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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 06, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

Image and text provided by Ohio Historical Society, Columbus, OH

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A"-
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Juli
V
V
Ner Bieg des Glaudens
II.
Fassen wir zusammen, wie die Na
zis die Lage beurteilen: „Die Welt
anschauliche Lage im Kreise," schreibt
^reisschulungsleiter Dr. Schill im
Dezember 1943, „ist im wahrsten
Sinne des Wortes ,schwarz'. Nicht
nur, daß die Bevölkerung nur e i
n e
Bindung anerkennt, die an die Kirche,
auch weitaus die Mehrzahl der Par
teigenossen steht weltanschaulich noch
mit beiden Füßen auf dem Boden der
Kirche. Die Fälle, in denen Got
tesdienst als Abhaltung von Partei
Veranstaltungen abgesehen wird, hau
fen sich. Das gilt vor allem von der
Jugend, die durch das Elternhaus zu
absoluter Kirchenhörigkeit erzogen
wird" (8. 45). Oder: „Die katholi
sche Kirche bleibt ein schwarzer ©chat
ten auf allen Bemühungen der Par
tei, eine einheitliche weltanschauliche
Ausrichtung unseres Volkes zu erzie
len" (S. 53). „Nach wie vor beherrscht
die Kirche das Feld" (S. 47).
John S. Steward urteilt über das
katholische Elternhaus im Reich: „Den
Versicherungen, dem Nationalsozialis
mus nie angehangen zu haben, wird
von der Alliierten Militärverwal
tung) kein Zweifel entgegengesetzt sie
sind aufrichtig und ehrlich, wie sie
es nur sein können." (Leider trifft die
se Feststellung, soweit wenigstens die
Militärverwaltung in Frage kommt,
nicht zu, wie wir noch ausführen wer
den.) „Das gilt nicht zuletzt von den
Frauen, den christlichen Frauen, deren
Widerstand gegen den Nationalsozia
lismus, besser: deren unerschütterli
chem Glauben es zuzuschreiben ist, daß
die deutsche Jugend trotz Hitler-Ju
gend und Bund deutscher Mädels,
SchulungÄagern und Ordensburgen
gegen den nationalsozialistischen. Geist
immun geblieben ist, und zwar so im
mun, als ob sie außerhalb des Drit
ten Reiches gelebt und erzogen wor
den wäre. Wir sprachen Jungen und
Mädel im Alter von zwölf bis acht
zehn Jahren die durch HI und
BdM hindurchgegangen sind und die
cm ihrer Seele keinen Schaden davon
trugen. Wir ließen uns ihr Leben
schildern. Es war in jedem einzelnen
Falle anders. Nur in einem stimmten
die Erzählungen überein: die Mut
ter, die gläubige Mutter war der
Hort der Familie sie blieb standhaft
gegen Verlockung und Terror sie ret
tete christlichen Familiengeist vor dem
Einbruch neuheidnischer Kräfte sie
stellte sich zum Kampf, wenn der
Mann schwach zu werden drohte" (S.
20).
Hier sind einige Beobachtungen der
Nazis: „Bei den Feiern zur Verpflich
tung der Jugend fiel an verschiedenen
Orten die geringe Beteiligung der El
tern auf... Es wurde auch festgestellt,
daß zum Teil Jugendliche in sehr we
nig feiertäglichem Aufzug erschienen,
jedenfalls würden sie so bestimmt nicht
in die Kirche gehen" (S. 42). „Häu
fig kommt es noch vor, daß die Pimp
fe mit dem Gebetbuch in der Tasche
zum HI-Dienst antreten, um nach
Beendigung des Dienstes in die Kir=
che zu gehen, um zu beichten. Eigent
lich kein Wunder, die Väter, auch
wenn sie politische Leiter oder gar
Ortsgruppenleiter sind, sind genau so
kirchengläubig" (S. 68). Kriesschu
lungsleiter Dr. Schill klagt: „Es ist
nicht zuviel gesagt, wenn man behaup
tet, daß die Schulung nahezu in den
Wind gesprochen ist, sie wirkt nur
dort, wo man der Leute ohnehin sicher
ist. Bedenklich sind Veranstaltungen,
deren Erfolg so ungewiß ist, daß sie
das Ansehen der Partei mindern die
HI setzt ausgerechnet auf den ,Weißen
Sonntag' zehn Uhr eine Jugendfilm
stunde an. Ergebnis: 1. Der Film
Vorführer ist nicht zur Stelle, weil er
in der Kirche Trompete bläst. 2. Es
haben sich überhaupt nur verschwin
dend wenig Jugendliche eingefunden,
die wieder nach Hause geschickt und
auf ein Uhr bestellt wurden. Um ein
Uhr erscheint wieder nur ein kleines
Häuflein. Damit ist für die Gegner
nur bewiesen, daß die Kirche nicht aus
dem Sattel zu heben ist" (S. 47).
Die Nazis sahen nicht mit Un
recht in den katholischen Priestern
ihre1 ersten" Gegner: ganz begreiflich
für den, der im Nazismus eine Welt
anfchauung, die Antikirche sah: unbe
greiflich für den, der nur parteipoli
tisch denken kann. Der berüchtigte
SS-Gruppenführer Heydrich hatte
eingehende 'Instruktionen für die Be
fpitzelung der Bischöfe, Dekane („Aug
und Ohr des Bischofs") und der Prie
ster gegeben (S. 17ff.). Die Fulda'er
Bischofskonferenz war das Haupt-
Die weltberühmte St. Bene
dict-Wundsalbe
Erprobte» Heilmittel gegen efft
ilrten von alten und frischen Wirrt
den, Geschwüren, Gewächsen, Biß
wunden, Karbunkeln, lüfto. Bitte Geld
nur durch Post Money Order zu schif
fen. Keine Stamps. 60 Cents die
htel bei
j. L. STAAB
Yalhgntar Ära, OUraUIB *, «.
trtiürtier des inneren FewdeS, ihre
Beschlüsse wurden gründlichst studiert
(I. lOOff.) Die schamlosen Prozesse
und Pauschalverleumdungen der Prie
ster brachten nur Schande über die
Nazis und verbanden Priester und
Volk inniger als je zuvor. Die Nazis
wollten „nicht Märtyrer schaffen, son
dem Verbrecher" sie machten den
Priester zum Märtyrer und blieben
zurück als Verbrecher. Es wäre Auf
gabe einer besonderen Studie, wie sick/
der deutsche Klerus den Verhältnis
sen anpaßte: jedenfalls nicht durch
feiges Paktieren, durch Preisgabe der
Grundsätze, durch eine Staatsreligion,
die dem Cäsar gab, was Gottes ist,
sondern durch vermehrten Eifer, durch
erhöhten Opfersinn, vor allem durch
persönliche Heiligung und Vertrauen
auf Gott. Die Priester lernten vom
Gegner und heiligten seine profanen
Mittel. Nur etliche Beobachtungen der
Nazi-Dokumente: „Zweifellos wird
der Zustrom zur Kirche noch dadurch
erhöht, daß sie sich gewisse neue Be
strebungen, z.B. das Gemeinschafts
singen, Lieder mit rein deutschem
Text, Verflechtung von alten kirchli
chen Bräuchen mit alten deutschen
Volkstumsbräuchen und die Versinn
bildlichung der kirchlichen Lehren
durch Beispiele aus der Natur und
dem frammen, natürlichen Leben zu
eigen macht" (S. 23). „Der Herr
Pfarrer hält anstatt der vorgeschrie
benen zwei Stunden Religionsunter
richt nun in der Woche vier Stunden
ab. Der Unterricht wird jedoch nicht
in der Schule, sondern im Kirchenbau
gehalten, so daß rechtlich jedenfalls
nichts zu machen ist" (S. 75). „Die
Pfarrer sind gegenwärtig sehr aktiv.
Jeden Abend einen Gottesdienst mit
anderer Bezeichnung. Der Zulauf zu
diesen Hetzaposteln ist jedenfalls nicht
geringer geworden" (S. 76). „In letz
ter Zeit wurden die sogenannten Mis
sionswochen durchgeführt ., wobei
man feststellen konnte, daß die Kir
chen stets überfüllt waren" (S. 76).
„Die Kirchen sind eifrig tätig, um die
Jugend immer mehr an sich zu ziehen.
Die Eltern werden von den Pfarrern
persönlich besucht, um auf sie einzu
wirken, daß ja ihre Kinder alle Ju
gendverfammlungen der Kirche befu
chen" (S. 77). „Mit allen Mitteln
wird eine Art Katakombenstimmung
erzeugt, die christliche Jungfrauen zu
Märtyrern und Heiligen machen soll.
Einen anderen Grund kann man sich
wohl nicht denken, wenn beispielsweise
der Vikar in Peterstal die christenlehr
pflichtigen Mädchen Im Keller der
Kirche versammelt" (S. 107).
(18511-131?)
Bon Georg Timpe, iP.SM.,
Washington, D. C.
Hätte Mutter Cabrini nicht in un
serer Zeit gelebt, gäbe es nicht viele
in diesem Lande, die sie gesehen, ge
fprochen und nicht nur oberflächlich
gekannt haben, man müßte sagen, ih
re Geschichte ist einfach unglaublich
es ist unmöglich, so vieles und so vie
lerlei in ein einziges Menschenleben
hineinzupressen. Manches darin erin
nert an die Legende vom lieben hl.
Franz, der auch klein war von Ge
stalt, der auch so rastlos war in sei
ner heiligen Unruhe zu Gott, der auf
Erden wandelte und im Himmel leb
te, dem Blumen, Wasser und Wolken
eine ewige Sprache redeten, der sich
über Berge und Meere ins Endlose
sehnte, der hinter Freude und Leid
die eine göttliche Herrlichkeit sah und
anbetend in ihr versank. Man kann
es nur ahnen, was im Geist dieser
Herrlichen im Reiche Gottes brannte:
die Liebe zum verwundenden Seraph
auf Alvernos Höhen und der die
Meere überbrückende Drang nach
Seelen, wenn der hl. Mutter Cabrini
auf dem Deck des Ozeandampfers die
Welt zu klein wurde. Es ist bei ihr
wie bei ihm das große Wunder ihres
Lebens, und man brauchte eigentlich
nicht nach andern zu suchen.
S a n A n e o o i i a n o
in Italiens fruchtbarer Lombardei ist
der Geburtsort der Heiligen. Eine
Schar weißer Tauben, heißt es, habe
zur Stunde ihrer Geburt das Haus
Cabrini umflattert. Nie vorher habe
man sie im Ort gesehen und auch nach
her nie wieder.
Die Eltern waren einfache Land
leute, Agostino Cabrini und Stella
Oldini, und dies war ihr dreizehntes
Kind. Gleich am Tage seiner Geburt,
15. Juli 1850, wurde es getauft es
erhielt den Namen Maria Francesca.
Das Kind war wohl zart, wuchs aber
fröhlich auf. Von großem Einfluß auf
die Entwicklung und Ausbildung der
Kleinen war die fünfzehn Jahre äl
tere Schwester Rosa. Sie wird als
klug und energisch geschildert, hatte
die Lehrerinnenprüfung bestanden
und unterrichtete an einer Privatschu
Ie. Von ihr lernte Cecchina (Elster
chen, Plappermäulchen), wie die Klei
ne scherzweise genannt wurde, nicht
bloß die Anfangsgründe der Schule,
sondern auch Charakterstärke, Gering
schätzung des Eitlen und den Geist
gesunder Frömmigkeit und Opferbe
reitschaft.
Acht Jahre alt, wurde sie gefirmt,
und im neunten empfing sie die erste
V
',
1
'N
fyeiTfrge KcmMMion. Im elften weihte
'ie sich Gott durch das Gelübde der
Jungfräulichkeit, ein Gelübde, das sie
jedes Jahr erneuerte und im neun
zehnten auf ewig ablegte. In ihre
Kinderzeit fällt auch die erste Anre
gung zu ihrem späteren Missionsbe
ruf und ihren weltweiten Missions
inen. Im Elternhause wurden
nämlich die ,Annalen zur Verbrei
tung des Glaubens' gelesen. Zuerst
mag es mit diesen Gedanken ein blo
ßes Kinderspiel gewesen sein, wenn
sie jj. B. kleine Papierschiffchen den
Bach hinunter in die verschiedenen
Missionsländer sandte, oder wenn sie
auf Süßigkeiten verzichtete, weil sie
meinte, die Kinder in China hätten
auch keine sie rührte seitdem ihr
Leben lang keine mehr an. Als sie
aber mit dreizehn Jahren einen Mis
sionar in Sant Angelo hörte, der von
der Notwendigkeit sprach, Glaubens
boten in die Heidenländer zu schicken,
da vertraute sie der großen Schwester
ihren Wunsch an. Die meinte nur:
„Wie mqgst du bloß daran denken.
Missionarin zu werden, so klein und
so dumm wie du bist!" So lernte sie
denn erst fleißig weiter.
OHIO WAISENFKEUND
Wie sie mit der Volksschule fertig
war, schickten die Eltern sie zu Aus
bildung als Lehrerin nach Arluno zu
den Kreuzschwestern. Am 18. Oktober
1868 bestand sie die Lehrerinnenprü
fung mit Auszeichnung. Sie bat die
Schwestern um Aufnahme in das
Kloster, wurde aber nicht angenom
men, weil sie für das Ordensleben
nicht kräftig genug schien. Es blieb
ihr nichts anderes übrig, als nach
Sant Angelo zurückzukehren und im
Elternhaus die täglichen Pflichten zu
übernehmen. An Arbeit fehlte es da
nicht. Von den dreizehn Kindern wa
ren nur vier übriggeblieben eines
davon, eine Schwester, litt an Kinder
lähmung und starb bald. Der Vater
fing an zu kränkeln und starb zu An
fang des Jahres 1870 die Mutter
folgte ihm in demselben Jahre. Neben
den Arbeiten im Haushalt widmete
sie sich mit ihrer Schwester Rosa dem
Besuch der Armen und Kranken. Als
im Jahre 1872 die Blattern im Ort
ausbrachen, ging sie furchtlos zu den
Angesteckten und pflegte sie. Die Seu
che ergriff dabei auch sie, aber unter
Rosas sorgsamer Pflege genaß sie wie
der und blieb sogar von den entstellen
den Blatternarben verschont.
Fast schien es, als wäre Francesca
von ihrem Jugendplan abgekommen,
da trat eine entscheidende Wendung
in ihr Leben. Erst sah es allerdings
aus, als würde sie dadurch um keinen
Schritt näher zu ihrem Ziel gebracht.
Pfarrer Serrati vom benachbarten
Vidardo bat sie nämlich, die erkrankte
Lehrerin der Volksschule zwei Wochen
zu vertreten. Aus den paar Wochen
wurden jedoch zwei Jahre, aber es
waren Jahre des Segens für die
Schule wie für die ganze Gemeinde.
Durch ihr freundliches Wesen brachte
sie es zuwege, daß der damals in den
Schulen verbotene Religionsunter
richt und die Gebete wieder eingeführt
wurden, daß der Sakramentenemp
fang auflebte, daß man Mai-Andacht
hielt, und daß sich selbst der Bürger
meister bekehrte.
Die nächstfolgenden Jahre sind so
unerquicklicher Art, daß man sie am
liebsten übergehen möchte. Aber sie
zeigen hinwieder, welcher Mittel sich
oft die Vorsehung bedient, um höhere
Ziele einzuleiten.
Wieder waren es nur zwei Wochen,
um die Francesca diesmal gebeten
wurde. Pfarrer Serrati war inzwi
schen von Vidardo nach Codogno, ei
ner Stadt von achttausend Einwoh
nern, versetzt worden. In seinem
neuen Wirkungskreis fand er ein klei
nes Waisenhaus vor, das noch von der
Gründerin geleitet wurde. Ihr hatten
sich zwei Frauen zu einer Art religiö
ser Gemeinschaft angeschlossen. Sie
trugen wohl so etwas wie eine Non
nentracht, von einem religiösen Le
ben fehlte unter den stets keifenden
„Schwestern" jede Spur. Diese nun
in zwei Wochen zu reformieren, mu
tet geradezu als Scherz an. Aber
Francesca gehorchte, suchte Ordnung
und christlichen Geist in das Haus zu
bringen, konnte jedoch als „Eindring
ling" nichts erreichen. Als alle Be
mühungen nichts fruchteten, ernann
te der Diözesanbischof nach drei Iah
ren Francesca zur Oberin.
Schließlich nach weiteren drei Jahren
hob er das Haus auf und exkommu
nizierte die halsstarrigen Frauen. Zu
Francesca sagte er nur: „Du wolltest
ja Missionarin werden. Jetzt ist die
Zeit dafür. Ich kenne kein Institut
von Missionsschwestern. Warum grün
dest du keines?" (Die französische
Gründung der Franziskanischen Mis
Ii n tt 1
rfi toi rn ta k
^lUUUlV UU9 ÜCiil
Jahre 1877 war dem Bischof untie
kannt geblieben.) Francescas demü
tige Antwort war: „Ich geh ein Haus
suchen." Mit Hilfe von Msgr. Serrati
erwarb sie ein altes Franziskanerklo
ster aus dem siebzehnten Jahrhundert,
das seit der napoleonifchen Zeit leer»
stand. Am 12. November 1880 zog sie
hier mit sieben Schwestern und eini
gen Waisenkindern ein. Zwei Tage
darauf las Msgr. Serrati in der ärm
lichen Hauskapelle die heilige Messe
der 14. November 1880 gilt darum
als der Geburtstag ihrer Gründung.
Fovtsetzung folgt)
C.*St.d.CM
Leben ans dem Gltmben
Kernig und weitreichend wie so
manches Wort der Hl. Schrift ist auch
diesem Wort des Apostels. Es bildet
sowohl ein ganzes Lebensprogramm
wie auch einen Fingerzeig, dem zu
folgen zur Lösung aller Probleme
führt. Selbstverständlich gilt es für
den Einzelnen, aber nicht minder für
Gruppen, Gemeinschaften, Staaten
und ihre führenden Beamten und ge
fetzgebenden Körperschaften wie Re
gierungskabinette oder Parlamente.
Wer in aller Ruhe und Leidenschafts
losigkeit die Probleme unserer Zeit
durchdenkt und nach einer möglichen
Lösung sucht, wird sie immer wieder
in den Grundsätzen des Glaubens fin
den können. Ebenso ist es sicher, daß
der Oirunö für die Uebel zwischen ein
zelnen Menschen sowohl wie ganzen
taateit oder einzelnen Interessen
gruppen wie z. B. Arbeitern und Ar
beitgvbern darin zu entdecken ist, daß
dort die Grundsätze des Glaubens au
ßer acht gelassen oder bei auskommen
den Schwierigkeiten nicht diesen
Grundsätzen entsprechend eine Lösung
versucht wird.
Andere wieder haben offenbar die
eigentümlichsten Auffassungen von
dem, was das Wort „aus dem Glau
ben leben" in Wirklichkeit besagt. Ein
klassisches Beispiel haben wir in unse
rem Präsidenten. Gleich bei seinem
Amtsantritt zitierte er Grundsätze
aus der Bibel, was annehmen ließ,
daß er nicht nur sich als Christ be
kenne und die Bibel als das Wort
Gottes gelten lasse, sondern daß er
offenbar gewillt sei, diese vom Hl.
Geist inspirierten Grundsätze seine
Richtschnur für sein Wirken fein zu
lassen. Anläßlich seiner Ernennung
zum Ehrendoktor der Rechte durch die
von Jesuiten geleitete Fordham-Uni
versität hielt er eine Rede mit Gedan
ken, die ein Bischof hätte aussprechen
können. Sagte er z. B.: „Alle Welt
Probleme können gelöst werden, wenn
man im Geiste der Bergpredigt an sie
herantritt." Goethe würde wieder sei
nen ^auft sprechen lassen: „Die Bot
schart hör ich wohl, allein mir fehlt
der Glaube", nämlich an die Ehrlich
keit und den Willen, dementsprechend
zu handeln. Tatsächlich bemerkt dazu
der Schriftleiter des ,Wanderer':
„Diese Gedanken sind zweifellos rich
tig. Aber wir müssen gestehen, daß
uns solche Worte aus dem Munde des
Mannes, der in Potsdam nicht im
Geiste der Bergpredigt, sondern nach
dem Haßevangelium Mergenthau»
handelte und bisher durch keine Tat
bewiesen hat, daß in ihm ein Gesin
nungswechsel vorgegangen ist, nicht
imponieren. Wenn man tatsächlich an
die Heilskraft der acht Seligkeiten
glaubt warum verharrt man bei
den Unjeligfeiten von Potsdam, die
man nicht einmal durch ein bedauern
des Wort, die den Willen zur Revi
sion in Aussicht stellte, zu mildern
gewillt ist?! Warum läßt man es still
schweigend geschehen, daß der Not
schrei der deutschen Bischöfe und ihr
Appell um Gerechtigkeit durch die
amerikanischen Besatzungsbehörden
unterdrückt wird?! Wir könnten das
verstehen, wenn die Bischöfe zum
Nazi-System gehörten, das man aus
zurotten schwor, und nicht zum deut
schen Volk, dem man Frieden und
Freiheit versprach! Wir führen das
neue Präsidentenwort an, weil es so
kennzeichnend ist für die Zwiespältig
keit unserer Tage. Es liegt uns fern,
Hrn. Truman persönlich verunglimp
fen oder kränken zu wollen. Er spricht
und handelt im Geiste unserer Zeit
und würde wahrscheinlich sehr erstaunt
sein, wenn man ihn hinwiese auf den
Widerspruch zwischen seinen Worten
und Taten. Dieser Widerspruch ge
hört zu den hervorstechendsten Merk
malen unserer Zeit, in der sich die
Vergiftung des Gefellschaftskörpers
durch die Irrlehren des Liberalismus
in vollem Umfang auswirkt."
Es gibt ja tausend Gebiete und
Möglichkeiten, zu zeigen, daß man
„aus dem Glauben lebt" oder daß
man es nicht tut. Eines dieser Ge
biete ist die Stellung zur Rassensrage.
Wieviele unserer Leute, die sich ent
schieden dagegen wehren würden,
wenn man sie als ungläubig beurtei
len würde, nehmen z. B. in der Ne
gerfrage eine Stellung ein und han
deln danach, die absolut dem Sinne
der Glaubensgrundsätze und der Leh
re Christi und der Apostel schnür
stracks zuwider ist. Hier ein Beispiel,
das typisch ist. Die Zeitschrist der
Catholic Extension Society, ,The Ex
tension Magazine', veröffentlichte im
März eine interessante kurze Erzäh
lung mit dem Titel „Dorf Triumph".
Gegenstand der Erzählung ist ein jun
ger Priester mit schwarzer Hautfarbe.
Er war von seinem Bischof als Assi
stent in eine Pfarrei für Weiße ge
sandt worden. Der Pfarrer nahm ihn
nicht nur freundlich auf, fond er n war
darauf aus, durch diesen jungen Prie
ster mit einer gewinnenden Persön
lichkeit die Vorurteile zu beseitigen,
die in der Pfarrei gegen die Mitchri
sten schwarzer Farbe bestanden. Die
Geschichte schildert dann genau
nach dem Leben den Kampf, den
zumal die sogenannten vornehmeren
dem Gelde nach Familien ge
gen den „Niggerpriester" durchführ
ten. Es ist köstlich geschildert, wie die
ten, daß der Heiland in Brotsgestalt
titfn den schwarzen Fingern des Neger«
Priesters berührt werde. Daß ihre
Seelen schwärzer waren als die Fin
ger des Priesters, focht fie nicht an.
Kurz, der Schluß der Geschichte ist der,
daß der Mut des weißen Pfarrers
und der Eifer und die ganze Person
Xichfeit des Negerpriesters schließlich
den Sieg davon trugen.
Es gehört Mut dazu leider —,
eine solche Erzählung zu veröffentli
chen. ,Extension Magazine' hat sich
den Dank aller recht denkenden prak
tischen Christen damit verdient. Aber,
und deshalb führen wir dieses Bei
spiel an, manche Leserinnen haben in
einer fast an Wut grenzenden Erre
gung Briefe voll Schmähung Über die
Leitung der Zeitschrist und erst recht
über die Verfasserin geschrieben, daß
sie es wagten, solchen „Revolting
Trash" zu veröffentlichen. Es fei
schlimm genug, daß man unter Ent
schuldigungen zu erklären versuchen
müsse, daß weiße Priester Neger seel
sorglich betreuten, daß aber jemand
Weißen zumute, von schwarzen Prie
stern betreut zu werden, sei einfach ei
ne Schmach und Schande. Eine der
Leserinnen schrieb, daß sie dafür sor
gen wollte, als Katholikin eine rechte
katholische Zeitschrist in ihrem Haus
halt zu haben. Sie habe deshalb das
,Extension Magazine' bestellt und ha
be bisheran zwei Nummern erhalten.
Dies seien aber die letzten Nummern.
ie verlangt, daß ihr die Zeitschrift
nicht mehr zugesandt werde. Das
„Weibsbild" von Verfasserin sollte
abenso wie die Schriftleitung von der
zuständigen Behörde untersucht wer
den. Wahrscheinlich sei es eine von den
Kommunistinnen, die, wie sie gehört
habe, in die Reihen der Katholiken
eingeschmuggelt werden, um das ka
tholische Leben von innen heraus zu
vergiften. Ein Artikel wie dieser tue
es jedenfalls.
„Wen" Damen es nicht dulden iw8»|tere§, trotz weitgehender Umstell«»«
Solcher Art ist für gewisse Leute
das „Leben aus dem Glauben" be
stellt.
F. Markert, S.VjD.
Ein Äkchr nsch Kriegsende
in.
In der Darlegung der Verhältnisse
in Deutschland ein Jahr nach Kriegs
ende fährt Dr. M. Jordan fort:
Droht eine Arbeitslosigkeit?
Selbst unter den gegenwärtigen
Verhältnissen ist es eine große Frage
ob die deutsche Arbeiterschaft voll be
fchäftigt werden kann. Die bestqualifi
zierten Arbeiter werden aus den In
dustrien abwandern müssen, die jetzt
der Zerstörung anheimfallen. In der
Landwirtschaft werden sie nur in sehr
beschränktem Maße Aufnahme finden
können, denn im Rumpfreich, das sei
ne östlichen Kornkammern verloren
hat, und in dem jetzt schon der meiste
Großgrundbesitz aufgeteilt ist, wird
die Landwirtschaft vielleicht gerade
mit knapper Not die Flüchtlinge aus
dem Osten unterbringen können, wel
che landwirtschaftlich geschult sind.
Für zusätzliche Beschäftigung erschlie
ßen sich in der Landwirtschaft keine
Möglichkeiten. Das Baugewerbe wird
sicherlich in beträchtlichem Ausmaß
neue Arbeitskräfte beschäftigen kön
nen, denn es müssen ja Millionen
neuer Wohnungen erstellt werden.
Dennoch, so haben die amerikanischen
Experten in Berlin errechnet, wird
ein Passivsaldo von wenigstens fünf
Millionen Arbeitskräften verbleiben,
die arbeitslos sein werden. Das aber
ist genau die Ziffer, die zur Zeit der
deutschen Wirtschaftsdepression in den
dreißiger Jahren errechnet wurde.
Damals war diese selbe Not und Aus
weglosigkeit der hauptsächlichste
Grund für die Radikalisierung der
Massen und den Aufstieg der Nazi
Demagogen!
Eine Konsequenz des alliierten
Wirtfchaftsplanes für Deutschland,
die jedoch vom nichtdeutschen Stand
Punkt aus noch viel schwerer ins Ge
wicht fällt, find dessen Folgen für
Europa und die Welt. Man braucht
lediglich daran zu erinnern, daß vor
dem Kriege beispielsweise die däni
sche und die holländische Landwirt
schaft ihre Erzeugnisse in der Haupt
sache nach Deutschland abzusetzen
pflegten, daß aber bei einer so massi
ven Reduktion des deutschen Lebens
standards, wie er im alliierten Plane
vorgesehen ist, diese Absatzmöglichkei
tenjerheblich vermindert würden.
Solange die Deutschen auf Hunger
rationen gehalten werden, wird sich
naturgemäß auch ihre Kaufkraft nicht
steigern lassen. Es kommt also ein
Markt in Wegfall, der in normalen
Zeiten für die nichtdeutschen Indu
strieländer Europas und der übrigen
Welt, nicht zuletzt auch der Ver. Staa
ten lebenswichtig war. Die Deutschen
werden nur noch in beschränktem Ma
ße Rohstoffe und Nahrung aus dem
Ausland beziehen dürfen. Die Fertig
waren, die ihnen andere Länder gern
verkaufen würden, sollen sie nicht ab
nehmen dürfen. Andererseits werden
diesen Landern aber auch in weitem
Maße die Jndustrieprodukte fehlen,
die sie bisher aus Deutschland bezogen
hatten, und die sie nicht so ohne wei-
ihrer eigenen Wirtschaft, selbst her
stellen können. Der Mangel an diesen
Erzeugnissen ist jetzt schon groß, denn
die deutsche Industrie hat durch Bom
benschäden schwer gelitten und ver
mag einstweilen nicht zu liefern. Koh
lengruben sind verschüttet und die
Bergwerke in Oberschlesien sind be
reits völlig für den russischen Bedarf
eingespannt.
„Die gesamte europäische Industrie
ist gelähmt durch das Ausbleiben der
Ruhr-Kohle," schrieb küzlich der Lon
doner ,Economist'. Zu einem Zeit
punkt, da der Warenhunger in der
ganzen Welt größer ist denn je, wird
also Teutschland sowohl als Kunde
als auch als Lieferant weitgehend
ausgeschaltet und zugleich vor die
Notwendigkeit gestellt, gerade das
ystem, das die Siegermächte zu ver
nichten sich gefchtooren hatten, die au
toritäre, zentralistische Staatsfontrol
le, erneut nach staatssozialistischem
Muster aufzubauen, weil nur auf sol
chem Wege, anstatt auf dem der demo
kratischen Privatinitiative und im
freien Wettbewerb, die künstliche Neu
ordnung überhaupt denkbar ist, es sei
denn, daß sckwere soziale Erschütte
run gen in Kauf genommen werden
sollen, die wiederum den ganzen Plan
fragwürdig machen würden. Ganz da
von zu schweigen, daß der Friede der
Welt von der Beschleunigung des
wirtschaftlichen Wiederausbaus ab
hängig ist, in den alle Völker gleich
mäßig eingeschaltet werden müssen,
wenn er überhaupt gelingen soll.
Sowohl Engländer als auch Ame
rikaner, und zum Teil auch Franzosen,
verschließen sich nicht diesen grund
sätzlichen Bedenken. Ihre Vertreter in
Teutschland, die Tag für Tag mit den
Problemen zu ringen haben, die sich
aus dem gegenwärtigen Notstand er
geben, sind sich der Folgen durchaus
bewußt, die sich aus Maßnahmen er
geben müssen, welche genau so wie
zur Zeit des Friedensschlusses nach
dem ersten Weltkriege weniger von
wirtschaftlichen Vernunftgründen, als
durch politisches Ressentiment diktiert
sind. Rein praktisch gesehen, ist ihnen
klar, daß sie nach Lage der Tinge
einstweilen noch nicht einmal darauf
rechnen können, daß Deutschland die
Besatzungskosten zahlt, denn der Er
trag seiner zugestutzten Ausfuhr wird
gerade notdürftig den dringendsten
Lebensmittelbedarf decken können, für
welchen Engländer und Amerikaner
jetzt aufzukommen sich genötigt sehen,
wenn sie nicht eine Verelendung und
völlige Chaotisierung der deutschen
Massen hinnehmen wollen, die wie
derum unabsehbare und vielleicht ka
tastrophale politische Konsequenzen
nach sich ziehen müßte. Jedenfalls ist
soviel klar, daß je mehr das deutsche
Industriepotential verringert wird,
desto geringer die deutsche Einfuhr
ausfallen muß, und je geringer die
deutsche Einfuhr an den als Mindest
bedarf errechneten Rohstoffen und Le
bensmitteln ausfällt, desto größer
müssen die Zuschüsse sein, die die Al
liierten jetzt schon nicht umhin kön
nen, aus eigener Tasche zu leisten. Wo
bleiben dann aber die Reparationen?
und was werden die Steuerzahler in
den Siegerländern davon halten?
Wie gesagt, da staunt der Laie und
der Fachmann wundert sich.
Die Ernährungsfrage
Die Ernährungsfrage, die jetzt im
Vordergrund aller Erörterungen steht,
liefert die Probe auf» Exempel. Sie
ist sicherlich nicht erst jetzt akut gewor
den, und es war vorauszusehen, daß
eine ernste Krise entstehen würde, so
bald das Raubbausystem des Tritten
Reiches zusammngebrochen wäre. Noch
bis 1942 hatte die deutsche Bevölke
rung sich auf die Lebensmittelreferven
verlassen können, die schon lange vor
Ausbruch des Krieges, eben im Hin
blick auf den Krieg, angelegt worden
waren. Hinzu kam die Ausplünde
rung der von Teutschland besetzten
Gebiete. Allein Dänemark mußte das
Fleisch liefern für fünfzehn Millionen
Deutsche. Tie im Osten stehenden deut
schen Armeen wurden aus russischen
Beständen verpflegt, und darüber
hinaus wurden Nahrungsmittel ton
nenweise von dort ins Innere Teutsch
lands versandt. „Wenn schon jemand
hungert, dann sollen die anderen Völ
ker hungern!" hatte Göring gehöhnt.
Tann aber kamen die großen Rück
schläge, Stalingrad, die alliierte Lan
dung in Afrika, und von 1943 an
begann Schmalhans Küchenmeister zu
werden. Der Balkan schied als Lieser
gebiet aus. Massenhaft wurde der
Schweinebestand so weit reduziert, daß
er heute um drei Viertel geringer ist
als vor dem Kriege. Fett, das immer
schon in erheblichen Mengen aus dem
Auslande eingeführt werden mußte,
kam überhaupt nicht mehr herein. Am
Ende stand die Katastrophe.
Heute nun muß man schon fragen,
cch etwa der Hunger der größte
Kriegsgewinner fein wird. In der
französischen Zone sieht es am
schlimmsten aus, aber in der engli
schen ist es nicht viel besser bestellt.
Die Russen halten die Bevölkerung
ihrer Zone erträglich über Wasser,
während die Amerikaner tausende
von Tonnen Weizen herbeischaffen
müssen, um der schlimmsten Not zu
steuern. Die Aussichten, daß sich die
Lage bessern könnte, sind gering. Der
(Fortsetzung auf SeUc 8)
V

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Lie hl. Mutter Cadrini

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