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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 23, 1944, Image 8

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RS». F. F«ertge»
(Fortsetzung)
Im Jahre 1815 besuchte Pater
Fenwick zum ersten Male die am
Ohioflusse gelegene, vor wenigen
Jahren (1789) gegründete Stadt
Cincinnati. Daselbst fand er sieben
katholische Familien. Im Jahre 1818
veranlaßte er daselbst den Bau einer
kleinen Kirche, die im folgenden Iah
re zustande kam. Bald nahm die Ein
Wanderung nach Ohio und mit ihr
die Zahl der Katholiken derart zu,
daß Bischof Flöget sich nach Rom
wandte mit der Bitte, man möge
aus einem Teile des seiner Jurisdik
tion unterworfenen Gebietes ein
neues Bistum bilden.
Durch Bulle vom 19. Juni 1821
gründete Papst Pius der Siebente die
Diözese Cincinnati, Ohio, und er
nannte zu deren Bischof den Hw. Pa
ter Eduard Dominic Fenwick. Die
neue Diözese umfaßte den ganzen
Staat Ohio. Der Bischof sollte zu
gleich Administrator des zur selben
Zeit errichteten Apostolischen Vikaria
tes am Michigansee und des Nordwest
Territoriums sein. Die bischöfliche
Konsekration empfing Pater Fenwick
von Erzbischof Marechal von Balti
more am 13. Januar 1822 in der
Klosterkirche St. Rosa in Kentucky.
Von apostolischem Eifer erfüllt,
begab er sich nach Cincinnati und so
segensreich war sein Wirken daselbst,
daß die dortige Kirche bald zu klein
wurde.
Um Mittel für einen Neubau zu
erhalten, reiste er nach Europa. Vor
allem begab er sich nach Rom, um dem
Papste Bericht zu erstatten. Leo der
Zwölfte nahm ihn mit väterlicher Lie
be auf, unterstützte ihn nach Kräften
und gab ihm Empfehlungsschreiben
nach Frankreich mit.
Nach Cincinnati zurückgekehrt, be
gann er alsbald mit dem Bau einer
Kathedrale und einer höheren Erzie
hungsanstalt.
„Das ist ein interessanter Arti
kel", erklärte Rev. Kamann dem Rev.
Reineke, der diese kurze geschichtliche
Aufzeichnung auch gelesen hatte.
„Solche Artikel hebe ich gewöhnlich
auf und lese sie hier und da wieder.
Besonders schön und erbaulich ist der
Lebenslauf und die Wirksamkeit dieses
Bischofs Flöget, Sulpitianer aus
Frankreich. Im Jahre 1763 geboren,
gerade in den Stürmen der franzö
sischen Revolution, wurde er nach
Amerika vertrieben, wirkte als Prie
ster (1793) in Philadelphia und
kam dann nach Vincennes, Ind., wo
er sechs bis sieben Jahre lang wirkte,
damals als unser Nachbar, Vater
Reineke, dort am Wabash-Flusse und
wir hier am School Creek pastorier
ten.
Wenn er noch St. Louis wollte,
zu seinen französischen Landsleuten,
kam er auf der States Rood zwischen
Breese und St. Rose über die Zoll«
brücke on der Shoal Creek, etwas
nördlich von Sommersmühle, gefah
ren oder geritten. Zu der Zeit, als
junger Mann, ritt er immer und
fein Indianer war ihm zu schnell. Er
ritt sogar als Bischof von Bardstown,
etwas östlich von Louisville, nach Bal
timore, Maryland. Und als Professor
vom Georgetown College hatte er
zweimal Präsident Washington's
Hand geschüttelt, was er nie verges
sen hat.
Er war ein demütiger, frommer
Mann, der keinerlei Ehre suchte, son
dern unsterbliche Seelen. Zwei Jahre
sträubte er sich gegen das Bischofs
amt, bis er endlich zugab, im Jahre
1810 die Bischofswürde anzunehmen
von Erzbischof Carroll. Als Bischof
war er immer und überall der Erste
feine Arbeit war ihm zu schwer, oder
zu viel und oft mußte er meilenweit
durch Prärie und Wälder, durch Wind
und Wetter unter beständigen Gefah
ren vonseiten der Räuber und India
ner. Er besuchte einen kranken Prie
fter und versah seinen Dienst, auch
wenn sein Reitpferd zusammenbrach.

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Das blinde Chicagoer Mädchen
Marie Pastwa ist nach dreiwöchiger
Abrichtung ihres Hundes in Minne
apolis in Chicago eingetroffen, wo
sie im September ins St. Tavier
Ein Farmer tauschte mit ihm und er
setzte seine Reise fort.
Er war überall bekannt und beliebt
und jeder suchte ihm einen Liebesdienst
zu erweisen. Man braucht bloß die
Geschichte der von Vater Nerinks ge
stifteten Loretto-Schwestern zu lesen,
um zu erfahren, mit welch großem
Seeleneifer, mit welchen Opfern der
fromme Bischof seines Amtes waltete.
Eine Anstalt nach der andern wuchs
aus dem Boden, Kirchen und Kapellen
erstanden, sodaß in kurzer Zeit die
Kirche und das katholische Leben in
voller Blüte stand. Katholiken und
Protestanten zeigten ihre Liebe und
Achtung vor diesem großen Seelen
Hirten.
Des Bischofs Bericht an dm HI.
Pater zeigt auch, wie mit dem Gebete
die Hände sich rührten in körperlicher
und geistiger Arbeit. Zu allem war
Gebet das Erste. Wie aus dem Be
richt hervorging, mußten alle Stu
denten bei den Arbeiten am Semi
narbau und an anderen Gebäuden
mithelfen.
So ging es erfolgreich voran un
ter Gebet und Arbeit, cm der alle
gutwillig, bereitwillig, zur größten
Ehre Gottes mithalfen. Daher der
reiche Segen auf allen Arbeiten.
„Ja", meinte Vater Reineke, „das
haben wir auch erfahren, Theodor,
du sowohl als ich. Unsere Bauern ha
ben nicht nur das notwendige Geld
geliefert, sondern auch die schweren
Arbeiten getan in allerlei Wetter.
Was ihnen Kraft verlieh, war der
tiefe Gottesglaube. Das Gotteshaus
brachte ihnen Segen, Heil, Glück, Zu
friedenheit und wahre Herzensfreude.
Nicht von stolzen, gelehrten Profes
soren kam das Heil in die Welt, son
dern aus dem armen kleinen Häus
chen von Nazareth und den schwieligen
Händen armer, ungelehrter Fischers
leute.
(Fortsetzung folgt)
College eintreten toiro. vieler Blin
dendienst wurde vor sechs Jahren
vom Hilfsbischof Bernard I. Sheil
von Chicago zum Besten der Blin
den eingeführt.
Henry Kaiser, der Zauberkünstler
(Fortsetzung von Seite 7)
Henry Kaiser wurde als Sohn ei
ner armen Familie in Canajoharie
im Staate New Jork geboren. Im
Alter von elf Jahren verließ er die
Schule und begann sich als Gehilfe
eines Photographen feinen Lebens
unterhalt zu verdienen. Noch bevor er
20 Jahre alt war, hatte er sich ge
nug Geld gespart, um das Geschäft
seines bisherigen Arbeitgebers zu er
werben. Als Potrträtphotograph ver
brachte er damals seine Sonntage in
Lake Placid, die Winter in Florida.
Er lernte auch seine Frau durch die
sen Berus kennen nämlich, als sie zu
ihm kam, um sich photographieren
zu lassen.
Um sich als verheirateter Mann
ein gesichertes Einkommen zu ver
schaffen, ging er damals nach der
Westküste und wurde Vertreter einer
Straßenpflasterungsfirma. Im Jahre
1913 machte er sich auch in dieser
Branche selbständig. Acht Jahre später
erhielt er den Auftrag, die Straßen
Californias zu pflastern und zog nach
Oakland. Ein Auftrag, 300 Meilen
Straßen in Kuba zu asphaltieren,
folgte. Später war Kaiser auch als
Geschäftspartner von Konstruktion
firmen an der Errichtung von Schleu
sen im Panama-Kanal und beim Vau
des Marinefliegerstützpunktes in Cor
pus Christi, Texas, beteiligt.
Nach Fertigstellung des Boulder
Dam wurde ihm die Bauleitung für
Ifen Bonneville Dam in Oregon und
den Grand Coulee Dam, den größten
bislang errichteten Staudamm, über
tragen. Kaiser baute eine eigene Mag
nesium fabrif zur Belieferung der
Flugzeugindustrie und schon im Fe
bruar dieses Jahres war das Werf
in der Lage, genügend Magnesium
zu produzieren, um Teile für 9000
schwere Bomber jährlich herzustellen.
Der Vorteil des Magnesiums liegt in
seiner Leichtigkeit, wiegt es doch un
gefähr ein Drittel weniger als Alu
minium.
Im vorigen Jahre übernahm Hy.
Kaiser vier Werften an der Westküste
und beschleunigte den Bau von Liberty
Shiys auf einen. Durchschnitt erst von
72, später sogar 46 Tagen, während
sonst dafür 150 Tage gebraucht wur
den. Die Rekordzeit von Kiellegung
bis Stapellauf war 14 Tage, eine
Bravourleistung, die aber nicht als
Norm dienen kann.
Auf Grund seiner Erfahrungen
beim Bau der Staudämme ging Kai
ser dazu über, die verschiedenen
Schiffsteile separat massenweise herzu
stellen und dann zusammenzusetzen,
anstatt bei der traditionellen Schisfs
baumethode zu bleiben, das einmal
auf Kiel gelegte Schiff allmählich auf
zubauen. Wie die Automobilindustrie,
hat auch Kaiser Arbeiter und Mecha
niker, die für jeden Arbeitsvorgang
Spezialisten sind.
Und schließlich beschritt Kaiser auch
in sozialer Hinsicht neue, bahnbrechen
de Wege: Er ist der Ansicht, daß daS
Verhältnis zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern das Hauptproblem
unserer Wirtschaft ist. Er tot einmal
den Ausspruch: „Es gibt zu jeder
Frage drei Ansichten meine, deine
und die richtige." Ferner ist er
überzeugt, daß Gewaltmethoden letz
ten Endes versagen müssen. Seine
Kontrakte mit der American Federa
tion of Labor sehen denn auch vor,
daß weder Streiks noch Aussperrun
gen zugelassen sind, und daß alle et
waigen Streitfragen im Vermitt
lungsverfohren geschlichtet werden
sollen. Ueberdies sorgt er auch in viel
facher Hinsicht für feine Belegschaft:
Auf seinen Werften an der Westküste
z. B. stehen den Arbeitern für sieben
Cents pro Tag $2 im Monat
ärztliche Hilfe, Behandlung, Hospital
aufenthalt in beispielgebender Forig
zur Verfügung, ebenso auch ihren Fa
milien. Auch Speise- und Wohnpro
jekte sind von ihm entsprechend aufge
zogen worden.
Kaiser hat oft nicht genug Stahl
für den Bau feiner Schiffe bekommen
können, und fo ging er kurzerhand
dazu Über, sich sein eigenes Stahl
werk zu errichten, wofür ihm die Re
gierung $50,000,000 lieh. Wenn es
gar zu knapp wurde, ließ er sich auch
nicht von Stahlkäufen auf dem
Schwarzmarkte abhalten, denn er er
klärte: Das Land braucht die Schiffe,
und ich werde sie liefern, koste es, waS
es wolle. Kaiser ist überzeugt, daß
nach dem Kriege die Verwendung von
Leichtmetallen den Bau fast aller denk
baren Fahrzeuge und anderer Dinge
revolutionär beeinflussen wird.
Im Juli 1942 bot er der Regie
(Fortsetzung auf Seite 9)

Mittwoch, ben 23. A»gust 1941

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