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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 07, 1943, Image 2

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Wenn wir in ernster, stiller Stun
de, am ersten Tage der heiligen Fa
stenzeit, too die Kirche jedem ihrer
Kinder durch das Aschenkreuz den
ersten Gedanken an Tod, Gericht und
Ewigkeit in Erinnerung bringt, uns
aufrichtig und ehrlich die Frage vor
legen, was unser Höchstes, Bestes,
Kostbarstes, Heiligstes auf Erden ist,
dann müssen wir mit ganzer Seele, mit
tiefster, innigster Ueberzeugung uns
die Antwort geben: Das ist unser
Glaube an Christus und mit diesem
Glauben die Gnadenmittel, die Chri
stus in seiner hl. Kirche für uns nie
dergelegt, und mit den Gnadenmitteln
unsere ewigen Hoffnungen, kurz, es
ist die Religion Jesu Christi, das Se*
ben in uns durch Christus.
Null aber ist der Glaube, die Re
ligion Christi nicht etwas bloß Inner
liches, nicht etwas, was wir geistig in
irgend einer Weise uns zu eigen ma
wen. Nein, Christus hat uns Lehre
und Glaube, Gnade und Hebung in
einer ganz bestimmten Form überge
ben, in seiner Kirche.
Die Kirche Christi ist eine fest ge
schlössen«) Gesellschaft mit einem ficht*
baren Obel Haupte, sichtbaren Borste
Hern ulld sichtbaren Mitgliedern. Für
die Menschen ist die Kirche gestiftet,
durch einen Menschen wird sie verwal
tet und geleitet unter der Hut und der
Eingebung des hl. Geistes.
Tie von Christus gegründete Kirche
ist also die einzig berechtigte Form des
Christentums, der christlichen Religion.
Das Lebe» in und durch Christus in
und durch die Kirche, die eine heilige,
apostolische, katholische Kirche.
Wie jeder feste, geordnete, geschlos
Um* Berein, so hat auch die Kirche auch
ihre besonderen Gebote und Statuten.
Sie hat Opfer und bedeutengsvolle
Zeremonien, aber keine geheimen 23er*
saminlungen keine Paßwörter alle
ihre Kirchen stehen Jedermann offen,
ihre ganze, volle Lehre ist jedem, auch
dem gewöhnlichsten Gläubigen, be
kanllt. Ihre Gebote und Verbote kennt
Jedermann, sei er Mitglied der Kir
che oder nicht.
'Zu den Hauptgeboten oder Statu
ten, wenn man will, gehören insbe
sondere die folgenden:
1. Du sollst die gebotenen Feier
tage halten
Du sollst alle Sonn- und Feier
tage die hl. Messe mit Andacht hören
13.2)u sollst die gebotenen Fasttage,
wie auch den Unterschied der Speisen
beobachten
4. Tu sollst jährlich wenigstens ein*
mal einem verordneten Priester deine
Sünden beichten und zur österlichen
Zeit das heiligste Sakrament des Al
t.irs empfangen
5. Du sollst keine verbotene Ehe
eingehen.
Willst du, lieber katholischer Mann,
ein wirkliches Mitglied der Kirche
Christi sein, als welches Du in der
heiligen Taufe derselben beigetreten
bist, so halte auch treu, fest und un
verbrüchlich die Vereinsstatuten, die
Gebote der Kirche. Sei ein Mann und
lasse Dich nicht von niedriger Men
scheu furcht einschüchtern.
Auf wie viele Angehörige der Kirche
kann leider mit Recht das in der Neu
zeit bekannte geflügelte Wort Anwen
dung finden: Er ist zwar katholisch,
aber er praktiziert icht. Das heißt, er
ist Katholik, aber er geht nicht zu den
Der katholische Mann im kirchlichen Leben
hl. Sakramenten er ist Katholik, aber
er geht am Sonntag nicht zur hl.
Messe er ist Katholik, aber er beachtet
nicht die kirchlichen Abstinenz- und
Fasttage er ist Katholik, aber er ge
hört zu kirchlich verbotenen Logen und
Vereinen, liest kirchenfeindliche Zeitun
gen, stimmt für ungerechte Gesetzent
würfe, wählt für Männer, die dem re
ligiösen Freisinn oder gar dem Atheis
mus huldigen.
Katholik sein wollen und nicht prak
tizieren, ist ein so schreiender Wider
spruch, eine so unmännliche, charakter
lose Halbheit, daß sie vor Gott und
Zur Fastenzeit werden in ver
fchiedenen Städten des Landes Pas
sionsspiele aufgeführt. Trotz des
Krieges, der viele Männer und
Frauen ihrem Familienkreis ent-
Menschen gleich niedrig und verach
tenswert ist.
Das Christentum, die katholische Re
ligion, ist eine praktische Religion und
es ist der Glaube Christi eine prak
tische Lehre. Wer praktisch glaubt,
praktisch ein katholischer Mann ist, der
gehorcht den Vorschriften und Weisun
gen der Kirche.
Der Glaube ist ferner eine Ueber
zeugung und zwar eine herrlichste,
tiefste Ueberzeugung, denn er ist ein
Glaube, nicht an Märchen und Fik
tionen, sondern an göttliche, durch das
Leben, Leiden, Sterben und die Auf
erftehimg Christi besiegelte und ver
bürgte Wahrheit. Darum haben wir
die Pflicht, diese Ueberzeugung, gegen
über den Erfindungen der Glaubens
erneuerer, den Utopien der Soziali
sten und den schamlosen Lügen der
Gottesleugner, diese Ueberzeugung
frei und offen in Wort und Tat zu be
kennen, trotz Spott und Hohn.
Zu den Vorzügen unserer Zeit ge
hört eine gewisse Geradheit, Offenheit,
Entschiedenheit, die wir nicht nur bei
unseresgleichen, sondern auch bei un
scrern Gegner ehren. Infolgedessen
werden die Gedanken und Ziele vie
ler offenbar. Was wird heute nicht
offen, rückhaltlos in Wort und Schrift
gelehrt und verkündet? Was schreibt
juipo zDoiicttymnö MUtwoch, ven Y. Apru 1943
Das ist gewiß unendlich traurig,
aber aber es sind doch offene, gerade
Geständnisse. Wir wissen, woran wir
sind. So spitzt sich heute alles zu ei
nein offenen Kampfe für Gott und tot-
Y
zogen hat, wird das übliche Pas
sionsspiel „Veronica's Veil", unter
der Leitung der Passionistenväter
in Union City, N. A., wieder auf«
geführt.
der Gott, für Christus und wider
Christus, für oder wider die katholi
sche Kirche zu. In solchen Zeiten, wo
die Gegensätze sich so scharf zeichnen
und man wenigstens gegen die Ehr
lichen, die Freimaurer und anderes
heimlichtuendes Gelichter schließen wir
hier aus, mehr als je, offen in den
Kampf tritt, da gilt es auch offen
Partei zu nehmen für Gott und feine
Kirche, für feinen heiligen Glauben,
denn „wer nicht für mich ist, der ist
tu gen mich" (Matth. 12,30).
Eine der unheilvollsten und unsin
nigsten Lehren der modernen Weltbe
glücker ist die, daß die Religion eine
private Angelegenheit im beschränkte
ren Sinne sei, daß sie mit dem öffent
lichen, bürgerlichen, gesellschaftlichen
Leben, mit den tausendfachen Berufs
tätigkeiten der Menschen nichts zu
Unter dieser Aufschrift entwirft
„Der Wanderer" ein offenbar ziemlich
getreues Bild der gegenwärtigen Lage
im Nazireich, indem die Nachrichten
nur aus direkten Naziblättern ge
schöpft sind. Schreibt der „Wanderer":
„Die Nacht senkt sich mit immer
dichteren Schleiern über Deutschland.
Welche deutsche Zeitung man jetzt auch
und verbreitet nicht alles unsere freieschaffen habe, kurz, daß sie in die 93er
Presse? Daß es weder Seele noch
Ewigkeit, weder Himmel noch Hölle
gebe, daß der Mensch glücklicher ohne
Neligionszwang lebe und die Religion
nur ein Schreckmittel der Menschheit
fei, eine schlaue Erfindung der Ge
Walthaber, um die Massen im Zaum
zu halten kurz welcher Unsinn und
welche Lügen und Gottlosigkeiten wer
den heute nicht offen und ungeahndet
verkündet?
Nacht Über Deutschland
borgenheit des menschlichen Herzens,
innerhalb der vier Wände des Privat»
Hauses oder der Kirche zu verschließen
sei.
Wozu hat denn der Stifter der ka
tholischen Kirche die Worte gesprochen:
„Wer mich vor den Menschen bekennt,
den will ich vor meinem Vater beken
nen?" (Matth. 10,23).
Haben nicht die ersten Christen schon
durch ihr offenes und unerschrockenes
Bekenntnis vor aller Welt, selbst vor
ihren Henkern Gut, Blut und Leben
geopfert? Haben nicht auch unsere gro
ßen katholischen Gelehrten und
deren Zahl ist nicht klein offen und
vor aller Welt ihren Glauben an die
katholische Kirche bekannt? Sollte
dann ein gewöhnlicher Arbeiter oder
Landmann, an den keine so hohen An
forderungen gestellt werden, nicht das
Wenige tun, was von ihm verlangt
wird?
Es ist nicht immer Sache eines ge
wöhnlichen und ungebildeten Man
nes, sich auf spitzfindige religiöse Kon
troversen mit seiner nichtkatholischen
Umgebung einzulassen, und er steht
den Vorurteilen, Lügen und Verleum
düngen oft machtlos gegenüber, al
lein feine religiösen Pflichten erfüllen,
trotz allen Spottes und Hohnes feiner
Umgebung, das kann und muß jeder
wahre katholische Mann. Wir haben
als katholische Christen uns immer
und überall in jedem Stande, jeder
Lage zu fragen: Was gebietet und
verbietet mir mein Glaube an Chri
stus und die Kirche? Da Christus ge
kommen, durch seine Erlösung und
seine Lehre alles zu erneuern und mit
seinem Geiste zu erfüllen und zu durch
dringen, das persönliche und öffent
liche, das bürgerliche und gesellschaft
liche Leben, Handel und Wandel, so
sollen wir auch alles in seinem Geiste
und im Lichte seiner Lehre betrachten
und auffassen.
Das ist die katholische Lebensauf
fassung, die christliche Weltanschauung.
Wir sind in heutiger Zeit weit abge
irrt von dieser Weltauffassung, deren
Parole lautet: Alles in Christus, durch
Christus, für Christus! Wie eine Ar
mee auf dem Rückzüge haben wir in
vielen Ländern uns durch den Gegner
von dem einen Vorposten um den an
der im öffentlichen und gesellschaft
lichen Leben verdrängen lassen. Das
konnte nur deshalb geschehen, weil un
sere katholischen Mitbrüder keine Män
ner waren, keine praktischen Katholi
ken, die in der Familie, in der Kirche
und an der Wahlurne ihre Pflicht er
füllten. An Waffen und einer vorzüg
lichen Ausrüstung fehlt es nicht, denn
wir haben das stets siegreiche Schwert
der Wahrheit, das wir nur in der rich
tigen Weise zu führen brauchen, im gu
ten Kampfe, dem der sichere Sieg
winkt, wenn auch vielleicht nicht in
sichtbarer Weise in diesem, so doch ganz
sicher im anderen Leben.
aufschlägt sei es die „Frankfurter
Zeitung" oder der „Völkische Beobach
ter", oder auch nur eine kleine öster
reichische Provinzzeitung —, es strömt
daraus die Angst vor dem Zusammen
bruch hervor. Die tausendfältigen
Sorgen, die aus allen diesen Zeitun
gen sprechen, lassen sich auf einen Ge
neralnenner zurückführen, nämlich auf
o!

Jährliches Paffionsspiel in Union City, N. I.
Entered as Second Class Matter October 6, 1913 at the Post Office at Columbus, Ohio, under the Act of Maroh 8, 1879. Acceptance for mailing at toeclal rat» or n«tu. .„.i^
section 1106. Act of October 8, 1917, authorized December 14, 1918. Publication Office, 32 Warren St., Oolumbus, O. Published every Wednesday. Send Notice Form 3678 to Worthingt™!

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