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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 08, 1942, Image 2

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I? v„
Kbf -j
Mit der (Erörterung dieser Frage
beschäftigt sich der „St. Petersbote"
in seiner letztwochigen! 9i munter und
zitiert einen in der katholischen Wo
Keilschrift „Commonweal" erschiene
urn Artikel Valeriu Marcu s, eines
in Rumänien geborenen berühmten
politischen und kulturellen Schriftstel
lers der Gegenwart, der bis zur
Machtüb'ernahnie durch die Nazi in
Deutschland gelebt hat und mehrere
leriibiute Bücher über Richland, die
deutsche Armee, die deutschen Reli
gionskiiege. die spanischen Juden u.
a. geschrieben hat.
„Maren stellt an die Spitze seiner
Aussühningen den vielsagenden Latz:
„Am Ende des Krieges wird die Seele
d^S Europäers nicht mehr dieselbe
sein. Sic wird viel veränderter da
stehen, als dieS mit der europäischen
Landkarte der ^fall sein wird.
Die X!agc des Europäers und seine
Seele sind heute bereits verändert
aber der Typ von morgen ist erst in
der Entwicklung begriffen. Maren
zeigt in kurzen, markanten und er
schlitternden Strichzeichnungen, wi"
diese Strukturveränderungen vor sich
gingen und twrin sie bestehen. Di''
am Anfang gestellte Fragt* wird nicht
etwa konkret beantwortet, wie es der
Xiaif vielleicht wünschen und der Mann
aus dem Volke sich vorstellen mag, das
gesagt wird: dieser oder jener Mann,
„der große Monarch" oder diese oder
jene Nation wird in Zukunft Europa
beherrschen. Maren zeigt vielmehr,
welche Eigenschaften und Charakter
züge der Europäer der Zukunft ha
den wird und wie diese durch den ge
genwäitigen Krieg mit seiner dann'
innerlichst verknüpften politischen,
gesellschaftlichen, sozialen und kultu
rellen Revolution entwickelt und ge
formt wird.
Marcus Ideen sind uns nicht neu.
Brother Christiansen hat manches da
von in einem nicht genügend in
Deutschland (und schon gar nicht au
szeihalb Deutschlands) beachteten
Büchlein „Das Gesicht unserer Zeit"
dargestellt ohne allerdings zu sagen
(das hat Br. Christiansen wohl nicht
geahnt), das es eine Revolution wie
der Nazismus sein werde, der den
Menschen und den Stil der Zukunft
formen wird. Die Jugend Europas,
die wie jede lebendige Jugend eine
Spürnase für zukünftige Dinge hat,
die nicht wie die Alten zurück in die
Vergangenheit schaut, sondern in die
Ankunft, hatte diese Veränderungen
ja längst geahnt und das Ende der
„spießbürgerlichen, guten alten Zeit"
vorausgesehen, ja sogar gewollt. Iii
der vielumstrittenen deutschen „Iit
gendbeipegung" zeichnete die „Neue
jieit" sich in groben Umrissen bereits
M'areu stellt einladend fest, daß in
Europa ein für allemal das, was man
int Englischen mit „easy life" (be
quemes und gesichertes Leben) bezeich
Räch den zahlreichen Aussprüchen
Irir hl. Schrift, worin zur Freude
aufgefordert wird, die aus der Hoff
miiig und dem Vertrauen auf Gott
entspringt, sollen wir in schweren Zei
ten der Prüfung, der Heimsuchung,
des .Krieges, uns, trotz harter Prü
fmigeii, die frohe Hoffnung der Kin
der Gottes bewahren. Prälat Robert
Wer soll in Zukunft Vuropa regiere«?
Der christliche Optimismus
s'"-y^-*•-
net, vorbei ist. Auch die Zeit der
Kompromisse, des politischen „Kuh
Handels" ist vorbei. Einige wenig'.
Monate furchtbarster Wirklichkeit ge
niigten, um all diese Dinge wie nc
bei hafte Wolkengebäude zu zerstreuen.
Kein Redner, und hätte er die lieber
zeugungskraft eines Demosthenes ge
habt, hätte das so fertig gebracht wie
der gegcnnxirtige Krieg, den Tsche
chen, Skandinaviern, Dänen, Franz
sen, Kroaten, Rumänen usw. die
lleberzeugung beizubringen, daß ein
ruhiges, gesichertes und bequemes Le
ben nicht das höchste Gut auf Erden
ist. Möglicherweise hätten diese Pol
ker alle denjenigen Propheten gestei
»igt, der ihnen das vorausgesagt hat
te, was sie nun erleben mußten, etwa
in den Worten: „Ihr Allzuvielen, ihr
llebei flüssigen, ahnt ihr denn nicht,
daß eine Zeit kommen wird, ja schon
vor der Türe steht, da Politik nicht
mehr darin besteht, daß man sich mit
tels guter Beziehungen mit einem
Volksabgeordneten das Privileg für
einen Schnapsausschank oder einen
Tabakladen sichert, die beide gut Geld
abwerfen: nein, im Gegenteil, eine
Seit wird kommen, da Politik in nack
ter Grausamkeit mir mehr die Alter
native bedeutet: entweder töten oder
getötet werden."
In der Politik ist für die Politiker
selbst in Europa sowohl wie in der
ganzen Welt die Zeit für die „Appease
er" vorüber: für Philister, die hinter
dem Biertisch ihre Politik machen oder
für Pazifisten ist Europa und die
ganze Welt heute ein armfelig schlech
ter Boden. Üeiite vom Schlage eines
Daladier, Petain, De Man, Quisling,
Seiß Inguart, Antonescu sind einem
Hitler oder Stalin gegenber von An
fang an verloren. Sie müssen ivohl
oder übel die erniedrigende Rolle ei
nes Handlangers spielen. Auf den
Ruinen ihrer zusammengebrochenen
Staatsgebilde können sie die Fehler
ihrer unzeitgemäßen politischen Kon
zeptionen vielleicht erkennen, wenn sie
groß und demütig genug sind eigent
lich schon, wenn sie real genug sind.
Denn ihre Staatsuugetüme, denen sie
als Hitlervasallen noch als Lakaien
von Nazis Gnaden vorstehen dürfen
in einem Scheinführertum, sind und
1
verdm in Wirklichkeit, geleitet und
gelenkt vom deutschen Militär und
von der unheimlichen Gestapo der
Nazis. In jedem von seinen Truppen
und seiner Polizei besetzten Lande hat
Hitler den alten ehemaligen Staat
von Grund auf und total zerstört
nicht bloß das Staatsgebilde, auch die
Parteien, die alten Verbände, die al
ten Arbeiterorganisationen er be
gründete solches Vorgehen mit dem
Vorwand, das Land vor dem Bolsche
wismus zu retten. Aber trotzdem ist
und bleibt es Tatsache, daß Hitlers
'jerstöi ungswerk ein gut Teil von dem
vollbrachte, was Lenin in Rußland
vor ihm tat. (Schluß folgt)
Mäder schreibt in der „Schildwache",
in filtern seiner originellen und mei
sterhasten Artikel:
„Im Alten Bunde verlangte das
Gesetz, daß der Priester in Not und
Gefahr vor die wehrhaften Männer
trete mit den Worten: Höre, Israel!
Euer Herz soll nicht verzagen. Hab
keine Angst. Fürchtet euch nicht und
-',' «.'*...
iveicht nicht zuzrück! (Vergl. 5 Mos.
20,:i). Ein Gleiches gilt heute im
Weltkrieg. Die größte Gefahr ist jetzt
die, daß die Christenheit Angst hat
vor dem Gottlosentum. In solchen
Seiten gibt es kein größeres Werk der
Barmherzigkeit als den Christen Ver
tränen einzuflößen.
Man trifft Menschen, bei denen der
Optimismus glückliche Naturanlag'
ist. Sie sehen, immer alles in rosiger
Beleuchtung. Nicht um das handelt
es sich für uns. Wir sind heute, wo
so vieles zur Verzweiflung zu trei
ben scheint, trotz allem Optimisten,
weil wir katholisch sind. Weil wir
glauben und weil wir hoffen. Der
Glaube sieht die Dinge wie sie sind.
Er weiß, daß die Welt int Argen liegt.
Er sieht die schwarzen Wolken am
Himmel. Wer weiß, was für Mög
lichkeiten in der Luft liegen! Aber
das alles hindert seinen Optimismus
nicht, ob er rückwärts oder vorwärts
schaut.
DaS Portugiesische Sprichwort be
hauptet, daß der Herrgott auch aus
krummen Linien gerade zu schreiben
vermag. Ein schweizerischer Geistes
mann behauptet geradezu, daß die
göttliche Linie im Weltgeschehen di'1
krumme sei. Vielleicht dürfen wir den
Gedanken deutlicher ausdrücken, wenn
wir fageit, die Linie der göttlichen
Weltregierung sei die wellenförmige
Linie. Wellenförmig bewegt sich das
Wasser, das Licht, der Schall, di'
Elektrizität durch den Weltraum. Di?
Welle aber besteht aus Wellenberg
und Wellental, aus einer Erhöhung
und Vertiefung, einem oben und im
ten.
Auch das Gute und Böse im Welt
geschehen bewegt sich wellenförmig.
Es ist bald oben, bald unten. Mit
dem Unterschied, das das Gute unten
ist, um nachher oben zu sein und das
Böse oben, um nachher unten zu sein.
Hier liegt ein Grund für unseren Op
timismus. Was sich erhöht, wird er
niedrigt und was sich erniedrigt, wird
erhöht. Was unten ist, ist unten, um
nachher oben zu sein und was oben
ist, ist oben, um nachher unten zu
sein. Von diesem Gesetz hat die Ge
schichte in den abgelausenen 1941
Jahren noch nie eine Ausnahme ge
macht. Es wird also auch für 1942
und die nähere Zukunft gelten.
Wir sind jetzt unten. Wir werden
darum nachher oben sein. Andere sind
jetzt oben, sie tverden darum später
unten sein. Eines wissen wir nicht.
Wir kennen das Tempo der Erhöhung
für die Kirche und des Falles für die
gottfeindlichen modernen Mächt-'
nicht. Aber das wissen wir, daß seit
1914 das Tempo des Weltgeschehens
ein ungeheuer rasches ist. In den
Zeiten des Sturmes liegt das, was
früher oben war, schneller am Boden.
Ein weiterer Beiveggruud, warum
der überzeugte Katholizismus frohen
Mntes sein darf, liegt darin, daß wir
trotz aller Wechselfälle deK. Lebens im
mer festen Boden unter den Füßen
haben, Unwandelbare Prinzipien, die
durch keinen Sturm erschüttert wer
de». Felsen im Meere. Der Katho
lizismus ist dochmatisch fundamentiert.
Das 1
hi veränderliche ist ewig. Es hat
immer recht und bekommt darum int
mer wieder recht. Das ist es, tvas der
unerschrockene Bischof von Münster
sagen wollte von seiner Adelsfamilie,
wenn er einmal meinte: Die Galen
sind nicht besonders schöne Leute. Die
Galen sind auch nicht besonders intel­
jrffcj
ligente Leute. Aber die Galen sind
konservativ! Sie haben Boden unter
den Füßen. Wer aber Felsen unter
den Füßen hat, kamt durch kein Erd
beben in seinem Standpunkt irre ge
macht werden.
Wir lassen unL im allgemeinen viel
zu sehr bestimmen und beeinflussen
durch die Ereignisse des Tages. Was
beweisen Ereignisse des. Tages, auch
ivenn sie noch so gewaltig sind, gegen
über den Beweisführungen der Ge
schichte! Wir haben vielleicht nicht den
Tag für uns, aber wir haben die Ge
schichte für uns. Wir haben sehr oft
nicht die Großen der Erde auf unserer
Seite, aber wir haben Christus auf
unserer Seite. In diesem Zusammen
hang dürfen wir wieder einmal tilt
das Gefpräch erinnern, das einer der
Größten der Erde, Napoleon, in der
Verbannung auf St. Helent mit ei
nem seiner Generäle führte. „Mein
General", sagte er, ,Jbald werden wir
nur noch Staub sein. Das ist das
Schicksal der großen Männer. Man
vergißt uns. Ein Augenblick noch und
das wird auch mein Schicksal sein.
Mein Leib wird der Erde übergeben,
um dort den Würmern zur Speise zu
dienen. Das ist das nahe bevorstehen
de Schicksal des großen Napoleon.
Welche Kluft zwischen meinem tiesen
Elend und der ewigen Herrschaft des
in der ganzen Welt gepredigten, in
Wolken von Weihrauch angebeteten
und geliebten und lebendigen Chri
stus". Wir Katholiken sind Optimi
sten, weil wir Christus als ewiges
Fundament haben. Das ist der Sieg,
der auch int Jahre 1942 die Welt
überwindet, unser Glaube.
Der Katholizismus ist die Religion
eines unverwüstlichen Optimismus,
weil er die Religion einer im beirrte»
Hoffnung ist. Der Mann hat etwas
recht gehabt, der uns Leuten von der
Kanzel einmal den Vorwurf machte:
Ihr predigt viel vom Glauben und
von der Liebe, aber ihr predigt zu we
nig von der Hoffnung! Wer die Reich
gottesgeschichte des Alten Testamentes
liest, dem wird auffallen, daß von
nichts in den heiligen Büchern so oft
gesprochen wird wie vom Vertrauen
aus den großen heiligen guten und
starken Gott. Das Neue Testament,
das die Vollendung des Alten ist, darf
auch hier nicht hinter dem Alten Bun
de zurückstehen. Mir, die von der
Kirche Christi, müssen die eines un
ermeßlichen Vertrauens sein auf den
Gott, der uns durch Jesus Vater ge
worden ist. Evangelium, frohe Bot'
l'choft ist die Botschaft von einem Gott,
auf den mau immer, überall, unter
allen Umständen und trotz allein ver
trauen ka»in! 1942 sei darum einIyhe
des heldenhaften Gottvertrauens!
Die Erziehung zum jauchzenden
Gottvertrauen des alttestauientlichen
und evangelischen Optimismus ist um
so notwendiger, als die Christen von
heute wie einst Alt Israel es so »st
lieben, ihre Hilfe bei fremden mo
dernen Göttern (5 Mos. 32,17) statt
beim einen wahren Gott zu suchen.
Es gehört zur gottgewollten Pädago
gik des Weltkrieges, alle diese Ersatz
göttcr einer 150 Jahre alten gott
fremden Kultur zu zerschlagen und
dadurch zu beweisen, daß Gott allein
die Quelle unserer unfehlbaren Zu
versicht ist. „Alles muß verloren ge
hen, sagte einmal die 11875 im Ruf
der Heiligkeit verstorbene und 1901
u«verwesen befundene Marie de Sa
les Chappius von Soyiere, alles mutz
MIt»,
yr'
-rn,«ar
13

Enteret as Second Class Matter October 1913 at the Post Office at Columbus, Ohio, under the Act of March 8, 1*79. Acceptance for at snecial rate of
flPF" »*. Act ef October »TOW authorised December 1* IMS. Publication Offi-e. WarrenSt-Columber O.Pnblishedeve^Wed^ f^ayleBdl^tlcc 357TtoWorth°n£t^, O.
Ohio Waiseufrennd Mittwoch, de* 8. Juli 1942

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