OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 12, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 6

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1945-07-12/ed-1/seq-6/

What is OCR?


Thumbnail for

Der Münüerturm am Horizont
Historischer Roma« von Friedrich Singer
(Fortsetzung)
„xvQ toas springt ihr denn wie die
Hasen, loeitn'y nichts ist? Also: Wir
sind bereits drunten an dem Albslusz
im Städtlein Ettlingen, so überfällt
uns der Monsieur Turenne plötzlich
mit seiner kleinen Schar und bekommt
die Anführer- in die Hand. Der Ge
ncral Rosen liegt schon im Kerker zu
Philippsburg. Zwei Regimenter sind
wieder zu ihm übergetreten wir an
dern acht aber sind kurzerhand weiter
marschiert über Sinsheim bs-i an die
Tauber. Bei Königshosen IM er uns
noch einmal eingeholt es gibt ein
Gefecht, aber nur wenige Verluste,
und der Rest von uns entkommt. Na,
die Kameraden sind vollends gen
Norden wollen zu den. Schwedischen,
die in Westfalen unter'm General Kö*
nigsmarck stehen ..."
„Und it V"
„IchV Heb den Kriegsschwindel
völlig satt gehabt! Hab mich auf mei
nen Braunen geschmissen und bin un
bemerkt heimgeritten durch dick und
dünn. Hab gedenkt: Mnszt doch sehen,
ob in unserm Ländle noch ein
Schwänzlein zappelt von einem Re
genmoller! Somit: Gefahr vom Heer
droht keine mehr! Hopst nur wieder
aus euern Gebirgshöhlen heraus, ihr
Angstfüchse! Der Krieg stirbt ohnehin
an seiner eignen Pest!"
Christian erhob sich ,zog den Leib
gurt fester, riß die Muskete an sich,
probte deren knackenden Hahn und
stellte sich breitspurig an die Tür.
„So, ich glaub, bis übermorn ist
dir's auch besser, Bruder. Ich komm
dann mal rauf, wenn wir wieder im
Ort vorn sind. Behüt euch Gott bei
sammen! Pfleget ihn gut, gelt?"
Er ging hinaus in den hallenden
Flur.
„Ja, was fällt dir ein?" zeterte
die dürre Kresenz. „Du hast ja einen
heidenmäßigen Sindelhoser-Dickschä
del! Willst es wirklich wagen?"
„Laß ihn doch, wenn's ihm Spaß
macht!" sagte die Karline breithin
lachend. „Der Gallheimer wird ihm
schon heimzünden!"
„Muh es denn sein, Büebl?" jam
merte die hagere Kresenz und streckte
ihren Flechsenhals wie eine brütende
Truthenne vor. „Kannst es doch auf
mornemorgen verschieben!"
„Keine Sekund verschieb ich's!"
polterte Christian heraus. „Wer ge
sehen hat, wie die armen Leut in
Elend und Eis kampieren in ihren
schlechten Heuhütten und Glasmacher
häuslein, der u dafür sorgen,
daß sie keinen Tag länger im Raben
loch bleiben, als es nottut!"
Er nahm den Sperrbalken von der
Tür.
„Hat auch der Gaul was?" fragte
er noch und zündete schnell mit einer
der Base abgenommenen Laterne in
den Stall.
„Der ist versorgt, Büebl, wenn's
auch fein Haber ist!"
»Aber sell sag ich euch," entgeg
nete der Christian im Gehen, „einen
alten Esel wie mich tituliert man
nimmer Büebl! Adjes!"
Sprach's und stapfte in den Schnee
hinaus, die Flinte über'rn Buckel, die
Pistole des Bruders schußbereit in der
Faust.
Es war schon wieder neuer Schnee
gefallen Christian hatte mit seinen
Stiefeln nur so zu stelzen, bis er den
Rank bekam nach rechts um den Hör
renberg, über das untere Luttenbä
chel, das völlig vereist im tiefen
Schnee und Zapfenpanzer stak und
nur aus der weißdämmerigen Mulde
heraufgluckerte. Er ermüdete sehr
rasch: unter furchtbaren Anstrengun
gen ging's die andre Seite den Buk
fei hinauf, dachgäh, vielmals zurück
rutschend.
Christian hielt feuchend inne der
Schweiß trat ihm aus die Stirn, er
bekam feine Luft mehr, er hustete und
röchelte in die brennendkalte Winter
nacht hinein. Die Nase gefror ihm zu,
die Ohren waren zwei steifabstehende
Eisbretter, die Augen zwinkerten un
ter gefrorenne Tränenperlen. Da pack
te den einsamen Menschen in der
Schneewüste eine jagende Angst:
„Werd ich's zwingen?" Er stand und
lauschte in die Nacht hinein. Waren
das nicht wieder Kanonenschläge, die
durch die diesige Luft aus ungeheurer
Weite daherrumpelten? Irgendwo im
Elsaß mochte wieder ein Tressen wü
ten um eine Schanze zwischen Kai
serlichen und Franzosenvölkern
Ganz schwach leuchtete am West
horizont ein Lichtschein gen Himmel,
an dem sich ziehende Schneewolken
fetzen braunviolett abhoben. Das
konnte bloß Straßburg sein, die edle
freie Reichsstadt! Frei? Wenn sie den
Turenne ein- und ausließ? Oh,
wankt denn alles in der Welt? Ist
nirgends ein Halt mehr für einen
ehrlichen deutschen Menschen?
Christian watet durch den knie
hohen Schnee, stolpert über Baum
wurzeln in den Wald hinein, rafft
sich hundertmal auf, schmeißt die Pi
stole weg, sucht sie mühselig aus ei
ner Windswersete, in der er mit flam
men Fingern um- und umrührt, steckt
sie endlich in den Ledergurt und
nimmt die Musfete vor.
Wölfe? Nein, das weiß er mit Sie
geszuversicht: denen haben sie das
letzte Lebenslicht ausgeblasen! Es
wird ihm feiner mehr begegnen
Aber ein seltsames Grauen be
schleicht ihn. Was will denn er so
mutterseelenallein im Glaswald?
Mit Schaudern denft er an die letz
ten Worte der Basen. Gallheimer, ar
mer Teufel, wie lang mußt du noch
umgehen in der verrufenen Gegend?
Galleiihahn, es geschieht dir aber
kein Unrecht! denft der Christian, du
hast ja nur zu büßen, was du gesün
digt hast! Warum hast du auch das
Fronbäuerle, das dir aus Kummer
über seinen zerfressenen Kleeacker dein
gräfliches Wild wegschießen wollte,
auf den lebendig gefangenen Hirsch
gebunden und in der Wildnis und
Meid, in Hecke und Dorn zerreißen
lassen, vom gehetzt davonrasenden
Tier elendiglich zu Tode geschleift?
Nun mußt du halt umgehen, bis dich
einer erlöst!
lenhahn, arme Seel, laß mich unge
schoren, ich hob nichts mit dir zu tun!
Dem Christian sträubten sich die
Haare, der Todesschweiß föchte auf
der Stirn. Er stand wie angewurzelt.
Dort: das Sicht weh, die feu
rigen Augen, die vorkraibelnde
Hand? Nichts! Unsinn
»Laß mich in Ruh!" schrie Chri
stian grimmig hinaus.
„Uuuh
Hohl hallte das Echo in den ver
eisten, schallgierigen Todestalen, und
ein gebrochenes Bocksgelächter fam
bongen Felsen und Schrofen zurück.
„Schluß!" brüllte Christian und
walzte weiter durch den Schnee.
Da die Haare stiegen ihm senk
recht, ihn überfam ein entsetzliches
Zittern, ein herztiefes Erschrecken.
Bon hinten kam einer, stieg ihm über
die Achsel, sprang schwarz über ihn
vornab, gewichtlos
O Gott oh Verflucht noch
mal! Der eigne Schatten war's,
den der heraustretende Mond bei der
eben vollzogenen Wendung von hin
ten her dein Burschen vor die Füße
geworfen hatte!
Erschöpft, unfähig eines Wortes,
sank Christian in die ochneegrube
Da brach's polternd vor ihm durch
die Stämme, schwarz, unheimlich, to
send, grunzend, quikend, ästefnackend
Er fuhr auf, riß die Flinte an den
Backen: Scharf krachte der Schuß
Eine Horde Wildsäue war es, zum
Donnerwetter! Und eine Sau hatte
er glücklich hingelegt. Christian lach
te wild aus, schaute sich den Platz an
und lief bergab.
Die Kniee versagten den Dienst,
doch er sank jetzt von selbst nach vorn.
Er rutschte den Buckel hinab, stieß an
die silbernen Buchenstämme, die im
Mondstrahl aufleuchteten, er sprang
in den Bach, glitt auf dem fpiegel
glatten Gumpen aus, gampte drüben
hoch, erkletterte die Böschung, gesühl
los, gedankenlos. Endlich im Raben
loch!
„Halt! Wer da?" rief einer und
zielte auf ihn.
„Nix halt! Ich bin's, der Chri
l'tiaii! Frieden gibt's!"
„vch glaub's bald!" erwiderte
hohnlachend der Steinhauer-Philipp.
„Wirst es bald glauben, wenn's
morgen für geht in's Dorf."
„vXst aber auch hohe Zeit." seufzte
der Posten, „es sind wieder drei am
Sterben in den Hütten."
..Du. Philipp, magst Wildsaubra
ten?"
„Ha jo, warum nit?"
„Komm, da oben liegt eine Sau,
ich Hab ihr vorhin das Lebenslicht
ausgeblasen."
Sie gingen durch den Bach zurück,
packten die schwere Sau und schlepp
ten sie an Vorder- und Hinterläufen
ab.
Am andern Morgen strahlte die
Sonne auf den Glitzerglast: Millio
nett gefrorener Kristalle blinkten aus
allen Tiefen und Höhen, der Grinde
rücken stand in feierlichem, reinstem
Weiß^und nur ein paar seine Schleier
von Schneedampf umwallten zärtlich
die strenge Stirn des Riesen. Chri
ftiem stand am Bergbrunnen, zerschlug
einige Eisbritfett, wusch sich in dem
nur noch leisö tröpfelnden Wasser Ge
sicht. Brust und Rücken und zog sein
zerfetztes, elendes Hemd über. Er
dampfte vor glühender Kälte.
Das Theres! kam aus der Hütte
gesprungen, und er neckte sich mit ihm.
Sie versuchte Schneeballen zu ma
chen und den großen Bruder zu be-
OHIO WAISENFREUND
Biottmtf* in (Ebtim
0
An vielen Gegenden von China besteht ein derartiger Priesterman
gel, daß meistens die Kinder von Sä,western oder Katcchisten getauft
werden müssen. Wie jeder Katholik iuris?, kann die Taufe im Notfall
von irgendjemand gespendet werden. Einzige Voraussetzung ist, daß
der oder die Betreffende tatsächlich die Taufe spenden will und, indem
er einfaches Wasier (es muß nicht zurrst geweiht sein) über das Haupt
des Täuflings gießt, dabei die Worte spricht: „Ich taufe dich im Na
men des Baters und des Sohnes und des Hl. Geistes."
werfen: doch der Schnee zerstäubte
zu unschmiegsamem Pulver, und nur
ein feiner Regen spitzer Splitterchen
riefelte auf Christians Gesicht. Er
packte das Schwesterle und warf es
in den Schnee: sie wälzte sich ver
gnügt, strampelte mit den Beinen
und krähte lustig in den sonnengoldi
gen Schneegebirgsmorgen, art dessen
unermeßlichem Blauhimmel nur ei
nige verschwommene, träumerische
Bauschwolken hinzogen. Streng und
scharfgeschnitten hoben die schwerbela
denen Taimen aus den Steilhöhen ih
re Silberwipfel in's überirdische
Licht. Ein Blenden und Blinken war
überall, daß das Kind seine Augen
schloß und sie schmerzhaft rieb.
„Denf nur, Theresl!" begann der
Bursche. „Was meinst, wer gestern
gekommen ist?"
„Mueder und Vatter, gelt?"
Christian wurde wieder traurig
nicht aus nagendem Gram, sondern
vor Scham, daß er in letzter Zeit so
blutwenig an die toten Eltern gedacht.
„Nein, denf dir: ein Brueder
ja, so einer wie ich, bloß größer.
Weißt, ein Kriegssoldat! Uebermorn
gehn wir zum Grobenhos und sehen
ihn. Freust dich auf den Gottfried?"
Das Kind sah ihn staunend an und
nickte ohne rechtes Begreifen.
„Und die Lioba?" fragte es zag
haft.
Christian schaute weg. War die
Sonne zu strahlend geworden, oder
lagerte der Schatten zu grauenvoll in
der Tiefe der Kluft?
Vor der Hütte des Basler-Lenz war
bereits ein Platz schneefrei geschaufelt.
Lochhofer hatte einige Bengel
eingeschlagen, sie mit Granitwacken
gestützt und oben zu Pflöcken zusam
mengebunden. Der Schmied-Taver,
der alles tonnte, hatte die Sau abge
zogen, ausgenommen und zugerichtet,
und nun stuf sie am Spieß und brot
zelte, und der Steinhauer-Philipp
kniete dabei, fing das abtröpfelnde
Fett auf und goß es wieder aus den
großen, herrlich duftenden Braten.
Es war eine junge Sau, und das
Fleisch, von dem der Steinhauer schon
mit seinem Sackmesser einen Schnitz
herabgehauen hatte, war ihm, wie er
frohlockend verkündigte, aus der Zun
ge geschmolzen. Den andern lief das
Wasser im Munde zusammen.
Allmählich hatte sich das halbe
Dorf versammelt bis auf die Siechen
und bresthasten Alten, die bei der bö
sen Kälte die Hütten hüten mußten.
Ter junge Pfarrer aber brachte den
Albert mitgeschleppt und setzte ihn
aus j)ie Bank vor'm Häusle.
„So. das ist aber recht, daß u
kommst!" sagte die Heimburgin.
„Gelt, willst auch von unserm Staats
braten schmausen?"
Da lachte der Bursche und schob
seine Krückstöcke, die ihm der Xaver
aus zwei PfaffenfäppIeSbengeln ge
schnitzelt hatte, weit von sich.
Das Dorf: Männer, Weiber und
Kinder, stand Kopf an Kopf um den
Platz.
„Leut," rief der Heimburge Basler,
„nach dem Schmaus geht's wieder für
in's Dorf! Frieden wird's geben, fell
glaub ich jetzt selber auch, wenn als
gemach die Regimenter denen Gene
rälen davonlaufen!"
„Wenn der Krieg wirklich ab
stirbt," setzte der Pfarrer hinzu,
„dann werden aber hunderttausend
-SOLDATEN frei mit ihrem ganzen An
hang von Gesindel, Dirnen und Troß
buben. Ich weiß nur zu gut, wie solch
vi
ein Heerschwanz anno zweiuntdrei
liig im Kinzigtal gehaust hat zehn
mal ärger als die Regimenter selbst!
vi'tzt heißt es, noch fester zusammen
halten und auf der Hut sein. Sonst
sind wir im Nachkrieg eher verloren
als wie im Krieg selbst!"
„Na. mir ist nit bang," bräftchte
der Kuhsepp dazwischen „wenn ein
zehn Jahr lang gedienter Soldat wie
der Benkeser-Gvttfried uns führt,
wird's recht!"
du, Sepp, wirst fein bester
Musketier!" versetzte der Steinhauer
Philipp.
„Was, Kuhsepp?" tobte der Ange
redete, und die Stirnaber schwoll ihm
blaurot. „Wer probiert's, mich noch
mals zu reizen?"
Er rempelte den Steinhauer an,
und die Hand fuhr verdächtig zum
hintern Hosensack, aus dem der Griff
des Stoßmessers herausragte.
„Halt doch deine Lapp, deine fre
che schrie ihn der Xaver erbost an.
„Du Händelstifter, du Messerheld!
Er hat ja gar nicht Kuhsepp gesagt!
,D u, Sepp', so hat das geheißen.
Du Liedrian, du einfältiger!"
Ter Gescholtene blickte bedäppt im
Kreise herum: seine wässerigen
Schnapsäuglein zwinferten heimtüf
fisch.
„Stimmt das?" fragte er und trat
in die Mitte des Kreises zurück.
„Wird stimmen, du Schnapser, du
verrückter!" schrie es von allen Sei
ten.
Ja, alle Namen ließ er sich lie
ber gefallen als den einen harmlosen,
auf den er scharf war seit einem Vier
teljahr!
„So," sagte der Xaver mit sieges
bewußtem Lächeln und sachverständi
ger Miene, „die Sau ist gar! Wer da
von will, holt sich einen Hasen, ich
schneid ihm rab, was ihm zufommt!"
Alsbald begann ein Laufen und
Springen, und von den Weibern fam
eins um's andre gerannt mit einem
Gefäß und holte feinen Teil Wild
schwein-Spießbraten.
„Jetzt noch vom Lochhofer feinem
Rebwii dazu!" meinte der Stein
hauer-PhiliPP schmunzelnd.
„Hä, es tut's auch so!" erwiderte
der Xaver breit schmatzend. „Wenn
nur bald Friede wird!"
Nach dem Festschmaus versammel
ten sich die Männer im Grunde. Sie
schoben die Wagen auseinander, die
bald wieder beladen waren. Die
Kranken wurden vorsichtig in Strau,
Decken und Lumpen verpackt, und
lattm'am ging's heimzu.
Viele Wagen mußten von den
Männern selbst geschoben und gezo
gen werden. Denn manche Kuh hatte
sich in der elendigen Kälte den Ver
recker geholt. Wie ein geschlagenes
Häuflein marschierte der Zug nach
dem Dorfe, das er vor Wochen ver
lassen.
Aber mit dem Frieden war es noch
nichts: die Hl. Nacht fam, und der
Pfarrer Danile Künzig predigte un
ter'm Notdach des Kirchleins vom
Frieden auf Erden, der allen Men
fchen zuteil werden solle, die eines
guten Willens seien.
S i n w i n i u e n W i e n s
fragte er selber in flüfteaufreißender
Wahrheitssuche. „Beten wir nicht
schon zwanzig, dreißig Jahre zum
e o u i e e n a e n w i
gemordet, geraubt, geplündert, ge
schändet, gesoffen, gegaunert? Ist
nicht vielmehr euch armen Bauern
der faiferlichen Ortertau all das oh.
iL'
ne euer Zutun geschehen von Schwe
den, Franzosen, Weimaranern, ja,
von den Reichsvölfern selbst zuwei
len, die vorgaben, für die Erhaltung
eurer angestammten Religion zu
fämpfen, und doch nur den Bauern
auszusaugen gefommen waren? O
Herr des Himmels, heiliger, allmäch
tiger Gott: Wie lange willst Du die
Greuel der Verwüstung in unserm
teutschett Vaterlande Noch zulassen?
Sind nicht Mißwachs und Teuerung
Strafen genug für den armen Klein
bauern und Fröner, der nichts hat
als seine paar Riemen Feld und sein
Rebgütel, auf dem nur alle zehn Jah
re ein edler Tropfen wächst? Was
mußt Du noch mit solcher Feuergeißel
ihn peitschen und zu Tode martern
lassen? O du grundgütiger, großer,
unbegreiflicher Gott! (Der Pfarrer
warf sich auf der Kanzel in die Kniee,
und die Dörfler, Männer, Frauen
und Kinder, stürzten ergriffenen Ge
mütes, frei ihren Tränen Lauf las
send, auf den nackten, falten Sand
steinboden, ihre Finger verframpfend
und die Hände zum Himmel erhe
bend.) O Du alleinziger Gottvater,
der Du uns erlöst hast durch Deinen
eingeborenen Sohn Jesus Christus
und uns den Hl. Geist gesandt hast,
um uns zu erleuchten und zu stärfen
in der Finsternis und Bangigfeit:
Herr des Himmels und der Erde, sie
he, wir föimen schier nimmer durch
unser Meer des Elends waten! Er
barme Dich, erbarme Dich endlich
über Dein armes, zertretenes teut
sches Volf, das emttoch an Dich glaubt
und die Mantelsäume Deines herrli
chen Wesens nicht losläßt in inbrün
stigem Bitten und Flehen! Nein, wir
wissen nicht, wozu das alles gut ist,
was Du an uns auläffest doch Du
wirst Dich unser erbarmen Unsre
ganze Kraft, den letzten Rest unsres
Vertrauens, ballen wir noch einmal
zusammen und legen ihn Dir vor die
Füße. Herr der Heerscharen, hilf uns
endlich! Gib uns den ewigen Frieden!
A e n
Ein einziger Schrei und Seufzer
scholl durch die Kirche, bis er sich in
stilles Schluchzen und sanftes Gerte
fei wohltätiger Zähren löste. Gedachte
doch ein jedes der Angehörigen, die
ihm der Krieg entrissen, und die jetzt
so gut und friedlich, o so beneidens
wert! unter'm Rasen schlummer
ten. Und siehe, die ganze Gemeinde
ging zum Abendmahl und verbrüder
te sich, und heiligmäßige Gesichter sah
matt leuchten, wenn mit der empfan
genen Hostie die frommen Frauen
und die harten Männer vom Altare
zurückkehrten an ihren Platz. Das
Flügeln und Wehen des Hl. Geistes
hauchte hörbar durch den engen
Raum, und wenn je das Flehen einer
Gemeinde Gott angenehm war, so ge
wiß dieses
„So schön hat er noch nie gepre
digt!" sagte die Baslerin auf dem
Heimweg zu der Steinhauers-Agnes.
„Ja, nur zu herb ein bissei!"
„Aber was soll er Süßes predigen,
wenn's halt herb ist derzeitig?"
„Wohl, es ist wahr doch es fommt
wohl bald anders."
SAVE FAT
IT WILL
12. Jail
Auch die Statinen standen Grüm
pen beisammen und besprachen ine
Worte des Pfarrers. Das hatte sie alle
gepackt im innersten Herzen sogar
der Kuhsepp und der Bachinärtel stan
den still und feierlich gestimmt untti?
den Linden vor dem Kirchlein.
„Es muß jetzt anders werden l"
sagte der Benkeser-Gottfried, der mit
seinem blonden Haar und strammen
Schnauzer hoch aus allen ragte.
„Hä, der Gottfried ist auch wieder
da!" rief der Xaver froherstaunt. „Bist
wieder gesund völligst?"
„Ja, es geht wieder," entgegnete
der Angeredete und gab den Män
nern die Hand. „Es ist halt weit vom
Grobenhos rab, wo ich bei den Basen
Haufe, vorläufig. Aber im Frühjahr
bau ich den Sindelhof wieder auf,
egal, ob Krieg ober Frieden!"
Und so geschah's. Ein rasches, mil
des Frühjahr setzte ein schon im Mär
zen bedeckten sich die Matten mit Tau
senden von toeißsternigen Buschwind
röschen. Lustige Bächlein von Schnee
schmelzwasfer gluckerten schäumend
über die Hänge, und in den saftigen
Gründen sproß das fette Gras so üp
pig wie nie. Ein Leben regte sich im
Dorfe, ein zuversichtliches Schaffen
und Schanzen.
„Hei," sagte der Maurer-Valentin,
dem der Christian half, die Backsteine
abladen, „es ist schon so, der Friede
kommt! Der Xaver ist gestern in
Bühl auf dem Märkt gewesen. Sie
hocken wieder dran im Westfälischen
drunten, es muh klappen bis zum
Sommer."
„Ernsthaft?"
„Ernsthaft diesmal!"
Sie schufteten wie die Wilden das
rote Backsteinmehl flog über Hemd
und Hose und stob in Wolfen übet'8
blumige Mattengras.
„Glaubst du, daß der Sindelhof
steht bis zur Heuet?"
„Er muß!" sagte der Gottfried, der
um die Ecke fam, wo er die brauch
baren Balken sauber aus den ver
brannten aufgeschichtet hatte. „Die
ganz schweren eichenen sind noch alle
Hut," sagte er zum Zimmer-Fritz.
„Die nehmen wir wieder," versetzte
der dicke Zimmermann „und die
Hauptsache: der Hausbalfen ist noch
ganz! Der bleibt stehen! Da, lies nur:
Der aide God lebt noch!"
„Ob er noch lebt oder nicht: aufge
baut wird!" erwiderte der Gottfried
gleichgültig und entblößte die muS
felstarfen Arme.
Christians Hand fuhr ehrfürchtig
über die verwitterte Inschrift.
Alle arbeiteten unverdrossen wei
ter.
Es wurde aber Sommer, und die
Bauern holten die Ernte heim, die
nach der späten Aussaat spärlich stand.
Sie herbsteten die Trauben und fam
.leiten die Kesten in den Hoivcn, und
immer noch wußte man nichts Ge
naues.
(Fortsetzung folgt)
& PUT JWTD
REMOVE
THE MG£MTL V M££PEP GfXASE!
WUOLZIOME

I ch? O nein, Graf Gal-
Photo Features
WASTE FAT GOES TO WAR
TAKE EVERY DROP OF FAT ANP
GR£AS£ NO LONGER USEFUL A*
FOOD W YOUR MEAT DEALER/
EMPTY CAMS ARE SALVAGED
FOR DETIWNING
BE COLLECTED
HUGE PRESSURE
COOK
CM TO
MEAT, BONES 4MP CRACKLIN65
EXTRACTED FROM USED FAT
MAKE
PURE- TALLOW BECOMES 6LVCEKINE IMC
FOR GUNPOWDER AMP LIFE SAVINS MEDIC I
MALS
ANIMAL FOOD

xml | txt