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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, November 24, 1943, Image 1

Image and text provided by Ohio Historical Society, Columbus, OH

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*#tii
WaS die ganze christliche und zivi
lifierte Welt befürchtete, ist eingetre
ten. Der Vatikanrundfunk hat bekannt
gegeben, daß durch vier Bomben, die
ein einziges Flugzeug unbekannter
Nationalität abgeworfen hat, Scha
den in Vatikanstadt entstanden ist. Es
wurde ausgeführt, daß das Flugzeug
einige Zeit in geringer Höhe gesehen
wurde, als es auf einmal Bomben in
der Nähe des Wasserreservoirs, zwi
schen der Gouverneurskirche und dem
Uffizienpalast, auf die Mosaikfabrik
und in der Nähe des Pizza Santa
Mari abwarf. Niemand wurde verletzt,
aber die Akosaiksabrik und der Gou
Verneurspalast wgrden ernsthaft be
schädigt.
Die Berliiwt Funkstation Hatte
nichts Eiligeres zu tun, als der Welt
zu verkünden, es sei ein alliiertes
Bombenflugzeug gewesen. Vom alli
ierten Hauptquartier wurde mitge
teilt, eine gründliche Untersuchung
habe ergeben, daß die Vatikanstadt
Freitag nacht nicht von den Alliierten
bombardiert wurde. Dieses glatte De
menti der deutschen Propagandabe
Häuptlingen, wonach alliierte Flieger
für die Bombardierung verantwortlich
sind, folgte einer früheren Erklärung,
daß das Hauptquartier nichts von dem
Vorfall wisse.
Die zweite Erklärung hatte folgen
den Wortlaut: „Obwohl es offensicht
lich unmöglich ist, über jeden Zweifel
hinaus den Bombenabwurf aus Flug
zeugen, die an Nachtoperationen teil
nehmen, festzustellen, hat eine gründ
liche Untersuchung der in der Nacht
vom 5. zum 6. November ausgeführ
ten Missionen ergeben, daß sich die
Mannschaften an ihre bestimmten An
weisungen hielten und Vatikanstadt
nicht bombardiert haben."
Der römische Korrespondent des
Blattes „Stockholms Tidningen"
schrieb, die Bewohner Roms seien
überzeugt, daß die Bombardierung
des Vatikans „kein Zufall" war.
Der Vatikanrundfunk schien Ber
liner und römische Berichte über den
Angriff zu bestätigen, als er erklärte,
daß ein unbekanntes Flugzeug in ge
ringer Hohe über die Vatikanstadt flog
und vier Bomben abwarf, die erheb
lichen Sachschaden, jedoch keine Ver
luste an Menschenleben verursachten.
In Lima, Peru, empfing der dortige
Nuntius folgendes Telegramm von
Kardinalstaatssekretär a i o n e:
„Gestern, am 5. November, 8.10 Uhr
abends, warf ein Flugzeug, nachdem
es mehrmals über der Vatikanstadt ge
kreist hatte, vier Bomben auf Vati
fongebiet nahe der St. Peterskirche
ab. Gottseidank sind keine Opfer zu
beklagen, aber es ist schwerer Sach
schaden entstanden."
Die Welt ist überzeugt, daß die
Deutschen diesen Vorfall benutzten,
um von ihren gegenwärtigen Nieder
lagen abzulenken und ließen sie ihre
Propagandamaschine auf Hochtouren
laufen. 3ft1 titter Berliner Sendung
w n w w v & y
UnpolitischeZeitlüufte
wurden die Briten und Amerikaner
„Luftpiraten" genannt und es wurde
die Erklärung beigefügt: „Der Feind
wollte feine Gefühle demonstrieren, die
er für den Vatikan und das gesamte
Christentum hegt."
Die Welt weiß, welche Gefühle die
Nazi für den Vatikan unb die gesainte
Christenheit hegen!
Der Berliner Rundfunk meldete,
daß der Heilige Stuhl die Besetzung
aller exterritorialen Gebäude des Va
tikan durch die Schweizer Garde ver
fügt hat. Zu den exterritorialen Ge
bäuden und Kirchen außerhalb der ei
gentlichen Vatikanstadt gehört auch der
Lateranpalast, den denn auch päpstliche
Garden besetzten. In seiner ersten
Rundfunkansprache seit der Besetzung
Roms und der Einkreisung des Vati
kans durch die Deutschen sprach Pius
der Zwölfte auch zu dem Dritten Eu
charistischen Kongreß in Trujillo, Pe
ru. Politische Fragen wurden in seiner
Rundfunkrede nicht berührt.
„Der Eucharistische Kongreß ist für
uns in einer Zeit, in der Euren ge
meinsamen Vater so viele Sorgen be
drängen und in der so viele unserer
Brüder in der Schlacht fallen, ein
großer Trost", sagte der Papst in sei
ner in spanischer Sprache gehaltenen
kurzen Rundfunkrede. „Harmonie und
Frieden können nur durch wahres
Christentum und Glauben erreicht
werden, und in einer Welt ohne Chri
stus als den Quell des Lebens kann
es keine Gerechtigkeit geben."
Der Papst ermahnte daher seine
Zuhörer auch, „im Herrn einig zu
sein und dadurch auch für den Welt
frieden, der eine solch kostbare Gabe
ist, daß man ohne Unterlaß für ihn
beten muß, Einigkeit zu erzielen."
Die vielbesprochene Antinazi-Un
tergrundbewegung hat, wie in Stock
holm eingetroffene, wohl unterrichtete
Reifende versichern, man nach den Me
thoden 'der Himmler'fchen Gestapo
selbst organisiert. Matt arbeitet nun
unauffällig aber emsig daran, Hitler
und feilte Schergen zu überlisten.
Wie eines ihrer aktivsten Mitglie
der berichtet, ist diese Untergrundbe-
WMzMtkrMM
Tin Familienblatt für Wahrheit und Recht zur Belehrung und Unterhaltung
Erscheint wScheatlich im Papstliche« Tollegis« I»sephi««m zu« Beste« der PriesterzSgli«ge
HevauSgegebe» vom Päpstlichen Collegium Josephinmn. Preis für tin Jahr in den Bereinigten Staaten $2, in Kanada und allen aÄeren Staaken $2.50
Peterskirche in Rom
toegimg hauptfächlich in Bayern und
Oesterreich tätig und besteht aus fünf
Hauptgruppen: den Pazifisten, den
Anarchisten, den Kommunisten, den
Sozialdemokraten und den Monarchi
sten. In ihrem Hauptziel den
Sturz des Naziregimes und der Be
endigung des Krieges arbeiten sie
zusammen, aber gleichzeitig sind sie
auch darauf auS, die Interessen ihrer
etgenen Gruppe zu fördern, indem sie
allen, mit denen sie in Kontakt kom
men, ihre eigenen politischen Ideen
beizubringen suchen. Aber ihre gemein
same Hauptaufgabe ist vorerst einmal
den Kriegseinsatz der Nazis.zu sabo
tieren.
Auf diesem Gebiete haben sie mit
den Jahren reiche Erfahrungen ge
sammelt, und sie sind daher heute in
der Lage, mit genau so wenig Lärm
nach außen hin zu funktionieren, wie
die gutgeölte Gestapo selbst. Diese ver
sucht freilich ständig, ihre Agenten in
diese illegalen Organisationen hinein
zuschmuggeln, weil sie hofft dadurch
deren Hauptquartier ausfindig machen
und ausräuchern zu können. Aber
selbst wenn die Gestapo einmal ein
Mitglied der deutschen Untergrundbe
wegung erwischt, muß sie gewöhnlich
feststellen, daß sie nur eine „Nummer"
ist. Und diese „Nummer" ist selbst im
von den bekannten Gestapo-Brutalitä
ten begleiteten Kreuzverhör einfach
nicht in der Lage, irgendwelche Infor
mationen oder irgendwelches Beweis
material gegen die Arbeit seiner Or
ganisation, deren 'Leiter oder Zen
tralen zu verraten.
Dies ist ein Trick, den die deutsche
Untergrundbewegung dem Himmler
System selbst abgeguckt hat. Jeder
Deutsche, der in die Untergrundbewe
gung eintritt, verliert in dem Moment
prompt seine Identität: er wird eine
Nummer und dies hilf dazu, al
len Risiken der Erkennung von Na
men und Personen durch die Nazi
polizei vorzubeugen.
Obwohl -nichts Zuverlässiges über
die wirkliche Lage in Deutschland im
Ausland bekannt ist, kann man sich
unschwer in die immer schlimmer wer
denden Zustände der Bevölkerung in
den beständig von alliierten Bombern
heimgesuchten Industriezentren hinein
denken. Die schweizerische Wochen­
schrift „Die Nation" schätzt die Zahl
der durch Bomben obdachlos gewor»
oerten oder evakuierten Bürger auf achi
Millionen etwa ein Zehntel der
Bevölkerung Deutschlands. Diese Mil
lionen, so führt die Wochenschrift auS,
bilde das Mark der defaitistischen und
mutlosen Stimmung, die Heinrich
Himmer's Gestapo zu bekämpfen sucht.
W
Die Zustände innerhalb Deutsch
lands seien wesentlich schlimmer als
vor 25 Jahren, da die unaufhörlichen
Bombardierungen die Massen zur
Verzweiflung bringen.
Das Mißtrauen und die Mutlosig
feit seien zu solchem Grade gestiegen,
weil die Bevölkerung ihre Radioemp
fänger aufgeben muß. Seit der Bil
dung des Komitees freier Deutscher in
Moskau hat der Moskauer Rundfunk
das Interesse des deutschen Volkes ge
wonnen. Doch bedeutet dies nicht not»
wendigerweise, daß das deutsche Volk
mit dem Kommunismus sympathisiert.
Selbst durch Luftangriffe obdachlo»
gewordene Personen ziehen einen an
gelsächsischen Sieg vor, wenn die Fein
de Deutschlands nun mal gewinnen
müssen."
„Was die Gerüchte über ernstlich
Differenzen zwischen dm führenden
Militärs und Hitler angeht", fährt
der Artikel weiter fort, „so farm an
genommen werden, daß die Stellung
des Führers fester fein muß als je
zuvor. Denn die Militärs haben daS
größte Interesse daran, Hitler die al
leinige und volle Verantwortung zu
lassen, damit sie der deutschen Nation
wie der ganzen Welt offenbar wird."
Der Hausausschuß für daS Klein
Unternehmertum verlangte sofortige
bundesparlamentarische Maßnahmen,
um eine geordnete Liquidierung über
schüssiger Materialbestände Onkel
Sams zu verbürgen, die nach dem
Kriege in einem Werte von schätzungs
weise $75,000,000,000 verfügbar
werden dürften. Der Ausschuß prophe
zeite in einem Sonderbericht, daß diese
Materialüberschüsse für die Nation
zum „Nachkriegsproblem Nr. 1" wer
den. Zehn bis fünfzehn Jahre, heißt
es in diesem Bericht, „werden unter
Umständen nötig sein, eine geordnete
und gleichmäßige Verteilung dieser
Güter zu bewirken". In der Haupt
sache wird es sich dabei, wie das Komi
tee erklärt, um Betriebsanlagen,
Werkzeuge, Werkausstattung sowie
verarbeitete oder unverarbeitete Mate
rialien handeln.
Aus Deutschland in Schweden ein
getroffene Reisende erklären es seien
bereits Pläne entworfen, eine gehei
me Nazibewegung zu organisieren,
falls Deutschland infolge militärischer
Niederlagen kapitulieren muß.
Die Göteborger „Handels- och Siö
fartstidningen" berichtete, sie habe er
fahren, daß alle loyalen Parteigenof
sen, SS- und SA-Männer Anweisun
gen erhalten hätten, wie Geheimbünde
zu organisieren seien, und zwar unter
der Devise, „die nationalsozialistische
Idee wird.nie kapitulieren".

•iMpfttttg 71 Mittwoch, den 24. November 1943 No. 30

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