OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 29, 1943, Image 3

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1943-09-29/ed-1/seq-3/

What is OCR?


Thumbnail for

31 Kirchen, darunter die be-
rühmtesten und mehr als 1000 Jahre
alten Baudenkmäler, u. a. St. Gereon,
das einzige Bauwerk der merowin
gischen Zeit, St. Aposteln, St. Maria
im Kapito^, eines der hervorragend
sten Denkmäler karolingischer Kunst,
Groß-St.-Martin, eines der großar
tigsten Bauwerke der romanischen Zeit,
St. Pantaleon und St. Severin.
In Mainz wurden das römisch-ger
manische Museum, das kurfürstliche
Schloß, einer der hervorragendsten
Renaissancebauten auf deutschem Bo
den, das berühmte Schloß Johannis
bürg bei Eltville am Rhein, die St.
Stephanskirche aus dem 14. Jahrhun
dert, eines der schönsten Beispiele goti
scher Kunst, der Mainzer Dom, die
älteste romanische Basilika Deutsch
Iands7 fast vollständig zerstört.
In Essen wurden die 1000jährige
Münsterkirche, eines der ältesten christ
lichen Baudenkmäler Deutschlands,
die zugleich eine der reichsten Kirchen
schatzkammern barg, ferner die Ger
tudskriche, das Rathaus, die 900jäh
rtge Marktkirche und die 800jährige
Johanniskirche total vernichtet.
In Düsseldorf wurden die Kunst
akademie, die städtische Kunsthalle, das
Stadtschloß und das Opernhaus
schwer beschädigt.
In Dortmund fiel das alte Rat
Haus, das auf das Jahr 1237 zurück
geht, den Luftangriffen zum Opfer.
Außerdem wurden in Dortmund ver
nichtet die Reinoldi-Kirche aus dem
14. Jahrhundert, die Petrikirche aus
dem 16. Jahrhundert und die Prob
fteikirche aus dem 17. Jahrhundert.
Ferner wurden die städtische Landes«
bibliothek, das Haus der bildenden,
Kunst und daS Theater schwer beschä
dtgt.
In der alten westfälischen Stadt
Soest wurden zahlreiche mittelalter
liche Fachwerkhäuser aus dem lßten
Jahrhundert zerstört. In Mannheim
wurde das Nationaltheater zerstört.
In Karlsruhe wurden das markgräf
liche Palais und die. Landesbibliothek
vernichtet. In München wurden u. a.
die Hof- und Staatsbibliothek, Schloß
Nymphenburg mit feiner Porzellan
manufaktur, die Alte Pinakothek, die
Universität und die Akademie der bil
denden Künste sowie die Residenz und
die Sakristei der Frauenkirche schwer
beschädigt.
In Nürnberg wurden die Maut
Halle, die ein großartiges Zeugnis go
tischer Profanbauweise war, total zer
stört, während das Germanische Mu
seum, das aus dem Jahre 1380
stammt, die Kaiserburg, eine Grün
dung Friedrich Barbarossas mit der
Kaiserstallung, das Albrecht Dürer
Haus, die aus dem Jahre 1209 stam
mende Jakobi-Kirche, das Pilaws
Haus, das Schweden-Haus und ein
Teil der Stadtmauer mit dem Tier
gärtner-Tor schwer beschädigt wurden.
In Kassel wurden das Rote Palais,
die Landesbibliothek mit etwa 300,
000 Bänden sowie der Martins-Dom,
die.älteste frühgotische Kirche Deutsch
lands, vernichtet.
In Bremen wurden die weltbe
kannten altbremischen Patrizierhäuser
(um 1600) total zestört, die bekannte,
1400 zunächst erbaute Jakobihalle
schwer beschädigt. In der Kunsthalle,
die zum größten Teil zerstört ist,
wurde u. o. auch das Gemälde „Wash
ingtons Uebergang über den Dela
ware" (1800) vernichtet.
In Lübeck wurde der berühmte, von
Heinrich dem Löwen gegründete Dom
mit allen seinen! Kunstschätzen total
zerstört, darunter der Hochaltar von
Mittwoch be» VA. September 1943 Ohio EBdftmfmi»!
1696, die Rochus-Tafel von 1545,
das Jüngste Gericht von Burchhard
Wulff (1673), die große Orgel
(1699), das Levitengestühl, der Krä
mer-Chor. Ebenfalls völlig zerstöt
wurden die Petri-Kirche (1260) mit
der Orgelbekleidung und der Kanzel
von Heinrich Mathis, die Marien
Kirche (1251) mit dem Hochaltar von
1425, verschiedenen andern Altären,
dem Lettner und der Kanzel von 1691,
der großen Orgel, der Bach-Orgel,
der astronomischen Uhr von 1561, dem
Schönenfahrergestühl von 1506, dem
Bergenfahrergestühl von 1518, dem
Nowgorodfahrergestühl von 1523, dem
Senatsstühl von 1575, dem weltbe
rühmten Totentanz und der Gregor
messe von Bernt Noke. Außerdem wur
den zahlreiche alte Bürgerhäuser, zum
Teil aus dem 16. und 17. Jahrhun-
DiF in der Nähe der Precious
Blood-Kirche in Stephenson, Mich.,
befindliche Lourdes-Grotte wurde ei­
dert, mit unersetzlichen Kulturwerken
vernichtet.
In Rostock wurden alle berühmten
Backsteinkirchen aus dem 13. Jahrhun
dert, darunter die Nikolai- und die
Petrikirche vernichtet.' Außerdem drei
berühmte Stadttore sowie alle goti
schen Giebelhäuser aus dem 14., 15.
und 16. Jahrhundert und zahlreiche
Kunst- und Gemäldesammlungen.
In Berlin wurde die weltberühmte
Hedwigskirche (katholischer Dom)
vernichtet, die Staatsoper zerstört.
Schwer getroffen wurden das Deut
fche Opernhaus, der Marstall, die
Staatsbibliothek, das Schinkelhaus,
das Berliner Schloß und die Natio
nalgalerie.
Diese Liste soll jedoch unvollständig
sein. Zudem ist sie bereits drei Mo
nate alt. Seither ist noch manches
andere Gebäude von historischer oder
Künstlerischer Bedeutung dem Kriege
zum Opfer gefallen. In Wahrheit ist
es jedoch der Mensch, der die schwerste
Einbuße erleidet, indem er irre an
sich selbst werden muß. Er dünkte sich
dem Gipfel des vollendeten Menschen
turns so nahe, während ihn die Er
fahrungen der letzten vier Jahre leh
ren, daß der Weg der neueren Bil
dung uns stracks zurückführt in die
Barbarei. C.-St. d. C.-V.
Wo nichts ist, nimmt selbst Gott
nichts. (Wo nichts ist, hat der Kaiser
das Recht verloren.)
Wann ist der Krieg
zu Ende?
Diese Frage, schreibt „Der Wan
derer", wird im neuesten Preßbrief
der „European Correspondents' Ltd."
,wie folgt beantwortet:
Fast alle Londoner Blätter befassen
sich in den letzten Tagen mit der Fra
ge, wie lange der Krieg in Europa
noch dauern werde. Einige große Zei
tungen haben den interessanten Ver
such gemacht, ihre Berichterstattung in
den verschiedenen neutralen Ländern
Menschen mit politischem Urteil nach
ihrer Meinung über die Kriegsdauer
befragen zu lassen.
Der Kreis der Befragten umfaßt
Politiker, Diplomaten, Journalisten,
aber auch Menschen, die mit Politik
Priester baut Lomdes-Grotte
genhändig vom Pfarrer der Kirche
Revt. Albert Treilles gebaut und
nur indirekt oder garnichts zu tun
haben, wie z. B. Geschäftsleute. Die
Aufgeforderten haben ihre Meinung
geäußert, und es gibt Antworten, die
optimistisch, und solche, die pessimi
stis chsind. Die Zeit, die die Befragten
den Deutschen noch geben, schwankt
zwischen einem Monat und einem
Jahr. Wohlgemerkt, die Rundfrage
bezieht sich auf die Dauer des Krie
ges in Europa, doch glaubt man all
gemein, daß der Krieg im Fernen
Osten nicht lange dauern kann, wenn
Hitler gestürzt ist.
Die Türkei, wo sich eine Menge di
plomatischer Beziehungen konzentrie
ren, ist gewiß ein Land, von dem man
aus die Situation in Deutschland be
sonders gut beurteilen kann. Ein Ge
schäftsmann, der drei Jahre lang in
Deutschland studiert hat und seine
Verbindungen mit deutschen Geschäfts
kreisen auch während der Nazizeit
nicht abgebrochen hat, sagt, daß nach
der erfolgreichen Landung in Sizilien
und der Beendigung der Eroberung
dieser Insel nicht einzusehen sei, war
um der Krieg in Europa nicht vor
Weihnachten 1944, im Fernen Osten
im darauffolgenden Jahre beendet
sein sollte.
Der Herausgeber der bekannten
Istanbuler Zeitung „Vatan", Ahmet
Em in Aalman, der vovr einigen Mo
naten Amerika und England besucht
hat, und im letzten Weltkrieg Kriegs
berichterstatter in Deutschland war,
3
glaubt, daß in Europa vor Beginn
des nächsten Frühlings Frieden herr
schen werbe. Er ist der Ansicht, daß
der Zusammenbruch Deutschlands in
der Form einer inneren Auflösung er
folgen werde. Das deutsche Volk wer
de den Krieg nicht fortsetzen wollen,
der seine Heimat zerstört. Aalman
glaubt, die Nazis werden so verschwin
den wie die Faschisten in Italien.
Ein türkischer Abeordneter meint,
daß ein Angriff der Alliierten auf
dem Balkan die Rumänen, Ungarn
und Bulgaren zu einem schnellen
Friedensschluß zwingen würde. Der
Zusammenbruch des inneren Ringes
der „Festimg Europa" zwischen At
lantischem Wall, Alpen, Karpathen
und der Weichsel werde innerhalb ei
nes Jahres erfolgen.
Der sehr bekannte schwedische Mili-
UiY.l.W
vor kurzem vovn Bischof Francis
I. Magnet vovn Marquette ein
geweiht.
tärsachverständige Oberst Kleen ist der
Ansicht, daß die Deutschen sich durch
ihre Siege den Weg zur Niederlage
gebahnt haben. Eine Festung mit
150^000,000 feindlichen Einwohnern
könne nicht garnifoniert und schon
garnicht gegen übermächtige Feinde
verteidigt werden. Die Endphase des
Krieges werde kurz sein, und die deut
sche Wehrmacht werde angesichts neuer
Fronten in Italien, auf dem Balkan
und in Westeuropa rapid zusammen
brechen, u. a. weil das Transport
wesen zusammenbrechen müsse. „Wenn
diese neuen Fronten im Spätsommer
oder Herbst errichtet werden, dann
wird die Entscheidung noch vor dem
Ende dieses Jahres fallen. Wenn die
Kriegführung der Alliierten weniger
offensiv sein sollte, dann wird die
Entscheidung aufgeschoben werden,
aber wahrscheinlich nicht über den
Frühling 1944 hinaus."
Der Chefredakteur der „Svenska
Dagbladet", Jvar Anderson, meint,
daß im Kriege immer das Unerwar
tete geschehe. Das überraschend schnelle
Tempo der gegenwärtigen Operatio
nen lasse ein schnelles Ende erhoffen,
doch solle man sich nicht zu billigem
Optimismus verleiten lassen.
Der Präsident des portugiesischen
Senats, Albino dos Reis, meint, daß
d?r gegenwärtige Krieg ein unerwar
tetes Ende finden könne, weil die mo
ralifche und physische Reaktion der
(Fortsetzung auf Seite 12)

xml | txt