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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, November 24, 1943, Image 2

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Der Krieg religiös
betrachtet
Von Prof. Prälat Meyenberg
Weithin über die ganze Erde toii
let der Krieg. Krieg und Liebe! Welch
ein Gegensatz! Der Apostel verkün
det: Die Früchte deS Geistes sind:
Liebe Freude Friede. Ihm ant
worten der Donner der Kanonen, der
eherne Schritt der Heere, die (schlach
ten, die Blutströme das ungeheure
Ringen nach Sieg!
Kann und darf man den Krieg re
ligiös betrachten? Den Rechtsstreit
ganzer Völker über öffentliches Recht
unter Feuer, Blut und Zerstörung?
Die bewaffnete Selbsthilfe der Staa
ten mit Kugel, Bajonett und Schwert?
Den Zustand physischen Kampfes der
Völker mit Aufwand von Gut und
Blut?
Die Weisheit, die aus- der Liebe ge
boren ist, antwortet milde und. sieges
froh: ja doch! Da stürmen gewal
tige Einwendungen hervor: „Nichts ist
klarer als das göttliche Sinai-Gesetz:
Du sollst nicht töten! Und der Krieg
ist eben doch ein Morden im großen."
„Dem fragenden Gesetzeslehrer ant
wortete Jesus: ,Du sollst den Herrn,
deinen Gott, lieben mit deinem gan
zen Herzen, mit deiner ganzen Seele
und deinem ganzen Gemüte. Das ist
das höchste und erste Gebot. Ein zwei
tes ist dem gleich: Du sollst deinen
Nächsten lieben wie dich selbst. Auf
diesen zwei Geboten ruht das ganze
Gesetz und die Propheten.' Und wie
lesen wir in der Bergpredigt? Liebet
eure Feinde tut Gutes jenen, die
euch hassen.... Der Krieg ist die
Empörung gegen die Bergpredigt:
mit dem Krieg kann die Vorsehung
einfachhin nichts zu tun haben."
Was werden wir sagen? Wenn die
Einwendung sich zunächst auf das Alte
Testament beruft und auf das klare
Sinai-Gebot, so könnte man aus den
selben Büchern Mösts ganze Reihen
im Austrage Gottes ergangener
Kriegsbefehle anführen, die freilich
nicht auf Habsucht und Stolz sich stüt
zeit. Doch wollen wir sie vorläufig
auf sich beruhen lassen. Gehen wir
unmittelbar auf den heikelsten Frage
punkt ein. Erst ein Zugeständnis, ein
Concedo wichtigster Art. Würde die
Bergpredigt alle Menschen und alle
Völker voll erfassen, dann freilich
würden die Kriege aus- und wegfallen.
Der Friede wird nach dem hl. Tho
mas in dreifacher Weise gestört: in
den Privatverhältnissen durch die
Zwietracht in der Kirche durch das
Schisma in der Welt durch den
Krieg. Der Krieg ist immer eine be
dauernswerte Erscheinung gegen Lie
be, Freude, Friede. Das ist's, was
wir zugeben. Das ist der Wahrheits
kern der Einwendung, der aber un
ter allerlei Irrtümern verschüttet
blieb.
Doch nicht alles, was vom Bösen
ist, durch Böses verursacht wird, ist
selbst in sich und unter allen Um
ständen etwas Schlechtes. Es gibt
auch gerechte Kriege. Wie ist das mög
Iich? Aus der Notwendigkeit der völ
tischen Notwehr aus der Unmög
lichkeit: eine schwere Gerechtigkeits
frage des Staatslebens friedlich zu lö
sen, ein schreiendes Unrecht am Staa
te oder an der Gesamtheit seiner Glie
der mit anderen Mitteln abzuwenden:
eine ungeheuerliche Schuld mit ande
ren Mitteln sühnen zu lassen den für
die Volkswohlfahrt notwendigen und
gerecht errungenen Platz an der Son
ne sich sonstwie zu bewahren endlich
aus gefährlichen unhaltbaren Ver
hältnissen heraus, in welchen es sich
um Sein oder Nichtsein des Vaterlan
des handelt, unter denen unabwend
bare Gefahren, verbunden mit unauf
richtiger Politik, alles und jedes be
drohen lassen sich die gerechten Ti
tel für den Defensiv- und Offensiv
krieg herleiten.
Dazu tritt noch ein nduer Umstand.
Der Mensch ist nicht bloß eine Perön
lichkeit für sich. Er ist eingegliedert in
Familie, Gemeinde, Vaterland, Staat.
Das ist eine naturnotwendige Entwick
lung eine fortgefetzte, geweitete
aufgebaute Familie. Was edel-natur
notwendig ist, ist auch Gottes Wille.
Darum spricht Gott in der Schrift:
„Durch mich ist die staatliche Entwick
lung und Regierung geworden" (SP.
5,!8ff.). So fühlt Iderni auch der
Mensch in sich einen mächtigen Zug
zum allgemeinen Gut, zum allgemei
nen Wohl. Und der nachdenkende
Menschenverstand erkennt diesen Zug
als etwas Vernünftiges, Hochedles,
durchaus Berechtigtes. Die christliche
Religion streicht ihn nicht aus, ver«
klärt ihn vielmehr, belebt ihn, voll
endet ihn. Das allgemeine Gut ist aber
das höhere. Für dieses ist kein irdisches
Opfer zu groß. In das allgemeine
Wohl wird das persönliche selbst unter
Riesenopfern eingebettet.
So erklärt es sich auch als auffal
lende Tatsache, daß die Völker in Ta
gen des Krieges wie ein Mann aus
stehen, daß Millionen alles einsetzen,
um das Vaterland zu retten und z,
fördern. Zersplitterte oder gefährdete
Völker werden in den Tagen des
Krieges nicht selten ein herrliches Gan
zes. Gewiß haben Fürsten im Lause
der Weltgeschichte deren Lage auch
schon mißbraucht. Die Völker sehen
aber im Kriege, der zwar vom Bö
sen ist, doch kein Böses, trotz aller
Wehen kein bloßes rohes Morden. Die
Menschennatur in ihnen spricht eine
geheimnisvolle" Sprache: und »sie zie
hen ins Feld und in den Tod nicht
als stumme Hunde, sondern für ein
höheres Gemeingut. Es wäre nun
frevelhaft, diese Menschen auf eine
Linie mit Mördern zw stellen. Und
alle, diese Erwägungen können auch
Könige, Fürsten, Regierungen leiten
und sie im vollen Bewußtsein ihrer
Riesenverantwortung zur Kriegserklä
rung bestimmen.
Gewiß ist es wahr: es wurde schon
in unglaublichem Leichtsinn und. in
gemeinster Frevelhaftigkeit auf diesem
Gebiete mit dem Menschenleben ge
spielt. Darüber ist ein ewiger Richter
gesetzt. Auch haben die Völker das
Recht, mit ihren gesetzlichen Mitteln,
gegen solchen Leichtsinn Felswände zu
errichten. Doch nicht jeder Krieg ist
eilt solches Spiel.
So erklärt sich nun auch eine neue
überraschende Erscheinung des Krie
ges. Das Furchtbare des Krieges
wird sehr oft zum Fruchtboden erha
benster Stimmungen, Taten und Tu
genden. So zeitigt auch der Krieg mit
tin unter Blutströmen, Leichenfel
dern, unter Elend und Greueln aller
Art geradezu einzig große Erscheinun
gen tiefer Religiosität, goldener Treue,
schier unbeschreiblichen Opfergeistes,
einer heiligen Vaterlandsliebe und ge
sellschaftlichen Gemeinsinnes See
lenerneuerung gewaltige Stim
mungen und Wallungen, erhabene,
hochernste, heldenhafteste Pflichterfül­
Ohio Waisen freund Mittwoch, de» 24. November 1943
lung ein Zeichen, daß der gerechte
Krieg in sich nicht ein Uebel ist, wenn
e a u i e v o U e e i s
lieber allem waltet zuletzt doch die
Vorsehung heilig und groß, strafend
und läuternd, fördernd und belebend.
Nichtsdestoweniger ist und bleibt die
Friedensstiftung größer als all das
Große des Krieges und auch die Fü
gungen Gottes, der die Kriege mit in
feine Pläne aufgenommen hat, zielen
auf dieses eine: Ego cogito cogitotio
nes Paris et non afflictionis! Ich den
ke die Gedanken des Friedens und
nicht der Rache.
Gottes Erziehung zielt aus den
Frieden, ja auf den ewigen Frieden
und ewige Seligkeit. Es zieht ein
wunderbarer Weg von Gott zu Gott
durch Jesus Christus
"Ii li'ihniiir in
Europas mildester
Diktator
4 4
So nennt Dr. Max Fischer in
einem im St. Josephs-Blatt veröf
fentlichtert Artikel den Führer Portu
gals Dr. Antonio de Oliveira Sala
zar. Portugal ist infolge durch die
Großbritannien für die Dauer des
Weltkrieges gegebene Erlaubnis, die
Inselgruppe der Azoren als Stütz
Punkt für sich und die ihm verbünde
ten Mächte zu benutzen, wieder in den
Vordergrund des Weltinteresses getre
ten.
„Als ich", so erzählt Dr. Fischer,
„Salazar vor 13 Jahren in Portugal
traf und er noch Finanzminister einer
konstitutionellen Regierung und zu
gleich Professor der Nationalökonomie
in Coimbra, Portugals berühmtester
Universität, war, beeindruckte er mich
durch seine nüchterne Sachlichkeit und
ruhige Kraft. Der junge Gelehrte mit
der hohen Stirn, den tiefliegenden
Augen, der spitzen Nase und dem stark
entwickelten Kinn sprach ohne die Ge
sten eines Schauspielers, ohne Phra
sen und ohne Bombast. Er erinnerte
mich in feiner Selbstdiziplin mehr an
den deutschen Reichskanzler Dr. Hein
rich Brüning als an Mussolini oder
Hitler. Salazar ist heute 50 Jahre
alt und seit zehn Jahren Diktator.
Aber dieser überzeugte Katholik und
portugiesische Patriot liebt Heldenver
ehrung so wenig, daß man in Por
tugals Amtsstuben, Schulen und Ka
lernen vergeblich nach Salazars Bild
Umschau hält immer von neuem
eine Ueberraschung für Journalifteftn,
die aus den Ländern Stalins, Hit
lers, Mussolinis und Francos kom
men.
Diese persönliche Bescheidenheit hat
Salazar aber nicht gehindert, eine fa
schistische Armee von Grünhemden auf
zustellen, eine militärische Jugendbe
wegung zu organisieren und eine po
litische Geheimpolizei zu schaffen. Der
Aufbau der portugiesischen Diktatur
ist stärker vom konservativen Gedan
ken erfüllt als derjenige irgendeines
anderen totalitären Staates. Von der
lleberzeugung der katholischen Sozial
theorie ausgehend, daß die Familie
das Fundament des christlstichen Ge
meinschaftslebens ist, hat Salazar eine
Nationalversammlung geschaffen, die
nur von Familienoberhäuptern ge
wählt wird. Daneben gibt es noch ei
ne zweite Kammer, einen Korpora
tionsrat, der nach Berufen und Di
ststrikten zusammengesetzt ist. Aber
diese beiden mehr oder weniger de
mokratischen Vertretungen haben nur
einen sehr bescheidenen Machtbereich
gegenüber dem .Ausführenden titat**?
an dessen Spitze Salazar stestht und
gegen den die beiden anderen Kör
perschaften kein Vetorecht besitzen."
Die Azoreninseln umfassen 92Ä
Quadratmeilen mit ungefähr 254,000
Einwohnern.
Wie die katholikenfeindliche Lügen
presse nicht müde wird, gegen Gene
ral Franco und das katholische Spa
nien zu Hetzen, so läßt sie auch kein
gutes Haar an dem katholischen Por
tugal und seinem tüchtigen Führe
Salazar. Die Monatsschrift „Sign?
macht auf eine entstellende Darstel
lung katholischer Lehre und Tätigkeit,
in Portugal, welche sich das „Marche
of Time" geleistet hat, aufmerksam.
Es wurde daran u. a. die Behaup
tung aufgestellt, es befänden sich i&
Portugal 70 Prozent Illiterate«, dcA.
Volk werde verdummt und streng urt*
ter dem diktatorischen Daumen gehat*
ten.
i e angebliche fortschrittliche
„Time" weiß offenbar nicht, daß die
se Zustände vor dem Regime Sala
zar's in Portugal vorherrschten, aS
das katholische Land von der Frek
maurerei verdummt und unterdrückt
wurde. Seit Salazar die Regierung
in die Hand genommen, wurde Überall
der obligatorische Schulunterricht ein
geführt und Portugal kann sich heute
mit seinen vier Universitäten und zahl
reichen höhern Lehranstalten mit ir
gendeinem Lande der Welt messen.
Kampf des Drachens ge
gen die „Anfgehende
Sonne"
v
Äm verflossenen 7. Juli begann
China das siebente Jahr seines Kamp
fes gegen Japan. In sechs Jahren
eines unerhört blutigen und opfer
reichen Kämpfens hat die Aufgehende
Sonne nicht vermocht, den Drachen zu
bezwingen. China, dieser Riese untie
den Völkern der Erde, blutete woM
aus vielen Wunden und taumelte da
und dort zurück. Aber dann leckte der
mächtige Drache seine Wunden, rich
tete sich auf und schlug mit feinen ge
waltigen Tatzen zurück. Nippon, das
Land der aufgehenden Sonne, ist fei
nem Ziele, der Unterwerfung und Er
oberung Chinas, heute genau so fern
wie vor sechs Jahren. Der Drachen
aber wird immer stärker und dem
japanischen Feinde furchtbarer, der jje:
länger je mehr erkennen muß, datz
er sich in ein unmögliches, ja verder
benbringendes Wagnis eingelassen
hat.
Der Heldenkampf des chinesischen
Volkes unter seinem großen Marschall
Chiang Kai-Shek wird immer eine der
packenden Epopöen der Militärge
richte unserer Zeit bleiben. Denn
hier ringen zwei Gegner miteinander,
deren Machtmittel in dem denkbar
krassesten Mißverhältnis zueinander
stehen. Gewiß hat China ein schier
unerschöpfliches Menschenreservoir, ge
wiß hat es Soldaten, deren Stoizis
mus und physische Ausdauer im Er
tragen von Hunger, Strapazen un%
Wunden beispiellos sind, gewiß hat eK
tapfere, tüchtige und modern geschulte
Offiziere, aber es hat keine Waffen,
es kämpft beinahe, wie Madamd
Chiang Kai-Shek einmal zutreffend
gesagt hat, „mit nackten Fäusten".
Man hat in diesem Zusammenhang
von den Chinesen auch als den „FigM'-

'n.t?,r*d October 6, 1913 et the Pest Office at Columbus, Ohle, under the Act of March 8, 1879. Acceptance for mailing at special rate of pestaee provided In
•ectlon 1106. Act of October ». 1917, authorized December 14, 191». Publication Office, 32 Warren St., Columbus, O. Published every Wednesday. Send Notice Form 3S7S to Worthlngton, O.

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