scharsblick übersah er leicht die
Verhältnisse, die ihm einen günstigen
Eindruck zu machen schienen, und sag
te, nach Verlauf einer Stunde das
letzte der vor ihm liegenden Bücher
schließend: „Ich bin nicht abgeneigt,
dem Kaufe näher zu treten und »verde,
wenn ich mich dazu entschließe, den
ganzen Preis bar bezahlen."
Der Verwalter, der ein so gnnsti
ges Ergebnis kaum gehofft haben
mochte, fügte noch allerlei Bemerkun
gen hinzu, mit Morrison seinem Ent
schluß zu bestärken.
Ein einfaches Frühstück wurde aus
getragen dann kam Georg aus
schaumbedecktem Pferde zurück, um
seinen! Vater die föitidc zu bringen,
daß Gras Wilkenberg durch seinen Pe
such erfreut und geehrt fein würde.
Morris brach sogleich ans itnb fuhr
nach einer halben Stunde in den et
tpas düsteren Hof des gräflichen
Schlosses Helmenhausen ein.
Der Graf, eine hohe Gestalt von
kräftigem Bau, empfing ihn auf der
Schwelle. Sein scharf markiertes Ge
ficht mit grauem Haar und ausgedreh
tem kurzen! Schnurrbart trug den
Ausdruck vornehmet: Ruhe und Zu
rückhaltung seine großen, klaren,
blauen Auflen blickten forschend und
durchdringend man sah diesen
Blicken mt, daß sie nicht gewohnt wa
ren, sich vor irgend jemand zu senken.
Es war ein eigenartiges Bild, diese
beide»! im vollen Selbstbewußtsein ih
rer 'imtemt Kraft und ihres Wertes
sich gegenüberstehenden Männer zu
sehen, von denen der eine den Stolz
der hohen Geburt, der andere da*
Bewußtsein einer durch die Arbeit
selbstgeschaffenen Lebensstellung z»t
charakteristischem Ausdruck brachte.
Beide begrüßtes sich mit einer ge
wissen höfliche»! Kälte, als ob jeder
fürchtete, sich den» anderen gegenüber
etivas zu vergeben.
„Es freut »nich sehr, Herr Morris",
sagte der Graf, „Sie bei mir zu se
he»». Ihr Sohn ist der Freund deS
»neinigen iinb uns häufig ein lieber
Gast gewesen, und auch von Ihnen
uud Ihrem gemeinnützigen Wirken
habe ich viel gehört."
Morris erwiderte einige Worte
des Dankes für die liebe»»s»vürdige
Aufnahme, die sein Sohn in dein Hau
se des Gräfe»» gefunden und stieg die
breite Treppe von altem gebräuntem
Eicheiiholz an der Seite des Grasen
hinauf, dessen Sicherheit und fast an
mutige Höflichkeit ihm imponierte,
was selten bei ihm der Fall war.
„Der Herr Leutnant wird wohl
den Damen Gesellschaft .leisten, er
kennt ja die Gelegenheit des Hauses",
sagte der Graf, als er auf den» getä
feiten, mit alten Ritterrüstungen ge
schmückten Korridor vor der Tür sei
nes Zimmers stehen blieb, die ein La
fei in einfacher Livree ihm öffnete.
Georg eilte davon. Der Gras ließ
mit artiger Verbeugung Herrn Mor
ris in sein Arbeitszimmer eintreten.
Die Wände desselben waren eben
falls getäfelt, einige ausgezeichnete
Geweihe, alte Kupferstiche uild Fa»ni
lienbilder waren dec einzige Schmuck
1
Oti» SBesfewfftii*
des durch ein großes, breites Fenster
sreundlich erhellten Raumes, der mit
Behaglichkeit, aber ohne alle moderne
Elegaiiz möbliert war.
Der Graf rückte zwei Stühle mit
geschnitzte»» Lehiten iti die Nähe des
Fensters. Der Diener brachte eine al
irrtümliche silberne Kanne mit duften
de»»! Rheinwein und zwei alte wap
pengeschmückte Römerbecher und stellte
alles ans einen Eichentisch mit metal
lenen Lölvenfüßen.
Der Graf schenkte die Becher voll
und trank seine,»! Gaste zu.
Morris befand sich wie in einer
ihm ganz neue» Welt, die von seinen
Lebeilsailschanungen und Gewohnhei
ten weit entfernt zu liege« schien. Er
kannte die Welt der rauhe« Arbeit
und Entbehrung, durch die er sich hin
durchgerungen hatte er kannte die
Welt des Reichtums mit ihrem mo
dernen Luxus und ihre»»! gediegenen
Gla»»z, welche heute sein Leben um
gab. Hier aber sand et etwas ganz
anderes. Das Leben, das er hier vor
sich sah, ruhte aus einer in der Tiefe
der Jahrhunderte ivurzelnden Vergan
genheit, der Raum, der ihn »»»»»gab,
konnte nach seinen heutigen Lebens
gewohnheiten säst ärmlich genannt
»verde»», und doch wehte es ihn an,
»vie der Hauch einer großen Zeit, de
reu Geist ei n/t die Welt erfüllt und
beherrscht hatte. Er fühlte zum er
sten Mole, daß der Stolz des alten
Adels, den er in seiner modernen Le
bensauschauuug als eine unberechtigte
uud lächerliche Karrikatur zu betrach
te»! gewohnt war, deuuoch eine ge
tvisse Berechtigung habe und sich mit
Manneswert und Manneswürde ver
einigen könne.
In einem Ton, der fast unwillkür
liche Anerkennung der überlegenen
Stellung des Grasen ausdrückte, teil
te er deiilselbeil feine Absichten in be
treff der Herrschaft Rosenau mit und
bat ihn um Auskunft über die Ver
hältilisse der Gegend.
„Es wird mich aufrichtig freuen",
sagte der Graf, „wenn Rosenau in fe
ste Hände kommt und nicht der Spe
kulation oder gar der Zersplitterung
verfällt. Ich habe immer noch eine
Teilnahme für den Besitz, der einst
meine»« Hause gehörte, und ich denke
nach allein, was ich von Ihrer Gesin
tiung und Ihrem Wirken gehört^ daß
Sie den Kauf nicht aus Spekulation
vornehme»», sondern sich einen dauern
den Sitz hier schaffen wollen."
„Das will ich in der Tat", erwi
derte Morris. „Insbeso»ldere für
meinen Sohn ist dieser Besitz be
stimmt, um ihm eine feste Wurzel für
die Zukunft zu geben."
Das Auge des Grafen blitzte einen
Augenblick etwas schärfer auf. Dann
sagte er: „Wenn das Ihre Absicht ist,
die ich vollkommen richtig sin de, so
»verde ich Ihne»» um so lieber alle »nei
»te Beobachtungen und Kenntnisse der
Verhältnisse zur Verfügung stellen
und kann Sie im Voraus versichern,
daß Sie auch materiell ein gutes Ge
schäft machen. Die Wirtschaft in Ro
fenou ist aus Mangel an Betriebs
mitteln etlvas zurückgegangen, ich
kann Ihnen einen vollständigen Me
liorationsplan mitteilen, den ich mir
im Stillen entworfen, habe, den aber
die Erben nicht ausführen könne»», da
ihnen die Einigkeit und vor allen Diu
gen mich die Mittel dazu fehlen."
Der Graf sprach sich darauf einge
heilt) über die Verhält»,isse aus und
entwickelte seine Verbesserungspläne so
klar, bestimmt nnb zuversichtlich, daß
Morris sich zu-seiner neuen Verwun­
derung von der Geschäftskenntnis und
dem praktischen Blick dieses Vertreters
der alten Aristokratie überzeugte, den
er einer solchen Beurteilung gar nicht
für fähig gehalten hätte.
„Das alles", schloß der Graf seine
Darlegung, „hätte geschehen können,
und der Besitz hätte der Familie, wel
che meinen Vorfahren nachfolgte, er
halten »verden können, »venu Helmen
Haufen zu rechter Zeit zum Majorat
gemacht worden wäre. Ich möchte
Ihne»! de»» Rat geben, für Ihren
Sohn eine solche Stiftung vorzuneh
»neu, um das was Sie zu schaffen im
Begriffe sind, sür alle Zukunft sicher
zu stellen."
„Ich bin ein Mann der modernen
Zeit, Herr Graf", erwiderte Morris
mit einem fast mitleidigen Lächeln,
„und würde mich niemals dazu ent
schließen können, einen Besitz in sol
cher Weise festzulegen und immer ei
nen von meinen Nachkommen vor dem
anderen z»! bevorzugen."
„Hat den»! die moderne Zeit nicht
dasselbe Bedürfnis, vielleicht ein noch
größeres, den Grundbesitz zur festen
Grundlage der Familie zu machen?
Wie schnell vermindert sich ein großes
Vermögen durch Teilung, und wie
häufig sind einzel»»e, ja die meisten
Familienglieder nicht i»t der Lage, den
ihnen zu fallen den Teil wieder zu ver
meinen oder auch nur zu erhalten.
Hätten meine Vorfahren aus ihren
Besitzungen hier ein Majorat geschaf
fen, so würden »vir zu den Reichsten
im Lande gehören, jetzt erhalte ich mir
"eine mittelmäßige Existenz durch die
sorgfältige Beiuirtfchaftimg dieses Gu
tes, das mir übrig blieb. Ich kann
meine Kinder wohl burchbriugen, aber
es würde mir recht schwer werden,
»venu ich deren mehr als zlvei hätte,
und ich müßte immer darauf gefaßt
fein, daß der eine oder andere viel
leicht im Elend versänke. Wir sind es
gewöhnt, in weite Vergangenheit zu
rückzublicken, und dadurch vielleicht
darauf hinge»viesen, auch iveit hinaus
in die Zukunft zu schauen aber auch
Sic1*, Herr Morris, der Sie Ihr ei
gener Ahnherr sind und selbst alles
geschaffen haben, auch Tie sollten das
selbe tun, Sie sollten auch an spätere
Nachkommen denken, lind wie könnte
das besser geschehe»!, als durch Stif
tung eines Majorats?"
Morris blickte nachdenklich bor sich
nieder. „Vielleicht haben Tie recht,
Herr Graf, vielleicht ist es hart, von
jedem meiner Nachkommen zu verlan
gen, daß er ebenso, wie ich, seine
Stellung erarbeiten sott, denn nicht je
der würde dazu die Kraft und den
Mut haben."
(Fortsetzung folgt)
(Fortsetzung von Seite 0)
sich die Sonne um ihre eigene Achse
dreht, schlviugeu sich die Massereihen
durch den Weltenraum und vermögen
sogar die Erde zu erreichen. Dann ist
die konstante Größe der Sonne um
verschiedene Grade verringert.
Aerzilicher Rat
Frau Laiigenbeck ist sehr stolz auf
ihre Bildung, aber auch sehr besorgt
um ihre Gesundheit. „Herr Doktor",
sagt sie, „ich muß Sie einmal inkul
ticrcit: ich habe solche Konfession nach
den» Kopf und bin ganz seltsam kon
struiert."
antwortet der Arzt, „machen
Sie sich keine Skrofeln, gehen Sie in
die Hypotheke »nid kaufen Sie sich
für einen Quarter Rizinusöl."

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