OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, March 21, 1945, Image 7

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1945-03-21/ed-1/seq-7/

What is OCR?


Thumbnail for

E5''
w
n
i
I
mx*
*.4 -fxv
n
Cf
x.
•f s'
i
r/
A
E
1
r\ K
.,
Mittwoch, de» 21. März 1945
Ewsetzung des Allerhei-
Jltgffett Altarssakraments
(Nach der Stadt Gottes) Einge
sandt von Wm. Spanner, Buffalo,
N. Y.
Nachdem der göttliche Heiland im
Abendmahlshause, wo alle Vorberei
tungen getroffen tooröen waren, an
gekommen war, feierte er mit seinen
Jüngern das gesetzliche Abendmahl,
wobei er in unbeschreiblicher Demut
seinen Aposteln, und selbst seinem
Verräter Judas die Füße wusch. Sei
lte heiligste Mutter Maria war wäh
rend dieser Handlungen gleichfalls im
Abendmahlshause, jedoch nicht im
Speisessai, sondern an einem eigenen
Betörte, von wo sie alles, was ihr
göttlicher Sohn an diesem Abend wirk
te, im Geiste schaute und mitfeierte.
Nach der Fußwctschung setzte sich der
göttliche Heiland mit den 12 Aposteln
wieder zu Tische und verlangte Brot
urid Wein. Das Brot legte er auf ei
nen Teller, vom Weine goß er etwas
in einen bereitstehenden Kelch. Darauf
hielt er eine überaus liebevolle An
rede an seine Apostel. Seine Worte,
die auch sonst immer bis ins tiefste
der Herzen drangen, waren diesmal
wie Feuerpfeile der Liebe, welche diese
wonnevolle Glut der Liebe auch in
den Herzen der Apostel entfachten.
Dann nahm der Heiland das Brot
das auf dem Teller lag, in seine ehr
würdigen Hände und betete innerlich
zum himmlischen Vater um seine Zu
stimmung, daß er kraft 4er Worte, die
er nunmehr aussprechen werde, jetzt
und zu allen Zeiten, solange die Kirche
bestehen werde, wahrhaft und wirklich
in der Hostie gegenwrätig sei.
Darauf erhob er seine Augen zum
Himmel, mit einem Angesichte von
solcher Majestät, daß er die Apostel
und Engel, und selbst seine jungfräu
liche Mutter mit neuer Ehrfurcht er
füllte. Dann sprach er die Worte der
Konsekration oder Wandlung über
das Brot, wodurch er letzteres kraft fei
ner Wesensverwandlung (Transsub
stantiation) in seinen wahren Leib
verwandelte. Die Worte der Konse
kration des Weines sprach er über den
Kelch und verwandelte dadurch den
Wein in sein wahres Blut.
In demselben Augenblicke, da unser
Herr Jesus Christus die Wandlungs
worte vollendete, sprach der ewige Va
ter:
,Dieser ist mein geliebter Sohn, an
welchem ich mein Wohlgefallen habe
und haben werde bis zum Ende Her
Welt. Er wird bei den Menschen blei
ben, solange ihre Verbannung dau
ert."
Dasselbe bestätigte auch die Per
son des Heiligen Geistes. Die heiligste
mit der Person des Wortes vereinigte
Menschheit Christi aber brachte der
im Sakramente seines Leibes und
Blutes verborgenen Gottheit die tiefste
Verehrung «dar. Die jungfräuliche
Mutter bezeigte ihrem im Sakramente
«gegenwärtigen Sohne von ihrem Bet
zimmer aus, mit dem Angesichte auf
der Erde liegend ihre Anbetung.
Dann beteten die Schutzengel Maria
den Herrn an, und mit ihnen taten
ein gleiches alle Engel des Himmels.
.. Alle Apostel und Jünger beteten nach
^AKaßgabe ihrer persönlichen Disposi
'J 'Mionen den Herrn mit tiefster Demut
,j Mnd Ehrerbietigkeit und voll des
tk' Glaubens an denn mit Ausnahme des
--Verräters Judas hatten bereits alle
3r*'
Iii V.2s5C k *, ^mi
den Glauben an dieses große Geheim
nis. Dann hob unser Hohepriester Je
sus Christus seinen fonerierten Leib
und sein konsekriertes Blut in die Hö
he, 'damit alle, welche dieser ersten
Messe beiwohnten, das heiligste Sa
krament nochmals anbeteten. Und dies
taten auch alle.
Bei dieser Elevation wuvde die seligste
Jungfrau und der hl. Johannes in
höherem Grade als die übrigen er
leuchtet. Während unser Heiland sich
selbst das heiligste Sakrament reichte,
sprach er einen Lobgesang zum himm
lischen Vetter und opferte sich im hei
ligsten Sakrament für 'das Wohl der
Menfäftnt auf. Dann itufim er eine
Partikel von dem konsekrierten Brote
und übergab sie dem heiligen Erzengel
Gabriel, damit er sie der seligsten
Jungfrau reiche. Aus der Hand dieses
heiligen Himmelsfürsten empfing nun
Maria die Kommunion, als die erste
nach ihrem heiligsten Sohne, dessen
Beispiel sie durch Selbstvevdemütigung
und Ehrerbietigkeit und heilige Furcht
nachahmte. Das allerheiligste Sakra
ment wurde in der Brust der heilig,
sten Jungfrau Maria, und zwar über
dem Herzen, als in 'dem eigentlichen
Hckligtum und Tabernakel «des Aller
höchsten, zur Verehrung niedergelegt.
Und hier blieb dies unaussprechliche
Sakrament der Eucharistie aufbewahrt
bis nach der Auferstehung des Herrn,
d. h. bis zur Stunde, da der hl. Pe
te. Nach der Kommunion der Hint
trus die erste Messe las und konsekrier
melskönigin überreichte der göttliche
Heiland das konsekrierte Brot 'den
Aposteln mit dem Auftrage, dasselbe
unter sich zu teilen und es zu genie
ßen. Durch diesen Auftrag erteilte der
Herr den Aposteln «die priesterliche
Wurde, welche sie auch alsbald auszu
üben begannen, indem ein jeder sich
selbst kommunizierte, und zwar mit
tiefster Ehrfurcht.
Jesus am Oelberg Trauer
Maria
Durch die im Speisesaale vollbrach,
ten wunderbaren Geheimnisse hatte
unser Heiland Jesus Christus das
Reich begründet und geordnet, welches
ihm der ewige Vater nach seinem un
abänderlichen Ratschluß übergeben hat
te. Darum beschloß er nun in der
Nacht nach dem Abendmahle, den
schweren Kampf seines Leidens und
Sterbens aufzunehmen, durch welchen
die Erlösung der Menschen vollbracht
Ohio Besfc»fres*b
Wir beten Dich an, Herr Jesu Chr ist, und preisen Dich, denn durch
Dein hl. Kreuz hast Dn die Welt erlöst
SV Hp
werden sollte.
Er verließ also den Saal, in wel
chem er so große und wunderbare Ge
heimnisse gefeierat hatte, und zu glei
cher Zckt verließ auch seine heiligste
Mutter ihr Zimmer, um ihm entge
genzugehen. Der Fürst der Ewigkeit
und die Himmelskönigin begegneten
einander, und beider Herzen wurden
«von dem scharfen Schmerzensschwerte
zu gleicher Zeit so schmerzlich verwun
det, daß es die Vorstellung aller Men
schen und Engel übersteigt. Die
schmerzhaste Mutter warf sich zur Er
de nieder und betete ihren Sohn als
ihren wahren Gott und Erlöser an.
Der Herr aber blickte sie mit einem
3
Angesichte voll Majestät und kindlicher
Liebe an und sprach zu ihr nur fol
gende Worte:
„Meine Mutter, ich werde in der
Trübsal mit dir sein vollbringen wir
den Willen meines ewigen Vaters und
das Heil der Menschen!"
Die Himmelskönigin erbot sich von
ganzem Herzen zu diesem Opfer, bat
um den Segen und zog sich dann in
ihr Zimmer zurück.
Während der göttliche Heiland mit
den Seinen nach dem Oelbergs ging,
rannte Judas zu den Hohepriestern
und braute ihnen die Nachricht, jetzt
sei die günstigste Gelegenheit den
Herrn gefangen zu nehmen. Diese
waren darüber hocherfreut und brach
ten bewaffnetes Volk zusammen, um
alsbald zur Gefangennahme des un
schuldigsten Lammes zu schreiten. Un
ser Heiland setzte feinen Weg über
den Bach Cedron bis zum Oelbergs
fort und trat dort in den Garten
Gethsemane Hier sagte er zu den
Aposteln:
„Setzet euch und wartet, während
ich mich ein wenig entferne, um zu
beten betet auch ihr, damit ihr nicht
in Versuchung fallet."
Dann ließ der Herr acht Apostel zu
rück und begab sich mit dem hl. Pe
trus, Johannes und Jakobus an einen
«andern Ort, wo er von jenen weder
gesehen noch gehört werden konnte.
Hier bot er sich aufs neue dem himm
lischen Vater als Sühneopfer an, um
'von feiner Gerechtigkeit die Erlösung
des ganzen Menschengeschlechtes zu er
wirken. Er erlaubte den Peitten sei
nes Leidens und Todes den leidensfä
higen Teil seiner heiligsten Menschheit
zu treffen, und hob von nun an den
Trost und die Erquickung auf, welche
-p. V.4.
ihr von ihrem leidensunfähigen Teile
zuströmen konnten, damit infolge die.
ser Verlassenheit seine Leiden und
Schmerzen den höchsten Grad erreich,
ten. Der ewige Vater aber gewährte
und genehmigte dies alles nach dem
Willen der heiligst» Menschheit seines
göttlichen Sohnes.
Nun ergoß sich das ganze Meer der
Leiden in die heiligste Seele Jesu. In
lgroßr Angst und Traurigkeit sprach er
zu den drei Aposteln: „Meine Seele
ist betrübt bis in den Tod." Darauf
entfernte sich der Herr eine kleine
Strecke weit von den Aposteln, warf
sich auf sein heiliges Angesicht zur
Erde nieder urtd betete zu seinem ewi
gen Vater:
„Min Vater, wenn es möglich ist,
so gehe dieser Kelch an mir vorüber.
Doch nicht wie ich will, sondern wie
du willst."
In dieser äußersten Betrübnis er
hielt der liebevolle Heiland Trost und
Stärkung durch den hl. Erzengel Mi
chael. Der Herr ging in den Zwischen
zeiten, die er in seinem Gebete ein
tritt iß, zu dn Aposteln fand sie aber
wieder schlafend. Dann sprach er zu
Petrus:
„Simon, du schläfst? Nicht eine
Stunde konntest du mit mir wachen?"
Darauf wandte er sich an alle und
sagte:
„Wachet und betet, damit ihr nicht
in Versuchung fallet denn meine und
eure Feinde schlafen nicht wie ihr."
Die seligste Jungfrau, welche mit
den anderen hl. Frauen im Abend
mahlhause geblieben war, schaute im
himmlischen Lichte alle Handlungen
und Geheimnisse ihres heiligsten Soh
nes im Garten in höchster Klarheit.
Während sich die reinste Mutter Maria
mit den drei Marien zurückzog, be
gann sie große Traurigkeit und Angst
zu empfinden und vergoß blutigen
Schweiß, wie unser Herr Jesus Chri
stes. Auf Anorodnung der allerheilig
sten Dreifaltigkeit wurde der hl. Erg.
engel Gabriel abgesandt, Maria zu
trösten. Inzwischen kehrte der Herr
zum dritten Male zu seinen Jüngern
zurück, und da er sie schlafend antraf,
sagte er:
„Ihr könnt wohl schlafen und ru
hen, denn die Stunde ist gekommen,
da ihr den Menschensohn in die Hände
der Schacher überliefert sehen werdet.
Doch es ist genug. Stehet auf, lasset
uns gehen, denn der mich verkauft hat
und überliefern Wied, ist nahe."
Dann standen sie auf, der Herr aber
kehrte mit den Dreien an den Ort zu
rück, wo er die übrigen acht Apostel
zurückgelassen hatte. Er fand auch die
se schlafend, infolge ihrer großen
Traurigkeit waren sie vom Schlafe
überwältigt worden. Er gab den Apo
steln insgesamt nochmals eine Er
mahnung, um sie auf die bevorstehen
den Ereignisse vorzubereiten. Nun
hörte man schon den Lärm der Sol
daten und Schergen, welche kamen,
den Herrn zu ergreifen. Der Sohn
Gottes trat ein wenig vor, um ihnen
entgegenzugehen. Nun trat Judas vor,
um seinen Genossen das verabredete
Zeichen zu geben. Der Verräter gab
nun dem sanftmütigsten Herrn den
Kuß des Friedens mit den Worten:
„Vei gegrüßt, Meister!" Der liebe
Heiland aber sprach zu ihm voll Liebe
und Sanftmut:
„Freund, wozu bist du gekommen?
Mit einem Kusse verratest du de
Menschensohn."
(Fortsetzung auf Seite 8)
ÄkiÄ&lldiü v-äSS* JUHfL
,'4
V'

xml | txt