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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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22, Dezember
Kterne
$6 leuchten viele Sterne durch das
Dunkel der Nacht, doch die Menschen
beachten sie nicht sie sitzen in ihren
engen Stuben, von selbstgemachten
Lichtern selbstgefällig erhellt, hinter
wohlverschlossenen Vorhängen und
Fensterläden. Sie haben an ihren ei
genen kleinen Lichtern genug und Be
gehren weiter nichts. Und so gehen
die Sterne Gottes ungesehen ihren
Weg durch die schweigenden, schlafen
den Nächte. Nur ein paar landfahren
de Leute ohne Heim und Herd, die
nächtens auf den Straßen sind, lassen
ihre Augen den Sternen nachwandern
und freuen sich in ihrer Armut des
goldenen Schimmers.
Es gehen viele wegweisende Ster
ne auf in finsteren Seelennächten, doch
die Menschen achten der Sterne nicht
sie tasten mit den schwachleuchtenden,
irrflatternden Lichtlein, die sie sich
selber angezündet, durch das Erd
dunkel. Nur wenige Einfältige, die
ihrem eigenen Lichte mißtrauen, he
ben ihre Augen aus der Nacht ihrer
Seele sehnsüchtig zu den Sternen
Gottes aus und lassen sich von ihitöit
führen.
Wer Sterne sehen will, mus in
Nacht und Stille gehen. Tie Sterne
fliehen den grellen, prahlerischen
Glanz des Toges und die laute Bunt
heit der Erdendinge. Erst wenn alle
glühenden Farben verblaßt sind und
das Licht von der Erde genommen
und das lärmende Treiben auf ihr
erstorben ist, kommen die Sterne za
gend näher, als horchten sie zuvor
hinab, ob es auf Erden still gewor
den. Tann steigen sie tiefer herab fast
bis zu den Spitzen der Kirchtürme
und den hohen Giebeln der alten
schlanken Häuser und leuchten lieblich
lockend in die Straßen und Gassen
und funkeln mit ihren silberhellen
Strahlen in den Fensterscheiben, da
mit die Menschen merken, dosz nun
die Zeit der stillen Gedanken ist und
dasz sie jetzt eine kleine Weile vor das
Haus gehen und in den Nachthimmel
hinaufschauen sollten, wo der Herr in
dem Mantel Seiner Pracht und in
der Glorie Seiner Güte über die Er
de zieht.
Es will uns heute seltsam dünken,
daß zur Zeit der großen Weltenwen
de drei Männer aus dem Osten, ei
nein geheimnisvollen Sterne folgend,
zur Wiege des Erlösers pilgerten.
Wir Naturentwöhnte wissen nichts
mehr von der gewaltigen Macht der
Sterne über das gottsuchende Men
fchengemüt. Wären wir in unserem
Sinnen und Sehnen tiefer und dem
Herrn alles Lebens inniger zuge
wandt. so würde auch uns der An
blick der Sterne mehr an's Gemüt
greifen. Aber wir lieben zu sehr den
Tog und sein lautes Gepränge und
seine hastige Gier und seinen zer
streuenden Lärm. Darum können auch
die Sterne Gottes, die über unsere
Seele aufgehen möchten, feine Macht
über uns gewinnen, weil wir so sel
ten nächtliche Seelenstille in uns schaf
fen.
Wie schimmernde Sterne leuchten
oft jäh und unerwartet weise Gedan
ken und schöne Empfindungen in un
serm Bewußtsein und Fühlen auf
wir wissen nicht, woher sie kommen
und warum sie plötzlich wie aus un
endlichen Himmelsfernen durch das
kleine Firmament unserer Gedanken
weit kreisen, aber wenn wir stillhal
ten und ihren milden Glanz auf uns
wirken lassen wollten, würden wir
den Sinn ihrer Sendung erkennen:
uns zu Gott zu führen. Und manch
mal strahlt ein Gedanke mit der
flammenden Lichtkraft eines Kometen
in unserer Seele auf wir vermögen
uns seinem Zauber nicht zu entziehen,
er zwingt uns ganz in seinen Bann:
das ist die Zeit hochgemuter Entschei
düngen für das ganze Leben, da
spricht die Seele voll heiliger Ent
schlossenheit: „Ich habe Seinen Stern
gesehen und will hingehen, um Ihn
anzubeten!" Dann mag es über
Ströme und Meere und Wüsten von
Schwierigkeiten, Entsagungen und
Einsamkeiten gehen: die Seele wird,
vom Glänze des Wundersternes hin
gerissen, nicht rasten, bis sie den Herrn'
gefunden und Ihm gehuldigt hat.
Nach den Sternen müssen wir
schauen, wenn wir vorwärts und auf
wärts kommen wollet. Wir müssen
die Nacht des Vergessens über' alles
Irdische breiten, das sich uns tags
über so gewalttätig aufdrängt und
uns ganz in Anspruch nimmt. Nur
wenn aller irdischer Glanz in unserer
Seele erloschen und aller Lärm ver
stummt und es gleichsam nächtlich
Die weltberühmte St. Bene
dict-Wundsalbe
Erprobtes Heilmittel gegen alle
Arten von ölten und frischen Wun
den. Geschwüren, Gewachsen, Biß
wunden, Karbunkeln, usw. Bitte Geld
nur durch Post Money Order zu schif
fen. Jfeinj Stamps. 60 Cents die
Schachtel bei
L. STAAB
HMVeUeanriew Av*. OUmUSD 11, O.
still und dunkel in uns geworben ist,
gehen die Lichter Gottes in uns auf.
Und wir müssen wie Kinder und
Weise an die Macht der ewigen Ster
ne glauben und ihnen ohne Zweifeln
und Zagen folgen wie die kindlichen
Weisen des Morgenlandes. Wer in
seinem Innern einen Stern gesehen
hat und zaudernd rückwärts blickt, ist
nicht berufen für Gottes Reich.
In der heiligen Nacht haben die
Sterne des Himmels einen besonde
ren Glanz und die Menschen ein selt
sam starkes Verlangen, sie zu schauen.
Wenn sie an diesem Abend die Licht
lein ihrer Christbäume anzünden, die
schwachen Sinnbilder des Heilands
sternes am weihnächtlichen Himmel,
gehen ihre Herzen von selber aus ih
rcr engen Behausung heraus und fan
gen an, sehnsüchtig in die Weite zu
blicken. Und selbst in gottfernen See
len geht da und dort am heiligen
Abend ein funkelndes Lichtlein auf
und führt mit verlockender Macht
Verirrte und Vereinsamte heim zum
Vpter, der sie sucht.
Dr. A. H.
And wieder einmal
Weihnachten ...
So steht es wenigstens im Kalen
der: am 25. Dezember ist Christtag.
dann folgt der Stephans-Tag, das
Fest der Unschuldigen .Kinder, und
als Abschluß der Trei-Königs-Tag.
Uiiii am Radio hören wir wieder den
sentimentalen Singsang: I am
dreaming of a white Christmas
rot wäre freilich mehr zeitgemäß
Santa Claus nicht die Gestalt des
hl. Nikolaus, sondern die klobige Per
fonifijtcrung des entgeisiigten Weih
nachtsgeschäfts produziert die
üblichen Hanswurstiaden. Millionen
von Weihnachtskarten ohne Weih
nachtsgeist ärgern die Post, wenn
schon nicht den Empfänger Papa be
kommt einen Pyjama a la Russe aus
dem Warenhaus und die Kinder Ka
nonen und Tanks cn vtiuiature (nur
i, Sachsen hat man diese Spielzeuge
Gott fei Dank! verboten wir
aber müssen uns auf Tauerrüstung
einstellen, und das muß man schon in
der Kinderstube beginnen). Wer zu
den Glücklichen gehört, kann mit Mut
ter. Schwiegermutter und Tante drei
mal Dinner am Tage haben. Zudem
wurde schon verlautbart, daß man
vom Silvesterabend bis zum Neu
johrstag ungehindert tanzen und ze
chen kann auch wenn FBJ-Direk
tor v. E. Hoover von einer Armee
von 6,000,000 Gangstern spricht, die
heute das Land überfluten. Merry
Christmas!
Die Welt war feit den Tagen von
Bethlehem kaum jemals so weit vom
Geiste Christi entfernt wie in unseren
Tagen. Das christliche Erbgut, das
seit den Tagen der Renaissance und
Reformation abbröckelte, ist nun auf
gezehrt. Ter geistige Nihilismus ist
vollständig. Unser sittliches Handeln
war bis in unsere Zeti noch von christ
lichem Gedankengut beeinflußt, wenn
schon nicht bestimmt. Nun haben wir
den „autonomen", gottfreien Men
schen, der sich nur mehr von Genuß,
Gewinn und augenblicklichem Vorteil
leiten läßt. „Das Jenseits kann uns
wenig kümmern nach dieser Erde
stehen unsere Freuden," meinte Nietz
sche. Und damti wir nicht etwa hoch
mütig auf die „anderen" herab
schauen, erforschen wir besser das Ge
wissen in uns selber und in den ka
tholischen Reihen, ob wir vom Geiste
Christi oder vom „Zeitgeist" getrie
ben werden.
Und doch: die ganze Wettmacht»,
zeit steht wiederum vor uns wie in
der ersten stillen, heiligen Nacht: der
fortlebende Christus, Herodes, der
Ihm nach dem Leben strebt, die un
schuldigen Kinder und die Märtyrer.
Kannst du sie nicht sehen? Nein, nicht
Gespenster der Rauhnächte, rauhe
nachtfinstere Wirklichkeit. Ach ja, die
Propaganda hat uns den Blick ge
trübt, die Erkenntnis verschleiert
oder vielleicht das Gewissen ertötet?
Gerade vor Weihnachten haben die
Propagandamühlen eine neue Lubri
fotion erhalten. Ich meine durch die
Verhandlungen in Belsen, Dachau,
Nürnberg. Man möchte glauben, die
Welt erführe davon zum ersten Mal.
Tatsache ist, daß alle diese Greuel,
die jetzt unsere Blätter füllen, wenig
stens im Ausland, seit Jahren be
famtt waren daß jeder, der nur ei
nen Fünfen von Menschlichfeit hat,
darüber nicht bloß entsetzt ist, sondern
mit Recht die Bestrafung wirfüch
Schuldiger erwartet. Es ist aber
auch Tatsache, daß das Martyrium
der Millionen deutscher Menschen, die
diesem Gangstertum mit Einsatz ih.
rer Existenz, ihre Habe, ihres Lebens
widerstanden, bewußt totgeschwiegen
wurde und. wird. Der Ste
a n s -T a e y e
u n s e e s a u n e s
steht nicht im Kalender un
fer er Propaganda! Wenn
unlängst einer dieser Anwälte der
Menschlichkeit am Radio erklärte, er
OHIO WAISENFREUND
würde viel darum geben, einen
„Ringside Seat" bei der Hinrichtung
in Belsen zu haben, so spricht daraus
nicht etwa Gerechtigfeitsgesühl, son
dern eine Gesinnung, die der der
Gangsters von Belsen ähnlich ist tote
ein Ei dem andern. Vielleicht könn
ten Stalin oder Benesch dem Her*n
sogar einen Job geben, der ihm bes
ser liegt als Radioarbeit.
Man müßte natürlich annehmen,
daß jeder, der die Nazi-Greuel ver
urteilt, auch nur den Schein vermei
den würde, durch sein Handeln in ih
re Nähe zu fommen oder gar sich auf
dieselbe Stufe zu stellen. Das ist lei
der nicht so: Gesetze gelten nicht für
Sieger. Sic haben mit den Besiegten
feinen gemeinsamen sittlichen Boden.
Es war sehr interessant festzustellen,
daß man z. B. General Aamashita
die Verpflichtungen des Haager lie
bereinfoimncn» vorhielt auf der an
deren Seite sagen diese Abmachun
gen, daß Privateigentum nicht kon
fisziert werden darf. Vier Millionen
Sudetendentsche und Ungarn werden
ihrer letzten Habe beraubt Soldaten
aller Nationen plündern, was es nur
zn plündern gibt. Act) ja. das sind
Sieger oder Outlaws?
Zurück zu Weihnachten. Erleben
wir nicht die Grausamkeit des Hero
des an den Brüdern und Schwestern
des Jesukindes? Millionen deutscher
Kinder sterben diesen Winter, kaum
ein Kind wird das erste Lebensjahr
überdauern. Ihr Blut klebt an unse
ren „Herodes". Wenn man einmal
die Geschichte dieser Zeit schreiben
wird, wird es ein Ehrenblatt Eng
lands bleiben, daß dort derzeit eine
Gruppe von Menschenfreunden daran
arbeitet, vierzigtausend deutsche Kin
der vorersie zehntausend im
Flugzeug nach England zu bringen.
„Wir haben die Unterstützung (nicht
bloß der anglikanischen, sonder» auch)
der ganzen katholischen Kirche Eng
lands," erklärte Marschall de Cres
pignv. In der Albert Hall in Lon
don versammelten sich fünftausend
Mensche» zu einer Hilfsaktion. „Die
se Versammlung." erklärte der Sozia
list Victor Gollancz, der die Tagung
organisiert hatte, „soll die Regierung
unterrichten, daß es eine ernste Her
ausforderung unseres nationalen
Gewissens wäre, wenn in England
die Nahrungsrationen allgemein er
höht würden, während auf dem Kon
tinent eine verzweifelte Lage
herrscht." So geschehen int hungrigen,
kriegsntüden, zerbombten England im
London des „Blitzes". Wann wird
unser „christliches Gewissen" sich her
ausgefordert fühlen? Das „Lasset die
Kleinen zu Mir kommen" ist eine
schöne Predigtverzierung wirklich
weiter nichts??
lichen Statistik gab es 1930 3,318,
4 15 Deutsche (=22.53 Prozent) und
719,569 (=4.89 Prozent) Ungarn,
denen nur 7,447,145 (=50.56 Pro
zent) Tschechen gegenüberstanden.
Soll die Zahl von zweieinhalb Mil
lionen sagen, daß bereits achthundert
tausend von den „Friedensoerbrechern
gegen die Menschheit" in Prag hinge
mordet wurden? Die Politif der Mas
senaustreibung ist ja letzten Endes
nichts anderes als Mord, genau so
wie die territorialen Veränderungen
zum Hohn auf alle feierlichen Ver
sprechungen. Dr. A. I. App veröf
fentlichte eben einen ungemein schar
fen Aussatz über „Territoriale Unge
rechtigkeiten" (.Magnificat', Novem
ber), der allen Lesern zum Nochben»
fen und Handeln empfohlen sei. Mit
den Millionen leibgegnälter Mütter
und Kinder sind tcinicnde von Schwe
iler» auf der „Flucht nach Aegypten".
Wir berichteten unlängst von den
•Urenzichtticstern, die ihr Provinzhaus
in Egcr und alle Filialen ausgeben
mußten und bei Erzbiscbös Gröber in
dem zerbombten Freiburg Unterkunft
'.luden. Nun kommt die Mitteilung
hiebe nicht darnach in gewissen
katholischen Blättern, lieber Freund!
daß die Schwestern der Christli
.'beu Liebe, eine Gründung Pauline
ven Mallinckrodts, ihre Häuier in
Prag, Teilchen. Schlachenwerth und
Chergrimd aufgeben mußten. Ich
nviß nicht, ob man auch dort „Waf
v» gefunden" oder ob die Klöster sich
f. 1 v Nazi-Hochburgen entpuppten, wie
lmiit uns wohl bald erzähle» wird,
vib weiß nur, daß Meie Schwestern,
die außerordentlich segensreich wirk
ten (die, nebenbei bemerkt, auch in
Amerika zwei Niederlasstingen ha
ben), verfolgt und vertrieben werden,
weil sie eben Deutsche sind, d. h.
I '.Vieiiicben, die fei» üebcitsrecht haben,
iuud weil es bei diesem Frieden darum
geht, auch das Christentum anszntil
gen. Wenn mit irgend jemand, dann
ist das göttliche Kind mit diesen
Schwestern ans der Flucht in's Chaos.
vit dasselbe Kapitel gehört die
Rücksendung der Kriegsgefangenen.
'VI»
sich könnte man sich freuen, daß
üe mehr als ein halbes ^.ahr nach Be
endigung des Krieges heimkehren
dürren. Aber sie gehen nicht nach
\vnie, sondern nach dem Stalin
Wooienelt'Plnn, dargelegt in den
I Seandrett Erklärungen in die
I Sklaverei nach Frankreich. Schweden
bat natürlich freiwillig! deut
sche Gefangene den Russen ausgelie
jfert. Auf der anderen Seite muß die
11INRRA für polnische Juden im Rei-
I
Wir halten zum Morgenthau-Plan
Pardon, Dr. Mergenthau. Das
Hebrew Union College hat ihn ja so
eben zum Ehrendoktor ernannt.
Der Herr Doktor beklagte sich eben
wieder, daß sein Plan nicht rücksichts
los genug durchgeführt wird. Es to ill
mir fast scheinen, daß er nach Sün
denböcken ausschaut. Aber halten wir
daran fest: Die derzeitige Katastro
phe, die nicht bloß das Reich betriff,
ist nicht allein eine Kriegssolge, son
dern hauptsächlich eine Folge der Be
schlüsse von Potsdam, und der Vena
tion Potsdam ist ?r. inhunianitatis
Mergenthau. Schreibt L. Clair eben:
„Unser .Tiger' eine Anspielung cut
Clemenceaus Wort, daß fünf im
zwanzia Millionen Deutsche zuviel in
der Welt seien glaubt dasselbe,
was er aber wirklich beabsichtigt ist.
den europäischen Kontinent in eine
große Kolonie ad majorem gloriam
(d. i. zum Nutzen) amerikanischer
Großindustrie umzugestalten" (,2 he
Progressive'. 10. Dezember). Als ob
man im Dschungel Geschäfte tttacb.it
könnte! Mit Scham und Entsetzen l.vS
ich eben, daß ein fatholisches Wochen
blatt den infamen Plan als „kLir,
logisch, zwingend und fair gegenüber
jedermann, einschließlich Deuti.e
!and" (,Our Sunday Visitor', I'!.
Dezember) empfiehlt.
Noch einen Herodes-Plan mix: :e
ich aufdecken, der absichtlich verschwie
gen wird. Der britische Außenini :i
ster Ernest Bevin erklärte Ende
6er, daß zur selben Zeit, da Eure na
verhungert, in Argentinien Weizen
verbrannt wird, weil das Oel znnt
Transport fehlt und das Oel feiilt,
„weil manche Länder Politik stie
len". Nun, Argentinien gehört be
kanntlich zu den Ländern, in deren
innere Angelegenheiten wir uns ein
mischen dürfen gerade wie in 2 Li
nien. Nichteinmischung besteht mir
dort, wo Kommunisten und Freimau
rer am Ruder sind wie in Rufend
und den russischen Puppetstaateu Po
len, Jugoslawien und der Tschecbo'io
ttiafei. So verwirflichen wir ..Free
dom From Want"!
Die Flucht nach Aegypten erleben
wir heute in Millionen Schrecken size
nert. Jetzt, mitten im Winter, werben
die Massenaustreibungen aus der
Tschechei und aus Polen wieder auf
genommen. Wenn die New Yorker
.Times' davon redet, daß vor dem
Kriege zweieinhalb Millionen Tent
sche im Sudetenland leben, so ist das
absolut unzutreffend. Nach der amt­
che sorgen, die sich weigern heimzu
kehren nun, weil es im kommnni
stischen Polen antisemitische Pogroms
usw. gibt. Für drei russische Flücht
linge, die sich vor der Umarmung Vä
terchens Stalin fürchten, wurde ein
eigener Antrag im Kongreß einge
bracht, ihren Eintritt nach den Ver.
Staaten zu legalisieren. Was
Sklaverei in Frankreich bedeutet, ist
hinreichend klar geworden aus den
bisherigen spärlichen Berichten. Sag
te ein Augenzeuge: „Tie Gefangenen
waren unfähig zu arbeiten und schau
ten aus wie Leichen, die aus den
Schreckenslagern ihres Vaterlandes
wieder erstanden waren." Sagte ein
Pressephotograph, der von Buchen
wald bis Tachau gekommen war:
„Der einzige Unterschied zwischen die
sen Gefangenen und den Leichen ist
der. daß sie noch atmen." Und soweit
sie nicht zu Sklavenarbeit verwendet
werden, sendet man sie in die „Frem
denlegion" für französischen Impe
rialismus in Afrika. Und die Frem
denlegion war und ist zusammenge
setzt aus Verbrechern, dem Abschaum
der Menschheit. Das geschieht im
Frankreich des Katholiken Te Gaulle
warum sollten wir hier verschwei
gen, daß der Mann Katholik ist,
wenn uns bei jeder anderen Gelegen
heit „Katholiken" unter die Nase ge
halten werden! Und in Rußland?
Die menschlichen Ruinen der sechs
tausend Uebcrlebcuücit von Stalin
grad sagen alles. So verwirkli
chen wir den „Frieden Christi"—
Ja, alle die Vorgänge aus den
Tagen der Geburt des Herrn wieder
holen sich: Menschen werden ermordet
um Seines Bekenntnisses willen wie
der Erstmarti?rer Stephanns Kinder
werden kaltblütig hingemordet von
den Herodianern unserer Tage Mil
lionen sind auf der Flucht in eine
unbekannte, grauenvolle Zukunft.
Tie unheiligen Drei Könige pilgern
nicht mehr nach Bethlehem 'ouberu
nach Moskau der Stern, der sie lei
tet, ist nicht das Licht aus der Krippe,
sondern Macht und Gier sie opfern
nicht Weihrauch?, es gibt keinen Gott
nicht Gold, fie sammeln das Gold in
sicheren Gewölben sie gießen den
Kelch der Myrrhe über die leidge
quälte Menschheit.
Und der Heiland selber? ?r leidet
und darbt und hungert und wird ver
trieben und hingemordet in Seinen
„geringsten Brüdern". Er hat zeit
lebens die Satten, die Selbstgerech
ten, die Scheinheiligen, die Heuchler
bekämpft, aber Er war ein Freund
der Armen, der Verfolgten, der Un
terdrückten, der Menschen in Not. Se
lig sind ... Die hl. Elisabeth von
Thüringen hat in der Stunde der Er
niedrigung und Armut das „Großer
Gott, wir loben Dich!" angestimmt.
Ich weiß nicht, wie viele diesen He
roismus haben, wie viele den Glau
ben an diese Ideale bewahrten, wenn
sie sehen, daß die „Sieger" alle Jdeü
le verraten und verleugnen aber
ich weiß, daß Christus mit den Ster
benden, den Verhungernden, den
Ausgetriebenen ist. Sie sind das Bild
Christi in unserer Zeit.
Das sind nicht Redensarten. Ich
weiß selber um diese Not. 1938 um
diese Zeit war ich in Kanada. Hun
derte junger Menschen zogen am Hl.
Abend durch die Straßen Montreals,
johlend, die meisten betrunken: Mer*
ry Christmas! Es war mein erstes
Weihnachtsfest in der Fremde. Ich
hatte alleS zurückgelassen: meinen
aebtnndsiebzigjährige» Vetter, meine
Geschwister, mein ganzes Hab und
Gnt. Ich mußte immer wieder rech
nen. ob ich mir noch ein warmes Es
sen kaufen könne Da war kein
Platz in der Herberge C'cst In
"'ie (So ist das Leben), sagte mir ein
Katholik Ein jüdischer Flüchtling
aus Belgien nahm sich mehr als je
mand meiner an Am Ebristtag
»torgen ging ich zur Totengruft ei
nes Klosters, Tort erst lernte ich ver
stehe», daß Christ fei» heißt Christus
gleich werden in allem ... in allem.
Und dann erwachte die Weihnachts
freude. Tann klangen die (blocken.
Tarnt jubelte das Stille Nacht-Heilige
Nacht ans dem trauten Salzburger
Torf, aus gläubigen Tagen.
Eben schickte mir ein Freund eine
Weihnachlsfcirte: „Möge die Freude,
die das Christkind brachte, sich mit
jedem frohen Tag vermehren und dir
die kostbaren Gaben bringen: Sicht,
Liebe und Frieden." Tas sei mein
Wunsch und mein Gebet für alle Le
ier und Freunde. Möge das göttliche
Kind uns allen das Licht der Er
kennt»is bringen, daß es keinen an
deren Grundstein geben kann für un
ser Leben und für die Welt als Chri
s i s ö e E s i n u n s i e i e e
entflamme» zu all de» Leidenden und
Kreuzträgern unserer Tage, zu all
den Ctu'ern brutaler Machtpolitik.
Möge Es uns den Frieden sehen
feit, den die Engel auf Bethlehems
Fluren verkündeten, und uns fähig
machen die Grundvoraussetzung da
iiir in uns selber und in innerem
.Kreise zu erfüllen!
Der Tnuerttund im
Wandel der Lahrhunderte
Von /'. Justus Schweizer,
O.S.B.
Ein Friedenswerk ersten Ranges
ist das bei Benziger & Company in
Einsiedeln (Schweiz) unter obigem
Titel erschienene Buch. Es liest sich
beinahe wie ein Roman. Und doch
glauben wir es dem Verfasser, Jo
hannes Schwendimann, gerne, wenn
er sagt: Ungezählte Quellenwerke und
Kulturdokumente seien in den letzten
Jahrzehnten durch seine Hände ge
gangen. Ter einfache Farmer, wie der
klassisch gebildete Gelehrte werden
das Werk mit gleichem Genuß und
Nutzen lesen.
Die erste geschichtliche Quelle über
den Bauernstand ist das Buch der
Bücher. War doch schon die erste Fa
milie eine ausgesprochene Bauernfa
ntüie und der Stammvater des aus
erwählten Volkes, ähnlich wie Job,
ein. Großbauer. „Nach den Aegyptern
waren die Israeliten die emsigsten
Ackerleute der alten Welt." Tas mo
saische Gesetz sorgt aber auch in ein
zigeirtiger Weise, daß den einzelnen
Familien und Sippen ihr Land nicht
verloren gehe.
Tie Griechen, das erste Kulturvolk
Europas, entwickelten schon in frühe»
Reiten einen Acker-, Obst-, Wein- und
Gartenbau und eine Viehzucht, die an
innere Tage erinnert. Tie Glanzpe
riode dieses Volkes war bedingt durch
die Landreform des weisen Solon.
Auch die alten Römer zur Zeit der
Republik hatten einen blühenden
Ackerbau. Tieser ging aber unter den
Kaisern durch den Großgrundbesitz
und die Sklavenwirtichaft immer
mehr zurück, bis zur Zeit der Völker
Wanderung, wo „der Grundbesitzer
weiter nichts mehr ist als Staats
sehn
Id ner".
„Tie Barbaren kamen und über
fluteten den ganzen Kontinent. Aber
so wie sie vorwärts schritten, mar
schierten neben und vor ihnen andere
Legionen, die friedlichen Heeresgrup
pen der Benediktiner, geführt von ih
rem Patriarchen Benediftus. Er
zählt die Söhne, die seine Kriegs
scharen bildeten, zu Taufenden und
sein Ansehen war derart eindruck
mäßig und weltumfassend, daß selbst
Monarchen, wie der rauhe Gotenkönig
Totila, sich vor der Majestät seiner
stillen Große neigten. Ter machtvolle
Ordensstifter formte aus heidnischen
Barbarenfürsten Freunde und Bun
desgenossen, und schreibt seine Or
densgesetze, die das verödete Europa
5
wie Lichtstrahlen durchleuchten. In
dessen dringen seine friedlichen Ge
folgschaften in alle Gegenden des
Weltteils, räumen den Schutt der
Ruinen weg, bauen seine verheerten
Gefilde wieder auf und sorgen da
für, doß die Eroberer selbst erobert,
mit ein paar Worten, daß den irren
den Völkern wieder Bodenständigkeit,
Gerechtigkeit und Glaube werde."
„Alle ernsten Forscher, welcher
Wellanschauung sie auch sein mögen,
sind heute einig in der Anerkennung
der unermeßlichen Verdienste, welche
die Oi'tii'iu-U'utc der Benediktiner, Zi
sterzienser usw. um die Bodenkultur
und seine Bauerntum sich erworben
haben. Ja, was diese den christlichen
Ordeiisleuten zu danken haben, das
ist in der ganzen Große noch nie auch
nur annähernd gewürdigt worden.
Nur dem hingebenden Omermut und
der Tisziplin der Lrdensleute war
es möglich, die unfruchtbarsten Län
dereien zu ertragreichen Gefilden um
zugestalten. Sie lichteten Urwälder,
regulierten Fli'mc, trockneten Sümp
fe aus und gewannen durch Anlegen
von Tämme» fruchtbares Land. Im
Norden des Kontinents trieben sie
Viehzucht, in den milder» Gegenden
Cbst- und Gemüsebau und Weiitkul
lm\"
„Aller gebildete Ackerbau ist vo»
den lüstern ausgegangen," schreibt
Profefior Roscher, „und wie diese
Pflanzschulen geistiger Belehrung
umreit, so auch wirklicher Kultur."
Und der For icher Gui',ot: „Tie Bene
diktiner haben Europa urbar ge
macht." So haben sie den Grund ge
legt zu dem einzigartigen Wohlstand,
auch der Bauern, im so viel verlä
sterte» Mittelalter. „Tarin stimmen
alle Berichte übereilt: Ter Wohlsland
des Bauerntums war zu Ausgang
des Mittelalters nicht etwa im Sin
ken, sondern im Aussteigen begriffen,
und mit ihm das Selbstgefühl. Im
üppigen Ainwand bei Festtafeln, in
reicher Pracht und kostbarem Schmuck,
taten es viele Bauer» de» städtisch,en
Patriziern gleich. Ein Zeitgenosse aus
dem Elsaß schreibt: ,Tut°ch Reichtum
sind die Bauern üppig und iibcrmü
tig geworden, Sie sind verschwende
risch in Nahrung und Kleidung und
trinken kostbare Weine.'"
Tas ändert sieb zu Beginn des
sechzehnten Jahrhunderts mit der Re
formation. Tas Aufkommen des rö
mischen Rechts und die Predigten der
Neuerer machten die Bauern linzu
U'iecicn. Es kam zu Aufständen und
in den deutschen Landen zum vielleicht
tragischsten aller Kriege, zum Bau
ernkrieg. Ueberall wurden die Bau
ern. trotz ihrer zahlenmäßigen lieber
legenheit, geschlagen und jetzt erst
recht unterjocht. Ter nun folgende
Slaatsabsolutismus machte ihr Los
nicht leichter: auch nicht die französi
sche Revolution. Tiefe brachte zwar
dem Bauer die „Freiheit", aber vor
ab die Freiheit zum Schuldenntachen.
Tadurch geriet er erst recht in Abhän
gigkeit vom Kapital. Während in
Amerika die „Heimstätten" nicht weg
genommen werden durften, verloren
in Europa Tausende ihr angestamm
tes Heim. Erst in der letzten Zeit er
kannten die Staatenlenker die schwer
gefährdete Lage des Bauernstandes
und versuchten der zunehmenden Ver
schuldung zu begegnen. So in der
Schweiz, Italien und Deutschland.
Wie bald sich das Bauerntum in den
vom Kriege heimgesuchten Ländern
wieder erholen wird, das ist freilich
ein noch ungeschriebenes Blatt.
Sicherlich würde jeder Deutsch
Airterifaner, wenn er das Buch von
schwendimann mit seinen mehr als
hundert Bildern sehen würde, mit
beiden Händen darnach greifen. Und
wer der deutschen Sprache nicht mehr
mächtig ist, dem würde „die Bebilde
rung des Werkes mit zum Teil ganz
seltenen Kulturdoknmenten mehr ver
raten als der Text ganzer Druckbo
gen".
Uichsrd Schmitz dankt
den Heikern
Richard Schmitz, der frühere Bür
germeister von Wien, richtete einen
langen Brief an Father Reichenber
ger, aus dem wir folgenden Auszug
wiedergeben, der einen weiteren Kreis
interessieren dürfte:
„Lieber alter Freund!
„War das eine freudige Uebcrra»
fchutig, als ich am Allerheiligen-Tag
Teilten lieben Brief vom 10. Okto
ber aus Süd-Takota erhielt! Ich dan
ke Tir aus ganzem Herzen, daß Du
in Deiner weiten Ferne an alte
Freunde gedacht hast. Mit dieser Ant
wort habe ich vor allem deshalb zu
gewartet. weil ich Dir und allen Hei
fern in meinem und im Namen der
Frau v. «chuschnigg gleich besonderen
Tank für die Geldüberweisung sagen
wollte ... Es ist sicherlich besser,
gleich Tollarbanfnoten zu schicken,
wenn das erlaubt ist. Das soll aber
feine unzarte Anspielung fem, doch
(Fortsetzung auf 6ette 8)

Von ($. I. Reich cnbcrger
E e e i o i n e ö
Ii e!
C.-St. d. C.-V.
Rom, 8. November 1915.

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