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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 08, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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•..Desember
fSjp*
Das Dogma der
Unbfleckten Empfängnis
Der 8. Dezember 1854
Maria ist ohne Sünde empfangen.
Sie, die Lilie unter den Dornen, die
immerdar die Freundschaft ihres Got
tes besaß, sie ist uns ein Hoffnungs
stern. Eine wenigstens aus unserem
Geschlechte hat das Auge gefunden,
auf welcher es mit ungetrübtem
Wohlgefallen ruhte. Eine hat aus
diesem Jammertals reine Hände zu
dem Throne des Allmächtigen erho
ben. Diese Eine, welche würdig be
funden war, das Heil der Welt unter
ihrem unbefleckten Herzen zu tragen,
sie soll uns auch Vertrauen und Zu
verficht gewähren. Sie wird uns bei
ihrem göttlichen Sohne vertreten, wie
Er unser Fürsprecher und Mittler bei
Seinem himmlischen Vater ist. Diese
tröstliche Versicherung gibt uns die
heilige Kirche. Von frühester Jugend
an hat sie uns gelehrt, durch Jesum
Christum unfern Herrn vor Gott hin
zutreten, und durch Ihn und in Sei
nem Namen unsere Bitten vorzutra
gen. Von frühester Jugend an zeigte
sie uns auch, wie wir zu diesem gött
lichen Mittler am sichersten durch je
ne gelangen können, durch welche auch
Er zu uns kommen wollte.
Und wie dankbar müssen wir nicht
der heiligen Kirche für diese Lehre
sein! Der Sohn Gottes, der einzige
Mittler zwischen Gott und den Men
schen, der durch eignes Verdienst und
durch Sein Blut uns erkaufte, Er ist
zwar Mensch und uns ähnlich gewor
den aber Er blieb auch unendlicher
Gott, die unendliche Heiligkeit und
Gerechtigkeit selbst Er ist unser Er
löser, aber Er ist auch unser Richter.
Müssen wir Seiner Erbarmungen ge
denken, so können wir doch auch Sei
ner Gerichte nicht' vergessen.
Maria, Seine jungfräuliche Mut
ter, die Er selbst Sich erwählte, um
durch sie uns ähnlich zu werden, und
die Er eben dadurch zwischen Sich und
uns gestellt, Maria hat nur
Menschliches an sich sie hat auch nicht
zu richten, nur Fürbitte einzulegen
und den Richter zu besänftigen ist ihr
mildes Amt. Und sie, die für uns
wie für ihre Kinder fleht, ist Mut
ter des Richters sie, die für den Sün
der Fürbitte einlegt, ist die Unschuld
selbst. Braucht es mehr, um unsere
verzagten Herzen zum Vertrauen zu
erheben? O wie wohltuend ist diese
Lehre der Kirche für den, der es ein
sieht, daß er der schuldige Sohn eines
fluchbeladenen Vaters ist!
Es hat darum auch nie eines Be
fehles bedurft, um uns die Verehrung
und Anrufung Marias zur Pflicht zu
machen. Nie hat die vom Hl. Geiste
erleuchtete Kirche es für nötig erach
tet, ihre Drohungen gegen jene aus
zusprechen, welche Maria nicht ver
ehren würden. Sie hat sich begnügt,
jene zu verdammen, welche in ihrer
Verblendung so weit gingen, daß sie
behaupteten, die Verehrung oder An
rufung der Mutter des Allerhöchsten
fei unnütz oder unerlaubt. Sie hat
jene verdammt, welche es wagten, die
ser hehren Himmelskönigin die Vor
züge abzusprechen, bit Gott ihr zuer
kannt und uns durch Sein untrügli
ches Wort kund getan hatte. Ja, das
hat die heilige Kirche allzeit als ihre
Pflich-t betrachtet, die Ehre und die
Würde dieser jungfräulichen Mutter
des Erlösers vor jedem Lästerer zu
schützen. Ihre Kinder aber wies sie
nur auf diese erhobene Würde der
Gottesmutter hin, und auf die vielen
damit verbundenen Vorzüge, und
überließ es dann ihrer durch den
Glauben erleuchteten Vernunft und
dem durch die Gnade geleiteten Her
zen, den ferneren Schluß zu ziehen.
Daher gehört die Verehrung Ma
riens, wie ein geistreicher Schriftstel
ler bemerkt, zu jenen Gesetzen, von
welchen Gott bereits durch den Mund
des Propheten vorhergesagt hatte,
daß Er sie selbst nicht auf Tafeln von
Stein, sondern in die Herzen schrei
ben werde. Und in Wirklichkeit fin
den sich auch diese Gefühle der An
dacht und Liebe zu Maria, dieses
Vertrauen auf ihre Fürbitte und ih
ren Schutz, in größerem oder gecin
gerem Grade von Innigkeit in dem
Herzen eines jeden wahren Kindes
der Kirche. Wir können uns selbst
manchmal nicht Rechenschaft davon
geben und doch sind wir nicht im
stande uns derselben zu entschlagen,
weil wir selbst sie in uns nicht erweckt
haben, sondern dieselbe Gnade, die
uns zu Kindern der Kirche gemacht,
hat uns auch den Kindersinn gegen
Maria eingeflößt. Dieses ist so wahr,
daß man ohne Andacht zu Maria we
der einen wahren Katholiken, noch
außer der katholischen Kirche die wah.
re Andacht zu Maria findet. Die An­
dacht zu Maria ist eines jener Kenn
zeichen, welche fast immer unzweideu
tig und mit Gewisheit den wahren
Glauben anzeigen. Sie ijt auch, wo
sie wahr und innig ist, ein Beweis
der Liebe zu Jesu und der Liebe Jesu
zu uns. Denn, wie Johannes, „der
Jünger, den Jesus lieb hatte", es
war, welcher unter dem Kreuze die
überaus süßen Worte hörte: „Siehe
da deine Mutter", so sind es auch jetzt
noch die Lieblings jünger Jesu, wel
chen Er in besonderer Weise Seine
Mutter empfiehlt.
Was kann aber nun unsere An
bacht, unsere Liebe und unser Ver
trauen zu Maria mehr erhöhen als
ihre unbefleckte Empfängnis, als ih
re nie verlorene, nie getrübte Un
schuld, und ist sie nicht das reinste,
vollkommenste Bild menschlicher Un
schuld! Alles ist Reinheit, alles ist
Gnabe, alles Heiligkeit in bieser un
tiergleichen Jungfrau unb Mutter.
„Ganz schön ist sie, diese Freunbin
ihres Gottes ganz schon ist sie, unb
fein Makel ist an ihr." Wahrhaft sie
ist die „Gebenedeite unter den Wei
bern", und „selig müssen sie preisen
alle Geschlechter". Aber auch sich dür
fen selig preisen alle sündigen Kin
der Evas, denn eine mächtige Für
sprecherin haben sie an dem Throne
Gottes. Eine Fürsprecherin, der nicht
bloß wegen ihrer erhabenen Würde,
sondern auch wegen ihrer Unschuld
und Heiligkeit nichts kann verweigert
werben. Sie ist bie „biitenbe All
macht" sagen bie hl. Väter, weil ihre
Bitte bei Gott allmächtig ist. Und wie
sollte auch der Zorn des ewigen Rich
ters über ben größten Sünder sich
nicht besänftigen, wenn bieses un
schulbigfte unb reinste Geschöpf für
ihn feine Fürbitte einlegt!
Als der Geist des Aufruhrs in die
Völker gefahren und wie der Sturm,
der über das Meer hinbraust, fast
überall die Menge aufgewühlt hatte,
ba schlugen bie Wogen der Empörung
auch an den Stuhl Petri, und der
Stellvertreter Jesu Christi sah sich ge
nötigt, in einem fremden Lande vor
feinen eigenen Untertanen Schutz zu
suchen. In diesem Lande der Verban
nung, wie auf einer Insel im stür-.
menden Meere, erhob er seine Augen
gegen Himmel und zu dem Meeres
stern, der noch immer über dem Len
ker des Schiffleins Petri als ein
schützenbes Gestirn gewacht hatte, unb
ihm empfahl er bas Wohl ber ihm
anvertrauten Kirche. Wie feine Vor
fahren in ähnlichen Drangsalen ge
tan Hattert, so nahm auch Pius IX.
seine Zuflucht zu Maria, ber mächti
gen Himmelskönigin, der unüber
windlichen Helferin der Christen, und
um sicherer ihrer Schutz sich zu ver
dienen, beschloß er jenen hehren Vor
zug ihrer unbefleckten Empfängnis,
den die heilige Kirche schon so lange
verehrte, noch einmal in reifliche Er
wägung zu ziehen, und wenn es der
Geist Gottes verlange, als verpflich
tende Glaubenslehre aufzustellen.
Am 2. Februar 1849 erließ er ein
Schreiben an sämtliche Bischöfe der
Christenheit, in welchem er sie, und
durch sie alle Priester und Gläubigen,
aufforderte, mit ihm sich im Gebete
zu bereinigen, um von Gott das nö
tige Licht zu erflehen, damit er er
kenne, welche Entscheidung in bieser
wichtigen Sache zu treffen fei. Zu
gleich verlangte er, daß alle Bischöfe
ihm berichten, welches in Beziehung
auf diesen Vorzug Mariens ihre ei
gene Meinung und der Glaube ihrer
Herde sei.
Kaum war dieser erste Schritt zur
Verherrlichung Marias getan, als
auch der Sturm sich zu legen begann.
Ein Volk, welches bis dahin im eige
nen Lande die Ruhe und Ordnung
noch nicht herzustellen vermochte, war
von der Vorsehung Berufen, dieselbe
in das Erbteil Petri zurückzuführen.
Der Vater der Christenheit war bald
wieder in seinen eigenen Staaten und
in der Ewigen Stadt. Mit erneutem
Eifer und mit dem Gefühle innigen
Dankes ward die große Herzensange
legenheit fortgeführt. Von allen Län
dern der Erde kamen die Rückfchrei
ben der Bischöfe, welche einstimmig
ben Glauben der Hirten und Herden
an die unbefleckte Empfängnis Mo
rias bezeugten. Nur darüber waren
einige Bedenken, ob der gelegene
Zeitpunkt zur abschließenden Entschei
dung des allgemein Geglaubten an
gekommen sei. Doch unterwarfen sich
hierin alle unbedingt dem Urteile des
Hl. Stuhles.
Nun versammelte der Hirt der Hir
ten noch einmal eine große Anzahl
seiner Brüder im heiligen Amte um
sich, um zu den letzten Beratungen zu
schreiten und festzustellen, in welcher
Weise die höchste Entscheidung des HI.
Stuhles in dieser Glaubenssache ge
geben werden solle. Noch allen Sei
ten hin waren Einladungen ergan
gen, und aus allen Gegenden, selbst
OHIO WAISKNTRKUND
U, jfamtltcnhrete U
von den entferntesten Zbnen der Er
de, kamen in solcher Anzahl die Bi
schöfe nach Rom, daß sowohl durch
ihre Zahl als durch die Verschieden
artigkeit der Länder und Zungen sie
eine wahrhaft katholische Versamm
lung bildete. Unter dem Vorsitze
dreier Kardinäle wurden die Ver
handlungen vorgenommen, an wel
chen über hundertundfünfzig Bischöfe
teilnahmen. Alles ward geprüft, er
wogen und bedacht. „Wir waren
Zeugen," schrieb der Erzbischof von
München-Freysing," „wir waren Zeu
gen von der kindlichen Andacht gegen
die heiligste Gottesmutter, von der
Einheit im Glauben, welche die Ver
sammlung beseelte, von der gründli
chen Wissenschaft, womit die schwie
rigsten theologischen Fragen erörtert
wurden, von der ehrerbietigen Frei
mütigkeit, mit welcher die Berufenen
sprachen, und von der Sorgfalt, mit
welcher jede ihrer Bemerkungen auf
genommen und erörtert wurde."
Nach viertägigen Beratungen, welche
im Ganzen zwanzig Stunben bauer
ten, war bas Ende der letzten Sit
zung herangenaht. „Eben schlug es
zwölf Uhr," schrieb ein Augenzeuge
„die ganze Versammlung fiel auf die
Kniee, um den englischen Gruß zu
beten. Dann kehrte jeder an feinen
Platz zurück. Kaum waren noch eini
ge Worte gesprochen worden, als eine
Akklamation für den Hl. Vater er
folgte. Ein Ruf ewiger Anhänglich
keit an den Hl. Stuhl, den Titz Petri,
brach aus allen Herzen hervor, er
scholl und verbreitete sich in dem
Saale: ,Petrus, lehre uns, bestärke
deine Brüder!' Und bie Belehrung,
welche bie Hirten begehrten, war bie
Definition ber unbefleckten Empfäng
nis. Diese Worte burchschauerten die
Seelen mit so unaussprechlicher Wir
kung, baß sie gleichsam ein einziger
flehender Ruf der Versammlung wa
ren ein Rus, der so sichtbar von
Herzen kam, so erhaben, daß man ihn
gehört haben muß, um ihn zu be
greifen weder das schriftliche noch
das mündliche Wort können davon
einen Begriff geben."
Es war diese Versammlung zwar
fein Konzilium, aber es war ein sol
ches auch nicht erfordert. Durch die
Antwort auf das Rundschreiben Sei
ner Heiligfeit vom 2. Februar 184!)
hatten sich die in der ganzen Welt
zerstreuten Bischöfe, welche der Geist
Gottes gesetzt hat, die Kirche zu leh
ren und zu regieren, genugsam aus
gesprochen. Es blieb nur noch übrig,
daß auch das Oberhaupt der Kirch1,
welches auch den Beschlüssen der Kon
zilien durch seine Zustimmung ilire
volle Kraft gibt, hier feinen Aus
spruch tat. Denn ihm, dem der Auf
trag gegeben wurde, die Schafe wie
die Lämmer zu weiden, liegt es ob,
auch seine Brüder zu bestärken und
wie er der Fels ist, auf ben Christus
Seine Kirche gegrünbet, so ist er auch
ber höchste Richter in Sachen be»
Glaubens.
Alle Vorbereitungen zur enbgülli
gen Entscheidung der Kirche waren
nun getroffen, und diese erfolgte auch
zur Freude der ganzen Christenheit
am 8. Dezember 1854, am Feste seilet
der Unbefleckten Empfängnis Maria.
Tie Umstände dieses erhabenen Sifted
sind gar zu wichtig und lehrreich, aid
daß wir sie übergehen dürsten. Auch
hier werden wir dem Berichte
An die Unbefleckte
Wie entzückend strahlt im Bilde,
Maria, deine Milde,
Strahlt, o Königin, dein Glanz!
Zwölf der Sterne, die mit Namen
Rief der Weltenschöpfer, kamen,
Sich zu reihen dir zum Kranz.
Bräutliches Gewand umschließet
Sanft die Glieder, und es fließet
Wellig leicht das Haar herab
lind des Himmels reinste Bläue
Spiegelt sich mit seltner Treue
3it dem Mantel lieblich ab.
Zärtlich schmiegt zu deinen Füßen
Sich der Mond mit stillem Grüßen
Und mit sanftem Silberlicht
Auf der Erde hoch erhoben
Stehst du, mit dem Blick nach oben,
Ter für uns »m Rettung spricht.
Machtlos ruht die alte Schlange,
festgebannt von solchem Zwange,
Unter deinem keuschen Fuß.
Was durch Eva sie gewonnen,
ihr in ein Nichts zerronnen,
Da vor dir sie zittern muß.
Blick herab, ewig Schöne!
Mette mich, dein Kind, versöhne
Deinem Sohne mich aufs neu?
Mutter, hilf! Du kennst mein Leiden!
Jungfrau, Mutter, hilf! Mit
Freuden
Bleib ich ewiglich, dir treu.
ülMMWMMfüüy
S. B.
um diesen Zug und empfing den Se
iMt des Hl. Vaters, der betend, das
.'Intlitz von Andacht unb Freube strah
lend, baherfchritt. In ber Kirche an
gelangt, begab er sich zuerst mit fei
ner ehrwürbigen Begleitung zu ber
Capelle, in welcher das AUerheiligste
3aframent aufbewahrt würbe, um
vor allem den darin gegegenwärti
gen Gott und Heiland anzubeten, auf
ben allein alle Ehren, die wir Sei
ner gebenedeiten Mutter erweisen, sich
zurückbeziehen. Nach verrichteter An
betung schloß der HI. Vater die in
zwischen abgesungene Allerheiligen
Litanei durch die üblichen Gebete.
Dann setzte der Zug sich in Bewegung
zum Hauptaltar, wo die Gebeine des
hl. Petrus ruhen, ber an diesem Tage
ohne Zweifel mit allen heiligen Apo
steln segnend auf seinen Nachfolger
und die Nachfolger der heiligen Apo
stel herabsah, die hier so zahlreich
versammelt waren.
Der Papst setzte sich hierauf wie
der auf seinen Thron. Sämtliche Bi
schöfe, nachdem sie ihm als ihrem
Haupt und dem lebendigen Grund
stein, worauf Christus Seine Kirche
erbaut, die altherfömmliche Huldi
gung dargebracht, nahmen rings um
her ihre Sitze ein. Nachdem die Terz
gesungen, begann der Hl. Vater die
Feier des heiligen Opfers. Das Evan
gelium wurde sowohl in lateinischer
als auch in griechischer Sprache ge
sungen. Unb nun war der große, gna
denreiche Augenblick gefommen, den
Gott bestimmt hatte.
Den
Augenzeugen folgen.
Das Fest würbe zwar in Rom ge
feiert, aber es war ein großes Fest
ber ganzen katholischen Christenheit,
bie in ber Person ihrer Bischöse
Alle Augen wendeten sich auf den
Hl. Vater. Ein tiefes feierliches
Schweigen herrschte durch die ganze
unermeßliche Versammlung. Alle
Herzen erhoben sich zum Himmel. Da
traten fünf Abgeordnete der Kardi
näle unb Bischöfe ber Dekan des
Kardinalkollegiums, ber Patriarch
von Alexanbrien, ein griechischer
Erzbischof unb ein lateinischer Erzbi
schof und ein Bischof vor den Hl.
Vater, um im Namen der ganzen
Christenheit ihn zu bitten, den from
men Glauben an die Unbefleckte
Empfängnis Maria als Glaubens
pflicht auszusprechen^ Der Stellver
treter Christi nahm mit Freude diese
dem innigsten Wunsche seines eigenen
Herzen so entsprechende Bitte auj und
erklärte, zuvor noch einmal den Bei
stand des Hl. Geistes anrufen zu wol
len. Auf feinem Throne siel er auf
die Kniee und alle, fo viele ihrer die
Peters-Kirche faßte, mit ihm. Wie er
das „Veni Creator Spiritus" an
stimmte, fielen nicht bloß alle Bi
schöfe und Priester, sondern alle die
Tausende des Volkes mit ein. Die
ganze Kirche lag auf den Knieen und
ein allgewaltiges Gebet stieg zu Gott
empor. Dann erhob sich der Stellver
treter Christi und, stehend auf feinem
Throne als oberster Lehrer der Kir«
che, als Verfünder und Ausleger der
katholischen Ueberlieferung, des hei
ligen katholischen Glaubens, in Ge
genwart der ganzen Kirche, die hier
in ihren Vertretern sichtbar versam­
uiui
Priester unb Laien aus allen Völfent
unb Zonen sich um ihren gemeinsamen
Vater versammelt hatten. Denn trie
gesagt, nicht bloß aus allen Ländern
Europas, sondern selbst aus ben ein
ferntesten Teilen ber Erbe waren Bi
schöfe auf ben Ruf bes Hl. Vater
nach Rom gefommen aus Amerika,
aus China, von ben Inseln bes Stil
len Ozeans. Sie alle mit sämtlichen
Karbinälen unb Prälaten Roms hat
ten sich am Morgen bes 8. Dezem
bers in ber Sixtinischen Kapelle im
Vatikan um ben Hl. Vater versam
melt. Um halb neun Uhr stimmte man
die Litanei von allen Heiligen an,
und geleitet von allen geistlichen
unö
weltlichen Würdenträgern Roms so
gen sie, dieselbe absingend, über die
Treppe Konstantins des Großen hei
ab, aus dem Vatikan über den Herr
lichen Vorplatz zur Hauptkirche ber
Welt, der Basilika des hl. Peters, in
Prozession ohnegleichen: sechs Kardi
nalbischöfe, siebenunddreißig Kardi
nalpriester, elf Kardinaldiakonen, ein
Patriarch des Orients, zweiundvier
zig Erzbifchöfe, hundert Bischöfe, alle
in ihrem höchsten kirchlichen Schmuck,
zuletzt der HI. Vater. Die unermeßli
che Volksmenge, die seit dem frühen
Morgen bie St. Peters-Kirche und
ihre ganze Umgebung erfüllte, er
blickte von frommer Ehrfurcht ergrif-
melt war, in Gegenwart von zwei
hundert Bischöfen, dreihundert an
deren Prälaten, Tausenden von
Priestern und Mönchen aus allen
Orden und mindestens sünszigtausend
Gläubigen aus allen Ländern der
Erde, verkündet er, daß es Glaubens
satz sei, die allerseligste Jungfrau
Maria sei im ersten Augenblicke ih
rer Empfängnis, durch einen beson
deren Vorzug und eine besondere
Gnade Gottes, in Kraft der Verdien
ste Jesu Christi, des Erlösers des
Menschengeschlechtes, von jeder Ma
kel der Erbsünde unbefleckt bewahrt
worden. Eine unaussprechliche Ruh
rung und Freude bemächtigte sich der
Herzen aller. Nachdem der Hl. Vater
das heilige Opfer dann vollendet,
stimmte er das „Te Deum" an und,
wie am Anfang das „Veni Creator",
wurde es gemeinschaftlich von allen
mit hoher, heiliger Begeisterung ge
sungen.
Zum sichtbaren und bleibenden
Sinnbild und Andeuten jener Ver
herrlichung. womit die Kirche ihre
große und gebenedeite Mutter und
Beschützerin gekrönt, nahm der Hl.
Vater noch eine höchst sinnvolle und
rührende Feierlichfeit vor. Er begab
sich in Prozession zur Kapelle Sixtus'
IV. Hier setzte er dem Bilde der aller
seligsten Jungfrau eine kostbare Kro
ne aus Gold und Edelsteinen aus.
Indes das soeben Geschilderte sich
in der Peters-Kirche zutrug, hatte
ber Donner der Geschütze von der
Engelsburg und das Geläute aller
Glocken Roms die frohe Botschaft al
len seinen Bewohnern verfündigt. die
zum großen Teile in den übrigen Kir
chen versammelt dieses Augenblickes
harrten, teils beschäftigt waren mit
den Zurüstungen zu den Festlichfei
ten, und alle wurden mit derselben
unaussprechlichen Freude und Rüh
rung erfüllt. Die Liebe und die Ver
ehrung zur hl. Muttergottes machte
alle so glückselig, als ob ihnen per
sönlich das größte Glück widerfahren
wäre. Am Abende dieses Tages, der
wie der schönste Frühlingstag gewe
fett, war ganz Rom von der Kuppel
der St. Peters-Kirche bis zur letzten,
ärmsten Hütte erleuchtet, wie man nie
vorher etwas Aehnliches gesehen, in
einen ^großen Tempel tierwandelt.
Alle Stände und Alter fonnten sich
nicht genugtun, um ihre Freude und
ihre Andacht auszudrucken. Wie ganz
anders war jetzt Rom, als vor einigen
Jahren, wo der Hl. Vater geflüchtet
war aus der Mitte feiner Kinder und
der Gräuel der Verwüstung an hei
liger Stätte stand! Heute erschien
Rom wieder als die gläubige, die
fromme, die heilige Stadt, das Jeru
salem des Neuen Bundes. Der Strom
der_ Freude und der Gnade, der an
diesem Tage in Rom am Grabe bes
Apostelfürsten entsprungen, ergoß sich
bald nach allen vier Himmelsgegen
den, von Land zu Land, von Weltteil
zu Weltteil und wird sich ergießen
bis an die Grenzen der Erde. An die
schönsten Zeiten des Christentums
wurde man erinnert durch das, was
man in diesen Tagen in vielen großen
unb kleinen Städten, wie auf dem
Lande sah. Eine unwiderstehliche Be
geisterung des Glaubens und der
Liebe,_ die selbst Laue und Kalte mit
fortriß, hatte sich aller bemächtigt.
Die Kirchen faßten au vielen Orten
die Scharen nicht, die sich zu ihnen
drängten, nicht um neugierig zu
schauen, sondern um zu beten und
Gott zu danfen. Ja, man fonnte sei
ne Andacht und Freude nicht in die
Räume der Kirche verschließen, lie
berall bewegten sich unabsehbare Pro-
Zessionen
burch Stäbte und Flecken.
Wie Rom waren nicht nur große
•stäbte, sondern auch Heinere Orte
prächtig beleuchtet und strahlten bis
i» die entlegensten Straßen in
Schmuck und Licht. Ueberau las man
Ausdrücke der Verehrung gegen „Ma
ria ohne Sunden empfangen" und
der Anhänglichkeit an die Kirche.
Unh was müssen wir nun diesem
entnehmen? Vorerst sehen wir, wie
die Kirche den erhabenen Zweck ihrer
Stiftung, die Ehre Gottes und da?
Heil ber Seelen, allzeit vor Augen
bat. unb wie sie bemfelben, unbeirrt
burch die herrschenden Urteile und
Neigungen der Menschen, unermüdet
zustrebt. Wir sehen dann -auch, welche
innige Bande sie mit ihrem göttlichen
Stifter vereinigen, und wie sie voll
kommen dem Bilde entspricht, das
•schrtft und Väter von ihr entworfen"
haben.
O Eine, heilige, fatholifche und
apostolische Kirche! Wer kann dich
betrachten und dich nicht lieben, deine
Stimme hören und bir nicht folgen,
deine Liebe erfahren unb bir nicht
banken, dir angehören und sich dessen
nicht rühmen, sich dessen nicht freuen?
Nur Unwissenheit kann dich verken
nett, nur Bosheit-dich lästern. Allein
das Licht der Wahrheit, das du
strahlst, wird jene verscheuchen, und
die Fülle der Wohltaten, die du spen
dest, wird diese besiegen. O möchte
doch ber Tag nicht fem mehr fem, an
welchem alle, ein Hirt und eine Herbe,
durch einen Glauben dem einen Gott
gefallen!
R.
„Santa Claus"
Heute (Donnerstag) begeht die
Kirche das Fest des hl. Bischofs Niko
laus. Hierzulande heißt es „Santa
Claus". Auch auf dieses Fest freuen
sich die Kinder, erhalten sie ja man
ches Geschenk. Weshalb sie aber Ga
ben erhalten, bas wissen bie meisten
nicht. Wer dieser „Santa Claus" ist,
können sie nicht erklären. Sie sehen
nur auf den Bildern ein bunt geklei
deten, dicken, alten, bärtigen Mann.
Derselbe trägt Geschenfe in den Hän
den, auf den Armen und auf dem
Rücken. Bald erscheint er im Zimmer,
um die dort hängenden Strümpfe zu
füllen, balb steht er hoch broben aus
dem Hausdache, im Begriff, in den
Kamin zu steigen bald saust er auf
einem von Hirschen gezogenen Schlit
ten über mit Schnee bedeckte Felder.
8ur Belehrung der Eltern setzen wir
folgende Legende hierher und wäre es
gut, wenn sie dieselbe den Kindern
erzählen würden, damit diese so die
Bedeutung des Festes kennen lernen.
Der hl. Nifolaus war ein fatholi
scher Bischos, der für das Wohl fei
ner ihm anvertrauten Herde gar sehr
besorgt war, besonders nahm er sich
der Armen und Bedürftigen an und
suchte sie nicht nur zu trösten, sondern
sie auch durch Geld und notwendige
Dinge zu unterstützen. Er liebte es
jedoch sehr, seine guten Werfe geheim
zu halten. Trotzdem wurde einmal
befannt, wie er drei Jungfrauen aus
großer Not errettete. Die drei Mäb
chen wollten sich bem Laster in bie
Arme werfen, weil ihnen die Ausstat
tung fehlte, die in jenem Lande zur
Eheschließung notwendig war. Als
der hl. Nifolaus davon hörte, warf
er an drei aufeinanderfolgenden Ta
gen soviel Geld durch das offene Fen
ster in die Wohnung der drei Jung
frauen, daß sie genug hatten, um al
les Notwendige sich anschaffen zu fön
nen. So wurden sie vor dem Laster
bewahrt und konnten balb darauf
heiraten. Von dieser Zeit her datiert
der Gebrauch, am St. Nikolaus
Abend heimlich Geschenke an Arme
zu tierteilen.
Aber auch in der Familie teilte
man ehemals kleine Geschenke aus.
Meistens erschien an jenem Abend
ein Mann mit weißem Bart, mit
Sack, Stock oder Rute und fragte,
ob die Kinder brav gewesen, ob sie
gerne lernen und beten, um dann
seine Gaben an die guten auszuteilen,
den bösen aber seine Verweise ober
gar schlage zu geben.
Ursprünglich war das ein durchaus
fatholischer Brauch. In dem guten
alten Manne sollte die Erinnerung
an den ehrwürdigen und wohltätigen
Bischof aufgefrischt und dadurch der
Wohltätigfeitssinn im Volfe geweckt
und gepflegt werden. Nach und nach
verbreitete sich dieser Brauch auch un
ter Nichtfatholifen. und aus der ehr
würdigen Bischofsfigur wurde ein ge»
wohnlicher, behäbiger, gutmütiger,
alter Mann.
Gegen den „Santa Clans", wie er
auftritt, wäre im allgemeinen wohl
nichts einzuwenden, da es sich ja nur
um Austeilen und Empfangen von
Gefcheiifen bandelt. Allein, man muß
es beflagen, daß zwischen „Santa
Claus" und dem „Christfindchen"
kein Unterschied gemacht wird. Man
läßt den „Santy" die Weihnachtsge
schenke bringen, während man das
„Cln'istfind" ganz außer acht laßt.
Auch wird allerlei Unsinn verzapft
über eine „Mrs. Santa Claus" und
dergleichen. Katholische Eltern soll
ten ihre Kinder im richtigen Sinne
der alten Tradition eingehend beleh
ren. „sanfa Claus" stellt im guten
kirchlichen sinne den HI. Nifolaus
dar als ein Vorbild der Güte und
Freigebigfeit. Das „Christfind" zur
Weibnachtszeit erinnert uns an den
inenschgewordenen Gottes'ohn, der
Sich zu einem Kinde erniedrigt hat,
um die ganze Menschheit zu heiligen.
Dieses göttliche Kind steht unendlich
höber als „Santa Claus", der ja
felbft nur ein Geschöpf des Christ
kindes ist. Letzteres muß deshalb viel
mehr geachtet und geehrt werden als
,,santa Claus", selbst wenn wir in
ihm den hl. Nifolaus sehen wollen.
Drum, ihr Eltern und alle, die ihr
mit Kindern zu tun habt, klärt die
Kleinen auf, damit die Wahrheit er«
halten bleibt und ihr nicht dem Un
glauben in die Hände arbeitet!

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