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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 01, 1943, Image 1

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gpa^ V
Da bis heute noch immer keine zu
verlässigen Nachrichten über die Lage
des Papstes in der von den Nazi kon
trollierten. Stadt Rom erhältlich sind,
so muß man sich auf die von beiden
Seiten veröffentlichten Berichte verlas
sen. Ohne ihre Richtigkeit zu unter
suchen, lassen wir dieselben der Reihe
nach folgen.
Der Vatikansender hat inbetresf der
Bombardierung der Vatikanstadt er
klärt, vom 5. auf den 6. Oktober seien
durch vier Bomben, die von einem
nicht identifier ten Flugzeug abgewor
fen wurden, das niedrig flog, Schä
den in der Vatikanischen Stadt ange
richtet worden. Die Bomben fielen
nahe dem Wasserreservoir zwischen der
Gonvemeurs-Kirche und dem Degli
Uffizi Palast, auf die Mosaikwerke und
nahe dem Santa Maria Platz nieder.
Niemand wurde verletzt, aber die Mo
saikwerkstätten und der Gouverneurs
Palast wurden ernstlich beschädigt.
In alliierten Kreisen neigt man sich
der Annahme zu, daß die Bomben
von deutschen Flugzeugen abgeworfen
wurden, um die Ver. Staaten und
Großbritannien in den Augen der ka
tholischen Welt zu diskreditieren. Der
deutsche Propagandabericht dagegen
erklärte, eine genaue Untersuchung
werde die Alliierten bloßstellen. Deut
sche Offiziere haben mit der Untersu
chung des Bombenschadens begonnen,
wie der Bericht weiter besagte. Eine
amtliche Erklärung des alliierten
Hauptquartiers in Algier erklärte:
„Weil es offenkundig unmöglich ist,
über jeden Zweifel erhaben den Fall
von Bomben von Flugzeugen, die in
Nachtoperationen tätig waren, festzu
stellen, ergab doch eine durchgreifende
Untersuchung von Missionen, die in
der Nacht vom 5. auf den 6. Oktober
ausgeführt wurden, daß die Mann
schaften sich ihre ausdrücklichen Be
fehle hielten und die Vatikanische
Stadt nicht bombardierten."
Laut einer Züricher Depesche nach
Stockholm hat Papst Pius vatikani
sche Amtsstellen angewiesen, eine „un
abhängige Untersuchung über die Her
kunft der Bomben vorzunehmen".
Biel erörtert werden die Bemühun
gen des Papstes, Rom von beiden
kriegführenden Seiten als „heilige
Stadt" anerkannt zu erhalten, um es
vor dem Witten des Krieges zu fchiit
zen. In Vatikankreisen verhält man
sich hinsichtlich dieses Vorschlages sehr
reserviert, aber die Möglichkeit eines
solchen Abkommens ist nicht ausge
schlossen.
Unterdessen ist der Widerstand ge
gen die Nazis in Norditalien ständig
am Wachsen und die Verhaftungen
von Anhängern Badoglios, einschließ
lich zahlreicher Geistlichen, durch die
Deutschen gehen weiter. Einem unbe
stätigten Bericht zufolge befindet sich
auch der Erzbischof von Mailand,
Kardinal Schuster, unter deutscher
Bewachung. Er hatte gedroht, alle
(SI
Jahrgang 71 Mittwoch, den 1. Dezember 1943
Schreiber von anonymen Briefen und
andere zu exkommunizieren, die poli
tische Gegner zu denunzieren suchen.
Edward R. Stettinius, der amtie
rende Staatssekretär in Washington,
hat die amtliche Erklärung abgegeben,
wonach die in der Nacht vom 5. auf
den 6. Oktober erfolgte Bombardie
rung der Vatikanstadt nicht durch al
liierte Flugzeuge erfolgte. Wie er
mitteilte, ist von General Dwight D.
Eisenhower eine Meldung eingegan
gen, „die über allen Zweifel die Tat
sache klärte, daß das angreisende
Flugzeug kein alliiertes war".
Der „London Daily Expreß" er
klärte mit einer riesigen Schlagzeile
„Hitler ordnete das Bombardement
des Vatikan an", und sein außenpoli
tischer Redakteur, Chas. Foley, schrieb,
daß Hitlers überraschende Behauptung
Herausgegeben vym Päpstlichen Collegium Iosephinum. Prels für ein Jahr n den Bereinigten Staaten $2, in Kanada und allen anderen Staaten $2.50
N.C.C.S. Club Hilst Hunderten
In dem von der ^rauenabteilung
geleiteten Nation Catholic Com
munity Service in Biloxi, Miss.,
unweit Keesler Field, finden Sol
datenfrauen, Kinder und Mütter
Unterkunft bis zu zwei Wochen.
J**-
Familienblatt für Wahrheit und Recht zur Belehrung und Unterhaltung
Erscheint wöchentlich im Päpstlichen Collegium ^osrplunnm zum Besten der Priesterzöglinge
wr
aisenkreunü.
bei seiner Rede, daß er ein „religiöser
Mensch" sei, so kurz nach dem Angriff
nur den Schluß zuläßt, daß er „die
Untat inszenierte, um dadurch das
Versprechen der Moskauer Konferenz
hinfällig zu machen, das katholische
Oesterreich wieder frei zu machen."
Die Schweizer Telegraphenagentur
erklärte, daß die Behörden der Vati
kanstadt der Meinung sind, daß nicht
Mrs. John Muhl fei!), Hautmutter
(siehe Bild), wird als Soldaten
frau registriert. Soweit sind be
roits 1732 Mütter, Frauen und
K'.nder von Wehrleuten ausgenom
men worden.
einmal eine technische Untersuchung
die Verantwortung für die Freitag
nacht erfolgte Bombardierung der
Stadt klären könnte. Aus diesem
Grunde erscheint es wahrscheinlich, daß
Papst Pius der Zwölfte sich noch ein
mal an alle Kriegführenden und Neu
tralen wenden und sie alle darum er
suchen wird, daß „zu den vielen «Sor
gen, an denen die Welt schon blutet,
nicht auch noch eine Schändung der
Hauptstadt der christlichen Welt hinzu
gefügt wird."
Die „Gazetta de Lausanne" erklärte
unterdessen als eine der ersten neutra­
No. 31
len Zeitungen, die sich zu dem Zwi
schenfall äußerten, daß es zwar be
achtenswert sei, daß beide kriegfüh
renden Parteien die Gegenseite für
den Vorfall verantwortlich machen,
aber dann fährt sie fort: „Gemäß dem
alten lateinischen Sprichwort, daß die
Schuldigen immer unter denen ge
sucht werden sollen, die einen Nutzen
von der Tat haben, kann man nur
feststellen, daß England keinerlei Vor
teil davon gehabt haben würde, wenn
es seine Bomben gegen den Vatikan
gerichtet hätte sogar ganz im Ge
genteil.
„Auch die deutsche Behauptung, daß
die Bomben britischer Herkunft wa
ren, ist kein genügender Beweis, da
viele abgeworfen wurden, ohne zu ex
plodieren, und also wieder verwendet
werden könnten. Es würde außerdem
nicht das erstemal sein, daß die Deut
schen so etwas anzetteln. Wir erin
nern uns nur an den Reichstagsbrand,
der in der „Kindheit des Nazismus"
wütete, aber über den es noch immer
allerhand Zweifel gibt."
Eine Depesche von der italienischen
Grenze an die Genfer Zeitung „La
Suisse" erklärte, daß der Vatikan sich
geweigert habe, wie von deutscher
Seite aufgefordert, antifaschistische und
nazifeindliche Flüchtlinge auszulie
fern, die im Vatikan eine Zufluchts
stätte gefunden haben, und daß sich
Deutschland diesem Entscheid gebeugt
habe. Unter den Flüchtlingen befinden
sich der Meldung zufolge auch verschie
dene frühere Größen des Faschismus,
die nach Mussolinis Fall plötzlich pro
minente Antifaschisten geworden sind.
Unter anderen sind darunter mehrere
Migtlieder des Großen Faschistenra
tes, die für Mussolinis Absetzung ge
stimmt hatten, wie es heißt. Obwohl
der Lateranvertrag von 1929 die
Klausel enthält, daß politischen Flücht
lingen im Vatikan kein Asyl gewährt
werden darf, hat sich die Situation
jetzt insofern geändert, daß der Hl.
Stuhl nach wie vor die Regierung
Marschall Badoglios als diy recht
mäßige Regierung Italiens aner
kennt und die Besetzung Roms durch
die Deutschen diesen Vertrag daher
praktisch außer Kraft gesetzt hat.
150 katholische, protestantische und
jüdische Führer haben eine Deklara
tion über den Weltfrieden erlassen,
der nach ihrer übereinstimmenden Mei
nung die folgenden sieben Punkte ent
halten sollte: 1. Die Organisation ei
nes gerechten Friedens hängt von der
Anerkennung der praktischen Tatsache
ab, daß nicht nur Einzelpersonen, son
dern auch Nationen, Staaten und die
internationale Gesellschaft der, Ober
hoheit Gottes und seines moralischen
Gesetzes unterstehen. 2. Die Würde
der menschlichen Person als des Eben
bildes Gottes muß mit allen sich aus
ihr ergebenden Konsequenzen in einer
internationalen Deklaration der Rech
te ausdrücklich festgestellt und in der
Praxis national und international ge
(Fortsetzung auf Seite 12)

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