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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 20, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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Einiges über den
St. Anna-Rultus
Die inspirierten Schriften entgöl
ten kein. Wort über die Eltern der
seligsten Jungfrau. Alle Angaben
über jene, einschließlich ihrer Namen,
entstammen der Tradition nicht
der Tradition als Quelle der göttli
chen Offenbarung und der Lehre der
Kirche, sondern der christlichen Ueber
lieferung als einer rein historischen
Quelle. Aus den Schriften des hl.
Justinus Martyr und des Klemens
Alexandrinus läßt sich entnehmen,
daß schon im zweiten Jahrhundert
schriftliche oder mündliche Berichte
über die Eltern Mariens, speziell ih
rer Mutter Anna, unter den Christen
in Umlauf waren. Die früheste be
kannte schriftliche Fixierung der christ
lichen Tradition über die Eltern der
Gottesmutter enthält das sogenannte
Proto-Evangelium Jakobi, dessen
Verfasser sich zwar selbst nicht als
Apostel ausgibt, das man aber doch
zu den Apokryphen zählt, weil später
der Apostel Jakobus der Jüngere für
den Verfasser gehalten wurde. Da das
hohe Alter der Ueberlieserung unzwei
felhaft ist, so läßt sich wenigstens ge
gen den Kern derselben, soweit Per
sonen und Namen und die Hauptum
stände in Betracht kommen, nichts
Stichhaltiges einwenden. Die griechi
schen Kirchenväter, angefangen von
Gregor von Nyssa (viertes Jahrhun
dert) und insbesondere Epiphanius
(t 403), nahmen denn auch gar kei
nen Anstand, die genannte Schrift zu
denützen. Dieselbe ging auch in den
liturgischen Gebrauch der griechischen
Kirche über und die erhaltenen grie
chischen Manuskripte des Proto-Evan
geliums sind sämtlich liturgische Ex
emplare und geben somit von dessen
hohem Ansehen im Orient Zeugnis.
Ebenso sind die griechischen Lektionen
zu den Festen der Empfängnis, Ge
burt und Darstellung Maria dem
Proto-Evangelium entnommen. Die
syrischen, koptischen und arabischen
Christen (Melchiten) übersetzten die
Schrift in ihre Idiome und verwen
deten sie ebenfalls in der Liturgie. So
kam es, daß in der orientalischen Kir
che der Kultus der hl. Anna frühzei
tig Eingang und Verbreitung fand.
Schon um 550 ließ Kaiser Justinian
zu Konstantinopel unter dem Titel
der HI. Anna eine prachtvolle Kirche
bauen. Im Jahre 710 wurden die
Reliquien der Heiligen nach Konstan
tinopel gebracht. Noch mehr wurde
deren Verehrung gefördert durch das
Ansehen des hl. Johannes Damasze
nus (achtes Jahrhundert), der in sei
iter zweiten Rede auf das Geburtsfest
der seligsten Jungfrau als Begeister
ter Lobredner ihrer heiligen Mutter
öf ftritt.
s Im Abendlande fand der Kultus,
nBmentlich der öffentliche Kultus, der
hl. Anna erst später Eingang. Die
lateinischen Kirchenväter, so insbe
sondere Augustinus und Hieronymus,
sprachen sich entschieden gegen alle
Apokryphen aus. Die Päpste Inno
zenz I. und Gelasius I. verwarfen sie
samt und sonders, wobei es aber zwei
felhaft bleibt, in welcher Form und
Redaktion das Proto-Evangelium die
sen Päpsten vorlag. Diese abwehrende
Stellung der kirchlichen Autorität ge
gen die Quelle der Ueberlieserung
über die hl. Anna macht das spätere
Aufkommen ihrer Verehrung ganz er
klärlich und ebenso begreift sich dar
aus, warum in den liturgischen Do
kumenten das lateinischen Kirche von
den Lebensumständen der hl. Anna
keine Rede ist. Im römischen Martyro
Iogium steht unterm 26. Juli nur:
„Entschlafung der hl. Anna, Mutter
der Gottes gebärerin Maria", und das
römische Brevier berichtet nichts über
das Leben Annas, sondern bringt Re
Lektionen aus der obenerwähnten Re
de des hl. Johannes Damaszenus, die
nur das Lob der Heiligen enthalten.
Uebrigens hat sich der hl. Stuhl erst
1378 über den öffentlichen Kultus der
hl. Anna ausgesprochen, indem Papst
Urban VI. denselben für England er
laubte. Mit bloß bischöflicher Geneh
migung, die nach damaligem liturgi
schen Rechte zulässig war, bestand die
ser Kultus allerdings schon früher an
vielen Orten. Papst Gregor XIII.
setzte am 1. Mai 1584 endgiltig den
26. Juli als Fest der hl. Anna ein.
Trotzdem aber das Proto-Evange
liimt Jakobi in der lateinischen Kirche
fein offizielles Ansehen erlangte, so
drang die griechische Legende doch auch
ins Abendland und die Verbreitung
der Andacht zur hl. Anna und deren
spätere öffentliche Verehrung ist
hauptsächlich auf diese Legende zurück
zuführen. Die einfache alte Legende
wurde später sozusagen überwuchert
von der in der weitverbreiteten „gol
denen Legende" des Dominikaners
Jakobus de Voragini enthaltenen Er
zählung, wonach die hl. Anna dreimal
Herheiratet gewesen wäre (Mit
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(him, Cleophas und Salome) und drei
Töchter, namens Maria, geboren hät
te die Männer der beiden anderen
Morien seien Alphäus und Zebedeus,
deren Söhne die Apostel Jakobus der
Jüngere,. Simon, Judas Thaddäus,
Jakobus der Aeltere und Johannes
der Evangelist gewesen. Im sechzehn
ten Jahrhundert verlor die Annahme
einer dreimaligen Vermählung An
nas allmählich den Boden, nach dem
Baronius und Bellarmin sie entschie
den bekämpft hatten.
Die Blütezeit des Kultus der hl.
Anna datiert aus dem fünfzehnten
Jahrhundert, wenigstens was Deutsch
land betrifft. Zeugnis hierfür legt u.
a. eine Schrift des Benediktinergelehr
ten Johannes Trithemius, Abt von
Sponheim bei Kreuznach, ab. Aber
auch z. B. in Schweden war um die
selbe Zeit die hl. Anna hochgefeiert,
wie zwei Provinzialfynoden des ge
nannten Jahrhunderts beweisen. Bei
de wurden in Süderköping abgehal
ten. Die erste, im Jahre 1436, be
stimmte, das Fest der hl. Anna sei
mit dem Ritus eines Duplex zu fei
ern, die andere, in der Pfingstwoche
441, verordnete: „Das Fest der hl.
Anna soll wegen der Devotion des
Volkes als Feiertag in allen Diözesen,
wo es nicht gewohnheitsmäßig zu an
derer Zeit gefeiert wird, am Tage nach
der Empfängnis Maria begangen
werden." Hieraus ist zu ersehen, wie
allgemein damals in Schweden die
Verehrung der hl. Anna unter dem
gläubigen Volke war. Es enthält aber
diese synodale Bestimmung auch eine
unverkennbare Beziehung des St. An
na-Knltus zur Lehre von der Unbe
fleckten Empfängnis Mariä.
Diese Beziehung steht aber nicht
vereinzelt dar, ist vielmehr charakte
ristisch für die Verehrung unserer Hei
ligen im Mittelalter überhaupt. In
der von der Kongregation, der Ablässe
approbierten authentischen Samm
lung der Ablaßgebete findet sich auch
ein Gebet, das mit den Worten „Ave
gratia plena" beginnt. Dieses Gebet
steht aber unter Anna-Bildern des
fünfzehnten Jahrhunderts in folgen
der deutscher Textgestaltung: „Ge
grüßt biste maria vol gnaden der Her
ist mit dir dein Gnad sy mit mir. Ge
segnet bistu vnder allen frawen vnd
gesegnet sy,dein hailige muter Anna
von welchergebom ist on sünd on
vnrainigfeit din heiliger und gutiger
lychnam oß welchem geBorn ist Jhe
sus Cristus. Amen." Es Braucht wohl
kaum Bemerkt zu werden, daß „lych
nam" hier den lebendigen Leib bedeu
tet, wie in „Fronleichnam". Ebenso
läßt der Benediktiner Trithemius in
seiner obenerwähnten Schrift keinen
Zweifel darüber übrig, daß für ihn
der St. Anna-Kultus untrennbar war
von dem Glauben an die Unbefleckte
Empfängnis, auf die er zur Begrün
dung und Empfehlung der Verehrung
der Mutter Mariens immer wieder
zurückkommt.
S.
Zum Kirchenjahr
Ein jeder Monat des Jahres ist
einem besonderen Geheimnis unserer
heiligen Religion oder einem Heiligen
geweiht. So ist der Monat Juli ge
weiht dem kostbaren Blute unseres
Herrn und Heilandes Jesu Christi.
In diesem Monat sollen wir dieses
heilige Blut unseres Erlösers in be
sonderer Äeise verehren, etwa da
durch, daß wir öfters als sonst daran
denken, daß wir durch dieses heiligste
Blut erlöst worden sind oder daß wir
etwas Besonderes beten zur Ehre die
ses kostbaren Blutes, oder in dieser
Meinung gute Werke verrichten, z.
B. die heiligen Sakramente der Bu
ße und des Altars empfangen, der
heiligen Messe beiwohnen, den heili
gen Kreuzweg gehen, oder sonst ein
gutes Werk tun in dieser Meinung.
Wir haben doch gewiß allen
Grund, uns dankbar zu zeigen dafür,
daß der menschgewordene Gottessohn
uns nicht mit Gold und Silber, noch
mit etwas anderm, gewöhnlichem er
löst hat, sondern mit Seinem eigenen
heiligen Blut.
Liebe Eltern, opfert das heiligste
Blut Jesu recht oft dem himmlischen
Vater auf zur Genugtuung für eure
Sünden denn Besseres könnt ihr
Ihm nicht geben zum Ersatz für alles,
was ihr Ihm durch eure Sünden ge
nommen oder durch Unterlassung gu
ter Werke Ihm schuldig geblieben seid.
„Q Jesu heilig Blut, sei stets gebene
Seit
Mit Recht nennt Dich die Christenheit
das kostbar' Blut,
Du bist ja Jesu Blut Der unser
höchstes Gut
Du hast von Teufel, Tod und Hölle
uns befreit!"
Das Fest der Heimsuchung Maria
(2. Juli) erinnert uns an den Besuch
iuxr Zü&an &£££
',^^'W^'t/."
j, •*,
OHIO WAISENFREUND
jfamtltenhrete
se Elisabeth, der Mutter des hl. Jo
hannes, des Täufers. Ist es nicht
eine freudige Tatsache, daß kein Mo
nat vergeht, ohne daß ein Marien
Fest gefeiert wird? Im Januar ist
das Fest Mariä Vermählung, im Fe
bruar ist Lichtmeß, im März Mariä
Verkündigung, im April das Fest der
Sieben Schmerzen Mariä, Mai und
Oktober gehören ganz der Mutter»
gottes, im Juni ist das Fest Mariä
von der immerwährenden Hilfe, im
August Mariä Himmelfahrt, im Sep
tember Mariä Namen ynd Mariä Ge
burt, im November Mariä Opferung,
und im Dezember das Fest der Unbe
fleckten Empfängnis. Soll das
ganz ohne Bedeutung sein? Gewiß
nicht. Es ist ein Beweis dafür, wie
sehr die heilige Kirche Maria liebt und
ehrt und geehrt wissen will sie will
uns immer wieder die gute Himmels
mutter vor Augen führen, damit wir
sie ja nicht vergessen, daß wir im Ge
genteil oft an all das denken, was sie
für uns getan hat, daß wir sie dank
bar ehren, aber auch wieder vertrau
ensvoll anrufen in allen Anliegen des
Leibes und der Seele. Laß keinen Tag
vorübergehen ohne sie wenigstens ein
mal zu grüßen: Ave Maria!
«1"
Für christliche Mütter sind noch
zwei Feste von besonderer Bedeutung,
nämlich: das Fest der hl. Elisabeth
von Portugal, und das der hl. Anna,,
der Mutter der allerseligsten Jung
frau Maria. Beide heilige Mütter
zeigen, daß es durchaus nicht unmög
lich ist, daß eine Mutter heilig wer
den kann trotz aller irdischen Sorgen
und Mühen, die auf ihr lasten. Beide
Heilige mußten recht bitter erfahren,
daß der Weg zum Himmel ein Kreuz
weg ist. Beim Andenken an diese hei
ligen Mütter fasset neuen Mut und
rufet sie um ihre Fürbitte an.
Der Geist der
Unterwürfigkeit
Unabhängigkeit ist das Streben der
Welt, Freiheit das Losungswort. Und
das nicht ganz mit Unrecht denn un
ter allen Geschöpfen dieser Erde ist
der Mensch das einzige, das sich dieser
höheren Gabe des freien Willens er
freut.
Nichtsdestoweniger wäre man im
Irrtum, wenn man diese Freiheit als
eine absolute und unumschränkte gel
ten lassen wollte denn einerseits gibt
es göttliche und menschliche Satzun
gen und andererseits wiederum
solche Verhältnisse unsern Mitmen
sehen gegenüber, welche dem Menschen
häufige und oft peinliche Grenzen
fetzen, und dazu solche, welche in kei
nes Menschen Macht stehen, dieselben
zu überschreiten oder zu beseitigen.
Jeder Mensch hier auf der Welt
hat sich zu unterwerfen, jeder hat
Pflichten gegen seinen Nebenmenschen
Pflichten, physische und moralische.
Und wer immer sich diesen zu entzie
hen sucht, ist als ein Rebell und Auf
rührer zu bezeichnen.
Es ist durchaus feine Herabsetzung
oder Herabwürdigung für den Men
schen, sich zu unterwerfen. Im Gegen
teil ist es das geeignetste Mittel, den
Menschen in seiner wahren Größe er
scheinen und hervortreten zu lassen.
Denn die wahre Würde und Größe
des Menschen besteht doch sicherlich
nicht darin, daß er sich empört und
über die ihm auferlegte Bürde murrt
und klagt oder sich gar in groben und
schweren Beleidigungen gegen seinen
Herrn vergeht, weil er ihm nicht ent
fliehen kann.
Eine solche Freiheit erstrebten sich
die Revolutionäre aller Zeiten und
aller Orte, haben sich aber dadurch
erst recht Schande, Schmach und Ver
achtung zugezogen und sind ebenso
durch ihre Handlungsweise am tief
sten gesunken und gefallen.
Die wahre Würde des Menschen ist
also nicht hierin zu suchen, sondern in
etwas anderem. Und zwar darin, daß
man von seiner Freiheit, von seinem
freien Willen so Gebrauch macht, wie
die gesunde Vernunft und der Glau
be es ihm vorschreiben und erlauben,
und in der willigen und freudigen
Hinnahme und Befolgung alles des
sen, was immer der Stand und die
Verhältnisse von einem vernünftigen
Menschen und Christen erfordern.
Der Geist der Unterwürfigkeit läßt
sich ganz gut mit der wahren Freiheit
verbinden. Und zwar dann, wenn der
Führer nach der Stimme seines Ge
Wissens sich richtet. Ein Christ, der
getreu seiner Arbeitspflicht waltet,
wird seinem Arbeitgeber oder Vorge
setzten freimütig, offen und mit einem
gewissen Stolze sagen: „Ich werde an
einem Sonntag keine unnötige Arbeit
verrichten Ich werde meine Kin
der in feine religionslose Schule schif
fen .. Ich werde meine Osterpflicht
durchaus nicht vernachlässigen."
Dieser Geist der Unterwürfigkeit
und Opferwilligkeit ist auch weit ent
5«rM im Wvischn KiM D.
', .-.'•
Am Busen der Natur
Plagt dich der Gassen Lärme», Rauch
tinb Dunst,
Und drücken dich zu schwer der Sorge
Ketten,
Dann eile aus der Stadt, voll heiliger
Brunst
Tich an de» Vuscu der Natur zu bet
te«!
Tort wird dein heißer Friedensdurst
gestillt,
Dort rinnt in Fülle goldner Sonnen
fegen,
Und lindernd deinem starren Aug'
entquillt
Ter Tränen Flut gleich einem Wet
terregen.
Tann wird es wieder in dir licht und
klar,
Ter Sturm schläft ein, es glätten sich
die Wogen,
Und aus des Unmuts Wolken wun
derbar,
Ein Bild des Trostes, strahlt der
Friedensboge«.
Tes Schöpfers denkend, Blumen brich
zum Strauß
Und kehre dann getrost ins stille Zim
mcr.
Ten Himmel trug dein Herz ja mit
ins Haus,
Und er verbreitet lichte» Souuen
schimmer.
h, er gibt Gott, was Gottes ist fügt
sich in allen Dingen in Gottes heilig
sten Willen und erfüllt denselben, nicht
so sehr aus Furcht vor Strafe, auch
nicht gezwungenerweise, sondern mit
X'ie&e und Freude und heiliger Erge
bung.
Ein solcher fügt sich auch der recht
mäßigen Obrigkeit, und zwar aus
dem Grunde, weil er weiß, daß sie
von Gott kommt, und eben deswegen
wird er sie auch anerkennen und ihr
Gehorsam leisten, solange sie sich nicht
gegen ein höheres Gesetz verstoßt.
Ein solcher Geist war der Geist der
ersten Christen, der hl. Märtyrer, der
Geist des hl. Paulus und aller andern
Apostel, ja der Geist Jesu Christi
selbst, der, wie Er selbst sagt, gekom
men ist, „den Willen Seines himmli
schen Vaters zu erfüllen".
Die übernatürliche
Offenbarung
Nach dem Sündenfalle im Para
diese offenbarte Sich Gott den Men
schen vorzugsweise als unsichtbarer
über den Sternen thronender Herr
des Himmels und der Erde. So in
der Urzeit, so den Patriarchen und
Propheten, so auch auf Sinai dem
israelitischen Volke. In der Fülle der
Zeit ist Gott Mensch geworden und
hat als Gottmensch sichtbar unter den
Menschen wandelnd mit menschlicher
Stimme und Rede die frohe Heilsbot
schaft vom Reiche Gottes den Men
schen verkündigt, wie der hl. Paulus
schreibt: „Mehrmals und auf vieler
lei Weise hat einst Gott zu den Vätern
geredet durch die Propheten, am letz
ten hat Er zu uns in diesen Tagen
geredet durch den Sohn, welchen Er
zum Erben über alles gesetzt, durch
den Er auch die Welt gemacht hat"
(Hebr. 1). Hier haben wir also
die Versicherung, daß Sich Gott uns
wirklich in übernatürlicher Weise ge
offenbart hat „durch die Propheten
und durch Seinen Sohn". Mit dieser
letzten Offenbarung wollen wir uns
hier beschäftigen. Zu diesem Zwecke
betrachten wir an erster Stelle die
Persönlichkeit Jesu.
Die Geschichte zeichnet uns in Je
sus nicht nur ein Bild erhabener Tu
genden des Geistes und des Herzens,
sondern sie zeigt Ihn uns in einem
Glänze von Eigenschaften, wie wir sie
uns vollkommener gar nicht zu denken
vermögen, so daß auch Seine Feinde
und Er hatte deren viele Seine
makellose Reinheit in keinem Punkte
anzutasten vermochten. Er ist die
Jdealgestalt der Wahrheit, Güte,
Schönheit, das unerreichte Vorbild
der Menschen aller Lebensalter, aller
Stände, aller Nationen, in allen La
gen des Lebens. Wie Jesus lebte, hat
noch nie ein Mensch gelebt. Alles an
Ihm ist echt menschlich und doch wie
der über alles Menschliche erhaben.
Nicht ein Schotten einer UnVollkom
menheit, einer menschlichen Schwäche
ist an Ihm zu entdecken. Er allein
konnte an Seine Feinde die Frage
'Ifettea: „äüer au& euch ia#n Mich
einer Sünde beschuldigen?" Wir fin
den in Ihm nicht nur alle gewöhnli
chen Tugenden vereint, fondern
wie bereits gesagt diese Tugenden
in erhabenster Vollkommenheit. Wel
che innige Liebe trug Er gegen alle
Menschen in seinem Herzen, insbeson
dere gegen die Kinder, die Armen, die
Kranken, die Sünder! War ein Elend
noch so groß, wie bereit war Er zu
helfen! Und war der Sündenabgrund
noch so tief, wie barmherzig stieg Er
in die Tiefe, um der reuigen, nach
Frieden dürstenden Seele Seine ret
tende Hand entgegenzustrecken! Ernst,
wenn Gottes Ehre oder das Heil des
Nächsten in Frage stand, zeigte Er
die größte Milde, neben dem heiligen
Erzürnen die größte Sanftmut, neben
aller Hoheit Seines ganzen Wesens
unvergleichliche Demut. Für Petrus,
der Ihn verleugnete, hatte Er nur
einen schmerzlichen Blick, für den
Verräter Judas einen liebevollen
Vorwurf, für die Verleumdung vor
dem Hohen Rate Schweigen, für den
frechen Faustschlag die sanfte Frage:
„Wenn Ich recht geredet habe, warum
schlägst du Mich?"
Wie Jesus lehrte, hat noch nie vor
Ihm und nach Ihm ein Mensch ge
lehrt. Wo finden sich sittliche Vor
schriften von solcher Schönheit wie
sie, gegründet auf das Fundament
der Gottes- und Nächstenliebe, dem
Munde Jesu in Seiner Bergpredigt,
in meinen Parabeln und Gleichnissen
entströmten? Alles Große und Hei
lige, das wir seit dem Erscheinen
Christi in der Welt bewundern, ist
aus der Befolgung dieser Lehren und
Vorschriften entstanden.
Wie Jesus gestorben, ist noch kein
Mensch vor Ihm und nach Ihm in den
Tod gegangen. In den Bangen Stun
den, in denen Er mit Seinem vorher
schon zerschlagenen Leib, mit der Dor
nenkrone aus dem Haupt, an dem
Kreuze hing, in jenen Bangen Stun
den, da Er zu der leiblichen Qual des
Durstes auch noch die größte innere
Verlassenheit fühlte, hatte Er noch
Worte der Vergebung für den reuigen
Sünder, da trifft der milde Blick aus
den blutigen Augen die Mutter, da
hat Er für den Spott und die Läster
Worte der fanatischen Menge das
Wort der Liebe: „Vater, verzeih' ih
nen, sie wissen nicht, was sie tun."
So wie Jesus ist fein Mensch von der
Welt geschieden.
„Alles richtig und wahr," wendet
hier der rationalistische Unglaube ein
„das erkennen wir auch an, daß Jesus
von Nazareth als Mensch unerreicht
dasteht, daß er das Humanitätsideal
für alle Zeiten ist und bleiben wird.
Wir geben zu, daß es feine Erzäh
lung gibt, die so einfach und zugleich
so erhaben ist, wie der Bericht über
das Leiden und den Tod Jesu, und
feine, die einen so starken und allge
meinen Eindruck macht. Darum
braucht Jesus aber doch nicht zum
Gott gemacht zu werden."
Wir antworten: „Jesus ist nie und
nirgends zum Gott gemacht worden.
Er hat selbst oft und in feierlicher
Weife erklärt, daß Er Gottes einzi
ger und ewiger, Gottes wesensgleicher
Sohn fei. ,So sehr,' sagt Jesus ein
mal, ,hat Gott die Welt geliebt, daß
Er Seinen eingeborenen Sohn da
hingab, auf daß jeder, der an Ihn
glaubt, nicht verloren gehe, sondern
das ewige Leben habe.' Ein weiteres
Selbstzeugnis Jesu lautet: ,Jch und
der Vater sind eins.' Daß die Juden,
zu welchen Jesus dies letztere Wort
gesprochen, das Einssein mit dem Va
ter als Wesenseinheit auffaßten. Be
weist der Umstand, daß sie Ihn stei
nigen wollten, weil Er Sich, wie sie
Ihm in ihrer Verwendung vorwar
fen, zum Gott mache. Ein weiteres
Zeugnis von Seiner Gottheit gibt Je
sus, indem Er sagt: ,Verherrliche
Mich, Vater, mit der Herrlichkeit, die
Ich Bei Dir gehabt, bevor die Welt
war.' Jesus legt Sich also göttliche
Eigenschaften Bei und fordert Glau
Ben an Sich als den Sohn Gottes.
Er verlangt, daß man Ihn ehre, daß
man auf eeme Verheißungen hoffe,
daß man in Seinem Namen Bete, und
verspricht diesem GeBete Erhörung.
Er verkündet, daß einst die Toten in
den GräBern Seine Stimme hören
und auferstehen werden und daß Er
nach der allgemeinen Auferstehung
auf den Wolfen des Himmels kom
men werde, um Gericht zu halten über
die Menschheit."
So zeigt sich denn alles, was wir
an Jesu Persönlichkeit betrachten oder
aus Seinem Munde vernehmen, so er
haben, so unvergleichlich, so über
menschlich, daß wir schon aus diesem
Grunde sagen müssen, was der römi
sche Hauptmann unter dem Kreuze
ausgerufen: „Wahrhaftig, dieser ist
Gottes Sohn!" Und wenn Er Got
tes Sohn ist, so ist Seine Lehre gött
liehe Lehre, göttliche Offenbarung,
und wir schulden ihr GlauBen, auch
wenn sie Geheimnisse enthält, die
üBer unsere menschliche Fassungskraft
fSetoen sind.
ABer was sehen wir für ein Ver
halten der Menschen der Offenbarung
Gottes gegenüber? Der Apostel Pau
lus Beschreibt es mit den Worten:
..Nachdem sie Gott erkannt hatten,
haben sie Ihn nicht verherrlicht, noch
Ihm gedankt, sondern wurden eitel
in ihren Gedanken und ihr unverstän
diges Herz ward verfinstert sie ga
ben sich für Weife aus, waren aber
Toren. Sie vertauschten die Herrlich»
feit des unvergänglichen Gottes mit
dem Gleichnis und Bilde des vergäng
lichen Menschen, auch der Vögel und
vierfüßigen und friechenden Tiere.
Darum überließ sie Gott den Lüste»
ihres Herzens, der Unreinigkeit,
sie, welche die Wahrheit Gottes mit
der Lüge vertauschten und mehr das
Geschöpf verehrten und anbeteten als
den Schöpfer" (Rom. 21). Wer be
greift diese Torheit, diese Verkehrt
heit der Menschen? Sollte man nicht
im Gegenteile glauben, daß alle Men
schen.mit glühendster Liebe und mit
heißestem Danke die Offenbarung
Gottes annehmen würden? Wie uns
Cicero berichtet, wurden zwei Jüng
linge, als fie in den Schriften PlatoS
gelesen hatten, daß es eine Unsterb
lichkeit der Seele gebe, von der Herr
lichfeit dieser Lehre so begeistert und
entzückt, daß der eine von ihnen sich
in die Fluten des Meeres, der andere
in den Krater des Aetna stürzte, um
desto eher des Glückes der Unsterb
lichkeit teilhaftig zu werden. ABer
Gott und Seine Offenbarung, Chri
stus und Seine historische Wirksam
keit stellt uns nicht bloß Unsterblich,
feit, sondern auch ewigen Besitz gött
licher Herrlichkeit und Seligkeit in
Aussicht und die Wahrheit dieser
Lehre ist nicht von einem Menschen
nur Bezeugt, sondern von Gott selBst
durch Tausende von Wundern bezeugt
und bestätigt und durch die Heiligkeit
unzähliger ihrer Bekenner verherr
licht. Aber siehe da diese Ungläubi
gen! Sie stürzen sich blindlings in die
Abgründe des Verderbens. Wehe ih
nen, denn es geht an ihnen das Wort
des Psalmisten in Erfüllung: „Sie
haben Augen und sehen nicht sie ho
ben Ohren und hören nicht." Ihre
Augen sind verblendet und ihr Herz
ist verstockt. Es kommt aber der Zorn
Gottes üBer die Kinder des Unglcrn»
Bens. Denn wer dem Sohne nicht
glaubt, der macht Ihn zum Lügner,
weil er dem Zeugnisse nicht glaubt,
welches Gott von Seinem Sohne be
zeugt hat. Darum BleiBt der Zorn
Gottes über chm (Joh. 5,10 3,
36).
i B. H., O.F.M.
Die geistigen Vorteile
des Sfapuliers
Da die allerseligste Jungfrau Ma
fia selBst das Sfapulier, als das Kleid
ihrer Diener, gestiftet, und da die
Kirche das Tragen desselben wieder
holt empfohlen und alljährlich durch
die Feier eines eigenen Festes (17*
Juli) bei den Gläubigen stets in Er
innerung Bringt und die Sfapulier»
Bruderschaft mit vielen ABläfsen be
gnadigt hat, so dürfte es nicht unge
eignet sein, auch die Vorteile des Ska
pulie,r* für das geistige LeBen zu ee
wägen.
Der erste Vorteil des marionischen
sfapuliers ist nun der, daß wir durch
dasselBe stets an den himmlischen Va
ter und die himmlische Mutter Moria
und eBcn dadurch erinnert werden,
daß wir Kinder Gottes sind und als
solche leBen und wirfen sollen.
Dos Sfapulier ist das Ordenskleid
der Kirche, Bei dessen Anblick Liebe
und Mut in uns entflammen, da es
uns das Bildnis einer Mutter zeigt,
die sich all' unsern Gefahren als un
erfchiitterlicher „Turm Davids" ent
gegenstellt, die als „elfenbeinerner
Turm" eine starke Stütze eines jung
fräulichen Sinnes und Wandels ist,
die in ihrem Sohne Jesus Christus
als „goldenes Haus" alle Mittel vor
rätig hat, uns alle Heimsteuer ins»
himmlische Vaterland zu gewähren,
die als „Morgenstern" allen in der
Finsternis und in den Stürmen der
Leiden sich befindenden aufgeht, und
als „Arche des Bundes" den Gesetz
geber der Liebe in sich getragen.
Ja, nicht lange kann das BildM
Marias auf unserer Brust weilen,
denn tragen wir es in Andacht, so
wird es bald unserm Herzen mit un*
verfügbaren Spuren eingezeichnet
fein! Wanfst du dahin zu der Sünde,
so blicke schnell auf dos Bild deiner
Mutter, welches du am Herzen trägst
sie ist die Zuflucht der Sünder!
Bedarfst du des Rotes, blick' auf
dein Skapulier hier trägst du daS
Bild der Mutter „vom Besten Rate"!
Hast du Belehrung nötig, betrachte
dein Sfapulier umsonst trägst du
nicht das Bildnis Morias, des „Sitzes
der Weisheit"!
Bedarfst du immer einer Gnade.
amtfetun« auf Etile 1)

Josef Bernhard Patsack

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