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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 13, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 6

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Die Erbin des Prolpektors
(Fortsetzung)
Enttäuscht blickte ich umher. Soll
te das alles sein, was wir fanden, so
waren Gefahr und Mühe, der wir uns
unterzogen hatten, umsonst gewesen.
Ich tastete an der Wand entlang, an
der, anscheinend um die Feuchtigkeit
des Gesteins weniger unbehaglich
wirken zu lassen und dem Räume ein
komfortableres Aussehen zu geben,
eine große, doppelte wollene Decke
aufgespannt war. Plötzlich bot sich
meiner Hand kein Widerstand mehr.
„Bleib', wo du bist, Bill," raunte
ich diesem zu, „und halte scharfe
Wacht. Ich denke, diese Wohnung hat
noch ein besonderes Kabinett."
Ich rife die Decke zur Seite. Aber
mals öffnete sich ein etwa fünf Fuß.
langer Gang. Ich trat ein, hinter
mir fiel die Decke zurück. Vor mir
und zu beiden Seiten, sodas ich sie
mit den Schultern berühren konnte,
erhoben sich, wie draußen, feuchte
Schieferwände. Zu meinen Füßen
aber ich hätte aufjubeln mögen
stand ein aus Eichenholz fest gefügter,
mit Eisen beschlagener Kasten
Billy Moores Kasten, wenn nicht al
les trügte. Ich kniete nieder. Kein
Schloß verwehrte die Oeffnung des
Kastens und ich schlug den Set
tel zurück.
Da lag Silberbarre neben Silber
barre, und jede einzelne trug den
Stempel des Schack'schen Schmelz
werks. Der hier aufgehäufte Wert,
um den Emil Schuck offenbar im
Laufe der Jahre bestohlen worden
war, betrug über vierzigtausend
Dollars! Und ob das alles war? Wie
viele solche Barren mochte der Betrü
ger bei passender Gelegenheit schon in
Münze umgesetzt haben
I
Was nun zunächst? Ein Opera
tionsplan mußte besprochen werden.
Bill erbot sich, einstweilen als Wache
zurückzubleiben, und ich stieg rasch
wieder hinauf, um mit dem Vormann
zu beraten. Schnell stattete ich ihm
Bericht ab. Jones hatte nach kurzem
Ueberlegen folgenden Plan entwor»
fen, nach dem wir zu handeln be
schlossen:
Der heutige Tag eS war bereits
zwei Uhr morgens war der mo
natliche Löhnungstag für alle Berg
leute in Schacks Gruben. Dieselben
waren daher entweder schon am
Abend nach Cold Springs gegangen
oder begaben sich im Laufe des Vor
mittags dorthin. Bei den Gruben
und Grubengebäuden blieben nur ei
nige wenige Burschen zur Aufsicht zu
rück. Jones beschloß, selbst nach dem
„Camp" zu reiten und Freund Moore
zu ersuchen, für heute die Postkutsche
von einem Substituten fahren zu las
sen und ihm so eilig wie möglich in
die Höhle zu folgen, um den alten
Geldkasten zu rekognoszieren und
dadurch zur Feststellung der Person
jenes Postkutschenräubers behilflich
zu sein.
O'Rourke und ich hatten uns in
zwischen in die Bewachung des gefun
denen Schatzes zu teilen und Santa
in Obhut zu nehmen, sobald sie er
scheinen sollte.
Dreizehntes Kapitel
Während des Vormittags hielt ich
Wache hinter einem Felsvorsprung
neben dem von uns entdeckten Ein
gang der Höhle. Von meinem Versteck
aus konnte ich jeden Nahenden be
merken. Bill tat gleichen Dienst oben
am anderen Eingang durch den Tun
nel. Wußten wir ja nicht, ob Gregory
nicht etwa Helfershelfer hätte, und
ob er nicht von Santa, deren Aus
bleiben uns beunruhigte, schon ge
warnt worden wäre. Große Vorsicht
schien also durchaus nötig zu sein.
Es war nicht weit von der Mit
tagsstunde, als O'Rourke mir das
Herannahen von Reitern signalisier
te. Bald hörte ich schwere Schritte,
und auf mein „Werda?" trat Jones
auf mich zu mit den Worten:
»Alles in Ordnung, Terra, geben
Sie Raum!"
Ich ließ den Karabiner sinken, und
jetzt kamen auch die llebrigen rasch
auf mich zu. Ter Erste, der mir die
Hand schüttelte, war Billy Moore.
„Freut mich doch. Mann Frem
der darf ich Euch nicht mehr nennen,
denn Ihr habt Euch unter den ,ehr
famen Bergleuten' akklimatisiert
freut mich doch, daß Ihr bei dieser
veritablen Fuchshatz den alten Bill
nicht vergessen habt, der Ihr
mögt's nun zugeben ober nicht
der Erste war, der Euch auf der rech
ten Fährte ansetzte. Also, laßt sehen!
Wo habt Ihr mein Privatmöbel, das
einst dazu dienen mußte, vor den gie
rigen Fäusten eines Landstraßenrit
ters einen nicht unbeträchtlichen
Schatz zu retten?"
Außer Billy Moore schüttelte ich
Klassenhaff die Hand. Er hatte Jones
im „Camp" getroffen, war kurz be­
nachrichtigt worden, was vorgehe,
und hatte sich nicht abhalten lassen,
„mit von der Partie" zu sein. Habe
er doch vor allen anderen ein unver
äußerliches Anrecht auf den Mörder
seines Freundes Wendt!
Im Hintergründe sah ich inmitten
einer Gruppe mir wohlbekannter zu
verlässiger Bergleute von der „Apa
chia" die Indianerin Santa stehen,
deren Arme auf den Rücken gebunden
waren.
„War das absolut notwendig,
Jones?" fragte ich mit bezeichnendem
Blick auf die Indianerin.
„Sie sagten mir selbst. Terra, daß
Sie die Squaw für fähig hielten, den
Schurken zu warnen. Das mußte ich
auf ale Fälle hindern. Sie schlich in
verdächtiger Weise im Gebüsch hinter
uns her, und es war nicht ganz leicht,
ihrer habhaft zu werden. Die leichte
Fessel da wird ja wohl der Schönheit
ihrer Arme keinen Abbruch tun!"
Wir begaben uns in die Höhlen
wohnung.
Ein Ausruf Billy Moores brachte
mich schnell an dessen Seite. Er kniete
neben der eisenbeschlagenen Truhe,
die jetzt einen so kostbaren Schatz
barg, klopfte mit der Hand auf den
Teckel und geberdete sich, als sei der
alte Kasten ein mit Leben begabtes
Wesen, das er lange vermißt habe.
Dabei lachte er.leise vor sich hin.
„Ja, ja, der war's, der alte Kasten
hier, der dem Halunken damals den
Glauben beibrachte, er habe die ge
füllte Geldkiste der Expreßgesellschaft
erbeutet. Wie fest er davon überzeugt
gewesen sein muß, geht daraus her
vor, daß er den Kasten aus der wei
ten Entfernung bis hierher transpor
tierte. Sollte mich gar nicht wun
dern, wenn Ihr hier in einem dieser
Löcher noch das alte Eisen fändet, mit
dem ich den Kasten gefüllt hatte. Der
Ritter der Landstraße hat sich augen
scheinlich nicht die Zeit genommen,
unterwegs einmal über seinen Raub
Inspektion zu halten, so sicher war er
von dessen Kostbarkeit überzeugt.
Sonst hätte er das wertlose Ding da,
den Kasten, gewiß in irgend einer
Schlucht liegen lassen. Und jetzt helft
mir einmal, diese Silberbarren bei
seite zu legen ich will euch zeigen,
daß ich meiner Sache sicher bin."
Wir griffen zu und bald war der
Kasten geleert. Moore drehte densel
ben nun um, sodaß der schwere eiche
ne Boden zu oberst liegen kam, und
fragte, ohne selbst einen Blick auf den
Gegenstand zu werfen, aber mit dem
Finger in eine Ecke deutend: „Steht
hier nicht B. M. eingeschnitten?"
In der Tat, so war es. Moore
stand auf.
«Sonst noch ein Beweis nötig, daß
jener Kasten derselbe ist, den ich her
abwarf?"
„Sicher nicht, Freund Moore," er
widerte ich. „Wie aber wird's mit der
Identifizierung des Räubers?"
„Kommt Zeit, kommt Rat, junger
Mann," antwortete mit seinem manch
mal recht fatalen, schlauen Blinzeln
der alte Postwagenkutscher. „Sagte
Euch ja, die Maske verschob sich ein
wenig! Außerdem aber gibt's nur
eine solche Gestalt viele Meilen in
der Runde, wie die war, deren lange
Beine fast bis auf die Kniee des Po
nt), auf dem sie saß, herabschlenker
ten."
Wir stiegen nun sämtlich zutage,
den Schatz und die Truhe mitneh
mend. Oben sollte ein Jmbis einge
nommen werden, den O'Rourke und
ein Paar Kameraden in aller Eile zu
gerichtet hatten.
»Es tut mir leid, Santa gefesselt
zu sehen," redete ich nun die Indiane
rin an, indem ich mich ihr näherte.
„Santa bedauert, dem Blaßgesich.
te jemals Vertrauen geschenkt zu ha
den. Wo ist das sprechende Papier?
Es sollte nicht verwendet werden, um
ihn zu verderben, sondern nur, um
ihn zu Santa zurückzuführen. Auch
das Geheimnis des unterirdischen
Gewölbes entdeckte ich dir nicht, damit
du dich an dem vergreifen solltest, was
sein ist!"
Funkelnden Auges, mit dem Aus
druck der Verachtung in den Zügen,
wandte sich die Indianerin ab und
war fortan durch nichts mehr aus
dem finsteren Brüten zu wecken, in
das sie versank.
Es ward spat und begann schon zu
dunkeln, als wir aufbrachen. Ein
Maulesel trug Truhe und Schatz, dem
zehn stark bewaffnete Männer zur
Bedeckung dienten. Auch Santa wur
de jetzt abermals gefesselt, nachdem
man ihr einige Stunden lang den
Gebrauch ihrer Hände und Arme ge
stattet hatte, und zu Pferde mitge
führt. Jones hatte lange und ein
dringlich mit ihr gesprochen und ihr
vorgestellt, daß ihr Stolz sie davon
abhalten sollte, einen Mann zu lie
ben, der ein überführtet Verbrecher
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sei und der trotz der früher ein
gegangenen ehelichen Verbindung
sich um eine andere bemühte einen
Schurken, der einen seiner weißen
Brüder bereits durch Gift gemordet
hätte und wahrscheinlich nuck einen
Mord plante.
Die Indianerin hatte in düsterem
Schweigen zugehört und sagte end
lich:
„Santa liebt ihn und wird mit ihm
sterben!"
Während unseres Rittes zuteile
teilte mir Jones mit, er habe, als er
am Morgen nach Cold Springs ge
kommen sei, Hrn. Emil Schack auf
einige Augenblicke gesehen uiH ihm
gesagt, derselbe könne ohne Sorge um
mich sein und werde bis zum Abend
die nötige Aufklärung erhalten.
Es war am 15. Mai des Jahres
187—. In anderen Jahren hatte man
sich um die nämliche Zeit schon lange
des Sommeranfanges zu erfreuen,
hatte in den Ackerbau-Counties des
ehemaligen Goldstaates die Heuernte
bereits eingeheimst und setzte die gro
ßen Maschinen für die Aberntung der
unabsehbaren Weizenfelder instand,
deren wogendes Halmmeer sich schon
braungelb zu färben, begann. Dies
mal war die Vegetation noch weit zu
rück, da sich die Regenzeit verspätet
hatte. Als wir nach Cold Springs
trabten, funkelte zum ersten Male seit
Monaten das ganze Sternenheer in
seiner geheimnisvollen Pracht vom
Nachthimmel auf uns hernieder.
Schon von weitem horten wir die
Klänge lustiger Tanzmusik, denn in
Cold Springs gab man sich bereits
den Freuden des Balles hin. Raketen
und andere Feuerswerkskörper sah
man von Zeit zu Zeit aufsteigen, und
über dem sonst so stillen „Camp" in
mitten der Sandwüste lag jenes cha
rakteristisch.festliche Stimmengewirr,
jener von einer frohen Bevölkerung
verursachte Festlärm, dessen Aeuße
rung man erlebt haben muß, da sie
sich schwer in ihrer packenden Gewalt
beschreiben läßt.
Wir ritten in die Hauptstraße ein,
kaum recht bemerkt, da Jung und Alt
vollauf von dem Ball in Anspruch ge
nommen war. Beim Schack'schen Wa
rengewölbe machten wir Halt, spran
gen von den Pferden und übergaben
den Schatz samt Truhe dem staunen
den jüngeren Schack, der im Laden
anwesend war, um den aus der Um
gegend nach Cold Spring gekomme
nen „Kuhjungen", die einkaufen und
zugleich sich amüsieren wollten, zu
diensten zu stehen.
In Jbiefem Augenblick trat Hr.
Emil Schack ein. Er war auf den ern
sten Reiterzug von einem Fenster des
Ballsaales aus aufmerksam gewor
den und hatte sich sofort» ohne daß
sein Fortgehen ausgefallen wäre,
hierher begeben. Hastig schritt er durch
die Gruppen der den Kasten und sei
nen Schatz in ernstem Schweigen um
stehenden Männer auf mich zu.
„Endlich, Terra! Was ist's? Was
haben Sie? Werde ich endlich erfah
ren, was vorgeht? Meine Nichte
ist außer sich und behauptet, Sie hät
ten das ihr gegebene Tanzversprechen
gebrochen," fügte der Grubenbesitzer
in dem Bemühen, den peinlichen Ernst
der Situation zu brechen, hinzu,
»Sie kennen jedenfalls die Produk
te Ihres Schmelzwerks, Hr. Schack?"
yvb ich an, ohne auf den angeschlage
nen scherzhaften Ton einzugehen.
„Selbstverständlich! Was soll's da
mit?" erwiderte nun gleichfalls ernst
Hr. Schack.
„Tann haben Sie die Güte, sich
diese Barren zu betrachten!"
Bei diesen Worten schlug ich den
Deckel des alten Kastens zurück.
Vollkommtn ruhig und kalt nahm
der Grubenbesitzer eine Silberbarre
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Letzte NuheÜatte der ehrw. Mutter CEabriöi
Unter dem Altar in dieser Kapelle der Mother Cabrini High School in New Jork ist die letzte Ruhe»
statte der ehrte. Gottesdienerin, At utter Cabrini, der ersten amerikanischen Frau, deren Heiligsprechung
in unmittelbarer Aussicht steht. Tie sel. Frances kavier Cabrini starb 1917 und wurde 1938 selig ge
sprochen. Die Heiligsprechung dürste erfolgen, sobald die Weltlage einigermaßen wieder normal ist.
nach der anderen aus der Truhe und
fand auf jeder derselben den Stempel
seiner Hütte.
„Wollen die Herren mir gefälligst
endlich die Lösung dieses Rätsels ^e
den?" redete er nun mit fast zorni
gem Blick die noch immer in tiefern
stem Schweigen auf ihre Gewehre ge
lehnten Leute an.
„Zu diesem Zweck sind wir hier,
Hr. Schack," ergriff ich das Wort.
Und nun trug ich ihm in möglichst
knapper Form die Geschichte der ver
schiedenen Verdachtsmomente gegen
seinen Chemiker vor. Ich erinnerte
ihn daran, welche Schwierigkeiten zu
überwinden gewesen, um die Beweise
beizubringen, die zur lieberführung
des mannigfachen Verbrechers not
wendig waren. Ich verwies auf die
gleichfalls anwesende Indianerin, die
zwar meine in deutscher Sprache vor
gebrachten Anklagen nicht verstehen
konnte, aber doch zu erraten schien,
was vorging. Als ich jetzt aus der
inneren Tasche das „sprechende Pa
pier" hervorholte und Emil Schack,
welcher des Spanischen insoweit wie
ich selbst mächtig war, von dem In
halt Kenntnis genommen hatte, da
brach der Grubenbesitzer wie von
schwerem Schlage getroffen auf einem
Stuhle zusammen und bedeckte das
Antlitz mit den Händen.
Lautloses Schweigen herrschte, in
das die Tanzmusik aus dem benach
borten Hotel wie schneidende Dis
harmonie hineinklang. Sie alle
diese trotzigen, eisenfesten, mit der
Todesgefahr in verschiedener Gestalt
vertrauten Männer achteten den
Schmerz ihres Arbeitgebers, der ih
nen stets als Freund gegenüber ge
treten war. Sie begriffen, daß die
versuchte Beraubung des Postwagens,
die systematischen, an seinem Eigen
tum begangenen Diebstähle dem an
scheinend gebrochenen Manne da vor
ihnen wenig galten im Vergleich zu
bet Tatsache, daß derjenige, der sich
um seine Adoptivtochter, um feine Er
bin beworben und den er als zukünf
tigen Schwiegersohn freudig begrüßt
hatte, in legaler Form bereits verhei­
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[email protected]@t 4#v^«_g^31. WSTWhm-r Ad. W'^-V*
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ratet und fähig war, seine übrigen
Verbrechen ohne Zögern auch noch
durch Bigamie gleichsam zu krönen.
Und jetzt trat Klassenhaff vor und
erhob die wohlgestützte Anklage ge
gen Gregory, den früheren Vormann
des Schmelzwerkes, Wendt, mittels
eines Pflanzengiftes ermordet zu ha
ben. Ich selbst mußte dann auf des
Mecklenburgers Aufforderung Hrn.
Schack erzählen, was ich aus Santas
eigenem Munde hierüber wußte, und
daß vermutlich die nicht nachweis
bare mörderische Waffe noch immer
dem gefährlichen Verbrecher zur Ver
fügung stehe.
Was er jetzt gehört hatte, gab Hrn.
Schack seine Energie zurück. Er sprang
auf. Finstere Entschlossenheit lagerte
auf dem um vieles verfallener als ge
wöhnlich aussehenden Antlitz.
„Die Herren wissen," sagte er mit
vibrierender, aber klarer Stimme,
„daß Cold Springs nur zwei Beamte
hat. Den Friedensrichterposten befiel»
de ich selbst. Dr. Macintosh versieht
das Amt des Konstablers und Koro
ners. Leider liegt er an einem Arm
bruch, den er sich gestern zugezogen
hat, ernieder. Ich vereidige also Sie,
Terra, als Konstabler. Verhaften Sie
Gregory, der sich drüben auf dem
Balle befindet. Bringen Sie ihn hier
her, wo ich unverzüglich ein erstes
Verhör vornehmen werde. Fällt das
selbe so aus, wie ich nach den mir
vorgelegten Beweisen kaum zweifeln
kann, so haben Sie den Gefangenen
nach Colusa zu schaffen. Und jetzt an's
Werk, meine Herren!"
Das war eine Entscheidung, die
offenbar wenig Freude erregte. In
dessen, ihr mußte gehorcht werden.
„Einen Strick, an dem man den
Kerl baumeln lassen könne, sobald
man nach Colusa aufgebrochen sei,
trage jeder am Sattelf nopfe,"
brummte O'Rourke rebellisch, als er
und die übrigen Leute, die dem Schatz
zur Bedeckung gedient hatten, sich als
„Hilsskonstabler" mit mir nach dem
Hotel begaben. Man könne ja dann
eine beliebige Geschichte von „Heber
fall durch vermummte Lyncher" oder
Keine Arbeit in Ruinen
Der in unserem Bilde gezeigte Priester arbeitete vor und «och wäh»
rend- des Krieges in einem Armenviertel der japanischen Hauptstadt
Tokio. Seine Mittel waren klein, seine Wohnnuq nicht besser als die
Wohnungen der Armen, denen er das Licht des Glaubens zu bringen
5- suchte. Heute liegt ein großer Teil von Tokio i» Schutt und Asche und
die Erneuerung der Missionsarbeit hängt von vielen Faktoren ab,
darunter der Erlaubnis der amerikanischen Militärbehörden, die heute.
•8 daö Land regieren.
$ 'V?
'y r*'
s A W*# ,!%
ft,«*4 4 t- 'fVv
«iwaS Sehnliches, ^dessen Erfindung
er anstelligeren Köpfen^ überlasse»,.,
müsse, erzählen, und nicht nur allst
ehrlichen Leute würden sich darübe? ,v
freuen, daß ein Schurke gehängt feij
nein, auch dem County würden da
durch nicht unbeträchtliche Kosten erv
spart bleiben.
Von Jones gefolgt, trat ich auf
Gregory zu, den ich sofort bemerkt
hatte. Er war augenscheinlich in an
gelegentliche Unterhaltung mit Frl.
Rotblond vertieft und hatte keine Ah
nung von dem über seinem Haupte
schwebenden Verderben. Die suchen
den Äugen seiner keineswegs auf
merksamen Zuhörerin hatten mich be
merkt, als ich mit Jones durch die hie
und da stehenden Gruppen der vom
Tanzen erhitzten Personen auf das
Paar zuschritt. Frl. Rotblond war
aufgesprungen und mir mit so un
verhüllter Freude entgegen geeilt,
daß mir unter normalen Umständen
die von der Nichte meines Chefs mir
so öffentlich erzeigte Auszeichnung in
hohem Grade fatal gewesen wäre. Un
ter den obwaltenden Verhältnissen
schob ich sie artig, aber rasch beiseite
mit den Worten: „Entschuldigen Sie!
Ich habe mit dem Herrn dort zu spre
chen!"
Mit verschränkten Armen und haß
sprühenden Augen musterte er mich
und fragte:
„Was wünschen Sie, Herr? Ma
chen Sie's kurz, wenn ich bitten darf!"
„Sie werden mir aus diesem Saa
le sofort folgen, Hr. Gregory!"
„So werde ich? Warten
Sie gefälligst, bis dieser Ball zu En
de ist. Dann bin ich bereit, nicht nur
Ihnen zu folgen, sondern auch den
Hals zu Brechen. Beherzigen Sie das
Eine: Sie sind hier nicht auf dem
Pflaster eines deutschen Universität«
städtchens, sondern
„Auf kalifornischem Boden und in
der Eigenschaft eines Konstablers,"
unterbrach ich ihn. „Armand Greg
ory, Sie sind mein Gefangenerl"
Die Ereignisse der nächsten Sekun
den spielten sich weit schneller ab, als
ich sie zu erzählen vermag. Während
auf Gregorys haßentstelltem Gesicht
sich ein dämmerndes Begreifen zu zei
gen begann, daß man endlich Beweise
gegen ihn gesunden haben müsse
während sein funkelnder Blick noch aus
der Hand ruhte, die ich in Vollstrek
kung meiner amtlichen Pflicht auf sei
nen Arm gelegt hatte: veränderte sich
plötzlich der Ausdruck seines Gesichts
in solch' erschütternder Weife, daß
selbst Jones zögerte, den Gefangenen,
wie er das soeben hatte tun wollen,
fest am Arm zu packen. Statt der Wut
malte sich Entsetzen, statt des Hasses
namenlose Angst in seinen Zügen.
Große Schweißtropfen perlten auf
der hohen Stirn. Die Augen schienen
aus ihren Höhlen quellen zu wollen.
Unwillkürlich folgte ich der Rich
tung feines Blickes und sofort hatte
ich die Situation erfaßt. In eines der
geöffneten großen Fenster des Ball
saales hatte sich von außen Santa
geschwungen, die zu bewachen man
vergessen haben mußte. Sie stand nun
auf dem äußeren Fensterbrett, hatte
den Oberkörper in den Saal vorge
beugt, hielt sich.mit einer Hand am
Fenster kreuz fest, und die von ihr mit
dem freien Arm gegebenen Zeichen
hatten vermutlich Gregorys Entsetzen
verursacht. Schon das Erscheinen der
Squaw in dem Augenblick der jähen
Verhaftung konnte er nicht anders als
verhängnisvoll für sich deuten. Der
letzte Zweifel aber mußte ihm schwin
den als Santa mit lauter Stimme in
spanischer Sprache ihm zurief:
„Rette Bichl Ohne dir Uebles zu
wollen, habe ich alles verratenl"
Kaum war die Warnung verhallt,
da sprang Gregory, bevor Jones oder
ich es verhindern konnte, mit einigen
gewaltigen Sätzen dem nächsten Fün
fter zu.
„Achtung, Leute!" rief ich den au
Ben postierten Goldgräbern zu, da ich
selbst es nicht wagen durfte, im Ball
saale, in welchem sich die erschreckte
Menge jetzt den Wänden zudrängte,
Feuer zu geben, denn immer noch
befanden sich mehrere Personen zwi
schen mir und dem Verbrecher. Dieser
hatte das offene Fenster erreicht
seine hohe Gestalt zeichnete sich im
Rahmen desselben gegen die draußen
herrschende Dunkelheit ab feine
Hand fuhr in die Tasche.
„Sieh' dich vor, Harry!" rief O'
Rourke, dessen Falkenauge von der
Türe aus jede Bewegung des Flucht
lings erhasch! hatte. Blitzschnell sprang,
ich zur Seite ein Schuß krachte
ein Schrei ertönte und in meinen.''
Armen fing ich die schwankende Ä«.
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yof
1
Wir waren beim Hotel angekörnt
men. Die Türen des zu ebener Erds'
gelegenen Ballsaales standen weit of
fen, um die linde, kühle Nachtluft
einzulassen. An zwei der Türen stell
te ich Doppelposten auf und beauf
tragte sie, Gregory niederzuschießen,
sobald er einen Fluchtversuch wagen
würde. Durch die dritte Türe trat ich
mit Jones, O'Rourke und Moore'ein.
O'Rourke und Moore blieben als Po
sten an der Türe stehen.
V
stalt Frl. Rotblonds auf. •••...v.v- -.»
(Fortsetzung folgt) ,"

Erzählung aus dem Goldgräber-Leben in California.
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13. September

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