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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 16, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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W.At|art
Ver MunLerturm ant Horizont
Historischer Roma» boe Friedrich Siuger
(Fortsetzung)
Und er kam auf den Paß und stand
in tiefem Erschrecken: Von drüben
stieg eine weibliche Gestalt ihm ent
gegen, einen Korb am Arme und den
Blick still zu Boden gesenkt. Ein Blü
hendes junges Gesicht sah auf, zwei
stillbekümmerte Augen starrten ihn
fremd an ein Leuchten kam in sie,
ein seliges Erkennen:
„Lioba I"
„Christian!"
Diese zwei Seelenschreie mischten
sich, zerrissen die linde Luft und über
wältigten den jahrelang getragenen
Gram. Die beiden Menschen flogen
sich in die Arme, bebten an allen Glie
dern. Kein Kuß, fein Händedruck!
Nur ein stummes Aneinanderlehnen
und Hineinträumen in die herrliche,
lenzerschlossene Landschaft
Endlich fragte Christian: „Und
jetzt, was hast du eigentlich wollen?
Warst bei den Basen?"
„Nein. Zu denen Hab ich mich nim
mer getraut. Aber den Sindelhof
wollte ich noch einmal sehen von hier
oben, und dann gehen für immer ..."
„Ja, jetzt gehst du für immer!
Aber mit mir, Schatz I"
Und stolz schritten sie nebeneinan
der dem Hofe zu.
Z w ö e s K a i e
Die Brautfahrt
„Guete-n-Obed au, Gottfried!"
grüßte der Christian aus halber Ver
Iegenheit heraus. „Ein Mockele Hab
ich bringen sollen, und mit zwei so
netten Tierle komm ich wieder!"
Er tatschte mit der Rechten den
feisten Bug der Rotscheck und wies
mit der Linken auf das stattliche
Mai die, das ohne eine Spur von
Scheu dem Altsoldaten entgegenging.
„So das ist jetzt die Lioba?"
rief tieferstaunt der Gottfried und
reichte ihr freudig die Hand. „Gehört
Hab ich schon von dir im Dorf na
türlich, nicht von dem Duckmäuser!"
Mit sichtlichem Wohlbehagen überlie
fen feine kennerischen Augen die
Magd. „Erst das Kühlein in Stall,
dann das Maidle in die Stuben!
Christian, mach gleich Heu runter!"
„Und gemolken gehört sie auch!"
sagte die Lioba, ging mit dem Küehle
in den Stall, holte, als wäre sie nie
fortgewesen, den Melkstuhl und be
gann zu melken.
Gottfried, der ihr das Gefäß aus
der Küche zugebracht hatte, strich nä
her um sie herum, als nötig war.
„Wir haben uns bislang geholfen,
wie es so zwei Junggesellen halt zu
wegbringen," sagte er entschuldigend.
„Es ist "icht alles im Schuß, wie sich's
gehört. Aber eine so stramme Köchin
wie de Äoba, die wjrd's Herrichten
helfen, bis die junge Frau einzieht.
Wo kommst auch her? Bist lang fort
blieben, Maidl!"
Der Christian kam in der Scheuer
draußen an der Wand Herangc»
schlorpt, schlug den Futterladen auf
und stopfte Heu in die Raufe. Begie
rig fing das Wälderkühlein an zu
malmen, und der Duft der frischen
Milch und der Fellgeruch des saube
ren Tierleins mischten sich herb mit
dem Atem und Wesenshauch des voll
erblühten Mädchens. Mit besorgten
Blicken maß Christian die beiden
Menschen im Stall. Bei Gott,'ein
prächtig Paar! dachte er. Und eine
Angst stieg in ihm auf, die auf dem
Wege zum Hof herab schon insgeheim
in ihm gewurmt. Der Gottfried sah
des Bruders Blick und Begegnete ihm
finster. Lioba bemerkte nichts von al
ledem sie war Bald fertig, hob den
Eimer mit der schaumigen Milch hoch
und ging in die Küche.
Nach einer Weile saßen sie alle drei
in der StuBe, tranken die kuhwarme
Milch und kauten trockenes Brot da
zu oder tunkten es ein. Lioba mußt?
erzählen, wie es ihr in der Fremde
ergangen in den vier Jahren. Knapp
war der Bericht, und er sagte nichts
Seelisches aus. Sie war gewandert,
bis sie bei einem Bauern im hinter
sten Kappler Tal Dienst fand, und
der hatte sie jetzt nimmer geBraucht
und weggeschickt.
„Und nun?" Begann der Gottfried
lauernd
„Bruder," erwiderte der Christian
stockend, „du hast mir neulich selber
einen Vorschlag gemacht den Hab ich
selbigsmal unbeachtet gelassen. Jetzt
tät ich dich bitten, ihn wahrzuma
chen."
„Ich weiß nimmer, was du meinst,
Christi."
„Ha, das mein ich mit dem Mat
ienstück da unten" er deutete
lurch's Fenster in die Dämmernis
—, „denn wir wollen ein Häusel ha
ben, weil wir heiraten und das.
vielleicht ehnder als wie ihr zwei!"
„heiraten wollt ihr?" rief ier
Gottfried und vermochte seine Bestür
zung nur schwer zu verbergen.
„Ja, was ist dabei?" erwiderte der
Christian sehr ernst. „Es muß ja doch
einmal herauskommen: Ich und die
Lioba sind uns seit je zugetan, und
nur war ich damals noch ein dumms
jungs Bürschtl jetzt sind wir einand
entgegengewachsen: ich Bin älter wor
den, und sie ist jung geblieben!
Oder paßt sie am End nicht fein zu
mir?"
Die Lioba senkte ihren Kopf, der
Gottfried lachte gezwungen laut hin
aus und rief: „Das will ich meinen,
tadellos taugt ihr zusammen, ihr
zwei. Glückauf in Gottes Namen!
Der Mattenhof wird gebaut. Grüß
Gott auch, Schwägerin!"
Er streckte ihr die Hand hin, in die
sie zögernd hineinschlug. Er Behielt sie
länger, als gut war. Aufglühend ent
wand sie ihm die Rechte.
„Und heut nacht?" fragte Gott
fried auf Soldatenweise halb scher
zend, halb anzüglich.
„Sie schläft halt in der Magdkam
mer wie eh', und ich leg mich da auf
die Bank," entgegnete Christian errö
tend.
Es gab.eine seltsame Nacht jeder
der Bruder tauschte gespannt durch's
Haus hin, ob Lioba nun im Bett sei.
Jedes Geräusch eine knarrend sich
entspannende Diele, ein Knacken im
neuen Schrank ließ den Schläfer
auf der Bank aufschrecken. Föhniger
Wind koste um's Haus, strich durch
die Zweige der Kirschen- und Apfel
bäume und weckte die Knospen mit
fünftem Kusse vollends.
Christian erhob sich leise und trat
art's Fenster. Der Vollmond stand
über den Achertalbergen, grünsilbern
schillerte der Tannenrand der stun
denfernen Kammzüge. Unwirklich,
überirdisch weiß leuchtend stand der
Apfelbaum mit seinem rosalichten
Blütentausend im vollen Strahle des
Nachtgestirns. Christian dachte: „O
Gott, dies Glück! Mutter, Vater, wä
ret ihr doch da!" Und er fühlte Lioba
neben sich und spürte wieder ihren
warmen Weibmund und ihren leich
ten, blühenden Atem. Er schob den
Fensterriegel zurück und lehnte sich
hinaus. Kalkweiß hob sich das Hirsch
kreuz am Sträszlein drüben in's grel
le Licht. Christian erschrak in tiefster
Seele. Und dort, war das nicht ein
rotfeuriges Funkeln zweier glühender
Augen? Der Gallheimer?
Atemlos stand der Bursche, ein ei
siger Luftzug hauchte ihn an, ein lang»
hingezogenes Geseufze durchfchauerte
die Nacht Nichts! Eine Schleier
eule huschte als schwarzer Federbtu
ster durch die Luft ihr stockdunkler
Schatten schoß hinter ihr her ein
Stück am Boden hin. Leise machte
Christian zu und legte sich auf die
knarrende Bank.
„Was geisterst denn rum?" ließ
sich der Bruder aus der Elternkam
mer vernehmen.
„Ich kann halt nicht schlafen!" sag
te Christian.
„Geh zu beim Schatz!" höhnte
Gottfried.
Christian schwieg verbissen. Breit
fiel das Mondlicht auf den Stuben
boden
Früh am Morgen, als sich Chri
stian am Brunnenstrahl quickfrisch
gewaschen diese von der seligen
Mutter mühsam eingebleute Buben
tilgend hatte er nimmer aufgegeben,
und es war ihm dabei stets, als stün
de die Mutter unter der Hinteren Kü
chentür und riefe ihm zu: „Mach's
auch gründlich, Christi!" —, ging er
um's Haus, fand die Stalltür offen
und trat Lioba entgegen. Er nahm sie
um die Hüfte und sagte schmeichelnd:
„Nun, wie ist es? Machst du mit? Ich
gehe jetzt gleich zum Pfarrer und be
stell unser Aufgebot. Reut's dich?"
„Wenn's i ch nicht reut und
wenn du mich alte Jungfer magst!"
„Aber Lioba!" rief der Bursche er
schrocken. „Wie kannst du so daherre
den? Ich mag keine Junge, das
weißt! Sie sind mir zu schnippisch, zu
flattrig und zu unernft. Du bist nicht
alt, du bist so jung wie ich!"
„Aber später, wenn ich mal
eine alte Frau Bin von fünfzig
und dann bist du noch immer ein
Mann in der Bollkraft von siebenund
vierzig
„Ja, mach's noch ärger!" sagte der
Christian aufgebracht. „Behaupt doch
gleich, ich Heirat eine Großmutter!"
Lioba wandte den Kopf vor seinem
suchenden Kusse weg und begann zu
weinen. „Siehst du," klagte sie, „nun
wirfst du mir's selber vor. Und
und ."
„Was denn: und?"
„Dein Bruder hat zu mir vorhin
in der Küche gesagt, er und seine
Braut seien just zusammen so alt wie
du und die deine! Und wenn's recht
war, hat er gemeint, so müßten er
(MBQTu WJnSENPBEüND
und sein Maidl zusammen titer, fünf
Jahre älter sein als du und die dei
n e
In Christian stieg eine jähe Ah
nung auf. „Und so ist alles Lug und
Trug, was ich in den vier Jahren,
seit du fort bist, erfleht und erhofft?
Lioba, Lioba, tu mir das nicht an!"
„Ich tu dir nichts an," entgegnete
sie sanft und streichelte sein wirres
Braunhaar. „Aber, wer weiß? Ich
hätt vielleicht doch gestern meinem
Vorsatz treu bleiben und nur auf den
Sindelhof herabblicken sollen, um als
dann aus der schmerzhaften Welt zu
gehen für immer
Draußen ging mit großen Schrit
ten der Gottfried am Mist vorbei in
den Roßstall.
Christian riß das Maidl an sich,
schaute ihr tief in die Augen und
sprach: „Euch Weiberleut versteht un
sereins nimmermehr! Maidl, Lioba,
Bei meinen toten Eltern, die dir so
viel gelten wie mir, beschwör ich dich:
Hast du's gern oder ungern, wenn ich
uns beim Pfarrer bestell? Denn
wenn's geschehen soll, so geschieht's
bald, um den Leuten jeglich Gerede
abzuschneiden. Du weißt: der Loch
hofen der Albert und ."
Lioba stand stilll im Halbdämmer
neben der behaglich wiederkäuenden
Kuh und rührte sich nicht.
»Kind Gottes," sagte der Mann
eindringlich, „sei ehrlich! Du hast doch
die vier Jahre genau so an mich ge
dacht wie ich an dich? Was willst du
jetzt haben? Soll ich gehn?"
„Geh halt!" seufzte Lioba.
„Wohin? In die Welt oder
zum Pfarrer?"
„Meinetwegen zu ihm!" sagte die
Lioba und seufzte wieder
„So soll's auch gelten für alle
Ewigkeit!" sagte der Mann und um
armte sie starkglühend. „Denn mich
hättest du sonst nimmer gesehen le
big! Sag, reut es dich nicht?"
„Ich glaub nicht," gab sie schwer
atmend zur Antwort.
Er riß sich los und lief dem Dorfe
zu.
„Ei, so früh schon zu mir?" rief
der Pfarrer Daniel Künzig, als der
Jungmann in den mauerumhegten
Garten trat.
„Jawohl, so früh, Hochwürdiger,
und mit was recht Wichtigem!"
„Komm, setz dich auf mein San
kel! Sieh, wie's der Schrinner-Karl
hübsch grün gestrichen hat. Ja, so
was gibt es auch wieder. Färb! Von
Straßburg hat er sie kommen lassen.
Im Elsaß malen die Bauern so lu
stig blau und weiß und mit roten
Herzieht ihre Ehebetten und Wiegen.
Aber damit hat's beim Christian noch
gute Zeit, haha!"
„Herr Pfarrer," preßte Christian
.heraus, und es war ihm, als wenn
er Blut schwitzen müßte, „grad dero
halben bin ich gekommen: Was Ihr
nicht von mir denkt, das will ich, nein,
muß ich tun: heiraten!"
„Um Gottes willen?" rief der
Pfarrer bestürzt und zerpflückte ein
rotes Apfelblütenknösplein mit den
weißen Fingern. „Christian, warum
sieht man dich auch nie? Was ist dir
denn passiert? Sprich, Bub!"
„Nichts von der Art, wie Ihr
vermeinet, Hochwürdiger! Im Gegen
teil, ich will sogar zum Steinhauer
Philipp und ein Bildstöcklein bestel
len, da soll er mir zwei Herzen drauf
einhauen über die Jahrzahl und un
ten drunter schreiben: Der alt' Gott
lebt noch! Es war der Leibspruch von
meinem Urahnen, und der meinige ist
es jetzt auch geworden!"
Hocherstaunt und gespannt war 6er
Geistliche aufgesprungen. Mit fchüt»
telndem Kopfe und wiegenden Schul
tern hörte er den Bericht des Jung
mannes an. Dann sagte er mit mil
der Stimme: „Das hättest du mir
schon lang sagen dürfen, Christi, daß
du die Lioba auf diese Weise magst.
Ich hab's halt dazumal nur für ein
knabenhaftes Geschwärm gehalten!
Hab ihm deshalb auch keinen Sinn
noch etwelche Bedeutung zugemessen
Aber jetzt seid ihr durch's Feg
feiier gegangen schon hier im Irdi
schen, und ich wette, ihr werdet glück
licher als manches andere Paar. Denn
die Lioba ist ein kreuzbraves Maidli.
Hab schon manches Gespann getraut,
wo der Mann jünger war als das
Weib und sind meist recht gut mit*
einand' gefahren!"
„Aber das Bildstöckl, das auf den
Saschwaller Sattel kommt, müßt Ihr
mir einweihen, Herr Pfarrer!"
„Daran soll's nicht fehlen!" erwi
derte Daniel Künzig lachend. „Ich
gunn's der Lioba von Herzen, daß sie
e i n e e i a e k o u n i
gunn ich's, daß du die LioBa kriegst,
Christ!
I"
Vom Pfarrer weg ging Christian
zur Basler-Helin. Still und einsam
lag das Häusel an der Berglehne,
nur ein Guller mit ein paar Hennen
trieft sich im verödeten Hofe herum.
Die Baflerin hantierte in der Küche.
»So, u kommst auch einmal zu
mir alter Wittib?" sagte sie und lud
ihn ein, an den Tisch zu sitzen.
„Heiin, Ihr dürft mir's nicht übel
nehmen, daß ich mich anher so wenig
um Euch gekümmert Hab. Bis der
Sind^lhos im Schuß war ."
»Und kriegst ihn jetzt erst nicht!"
»Ich krieg was Besseres, Baslerin.
Denket nur: ich Heirat!"
Und er erzählte ihr alles.
Die Baflerin staunte noch mehr als
der Pfarrer. Ihr Gesicht z'igte sogar
eine gewisse Aengstlichkeit, und aus
gequälter Spannung brach sie endlich
heraus: „Ich Hab nicht recht getan an
der Lioba! Wenn sie mir nur ver
zeihen könnt'! Ich tät ihr ja gern al
les zulieb!"
„Das sollt Ihr auch, Baslerin, der
Lioba und mir aber so, daß Ihr sel
ber wieder den Nutzen habt. Wie ich
hör, habt Ihr die meisten Felder um
ein Geringes verpachtet. Gebt sie doch
i zum Ilmtreiben und Ihr
sollt besser stehn als jetzt, wo Ihr
Euch gerade so durchschindet!"
„Das war ein Plan!" sagte die
Altheimburgm. „Eben im Herbst
läuft der Pacht ab, ich will an euch
denken. Die Lioba soll doch mal her
kommen zu mir, ich Hab ihr manches
zu sagen."
»Helin, die Lioba laß ich nicht in's
Ort, bis wir geHeirat' sind, und das
ist ui drei Wochen der Fall!"
sie redeten noch dies und das.
„Was machet ihr denn auch im
Oft?" fragte der Christian. „Man
kommt so arg wenig herein!"
"Ach, die Lent jammern halt! Tie
Abgaben sind auch gar zu groß
Kaum geht» dem Bauer wieder ein
Hein wenig besser, so kommt schon der
Steuergardist vom Ortenauer Land
Vogt unü treibt Zins und Gefäll hart
herzig ein."
„Und der Xaver, wie läßt er sich
an als Heiuiburge?"
„Gegen den Sauhändler kommt er
auch nicht auf! Der hat halt's gro
ße Maul am Wirtstisch und dazu ei
nen mächtigen Anhang. Angst ist
mir's um deinen Bruder Gottfried!
Er hockt zu viel bei ihm Christi,
kannst ihn nicht besser hüten? Sonst
hat's sein Weib einmal ungut.
Und wenn erst die Mordbuben heim
kommen ."
..Ja die kommen wieder? Denen
Hattendorf) der Kopf rab gehört!"
„sie haben's halt im Rausch ge
tan ohne Absicht! Die drei Jahr Ker
fer sind bald genug rum. Gib acht,
loa» die dann spielen in der Ge
titeirtö'!"
Wohlverrichteter Dinge, mit fest
aufeinander gebissenen Zähnen die
harte Zukunft erharrend, schritt Chri
slian heimzu. Das Bildstöckl zur Er
innerung an das wunderbare Sich,
wiederfinden war bestellt, ebenso der
Maurer-Valentin, der Schreiner
Karl und der Zimmer-Fritz zum
Hausbau.
„Steine zum Grundstock soll ich
beischaffen," sagte Christian zu seinem
Bruder. „Der Steinhauer will mit.
Krieg ich deinen Gaul nächste Woch'?"
„Den kannst haben und die Kuh
dazu," erwiderte Gottfried. „Es pres
siert dir scheint's arg. Was schwafelt
der Pfaff?"
„Ich kenn keinen Pfaffen!"
„Warst halt nicht im Krieg, Bü
ebl!"
„Und der Hausplatz?"
„Können ja mal darnach lugen!"
Sie schritten die blühenden Wiesen
hinab, die von kniehohem Grase strotz
ten. Kuckucksblumen spannten lila
leuchtende Bahnen in's Gold der
Hahnenfüße, und an den gurgelnden
Wiesenbächlein hin, im glucksenden
Sumpfboden, machten sich die Land
schößlinge des weißbesternten Wasser
hahnenfußes breit.
„Auweh, Bruder," seufzte Chri
stian, „ich glaub ein Häusel, daher
in's Mattenloch gestellt, versauft im
Frühjahr alleweil! Hättest doch nur
früher gesagt, wie du's mit dem Sin
delhof halten willst, so hätt ich doch
vor zwei Jahren im Dorf mich nach
einem von den verwaisten Gütlein
umgeschaut. Jetzt sind sie all' verge
ben an die eingewanderten Schwei
zer."
„Könnt ich wissen, wie das kommt?
Hätte der Krieg noch länger gedau
ert, ich war wieder eingerückt, Bürschl!
Aber schau, dein Häusel kriegt einen
guten Platz! Ist's da nicht strautrok
ken?"
„Hm vorn ein knietiefer Wäs
sergraben, links und rechts zwei Bäch
lein."
„Aber hier kannst du hineinstechen,
da kommt fein Grundwasser durch!
Der Leimboden ist fest!"
„Meinst wirklich?"
„Aber sicher! Da hast du Platz vor
und hiiiter'm Häusl und ans der Stu
be den freien Blick in's Gebirg, just
auf den Steinteufel Omerskops!
Kannst die Wolken zählen, die dran
hängen. Und auf der andern Seite:
der Blick in's Land noch schöner
als bei uns droben! Hiehst du das
Munster? Büebl, solltest es halt mal
nah besehen! Eine Prachtskirche das!
Tie gefällt sogar einem ausgekochten
Heiden wie mir! Und dort: die Eichen
im Grund, die Erlen, Steineschen.
Akazien, eine Wildnis am Bächl hin
und Haselnuß für deine Buben,
wenn solche bekommst, haha!"
esie gingen gleich dran und steckten
den Hausplatz ungefähr ab, machten
auch den Ort aus, wo die Bausteine
und Balken abgeladen werden könn
ten.
Tann sagte der Gottfried: „Wo
holt ihr die Hausteine?"
„Grindelstein' wollen wir holen,
meint der Murer-Valentin sie sind
nicht so hart wie Granit, aber besser
zu hauen und leichter zu brechen."
AN OER ERNÄHIimS- UND HOECHST
PREIS FRONT.-.. HAT
UNSER
RST BEGONNEN!
3ET#l/m fÄUCH
i
„Dann fahret nur gleich mit zwei
'Wägen! Frag doch den Lochhofer! Ich
geh dann auch mit. Der gibt dir doch
seine zwei Ochsen!"
„Ich Hab schon daran gedacht, aber
„Weil er die Lioba gewollt hat?
Blech, das! Geh hin, er hilft dir ge
wiß!"
Wohl oder übel mußte Christian
am nächsten Tage nochmals dorswärts
tappen. Er sah die Lioba besorgt an.
„Geh nur!" sagte sie lächelnd. „Sag
einen schönen Gruß von mir. Es hat
halt nicht sollen sein, daß ich Loch
hoferin wurde!"
Und wirklich, als Christian an der
Ruine vorbei in den Lochhos stieg,
wurde er anders empfangen, als er
gefürchtet. Der Lochhofer, schon ein
recht dürrer, ausgemergelter Mensch,
kam aus den Hausreben herbei und
nahm den Gast mit in die Stube er
lief alsogleich in den Keller, kam mit
dem Kruge und zwei Gläsern und
schenkte ein.
„Christi," sagte er, „da sind wir
gehockt vor vier Jahren! Da haben
wir auf's Wohl der Lioba getrunken.
Gelt, ich war ein Narr! Hätt' es ja
wissen müssen, daß die Jugend alle
weil recht bat und nicht wir gram
belabcnen Alten! Zum Wohl auf
deine Lioba!"
„Sie hoben die Gläser, die zusam
menklangen in vollem Tone.
„Ihr ihr gebt ein rechtes Paar,
wer weiß, trotz dem verkehrten Al
ter ein besseres als der Gottfried und
die Verorti! Das Maidl zwar von
deinem Müder ist recht. Er auch
Er ist ein guter Kerl und ein Schar
fer, wenn er nüchtern ist. Aber er
flucht mir zuviel und hält mir zu
wenig auf die heiligen Dinge. Chri
stian, bleib, wie du bist!"
Es vergingen aber noch zwei Wo
chen, bis der Rebbauer seine Ochsen
entbehren konnte zur Steinfuhr. End
lich, am ersten Mai-Tag früh um vier
Uhr, knallte es draußen mit der Peit
sche.
„Raus, ihr Langschläfer!" rief der
Lochhofer. „Raus, ihr faulen Kerle
!und Maidle!"
Er knellerte lustig drauf los die
Vögel hielten ein im Singen und
schwirrten erschreckt nach allen Seiten.
Tuinpf brummten die Ochsen, und
lautmuhend antwortete ihnen das
Wälderkiiehle im Stall.
(Fortsetzung folgt)
Gott hat das Recht, alle in der
Armut zu lassen, damit sie ihnen zur
Prüfung und Hebung der Tugend
diene. Was sür ein Unrecht fügt Er
nun den Menschen zu, wenn Er einige
davon ausnehmen wollte?
KAMPF
SIE daher ein HockkleUem deft
/Lebensmittelpreis« verhindern, indem Sia
Über, diu Höchstpreise Bescheid
Lebenemlttelhliifiw *BÄ
brau eher kSmueyt, wen» eie mV
riehlig snsammenarlieiten, dabei
mithelfen» ein Davonlaufen dw
Preise und «»mit ein# Nachkriege
Inflation ra verhindern. Nach dem
leisten Krieg« kletterte» die Preise
auf Uber 14$ Preten! de* Vw
krlegsindex hinauf, und «war ging
damal» fast die Hälfte des Hocke
schnellem erst NACH DEM WAF
FENSTILLSTAND von statten,
jeder patriotisch gesinnte Lebens»
•Ittelhändler hängt oder «teilt de
bar stet* seine Höchitpreiillstn*
mi wad fastet ele MV ele M»
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sötHdroi HBetütprebe, efcsr -went,
gwr. Za fiele U abor bei»«* er Firagea
seiner Kündschaft äber iie jh*
gefordertem Preis* wlilkaBuaenk
Und de patiiotisch gssimats V*w
breneher bedient «ich sods stets
dw HSehrtprelellsten, inäem ar «a
rieb gttt» GMindsets au«cht, nie
mehr als dea Höchstpreis ra b»
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nifes Irrtum In der Preisforde,
ran* seines liefen®ten entdeckt,
macht er diesen
frsm$.iecheitilch
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ranl aafmerksem und weist ihn auf
die vergesehrieiwiM* QSehstprais*

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