OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 14, 1943, Image 5

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1943-04-14/ed-1/seq-5/

What is OCR?


Thumbnail for

Hintergrund und Atmosphäre
der Gegenwart
Es wird von Zeit zu Zeit die Be
merkung gemacht: „Wir, in dieser Ge
neration, leben in einer großen Zeit."
Diese scheinbar oberflächliche Bemer
kung enthält in mehr als einem Sin
ne viel Wahrheit. Ist es doch Tatsache,
daß wir jetzt ununterbrochen weltge
schichtliche Geschehnisse erleben, von de*
nen wir noch vor einem einzigen Le
bensalter nicht einmal zu träumen ge
wagt hätten. Geschehnisse, die in ihrer
geradezu erschreckenden Gewalt, in ih
rer Ausdehnung und Wirkung auf der
ganzen Welt, in ihrem Charakter und
ihrer folgenschweren Tragweite als
ungeheuerlich revolutionären Aufbruch
innerhalb fast der ganzen Menschheit
nicht nur den Kurs der heutigen Welt
und gegenwärtigen Generation än
dern, sondern unzweifelhaft den der
gesamten Menschheit auf Jahrhunder
te hinaus beeinflussen werden.
Wessen wir jetzt Zeugen sind, ist
große Weltgeschichte in ihrem Werde
prozeß, und dies in einem geradezu
gigantischen Ausmaße. Zukünftige
Geschlechter werden nicht nur die Er
eignisse unserer Zeit als Geschichte stu
dieren. Sie werden vielleicht in einer
Art uns als die Menschen beneiden,
die nicht nur an der Wiege dieser
neuen Aera in den Zeitenläuften der
Menschheit gestanden haben, sondern
die an sich selbst das unheimlich wilde
Schaukeln der Wiege dieses neugebo
renen Zeitalters erfahren haben. Die
gegenwärtige ereignisreiche Period?
wird sich den zukünftigen Geschlechtern
darbieten als eine Zeit, die alle Lei
denschaften menschlicher Natur entfes
selt und sie zu einem geradezu wahn
sinnigen Rasen in unerhörter Wild
heit aufgestachelt hat.
Sie werden das Schauspiel eine»
Brandes vor sich haben, der schließlich
sich über die ganze Welt ausbreitet
und eine Zivilisation zerstört, die 2000
Jahre menschlichen Schaffens und
Ringens aufgebaut hatten. Sie wer­
.Kie%
"•..
Die Bemühungen Pins' des Zwölften nm Frieden
Eine Studie Von F. Markert, S.V.D.
Vorbemerkung: Die Veröffentlichung dieser Studie ist
zum Teil veranlaßt durch die Erfahrung, daß immer wieder
die Frage gestellt wird, „Weshalb tut der Papst nichts in die
sem Krieg?" Ein Teil der Fragesteller meint damit, weshalb
sich der Pa^Pst nicht für die Sache der Alliierten erklärt und
ausgesprochen Stellung nimmt gegen die Achsenmächte, ja sie
verdammt oder ihre Häupter mit Exkommunikation belegt.
Der andere Teil der Fragesteller meinte mit seiner Frage,
weshalb der Papst nichts für die Wiederherstellung des Frie
dens tue.
Daß Nichtkatholiken diese Frage stellen, kann man eini
germaßen verstehen. Unverständlich ist aber, daß Katholiken
diese Fragen vorbringen. Sie könnten doch durch ihre katho
lischen Blätter hinreichend unterrichtet sein über die vielen Ver
suche, die der Papst zugunsten der Sache des Friedens unter
nommen hat. Sie könnten auch sich darüber klar sein und an
dern es klar machen, weshalb die Haltung des Papstes keine
andere sein kann gegenüber beiden im Kriege führenden Par
teien, als sie es ist. Aber es zeigt sich gerade in diesem Falle,
wie sich der Mangel an Interesse an katholischer Lesung rächt.
Wie leicht solche durch ihre eigene Schuld nicht unterrichteten
Katholiken eine Beute katholikenfeindlicher Propaganda wer
den, und wie wenig katholischen Sinn sie besitzen, erfuhren wir
kürzlich aus Aeußerungen aus dem Munde von Katholiken.
Diese waren darüber aufgebracht, daß der Papst angeblich
nichts für den Frieden tue. Aber sie hatten dafür eine Erklä
rung: Der Papst strebe nämlich nach der Weltherrschaft und
lasse deshalb die Völker sich erst zerfleischen, sodaß er nachher
leichtes Spiel habe.
Wenn sich unter den Lesern derlei sonderbare Katholiken
finden sollten was ich wirklich nicht hoffe so werden hof
fentlich die Ausführungen in dieser beginnenden Artikelreihe
über die Friedensbestrebungen des Papstes sie eines Besseren
belehren. F. Markert.
den im Gefolge dieser kolossalen Rase
rei unerhörten WahneZ und Verbre
chens als Resultat einen völligen Ban
kerott dessen sehen, das der Mensch
im materiellen, im natürlichen und zu
einem großen Teil selbst im geistlichen
und geistigen Gebiete geschaffen und
erworben hatte.
Von all diesen Geschehnissen, die zu
künftige Geschlechter in ihren Studien
als Geschichte des 20. Jahrhunderts
vor sich haben, sind wir Zeugen, wenn
nicht gar aktive Teilnehmer oder Op
ser.
Hk
Unter vielen Taufenden katho
lischer Blaujacken von der Naval
Training Station, Great Lakes,
Es ist aber nicht nur allein ein
Drama von Wahn, Blut und Zerstö
rung, eine Tragödie entsetzlichster Art,
das die zukünftigen Geschlechter in der
Geschichte unserer gegenwärtigen Zeit
sehen. In diesem Weltschauspiel spielt
sich ein anderer Akt ab, von dem wir
Menschen dieser Zeit sagen können,
daß wir ihn mit angesehen haben, und
zwar in einer sehr Persönlichen Art
und Teilnahme. Es ist dies nichts Ge
tingeres als die Haltung, die Aktion,
der Geist und die ganze Persönlichkeit
des Papstes Pius der Zwölfte. Er
und seine Bemühungen um den Frie
den innerhalb der gesamten Mensch
heit werden dann als ein Stern erster
Größe in dem Dunkel scheinen, das
sich auf die Erde und Menschheit die
ser Generation gesenkt hatte.
Im Gesichtswinkel der Zukunft
Zukünftige Beschauer dieses Welt
dramas werden in ihm wenigstens ei
nen vernünftigen Mann sehen imit
ten all des Wahnwitzes, einen Mann
mit einem Herzen voll Mitleid und
herzlicher Anteilnahme am Geschick der
Massen inmitten all der Barbarei die
ses totalitären Krieges. In feinem
Geist und in seinen Taten wird die
Welt dann kristallisiert finden den
Geist und die Taten der Kirche, die
immer getreu ist ihrer göttlichen Sen
dung, die Lehren Christi über Gerech
tigkeit für die Menschheit zugänglich
zu machen und anzuwenden. Und zwar
dies im Gegensatz zu dem heidnischen
Geiste und der heidnischen Lehre, daß
„Macht geht vor Recht". Oder was
sich auf derselben falschen Linie bewegt
daß selbstsüchtige Interessen die be
rechtigten Leitmotive sein dürfen für
das schreckliche Kriegsgeschrei, das jetzt
die Luft füllt, und gleicherweife Mil
lionen von Gräbern, und das nicht
weniger die Heimstätten der Menschen
leert wie die Hallen von allen solchen
Instituten, die das verkörperten, das
groß und gut und edel in den Natio
nen war.
Es ist der Zweck dieser Studie, uns
dazu zu bringen, daß wir mehr die
Matrosenchor fingt beim Hochamt
III., sind obige zwölf ausgewählt
worden, um während der Fasten
zeit beim sonntägigen Hochamt zu
weitreichende Bedeutung dieses Kapi
tels in der Geschichte der Kirche schät
zen lernen, das unzweifelhaft später
einmal die Bewunderung und Genug
tuung zukünftiger Geerationen erre
gen wird. Dessen inne zu werden sollte
einem katholischen' Herzen wohl tun.
Es wird seinen Wert und Einfluß ha
ben als ein Element, das sowohl uns
ein Gleichgewicht bietet als auch uns
aufrichtet in unseren sonst so nieder
drückenden und entmutigenden Ersah
rügen in gegenwärtiger Zeit.
In dem Kriegslärm, der zurzeit nie
still wird, und angesichts der trauri
gen Anblicke, die als Folge des Krie
ges auf allen Seiten sich uns aufdrän
gen und bis in die letzten Winkel un
seres Geistes uns verfolgen, in den
Sorgen und den Entbehrungen und
Opfern, die das gigantische Ringen in
unserer ganzen Lebenshaltung tagtäg
lich aufzwingt, sind wir in Gefahr,
dieses große Kapitel in dem gegen
wärtigen Leben und in der zukünfti
gen Geschichte der Kirche aus dem Au
ge zu verlieren. Wir versäumen, den
richtigen Gesichtswinkel zu gewinnen,
unter dem allein wir den Mann im
vollen Maße seiner geschichtlichen Sta
tur zu messen vermögen, dessen Geist,
Mitgefühl und Aktion all das darstel
len, das allein vernünftig und christ
lich ist, und als solches allein imstande
ist, wieder die rechte Ordnung herzu
stellen und einen dauernden Frieden
zu schaffen.
Diese Ueberschau über die Frie
densbestrebungen Pius des Zwölften,
die allerdings notgedrungen nur be
schränkt sein kann, dürfte uns dessen
mehr bewußt werden lassen.
Die Befähigung des Papstes für
seine Friedensmission
Ein solch gigantisches, komplizier
tes und delikates Werk wie die Frie
densarbeit unter den Nationen mit
deren Hunderten von grundverschiede
nen Interessen, Temperament-, Rassen
und nationalen Eigenheiten, mit ih
rem historischen Hintergrund, ihren
(Fortsetzung auf Seite 11)
singen. Der Chor wird von dem
ehemaligen Mtropolitan Star John
Carter dirigiert.

Mittwoch, den 14. April 1943 öhi» Waisesfremch

xml | txt