OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 22, 1945, Ausgabe der 'Wanderer', Image 8

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1945-12-22/ed-1/seq-8/

What is OCR?


Thumbnail for

ff
ki?'
U./J
Xf
'N^
--X .,
-Vv »^vvj
äf, /nse -r •.-*•##••-
fe
.'/ IN
Ä? A^l!»
»•. •.
'*,w
v
•'. ---avi
ikAj
vy
n!\ WUm
j'4 r-
darf ich ruhig sagen, daß mir die
Hilfe sehr, sehr willkommen war. Da
mit konnte ich so manche wichtige Ge
genstände kaufen hier ist alles schreck
iich teuer
„Wir haben uns schon so ziemlich
erholt. Schuschnigg ist seit 1. No
veinber in Nürnberg, wo er als Zeu
ge beim War Crimes-Prozeß auszu
sagen hat Ich wußte, daß Schu
ld] iiigg, Blum, Niemöller u. a. m. im
KA (Komnimidatur Arrest) bezieh
ungsweise im sogenannten Sonder
bau (früher Bordell) (Dachau) wa
ren, wo sie etwas besser verpflegt und
nicht zur Arbeit gezwungen waren,
auch ihre eigene Wäsche und Kleidung
behielten. Ich aber war im allgemei
nen Lager und konnte nicht mit ihnen
in Verbindung treten. Ich habe meine
sieben Jahre KL als gewöhnlicher
Gefangener abgedient und bin nur
negativ bevorzugt, d. h. besonders
schlecht behandelt worden. War auch
auszuhalten. Ich weiß freilich nicht,
ob Freund Schuschnigg es gesundheit
Iich ausgehalten hätte, daher war es
ein Segen, daß er durch irgend einen
Umstand dann bessere Behandlung
erfuhr. Am 24. April wurde ich Plötz
Iich als Prominenter erklärt und mit
den .Vorzugshäftlingen', die übrigens
zweiundzwanzig Nationen angehör
ten, nach Innsbruck gebracht. Tort
sah ich, nach sieben Jahren, Schu
schnigg wieder und lernte Frau und
Kind kennen. Er sah schlecht aus und
war sichtlich erschüttert von all den
Erlebnissen. Tann ging es weiter nach
Südtirol, wo zuerst deutsche Wehr
macht uns begleitende üble Gestapo
Leute unschädlich machte, dann am 4.
Mai amerikanische Truppen uns be
freiten und nach Capri brachten. Von
dort kamen wir am 28. August nach
Rom, wo ich Gast der SVD bin, de
rat General ich von St. Gabriel her
seit langen Jahren kenne. Schu
schniggs wohnen ziemlich weit von
hier ... Ich fühle mich hier relativ
wohl und konnte mich auch in dem
durch KLD beeinträchtigten inneren
Leben wieder etwas einrichten. Im
KL Tachau war ja das religiöse Le
ben durch die ganze Lage, auch als
der Klerus dort konzentriert wurde
und eine Kapelle bekam, doch sehr
erschwert. Anfang Oktober war Kar
dinal Jnnitzer mit (den Prälaten)
Fried und Weinbacher in Rom und
sie besuchten mich gleich am ersten
Tage.
»Taß die alte Internationale, ver
stärkt durch Emigranten, die sich
wichtig machen oder eine Position her
aufholen wollen, gegen Schuschnigg
lind mich agitiert, stört mich nicht. Ich
bin nicht so wehleidig und werde mich
schon wehren
„Vor zwei Jahren erlitt ich einen
überaus schmerzlichen Verlust: meine
geliebte Frau ging von uns. Auch sie
war ein Opfer der Nazi=VcrfoIgung,
die ihr ein Herzleiden eintrug, das
dann die Nieren tangierte Sie
hat mehrere Jahre geduldig ihre gro
ßen Schmerzen getragen und immer
nur an die Kinder und an mich ge
dacht. Verehrt wie eine Heilige ich
wage das Wort von denen, die sie
näher kannten, starb sie in Gott und
ist nun unser guter Schutzengel oben.
Meine Kinder wurden verfolgt und
baben sich trotz allem behauptet. Die
Stimmung in Wien uns gegenüber
ist nicht so. wie gewisse Leute es dar
stellen: das bewies die Seelenmesse
für meine Liebste: trotz sehr mangel
kiafter Publizität waren in der Uni
versitätskirche siebzehnhundert (dar
unter hunderte Arbeiter!), bei den
Schotten über zwölfhundert Teilneh
mer. Das war uns ein Trost. Meine
Wohnung ist erhalten, ohne Fenster
natürlich was sonst fehlt, weiß ich
nicht. Tie Verluste am bescheidenen
Hab und Gut sind beträchtlich. Man
muß wieder einmal, zum dritten Mal
im Leben, von vorne anformen Gott
Hilst!
Vi piW
rmmäWr
„Meine Verwandten in Mähren
(Tschechoslowakei) haben trotz Anti
Hitler-Haliung alles durch den tsche
chischen Raub verloren!
„Bitte, schreib mir ehestens an die
römische Adresse! Schreibe nächstens
mehr von Tir, schreibe wie Tu nach
Dakota kamst, usw.
„AlleS Gute! Herzlichste Grüße!
„Tein Schmitz."
Zwilchen SCrirg u. Frieden
Fortsetzung bon Seite 1)
Tie New Aorker ,Herald Tribune'
stellt Hrn. Byrnes als einen Mann
dar, der mit zwei wertlosen Gegen
ständen in seinem Gepäck nach Mos
kau fährt. Ter erste ist der ernsthafte
Wunsch aller Menschen, die guten
Willens sind, daß er etwas erreichen
möge. Ter andere und wichtigere ist
die Tatsache, daß niemand erwartet,
daß es ihm gelingen wird. Tas Blatt
sieht nicht, wie es ihm gelingen konn
te. Tie Reise wurde plötzlich geplant
und inmitten vieler anderer Arbeit
vorbereitet. Und, genau wie in Lon
don, wird er auch diesmal für eine
Regierung sprechen, die sich über die
Hauptsachen noch keine Meinung ge
bildet hat. Ties ist negativ, während
sich das zweite Gepäckstück als wert
voll erweisen konnte. Ta diesmal kei
ne Wunder erwartet werden, hat
Byrnes die ungewöhnliche Gelegen
heit, zwar keine Entscheidungen her
beizusühren, aber die Verbindungs
kanäle zwischen den Hauptmächten
wieder ausbauen zu können, was in
sich keine kleine Errungenschaft dar
stellt.
In Washington scheint man auf
einen wirklichen Erfolg unseres
Staatssekretärs feine allzu großen
Hoffnungen zu setzen. Nach Paul
Malion ist man in Senatskreisen ge
neigt. Hrn. Byrnes' Mission auf
gjeiche Stufe zu stellen mit dem Flug
Chamberlains nach München, um den
„Frieden in unfern Tagen" zu sichern.
Tie Senatoren erwarten nach Hrn.
Mallon, „der Beschwichtigung Eng
lands (mit Geld) werde die Beschwich
Uguiig Nußlands folgen (mit Zuge
ständnissen bezüglich der Atombombe,
Uebersehen der Schwierigkeiten in
Iran. China,und ähnlichen Präten
fioneu, als ob die Eroberung Europas
und Asiens durch Rußland undent
bar sei)".
Man hat aber nicht allein mit
Schwierigkeiten mit Rußland zu rech
nen. Frankreich ist wie so oft
tief verstimmt. Nach einer Pariser
Meldung vom 9. ds. erklärte der
französische Außenminister Bidault in
einer öffentlichen Rede: Was immer
mau in Moskau ohne Frankreich ent
scheiden mag, werde von der franzö
sischen Regierung nicht als bindend
angesehen werden. In Paris ist man
augenscheinlich besonders erbittert bei
dem Gedanken, in Moskau werde auch
im Einklang mit einer früheren
Drohung Byrnes' über die deutsche
Okkupationspolitik verhandelt wer
den, die Frankreich halsstarrig nach
seinen Wünschen und Ambitionen ge
staltet sehen möchte. M. Bidault gab
in seiner Rede den Alliierten zu be
denken. Frankreich könnte mit wichti
gen Ratschlägen hinsichtlich der Be
Handlung Teutschlands aufwarten,
dos "in Jahrhunderten in Sachen
deutscher Invasionen Erfahrungen
gesammelt hat". Man könnte Mon
sieur beipflichten, wenn er gesagt hät
te: Erfahrungen, wie man Deutsch
land nicht behandeln soll! Die „In
vasionen" gingen öfter von Frankreich
als von Teutschland aus, und die
Einbrüche Frankreichs in Teutschland
unter dem Sonnenkönig und Napo
leon waren sicherlich keine Verteidi
gungskriege, während jedenfalls im
Kampfe gegen den Korsen die Inda-
•4iJfi,
OHIO WAlSKNFBeüN»
^rMll
:wiw%
•&<#/
siott Frankreichs durchaus Berechtigt
war. Aber französische Politiker ha
ben in solchen Tingen stets ein be
gueiiies Gedächtnis gehabt und sich
auf die Geschichtsklitterei verstanden.
Wir hatten von M. Bidault eine
weitsichtigere und christlichere Po
litik erwartet als er bisher Deutsch,
land gegenüber vertreten hat. Er und
General de Gaulle haben sich bis Heu
te als ebenso kurzsichtig und vom
Geiste des vierzehnten Ludwig und
Napoleons erfüllt erwiesen wie der
„Tiger" Cleinenceau. Das hat sich
bitter gerächt, und auch die heutige
Politik wird nicht nur Teutschland
fortgesetzt schwer treffen, sondern auch
auf Frankreich und ganz Europa ver
hängnisvoll zurückwirken.
Deutschland unter'm Joch
Tie meisten Amerikaner hatten sich
wohl der Illusion hingegeben, daß
mit dem Zusammenbruch des Hitler
Terrors Europa werde genesen fön
nen. Viele sahen schon die Blüten
träume des europäischen Idealismus
reifen, die bisher von brutaler Macht
Politik niedergehalten waren. Aber
kein Phönix eines neuen, besseren
Europa stieg bisher aus den Trüm
mern zerbombter Städte und gefchän
deter Landschaften. Mit der Austrei
bung der Deutschen von der mütter
lichen Erde Pommerns, Schlesiens
und des Sudetenlandes, in der sie seit
Jahrhunderten wurzelten, ist der al
ten Schuld neue Schuld hinzugefügt
worden, ist der Wirrwarr, den Himm
lers höllisches System Europa zuge
fügt hatte, noch vermehrt worden.
Das zerstörte Teutschland, dessen Fa
briken teils vernichtet, teils von den
Russen ihrer Maschinen beraubt wor
den sind, blickt hoffnungslos in die
Zukunft. Fünfzig Prozent der dies
jährigen Ernte sind verloren gegan
gen die Reorganisation des Ver
kehrswesens ist bis heute nicht gelun
gen. Und in diesem Lande, dessen
Wohnraum und Produktionsmöglich
feit derart herabgesetzt worden sind,
mehrt sich unaufhaltsam die Zahl der
Menschen, die Obdach haben, essen
und arbeiten wollen. Nach General
Eisenhowers letztem Monatsbericht
sollen in der amerikanischen Zone heu
le vierundzwanzig Prozent mehr
Menschen wohnen als vor dem firie
ge. Tie Kindersterblichkeit in Teutsch
land nimmt immer erschreckenderen
Umfang an: von 2,866 im August
in Berlin geborenen Kindern sind 1.
1 '18 wieder gestorben.
Allmählich fällt es einsichtigen
Menschen in Europa, ja zuweilen auch
liier in Amerika wie Schuppen von
den Augen, ^ie sehen ein, daß die
Methoden einer planlosen Vergeltung
ein Ehaos herbeiführen, dessen Opfer
nicht nur Teutschland ist, sondern
Nachkriegt
epoche. erinnern die Not und die ver
gistete Atmosphäre noch immer an
Kriegszustände.
„Wenn es beginnt zu tagen"
Ein Kongreßausschuß unter dem
Vorsitz des Kongreßmitgliedes Wil
liam M. Coliner hat nach einer Stu
dienreise in Teutschland in einem ein
stimmig angenommenen „Report" den
von Mergenthau durch seinen „Plan"
befürworteten punischen Frieden glatt
verurteilt. Tiefes Golmer-Komitee ist
zu,ammengesetzt aus je acht Mitglie
dern der demokratischen und der re
publikanischen Partei. Tas ist mehr
als auffallend und es muß wohl wirk
lich so sein, wenn beide Parteien De
mokraten wie Republikaner, in der
Beurteilung der Folgen des söge
nannten „Hard Peace" so völlig über
einstimmen.
Tas Komitee berichtete nach ein
gehenden Untersuchungen und Be
sprechungen mit den Okkupationsbe
Horden, wie folgt: Das Komitee ist
überzeugt, daß, wenn das amerifa
nische Volk hinreichend mit den tat
sächlichen deutschen Verhältnissen ver
traut gemacht würde, die amerikani
sehe Öffentlichkeit die Hilfe des 9to
ten Kreuzes sowie eine Erhöhung der
Ernährungsration, wie auch die Wie
derherstellung der notwendigen Indu
strien fordern würde. Das Komitee
kam zu der Schlußfolgerung: Wenn
ein .harter Friede' die Ausrottung
von acht bis zehn Millionen Deutschen
notwendig macht, dann ist es viel hu
maner, sie gleich umkommen zu las
sen!
Dazu kamen dann die schon früher
besprochenen Berichte von Byron
Price und General Eisenhower über
die unhaltbare Lage Deutschlands,
und dazu kamen die Reden einzelner
Senatoren und Abgeordneten und
Appelle um menschliche Behandlung
des geschlagenen Feindes (denen sich
auch Senator Shipstead anschloß,
während Senator Ball sich zu einer
solchen Haltung nicht aufzuschwingen
vermochte).
Das alles veranlagte endlich die
Regierung, einen Schritt zu tun, der
schon längst hätte geschehen sollen,
yetzte Woche kündigte das Staatsde
partement so etwas wie ein Pro
gramm in der Politik Deutschland
gegenüber an, welches wenigstens für
unsere Okkupationszone ein Vernunft
gemäßes und humanes, wenn auch
deswegen noch keineswegs besonders
„deutschfreundliches" Programm an
Stelle des Rachefriedens fetzt, den der
Brite Vansittart, der Amerikaner
Morgenthau und der Bolschewisl
Varga in trautem Verein für Deutsch
land ausgeheckt hatten.
In die Verantwortung für die
weitere Entwicklung der Lage in
Teutschland und damit in Europa
haben die vier Okkupationsmächte sich
zu teilen. Die Ver. Staaten hatten
sich aber wohl, wie man getrost an
nehmen kann, vor Ausstellung des
neuen Planes davon überzeugt, daß
auf russischer und französischer Seite
keine Neigung besteht, ohne stärksten
angloamerikanischen Druck ihr Pro
jeft eines „Heber-Versailles" für
Teutschland zu Gunsten der gerechten
und menschlichen Behandlung des ge
schlagenen Feindes preiszugeben, die
den Deutschen seinerzeit versprochen
worden war. Hierin war ohne Frage
der Grund zu suchen, warum unsere
Regierung mit der überraschend er
folgten Veröffentlichung ihres neuen
Teutschland-Programms am Vor
abend der Moskau'er Dreierkonferenz
selbständig den entscheidenden Schritt
getan hat. In Washington erinnerte
man sich wohl eben noch rechtzei
tig, wie zu hoffen ist! —, daß wir
den Krieg unter der Parole des
Kampfes gegen Faschismus und Na
zismus geführt haben und daß wir
ehrenhafterweise keine franko-russi
fchen Friedensziele gutheißen und ak
tiv fordern können, die sich in allen
Punkten gegen das deutsche Volk und
sein staatliches Eigenleben richten.
Worauf war es bei Morgenthau,
Vansittart und Varga und damit bei
der ganzen bisherigen Behandlung
Deutschlands abgesehen? Nun, wirt
schaftlich-sozial auf Vervollständigung
des Zerstörungswerkes an der deut
schen Industrie (bis aus ein paar
streng auf den heimischen Markt an
gewiesene Kleinbetriebe), ferner auf
Deportation von zehn Millionen
Teutschen, die gewissen Siegerlän
den,, hauptsächlich Rußland und
Frankreich, als Arbeitssklaven aus
geliefert werden sollten wie zu ei
nem guten Teile schon geschehen!
und daneben noch auf Eintreibung
von Bar-Reparationen im Betrag
von vielen Milliarden Dollar. Diese
Ideen waren die speziellen Liebhabe
reiett Mergenthaus, dessen Rolle als
geistiger Nährvater unserer Okkupa
tionspolitik in Deutschland nun hof
fentlich ausgespielt ist, jedenfalls sein
sollte, und des Stalin-Mannes Var
ga. Politisch und territorial zielte das
bisherige alliierte Programm auf
Zerstückelung des Reichsgebiets ab.
Nachdem Rußland und Polen sich
schon das ganze Teutschland östlich
der Oder und Neiße angeeignet hat
ten (unter Massenvertreibung seiner
deutschen Bevölkerung und ruchloser
Mißachtung der in Potsdam über
nommenen Verpflichtung einer „ord
nungsmäßigen und humanen" Art
der „Aussiedlung"!), forderten die
Franzosen die fettesten territorialen
Brochen im Westen, nämlich das
Rhein- und Ruhr-Gebiet. wenn sie
dabei auch vorsichtigerweise von der
Absicht der „Jnternationalisierung"
reden. Kurz und gut: der alte Plan
für die Zufunft Teutschlands, den
seine Befürworter damit beschönigten,
daß das deutsche Volf ja doch nur
eine einzige Hitler-Bande fei, wollte
an die Stelle der zerschmetterten Hit
ler-Tyrannei die Sklavenhalter-Peit
sche des französischen und russischen
Ausbeutertums setzen. Er erbrachte
gerade damit den Beweis, daß die
Leute um de Gaulle und Stalin um
kein Haar weniger imperialistisch
sind als die von ihrem Schicksal ereil
ten Nazis.
das
auch Deutschlands Nachbarn gefähr
det. Vorläufig spürt man noch nichts
von den Verheißungen der
Präsident Truman hat den sonder
baren französischen und russischen
r7?
„Demokraten", die den „Atlantischen
Charter" im Munde führten und da
oei Deutschland zum Objekt einer im
perialistischen Kolonialpolitik machen
möchten, nun ein Halt zugerufen
das hoffentlich auch nach der Mos
kau'er Zusammenkunft seine Geltung
behalten wird! In Moskau wird sich
vielleicht schon bald zeigen, ob unsere
Außenpolitik nun auch geschickt und
mutig genug ist, sich gegen den Wi
derstand des Hammer-und-Sichel- und
des Trikolore-Imperialismus durch,
zusetzen und damit Anarchie und
Chaos im Herzen des europäischen
Mutterkontinents der modernen Zi
vilisation zu verhindern, bevor es zu
spät ist.
Zu begrüßen ist, daß Washington
über dem neuen langfristigen Plan,
der mit der Erhaltung der Reichsein
heit und der wirtschaftlichen Lebens
fähigkeit des verkleinerten Reiches
für die Zukunft das Versprechen eines
nicht unter den Lebenshaltungsnor
men der Nachbarvölker liegenden Er
nährungsstandards der deutschen Be
völkerung verbindet, nicht außer acht
läßt, was die nächsten sechs Monate
den sechzig bis siebzig Millionen
Teutschen bringen können. Hier liegt
in ganz besonderem Sinne eine anglo
amerikanische Verantwortung vor.
Tie westlichen Okkupationsmächte ha
ben es einmal zugelassen, daß die
Russen die Hand auf die landwirt
schaftlichen „Überschußgebiete" im
Osten legten und mit allen arbeits
fähigen Männern Ostdeutschlands
auch Produkten- und Viehbestände,
Ackergerät usw. nach der Sowjet
Union und Polen verschleppten. Je
de Lebensmittelbelieferung West
Teutschlands aus der (tatsächlich zum
Erliegen gekommenen) ostdeutschen
Zone hat aufgehört.
Damit erwächst den Amerikanern
und Briten ohne weiteres eine
menschliche Verantwortung dafür,
daß die Bevölkerung Westdeutschlands
in diesem Winter wenigstens die
Möglichkeit der Fristung ihrer nack
ten Existenz erhält. Sonst würden die
Pläne für 1946 und 1948, wie die
Veröffentlichung unseres Staatsde
partements sie vorsieht, zu spät kom
men, und die auf Vorrat fabrizierten,
roh gezimmerten Särge, deren Her
stellung nun die Hauptindustrie Ber
lins ist, würden dem Bedarf nicht
genügen können.
Die China-Politik
Wir haben in den letzten Jahren so
viel schöne Worte von Washington
her vernommen, und so viele verhei
ßungsvolle Pläne sind in Aussicht ge
stellt worden, ohne Erfüllung zu fin
den, daß wir sehr skeptisch geworden
sind. Morgenthau und Genossen sind
allzu fest verschweißt mit den maßge
benden Gewalten, als daß man die
feste Hoffnung hegen könnte, daß ihr
nichtswürdiger Plan von der Regie
rung endlich in das Müllfaß gewor
fen wird, wohin er gehört. Aber das
aufgeregte Geschnatter in Paris läßt
die Annahme berechtigt erscheinen,
das tatsächlich eine Wendung in un
serer deutschen Politik im Anzüge ist.
Und damit scheint auch eine Schwen
kung in China im Zusammenhang zu
stehen.
In Jalta fant seinerzeit das ver
hängnisvolle Kompromiß zustande,
unter dem Roosevelt dem russischen
Moloch freie Hand in Osteuropa ließ
unter der Voraussetzung, daß unsere
Kreise in Osteuropa.und im Pazifik
nicht gestört würden. Stalin hat sich
wie in allem für sich genom
men, was zu nehmen war, aber da
für so gut wie nichts gegeben. Seine
Haltung in Asien war „rätselhaft",
wie die amerikanischen Bischöfe es
ausdrückten, und die Lage in China
wurde immer unklarer. General
Hurley brachte einen etwas frischerer
Zug in das diplomatische „Chinese
Puzzle" durch seine Enthüllungen
über die Quertreibereien roter und
rot angehauchter amerikanischer Be
rufsdiplomaten. Aber in Washington
war man davon nicht erbaut. Die
demokratischen Senatoren stellte»
Hurley kalt, indem sie die eingelei
tete Untersuchung fallen ließen. Als
unfern Vertreter schickte der Präsi
dent General Marshall nach Chine,
und direkt im Anschluß daran kam
eine Erklärung Trumans, in wel
cher den streitenden Faktionen iit
^hina der Zentralregierung
Tschiang Kai-sheks und den Kommu
nisten eine Verständigung mehr
oder weniger anbefohlen wird. Mit
andern Worten, Washington rückt von
Tschiang ab, was bedeuten dürfte,
daß man Rußland entgegenzukom
men bereit ist und die Vereinbarun
gen von Jalta zu revidieren beginnt
Zugeständnisse in der deutschen
Politik eintauscht gegen Zugeständ
nisse in Asien.
Nürnberg
Aum Schluß nur einige Worte
über den Nürnberger Prozeß. Die
Weltpresse besonders unsere ame
rikanische Presse maßt' sich eine
Rolle an, die an erster Stelle den
präsidierenden Richtern zukommt.
J'iSrv*'W|#
tt. Desember
Aber es scheint, daß man jetzt den
Sensationen einen Dämpfer aufzu
setzen entschlossen ist. Nicht zufrieden
mit dem Ziel des Prozesses, wie er
bei der Eröffnung klar genug formu
liert worden war: die vor die Schran
ken gerufenen Führer des Hitler'schen
Regimes zur Rechenschaft zu ziehen,
begannen die amerikanischen Anklä
ger diese Woche ganze Berge von Ak
ten zu unterbreiten, durch welche die
Schuld von Parteiführern und Funk
tionären bis zum Blockward herab
insgesamt 600,000 Menschen nach
gewiesen werden soll. Es ist das zwei
fellos ein Manöver im Sinne jener,
die das ganze deotsche Volk unter An
klage gestellt sehen wollen um
womöglich durch den Nachweis von
dessen Kollektivschuld alle Versündi
gurtgen gegen ein rechtloses Deutsch
land „rechtfertigen" zu können. Aber
erfreulicherweise winken die, Richter
mit aller Deutlichkeit ab und bedeu
ten den allzu schlauen und allzu tüch
tigen Anklagevertretern, daß sie sich
auf die zur Verhandlung stehende
Anklage zu beschränken haben.
Gedanken u. Erinnerungen
(Fortsetzung ton Seite 4)
De Sinet wurde für die Mission be
stimmt und damit begann sein eigent
liches Lebenswerk. Er begab sich von
St. Louis nach den Rocky Moutains,
wo er mit großem Jubel von den
Flatheads und den Pend d'Oreilles
empfangen wurde, ein günstiges
Vorzeichen für seine künftige Wir
kung. Nachdem er sie unterrichtet und
das Arbeitsfeld überschaut hatte, kehr
te er nach St. Louis zurück mit dem
Versprechen, unter ihnen eine Mis
sionsstation zu. errichten. Auf dieser
Rückreise besuchte er noch die Crows,
die Gros Ventres und andere India
ner-Stämme. Er legte im ganzen 4,
814 Meilen zurück.
Im nächsten Jahre kehrte P. De
met mit P. Nicolas Point zu den
Flatheads zurück und gründete die
t. Mary's-Mission am Bitter Root
Fluß, dreißig Meilen nördlich von
Missoula, und besuchte auch die Coeur
d'Alenes. Als er das weite Missions
feld vor sich sah, begab sich P. De
Sinei im Jahre 1843 nach Europa,
um Mittel zu sammeln und auch Ar
beiter für den neuen Weinberg. Im
Jahre 1844 kam er zurück mit Ar
beitskräften und Geldmitteln. Auch
sechs Notre Dame-Schwestern brachte
er von Nctmut mit. Er schiffte um
Cape Horn und zog den Pazifik
Ozean herauf bis zum Columbia
Fluß bei Astoria, Wash. Zwei Tage
darauf nahm er ein Canoe nach Van
couver, um mit dem dortigen Bischof
zu konferieren. Zurückgekehrt, grün
dete er eine neue Mission, St. Igna
tius, unter den Kalispels am Bai.
Diese Indianer wohnten in Clarks
Fork des Columbia-Flusses und vier
zig Meilen nördlich von der Mün
dung des Colorado-Flusses. Doch zehn
Jahre später wurde diese Mission nach
Missoula, Mont., verlegt.
Im Jahre 1846 gewann De
Smet die Blackfeet-Jndianer, die im
mer eine Gefahr unter den andern
»Stämmen gewesen, nach einem Krie
ge mit den Crows in Yellowstone
Valley. Er begleitete sie nach Fort
Lewis in ihrem eigenen Lande und
überredete sie, Frieden zu schließen
mit den andern Indianern, um mit
P. Point eine Mission zu errichten.
Nach ^dreieinhalb Jahren wurde er
nach st. Louis zurückberufen, wo er
zeitweilig an der St. Louiser Univer
sität tätig war. An seine Stelle tra
ten acht andere Missionare.
(Fortsetzung folgt)
A LLCHHAND
PROMPT
SAUBER
BILLIG
Trauerbildchen
ml MiimI
III ig,St gi'llcflTl
1:
-UZ r*
1

Wanderer Printing Co
WANDEHISIt ritlNTINx CO
1*8 Bant Tenth St., St. Paul

xml | txt