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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 23, 1944, Image 11

Image and text provided by Ohio Historical Society, Columbus, OH

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Mittw.ch, de» 23. A»g»st 1944
EL war ein kleines, eichengetäfeltes
Zimmer, das als Weißzeugkammer
diente hohe, messingbeschlagene
Schränke bedeckten die ganze Wand.
In dem Kamin flackerte ein behag
liche Feuer, vor demselben hatte No
Frühstück nehmen." Und sie bückte sich,
holte Brotschnitten vom Feuer und
begann den Tee zu bereiten.
„Es beschämt mich, daß ich Sie die
ser Mühe unterziehen ließ", sagte er
und rückte Stühle herbei.
„Bei meiner Großmutter bereitete
ich den Tee täglich. Wenn Sie wüßten,
an welche köstliche Zeit mich das er
innert."
Sie unterdrücke einen Seufzer
und setzte sich ihm gegenüber. Die ge
rösteten Schnitten wie der Tee waren
auf einem kleinen Tisch mit altertüm
lichem Teegeschirr aufgestellt. „In
Pau nahmen Sie Tee, so wollen wir
denn hier auch wieder ein englisches
Frühstück nehmen. Die Brötchen der
breiteten einen angenehmen Duft.
Marcus dachte, er habe nie etwas
Reizenderes denn Nora in Erfüllung
dieser häuslichen Obliegenheiten gese
hen, und zum erstenmale wurde es
ihrtt klar, daß auch den häuslichen
Herd eine gewisse Poesie umgeben
könne.
„Sie müssen doch mit Trauer an
Ihre Reisen zurückdenken", meinte
er. „Jenes wechselvolle, aufregende
Leben muß einem jungen Mädchen
gefalle*, und deshalb ist Ihnen ge
wiß dieses hausbackene bürgerliche
Leben recht peinlich."
Nora schüttelte den Kopf. „Sie ir
ren sich. Ich war nicht dazu geschaf
fen, von einem Ort zum andern zu
wandern, ich träumte von einer Le
bensweise, in welcher das Reisen nur
eine Nebenfolle spielte. Wie gerne
hätte ich dauernde Freundschaftsbande
geknüpft! wie sehnte ich mich nach
Ordnung und Regelmäßigkeit! Ich
wünschte mir einen festen Wohnsitz,
mit einem Worte ein Heim."
Marcus öffnete den Mund, um zu
antworten, aber verlegen hielt er in
ne, und erst nach minutenlangem Zö
gern sagte er leise: „Aber Sie fan
den doch in dem Hause meiner Mut
ter diese Regelmäßigkeit und Ord
nung."
„Ordnung ist nicht Einförmigkeit",
erwiderte sie lächelnd. „Ich hätte ja
alles ertragen können, wenn meine
Tante mich nur ein wenig geliebt
hätte."
Er drehte den Löffel zwischen den
Fingern und fuhr in sichtbarer Auf
regung fort: „Ich verstand zu spät,
daß Ihnen die Liebe mangelte ich
selbst war so ungerecht."
„Ich fürchtete mich vor Ihnen", ge
stand sie lächelnd, „und Ihre Sonn
tagsbesuche waren für mich ein wah
rer Schrecken. Es war mir immer,
als verfolgten mich Ihre Augen, um
die geringste UnVollkommenheit mei
ner Seele zu entdecken."
Er hätte etwas erwidern wollen,
und die Frage: „Und jetzt?" brannte
ihm auf den Lippen aber er sagte
nichts, und Nora setzte die leere Tasse
nieder, um sich zu ihrer Tante zu
begeben.
Fast unmittelbar darauf trat auch
der Arzt ein. Er fand, daß im Zu
stand der Kranken ein Stillstand ein
getreten sei, und obschon dieser Still
stand noch keine entschiedene Besse
rung bedeute, so befähigte er doch
Frau Auvrard, die verschiedenen Pha
sen der Krankheit durchzumachen.
And als Marcus den Arzt fragte, ob
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er sich wohl für einen Tag entfernen
könne, erklärte dieser, das könne ohne
Anstand geschehen.
„Dann will in einige notwendige
Geschäfte regeln. Sie bringen uns
Glück, Fräulein Nora. Ich will Ihnen
meine Mutter bis heute Abend anver
trauen."
„Bleiben Sie nur bis morgen
wenn es notwendig ist, telegraphiere
ich Ihnen."
Er reiste fast sogleich ab, und nach
dem er ein nach den Umständen be
friedigendes Telegramm erhalten,
verschob er feine Rückkehr auf den
nächsten Morgen.
Es war beinahe Mittag, als ihn
der Omnibus an der Tür feiner Mut
ter absetzte. Das Wetter hatte sich ge
ändert, es fiel ein feiner Regen, und
alles war in graue Nebel gehüllt. Er
war starr vor Kälte, da er die stei
nerne Treppe hinaufstieg aber es be
mächtigte sich seiner ein Gefühl der
Behaglichkeit, als er die Türe des
Zimmers öffnete. Alles war so hübsch
und wohlgeordnet, die Kranke ruhte
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in cittern schneeweißen Bette, und in
dem benachbarten Zimmer war das
Diner auf jenem kleinen Tisch aufge
tragen, att welchem nur zwei Perso
nen Platz hatten.
Nora streckte ihm mit ermutigen
dem Lächeln die Hand entgegen. „Die
Nacht dar gut, und die Tante hat
heute früh zu trinken verlangt."
„Hat sie Sie erkannt?" fragte er
eifrig.
„Sie warf einen Blick auf mich,
ist aber noch so schwach, daß sie sich
wahrscheinlich von meiner Gegenwart
keine Rechenschaft geben konnte. Ich
habe Fräulein Octavie gesehen, ihr
Bruder ist fast hergestellt, und so wird
sie uns jetzt täglich eine Stunde wid
men."
„Das freut mich um Ihretwillen",
sagte er herzlich.
Aufs neue setzten sie sich an das
schmale Tischchen, um, wie Nora mun
ter sagte, zu Mittagessen zu spielen.
Marcus wurde ganz leicht ums Herz.
Es saß sich so köstlich diesem reizen
den, einfachen jungen Mädchen gegen
über, das, ohne sich zu besinnen, von
so weit hergeeilt war, um einer töd
lichen Seuche Trotz zu bieten. Sie
fürchtete sich nicht mehr vor ihm und
zeigte ihm den ganzen Reichtum Ih
res Geistes, die ganze Großmut ihres
Herzens. Nur eine Sorge drückte sie:
würde sein Mutter, wenn sie zum Be
wußtsein gelangt, sie um sich dulden?
„Sie ist zu gerecht, um nicht die
Große Ihrer Hingebung zu verstehen
und zu würdigen", erwiderte er in
vollster Ueberzeugung.
Und so folgten die Tage aufein
ander und brachten in ihrem Laufe
stets wechselnd Unruhe und Hoff
nung. Manchmal schien die Kranke
ihre Umgebung zu erkennen, ohne daß
sie jedoch darob Vergnügen oder Er
staunen zeigte, aber diese Augenblicke
des klaren Bewußtseins waren vor
übergehend, und der Pfarrer von
Penvan konnte den richtigen Augen
blick, welchen Nora mit allen Wün
schen ihres Herzens herbeisehnte, nie
mals treffen. Fräulein Octavie kam
ihrem Versprechen gemäß täglich und
führte Nora spazieren. Ihr Bruder
war genesen, und man hatte seinen
Töchtern die Gefahr, in welcher er ge
schwebt, verbergen können. Uebrigens
nahm auch die Epidemie ab, und es
kamen nur mehr wenige Sterbefälle
vor.
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So rückte endlich der 20. Tag von
Frau Auvrard's Krankheit heran. Das
Fieber hatte seit einigen Stunden an
Heftgfeit zugenommen, und man
fühlte, daß der entscheidende Zeitpunkt
gekommen sei. Fräulein Kernoel hatte
am Morgen Marcus in der Kirche ge
sehen, wie er angstvoll, unbeweglich
att einem Pfeiler lehnte ,nud Nora
hatte sich geweigert, ihren gewöhnli
chen Spaziergang zu machen, weil sie
die Tante nicht verlassen wollte.
Der Kranken hatte sich eine stetig
zunehmende Aufregung bemächtigt
Marcus' Züge waren entstellt und
drückten tödliche Angst aus, während
seine Lippen konvulsivisch zitterten.
Nora's Blick schweifte von dem fie
berglühenden Antlitz der Tante zu je
nem entstellten Antlitz, und sie betete
im stillen voll Inbrunst, als plötzlich
die Zimmertür aufging und die Magd
die eben angekommene Post auf den
Tisch legte.
Ohne sie zu öffnen, drehte Marcus
die an ihn adressierten Geschäftsbriefe
hin und her. Nora aber bebte, als sie
auf einem kleinen zierlichen Kuvert
ihren Namen in großen von Kinder
hand geschriebenen Buchstaben erblick
te. Sie zog sich in eine Fensternische
zurück, öffnete den Brief und las, wie
folgt:
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St
11
Erprobt«« Heilmittel gegre» »Be Arten »d» el»
te» und frischen Wunde», Gwefcwtwesi. fl»
wsechscn, Bisswunden,
Ksrbsrokeln. «*w, Ä#*e
Geld nur durch Poet Money Order1 so •chiekett.
Ketate
Cent»
die Schachtel,
J. L. ütaak 171M Vailerttew
Pau, Montag Morgen.
Liebes, teures Fräulein!
bei
Wir haben großen, großen Rum
mer. Kaum waren Sie abgereist, als
Großmama Fieber und den Husten be
kam. Sie wurde gut gepflegt, und
es geht ihr jetzt besser. Aber der Arzt
will nicht, daß sie das Zimmer verlasse,
und so ist sie um unsertwillen in gro
ßer Sorge. Das Zimmermädchen des
Gasthofes hat uns spazieren geführt,
aber Großmama sagt, das dürfe nicht
so fortgehen, und wir müßten eine Er
zieherin haben. Sie will selbst eine
andere nehmen, wenn Sie nicht zu
rückkommen sollten, und Bei diesem
Gedanken weinen meine Schwester
und ich bitterlich. ES ist ein englisches
Fräulein hier, das wohl den Winter
über, aber nicht aus kürzere Zeit, bei
uns bleiben will. Aber nicht wahr, Sie
kommen zurück? Ich bin gewiß, daß es
Ihrer Tante besser geht denn wir
haben, wie Sie befohlen, fleißig für
dieselbe gebetet. Bedenken Sie doch,
wie lieb wir Sie haben, und daß selbst
die Großmama geweint hat, weil sie
Sie nicht mehr sieht. Wenn Sie zu
rückkommen, wird Großmama Sie ge
wiß bei sich behalten, selbst wenn wir
ins Kloster kommen.
Großmama ist noch zu schwach, um
selbst zu schreiben. Wahrscheinlich ha
be ich recht viele Fehler gemacht dar
aus können Sie ersehen, daß Sie zu
rückkommen müssen, um den Unter
richt bei uns wieder auszunehmen,
welcher mit Ihnen immer so anzie
hend war.
Wir küssen Sie alle beide. Senden
Sie eine Depesche, um Großmama zu
sagen, daß Sie sogleich zurückkehren.
Ihre dankbare Schülerin
Margarete Harmel.
P. S. Großmama beaustragt mich,
beizufügen, daß die Auslagen für Ih
re Rückreise nur sie allein angehen.
(Fortsetzung folgt)
ASTHMA
smimuom*/
Wenn Sie an Bronchial Asthma,
Paroxismen (Steigerung der Krank
heitserscheinung), keuchendem oder rö
chelndem Husten leiden verlangen
Sie sofort das freigebige freie Ber
suchs-Anerbieten. Anfragen über#soge
nannte „hoffnungslose" Fälle sind
ganz besonders willkommen. Nacor,
316 N. State Life Bldg., Indiana
pvlis 4, Jud.
Der Kinder Weinen
Ist zu alltäglich
Selbst Fraueniränen
Sind noch erträglich.
Der Greise Schluchzen
Geht näher schon
Wenn Männer weinen
Klingt Trost wie Hohn.
Kreiten, S.J.
Groß ist die Macht des Goldes
aber es unterjocht nur gemeine Na
turen. Dr. Franz Hettinger.
Wenn Gott, nicht notwendig gewe
sen wäre, die Welt zu erschaffen, so
würde er notwendig sein, ße zu ge
nießen. F. Hebbel.

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