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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 09, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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Die Vatikan-Zeitung ,Osservatore
Romano' erklärte am Mittwoch l. W.,
die Moskau'er Zeitung ,Prawda' ha
be vor einer Woche „gelogen", als sie
ausführte, daß der Vatikan mit Na
zitum und Faschismus bor dem Krie
ge zusammen gearbeitet habe.
Der ,Osservatore' wandte sich be
sonders gegen zwei Beschuldigungen
der ,Prawda', nämlich, daß der Va
tikan einen aktiven Anteil an der
"Vorbereitung der deutsch-italienischen
Einmischung in den spanischen Bür
gerkrieg genommen habe, und daß
der Vatikan bei den Bemühungen,
Hitler an's Ruder zu bringen, eine
Rolle gespielt habe.
Das vatikanische Blatt klagte den
Moskau'er Rundfunk an, die Wider
legung dieser Beschuldigungen durch
den Vatikan unterdrückt zu haben, um
den Eindruck zu erwecken, daß das
römische Blatt auf diese Bezichtigun
gen nicht geantwortet habe.
Hinsichtlich der Beschuldigung der
,Prawda', daß der Vatikan Vertre
tern der gestürzten deutschen und ita
lienischen Diktaturen Schutz i-ewäh
re, wies der ,Osservatore' darauf hin,
daß auch Flüchtlingen liberaler und
demokratischer Regierungen und so
-gar Roten, Schutz gewährt wurde.
Weiter wies die Zeitung darauf
hin, daß der Widerstand des Papstes
-gegen die Regierung Hitlers und
Mussolinis nicht allein durch die aus
drückliche päpstliche Verurteilung des
Faschismus und des Nationalsozialis
mus, sondern auch durch Mussolinis
Kampf gegen den Katholizismus und
die dokumentarisch belegte Nazi-Ver
folgung gegen Katholiken zum Aus
druck gekommen sei.
Tags zuvor hatte der ,Ofserbttiore
Romano' auf Beschuldigungen der
russischen Zeitung ,Jswestja', die ge
-gen den New Aorker Erzbischof Fran
eis I. Spellman erhoben worden wa
ren, geantwortet. Die russische Zei
tung hatte Spellman in Verbindung
mit seiner Verteidigung des Emp
fangs des japanischen Botschafters
durch den Vatikan angegriffen.
Die römische Zeitung hatte in die
ser Beziehung darauf hingewiesen,
daß Spellman auch den Vatikan ge
•gen. die Beschuldigung, einen Kreuz
zug gegen Rußland in's Leben geru
fen zu haben, verteidigt hätte.
Zur Behauptung der /Jswestja',
daß die Ernennung von sieben eng
lischsprechenden Kardinälen den poli
tischen Zweck hätte, die katholische
Kirche in den angelsächsischen Ländern
zu stärken, bemerkte der ,Osservatore',
daß man die gleiche Behauptung auch
wegen der übrigen fünfundzwanzig
neuen Kardinäle, die über die ganze
Erde verteilt sind, hätte aufstellen
können.
Sowjet-Rußland wurde I. W. von
der New Jorker erzbischöflichen
Kanzlei in Erwiderung eines in der
Moskau'er ,Jswestja' erschienenen
Ausfalls auf Erzbischof Spellman
als „Feind Jber Religion, Feind Ame
rikas und des Weltfriedens" gebrand.
markt von solcher Seite kritisiert
zu werden, sei der Erzbischof gewohnt.
„Er ist von den Schleppenträgern
Hitlers, Mussolinis und anderer Ty
rannen angegriffen worden," heißt es
in der Erklärung der Diözesanver
waltung weiter, „und es überrascht
ihn nicht, daß Marionetten angebli
cher Friedensoorkämpfer nun von
neuem grundlose Angriffe gegen ihn
richten."
In einem Artikel, den D. Petrow,
der Außenpolitiker des genannten
Moskau'er Blattes (das als eigent
licher Amtsanzeiger des Kreml gilt),
in der ,Jswestja' veröffentlichte, war
int Zusammenhang mit der Ernen
rtung des New Aorker Kirchenfürsten
und anderer Prälaten Amerikas und
Europas zu Kardinälen von dem
New Dörfer Erzbischof gesagt wor
den, dieser sei „der aktive Vertreter
der vatikanischen Politik in Amerika"
und bemühe sich, „das amerikanische
Volk für den spanischen Diktator
Franco zu gewinnen". Petrow warf
dem Erzbischof auch vor, den Vatikan
verteidigt zu haben, als es diesem in
Amerika verargt wurde, daß er „ein
Jahr nach dem heimtückischen lieber
fall Pearl Harbors durch die Japa
ner den japanischen Botschafter auf's
freundschaftlichste empfing". Auch von
den übrigen Kardinalsernennungen
ließ der ,Jzwestja'-Artikel nur „reak
tionäre" politische Motive gelten.
Die weltberühmte
St.
Bene-
dict-Wundsalbe
Erprobtes Heilmittel gegen alle
ilrten von alten und frischen Wun
den, Geschwüren, Gewachsen, Biß
wunden, Karbunkeln, usw. Bitte Geld
nur durch Post Money Order zu schif
fen. Kein? Stamps. 60 Cents die
Schachtel bei
J. L. STAAB
vnm VaUeyrWw Aie» CUnrHLAJTO H, O.
Baa wiedererwachende
flpntfrf|huift
In einer ArfiTetferiei in der ,N.
N. Staatszeitung' schreibt Max Jor
dan, der in Deutschland weilende Kor
respondenten der N. C. W. C.:
In dieser Zeit wird mancher weichen
und nicht zur ersten Liebe stehn.
Da werdet ihr des Tieres Zeichen
auf reingeglaubten Stirnen sehn.
Da werden Brüder sich verkaufen,
und unter Gatten ist Verrat.
Die losgebundnen Mörderhaufen
führt im Triumph der Apostat.
Da werden Fluten sich ergießen,
die Elemente sind verstört.
Da werden Feuerbäche fließen
und alle Tiefe steht empört.
In Asche lösen sich die Mauern,
Basteien sind wie Spreu verjagt,
und nur der Fels wird überdauern
von dem Matthäus uns gesagt.
Die Raschen werden nicht entrinnen,
noch wer in Schacht und Höhle steigt.
Den Schwangern und den Säugerin
nen
ist viele Trübsal angezeigt.
So klang die Stimme Werner
Bergengruens, eines der Dichter der
deutschen Widerstandsbewegung,
1944, mitten im Kriege. So klan
gen auch die Stimmen Reinhold
Schneiders und Rudolf Hagelstanges
und vieler anderer, die von Hitler
in den Jahren der Finsternis zum
Schweigen verurteilt waren, die aber
doch sich durchgerungen haben bis zu
dem Tage, da die Welt sie wieder
hören konnte. Nun erscheinen ihre
Schriften, eine nach der anderen.
Noch weiß man nicht, was in der
Stille, unter dem Druck der Tyran
nen und inmitten der Not des Krie
ge» alles geschaffen wurde. Einiges
aber ist nun schon an's Tageslicht ge
kommen, das vielversprechend ist. In
München hat der neue Zinnen-Verlag
die ersten Gedichtbände dieser deut
schen Menschen herausgebracht, die
von ihrem Ringen Kunde geben. In
Freiburg hat Herder begonnen, Do
kumente und Zeugnisse aus den
Schmachjahren des Dritten Reiches
in Serien herauszubringen, die den
gemeinsamen Titel „Das christliche
Deutschland" tragen und den Nach
weis liefern, wie religiöse Denker im
katholischen und protestantischen La
ger sich ihren Glauben nicht haben
rauben lassen und mutig für ihre
Überzeugungen eingetreten sind.
Wundervoll sind beispielsweise die
Zeugnisse über religiöses Leben in
Gefängnis und Konzentrationslager,
die Reinhold Schneider unter dem
Titel „Christus bei den Gefangenen"
veröffentlicht hat, und das Heft „Wir
aber sind nicht von denen, die da
weichen", das den Leidensweg der
protestantischen Bekenntniskirche ver
anschaulicht. Was wird da noch alles
ausgegraben werden, von dem wir
andern draußen nichts gewußt ha
ben? Wie viel werden wir noch hören
von dem geistigen Schaffen, das hin
ter Kerkermauern und in Kellerlö
chern geleistet wurde! Daß Männer
wie Professor Konstantin von Dietze,
der Nationalökonom, Professor Gu
stav Mie, der Physiker, Professor
Franz Buechner, der Mediziner, und
viele andere ihresgleichen sich vor
Baal nicht gebeugt haben, sondern
tapfer ihren Mann gestanden sind,
das wird sich jetzt erst erweisen, da
die Freiheit des Wortes wiederherge
stellt ist.
Was während der Feiertage an
Verlagsankündigungen zur Kenntnis
der Oeffentlichkeit gelangte, war
schon erstaunlich. Allein in der ame
titanischen Zone sind bereits sechzig
neue Verlage am Werk, dem deut
schen Lesepublikum, das so lang un
ter der Diktatur der Minderwertigen
gelitten hat, geistige Nahrung zu ver
mitteln. Ihre Aufgabe ist nicht leicht,
denn zahllose Druckereien sind zer
stört, alte Buchbestände verbrannt,
Manuskripte ein Raub der Flammen
geworden, und das Papier ist knapp.
Dennoch blüht auch hier neues Leben
aus den Ruinen. Es ist in gewissem
Sinne symbolisch, daß inmitten der
Trümmer des Frankfurter Goethe
Hauses, tief unten im unzerstörten
Kellerraum Professor Ernst Beutler
bereits wieder am Werke ist, um nicht
nur eine neue Ausgabe des Goethe
Jahrbuchs vorzubereiten, sondern
auch Vorkehrungen für den Wieder
aufbau dieses wesentlichen Denkmals
in die Wege zu leiten. „Am 22. März
1944," so verkündet er seinen Besu
dient, „das war Goethes Todestag,
starb auch das Haus seiner Kindheit
und starb die Stadt seiner Jugend
starb aber nicht Goethe für die
Menschheit."
Auch der deutsche Geist ist durch den
Nazi-Geist nicht vernichtet worden.
Schon regen sich wieder die Kräfte,
und die, die ant meisten gelitten ha
ben, werden vermutlich auch am mei
sten geben. Soll man Namen nen
nen? Noch ist es vielleicht zu früh,
denn die Gemüter, die so schwer er
schüttert wurden, müssen erst wieder
zur Sammlung kommen. Immerhin
TS
verlohnt es sich, von diesem jungen
schriftstellerischen und verlegenschen
Schaffen der deutschen Menschen, die
durch den Feuerofen hin durchgegan
gen sind, einiges zu berichten.
Da ist beispielsweise Ernst Wiechert
mit einem mitten int Kriege entstan
denen Entwicklungsroman vertreten,
den er „Die Jerominkinder" betitelt,
während in Wiesbaden der Greif
Verlag den Roman eines hochbegab
ten jungen Hamburger Dichters,
Jens Heimreichs „Teufelsbrücke",
herausbringt. Köhler und Amclang
in Leipzig haben eine Reihe Essays
von Gustav Radbruch, dem Heidel
berger Gelehrten, veröffentlicht, die
den Titel „Gestalten und Gedanken"
tragen. Auch verschiedene Neudrucke
sind erschienen Für unsere Leser
von besonderem Interesse ist eine
Greif-Verlagsreihe, die sich mit Ge
genwartsfragen befaßt und u.a. ei
ne „Kurzgefaßte Geschichte der USA"
von Adolf Rock und ein Buch „Deut
sche Zuflucht in Amerika" von Otto
Doderer bringt. Das letztere behan
delt die Geschichte der deutschen Ein
wanderung in den Ver. Staaten
während der letzten drei Jahrhun
derte,
Auch an Übersetzungen fehlt es
nicht. James Gould Cozzens Roman
„The Just and the Unjust" wird
deutsch von Limes-Verlag 'cmgekün-f
digt. Da das Interesse für anterika-j
nische Literatur, von der man jahre
lang abgeschlossen war, groß ist, wer
den sicherlich noch viele andere Werke
aus dem Englischen übertragen wer
den.
Besonders bemerkenswert ist die
rege Anteilnahme des deutschen Lese
Publikums an religiösen Fragen. Ein
Vaterunser-Buch des Quell-Verlags
von Professor Thielicke, „Das Gebet,
das die Welt umspannt", war schon
vergriffen, kaum daß es erschienen
war. Der mutige württembergische
protestantische Landesbischof Dr.
Theophilus Wurm wird im selben
Verlage nächstens seine Schrift „Le
bensrätfel und Gottesglaube" ver
öffentlichen. Auch im katholischen La
ger sind bedeutende Neuerscheinungen
zu verzeichnen, so ein Plato-Buch von
Romano Guardini, der jetzt Profes
sor in Tübingen ist, unter dem Titel
„Der Tod des Sokrates".
Überfliegt man das nun wieder
erscheinende Buchhändler-Börsenblatt,
so wird man sich dessen bewußt, daß
sich allenthalben die geistigen Kräfte
regen. Kunstkalender, Kinderbücher,
Bühnenwerke alles gibt es schon
wieder, wenn auch nur in bescheide
nem Ausmaß und in ebenso bescheide
ner Ausstattung. Sogar die Deutsche
Buchgemeinsäiaft hat sich in Berlin
wieder aufgetan. Sie wird die be
kannte Epikonreihe wieder aufbauen,
in der die bedeutendsten Werke der
Weltliteratur vereinigt werden sol
len, und ihre Tempelklassiker fort)et«
zeit. In den Tageszeitungen werden
Werke in Fortsetzung gebracht, die im
Ausland erschienen, in Deutschland
aber noch unbekannt sind, so bei
spielsweise Franz Werfeis „Lied von
Bernadette" im Berliner ,Tagesspie
gel', der in der amerikanischen Zone
erscheint.
Namen/ denen man schon lang nicht
mehr begegnet ist, tauchen in diesen
Verlagsankündigungen neu auf,
Karl August Meissinger, Dolores
Viejer, Gertrud von Le Fort und
viele andere mehr. Die Stadt Mün
chen hat sogar wieder einen Litera
turpreis verliehen, und der Preisträ
ger war diesmal Peter Dörfler, der
schwäbische Dichterpfarrer.
Auch mit der periodischen Litera
tur geht es wieder aufwärts. Lam
bert Schneider in Heidelberg verlegt
die neue literarisch-politische Monats
schrift ,Die Wandlung', Victor
Scholz in Wiesbaden die ästhetisch
schöngeistige Zeitschrift ,Der Bogen'.
Die Münchner ,Gegenwart' ist ein
Wochenblatt von hohem Rang, und
die amerikanischen Behörden stehen
Pate bei zwei Monatsschriften, die
amerikanisches Geistes gut dem deut
schen Publikum vermitteln sollen. Ei
ne neue Frauenzeitschrift gibt es cmcli
bereits, den Münchner ,Regenbogen',
und in Berlin sogar ein neues Mode
blatt...
Was will das alles bedeuten? Ge
wiß nicht, daß Teutschland den furcht
baren Rückschlag, den es dank seinen
böswilligen Verführern erlitten hat,
schon überwunden hätte. Der Alltag
wird auf geraume Zeit hin grau blei
ben, und die Not auf Jahre hinaus
nicht zu lindern sein. Andererseits
aber ist doch auch deutlich, daß der
Lebenswille des Volkes nicht gebro
chen ist. In einer tiefschürfenden Bro
schüre warf neulich Ida Friederike
Goerres die Frage auf, welches wohl
der Sinn des Geschehens sei, der für
Deutschland im Kriege und in der
Niederlage umschrieben ist. Und sie
antwortete:
„Gewiß gibt es der Antworten vie
le und verschiedene, doch besteht unter
ihnen auch diese zu Recht, welche in
den Ereignissen selbst nicht nur einen
allgemeinen Weckruf zur Besinnung
und Umkehr sehen will, sondern eine
besondere Botschaft Gottes, welche,
die Gegenwart deutend, zugleich Ver
gangenes erhellt und Zukünftiges
vorzeichnet, Wurzel des Geschehe­
OHIO WAISENFREUND
nen bloßlegt und somit auch den Weg
zu seiner Überwindung andeutet"
(Ida Friederike Goerres, „Von der
Heimatlosigkeit", Herder'sche Klein
schriften, Freiburg im Breisgau).
Zweifellos ist damit die seelische
Lage des deutschen Volkes umschrie
ben. Die Menschen kommen langsam
wieder zur Besinnung und sie sind
bestrebt, sich über sich selbst Rechen
schaft abzulegen. So führt ihr Weg,
der unter der Herrschaft der Gewalt
so lange ganz in dem Lärm des Ta
8es und in der Aeußerlichkeit seines
Geschehens verlief, von neuem in's
Innere, zur Abwehr von allen den
falschen Idolen, die die neuere deut
sche Geschichte bestimmt haben. Die
Stillen im Lande waren den Idealen
einer größeren Vergangenheit nie
untreu geworden, aber ihnen war die
Sprache verwehrt. Nun melden sie sich
wieder zum Wort, und haben manche!
zu sagen. Die sich selbst treu geblieben
sind, werden in den verwüsteten See
len die Ideale neu vorzustellen ha
ben. So tief der Fall war, so hoff
nungsvoll kann das Neubeginnen
sein, wenn es aus den Traditionen
deutscher Geschichte schöpft
Wie lauge fchweigt
Wachington noch?
Unter dieser Spitzmarke schreibt die
,N. N. Staatszeitung':
Während die überlebenden Groß
Konzen des Dritten Reiches sich in
Nürnberg u. a. unter der Anklage der
Massenvertreibung, Massenermor
dung und Beraubung „fremdrassi
scher" Volksmassen in deutschen, wie
in eroberten Gebieten verantworten
müssen, wälzen sich weiter die Elends
züge verjagter, beraubter, mitten im
Winter in Not und Tod getriebener
Menschen über die Landstraßen und
durch die Trümmer Rumpfdeutsch
lands. Lidice findet seine hundert
und tausendfache Wiederholung. Die
„Großen Drei" haben ja für eine
korrekte und humane Art der Durch
führung des „Bevölkerungstrans
fers" gesorgt, und der englische Au
ßeiiminister Bevin findet, daß, wenn
auch vielleicht nicht die polnische, so
doch die tschechoslowakische Regierung
sich den Potsdamer Vorschriften „im
allgemeinen gefügt" hat. Korrekt und
hitman werden Deutsche nur, weil
sie deutsche sind! weiter ihres
Heims, ihrer Habe beraubt, über die
Grenze und in den wahrscheinlichen,
wenn nicht sicheren Tod getrieben.
Sie werden nicht gleich samt und
isoitders an Ort und Stelle totgeschla
gen, denn das wäre vielleicht eben
doch inkorrekt und inhuman. Schließ
lich haben die siegreichen demokrati
schen Großmächte Rücksichten zu neh
men auf Leute, die faschistische Bestia
lität und amoklaufenden Rassenwahn
finn auch dann noch anstößig finden,
wenn Prager und Warschauer „De
mokraten" stalinistischer Observanz
anfangen, „nationale Politik" mit
Hilfe der Hitler-Methoden zu treiben,
gegen die ja das menschliche Gefühl
nachgerade hinlänglich abgestumpft
ist.
Die vorläufig letzte Phase der
tschechoslowakischen Rechtsvergewalti
gung liegt in den Ausbürgerung^
und Enteignungsbestimmungen vor,
die an sich freilich nur eine nachträg
liche, wieder alten Hitler'schen Mu
stern entsprechende Rechtsbemänte
lung längst vollzogener scheußlicher
Untoten sind, aber dennoch in mehr
als einer Hinsicht nicht jeden aktuel
len Interesses entbehren. Mit keinem
Wort ist jetzt mehr von „Bestrafung
der Schuldigen" und von Refpektie
rung der demokratischen Bürgerrechte
und der elementaren Menschenrechte
des stets loyal gebliebenen Teiles der
einstigen deutschen Sudetenbevolke
rung die Rede. Die heutige Tscheche
slowakei proklamiert nur schamlos
offen eine undiskriminierte Rachepo
iitik auf rein „Völkisch-nationaler"
Basis!
Wer auch nur des Verbrechens
schuldig ist, Eltern mit deutscher Mut
tersprache (bei Hitler hieß es: jüdi
'che Großmutter) gehabt zu haben,
wird ausgebürgert und enteignet und
bat keinen Anspruch mehr auf seilten
..Tag im Gericht" das Dekret der
Prager Regierung unterliegt nicht
der gerichtlichen Nachprüfung. Wo
bliebe sonst auch die Autorität der
Venesch-Faschisten im Hradschin? Ter
„Verbrecher" hat das „Recht", sich
nachträglich bei eben dieser hochan
sehnlichen Regierung zu beschweren,
derselben Regierung, die das Unrecht
dekretiert hat.
Prag begnügt sich aber damit nicht.
Es scheint anzunehmen, die Tschecho
slowakei könne nach bewährten Nazi»
Methoden auch deutsche und ungari
sche Bewohner unseres Landes
terrorisieren, ohne Rücksicht auf ame
rikanisches Recht, auf amerikanische
Moralanschauungen nehmen zu müs
sen. „Die obenerwähnten Erlasse und
Verordnungen beziehen sich," haben
die hiesigen tschechoslowakischen Kon
sulate mitgeteilt, „auch auf Personen
tschechoslowakischer Staatsbürger
schaft, die im Auslande leben oder
die aus der tschechoslowakischen Repu
i k ausgewandert sind ..."
Traurigerweise ist in der amerika
nischen Oeffentlichkeit von weni
gen rühmlichen Ausnahmen abgese
hen bisher noch alles, was die
^amtlichen und nichtamtlichen Lügner
in Prag zur Beschönigung ihrer Bar
bareien in Umlauf gesetzt haben,
mehr oder weniger gutgläubig nach
geplappert worden. In diesem Falle
scheint uns aber denn doch der Punkt
erreicht zu sein, über den hinaus die
Prager Unverschämtheit nicht gut ge
trieben werden kann, ohne daß sich
endlich der amerikanische Gerechtig
keitssinn oder, wenn nicht das, so
doch die amerikanische S e st a ch
u it regen sollte Wie lange
gedenkt das Staatsdepartement in
Washington zu der Provokation, die
dieser dreiste Übergriff der tschecho
slowakischen Konsulate darstellt, noch
zu schweigen?
Ein mannhaften Wort,
ein ehrliches Urteil
In einer kürzlichen Ausgabe des
.Wanderer' fand sich ein Artikel: „Die
Kirche ein lebender Organismus".
Er befaßte sich mit der Ernennung
von zweiunddreißig neuen Kardinä
len aus siebzehn verschiedenen Natio
nen. Er versuchte an der Handlungs
weise des Papstes zu beweisen, wie
die Kirche über den Nationen stehend
den jeweiligen Verhältnissen Rech
nung trägt und in gerechtem Vater
oder Mutterfinn alle als gleichberech
tigte Kinder der großen in der Kir
che zusammengefaßten Gottesfamilie
behandelt. Die in dem Artikel ausge
sprochenen Gedanken waren, wenn
auch in etwas persönlicher Form dar
geboten, keine anderen als die, die
ein jeder denkende und mit der Kirche
fühlende Katholik bei diesem Anlasse
haben mußte. Der Artikel war bald
nach dem Bekanntwerden der päpstli
chen Aktion niedergeschrieben, noch
ehe es möglich war, das Urteil ande
rcr, zumal nichtkatholischer Persön
lichkeiten und Organe zu erfahren.
Inzwischen ist dies aber möglich ge
worden. Um aus vielen nur einen
herauszuheben, sei hier ein Artikel
aus der ausgesprochen protestantischen
in ihren Kreisen sehr angesehenen
Zeitschrift ,The Christian Century'
erwähnt. Wir haben in der Vergan
genheit mehrfach Gelegenheit gehabt,
gegen manches, was diese Zeitschrift
mbezug auf katholische Einrichtungen
oder angebliche Pläne der Hierarchie
usw. veröffentlichte, zu protestieren.
Um so beachtenswerter tst ein Artikel
in ihrer Ausgabe vom 9. Januar, der
sich editoriell mit der Ernennung der
Kardinäle sowie mit der Weihnachts
ansprache des Papstes an die versant
melten Kardinäle und sonstige Prä
lateii befaßt.
Ter Verfasser des Artikels macht
es klar, daß er und mit ihm feine
protestantischen Glaubensgenossen
das System von Papsttupt und Kar
dinalswürden ablehnen. Nun, das ist
ihr gutes Recht, dessentwegen wir,
wenigstens hier, nicht mit ihnen zu
streiten brauchen. Umso bedeutungs
voller ist die Anerkennung, die trotz
dieses Vorbehaltes, dem Papste aus
gesprochen wird für seine konsequen
te Haltung als Leiter einer Kirche,
die sich als allgemein bezeichnet, als
über den Nationen stehend angesehen
sein will.
Schon der erste Satz ist eine restlose
Anerkennung, ja Bewunderung, wenn
der Verfasser sagt: „Wieder einmal
hat die Führerschaft der romisch-kq
tholischen Kirche es fertig gebracht,
einer Krife allererster Ordnung zu
begegnen mit kirchlich-staatsmänni
schem Talent ersten Ranges." Was
dann folgt deckt sich mit den von uns
ausgesprochenen Gedanken inbezug
auf die Ubernationalität der Kirche.
Ob allerdings die Jnternationalität
eines zukünftigen Papstes eine solche
Rolle spielen wird, wie der Verfasser
anzunehmen scheint, ist doch fraglich.
Aber dies ändert ja nichts an der
Anerkennung für die Haltung des
Papstes in dem Punkte einer welt
weiten Verteilung der Kardinals
würde.
Tie zweite Anerkennung ist der
Ansprache des Papstes gewidmet. Der
Hl. Vater hatte sich zu dem Problem
der Schaffung eines wahren Friedens
geäußert. Für uns Katholiken, die
wir all die Jahre auf die Stimme
des höchsten Hirten und Stellvertre
ters Christi auf Erden gehört ha
ben, waren die Leitgedanken dieser
Ansprache nichts Neues. Sie waren
allerdings nm so gewichtiger, als sie
zeigten, daß der Papst sich all die
vtihre her, in denen er die wahren
und einzig richtigen Grundlagen für
einen wahrhaften und dauernden
Frieden betonte, sich treu geblieben
ist, ebenso wie in seinem Freimut, mit
denen er im Sinne und Auftrag Chri
sti sich als Lehrer der Welt erweist.
Der Artikel zitiert die markante
sten Stellen aus der Ansprache, die
wirklich wie Scheinwerfer von äußer
ster Helligkeit in das Dunkel der ge
danklich und grundsätzlich verwirrten
und von Leidenschaften verführten
Welt hineinleuchten. Der Artikel hat
an all den zitiertem Stellen nichts
auszusetzen, im Gegenteil gibt den
Eindruck, daß der Verfasser nicht um
hin kann, sich vor ihrer inneren
Wahrheit, Richtigkeit, Zeitgemäßheit
und ihrem einzig praktischen Werte
zu beugen.
Er schließt den längeren Artikel
mit diesen bemerkenswerten Sätzen:
„Wenn auch die römische Kirche nur
als eine nun einmal bestehende Tat
sache in der Welt anzunehmen ist,
können wir doch nicht anders, als
dankbar zu sein, wenn das Haupt
dieser Kirche eine solch wahrhaft
staatsmännische Gesinnung offenbart.
Protestanten müssen bedauern, daß
nicht ein gleich kirchlich-staatsmänni-'
scher Sinn, keine gleiche zwingende
Botschaft bis jetzt in dieser Nachkriegs
welt von einer autoritativen prote
stantischen Stelle oder Führung ge
kommen ist. Aber sie werden sich
freuen über den Beweis vor uns, daß
solch kraftvolles Leben in dem Teil
der christlichen Kirche pulsiert, der
von der römischen Gemeinschaft ge
bildet wird."
F. Markert, S.V.D.
Senatoren protestieren
gegen barbarifche Politik
unterer Negierung
Aus Washington wird unter'm
31. Januar berichtet:
Im Kapitol hat gegen die soge
nannte Morgenthau-Politik für
Teutschland eine entschiedene Protest
bewegung begonnen, die vom Senat
ausgegangen ist und auch im Haus
ihr Echo finden dürfte. Es handelt
sich nicht um einen kleinen Vorstoß
von Gegnern der Administration,
denn schon im letzten Monat richteten
bekanntlich vierunddreißig Senatoren
beider Parteien an den Präsidenten
Truman eine Petition, in welcher fol
gende Forderungen gestellt wurden:
1. Die Okkupationstruppen in
Deutschland und Oesterreich sollen
angewiesen werden, die Nahrungs
rationen in der amerikanischen Zone
über das jetzige Hungerniveau zu er
höhen und sofort den Postdienst zu
eröffnen.
2. Es sollen Verhandlungen mit
Stalin begonnen werden, um die Er
laubnis zu erhalten, amerikanische
Vorräte in die russische Zone zu schif
fen und auf diese Weise die schreckliche
Zahl der Todesopfer zu reduzieren.
3. Private Hilfsorganisationen
sollen auf der Stelle die Erlaubnis
erhatlen, sich in Teutschland und Oe
sterreich zu betätigen.
4. „Weil wir glauben, daß die
Lage in Teutschland und Oesterreich
so verzweifelt ist, daß die empföhle
nen Schritte nicht genügen werden,
appellieren wir an Sie, Herr Präsi
dent, eine unabhängige amerikani
sche Hilfsmission zu autorisieren, um
dieses drohende Unheil der Massen
aushungerung abzuwenden."
Das war der Anfang, dem nun
ein dem Henat unterbreiteter Antrag
auf eine Resolution gefolgt ist, der
auch das Haus zugestimmt haben soll.
In dieser Resolution soll verlangt
werden, daß beide Häuser eine ge
meinsame Kommission bilden, und
Zwar aus je sechs Mitgliedern beider
Häuser, von denen je die Hälfte De
mokraten und Republikaner sein sol
len, und die für das Oberhaus von
dem Präsidenten des Senats und für
das Repräsentantenhaus von dem
Sprecher des Hauses ernannt werden
und beauftragt werden sollen, eine
Reise nach Teutschland und anderen
Gebieten zu unternehmen. Sie sollen
sich dort aus erster Hand über die
Lage informieren und sich über die
nötigen Schritte erkundigen, welche
der Präsident und der Kongreß tun
müssen, um der Lage zu steuern.
Diese gemischte Kommission soll
dem Kongreß so bald als möglich,
und auf alle Fälle innerhalb von vier
Wochen, ihren Bericht unterbreiten
und Empfehlungen zur Abhilfe vor
'chlagen.
Auch soll diese Kommission die
Vollmacht erhalten, Sachverständige
und andere Beamten anzustellen und
zu bezahlen und Verhöre innerhalb
und außerhalb der Ver. Staaten ab
zuhalten, wie sie das für gut befin
det. Tie mit der Resolution verknüpf
ten Ausgaben sollen $25,000 nicht
übersteigen ^und zur Hälfte aus dem
Fonds des Senats, zur anderen Hälf
te aus dem Fonds des Hauses bestrit
ten werden. Tie Anweisungen müssen
von dem Vorsitzer der Kommission
unterzeichnet werden.
Einer der Senatoren, der den Ball
in's Rollen gebracht hat, ist der Re
pnblikaner Wherry von Nebraska, der
die Tebatte mit folgenden Worten
eröffnete:
«Tie Regierung hat eine wohlbe
rechnete Aushungerungspolitik in
Deutschland eingeschlagen. Die schreck
Iiche Wahrheit ist, daß wenn auch
nur ein Teil des aus Europa eintref
senden Beweismaterials der Wahr
heit nahekommt, das amerikanische
Volk sich zum Mitschuldigen an dem
Verbrechen der Massenaushungerung
macht.
„Die Frage ist keine politische Fra
ge, es ist nicht die Frage eines har
(Fortsetzung aus Seite 8)

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