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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, November 10, 1943, Image 11

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FT
Vergebung, mein Herr, femes-
„Nun denn, tote wagen Sie es
dann, sich als Untergebener in meine
Angelegenheiten zu mischen? Sie ha
Ben großen Einfluß auf Edith Still
Worth und gebrauchen ihn gegen mich.
Nun habe ich Sie gewarnt! Ich will
Ihre Beleidigung wegen des Pferdes
vergessen, aber unterfangen Sie sich
nie wieder, zwischen mich und Edith
zu treten! Mir gilt es zwar gleich, ob
Sie mein Feind sind oder nicht Sie
können mir aber als Freund gewiß
besser dienen. So lassen Sie denn
Frieden sein zwischen uns hier
hier ist meine Hand."
Er streckte dabei mit so hochmüti
ger Miene seine Hand aus, als ob er
eine Gunst gewähre. Entrüstet trat
der Sekretär einen Schritt zurück.
„Wie, Sie nehmen meine Hand
nicht an?" frug Mordaunt betroffen.
Dicht an den jungen Baron heran
tretend, sprach der Sekretär mit nach
drucksvoller Betonung:
„Ich bin zwar nur der Sohn armer
Eltern, und ich hege den glühenden
Wunsch, mich aus eigener Kraft auf
eine möglichst hohe Stufe des sozialen
Lebens emporzuschwingen aber um
den Preis, Ihnen zu gleichen, ver
zichte ich auf jeden Adelsbrief."
„Elender", knirschte Mordaunt.
«Sie wollen mich durchaus zum Fein
de sei's denn! Im Uebrigen wissen
Sie wohl, daß sich der Edelmann nicht
mit der Kanaille balgt."
Ohne jede weitere Erwiderung ver
liefe der Sekretär den Salon und stieg
die Treppen hinauf in sein Zimmer.
Er war keineswegs im Innern so
ruhig, als er sich den Anschein gegeben
hatte.
Schon von früher Jugend hegte er
etrte schlimme Leidenschaft, den Stolz.
Er glaubte sich zu etwas Besserem er
koren, als zum bloßen Diener Ande
rer. Daß er von armen Eltern stamm
te und daß seine niedere Abkunft ihm
den Zutritt zu jenen Kreisen wehrte,
in denen sich die höhere Gesellschaft
bewegte, war ihm ein brennender
Schmerz. Sem ganzes Streben ging
dahin, sich durch hervorragende Kennt
nisse und außerordentliche Leistungen
eine bedeutende Stellung in der Welt
zu erringen. Man sollte ihn kennen
und schätzen lernen und sich glücklich
fühlen, mit ihm bekannt zu fein so
hoffte und träumte er.
Durch die Güte des Herrn Georg
bott Stillworth hatte er eine weit über
feilten Stand gehende Erziehung ge
nossen. Auf der Universität hatte er
mit seltenen Talenten geglänzt und so
umfangreiche Kenntnisse erworben,
daß allerdings nur die Dankbarkeit
gegen seinen Wohltäter ihn in einer
so bescheidenen Stellung, wie er sie
auf Cozy Dell bekleidete, festhalten
konnte er wußte sich für größere Lei
stungen Befähigt und zog gar oft mit
großer Bitterkeit Vergleiche zwischen
wirklichem Verdienste und zufälllligen
Vorrechten der GeBurt. Er sah so viel
wahrhaft geBildete Männer in Schat
ten gestellt, indes flache, hohle Schwät
zer Ehren und Auszeichnung ernte
ten. Ueberall umdrängte und Bewill
fommnete man den hochgeborenen
Junker dem Küsterssohn von Cozy
Dell blieb jeder Salon verschlossen.
Und heute fühlte er diesen Unterschied
doppelt fchmerzlich. Edith hatte ihn
gekränkt, Frank Mordaunt in belei
digt dafür sollte ihm Genugtuung
werden, und durch sein eigenes Rin
gen wollte er sie ertrotzen.
Er wollte endlich aufhören, der
,r"
arme Sekretär zu sein er wollte hö
her steigen, angesehener werden, als
sie alle, die ihn jetzt zu höhnen wag
ten. Unsterbliches wollte er leisten für
das Wohl der Menschheit oder für die
Wissenschast. Ach, er wußte nicht, daß
Demut allein wahre Größe verleiht!
In heftiger Erregung schritt er ei
ne Weile in feinem Zimmer auf und
ab.
Jetzt kehrte er sein Gesicht dem Ti
sche zu dort lag das Buch der Bü
cher, seines Vaters Exemplar der Hl.
Schrift, worin er täglich ein wenig
zu lesen gewohnt war. Mit jenem
unerklärlichen Gefühle, das so häufig
unsere Gedanken von einem Gegen
stände ab- und einem entgegengesetzten
zulenkt, sah Blunt in das noch auf
geschlagen daliegende alte Buch, und
die ersten Worte, auf welche sein Blick
fiel, lauteten: „Unerfüllte Wünsche,
aufgeschobene Hoffnungen beunruhi
gen das Herz bei Gott allein aber
steht die Gewährnung." Wie sich doch
diese Worte seinem Empfinden so
herrlich anpaßten! Wiederholt fuhr er
sinnend nach seiner Stirne und über
dachte immer und immer wieder, was
er so eben gelesen hatte. Handelte sich
es auch bei ihm nur um einen noch
unerfüllten Wunsch? War auch sein
Hoffen nur verschoben? Ach, daß es so
wäre! Wie gerne wollte er aufs Neue
mutig und rastlos fortarbeiten am ge
meinsamen Wohle der Menschheit!
Er überlas die Stelle neuerdings
und frug sich abermals um ihre Be
deutung.
Auch das Hollunderzweiglein lag
vor ihm eine bittere Erinnerung,
wie schwer er heute gekränkt worden.
Er nahm es und legte es in das hei
lige Buch, um jene bedeutungsvolle
Stelle damit emzumerfen.
Hierauf durchlas er die eingelau
fenen Brief und war bald in feine
Arbeit vertieft.
Viertes Kapitel
Nach der unliebsamen Unterredung
mit Blunt war Frank Mordaunt im
Besuchszimmer zurückgeBlieben. In
grenzenloser Wut schaute er fmftern
Blickes zum Fenster hinaus in den
Park und überdachte die Demütigung,
welche ihm soeben widerfahren war.
Der einzige Mensch, welcher zu Cozy
Dell eine ungewöhnliche Rolle spielte,
war eben dieser Sekretär, und gerade
diesen haßte er wie keinen Anderen.
Wie konnte er sich nur ergiebig an
ihm rächen? Das war der brennende
Gedanke seines erregten Gemütes.
„Ach, daß ich Macht und Mittel
hätte, diesen hochmütigen Narren zu
zermalmen!" seufzte er in ohnmäch
tigem Grimm.
So saß er eine Weile da, nur mit
seinen Rachegedanken beschäftigt.
Plötzlich sprang er vom Sitze em
por er glaubte, endlich das Rechte ge
funden zu haben. Verschiedene Steue
rungen, sowie das Benehmen Blunts
gegen Edith ließen mehr als einfache
Hochachtung für die Tochter seines Ge
bieters, sondern eine stille, ängstlich
verborgene Neigung erkennen. Frank
erinnerte sich überdies an Idas Aeu
ßerung, daß ihr adelsstolzer Vater
lieber seine beiden Töchter im Grabe,
als unter ihrem Stande verheiratet
wissen möchte, und baute auf diesen
Stolz des alten Herrn die schönsten
Hoffnungen für seine Rache.
Was würde geschehen, wenn der
Edelmann erführe, daß sein Sekretär
kühn genug wäre, seine älteste Tochter
zu lieben? Würde er nicht dem anma
ßenden Menschen, der seine Stellung
so schmählich vergessen konnte, nicht
sofort die Tür weisen?
Frank brannte vor Begierde nach
Beweisen, um damit vor den alten,
jähzornigen Schloßherrn hintreten zu
können.
Schon seit gestern Mittag hatte sich
Blunt nicht mehr in der Gesellschaft
gezeigt, sondern Geschäfte vorschüt
zend, sich zurückgezogen. Wohin? Das
wußte niemand. Aber auch Edith war
nicht wie gewöhnlich im Salon ge
blieben, sondern hatte sich gleich nach
dem Sekretär ebenfalls verabschiedet,
um im roten Zimmer noch Einiges zu
besorgen.
Von dort war Blunt vorhin her
ausgekommen sollte er gar nicht
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L. Staate,
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von Hause weggewesen sein und den
ganzen langen Nachmittag in Edith's
Gesellschaft verweilt haben?
Nasch verließ Mordaunt den Saal
und trat leise in das rote Zimmer,
nachdem er auf sein Klopfen keine
Antwort erhalten hatte. Das Feuer
war erloschen und nur noch einige
glimmende Kohlen verbreiteten einen
rötlichen Schimmer in dem stillen
Räume. Vergebens sandte der junge
Mann seine Späherblicke nach qllen
Richtungen aus er konnte niemand
entdecken und war schon daran, sich
wieder zurückzuziehen, als er von ei
nem der Fenster her einen Ton, einem
langen Seufzer ähnlich, zu vernehmen
glaubte. Er stand wie festgewurzelt
stille und lauschte. Aber nur der Wind
schüttelte unten im Parke die fahlen
Blätter von den Bäumen. Plötzlich
wandte sich Mordaunts Blick nach ei
nem der Damastvorhänge, der in Un
ordnung war. Leise schlich er näher
und sah deutlich, daß sich der ©chat
ten einer Frauengestalt auf der Gar
dine abzeichnete. Die Gestalt saß in
halber Wendung gegen das Fenster
und hielt den Arm auf das Sims des
selben und den Kopf in die pndere
Hand gestützt. Mordaunt konnte noch
nicht sehen, wer es war, obwohl er
es vermutete.
„Störe ich?" frug er leise.
Der Schatten bewegte sich nicht.
Noch keine Antwort.
„Ich bitte um Vergebung ich wuß
te nicht, daß jemand hier wäre."
Jetzt trat er ganz nahe heran, schob
den Vorhang beiseite und erkannte
trotz der schwachen Beleuchtung
„Ich hätte Ihre friedliche Einsam
keit nicht zu stören gewagt, wenn.."
Noch immer keine Antwort, keine
Bewegung. Er beugte sich vorwärts
und schaute forschend in Ediths Ge
sicht. Die regelmäßigen tiefen Atem
züge überzeugten ihn alsbald, daß die
junge Dame fest schlief aber ihr Ant
litz hatte einen wehmütigen Ausdruck.
Frank konnte die Spuren von Trä
nen bemerken, und zuweilen zuckte
auch ein leiser Seufzer über ihre Sip
pen.
Sie hatte geweint sie war traurig.
Weshalb? Wer war hier gewesen?
Niemand als Blunt. War dieser die
Ursache von Ediths Tränen?
Während Mordaunt hierüber nach
dachte, fiel sein Auge auf die Bro
schüre auf dem Schöße der Schlafen
den er nahm das Heft weg, schlich
wieder zum Kamin und las den Ti
tel. Dann überflog er mit forschen
dem Blick das Gedicht und sah end
lich die mit Bleistift hingeworfenen
Zeilen, die er jedoch nur schwer lesen
konnte. Endlich gelang es ihm, und
nun ging ihm ein helles Licht auf.
„Ei, ei, du sanfte Schläferin, so
kommt man hinter deine Geheimnis
se?" murmelt eer mit boshaftem Lä
cheln.
(Fortsetzung folgt)
Boshaft
Wirt: „Da haben Sie aber einen
Gänsebraten, mein Herr ich sage Ih
nen, vor dem könnten Sie den Hut
abnehmen."
Gast (nachdem er gekostet hat):
„Es stimmt, Herr Wirt das Alter
soll man ehren."

Mittwoch, ben 10. November 1943 0|w ftrifctfuiik
BACK THE FIGHTING MEN WITH FIGHTING DOLLARS
U. S. Treasury Department

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