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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, November 18, 1942, Image 11

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Wie sie ihre Nester bauten so geduldig
und liebevoll, und hart arbeiteten, um
ihre Jungen zu erziehen durch die lan
gen, hellen Tage von den Blumen,
die so schön uud lieblich wuchsen in den
einsamen Tälern, wo sie von niemand
als von Gott gesehen werden können
von dem Schnee, der still und weiß
aus den Wolken fällt zur Winterzeit
und doch jede kleine flocke ein Ting
von Schönheit. Manchmal, am Sab
bath sagte er ihnen Psalmen her und
erzählte lange Geschichten aus der
Schrift von Moses in seiner kleinen
Arche und der schönen Prinzessen von
Goliath und dem mutigen jungen Da
bid von Simson, dem törichten Star
ken, und vielen andern."
„Ah?" sagte Stephanus mit leuch
tenden Augen und einer rührenden
Aufmerksamkeit, „wie ich wünscht«',
das ich damals in Nazareth gelebt
hätte."
Maria lächelte mit ihrem schönen,
freundlichen Lächeln und legte ihr™
zarte Hand liebkosend auf seine dik
feit Locken. „Weißt du", sagte sie
nach kurzer Pause, „du bist ihm in
vielem ähnlich. Wenn du so emsiglich
im (Zarten arbeitest und leise vor dich
hinsingst, oder, wie jetzt, zu meinen
tnßeu sitzest, denke ich immer an ihn,
wie er in deinem Alter war. Darum
rede ich so oft zu dir von ihm."
„Ich möchte lieber sein wie er",
rief Stephanus leidenschaftlich aus.
„als wie der Kaiser sein auf seinem
Throne."
„Darin bist du klug", sagte Maria
und ihre tiefen Augen erglänzten in
filtern geheimnisvollen Lichte. „Der
Kaiser auf seinem Throne ist besten
falls ein sündiger Mensch, während
Jesus der
„Er ist der Heilige GotteS!" sagte
Stephanus ehrfurchtsvoll.
Dann trat auf eine Zeitlang eine
Stille ein unter ihnen. Doch immer,
nach diesem bemerkte die Mutter %c
su, wie er versuchte, demütig und oh
ne sich aufzudrängen, doch mit steter
Treue, jene leere Stelle zu erfüllen.
Und in ihrem Herzen liebte sie ihn
dafür.
Was Prisca betraf, so empfand sie
für dieselbe ein zartes Mitleid, denn
sie erriet, daß in des Weibes Geschick
4e irgendwo eine dunkle Seite war.
Eines Tages, als sie still am Bett der
Invalidin saß, emsiglich spinnend, und
dann und wann das »veiße, eingefal
lene Gesicht auf den Kissen anblickend,
sah sie dicke Tränen sich langsam im
ier den geschlossenen Lidern hervor
stehlen. Sie erhob sich, beugte sich
über das Bett und indem sie die ma
pere, kalte Hand der Leidenden zwi
scheu ihre beiden Hände nahm, sagte
sie zärtlich: „Willst du mir deinen
Schmerz nicht sagen?"
Augenblicklich öffneten sich dip
dunklen Augen und blickten lang^'iind
ernstlich in das liebevolle Gesicht über
sich. „Ja?" sagte sie langsam, „ich
will dir alles sagen. Ich habe vor lan
gen Iahren ein großes Unrecht began
gen, und es hat mitf seitdem mein
ganzes Leben hindurch niedergedrückt.
Und trotzdem habe ich nie den Mut
gehabt, es gut zu machen."
Dann erzählte sie die Geschichte von
Jtitns und wie sie sich in der Nacht
himveggestohlen hatte, mit ihren Lieb
Haber zu treffen und das Kind mit*
genommen hatte.
„Warum nahmst du das Kind?"
srug Maria.
„Duinachus befahl mir, es zn
iim'V antwortete das Weib kchwach.
.„Und ich liebte den Kleinen «rti) tarn­
te es nicht ertragen, mich von ihm zu
trennen, deshalb gehorchte ich. ES
war stets meine Absicht, ihn seiner
Mutter wieder zu bringen, allein ich
tvagte es nie. Einmal, als ich sagte,
daß ich es tun müsse, schlug mich mein
Gatte in seiner Wut nieder und was
noch schlimmer war, er verletzte mei
nen Stephanus und machte ihn zu
einem hoffnungslosen Krüppel. Er
war darnach immer hilflos und lei
deud, bis er, wie du weißt, durch die
Güte deines Sohnes geheilt wurde.
Ah, was sind wir dir nicht schuldig!
Und nun wirst du mich hassen! Ich
bin nicht würdig, unter deinem Dache
zu sein."
Maria war einen Augenblick still,
sie küßte aber die Leidende zärtlich auf
die Stirn dann sagte sie fest, „Du
mußt die Sache jetzt noch gut machen.
Laß deinen Sohn Stephanus nach Ka
pernaum gehen und den jungen Da
vid hierher bringen. Du sollst ihm
alles sagen und in seine Hände die
Beweise legen, daß die Geschichte wahr
ist. Hast du sie hier?"
„Ja", sagte Prioca und unter ih
rem Kissen hervor zog sie ein kleines
Päckchen, fest in Leinwand gewickelt
und mit einem seidenen Jadeit gebun
den. „Ich habe es niemals aus mei
neu Händen gelassen es ist daS kleine
Kleidchen, das er trug, als ich mit
ihm entfloh. Seine Mutter hat es
mit ihren eigenen Händen gemacht
sie wird es erkennen. Und dabei ist
eilte Kette aus Silber, welche sie nur
zu tragen gab, als sie mich aus all
ihren Dienerinnen auswählte, um auf
den kleinen David aufzupassen. Und
wie habe ich das Vertrauen getäuscht!
Was wird aus mir werden!"
„Du hast gewißlich schwer gesün
digt", sagte Maria. „Aber Gott wird
dir vergeben, wie er dem Könige Da
vid vergab, der des Mordes schuldig
war, wenn du nur dein Herz vor ihm
demütigst!"
„Gott weiß, daß mein Herz bis in
den Staub gedemütigt ist doch es
bringt leider keinen frieden!"
Maria schien besorgt. Sie erhob
ihre taubengleichen Augen. „Ach, du
Sohn Gottes", murmelte sie zu sich
selbst, „wärst du mir hier, um dieser
sündenkranken Seele zu helfen! Ich
selbst weiß nicht, was ich ihr sagen
soll." Dann sprach sie wiederum zur
kranken Fran. Kennst du meinen
Sohn, der da Jesus heißt?"
„Ich habe ihn gesehen", antwortete
Prisca. „lind oft habe ich mich dar
nach gesehnt, mit ihm sprechen zu kön
nen, um ihm für meines Stephanus
Heilung zu danken. Aber ich wagte es
nicht meines Herzens Sünde ist zu
groß. Fast hatte ich sie überwunden,
als ich ihn in Kapernauiu sah."
„Er ist der Sündlose", sagte Ma
ria sanft. „Aber hast du ihn nie sa
gen hören, daß er in diese Welt ge
kommen ist vom Himmel droben, mit
die, da gesündigt haben, zn erlösen?"
„Sagte er das?" rief Prisca leb
haft aus. „Und wie sie erlösen?"
.Er hat nicht einmal, sondern oft
gesagt, daß .alle, die an ihn glauben,
nicht verloren gehen, sondern das ewi
ge Leben haben'," sagte Maria ein
fach.
„Du bist dessen gewiß, daß er ge
sagt hat. .alle'?"
„Er hat es gesagt nicht einmal,
sondern oft", antwortete die Mutter
J-sn.
„Und was ist es, das ich gläub-n
muß?" frug Pisca zitternd bor Be
gierde.
I
„Daß er von Gott gekommen ist,
zu suchen und selig zu machen, das
verloren ist und daß er fähig ist,
das zu tun, wofür er kam", antwor«
ietc Maria.
„Wie könnte ich das nicht glauben?
Hat er nicht meinen Stephanus
von Schlimmerem als dem Tode er
rettet?" Sie schloß ihre abgemager
ten Hände und rief freudig aus: „Ich
glaube, daß er es vermag." Dann
schloß sie ihre Augen und lag still,
daß Maria sie schlafend glaubte. Kur
nachher schlich Stephanus in das Zim
mer und stellte sich neben das Bett
und blickte nieder auf seine Mutter.
„Was denkst du?" fragte er mi'
leiser Stimme. „Wird sie besser?"
Beim Schall seiner Stimme össnet"
das kranke Weib die Augen. „Ich bin
eine große Sünderin gewesen vor den
meisten", sagte sie schwach. „Aber er
ist gekommen, mich zu erlösen und ich
habe Frieden. Du wirst Titus finden
gib ihm dieses. Sie wird dir al
les erzählen."
Dann schlossen sich die dunklen Au
gen »nieder und zum letzten Mal. Die
zwei saßen am Bett und bewachten die
stille Schläserin während der langen
Stunden der Nacht. Just um da*
Morgengrauen bewegten sich die blei
chen Lippen und Stephanus. sich nie
derbeugend, erhaschte zwei Worte:
„Stephanus Jesus." Dann Hörle
der schwache Atem ganz auf. Sie war
zum ewigen Leben eingegangen.
Nach dem einfachen Leichenbegäng
nis, das nach morgenländischer Sitte
am Abend desselben Tages stattfand,
hörte Stephanus von den Lippen
Marias die Geschichte von Titus.
Er war tief bewegt. „Arme Mut
ter!" sagte er. .Kein Wunder, daß sie
weinte, mit einer solchen Last aus dem
Herzen. Sie war eine ängstliche Seele
und führte ein Leben voll Schrecken."
Dann erzählte er der Mutter Jesu
alles, das er wußte von seines Vaters
bösem Leben. „Er ist alles, das mir
jetzt bleibt", sagte er bitter, als er ge
endet hatte.
„Meinst du das?" sagte Maria.
„Nein! Tausendmal nein!" rief
Stephanus ungestüm, als er ihre
Meinung erriet.
„Hast du meiner Mutter letzte
Worte gehört? In dem Augenblick,
als sie mit ihrem letzten Atemzuge
meinen Namen mit dem Seinen ver
band, wußte ich, was ich zu tun ha
tie. Ich »verde ihm mein ganzes Le
ben weihen."
„DaS sollst du entschieden", sagt
Maria mit einem feierlichen Blick in
den tiefen Augen. „Doch weiß ich
nicht, was ihm die Zukunft bringen
wird. Er hat bittere Feinde manch
mal fürchte ich für sein Leben." Und
sie wandte sich Stephanus zu mit ei
nein zitternden Beben ihres lieblichen,
festen Mundes,
„Ist er nicht der Geliebte des Va
terS?" sagte Stephanus einfach. „Und
kann ihn der Vater nicht von der
Hand seiner Feinde erretten?"
,Er wird seine Feinde, zum Sche
mel seiner Füße machen', wie geschrie
ben steht", antwortete Maria mit fe
ster Stimme, „und er wird in Herr
lichkeit triumphieren!"
Nach kurzem Stillschweigen sagte
sie: „Morgen sollst du dich untenvegS
begeben, wie deine Mutter dir be
fahl, damit du den jungen David fin
dest und ihm alles, was geschehen ist,
mitteilst. Ich selbst gehe nach Iern
salem. Mir ist, als ob er mich nötig
haben wird."
Und so kam es. daß Stephanus am
Morgen sich allein auf seine Reis?
I/. S. Tr*a*ury Dwpi.
11*
mW»?»
LIBERTY UMEfrICKS
begab, und die kleine Tunica, die bon
der Mutter des Titus gemacht Ivor,
und die silberne Kette, die seiner ei
genen toten Mutter gehört hatte, mit
sich nahm. Und als er wegging, seg
nete und küßte ihn Maria und er
weinte, als er ihr Lebewohl sagte,
denn er war doch nur ein Knabe und
die Stielt ivetr weit und einsam.
(Fortsetzung folgt)
Auskunft
(Fortsetzung von Seite 0)
Bekehrungen zur katholischen Mutter
Firche in allen Ländern, daß alle, die
guten Willens die Wahrheit suchen«
dieselbe in der aus dem unzerstör
baren Felsen Petri von Christus er*
richteten Kirche ihr sicheres Heil fiiv
den.
Die Kirche der La Madeleine in
Paris kann in diesem Jahre ihr 100
jähriges Bestehen feiern. Eigentlich
wurde sie erst im Jahre 1842 voll
endet. Sie wurde von König Ludwig
dem Bierzehnten, der im Jahre 1764
die Pläne herstellen ließ, geplant.
Erst unter Napoleon dem Eisten
wurden die Arbeiten in Angriff ge
nommen und erfuhr das Gebäude ei
ne wesentlich vom Bauplane verschie
dene Umgestaltung. Die im griechisch
römischen Tempelbau vollendete Kir»
che war als „Tempel des militäri
schen Ruhmes" gedacht. Im Jahre
1806 wurde sie der Verherrlichung
Napoleons zu diesem Ziveck überge
ben. Die Madeleine nxir stets die Kir
che der eleganten Pariser Aristokratie.
Tie Kirche macht keinen christlichen
Eindruck und sie hat nicht die ein
ladende Atmosphäre, die zum religiö
sen Geist und stillen Gebete einladet.
In einem im St. Fraucis College,
Loretto, Pa., ausgebrochenen Feuer,
das einen Schaden von $200,000 an
richtete, wurde die ganze kostbare und
berühmte „Gallitzin"-Bibliothek mit
200 Bänden gänzlich zerstört. Rev.
Demetrius Gallitzin war der Gründer
der katholischen Stadt Loretto, Pa.
Er lebte von 1770 bis 1840.

Mittwoch, brn 18. November 1942 Olie tB(iifr*frr#tib
TKere was a reporter
named Fly
tin.,
Wbo said (Quote) The
Axis can't win!
Sure, we'll get Hitler's
goat
If we buy Bonds [(Un
quote
And now is the time to
begin!
Write Hi tier*« «loom by
puHinx 10% of your in*
comr info V *r ^tampi arul
BodI* earh p*y day. Sig®
up for the Volsmtery Pay
roll Savittge Plan*

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