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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 13, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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i'
I Ir­
Spanten« innerer Friede. Die „Ass.
Preß" nieldete unter'm 6. ds. aus
Madrid:
Erzbischof Enrique pla y Deniel
von Toledo, Primas von Spanien,
plädiert in einem von der Presse so
eben publizierten Hirtenbrief für in
neren frieden in Spanien und er
fliii't, dab »die Kirche den Staat wirk
iiim unterstützt und seinen Unterta
nen zu Gehorsam rät". Der Bürger
krieg— „der Kreuzzug" sei „ein
bewaffnetes Plebiszit gewesen, das
religiöser Verfolgung ein Ende mach
te".
Papst Pius I I über die Aufgabe
des Rundfunks. Wie die „Ass. Preß"
letzte Woche aus Rom meldete, rich
tete Papst Pius XII. auf Englisch
eine Ansprache an eine Gruppe ame
titanischer Radiodirektoren. „Wie je
de menschliche Erfindung," so erklärte
der Papst, „kann der Rundfunk ein
Werkzeug des Guten wie auch des
Schlechten sein. Er ist dazu benutzt
worden, und dies geschieht weiter, um
Verleumdungen zu verbreiten, ein«
fache und schlecht informierte Leute ir
rezuführen und den Frieden inner
halb der Staaten und unter den Völ
kern zu untergraben. Das ist ein Miß
brauch einer Gottesgabe, und es ob
liegt den verantwortlichen Leitern, so
etwas so weit wie möglich zu verhitt
dern und aus der Welt zu schaffen.
Laßt uns dafür sorgen, daß das Gu
te am Radio stets das Böse übertrifft,
bis das Böse sozusagen die Lust ver
liert und von selbst verschwindet. Ist
dies eine zu große Hoffnung? Es ist
gewiß ein edles Ziel, der Anstren
gung der Besten würdig. Und es ist
der Inhalt Unseres innigsten Gebe
tes."
Der Papst dankte den Radiodirek»
toren für das „große Entgegenkom
men, das die amerikanischen Sende
gesellschaften Unserer Vatikanstation
gezeigt haben".
Tngwnd und dss
„Eend-Ceate" Dilemma
Roscher als erwartet werden konn
te, schreibt die ,N. A. Staatszeitung',
wiederholt sich für Onkel Sam die Er
fahrung der vorigen Nachkriegszeit:
Eben war er noch der „Santa Claus"
der Welt und erfreute sich in dieser
schönen Rolle allgemeiner Beliebtheit,
und plötzlich sieht er sich von den eben
noch so dankbaren Gabenempfängern
als Onkel Shylock angeprangert.
Auffälligerweise ist es gerade Eng
land, das einstige Bankiersland der
Lölkerwelt, das Anstoß daran nimmt,
daß wir anstelle der Lieferungen auf
Grund der „LeihPacht"-Abmachun
gen klare geschäftsmäßige Kreditar
rangements setzen wollen. Etwas an
deres bedeutete es ja nicht, als Prä
sident Truman die Einstellung wei
terer amerikanischer „Lend-Lease"
Lieferungen mit der Proklamation
des „V-J Day" ankündigte. Attlee,
der neue Britenpremier, mag von
dieser Erklärung Trumans „über
rascht" gewesen sein. Vielleicht hatte
er, als er sich in diesem Sinne äußer
te, noch keine Gelegenheit gehabt, sich
in der Sache genau unterrichen zu
lassen. Er hätte sonst Wohl gewußt,
daß Präsident Truman nach dem kla
ren Wortlaut des Leih-Pacht-Gesetzes
und nach allen, dem Kongreß seiner
zeit gegebenen Zusicherungen gar kei
ne andere Wahl hatte, als die auf
Sierende
pätere gegenseitige Verrechnung ba
Art der Materialhilfe für
unsere Verbündeten mit.Beendigung
der Feindseligkeiten einzustellen und
zu normalen kaufmännischen Gepflo
genheiten zurückzukehren.
Attlees Amtsvorgänger Churchill
hätte es besser wissen sollen. Aber auch
der Ex-Premier hat geglaubt, sich
über das „brüske" Vorgehen unserer
Regierung aufregen zu müssen. „Ich
kann nicht glauben, daß Washington
damit sein letztes Wort in der Sache
gesprochen hat," meinte Churchill.
Damit hat er natürlich Recht. Es ist
nicht unser letztes Wort. Wir lassen
mit uns reden, wenn unsere Freunde
in der Welt geschäftliche Schwierig»
feiten haben, aber das steht auf einem
anderen Blatt. Unter keinen Umstän
den-haben wir Übereilt und rücksichts
los gehandelt. Das Problem, was att«
stelle der „Lend-Lease"-Lieferungen
treten soll, wenn mit der Senkung
der Waffen der gesetzliche Termin für
ihre Beendigung gekommen ist, war.
Bevor der Präsident sprach, nicht nur
von ihm selber mit seinen Beratern
eingehend erörtert, sondern auch mit
dem britischen Botschafter Lord Hali-
Träger Stuhlgang und
schlechte Verdauung
werden schnell und dauernd behoben
ftlirdh Dr. Eddy's Kräuter-Pillen. Sie
haben Tausenden Erleichterung ge
bracht. Preis: 1 Schachtel mit 100
Pillen. 60c 2 Schachteln, $1. PIuS
8c Porto. Bitte der Bestellung eine
SC'SBriefniorke für Porto beizufügen.
iUA -„u
fax diskutiert worden. Und dem Bot
schafter konnte es gewiß nicht entgan
gen sein, was seinerzeit bei der par
lamentarischen Beratung des Leih
Pacht-Gesetzes in Washington über
die Geltungsdauer unserer Verpflich
tungen gesagt wurde und was das
Gesetz selber darüber sagt, von den
wochen. und monatelangen AuSein
andersetzungen, die in gleicher 3pche
in der amerikanischen Oesfentlichkeit
gepflogen wurden, garnicht zu reden.
Sollte Halifax es bei alledem ver
säumt haben, das Foreign Office zu
unterrichten
Andere alliierte Mächte, die Emp
fänger amerikanischer „Leih-Pacht"
Waren waren und noch sind, haben
garnicht erst bis zu Trumans Erklä
rung gewartet, um den Weg zu be
schreiten, auf den der Präsident unse
re alten Verbündeten verwiesen hat,
wenn sie weiter von der Generosität
des Onkels in Amerika Gebrauch zu
machen wünschen. Rußland meldete
einen Kreditanspruch in der runden
Höhe von einer. Milliarde Dollar,
Frankreich einen solchen von $240,
000,000 an Belgien wünscht hun
dertfünfundzwanzig Millionen Dol
lar, und noch andere Länder Europas
und Asiens haben erklärt, Dollar
kredite zu gebrauchen.
England ist vielleicht in einer un
gleich prekäreren Lage als die andern
Staaten und sieht sich womöglich au
ßerstande, weitere kurzfristige Ver
bindlichkeiten, wie Warenkredite sie
darstellen, einzugehen. Der alte bri
tische Weltbankier sollte aber zu stolz
sein, sich etwas schenken lassen zu tool
Iert, obwohl man nach Lage der Dinge
fast annehmen muß, daß das seine
Absicht ist.
England braucht allem Anschein
nach eine außerordentliche, langfri
stige Finanzhilfe von uns, wie Sena
tor Taft schon im Laufe der „Bret
tern Woods"-Debatte im Kapitol er
klärt hat, und es kann sehr wohl fein,
daß es im amerikanischen Interesse
liegt, ihm eine solche Art der Hilfe
leistung zu gewähren. Aufgeregte und
ungerechte Rekriminationen, wie man
sie nun im Unterhause gehört hat,
sind aber jedenfalls am allerwenig
sten geeignet, den Kongreß in Wash
ington für eine solche Aktion reif zu
machen.
Kuper-Aszis in der
TtchechoNomakei
Bon E. I. Reichenberger
Churchills erste Rede als Führer
der Opposition verdient ernsteste Be
achtung. Er sprach von der Tragödie
von ungeheuerlichen Ausmaßen, die
sich hinter dem eisernen Vorhang ab
spielt, der gegenwärtig Europa in
zwei Teile trennt. Man könnte glau
ben, Churchill erfuhr von der Tragö
die nur aus Presse und Radio, wie
wir „common people". Tatsache ist
aber, daß er in Teheran, Jalta und
Potsdam gegenwärtig war, als diese
Tragödie angesponnen wurde. Man
sollte annehmen, daß die „Big Three",
die die Welt zur Demokratie bekehren
wollen, ihrerseits sich an die Spiel
regeln der Demokratie hielten. Hat
also Hr. Churchill in Jalta und Pots
dam gegen die dort präsentierten
Pläne protestiert? Dann wurde die
Entscheidung durch die Stimme Ame
rikas und Rußlands gefällt. Oder
war Jalta und Potsdam die bedin
gungslose Uebergabe an Diktator
Statin? Jedenfalls ist Churchills der
zeitige Kritik eine Umkehrung feiner
bisher verfolgten Politik der Befrie
digung Stalins, die schärfste Kritik
seiner Bundesgenossen, eine Bestäti
gung der Urteile, die von den Geg
nern der Jalta-Potsdam-Politik vom
Papst angefangen bis zu Dorothy
Thompson, David Lawrence u. a. ge
fällt wurden. Meine Meinung ist,
daß die Beschlüsse von Jalta, Pots
dam usw. Churchill durchaus expe
dient schienen, daß sie mit seiner Zu
stimmung erfolgten, daß er nicht den
Mut hatte, dem Diktator Stalin zu
widerstehen wie man das vom ein
fachen Mann im Reich Hitler gegen
über erwartete. Churchill mußte sich
der Folgen seiner Handlungen als
erfahrener Politiker durchaus bewußt
sein. Seine Rede erinnerte mich an
einen Jungen, der ein Präriefeuer
entfacht und nun, erschreckt über die
unheimliche Ausbreitung, um Hilfe
ruft und gleichzeitig seine Schuld ab
leugnet.
Wie immer das, sein mag Gott
und die Geschichte werden darüber
urteilen! es ist bedeutsam, daß
ein Mann von Churchills Format die
Welt auf die ungeheuerliche Tragö
die hinter dem eisernen Vorhang Ost
Europas aufmerksam machte. Ich will
hier nur einige Einzelheiten dieser
Tragödie mit Bezug auf die Tschecho
slowakei bringen, die hierzulande tot
geschwiegen werden, um den „darling
of the Leftists", wie John O'Connor
ihn nannte, Benesch, nicht zu beleidi
gen, der nun einmal das Urbild des
Demokraten ist, umsomehr als er
Stalin nach Europa Brachte und, wie
Upton Close mitteilte, auch die reli
giöse Strategie Stalins entwarf, die
mit der Unterdrückung der katholi»
OHIO WAOINVUBUMD
schen Kirche gleichbedeutend ist. Ich
wundere mich immer, daß auch ein
Teil der katholischen Presse wohl über
Lidice und tschechische „Märtyrer" zu
berichten weiß, anderseits verschweigt,
daß es in keinem Lande soviele An
hänger Hitlers gab wie unter den
Tschechen daß der Freidenker I. Mc
Cabe rühmte, es gäbe kein Land in
der Welt, in dem beinahe eine Mil
lion die formelle Erklärung der Kon
fessionslosigkeit abgab. Das Ma
terial zu meinen Ausführungen
stammt von Freunden in England,
die Gelegenheit haben, den Prager
Sender abzuhören und die tschechische
Presse zu verfolgen. Raummangels
halber unterlasse ich Quellenangaben.
Die derzeitige tschechische Regie
rung, die nicht aus freier Wahl her
vorging, sondern von Benesch ernannt
wurde, der seinerseits nach „Mün
chen" sein Amt niederlegte, also de.
jure nicht Präsident ist der recht
mäßige Präsident Dr. Hacha ist we
nige Tage nach der „Befreiung" „ge
storben", wohl um einen Prozeß la
Petain zu vermeiden, der peinliche
Enthüllungen gebracht hätte —, die
se undemokratische Regierung braucht
1
kein Parlament, sondern regiert mit
1
„Dekreten" wie jeder Diktator.
Der kommunistische Innenminister
V. Nosek ächtete mit Dekret den Ge
brauch des Wortes „Sudeten". Das
Wort, das in Hunderten von Büchern
und in amtlichen Dokumenten ver
wendet wurde, hat zumindest soviel
.Berechtigung wie der künstliche Be
griff Tschechoslowakei. Man kann mit
Dekreten die Tatsache nicht aus der
Welt schaffen, daß das Sudetenland
die Heimat von dreieinhalb Millio
nen Sudetendeutschen ist. Aber man
darf im Hause des Gehängten nicht
vom Strick reden. Das Wort Sudeten
erinnert daran, daß die Versprechun
gen von der „höheren Schweiz", die
Benesch machte, nie gehalten wurden.
Die derzeitige Regierung treibt ihr
gewohntes Doppelspiel weiter. Auf
der einen Seite geht man durch dick
und dünn mit Stalin wie neuexen mit
der „Nationalisierung" der Filmindu
strie" auf der anderen Seite will
man die Weftmächte nicht vor den
Kopf stoßen, auf deren Anleihen und
Geschäftsverbindungen man rechnet.
Benesch und Jan Masaryk vertreten
den westlichen Propagandaflügel. Zu
Hause redet man deutlicher. Der kom
munistische Schulminister Nejedly er
klärte: „Wir können nicht sagen: Wir
werden weder nach Westen noch nach
Osten schauen, sondern abwarten. Wir
müssen heute,Ja' sagen oder.Nein'.
Wir müssen uns für den Osten oder
Westen entscheiden. Ich glaube nicht,
daß das für das tschechische Volk ein
Problem ist. Wir gehören zu dem gro
Ben slawischen Block, an dessen Spitze
das große russische Volk mit seinem
Oberhaupt Stalin steht. Es gibt kei
nen Tschechen, der darüber im Zwei
fel sein könnte, wo wir stehen."
Potsdam hat der Massenaustrei
I bung grundsätzlich zugestimmt, nur
i zur Mäßigung und Humanität ge
mahnt. Darum riet Benesch in Pilsen
I zu „vernünftigem und vorsichtigem
Vorgehen". Der Prager Sender er
klärte in einer englischen Sendung
„die Tschechoslowakei Masaryks unv
Beneschs werde nicht auf das Niveau
und die Methoden Hitlers herabsin
ken". Hier sind einige Bilder aus der
Praxis der Tschecho-Kommunisten:
Alle Deutschen männlichen Geschlechts
zwischen achtzehn und fünfzig Jahren
wurden aus dem Bezirk Gablonz u.
N. (dem weltbekannten Bijouterie
zentrum mit etwa hunderttausend
Einwohnern) deportiert. In Rei
chenberg sind von etwa fünfzigtaufenb
Einwohnern nur mehr zehntausend
verblieben. Zehntausend Deutsche
aus Brünn (einem Zentrum der Tex
tilindustrie) wurden nach Zlin zur
Zwangsarbeit verschickt. Vierzehn
tausend Deutsche aus der Jglauer
Sprachinsel befinden sich in Konzen
trationslagern. Die Deutschen von
Bodenbach an der Elbe wurden in'§
russenbesetzte Gebiet des Reiches ver
trieben. In der Kohlenstädt Brüx
wurden viele Deutsche hingemordet.
Erstminister Fierlinger erklärte,
daß „bereits Züge auslaufen aus
Leitmeritz a. E., Aussig, Brün, Jglau.
Znaim in das russische Besetzungsge
biet".
Max Jordan, dessen Buch „Beyond
All Fronts" bei dieser Gelegenheit
wärmstenS empfohlen sei, berichtet so
eben über eine Unterredung mit Bi
schof Galen von Münster. Darm wird
u. a. erwähnt, daß die „humanitäre"
Massenvertreibung zwölf Millionen
Menschen betrifft, die Hälfte von ih
nen sind Katholiken (vertrieben von
„katholischen" Staatsmännern la
Benesch!). „Die meisten bleiben auf
der Landstraße liegen taufende ver
hungern buchstäblich." „In manchen
Orten hängen die Leute von den Bau
men wie Pflaumen", d. h. sie neh
men sich selber in ihrer Verzweiflung
das Leben. „Deutsche Priester in der
Tschechoslowakei dürfen nur an Sonn
tagen Messe lesen, keine deutsche Pre
digt halten ihre Kirchen bleiben die
Woche über geschlaffen." Das ist die
„Friedensordnung" von Potsdam!
Wahrhaftig, das war auch ohne Krieg
zu haben I
Ein Super-Nazi hat den Erlaß
auSgedüftelt. der in den Königl.
ydi
Weinbergen (Vinohrady, einem Pra
ger Stadtteil) angeschlagen wurde.
Hier etliche Auszüge: Die Worte
deutsch und ungarisch sind künftighin
mit kleinen Buchstaben zu schreiben.
Deutsche und Ungarn haben am lin
ken Arm ein gelbes Band mit Haken
kreuz und Registrierungsnummer zu
tragen. Sie erhalten nicht die norma
len Lebensmittelkarten. Sie dürfen
nicht die Straßenbahn oder die Bür
gersteige benützen keine Tageszeitun
gen kaufen, abonnieren oder lesen
nicht Parkanlagen oder Wälder betre
ten nicht Rasierstuben, Restaurants
oder Vergnügungsplätze besuchen, lei
ne Wäschereien. Einkaufszeit ist be
schränkt von elf Uhr morgens bis ein
Uhr nachmittags und zwischen drei
und vier Uhr nachmittags. Käufer
und Verkäufer werden für Übertre
tungen bestraft. Sie dürfen nach acht
Uhr abends das Haus nicht verlassen.
Jede Person von über vierzehn Jah
ren muß sofort um das gelbe Band
ansuchen. Wer ohne dasselbe ange
troffen wird, „wird strengstens be
straft in der von den Nazis geübten
Weise". Die Deutschen können nicht
Tabak kaufen, noch in der Oeffent
Iichfeit oder bei der Arbeit rauchen.
»Wir wollen in Uebereinstimmung
mit den Grundfätzen unserer Re
gierung eine entsprechende Reinigung
{purge) durchfuhren und wenigstens
in unserem Bezirk Ordnung herstel
len." Soweit der Erlaß.
Das Dekret Benesch, mit dem das
Eigentum der Deutschen und Ungarn
gestohlen werden soll, ist bekannt. In
Böhmen und Mähren werden bereits
wie früher einmal katholische
Kirchen gestohlen und der „tschecho
slowakischen Kirche" (deren zwei Dog
men bekanntlich Chauvinismus und
Aufhebung des Zölibats bilden) aus
geliefert. Neuestens braucht es dazu
„Authorisierung durch höhere Stel
len" vielleicht durch Msgr. Sra
mek, der ja dieser „Regierung" mit
Fr. I. Hala angehört. Es war sehr
interessant, in dem Briefe eines ame
rikanischen Offiziers (in der engli
schen Ausgabe des .Wanderer' vom
30. August), der diese Ausführungen
vollständig bestätigt, zu lesen, daß die
einfachen Leute das höllische Treiben
um sie herum beklagen im Gegensatz
zu denen an der Spitze. Aus der an
deren Seite versteht der Mob nur zu
wohl die Parole der Regierung: En
richisseß vousl Bereichert euch, stehlt
soviel ihr könnt und so lange es Zeit
ist. Es kommt die Zeit, da nichts mehr
zu stehlen ist. Und so stehlen sie wie
die russische Soldateska in Oesterreich,
Ungarn, Polen und im Reich was
nicht met- und nagelfest ist, selbst von
denen, die mit ihren letzten Habselig
keiten auf der Flucht sind ... bis zur
Wäsche, die zum Trocknen aufgehängt
ist. Und niemand will arbeiten, wie
Berichte aus Karlsbad usw. besagen.
Das ist der Staat der „Humani
sten" und „Demokraten" Masaryk
und Benesch ohne Maske! Nie hat sich
eine Demokratie selbst mehr entlarvt
und verurteilt. Warum das alles?
Benesch glaubt, die Masse für sich zu
gewinnen durch diesen Ultra-Totali
tarianismus und Hyper-Rassismus,
wie Herodes die Gunst einer Dirne
durch das Haupt des Johannes. Dem
Ausland sucht man den Raubzug, auf
deutsches Eigentum (die sudetendeut
sche Industrie, die weltbekannten Bä
der Karlsbad, Marienbad, Franzens
bad, St. Joachimstal usw.) plausibel
zu machen durch die Lüge, daß alle
Sudetendeutschen Nazis und darum
schuldig waren. Wenn Benesch erklärt,
er hätte den Deutschen die günstigsten
Bedingungen angeboten, so ver
schweigt er dabei die Tatsache, daß er
dieses Angebot den Sudeten-Nazis im
September 1938, also vor dem Zu
sammenbruch, machte daß anderseits
seine Regierung und die Kamarillas
die aktivistische Politik seit 1926 sabo
tierten. Sein Angebot hätte, wie er
es versprochen, am Anfang der Re
publik stehen müssen, nicht am Ende.
Ripka, ein Fevorit Beneschs, bestätigt
in seinem Buch „Munich, Before and
After" ausdrücklich, „that the major
ity of the Sudeten Germans were not
in sympathy with revolutionary Na
tional Socialism". Es wird wenig hel
fen die Geschichte umzufälfchen, um
eine moralische Basis für unmorali
sches Handeln zu finden!
Bis heue schaut die Welt diesem
Treiben tatenlos zu, wie die Nazi
Gangster durch die Lucken der Gas
kammern den Martern ihrer Opfer.
Wundert man sich, daß der amerikani
sche Osfizier fragt: „Where on God's
earth do all our American ideals
come in'l" Der Papst hat klar gespro
chen, obwohl er selber von der neuen
„Ordnung" gefährdet ist und, wie
Upton Close mitteilt, alles in Bereit
schaft hat für den Fall seiner Einker
kerung oder seines Exils. Aber was
hat der idealistische Papst, der Vertre
ter wahrer Menschheitsinteressen, noch
den „Realisten" von heute zu sagen,
den „Kreuzfahrern", die auf einmal
so schweigsam wurden?! Nach dem
Wortlaut der Vereinbarungen über
die Bestrafung von Kriegsverbrechern
gehört zu den Verbrechen u.a.: „ill
treatment or d&portation to slave labor
or for any other purpose of civilian
population plunder of public or
private property extermination,
enslavement, Heportation and other in-
humane acts committed against the
civilian population persecution on
political, racial or religious grounds".
Benesch und seine Regierung Kriegs
verbrecher? Ich vergesse, diese Ver
brechen geschehen ja nicht im Kriege,
sondern nach der „Befreiung" und
im „Frieden", und zudem gehört er
zu den „Siegern" und Stalins Hand
beschützt ihn. Diese Gesetze gelten nur
für die „anderen" nach neuen
Rechtsauffassungen.
Ich kvmme nochmals auf den Brief
des amerikanischen Offiziers zurück.
Ich weiß nicht, wie Jan Masaryk
heute denkt, wenn der von seinem
Vater geschaffene Staat alle Barba
reien der Nazis nachmacht und über
trifft. Es gab eine Zeit, da er klar
sah. So wenn er seinerzeit in den
New Aorker .Times' schrieb: „Wir
zahlen alle den Preis für unsere Feh
ler in der Vergangenheit. Europa
muß einen gemeinsamen Nennen fin
den auf einer viel höheren Ebene als
auf geographischen Grenzen oder
selbstsüchtigem Nationalismus." Eu
ropa hatte einst diesen gemeinsamen
Nennet zur Zeit des Heiligen
Römischen Reiches. „Dieses hochkul
tivierte Reich wurde nicht durch ge
meinsame Gesetze oder eine gemein
same Verwaltung zusammengehalten,
sondern ausschließlich durch die Ver
teidigung eines gemeinsamen Zieles,
nämlich der christlichen Kultur und
Autorität", d. h. der katholischen
Kirche, schrieb ein Mitglied des tsche
chischen Staatsrates Dr. I. Stran
sky. Diejtschechen haben sich seit den
Tagen Jan Hus' immer weiter von
diesem Ziele entfernt, und Benesch
macht die letzten Schritte in der Rich
tung nach Moskau, weil ihm geogra
phische Grenzen und Chauvinismus
hoher stehen als die Kultur des christ
lichen Abendlandes.
Dieser Tage starb Franz Werfel.
Er war in Prag geboren zur Zeit des
alten Oesterreich. Er besuchte ein deut
sches Gymnasium seine Bücher sind
alle in deutscher Sprache geschrieben.
Er konnte, nicht Tschechisch. Die Tsche
chen haben ihn gerne als Tschechen re
klamiert, obwohl er im letzten Kriege
auffeite Oesterreichs kämpfte und nach
dem Krieg sich in Wien, nicht in dem
nationalistischen Prag niederließ.
Unter der Signatur „23 7aA
n*173„ bewahrt die Akademie der
Geschichte zu Madrid ein seltsamer
weise bislang der Veröffentlichung
entgangenes Manuskript, das in sei
nem gesamten Umfange von hundert
bliogrifico de la Historia General de
Filipinos" (Madrid, 1906) einige
Angaben über den Autos und seine
literarische Tätigkeit, und zwar als
Zitate aus dem unter Nr. 442 be
sprochenen Werke des spanischen Lin
guisten Lorenzo Hervas y Panduro:
„Catälogo de las Lenguas de las Na»
ciones Conocidas" (Madrid, 1800—
1805, Band I I
Hervas (bei Retana, S. 444)
nimmt nämlich auf die „Exjefuitas
Mifioneros" Bezug, welche ihm lin­
I
Er hat recht, die Tschechoslowakei pinen geliefert hatten, und hebt in
gräbt sich ihr eigenes Grab sie ist im! diesem Zusammenhange den „Senor
Begriff, die mit soviel Geld und Pro
paganda erworbene Sympathie der
Welt^zu verlieren. Inzwischen kann
sich Stalin nur freuen über die Aus
weitung des Chaos. Es dient seinen
Zielen. Die Westmächte haben die
Macht, diese „Tragödie von unge
heuerlichen Ausmaßen" aufzuhalten.
Tie Tschechen führen das Wort im
Staatswappen „Pravda vitezi
Die Wahrheit siegt". Verbreiten wir
die Wahrheit fragen wir alle Heim
kehrer, ob sie dafür gekämpft und ge
Abate Don Antonio Tornos" hervor
(S. 445). Er erwähnt, daß er mit
ihm in Cesena einen eingehenden Ge
dankenaustausch pflog, wobei er sich
die vielseitige Beherrschung der Phi
lippinischen Eingeborenensprachen
durck Tornas zunutze machte, dessen
Zuständigkeit er rühmend anerkennt.
Die Missionstätigkeit hatte Tornos in
eine enge Berührung mit den Einge
borenen nahezu aller philippinischen
Inseln gebracht entnehmen wir doch
auch einem Briese des Tornos an
blütet. Man braucht keine Atombom-! Hervas vom 10. Mai 1784, daß un
be über Prag zu senden, um diese fer Autor zweimal in längere Gesan
uper-Nazis zur Vernunft zu brin
gen. Man kann mit ihnen sehr ein
dringlich reden, wenn sie um Anlei
hen hierher kommen oder Besucher
werben für die geraubten Kurorte
ober Kunden für die gestohlene Su
detenindustrie
genschast der Eingeborenen geriet, die
das eine Mal auf Jolo ein hal
bes und das andere Mal auf Min
danao gar anderthalb Jahre währ
te. Keine Frage also, daß eine so in
time Vertrautheit mit Land und Leu
ten die wertvollsten völkerkundlichen
Nachrichten ahnen läßt.
Verständlicherweise machte Hervas
y Panduro im wesentlichen von der
Sprachenfertigkeit des Tornos Ge
brauch. So rühmt er, daß Tornos
in Cesena auf seinen Wunsch in der
kurzen Zeit von zwanzig Tagen ein
Wörterbuch der Bisaya-Sprache nie
derschrieb, und das, obwohl er bereits
sechzehn Jahre seinem früheren Wir
kungskreise entrückt gewesen sei.
In Italien abgefaßt, gelangte un
ter Manuskript zusammen mit ande
ren von Madrid aus angelorderten
Missionsdokumenten an das spanische
„Ministerio de Gratia y Justicia",
von wo es schließlich in die „Akade
mia de la Historia" kam.
Es ist in diesem Zusammenhange
unmöglich, die Fülle der Materien
auszuzählen, welche aus den zweihun
dertundachtzig Seiten des Manuskrip
tes zur Behandlung kommen. In zwei
Teilen von insgesamt siebenunddrei
ßig Kapiteln wird eine umfassende
Darstellung der Landes- und Völker
kunde der Philippinen dargereicht,
welche gleicherweise vom naturwissen
schaftlichen wie mehr noch vom kultur
historischen Standpunkte aus Inter
esse verdient. Der Botanik und Zoo
logie wird ebenso Stoff geboten wie
einer historischen Wirtschaftsgeogra
phie anthropologische und bevölke
rungspolitische Fragen werden behan
delt, vor allem jedoch die Kulturver
hältnisse der Eingeborenen und ihre
Sprachen die Geschichte der europäi
schen Zeit und die Missionsgeschichte
fehlen nicht, wenn Tornos auch in
erster Linie unter Berichtigung älte
rer Angaben an einer ausführlichen
Schilderung von Land und Leuten,
von Umwelt und Sitten gelegen war.
Söäre er in Prag verblieben, er wäre Konnte er hierbei aus dem Schatze
heute mit den Sudetendeutschen auf einer wohl jahrzehntelangen 23er
der ÜBanderfcfiart ,n'6 ffhnna «ra ^».
der Wanderschaft in's Chaos, als Ju
de, als deutscher Jude, weil er den
Qualifikationen tschechischer Rassisten
nicht entsprechen würde. Sein Wort
aus dem Mysterienspiel „The Eternal
Road", das Max Reinhardt nach
Amerika brachte, könnte Leitstern sein
für eine neue Ordnung und eine bes
sere Zukunft: „Alles, was ich in die
fer heidnischen Zeit versuchte, war die
Wahrheit, die Toleranz, die Liebe und
vor allem die Kultur der Bibel her
auszustellen Mein einziges poli
tisches Kredo ist das Suchen nach
Menschlichkeit und die Verhütung der
Barbarei in der Welt."
trautheit mit den Verhältnissen schöp
fen, so stand ihm eine ähnliche „Feld
arbeit" natürlich nicht bezüglich der
anhangsweise behandelten Jnselgrup.
Pen zur Verfügung, bezüglich derer
er von Augenzeugen Erlauschtes wie
dergibt. Mehr noch als das zweite
Kapitel des Anhangs muß das „Ca
pitulo Unico en el :ue fe Demuestra
la Existencia de las Isias Carolinas,
ö de Palaos Aunque se Jgnora la
Pricifa Position de Casi To das: Co
mo Tambien el Numero de Ellas: y
se da Razen de sus Hatitantes" (zehn
einhalb Seiten) unsere Aufmerksam
keit erregen, wenn wir berücksichtigen,
wie spät z. B. die Palau-Jnseln in
den Gesichtskreis literarisch niederge
legter europäischer Beobachtung ge
treten sind. Was Tornos über die mi
kronesischen Inseln zu sagen weiß, be
ruht nicht nur auf Angaben spanischer
Seeleute, sondern anscheinend auch
auf der Verschlagung von Eingebo
renen an die Küste von Samar, wo
Tornos mehrfach mit solchen Schiff
brüchigen in Berührung kam. Wenn
die Abfassung seines Manuskriptes
zwar auch aus d.em Jahre 1789 da
tiert, so liegen die von Tornos ver
arbeiteten Beobachtungen doch um
undvierzig Folios der Landes- und mehrere Jahrzehnte zurück, was
Volkerkunde der Philippinen und mi-! schlüssig folgende Ueberlegung zeigt
kronesischer Inselgruppen dient: den Nach Hervas y Panduro nämlich
1789 geschriebenen „Retrato Geogrä
sico-Historico-Apologetico de las Is
stammt der Tornos-Brief vom 10.
Mai 1784 aus der Zeit nach ihren
las Filipinos" des Jesuiten Juan persönlichen Gesprächen in Cesena,
Antonio Tornos, „con un apendice liegt also auch später als die von
de las Isias de Palaos, o Carolinas, Hervas erbetene Niederschrift eines
y de las Marianas". Bisaya-Wörterbuchs, anläßlich derer
Es ist unverständlich, daß ein so er seinem Erstaunen über das Spra
vieloersprechendes Quellenwerk keine: chengedächtnis des Tornos angesichts
Aufnahme in eine der Sammlungen einer sechzehnjährigen Abwesenheit
unveröffentlichter Handschriften aus von den Philippinen Ausdruck gibt,
spanischen Archiven fand. I. A. Ro-! Es folgt hieraus, daß das von Tor
bertson („The Bibliography of the! no§ gesammelte Material aus den
Philippine Islands", 1908, S. 356 fünfziger und sechziger Jahren des
und 357) teilt mit, daß Stornos (ge- achtzehnten Jahrhunderts stammt
boren 1721, gestorben 1801) das vor- i und, ganz abgesehen von dem Philip
liegende Werk nach der Vertreibung
der Jesuiten von den Philippinen in
Italien niederschrieb. Sodann finden
wir in W. E. Retanas „Aparato Bi-
pinischen Hauptinhalte seines Werkes,
schon aus diesem Grunde endlich sei
ner Vergessenheit entrissen zu werden
verdient.

is. September
JOHN B. NEUMANN
tm HBYX. AVA COLUMBUS «, O.
Son Prof. Dr. Hermava
Trimborn, Unibcrft
tät Madrid
guistisches Material' über die Philip.
Juan Antonio Tornos

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