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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 6

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Moribus paternis Nach Mterütte
Erzählung aus der Hamburger Gesellschaft des vorige« Jahrhunderts
(Fortsetzung)
Unterdessen war der junge Präto
rws auf die Plattform des ^-chlafwa
gens gestiegen. Ter Kondukteur nahm
dem Diener das Gepäck ab und mein
te: „Bis jetzt nur vier Betten bestellt,
falls nicht in Bremen noch Herrfchaf
ten kommen! Einen erwarte ich noch
hier: scheint aber den Zug zu verpaf
sen. Ter Platz ist schon gestern refer
viert."
Es läutete zur Abfahrt. Prätorius
reichte seinem Onkel und Associe die
Hand, dann auch dein alten Tiener
seiner Familie: „Adieu, Onkel
Brewer, gute Besserung für deine
Kinder! Hoffentlich höre ich bald, das
sie ausser Gefahr find. Alice wird sie
schon gut pflegen. Adieu, Franz noch
viele Grüße zu Haufe halten Sie sich
munter, bis ich wiederkomme."
„Farewell, lieber Cäsar!" und
„Reisen Tie mit Gott, Herr Cäsar!"
klang es zurück.
Dabei hatte sich der Zug bereits
irt Bewegung gesetzt. Einen Augen
blick blieb Brewer noch stehen und
musterte die vorbeifahrenden Wagen
plötzlich sagte er halblaut: „Das ist
ja Mis Wire!"
Ter Tiener meinte, er fei gerufen:
„Wie befehlen Hr. Brewer?"
„Ich? O nichts, Franz. Wir wol
len gehen. Sagen Sie dem Kutscher,
er solle mich nur Ecke Ferdinands
Straße absetzen."
„Ter Hl. Bürgermeister befahlen
uns, Hrn. Brewer noch nach Hause zu
fahren."
„Es ist nicht nötig, Franz."
Damit war die Sache entschieden.
Brewer zündete sich im Wartesaale
seine Zigarre an und stieg dann in
die Equipage des Bürgermeisters. Er
hatte recht gesehen: Miß Wire, die
ehemalige Gouvernante von Alice
Amring, war im Zuge: sie war es,
die den Schoßhund nicht dulden woll
te. Auf der ersten Station machte sie
dem Schaffner noch einmal Mühe:
„Ich will in den Schlafwagen steigen
helfen Sie mir, bitte, meine Sachen
herauszuschaffen."
»Gut. Ich denke, es wird noch
Platz im Schlafwagen sein. Nur
schnell, Madame der Zug hält hier
nur vier Minuten."
„O, ich habe schon mein Ticket für
den Sleeping Ear."
Die Mitreisenden, die das hörten,
wunderten sich, weshalb die Dame
denn nicht gleich in den Schlaf
wagen gestiegen sei. Ter Schaffner
machte sich ebenfalls seine Gedanken.
Er trug die Reisetasche der wander
lustigen Tame an den Schlafwagen
und empfing dann ein Zweimarkstück
nicht von ihr, sondern zu sei
nem Erstaunen von einem jungen
Herrn, den er zuvor noch nicht be
merkt hatte. Tie ganze Geschichte ver
lief höchst eilig, doch konnte ihm der
Kondukteur des Sleeping Car noch
zuflüstern: „Auch ein nettes Pärchen,
das!"
Während der Schnellzug durch die
Nacht dahinbrauste, saßen in der
Stadt drei Herren ziemlich spät am
Whisttische, nämlich im Spielzimmer
des fashionabeln Union-Klubs. Es
waren der 'Oberingenieur Morgen
rot, der Konsul lliiico Möller und
Landgerichtsrat Meirinck. Sie spiel
ten mit dem „Blinden". Ter vierte
nämlich, den sie seit drei Stunden
vergeblich erwarteten, war Sergius
Waffiljewitsch Iwanowsky. Als die
Uhr zwölf schlug, war gerade ein
Ruober zu Ende, und der erotische
Konsul erklärte: „Jetzt gehe ich. Ter
Russe ist doch schlauer wie wir alle,
lieber Landgerichtsrat."
„In der Tat," erwiderte Meirinck,
„ich begreife nicht, wo der Kerl
bleibt."
Morgenrot 'ragte: „Hat er viel
leicht doch einen andern Abend ver
standen?"
„Nein, Donnerstag. Treimal habe
ich's ihm wiederholt. Er sagte noch:
,Also Tonnerstagabend zwischen neun
und zehn.'"
„Ter Mensch ist also seiner Ver
abredung mit Ihnen nicht treu ge
blieben. Wie wollen Sie ihm jetzt bei
kommen?"
»Sein Ausbleiben bestärkt mich in
meinem Verdachte."
Ter erotische Konsul ließ sich be
reits seilten Rock und Hut bringen.
Er neckte den Landgerichtsrat: „Nun
geht es wieder, wie es so oft in den
Zeitungsberichten heißt: .Trotz der
eifrigsten Recherchen ist es bis jetzt der
Polizei noch nicht gelungen, des Tä
ters habhaft zu werden.'"
„Ja," fügte Morgenrot hinzu, „die
Nürnberger hängen keinen, den sie
nicht zuvor ."
Der Landgerichtsrat fuhr der
drießlich dazwischen: „Ach was, da
ist gar kein Grund zur Aufzieherei'
Tie Sache war ganz vorzüglich ein
gefädelt."
„Freilich," lachte der Oberinge
nieur, „aber der Faden ist wieder
aus dem Nadelöhr heraus."
„Sie mögen sagen, was Sie wol
len haben Sie ihn denn nicht selbst
in den Klub geladen, Herr Oberinge
nieur?"
„Gewiß. Aber i ch nehme unser
Fiasko gemütlich."
„Ich auch," knurrte Meinrinck, „es
ist mir absolut gleichgiltig, wo dieser
dieser Lump steckt."
Kaum hatte der Landgerichtsrat
diese schmeichelhafte Erklärung gege
ben, als man von dem anstoßenden
Lesesaal die Worte vernahm: „Gos*
podi pomiluil Tie Herren sind noch
da? Nein, das ist zu viel Liebenswür
digkeit gegen mich Meine Herren,
ich weiß wirklich nicht, wie ich mich
entschuldigen soll meine Unhöf
lich feit übersteigt jedes Maß. Sie
wollten nach Haus nun natürlich,
wenn ich ihre Geduld drei Stunden
auf die Probe zu stellen wagte. Ach,
Herr Konsul, knöpfen Sie Ihren Pa
letot noch nicht zu: wir plaudern noch
einige Minuten. Herr Oberingenieur,
leiber Herr Landgerichtsrat, ich bin
Ihnen Aufklärung und Genugtuung
schuldig, in der Tat, Sie können das
verlangen, Sie müssen mich ganz un
begreiflich finden ... o, entschuldigen
Sie solche Unart nicht, meine Herren.
Es ist unentschuldbar, Gospodi pomi
lui, und doch werden Sie begreifen,
wenn Sic mich gehört haben ., ja,
ja, ich bin gewiß, ich besitze Ihr Ver
trauen. O meine Herren, wie ist das
alles so plötzlich gekommen!" Und
mit einem Seufzer warf sich Iwanow
sky in einen bequemen Stuhl, wäh
rend iiie drei Männer ihn halb ver
dutzt, halb spöttisch anblickten.
Iwanowsky wiederholte: „Wie ist
das alles so rasch gekommen!"
„Was?" fragte Morgenrot zö
gernd.
„Taß meine gute Mutter von den
Aerzten aufgegeben ist."
»Wie? Ihre Frau Mutter krank?
aufgegeben?" tönte es durcheinander.
Ter Russe nickte: „Als ich gegen
neun Uhr meine Wohnung verlassen
wollte, kam noch ein Telegramm, das
mir die schwere Erkrankung meiner
Mutter mitteilte. Gospodi pomiluil ich
packte gleich und muß morgen früh
heimreisen. Ta haben Sie den Grund
meiner Verspätung."
„Gewiß, Tie sind übergenug ent
schuldigt," sagte Morgenrot, „es tut
mir herzlich leid, Hr. Iwanowsky."
„Hoffentlich," fügte der Konsul
Unico Möller bei, „treffen Sie Ihre
Frau Mutter wieder besser, wenn Sie
dort sind. Wohin müssen Sie reisen?"
„Meine Mutter wohnt in Nowij
Tworetz, zu deutsch Neuhof, in der
Krim Nowij Tworetz ist das alte
Stammgut der Fürsten Wolinzeff.
Ich werde lange bleiben müssen, wie
immer die Tinge ihren Verlauf neh
men, es gibt da mancherlei zu ord
nen. Sie begreifen, die Diskretion
verbietet mir, über alles zu reden.
OWIatiiSi hka moja, meine arme Mut
ter!"
„Trösten Sie sich," beruhigte der
Konsul, „vielleicht ist alles wieder gut,
wenn Sie erst in Rußland sind."
Iwanowsky starrte in bekannter
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rfikrttbrr
Der hochw'stc Hr. Erzbischof S.
A. Ttritch bun Khiiagu wurde
kürzlich zum Vorsitzenden der
Admiinstrativbehörde der National
Catholic Welfare Conference ge
wählt. Er kann im kommenden
Jahre, obwohl erst neunundfünf
zig Jahre alt, sein silbernes Bi
schofsjnbilänm feiern.
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Weife stumm die Zimmerdecke an. Ei
nen Augenblick herrschte dann ehr«
furchtvolles Schweigen.
Jetzt kam wieder, Morgenrot mit
feiner sanften Stimme: „Sie reisen
über Wien?"
„Ja, über Wien Odessa," ant
wortete Iwanowsky mit einem aber
maligen Seufzer. Der Landgerichts
rat beobachtete ihn scharf bei den letz
ten Worten bemerkte er, wie ein flüch
tiges Lächeln die Lippen des Reden
den umzuckte. Meirinck traute der
ganzen Geschichte nicht, und deshalb
ärgerte es ihn, daß Morgenrot und
der Konsul dem Russen so viel Teil
»ahme schenkten.
Etwa zehn Minuten unterhielt
man sich noch über die plötzliche Er
kraiikung der alten Dame d. h.
der Landgerichtsrat tat nicht mit, son
dern spielte mit seiner Uhr kette und
fixierte Iwanowsky dermaßen, daß
dieser seinem Auge wiederholt auszu
weichen suchte. Der Russe sprang dann
plötzlich wieder auf, ging auf Mor
genrot zu und umarmte ihn mit den
Worten: „Wann sehen wir uns wie
der? Ja, wann? Gospodi pomiluil
haben Sie Dank für Ihre Freund
fchaft. Ei bohu, wahrhastig, Sie ha
ben mir den Aufenthalt hier ließ ge
macht. Gott schütze Sie, Herr Ober«
ingeitieur!"
Aehnlich erging es dem exotischen
Konsul.
Während Morgenrot sich von dem
plötzlichen Ueberfall noch erholte, hat
te Iwanowfky Hrn. Unico Möller be
reits gepackt: „Leben Sie wohl, lie
ber Herr Konsul! Mein seliger Onkel,
der Fürst Wolinzesf, pflegte bei trau
rigen Anlässen zu sagen: Nebo pam
ratschalosj, d. h.: der Himmel wird
trübe! Tas ist wahr: die Trennung
wird mir schwer! Allein, was hilft
e»? Ich u reisen. Ten ken Sie oft
an mich. Haben Sie Wünsche? Ich bin
Ihr Diener, jederzeit, Herr Konsul.
Aber mein Gott, katorij teperj
tschass, wie spät ist es? Halb ein
Uhr! Leben Sie wohl!"
Iwanowsky wollte nun auch den
Landgerichtsrat umarmen. Schon be
gann er: „Pakornc'ischi slitga
wir sagen in Rußland ."
Aber da unterbrach ihn Meirinck
tofort in sarkastischem Tone: „Ich
verstehe kein Russisch. Leben Sie wohl
Adie, Hr. Iwanowsky, adieu!
Glückliche Reise und gute Besserung
Ihrer Frau Mutter!"
Iwanowsky ließ die gegen den
Landgerichtsrat ausgebreiteten Arme
sinken, griff nach feinem Zylinder und
verabschiedete sich mit einer höflichen
Verbeugung. Als er das Spielzim
mer verlassen hatte, bedauerte ihn
Morgenrot: „Armer Kerl, so plötzlich
abreisen!"
»Pah." sagte Meirinck, „der Kerl
hat Lunte gerochen und macht sich aus
dem staube. Was meinen 3 i e
Konsul?"
--Vielleicht hoben wir uns in ihm
getäuscht. Er scheint aus einer aristo
kratischen Familie Rußlands zu sein,
und da ist doch wohl nicht anzuneh
men. daß er mit falschen Karten
»Pah. aristokratische Familie! Der
Kerl ist ein Hochstapler!"
„Wie?"
„Ich trauejhm nicht von hier bis
do. Glauben Sie mir, unsereins kennt
sich etwas aus. Der Kerl ist gewandt
aber ab und zu hat er doch Manieren,
die nicht nach einem Aristokraten aus
icfien. Gr kaut z. B. die Nägel und
kratzt |tch dann und wann mit beiden
Hunden den Kopf."
Morgenrot meinte: „Ach, schlechte
Manieren rinden sich auch in bessern
standen. Denken Sie nur an man
che Kommentgewohnheiten unserer
Korpsstudenten
2er Konsul stimmte Bei: „Und
dann ist der Mann Russe. Diese Leute
haben leicht unzivilisierte Manieren
Der Landgerichtsrat blieb bei sei
ner Ansicht: „Russe ist der Mensch,
das mag sein, aber eher ein Moskau'er
Handelsjude als der Verwandte eines
Fürsten. Uebrigens imponiert mir
y--
auch ein Fürst noch nicht, der da hin
ten aus dem Osten kommt. Diese Her
ren kann man nicht kontrollieren, sie
stehen nicht im Gota'er Almanach.
Glauben S i e meinetwegen, was Sie
wollen, i ist es gewiß, daß der
Kerl ein Spitzbube ist, freilich ein
first rate chcat. Wenn die exzentri
sehe Madame Amring sich nicht in ihn
vergafft hätte, so wäre er nie in un
sere bessern Kreise eingeführt wor
den. Ich wollte nur, wir könnten noch
einen Kriminalfall an ihm erleben."
Die drei Freunde begaben sich nach
einer kurzen Debatte über den Eha
rafter Jwarwwskys heim. Im Haus
flur blieb Meirinck einen Augenblick
zurück, um sich eine Zigarre anzuzün
den. Als er das glimmernde Zünd
holz, welches er auf die Treppenstu
fen hatte fallen lassen, mit dem Fuße
auslöschen wollte, bemerkte er einen
beschriebenen Zettel. „Offenbar hat
Morgenrot oder Möller das Papier
verloren," dachte er deshalb hob er
es auf und fragte die zwei, welche Be
reits auf die Straße getreten waren.
„Ich habe nichts verloren," sagte
der Konsul.
„Lassxn Sie mal sehen," bat der
Oberingenieur, „ich mache mir oft
Nisse und Bleistiftzeichnungen auf ein
kleines Blatt, vielleicht habe ich es
mit dem Taschentuche herausgezogen
warten Sie, was steht denn darauf?
Nein, meine Freunde, hihi
das Ding gehört mir nicht hihi
Unsinn hören, ja, hihihi, hö
ren Sie, was da steht: ,Jakob! Ich
bin zu allem fähig, wenn Du mich
zum Aeußersten treiben willst. Ich
liebe Dich mehr als mein Leben, aber
wenn Du mich unglücklich machen
willst, vernichte ich die verhaßte Chri
stin. Freitag erwarte ich Dich. Es ist
der letzte Termin. Unser Schicksal liegt
in Deiner Hand. Judith.'"
„Das klingt ja ganz morgenlän
difch-romantifch!" rief Unico Möller.
Morgenrot lachte und bekam das
Husten, so daß er gar nichts mehr
sagen konnte. Ter Landgerichtsrat riß
ihm das Papier aus der Hand und
steckte es zu sich.'
„Nun," fragte der Konsul, „wollen
Sie das Billetdoux aufbewahren?
Welche Köchin oder welches Dienst
mädchen mag das geschrieben haben?
Scheint eine Talmud-Jüdin zu sein."
„Ich habe einen Gedanken. Viel
leicht hängt das Corpus dclicti mit
unserem Russen zusammen."
„Unmöglich!"
„Qui vivra, verra. Ich habe eine
Idee gute Nacht!"
„Nacht, Herr Landgerichtsrat!
Nacht, Herr Oberingenieur!"
„Gute Nacht, gute Nacht!"
Mit diesen Worten gingen sie nach
verschiedenen Richtungen auseinan
der.
V
(Fortsetzung folgt)
M»u
schen Beleuchtung erstrahlt, wie «user Bild zeigt.
'k Xy
X.'.'—~ «ja
Um
Weihnachten im Leben
des Uindes
Von a n o e
Gab es im Zirkel des Jahres ein
schöneres Fest für uns Kinder als
Weihnachten? Lebten wir nicht fast
ein halbes Jahr im Banne der ver
gangenen, hofften wir nicht die an
dere Hälfte auf die kommenden Tage
dieses einzigen Festes? Wie ein
Stern in dunkler Nacht sendet Weih
nachten in Winter» Mitten seine
freundlichen Strahlen aus. Auf
Schritt und Tritt wird das Kind schon
Monde vorher an das Fest erinnert.
Da locken in den Läden ausgebreitet
die herrlichen Dinge, die für den Ga
bentisch bestimmt sind. Was davon
wird wohl das Christkind bringen
Je näher dem Feste, um so öfter
klingt im Schöße der Familie das
Wort Weihnachten aus. Geschwister
und Spielgenossen träumen und re
den von den kommenden Dingen.
Schon wird hier und da eine Vor
feier in Schulen und Vereinen be
gangen. Man darf mit dabei fein,
oder hört doch davon. Die grünen
Tannen wandern täglich vom Markte
in die Häufer und schmücken für eine
Woche die winterkahle Veranda. Wirk
lieh, so vielerlei ruft dem Kinde im
mer wieder das eine holde Wort zu:
Weihnachten. Es hat fiir's Kind den
hellsten Klang und weckt in ihm Ah
nungen, Sehnsucht, Hoffnung, Freu
de.
Noch geht dem Kinde der tiefe
Sinn des Festes nicht recht auf es
haftet noch viel am mannigfachen
Drum und Dran. Es erlebt die äuße
ren Vorbereitungen zum Feste, spürt
zwar auch einen Hauch seines Geistes
an den Opfern, die der eine dem an
dem darbringen möchte stolz be
wahrt es Geheimnisse, in die es ein
geweiht wird es freut sich, den
schmuck für den Christbaum mit zu
bereiten, bei der üblichen Festbäckerei
zu helfen. Mit dem allem gewinnt
Weihnachten in seinen Augen einen
Schimmer freundlicher Romantik da
mit wächst es in alte Familienüber
lieferungen hinein, die es leuchtend
durch ein ganzes Leben hiudurchgelei
ten. Noch freut sich das Kind in nai
ver, unbefangener Weise. Es gibt sich
als Gefühlswesen den augenblicklichen
Stimmungen ganz hin und genießt
sie reiner als wir Großen, denen der
Verstand so manchmal dazwischenre
det, die die Sorgen oft nicht zum
rechten Freuen kommen lassen. Wir
gönnen dem Kinde dieses bebende Er
schauern im Glück es gehört in's Ju
gendparadies hinein, und Hand auf's
Herz: Ist diese Kinderart nicht für
uns,' die Alten, mit der liebste und
#mluft-Altar in offener Grntte
*6. Desembee
pmm
35
Trauerbildchen
5« Preise uiul Muster
«t ItvreU,billigst geliefert
feinste Reiz dieses Festes? Klingen
feine Glocken nicht dort am hellsten,
wo Kinder im Hause ihre Freude aus
jubeln?
Weihnachten sind die gesegneten
Tage des seligen Schenkens, und das
macht dieses Fest den Kindern natür
lich besonders lieb. Denn ihre Art ist
es noch, sich mehr über's Empfangen
zu freuen als über's Geben, wenig
daran zu denken, woher die Geschenke
kommen, daß so oft die Gedanken,
Wünsche, Sorgen, Entbehrungen der
Eltern daran haften. Aber diese
freuen sich an diesem Feste ja schon
der leuchtenden Kinderaugen und hal
ten es wohl mit Hebels „Mutter am
Christabend": „Mir dankst du nicht
dafür wer's gab, wer sagt es dir?
Doch macht es dir nur frohen Mut,
und schmeckt es dir. so ist es gut."
Wie die Eltern ihren Kindern geben,
das ist das echte Schenken und rührt
in seiner selbstlosen Weise an den tief
sten Sinn des Festes.
Es ist angebracht, trotzdem den
Gabentisch zu Weihnachten vom er
ziehlichen Standpunkte aus zu Be
trachten. Wie bei jedem Schenken
heißt es auch hier, sich in des Emp
fängers, also des Kindes Wesen zu
versetzen, seine besondere Art, sein
Alter zu berücksichtigen. Außer dem
praktischen Gebrauchsgegenstand sei
auch etwas gegeben, was den besonde
ren Neigungen entgegenkommt. Wir
wollen nicht das Teuerste schenken,
aber doch Dinge, die an sich solide,
haltbar, zweckdienlich sind. Ist die
Börse zu schmal, so können wir mit
Lust und geschickten Händen wohl
mancherlei selber herstellen. Wenn es
geht, wollen wir aber auch in die Lä
den gehen es ist echter Weihnachts
sinn, auch zu kaufen und an's Brot
der Armen zu denken. Also machen
wir uns und unsere Kinder durch die
Gaben glücklich denn „versage dem
Kinde jeden Wunsch, und es wird
später ein scheuer Gast an der Tafel
des Lebens werden". Mag diese
Wahrheit zu Weihnachten ganz be
sonders leiten, aber wir wollen uns
auch vom Gegenteil fernhalten und in
blinder Liebe jeden Wunsch erfüllen
denn damit machen wir die Jugend
nur begehrlich, oberflächlich und ei
gennützig.
Genug, du Mutterherz,
viel Süßigkeit bringt Schmerz!
Gib sparsam wie der liebe Gott,
tagtäglich nutzt kein Zuckerbrot!
Was das Kind zu Weihnachten im
Schöße der Familie erlebt, das ver
webt sich zu allerlei freundlichen
Stimmungen, das schafft frommen
Zauber. Aus Kindern werden große
Menschen, Väter und Mütter was
ihnen einst die Eltern Schönes schenk
ten, das lebt in ihren Träumen wei
ter es drängt zur gleichen Tat und
schüttet neuen Kindern Gold in's Ju
gendland.
merzhasten
ttfiet elektri-

o a A n s a A i n
DER WANDERER
VVANI)i ii:ii PltlNTING CO.
188 Käst Tenth St., St. Paul.

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