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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 29, 1943, Image 11

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ersetzen müssen."
„Aber dazu find Sie in keiner Wei
fe verpflichtet."
„Ich weiß das wohl gesetzlich ?ann
man mich für die Dummheit oder den
Leichtsinn des Kassierers nicht der
antwortlich machen, aber, wie gesagt,
meine Interessen werden zu sehr ge
fährdet, und von zwei Hebeln muß
man daS kleinste wählen."
Krasinski hatte sich erhoben. Er
wußte jetzt, daß der Kassierer noch
nicht beim Kommerzienrat gewesen
war. Brach der Sturm morgen aus,
so hatte er ihm nun schon vorgebeugt.
„Gehen Sie ins Kasino?" fragte
Steinfeld, der nun auch von seinem
Sessel aufstand.
„Ich glaube, man erwartet mich be
reits dort", sagte der Pole. „Sie wer
den wohl auch hinkommen?"
„In einer halben Stunde bin ich
dort."
„Also auf Wiedersehen, Herr Korn
merzienrat."
Krasinski drückte dem Bankier leicht
die Hand und verließ das Zimmer.
Der Bankier blickte ihm mit ernster,
gedankenvoller Miene nach, dann zog
er die Glocke.
„Herr Starke noch da?" fragte er
den eintretenden Diener/
„Ich glaube wohl er ist allemal der
Letzte, der sich entfernt."
„Ich lasse ihn bitten."
Schon in der nächsten Minute trat
der alte Buchhalter ein.
„Nur eine Frage wünsche ich an
Sie zu richten", sagte der Kommer
zienrat. „Wissen Sie vielleicht annä
hernd, wie groß das Guthaben des
Grafen Krasinski ist?"
„Etwas über 60,000 Taler."
„Er wünscht eine Anweisung auf
London im Betrage von 10,000
Pfund."
„Dieser Betrag übersteigt sein Gut
haben."
„Um 7,000 Taler", ergänzte der
Bankier „das will wenig oder gar
nichts bedeuten."
Zwischen den Brauen des alten
Buchhalters zeigte sich eine tiefe Fur
che, und sein Gesicht nahm einen be
sorgten Ausdruck an.
„Darf ich ganz offen reden, ohne
eine Mißdeutung meiner Worte be
fürchten zu müssen?" fragte er zö
gernd.
„Gewiß", erwiderte Steinfeld
freundlich.
„Nun denn, ich fange an, Zweifel
zu hegen, ob Graf Krasinski wirklich
der reiche vornehme Herr ist, für den
er sich ausgibt."
„Und worauf stützen sich diese Zwei
fei?"
„Auf Vermutungen, und wenn ich
es gerade heraussagen soll, auf 93er
dachtsgründe, die ich leider jetzt noch
nicht verraten darf. Nur eins, was
ich selbst entdeckt habe, darf ich anfüh
ren. Hat Graf Krasinski Ihnen ge
sagt, da ßer Besu chhat?"
„Nein."
„Ein fremder Herr ist angekom
men, vielleicht ein ungebetener Gast,
dessen Anwesenheit geheim gehalten
werden soll. Wenn ich dies mit den
falschen Banknoten in Verbindung
bringe...
„Um Himmels willen, wohinaus
wollen Sie mit Ihren Vermutungen?"
rief der Kommerzienrat bestürzt.
„Es sind eben nur Vermutungen",
fuhr Starke achselzuckend fort.
„Sie gehen da doch zu weit", sagte
der Bankier mit zweifelnder Miene,
„wie können Sie nur glauben, daß
her Graf eines solchen Verbrechens
fähig sei? Sie sprachen von Verdachts
gründen, die Sie noch nicht verraten
dürfen
„Verzeihen Sie, Herr Kommerzien
rat, ein Versprechen bindet mich."
„Wem gaben Sie es?"
„Dem Dr. Leitenring, aber ich bit
te Sie dringend, nicht mit ihm dar
über zu reden. Es muß sich ja sehr
bald entscheiden, ob dieser Verdacht
begründet ist. Wenn nicht nun,
dann gebietet sich Schweigen von
selbst ist er es aber, dann sind Sie
der Erste, der davon in Kenntnis ge
fetzt wird. Das habe ich mir ausbe
düngen."
Steinfeld ging mit großen Schrit
ten auf und nieder.
„Ich verstehe das alles nicht", sagte
er nach einer langen Pause „Sie
warnen mich vor einem Manne, der
mir in jeder Beziehung nahe steht,
und wollen für diese Warnung keine
Grnüde angeben."
„Weil ich es jetzt noch nicht darf."
„Fürchten Sie, daß ich nicht schwei
gen könne?"
„Das ist es nicht, was mich abhält
ich habe mein Wort aber verpfändet."
„Und stützt dieser Verdacht sich auf
so triftige Gründe, daß man...."
„Ich wage flicht, ein Urteil darüber
zu fällen", erwiderte der Buchhalter
lebhaft. „Ich muß das dem Dr. Lei
tenring überlassen, und das Resultat
seiner Nachforschungen abwarten.
Wenn ich mir einen Rat erlauben
dürfte, so wäre es der: den Grafen
mit der Anweisung auf London noch
einige Tage hinzuhalten."
„Das kann ich nicht."
„Oder die Anweisung so auszustel
len, daß.sie erst nach einer bestimmten,
wenn auch nur kurzen Frist fällig
wird."
„Auch das geht nicht an", erwider
te der Kommerzienrat in einem Tone,
der keinen Widerspruch duldete. „Ich
habe ihm schon erklärt, daß die An
weisung morgen früh zu seiner Ver
fügung fei, und zeige ich ihm Miß
trauen, so ist er berechtigt, die Angabe
der Gründe zu fordern. Und wie ge
fugt, die Summe ist zu unbedeutend,
als daß ich ihretwegen die Ausstellung
der Anweisung verweigern dürfte ein
Haus, wie das unsrige, darf nicht so
BY LEFF
kleinlich denken. Vermutungen, mein
lieber Starke, dürfen mein Handeln
nicht beinflussen Sie wissen das so
gut, wie ich. Bringen Sie mir Be
weise, dann kann ich allen Fragen
und Vorwürfen entgegentreten."
„Beweise!" seufzte der Buchhalter.
„Wir werden sie vielleicht erst dann
erhalten, wenn es zu spät ist. Wann
will der Graf nach London abreisen?"
„Morgen Abend. Werden Sie den
Dr. Leitenring darauf aufmerksam
machen?"
„Gewiß es ist ja meine Pflicht."
„Nun, ich will nicht wissen, was
Sie in dieser Angelegenheit zu tun
gedenken ich gebe Ihnen nur den
Rat, alles zu vermeiden, was Sie
selbst kompromittieren könnte. Sie
haben an mir keinen Rückhalt, und es
würde mir sehr unangenehm sein,
müßte ich Ihretwegen mir von dem
Herrn Grafen Vorwürfe machen lassen.
Ich muß Ihnen nun anheimstellen, ob
Sie es ratsam halten, sich an Jntri
guen gegen einen Herrn zu beteiligen,
der nicht allein mir, sondern auch mei
ner Familie nahe steht...."
„Tue ich es, so geschieht es ja
nur...."
„Ich weiß, was Sie gegen meine
Warnung einwenden wollen, und die
Absicht, Sie zu kränken, liegt mir ge
wiß fern. Sie müssen nun selbst wis
sen, was Sie zu tun und zu lassen
haben. Wie gesagt, so lange Sie mir
keine Beweise vorlegen können, darf
ich Ihrer Warnung kein Gehör ge
ben, selbst auf die Gefahr hin, daß ich
mein Vertrauen zu spät bereuen
müßte."
Damit war dip Unterhaltung been
det. Der Buchhalter zog sich schweigend
zurück, und bald nach ihm verließ auch
Steinheid das Kabinett, um oben in
den Familienräumen sein Abendessen
einzunehmen und dann ins Kasino zu
gehen.
Im Zegriff, die Treppe hinaufzu
steigen, hörte er die Stimme des Die
iters, der an der Haustür mit einer
anderen Pefon unterhandelte. Er
wandte sich um und sah sich gleich
darauf einem fremden Herrn gegen
über, der ihm eine Karte überreichte
und ihn um eine kurze Unterredung
bat. So störend auch dem Kommer-
11
Erprobtes Heilmittel gegen alle Arien von al
ten und frischen Wunden, Gtachiwww, Ge
waechsen, Bisswunden, Karbunkeln, «*w. DHU
Geld nur durch Post Money Order schicken.
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I l» Staab, 17209 Velteyview Ave., Ctevetead, O.
zienrat der späte Besuch war, abwei
sen konnte er den Kassierer des Bres
lauer Hauses nicht, und ihm selbst lag
auch zu viel daran, über seine eigenen
Zweifel Gewißheit zu erhalten.
Er führte den Besucher in fein
Wohnzimmer und bot ihm einen Stuhl
an.
„Sie sind wohl derselbe Herr, wel
cher die russischen Banknoten angenom
men hat?" fragte er mit leiser Iro
nie. „Der Vorfall ist uns allen sehr
ärgerlich. Den Standpunkt, auf den
ich mich dabei stellte, habe ich Ihrem
Hause bereits angedeutet, und es ist
mir nicht recht begreiflich, was Sie
persönlich hierher geführt hat."
„Zu der Reise hierher riet mir der
Kriminalbeamte, den wir mit der
Untersuchung dieser Sache beauftrag
ten", erwiderte der junge Mann ru
hig. „Sie werden es erklärlich finden,
daß wir die Sache nicht aus sich be
ruhen ließen, und der Beamte war
sofort der Ansicht, daß der Ueberbrin
ges des falschen Geldes hier gesucht
werden müsse."
„Das ist eilte sehr kühne Vermu
tung."
„Sie hat sich durchaus als richtig
erwiesen."
„Sie haben den Ueberbringer be
reits gefunden?" fragte der Bankier
bestürzt.
„Jawohl, und zwar im Hause des
Grafen Krasinski."
„Unmöglich! Das muß ein Irr
tum fein."
„Durchaus nicht. Ich habe ihn so
fort erkannt, und daß er mich eben
falls erkannte, bewies fein Erschrek
ken."
Der Kommerzienrat strich mit der
Hand über die Stinte er konnte
das nicht so rasch fassen.
„Und wie erklärte es der Herr
Graf?"
„Ich traf ihn leider nicht zu
Haufe."
„Sie haben also noch nicht mit ihm
gesprochen?"
"Ich habe hinterlassen, daß ich
morgen früh wiederkommen wolle."
(Fortsetzung folgt)
Todesanzeige« s
Richthamer, gest. am 2. September
1943, nach langer Krankheit, wohl
vorbereitet, in Cleveland, Ohio.
Clem. P. Sturm, gest. am 11. Aug.
1943, im Alter von 68 Jahren,
wohl versehen, in Baltimore, Md.
John Wagner, gest. am 23. August
1943, im Alter vvon 94 Jahren,
in Lemars, Ja.
John Mohay, gest. am 18. Aug. 1943
in Springfield, III.
Mrs. I. Stoiber, gest. in Dorchester,
Wis., wohl vorbereitet. Alte Le
serin.
Mr3. Minnie Reichert-Schaff, Gattin
des verstorbenen Charles Schaff,
gest. im Alter von 68 Jahren in
Erie, Pa.
Wm. Jäger, gest. in Erie, Pa. Er hin
terläßt seine Gattin, 4 Söhne, 5
Töchter, darunter die Ehrw. Schwe
ster Jerome, St, Josephs Convent,
Meadville, und 5 Enkel.

Mttwsch, bee 29. Septe«ter 1943 Mit Beift*frtart
AMERICAN HEROES
TWO hours after the ill-fated destroyer Hammann was sunk, her
skipper, Comdr. Arnold Ellsworth True, was rescued from the water
and found to be supporting two enlisted men. He himself was so
exhausted that he did not realize both men were dead. Comdr. True,
who was awarded the Navy Cross and the Distinguished Service Medal
for heroism, typifies the spirit of our men in arms. They give to the
limit of their endurance. Do YOUR parti Buy more War Bonds
and Stamps!
Die weltberuehmte
St. Benedict Wundsatbe

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