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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 15, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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I
15.0e*«itffcer
Die Gründung
Sozialer Roma« voa |$ e e l' Ermitc
Uebersetzung von F. Mersmann
(Fortsetzung)
„Guten Tag! Wenn du kommst,
um mir zu helfen, so kommst du
mir gerade gelegen ich habe schon den
ganzen Morgen die Faulenzerin ge
spielt!"
„Du hast eine ganz eigene Manier,
die Faulenzerin zu spielen, liebe Mut
ter! Was aber das Helsen be
trifft ..."
„Es ist wohl nicht nach deinem
Geschmack?"
„Oh, um dir helfen zu können,
mühte man Künstler sein, wie du,
Mama!" erwiderte Bruno mit einer
artigen Verbeugung.
„Künstler? Das bist du aber bis
in die Fingerspitzen hinaus! Sonst
wärest du gar nicht mein Sohn! Aber
die künstlerische Begabung muß durch
unverdrossene Bemühung geweckt wer
den .. Doch lassen wir das! Ich bin
zu glücklich, dich heute einmal hier zn
sehen. Es ist dies wirklich nett von
dir denn ich darf es dir kaum sa
gen, seit ich mein Wandgemälde be
gonnen, also seit mehr als fünf Mo
naten, ist es das erste Mal, daß du
dich da hinauf zu mir bemühtest!"
„Ach, ich bin so sehr in Anspruch
genommen!"
„Wodurch denn, gütiger Himmel?"
„Oh, durch unzählige Dinge, von
denen du nicht einmal eine Ahnung
hast."
„Gut, nehmen wir an, daß ich da
von keine Ahnung habe! Also
heute bist du um meinetwillen hier
hinaufgesticgtn, nur um meinetwil
len, und hast mich durch einen artigen
Morgengruß/überraschen wollen?"
„Jawohl," antwortet Bruno mit
verlegener Miene.
„Nun, so will ich dir alles hier er»
klären. Ich bin, wie du siehst, nicht
müßig gewesen. Schau mal diese
ländliche Schöne an! Wie gefällt sie
dir mit ihrem üppigen, von Luft und
Sonne umfluteten braunen Haar? Du
kannst dir nicht vorstellen, welches
Studium, welche Nachforschungen ich
mir kosten ließ, um ihren Ausdruck,
ihr Kostüm, ihre Haltung und Aus
rüstung richtig zu treffen."
„Ei, welche Ähnlichkeit mit Lu
cie!" bemerkte Bruno, indem er die
Gestalt durch. fein Monokel betrach
tete.
„Freilich Und doch habe ich
Lucie nicht eigentlich abgezeichnet
aber da sie gleich der Lust, die ich
atme, immer um mich ist, so finde ich
ganz natürlich ihren Ausdruck und
ihre Züge sozusagen an der Spitze
meines Pinsels. Möchtest nicht auch
du nach dem Leben abgemalt werden?
Ich brauche gerade einen begeisterten
Kopf für einen Johannes den Täu
fer."
„Als Modell wird mein Kopf
schwerlich dienen können mein äu
ßerer Mensch paßt nicht gut zu dieser
Rolle. Und selbst, wenn dem so toä»,
re ."
«Deine letzte Bemerkung, ist nicht
sehr liebenswürdig."
»Ich bin so sehr in Anspruch ge
nommen!"
„Immer das gleiche Wort!"
»Ja, ich bin weit mehr in Anspruch
genommen, als du es dir nur denken
kannst. Heute, zum Beispiel, bin ich
leider verhindert, mit euch zu früh
stücken. Das verdrießt mich sehr!"
»So, so!" sagte die Baronin, in
dem sie ihr graues Haupt schüttelte.
»Jetzt geht mir endlich ein Licht auf.
Nur um mir diese Neuigkeit mitzu
teilen, hast du dich herbemüht!"
„O, gewiß nicht, liebe Mutter, ich
Versichere es dir!"
Wie von einer plötzlichen Errnü
dung befallen, setzt sich die Baronin
nieder und sagt in kummervollem To
ne:
»Du hast weder gestern, noch vor
gestern, noch an einem einzigen Ta
ge der letzten Woche mit mir gefrüh
stückt! O mein armer Freund,
du tust nicht recht, deine alte Mama
so zu vernachlässigen! Vielleicht be
sitzest du sie nicht mehr so lange
„Aber ich vernachlässige dich doch
nicht! Nur bin ich jetzt erwachsen, ich
habe Verbindungen!"
„Ich habe eine Ahnung, daß du
später, wenn du-zu besserer Einsicht
gekommen bist, es tief bedauern wirst,
das Zusammenleben mit mir nicht
mit der Gier eines Geizigen genossen
zu haben. Ich habe dabei nicht so
wohl meine Person im Auge, als
vielmehr all das, was eine Mutter
zu bieten vermag: ihre Lebenserfah
rung, ihre uneigennützige Zärtlich
keit, ihre zarte Sorgfalt, die durch
aus frei ist von jeglicher Selbstsucht,
obgleich tot hisweilen das Gegenteil
zu glauben scheinst. Außer den Stun
den der gemeinsamen Mahlzeiten
verlange ich kaum etwas anderes von
dir, und doch hast du seit einem Hal
ben Jahre es dir mehr und mehr zur
Gewohnheit gemacht, auch diese Freu
de mir zu entziehen. Und aus wel
chem Grunde? Du bist groß gewor
den, du hast Verbindungen! Welch
armselige Ausreden! Ja, das alte
Sprichwort behält entschieden recht:
.Sind die Kinder klein, so treten sie
uns auf die Füße sind sie groß, auf
das Herz'."
Doch bei Bruno mochte sich schon
eine leise Ungeduld bemerkbar.
„Wie hart und strenge du heute
bist! Ueberlege doch, was du mir da
alles sagst! Und warum! Weil ich
heute, keinen Eierkuchen mit dir let
len werde. Wenn du schon so weit
gehen willst, so kannst du mir ja
gleich das Recht absprechen, einen
Freund zu besitzen!"
„Niemals ist's mir in den Sinn
gekommen, dir den Besitz eines tier
trauten Freundes zu Verbieten denn
ein Freund ist eines der köstlichsten
und unentbehrlichsten Erdengüter.
Was mich aber betrübt, das ist die
Auswahl dieses deines Freundes und
die Verwüstung, welche derselbe be
reits in deinem Herzen angerichtet
hat. Oh, widersprich mir nur nicht!
Ich fühle, wie du nach und nach dich
lostrennst von mir, von uns, von al
lem, was dich hier festhalten, was dir
Liebe zu der Gegend einflößen sollte,
deren Wohltäter, deren Könige deine
Ahnen gewesen sind."
„Was ist da zu machen, liebe Mut
ter? Dieser Fleck Erde sagt mir nun
einmal nicht zu, ich finde da nichts
zu tun. Dir mag es Vergnügen iita
che», Madonnen an das Kirchenge
wölbe zu malen mich aber läßt das
alles schauderhaft kalt, umsomehr, da
ich überzeugt bin. daß deine Bauern
wohl kaum viel davon Verstehen."
„Dieser Gesichtspunkt kommt doch
nicht in erster Linie in Betracht, und
selbst hierin irrst du dich, mein Lieber,
wie leider in so vielen andern Din
gen! Wie? Tie Bauern sollen für
Tinge der Kunst kein Verständnis
besitzen? Sie haben aber bereits sei
ber eine solche Behauptung Lügen
gestraft. Tagtäglich bekomme ich hier
fo viele Besuche von ihnen, sowohl
von Männern als von Frauen, daß
ich um ein bißchen Ruhe zu haben,
mich genötigt sah, die Kirchtüre zu
verschließen. Gestern schien der halbe
Gemeinderat sich hier ein Stelldichein
gegeben zu haben. Und auch zugege
ben, sie verständen meine Bilder nicht:
den Zweck derselben kennen sie ganz
gut, und das genügt! Sie wissen,
daß ich eine von Gram und Trauer
gebrochene alte Frau bin und mich
trotzdem noch hier in ber Kirche für
den lieben Herrgott abmühe und Ihm
die letzten Stunden meines zur Neige
gehenden Lebens weihe. Wenn sie
nun sehen, wie ich, die dem Range
nach erste Person in der Gegend,
gleich einem Taglöhner mich plage,
um die irdische Wohnstätte Gottes zu
verschönern, werden sie dann nicht
ganz natürlich auf den Gedanken
kommen, daß Gott doch etwas über
aus Großes und Herrliches sein
müsse? Noch mehr: selbst wenn die
gute» Leute diese Folgerung nicht
zögen, so bin ich doch überzeugt, daß
diese Kirche, sobald ihre Ausschmük
kung einmal beendigt ist, auf sie ei
nen starken Eindruck machen muß,
einen Eindruck, den sie unbewußt emp
finden werden, ohne sich darüber Re
chenschaft geben zu können. Alles hie
itieden hat seine Sprache. Von mei
ner Arbeit verlange ich nur, daß sie
ausbrücke, was ich hineinzulegen mich
bemühte, und daß sie denen, die da
schlichten Herzens sind, das Gottes
haus lieb und wert mache, und den
gläubigen Aufschwung ihres Gebetes
fördere."
„Das Gebet?!" meint Brune mit
unwillkürlicher Zweiflermiene.
»Jawohl, das Gebet! Schon wie
der ein Wort, das dir nichts mehr
sagt, nicht wahr? Du begreifst nicht,
wie wehe du mir tust. Ich muß die
Ruinen sehen, die dein Inneres
birgt ich muß wahrnehmen, wie dein
Herz pflichtgemäßen und heiligen
Regungen sich verschließt, um sich an
deren Einflüssen weit zu öffnen. Ich
erkenne zwar diese noch nicht klar,
ahne sie aber."
„Schlechte, natürlich?"
„Ja freilich, schlechte! Die Natur
selbst flößt mit Mißtrauen ein ge
gen alleC was du vor mir verbirgst.
Seit Jahresfrist redest du eine an
dere Sprache als ich du magst dich
nicht mehr Herbeilaffen, deine Gedern«
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ken und Pläne mit mir zu erörtern.
O, du weißt nicht, wie fürchterlich
du dich hier zu langweilen scheinst!"
„Ja, es ist wirklich wahr," erwi
berte der junge Graf, indem er sich
mit hastiger Bewegung auf ein Ge
stell setzte „ich langweile mich! Du
machst bir gar keine Vorstellung da
von, wie riesig ich mich langweile!
oll ich ganz offen sein? soll ich dich
auf ben tiefsten Grunb meiner Ge
danken schauen lassen? Höre denn:
Tiefes dein großes Schloß mit sei
nen Zinnen, seinen Ringgräben, sei
nen muffigen Empfangszimmern
scheint mir aus allen Fugen Oede
und Trostlosigkeit auszuhauchen. Ich
selbst komme mir vor wie ein auf
ichimmelichtem Boden aufgeschossener
chwammei'ling. Ties offene Ge
stänbitis mag dir das Herz zerreißen,
aber es ist der getreue Ausdruck mei
nes Geisteszustandes. Meine Ahnen
reizen mich höchstens zum Gähnen.
Sie hatten bie Freiheit, ihrer Zeit
anzugehören, und mir ist es ver
wehrt, meiner Zeit zu leben! Oh,
dorthin fliehen, wo man lebt, dies
ist mein Lieblingstraum! Ja, nur
leben! Habe ich auch nicht bas Recht,
Freunbe zu besitzen, so habe ich doch
ixis stürmende Leben, wo der Kampf?
Ütroa hier, in diesem weltverlornen
'Sitifel, wie du soeben angedeutet
bait? oder bort in ber nahen Welt
nabt, in Paris? Ja, bort tobt ber
Mampf ber Jnbnstrie, bes Gelbes,
N't' obeen, kurz ber Kampf um's Sc
Inn! Ist bir bas noch nicht klar ge
nug? Hast bit mich endlich verstan-
V"
wie mir scheint, bas Recht, zu leben!" 'Kein anderer als bieser Tietsch, der
Tu lebst also nicht? Tu bemerkst Ingenieur ber brei Stunben von hier
bas mächtige Leben nicht, bas dich £?tfernt der geheime Urheber des
umflutet? Und doch ^ums der Hann,ter war Tietsch, ber
wahrenb ber letzten ^ahre über das
benachbarte Val so großes Unheil ge-
allenthalben
brauchst bu nur bie Hand auszustrek
ken, um seinen fiebernden Pulsfchlag
zu fühlen du brauchst nur den frem
den Stimmen in deiner Brust Schwei
gen zu gebieten, um seinen beinahe
verzweifelten Lockruf zu vernehmen!
Tu weißt eben nicht, daß du allein
ein Toter bist daß man allerorl
deine unverantwortliche Untätigkeit ./
beklagt und es schon in allen Häusern P11^ genug bewundern konntest eit
ru__r tv.. dem man basielbe angreift, ohne daß
heißt: der junge Graf hat alles In
tereffe an seinem angestammten Bo
den verloren! ."
„Ich kann doch wahrhaftig meine
Zeit nicht mit dem Versuche vertrö
dein, einem Leichnam wieder Lebe»
einzuflößen!"
Nun fragt ihn die Baronin mit
vor Unwillen bebender Stimme:
Was nemtft du einen Leichnam?"
»Tie Provinz, die ganze Provinz!"
„Welche Verblendung! Nicht mir
das Leben selbst ist sie, sondern audi
die Vorratskammer des Lebens für
die ganze Nation. Sie ist es, die ein
zig und allein den großen Bevölke
rungszentren das Dasein ermöglicht,
das sie ihr eigenes nennen. Die Pro
vinz ein Leichnam! Das Landschlos-,
das Landgut, die nährende Scholle
selbst ein Leichnam! O welch böier
Geist hat dich in die Irre geführt!
O wie schmerzlich fühle ich, daß ein
trügerischer Traum dich gefangen
hält! Toch eröffne mir deinen Traum!
Habe den Mut, mir alles zu sagen,
hörst du! alles! Im Leben
eines jeden gibt es Augenblicke, wo
eine of'ene Aussprache not tut: heute
lechze ich nach Wahrheit. Was deine
arme alte Mutter zu Tode martert,
ist das fortdauernde Schwanken zwi
'chen der Hoffnung, du möchtest doch
noch nicht ganz für uns verloren fem,
"nd der schrecklichen Gewißheit des
Gegenteils!"
Nun aber wallt Bruno ebenrall:
aus: „Zwei volle Jahre schon ntnf
ich hier wie in einer Grube ersticken.
o oft ich unsere berühmte Ahnen
galerie betrete, immer kommt es mir
vor, als ob die alten Haudegen mir
aus ihren abbröckelnden Bildnissen
zuriefen: ,Heda, du Schlasmiit'e,
stürze dich doch in's Hanögememie!
Zu unserer Zeit ließen sich sogar
Blinde in's Kampfgewühl führen, um
vor dem Tode noch einen herzhaften
streich auszuteilen Wo aber ist
ein solcher am wettern Vaterlande,
weil jenes dem Herzen näher liegt
als dieses, und das Blut da lauter
und dringender seine Stimme erhebt
... Du erstickt hier im Schlosse! Ist
aber das Schloß nicht gleichbedeutend
mit der ganzen Landschaft? Und
wenn du hier schon erstickst, wie wird
es dir erst im Menschengedränge der
Großstadt ergehen? Hier macht dir
jedermann Platz, alles grüßt dich,
alle sehen in bir ben gebornett Füh
rer. Hier schlingt sich die Blume der
Hochachtung und der Dankbarkeit als
Ehrenkranz um dein Haupt eine
Blume, entsprossen dem Staube dei
ner Ahnen, deren Sprache du soeben
in schmählicher Weise gefälscht hast.
Doch mir kommt der Gedanke: Ist es
vielleicht nicht gerade bieser Umstand,
der bich allhier bebrückt unb beengt?
Du bist in hiesiger Gegend zu be
kannt. Tie allgemeine Aufmerksamkeit
ist auf bich gerichtet unb zwingt bich
zur Achtung vor bir selbst, zur Ar
beit sie verlangt von dir, baß du bei
nen Mann stellst, unb verschmäht es,
burch mmerbiente Beweihräucherung
beiner Eitelkeit zu schmeicheln."
Bruno will widersprechet, boch bie
Baronin fährt fort:
„Was willst bu? Ich habe mich im
mer unb immer gefragt, was wohl
einen jungen Mann in beiner Stel
lung bazu bewegen könne, alles im
Stiche zu lassen unb sich einem Un
bekannten, der weder einen Namen
noch Persönliche Vorzüge besitzt, an
den Hals zu werfen. Tu sprachst mir
vorhin von einem Handgemenge.
Aber, mein Lieber, es hat ja hier
schon begonnen, bieses Handgemenge,
unb gerabc hier ist es höchst ernster
Art. Ich müßte nicht ein alter Sproß
einer kampflustigen Nasse sein, wenn
ich nicht zuerst bich aitfforbern würde,
dich iifs Kampsgewühl zu werfen.
Wer hindert dich, Tepartementsrat
oder gar Mitglied ber deputierten
fammer zu werden? Wer hindert
dich, ba, wo es bie Verteidigung un
serer Iaiibtvirt]chaftlichen, unserer mo
ralischen und religiösen Interessen
gilt, int Vorbertreffett zu kämpfen?
Auch hier tobt allerwärts ber Kamps,
ein heißer, ein unvermeiblicher
Kampf! Tie Mauern unserer Pacht-
..O mein armes Kind, du glaubst
ersönlich zu sprechen und mir deine
ei,leiten Gedanken mitzuteilen in
Wirklichkeit aber läßt du bich nur be
lauben burch freitibe, hochtrabende
Parasen, bie nicht einmal ben Vorteil
iietoähren, bich zu ber gewünschten,
2 lilnßfoIgerung zu berechtigen. Nicht Höfe sind mit blutroten Anschlaget
Itabe ich eben zugehört, sonbern teln beklebt, nitb itiemanb mag etwas
et|ch, beinem rntiiofcit Freunbe!"
„Tietsch?" wieberholt Bruno, bei
'Vit Gesicht Plötzlich ein flammendes
'iot zeigt.
bracht hat Tietsch, der böse Geist der
Gegenb, beut auch bu bich verschrieben
hast! Tu langweilst bich, sagst
du! Aber seit wann langweilst du bich
denn? Seitdem man bas Tors vor
deinen blöden Augen seines poetischen
Reizes entkleibet hat, ben bu ehebetn
sich jemand zu seiner Verteidigung er
höbe, da ja du, sein erstberufciier Rit
ter, nichts bavott hören magst! Aber
gerade dein Schweigen beweist, daß du
Unrecht hast. Tu fühlst es nur zu
gut, daß es von deiner Seite Fahnen
flucht und Verrat wäre, dieses Fleu
rines, das seit Jahrhunderten das
Kampsfeld deines eblett Geschlechtes
war, feige im Stiche zu lassen. Tu
fühlst auch wohl, baß ein Verrat am
engern Vaterlanbe schlimmer ist als
Dieses neurrtvorbenc Schwesternkloster der —.
darauf erwibern man betrachtet eben
dich immer noch als, Führer, unb fein
anderer wagt es, an beiner Statt das
Wort zu ergreifen. Bei dieser Lage
„va freilich, Tietsch! Tu wolltest ber Tinge halte ich es für eine ganz
::iir klaren Wein einschenken, unb hast I unverantwortliche Sache, heutzutage
ch nicht einmal getraut, bicsen Na- miiere Felbarbeiter schutzlos ben ge
ilten auszusprechen! Toch icb will bei- willenlosen Settblingen ber sozialen
nein schwachen Gebächtnisse nachhel-i Revolution preiszugeben, bie sich in
feit. Vor zwei Jahren warst bu tat-1 allen unfern Torfschaften henimtrei
sächlich von solchen Jbeen noch völlig ben. Unb bu willst bie ruhmvolle
frei. Wer hat sie bir eingegeben?
Rolle, bie unsere Familie hier immer
gespielt hat, gegen eine anbere ver
tauschen Tu willst alle unsere Ero
berungen samt einem kampfbereiten
Heere im ^tiche lassen?! Unb wozu
dies alles? Um dein gutes Gelb ei
nein Tietsch in's Geschäft zu stecken!"
Blüten gebeihen nur unter ihrem na
türlichen Himmelsstrich anbemsalls
arten sie aus. Solltest bu aber trotz
aliebem auf beinem verhängnisvollen
Entschlüsse beharren, so gebulbe dich! dorus).
Erßra U lotler in südlicher Gegend
1
WM*M
Trauerbildchen
Snot*****
Vr ifte nml
Sj| bereif .niligst geliefert
noch eine kleine Weile, damit mir die
ser Schmerz am Abende meines Le
bens erspart bleibt! Siehe, mein Haar
ist ganz weiß du wirst sehen, daß es
nicht mehr lange mit mir dauern
wird."
„Ich versichere dich, liebe Mutter,
baß ich diesen tragischen Auftritt nicht
voraussah!"
„Will es schon glauben! Erstaunst
du denn darüber, daß ich mich ein
wenig aufgeregt habe, um das, was
mir das Teuerste ist, zu verteidigen?"
„Was denn zu verteidigen?"
„Was beim?!" wiederholt die alte
Tante mit bitterm Lächeln. „Oh, so
zusagen nichts: unsere ganze Vergan
genheit und unsere ganze Zukunft!"
Als Brune de Saint-Agilbert nach
mittags tun ein Viertel auf eins dem
blonden Barte des Ingenieurs gegen
über seine Serviette entfaltete, sagte
er plötzlich zu seinem Tischgenossen:
„Wissen Sie auch, Verehrtester, wie
hoch mir unser heutiges Frühstück zu
stehen kommt?"
„Vielleicht kostet es mich bloß die
ganze Hinterlassenschaft meiner Vä
ter!"
„Was? Das darf sie nicht tun!"
rief Tietsch, indem er aufsprang.
„Nun, nun, es bleibt hoffentlich
nur ein kleiner scherz! Wenn Sie
aber mein Mütterchen gesehen hät
ten! Eine Rajenbe! Alle Register hat
sie gezogen: Entrüstung, Tränen, Ah
nen, kurz, nichts hat gefehlt! Einen
Augenblick fürchtete ich, mein Gesicht
könnte mit ihrer Palette in unlieb
same Berührung geraten."
..Tann soll unter Frühstück wenig
stens ber Mühe lohnen! Kellner,
eine Flasche Pomarb. 79er!"
(Fortsetzung folgt)
Es ist etwas wnnberbar Schö
nes um eine burch nichts getrübte
Reinheit. Wie schön ist ein klarer,
ganz durchsichtiger Krystall, in wel
chem nicht die geringste Trübung,
nicht die geringste Unregelmäßigkeit
sich zeigt! Wie schön sind die reinen
Flöckchen des frischgefallenen Schnees!
Wie schön ist eine weiße Lilie, an der
feine Makel sich findet!
Ta der junge Mann hierauf feine
Antwort gibt, nimmt die Baronin
feinen Kops zwischen ihre zitternden
alten Hände unb fährt fort:
»Mein lieber Junge, glaube mir,
bu bist viel zu ehrlich, um in Paris
nicht unterzugehen, um dich nicht von
ben Gaunern unb Schmarotzern, von
denen es bort wimmelt, abschäumen
zu^Iassen sie haben schon kräftigere
Bissen, als bu einer bist, verschluckt!
Nein, bu bist bazu geschaffen, e i
u n s a e i z u e i e n a n e n e
Platze, ben wir bir seit Jahrfjunber-|§err, ba Er sagt: ,33er in dem Hl
ten vorbereitet haben. Tu bist bie Geist fiinbiget, dem wird nicht ver
Bliite unseres Stammes, und die geben werden. Weber in bieser Zeit,
»Wir glauben, daß das Opfer
für die. Ruhe der verstorbenen Gläu
bigen darzubringen und für sie zu
beten fei, weil dieses auf dem ganzen
Erdkreise beobachtet wird. Wir glau
ben es, weil es von den Aposteln
überliefert ivorbeit ist. Tenn auch der
noch im künftigen Leben', zeigt,
Einigen bort die Sünden nachgelas
sen unb burch ein gewisses Reim«
guitgsfeuer getilgt werben" (St. Ist.
t. John's-Gemeinde in Waynrsville, N. C., wurde kürz»
lich tum Bischof Vincent S. Waters von Raleigh eingeweiht. Es ist das erste Kloster in einer Gegend, die
fünfundzwanzigtansend Quadratmeilen umfaßt. Früher ein Privatheim, dient es nun als Wohnung für
die Schwestern vom hl. Franz von Asiifi, die in der St. John's-Schule zweihundertdreiundsechzig Schö»
ler lehren, von denen zweihundertzweiundzwanzig nicht katholisch find.
uiuroe mtp

More Than Just a Trimming
tVANDKItEi: I'iSINTlM
128 Eilst Tenth St., ..
Photo Features

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