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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 20, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

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«kMi'
Uw Zahr nach Uriegsende
Bon M. I o rdav
VL
Blick hinter de» eiserne« Borhang
Wer heute die Grenze der russischen
'Vesatzungszone Deutschlands über
schreitet, ist immer noch darauf vor
bereitet, gewissermaßen fremdes Land
zu betreten. Der „eiserne Vorhang"
scheint von außeä so undurchdring
lich, daß der Reisende sich auf alle
erdenklichen Überraschungen gefaßt
macht, wenn ihm die Möglichkeit ge
boten wird, einen Blick hinter tiett
Borhang zu tun. Mir ist ein solcher
Mick schon wiederholt vergönnt gewe
sen.
v Ich war seit Kriegsende öfters in
Berlin, habe die russische Zone Oe
sterreichs durchquert, Budapest be
fucht, russische Posten in der Tschecho
slowakei passiert und letzthin auch et
ile ziemlich ausgedehnte Fahrt durch
^anz Mecklenburg unternehmen kön
nen. Im großen und ganzen, muß ich
sagen, ist das äußere Bild in der rus
-fischen Zone Deutschlands von 'dem in
anderen Zonen gar nicht so sehr ver
mieden. Wäre es nicht wegen der
Wahrzeichen des Sowjet-Staats, die
allenthalben ostentativ dargeboten
sind, die Stalin-Bilder in Ueberle
bensgröße, die Plakate in bunten
Farben, die die russischen Heerführer
Preisen und dem deutschen Volke noch
Miner versichern, es komme Rußland
'Bpdiglich auf die Vernichtung des Fa
schismus an und keineswegs auf die
'Hes ganzen deutschen Volkes, so
Würde es schwer fallen, zu glauben,
Laß hier nicht dieselben Leute regie
rett wie in Frankfurt, Hamburg oder
Lindau. Der Russenschreck vermindert
fich eben doch in Proportion zur Nähe
les Beschauers!
Demokratisierung Sowjetisiernng
Es gibt allerdings einen Unter
schied zwischen der russischen und den
westlichen Besatzungszonen in Deutsch
land, der ganz einfach aus der Ver
schiedenheit politischer Perspektiven
sich ergibt. Die westlichen Alliierten
haben sich zum Ziele gesetzt, das deut
sche Volk zu „demokratisieren". Die
Russen erklären, genau das gleiche
Ziel im Auge "zu haben. Bei ihnen
aber läuft „Demokratisierung"
schlankweg auf Sowjetisierung hin
aus. Wer sich in die Lage der Russen
persetzt, wird daran schwerlich etwas
Aussetzen können. Im Endeffekt al
zerdings ergibt sich eine Spaltung
MMschlMdhiM.Ivei. %gerF VM de
ftett das^ eine nach Osten, das andere
Nach Westen orientiert ist.
Aehnltch wie in der amerikanischen
Zone, wird auch in der russischen Zo
tte seitens der Besatzungsmacht den
deutschen Behörden ziemliche Bewe
gungsfreiheit eingeräumt. Die Ver
waltung ist ihnen zu treuen Händen
überlassen, und die russischen militä
rischen Stellen begnügen sich mit der
allgemeinen Oberaufsicht, wobei sie
allerdings auf die Einhaltung der
Richtlinien bedacht sind, welche im
Rahmen der Moskau'er Deutschland
Politik festgelegt bleiben.
Die Schlüsselstellungen sind fast
durchwegs von deutschen Kommuni
sten besetzt, von denen manche ihre
Lehrzeit in Rußland durchgemacht ha
den. Dementsprechend sind während
dieses ersten Besatzungsjahres Maß
nahmen der Sozialisierung und Land
reform auf breiter Front durch ge
führt worden, und die ganze Atmo
fphüre in der russischen Zone ist von
der Durchsetzung mit sowjetischen
Ideologien bestimmt, mit dem Ergeb
ttis, daß die meisten Bewohner der
Zone sich zum Teil immer noch in
der eigenen Heimcü wie in eine fremde
Welt versetzt fühlen. In den anderen
Besatzungszonen mögen die Menschen
mit vielen der Maßnahmen der frem
den Militärbehörden nicht einverstan
den sein, sie mögen sich kritisch äußern
Über so manches, was über ihre Köpfe
hinweg von 'den Besatzungsmächten
dekretiert wird. Sie haben aber doch
wenigstens einen direkten seelischen
Kontakt mit Amerikanern, Englän
dern und Franzosen, die alle „west
liehe" Menschen und irgendwie letzt
Iich den Deutschen artverwandt sind
Im Falle der Russen trifft das nicht
Zu. Zwischen ihnen und den meisten
Deutschen klafft ein Abgrund zweier
Welten, die östliche und die westliche
überschneiden sich, und weil die Zo
nengrenze von den Russen streng be
wacht wird, so daß die Verbindungen
nach außen fast gänzlich abgeschnitten
sind, fühlen sich die deutschen Men
sehen gleichsam von einer chinesischen
Mauer umschlossen und aus dem ge
Die weltberühmte St. Bene
dict-Wundsalbe
Erprobtes Heilmittel gegen alle
Arten von alten und frischen Wim
den, Geschwüren, Gewächsen, Biß
Wunden, Karbunkeln usw. Bitte Geld
nur durch Post Money Order zu fchif
fett. Keine Stamps. Sechzig (60)
Cents die Schachtel bei
J. L. STAAB
samtdeutschen Lebenskreis verbannt.
Das ist denn auch ihre hauptsäch
liche Klage, daß sie abgeschnitten sind,
losgelöst vom Westen, und daß ihnen
)te Verständigung mit den Russen so
ichtoer fällt, seelisch sowohl als auch
'prachlich. Auf Seiten der Russen
wird ähnlich empfunden, so daß zwi
schen ihnen und den Deutschen die Be
rührungspunkte gering sind. Darum
auch ist „Fraternisierung" in der rus
sischen Zone kein Problem, und man
sieht nur äußerst selten Deutsche in
der Gesellschaft von Russen.
Der Kurs der Russen ist zielbewußt
In sachlicher Hillsicht aber steuern
die Russen einen zielbewußten Kurs.
In der Provinz Sachsen beispiels
weise sind hundertundsechzig Konzern
betriebe in die öffentliche Hand über
geführt worden und die Landreform
wurde radikal verwirklicht, ohne Rück
ficht auf den Produktionsausfall, der
bei einer so überstürzten Maßnahme
unvermeidlich war. Allein in der Pro
vinz Brandenburg sind einundzwan
zighun'dert Herrensitze und Güter mit
sechshundertundfünfzigtausend Hektar
Gesamtoberfläche unter vierundacht
zigtausend Bauern aufgeteilt worden.
Wo die früheren Besitzer Mitglieder
oder Mitläufer der Nazi-Partei gewe
sen waren, erfolgte die Enteignung
ohne Kompensation, und das scheint
die Mehrzahl der Fälle gewesen zu
lein. In Mecklenburg sind 2,170 Gü
ter von über hundert Hektar Aus
maß, in der Provinz Sachsen insge
samt sechshunderttausend Hektar auf
geteilt Worden.
Inwieweit öiese umfassende Agrar
reform, die im Prinzip auch von ge
mäßigten deutschen Politikern gebil
ligt wird, im jetzigen Stadium zur
Erholung der deutschen Wirtschaft im
ganzen beitragen wird, läßt sich noch
nicht sagen. Zunächst wird jedenfalls
der Produktionsausfall beträchtlich
sein. Schon ist die mitteldeutsche Zuk
kerrübenproduktion weitgehend lahm
gelegt, und da die Russen sehr viele
landwirtschaftliche Maschinen und
große Mengen Vieh requiriert und
nach Rußland abgeführt haben (im
Bezirk Lübben beispielsweise sind nur
noch neunundachtzig Pferde und htm
dertundvierzehn Kühe als Zugkräfte,
sowie siebzig Traktoren für insgesamt
2,460 neue, aus der Parzellierung
hervorgegangene Bauernhöfe verölte
ben, und in der Provinz Sachsen gibt
es nur noch die Hälfte der ehemaligen
chafs. und nur noch ein Viertel der
früheren Schweinebestände), wird
auch aus den neugeschaffenen Klein
betrieben, die im Gegensatz zu den
getreideerzeugenden Massengütern sich
vorwiegende auf Viehzucht und Milch
Wirtschaft verlegen müssen, zunächst
nicht viel herausgeholt werden fön
nen, so daß per saldo sich einstweilen
notwendigerweise ein Defizit für die
deutsche Ernährung ergeben muß.
Planmäßig allerdings haben die Rus
sen in diesem Jahre je eine halbe
Million Hektar Mehranbauflächen für
Getreide und Kartoffeln, sowie fünf
undachtzigtausend Hektar für Zucker
rübeit vorgesehen, und sie haben durch
Lieferung von Saatkartoffeln an hie
deutschen Bauern dargetan, daß es
ihnen mit diesen Plänen ernst ist.
Uriegsgeksngene sls
Kklavenarbetter
Der Informationsdienst „Human
Events" berichtet:
„Nach Miteilungen des Londoner
/Observer' befinden sich noch mehr als
fünf Millionen frühere Kriegsgefan
gene in den früher feindlichen Län
dern in Gefangenschaft, manche direkt
als Sklavenarbeiten" „Es war eine
der grundlegenden Ueberzeuguugen
der zivilisierten Welt, daß alle Kriegs
gefangenen" so bemerkte der ,Ob
serves „Rechte haben und daß sie
durch eine unvoreingenommene und
unparteiische Körperschaft geschützt
werden müssen. Wenn das während
des Krieges notwendig war, ist es
dies heutzutage noch viel mehr, da
die Gefangenen keine eigene Regie
rung besitzen."
Das Blatt weist darauf hin, daß
das Internationale Rote Kreuz in
Genf, das während des Krieges so
viel für die alliierten Kriegsgefange
nen getan hat, theoretisch noch immer
damit beauftragt ist, sich der früheren
feindlichen Kriegsgefangenen anzu
nehmen, daß das Rote Kreuz aber
aus Mangel an Geldmitteln in dieser
Aufgabe stark gehemmt ist. Nur das
Entgegenkommen der Schweizer Re
gierung hat es überhaupt in die Lage
versetzt, seine Arbeit fortsetzen zu kön
nen. Der,Observer' schlägt vor, daß
die britische, die amerikanische und
andere alliierte Regierungen solange
regelmäßige Beiträge an das Inter
nationale Rote Kreuz zahlen sollten
als die alliierten Nationen feindliche
Bürger als Kriegsgefangene festhal
ten. Es wird hinzugefügt, daß infor
mierte amerikanische Quellen dieser
Geschichte ein beunruhigendes Kapitel'
hinzufügen. Sei sagen, daß in den
Tagen direkt nach dem Zusammen
bruch ihrer Länder die Regierungen
^Deutschlands und Japans, dem allge
Internen Brauch in solchen Krisen ent
TO» VsUerrlew Are., CMVELAND 11, «. sprechend, große Summen an das In
OHIO WAISENFREUND
ternationale Rote Kreuz für die Pfle
ge ihrer Gefangenen einzahlten. Die
Totalsumme des eingezahlten Betra
ges soll sich auf annähernd fünf Mil
lionen Dollars belaufen. Die Trans
ferierung dieser Fonds an das Inter
nationale Rote Kreuz wurde aber so
fort vom amerikanischen •Staatsde
partement gesperrt. Obgleich das
Kriegsdepartement keinerlei Ein
wände erhoben hat, bleibt das Staats
departement bei seiner Weigerung,
dem Internationalen Roten Kreuz zu
erlauben, von diesem Geld Besitz zu
ergreifen. Die gleichen Quellen wei
len darauf hin, daß Frankreich vor
«einem Zusammenbruch im Jahre
1940 einen ähnlichen Betrag dem In
ternationalen Roten Kreuz überwies
und daß die.Nazis, die damals die
Herren des größten Teils Europas
waren, die Transferierung nicht ver
hinderten.
„Das Staatsdepartement," erklärt
dazu „Human Events", „hat demzu
olge die Regierung der Ver. Staa
ten in die Lage versetzt, nachdem sie in
Jalta im Geheimen der Verwendung
von Sklavenarbeit zugestimmt hatte,
diesen Sklavenarbeitern den Mindest
schütz zu verweigern, den selbst Hitler
seinen französischen Gefangenen in
der Stunde seines Triumphs ange
deihen zu lassen bereit war."
Ameriksnitche Politik
in Deutschland
,Catholic
Darüber schreibt Me
News' in New Jork:
Der Entscheid eines amerikanischen
Besatzungsoffiziers in Deutschland,
daß die katholischen Bischöfe dort nicht
zusammenkommen dürfen, ohne daß
ein Vertreter der Bundesarmee an
wesend ist, hat dem amerikanischen
Prestige in Europa unwiderbringli
chen Schaden zugefügt. Ebenso eine
andere Bestimmung, wonach ein Hir
tenbrief nicht von den Kanzeln der
katholischen Kirchen in der amerika
nischen Okkupationszone verlesen wer
den darf, es fei denn, daß der Text
genehmigt und unter Umständen ab
geändert worden ist.
Zum stillen Vergnügen der Kom
munisten und ihrer Parteigänger habe
obendrein ein Hauptmann der Fi
nanzabteilung der amerikanischen
ektion des Alliierten Kontrollrates
verfügt, daß die Kirche von dem ge
sammelten Peterspfemtig nicht mehr
als $30 im Monat verbrauchen dür
fe, und den Rest Vertretern des Hl.
Vaters in Deutschland zur Verfügung
gestellt. Besonders durch diese merk
würdige Maßnahme seien alle anstän
digen Menschen in Peinliche Verlegen
heit versetzt worden.
Diese Bestimmung ist dann, wie die
anderen, von oben herab außer Kraft
gesetzt worden. Aber erst, nachdem je
tte Leute, auf die sich die Alliierten
verlassen müssen, wenn in Deutschland
die Demokratie eingeführt werden
soll, einen ungünstigen Eindruck, er
halten hatten.
Die ,Catholic News' vermutet, daß
dies alles geschah, um die kommuni=.
1
tischen. Elemente günstig zu stimmen,
welche von den amerikanischen Vertre
tern im Namen der „Demokratie" so
nachdrücklich umworben werden, wo
bei sie andererseits die Ueberzeugun
gen der großen christlichen Mehrheit
ignorieren.
Linksgerichtete Elemente, fährt die
,Catholic Neros' fort, haben in Bay
ern die Entfernung des verstorbenen
Generals George Patton als Mili
tärgouverneur von Bayern und die
Amtsentsetzung des Ministerpräsiden
ten Fritz Schärfer herbeigeführt. Bei
den Wahlen hat die christlichsoziale
Union dreihundert Delegaten erhal
ten, die Sozialdemokraten hatten
zweihundertneunundsechzig, die Kom
munisten neununddreißig und Mino
ritätsgruppen sechzig. In Großhessen
erhielten die Kommunisten sechs von
dreihundertfünfundfünfzig Posten.
Etwa achtzig bis neunzig Prozent
der Bevölkerung gaben bei diesen
Wahlen ihre Stimme ab. Weshalb
links beeinflußte Personen auf Posten
gestellt werden, wo sie Entscheidungen
treffen, die unseren Interessen im Be
satzungSgebiet widersprechen, möchten
verantwortlich denkende Amerikaner
gern wissen, schreibt das Blatt.
Die hl. Mutter CCabrmi
(1550-191?)
Bon Georg Timpe, PSM.
Washington, D. C.
(Schluß)
Im Frühsommer 1895 trat Mut
ter Cabrini ihre große Reife nach
Süden an, die längste und Wechsel
reichste ihrer Reisen. Erst besuchte sie
das Haus in New Orleans, weiter
das in Panama, wo die aus Nicara
gua vertriebenen Schwestern sich nie
dergelassen hatten. Im Spätherbst
ging es die südamerikanische Küste am
Stillen Ozean entlang, bis Valparai
so, über die schneebedeckten Anden nach
Argentinien hinein. Am 1. Dezember
langte sie mit ihrer Begleiterin in
Buenos Aires an. Bier Monate da-
1
'-V:*
rauf konnte sie schorz die geplante Aka
demie mit fünfzig Schülerinnen er»
öffnen.
Auf der Rückreise trug sie sich mit
neuen Plänen: Brasilien, Spanien,
Frankreich, England. Es vergingen
nicht viele Jahre, und sie hatte sie
alle verwirklicht. Buenos Aires mit
einem Waisenhaus, Rosdrio, Cuyo,
Sao Paulo mit Schulen versehen. Da
zu kamen Gründungen in Madrid,
Paris, London. Die Schwestern in
Panama mußte sie wegen eines Bür
gerkriegs zurückziehen, konnte aber
mit ihnen in Argentinien die neuen
Häuser zum Testen der italienischen
Einwanderer besetzen. Die Jahre um
die Wende .'.es Jahrhunderts sind so
recht die Gründungsjahre Mutter Ca
briitiS. Eu.e Gründung drängte die
andere. Zu solchen in Italien,int übri
gen Europa und in Südamerika ka
men Schu^gründungen in den' Ver.
Staaten, fj in Chicago, Scranton,
Newark und Arlington, N.J. In
Newark hielten ein paar leere Läden
dazu her, und mit sechzig Cents muß
ten die Schwestern den Betrieb an
fangen, aber es waren vierhundert
Binder, um die sich bisher niemand
gekümmert hatte.
Auch die Gründung der Academy,
hoch oben an der 190. Str., West, in
New Aork,
entstammt
dieser Zeit. Sie
hat längst der „Mother Cabrini High
Schoo!" Platz gemacht, und in ihrer
Capelle ist cs, wo jetzt -ber Leib der
Heiligen unter dem Altare ruht.
Den Ver. Staaten galt überhaupt
ihr Hauptaugenmerk, und es war jetzt
der Westen, auf den sie ihren Blick
richtete. Die Notlage der italienischen
Arbeiter in Chicago, in den Bergwer
ken von Colorado, in den westlichen
Staaten, von Washington und Califor
nia rief nach Hilfe.
In Chicago gründete sie das Co
lumbus-HosPital, in Denver ein Wai
ienhaus, in Seattle Sine Kirche, eine
Schule und ein Waisenhaus, in Los
Angeles eine Schule und ein Waisen
haus, in Burbank ein Heim für lun
genschiwache Mädchen. Es hätte nicht
viel gefehlt, und sie wäre zu «den ita
lienischen Bergarbeitern in Alaska
und zu den Eskimos gegangen, so sehr
drängte sie ihr Seeleneifer.
Im Jahre 1907 erhielt Mutter
Cabrini die endgültige Genehmigung
der Regeln ihrer Genossenschaft. Zu
gleich nahm sie den endgültigen Na
inen für ihre Gründung an: Missions
schwestern vom Hl'sten Herzen. Sie
war annähernd sechzig Jahre alt
Aber das nahende Alter und die durch
Anstrengungen und Krankheit ge
schwächte Gesundheit hielten sie nicht
ab von weiten beschwerlichen Reisen.
Ende 1907 war sie in neuen Nieder
lassungen in Argentinien und dann
in Brasilien. Zwei Jahre später grün
bete sie in Chicago ein zweites Hospi
tal. In demselben Jahr, 1909, leistet
sie in Seattle den amerikanischen Bür
gereib. Blieb sie auch im Herzen die
Italienerin, -bie zuerst für ihre Lands
leute arbeitet, und war auch ihre Ge
nossenschaft international gedacht, so
hatte sie doch in denVer. Staaten ihre
Missionsarbeit begonnen und hatte
dort ihre tätigsten Jahre verbracht
Darum haben die amerikanischen Ka
tholiken auch ein Recht, sie als die
erste Heilige ihres Landes anzusehen.
Am liebsten hätte sie sich jetzt von
ihrem verantwortungsvollen Posten
in das alte Mutterhaus zu Codogno
zurückgezogen. Ihre Schwestern jedoch
wünschten es anders, und so wurde
sie gegen ihren Willen von der ober
sten Kirchenbehörde in Rom mit dem
15. Juni 1910, ihrem sechzigsten Ge
burtstag, zur Generaloberin auf Le
benszeit ernannt.
Im März 1911 kehrte sie von Ita
lien, wo sie sich etwa ein Jahr ctufge
halten ihr letzter Heimatbesuch
nach New Aork zurück. Sie ließ sich
sofort Pläne für den Neubau des Co
luntbus-Hospitals anfertigen und
sammelte selbst Beiträge dafür. Der
Bau war als Musterhospital geplant,
mußte aber wegen des Weltkriegs auf
geschoben werden. Zu Anfang 1913
reiste sie nach Seattle, um ein neues
Waisenhaus zu kaufen. Drei Jahre
darauf ist sie wieder dort: ein (Solum
bus-Hospital auch hier, ist ihr Plan
Nach Los Angeles reist sie, aber'es
merkt jeder, ihre Kräfte lassen nach
Sie selbst fühlt es und sehnt sich nach
Chicago.
Am 18. April 1917, kehrt sie dort
hin zurück. Malaria, sagen die Aerzte
Monatelang kränkelt sie, ab und zu
kehrt der alte Arbeitsdrang mit Mach::
zurück. Sie gibt noch Anordnungen
für die Weihnachtsgeschenke, sie selbst
packt am 21. Dezember noch solche Pa
kete am andern Morgen verschied
sie nach einem Blutsturz in den Armen
von Mutter Antoinette, der Oberin
des Hospitals.
Mutter Cabrini war siebeimndsech
zig Jahre alt geworden. Mehr als
zwanzigmal hatte sie den Ozean ge
kreuzt. In den siebenunddreißig Iah
ren seit Anfang ihrer Genossenschaft
gründete sie siebenundsechzig Häuser
in Europa und Amerika. Ueöer fünf
zehnhundert Schwestern unterstanden
ihr am Ende ihres Lebens.
Die Iteberreste von Mutter Cabrini
wurden zuerst auf dem Friedhof der
Schwestern in West Park in einer
Grabkapelle beigesetzt. Dort hatte sie
ruhen wollen, wie sie dreißig Jahre
vorher gewünscht hatte.
Schon bald nach ihrem Tode tour- rika ausgewandert war. Tie Leiche
de der Ruf noch ihrer öffentlichen
Verehrung laut. Pius XI. unter
schrieb selbst, am 30. März 1931, das
Dekret zur Einleitung ihres Selig
sprechungsprozesses. Am 21. Novem
ber 1937 erklärte derselbe Papst, daß
Francesca Saverio Cabrini das christ
liche Tugendleben in heroischer Weise
geführt habe, und schon am 13. No
vember 1938 fand ihre feierliche Se
ligsprechung in St. Peter statt. Un
serem gegenwärtigen Hl. Vater Pius
XII. war es vorbehalten, Francesca
Cabrini am 7. Juli dieses Jahres
den Heiligen der Kirche beizuzählen.
Theodore Maynard, der bekannte
Konvertitt und Schriftsteller, hat ihr
Leben beschrieben. „Too Small a
World Eine zu kleine Welt"
nennt er sein Buch. Es ist ohne from
me Übertreibung. Es ist sachlich und
doch, man liest es mit Andacht. Er
muß viel gebetet haben, als er es
schrieb. Den dritten Teil des Buches
überschrieb er: Gottes Zigeunerin.
Er hätte das ganze Buch so nennen
können. Nur einer, der selbst Gottes
tronter ist, der so weit herumkam
bis endlich' zu seinem Gott, der darf
es tun.
Die Heiligen Gottes sind rastlos,
ob sie immer wandern wie der hl.
Franz, ob sie an eine stille Zelle ge
bannt sind wie Gottes Kleine Blume
Theresia. Das ist ihr Geheimnis. Und
wir sehen es. nicht, weil wir selbst
rastlos sind nur nicht in Gott.
Mutter Cabrini ist keine amerikani
sche Heilige und sie ist keine italieni
sche Heilige. Sie ist eine katholische
Heilige. Gott gibt Seiner ganzen
Kirche die Heiligen, und die Heili
gen, wie die Zeit sie braucht.. Beim
Werden einer neuen Zeit wies Er ihr
den Weg buret) den armen demütigen
Mann von Assisi. In dem Durchein
ander einer sterbenden, maßlos selbst
süchtigen, raffgierigen, erfolgsstolzen,
verweichlichten Zeit läßt Er eine un
scheinbare Frau leuchten, eine Frau,
die selbstlos ihre Kräfte hingibt, die
sammelt, um in.Liebe zu verschwen
den, die jedes ihrer Werfe am lieb
sten verleugnete, die gottesstark ist in
ihrer Schwäche. Wenn man sie fragte:
Was hast du uns zu sagen?, vielleicht
würde es dies sein:
Liebt eure Kinder, wie ich Kinder
liebte. Erhaltet ihnen die christliche
Erziehung! Und:
Liebt eure Kranken, wie ich Kranke
liebte. Helft ihnen zu einem chriftli
chen Leiden und zu einem christlichen
Ende! Und:
Liebt eure heilige Kirche, wie ich sie
liebte. Stärkt sie, ehrt sie, lebt sie,
denn sie ist heilig, heilig, heilig!
C.*St. d. C.*V.
9er 3fall Erika ICrrba
Boy E. I. Reichenberger
Es hat Verbrechen in der Mensch
heit gegeben von den Tagen des Bru
dermörders Kain an, und es wird sie
geben bis zum Ende der Zeiten. Für
den gläubigen Menschen liegt die Er
klärung für diese tragische Tatsache
in der Erbsünde. „Siehe, in Unge
rechtigkeit bin ich empfangen und in
Sünden hat mich meine Mutter emp
fangen" (Pf. 50, 7). Es ist eine Folge
der Erbsünde, daß unsere Erkenntnis
fähigkeit getrübt und unser Wille zum
Bösen geneigt ist. Das bestätigt die
tägliche Erfahrung wie die Lehre der
Bibel: „Ich sehe ein anderes Gesetz
in meinen Gliedern, das dem Gesetze
meines Geistes widerstreitet. ... Ich
tue nicht das Gute, das ich will, son
dern das Böse, das ich nicht will"
(Rom. 7,23 und 7,19), bestätigt der
hl. Paulus, der große Menschenken
rter. „Der Sinn und die Gedanken
des menschlichen Herzens sind zum
Bösen geneigt von seiner Jugend auf"
(1. Mof. 8, 21).
Von diesem Gesetz der Erbsünde ist
kein Mensch, kein Volk, keine Rasse
ausgenommen Marie, die Mutter
Gottes, allein blieb durch besondere
Gnade Gottes davon bewahrt. Die
derzeitige Propaganda, die uns Deut
sche als ein Volk von Verbrechern hin
stellt und jeden Deutschen als gebore
nen, zumindest potentiellen Verbre
cher verdächtigt, hat keine Begrün
dung in der Bibel, falls dies den
Morgenthous und Vanfittarts unbe
kannt fem sollte. Ich weiß natürlich,
daß es schrecklich rückständig ist, die
Bibel zu zitieren. Das kann man nur
in der Predigt und bei festlichen An
lässen, vielleicht in Wählerversamm
lungen. Sonst sind Religion und Le
ben von einander unabhängig.
Blicken wir darum in die Tages
presse, das Evangelium der Moder
nen. Schrieb unlängst das katholische
Pariser ,8'Aube': ^,Es ist Tatsache,
daß die französischen Henker oftmals
schlimmer waren als die Deutschen.
Zeugen bestätigen entsetzlichere
Quälereien als sie die Nazis in Da
chau begingen." Aus Rom melden
die ,Basler Nachrichten': „In der
Nähe von Palermo haben drei junge
Leute von zwanzig, sechzehn und zwölf
Jahren ihre Mutter ermordet und
zerstückelt, um sich in den Besitz einer
Summe von zwanzigtausend Lire zu
setzen, die die Unglückliche von ihrem
Gatten erhalten hatte, der nach Ame-
wurde in einem Sack in den Brunnen
geworfen." Aus London wurden
die letzten Wochen vier Lustmorde be
richtet. Was sich die Benesch-Henker
an den Sudetendeutschen, die Polen
an den Ostdeutschen an Verbrechen
leisten, wird in Kürze in einem Buch:
„Ter deutsche Osten Europas blu
tende Wunde" behandelt, auf das ich
schon jetzt nachdrücklichst hinweise.
(Auslieferung ant 1. Oktober, Preis
$2.) Trotz des berüchtigten „eiser
nen Vorhanges" gibt es eine Wolke
einwandfreier Zeugen für den ent
setzlichen Terror in Ungarn, Jugo
slawien usw., usw. für das ganze
Gebiet, in dem unser glorreicher Bun
desgenosse, der Demokrat und Men
schenfreund Stalin herrscht, von der
endlich eingestandenen Ausrottung
zweier Republiken gar nicht zu reden.
Auch wir haben keinen Grund, uns
vor die Welt hinzustellen wie die Pha
risäer: „O Gott, wir danken Dir, daß
wir nicht sind wie die Franzosen, die
Tschechen, die Engländer und die Rus
sen oder gar wie diese Nazis", ganz
abgesehen davon, daß deren Blut auch
in unseren Adern fließt. Tie Ver
handlungen über die Barbareien im
Lager Lichfield müßten viel mehr
Beachtung finden, als Gegenstück zu
Dachau. Ist der Millionendiebstahl an
hessischen Krottjuwelen schon verges
sen? Haben wir nicht gelesen i^er
den jungen Heirens, den Studenten
der Universität Chicago, und andern
schauderhaften Verbrechen? Wissen
wir nicht, wie sich viele unserer Sol
daten im Ausland „unterhalten"?
„Einer von je acht verheirateten Män
nern hat hier ,ein Heim gefunden'
und eine von vier (^/-Scheidungen ist
das Ergebnis von Fraternisieren.
Durchschnittlich treffen fünf schwan
gere deutsche Frauen auf eine Jnfan
teriekompagme," schreibt ein prote
stantischer Feldkaplan. Eine Sekre
tärin der amerikanischen Gräberver
waltung in Paris, ein englisches Mä
del, die Verlobte eines amerikanischen
Hauptmanns, erschien splitternackt,
bekleidet mit Slippers und einem
Perlenhalsband bei einem Ball.
Wundern wir uns, daß der Kongreß
es ablehnt, eine Statistik über Ehe
trennungen und Scheidungen heraus
zubringen die für Leben oder Tod
Amerikas entscheidende Statistik?
Ich werde mich hüten, in den Feh
ler der Morgenthauer und anderer
Rassenarren zu verfallen und zu schlie
nen: So sind sie alle alle Englän
der, Franzosen, Russen und Amerika
ner. Eine solche Folgerung wäre eben
so falsch und ungerecht, wie sie den
Deutschen gegenüber falsch und unge
recht ist. Die Schuld an einem Ver
brechen ist und bleibt persönlich. Die
Frage der Mitschuld an der Sünde
anderer hat der Katechismus mit den
„neun fremden Sünden" klar und
erschöpfend beantwortet: eine Mit
schuld besteht also nur, wenn man
andere sündigen heißt, darin einwil
ligt, dazu anreizt, die Sünde lobt oder
dazu stillschweigt, dabei hilft/)der die
Sünde verteidigt, schließlich Sie Sün
de nicht straft. Das gilt für die Ver
brechen der Nazis wie für die der „an
deren".
Ich wundere mich immer, wie Men
schen, die die persönliche Willensfrei
heit leugnen, Strafe fordern können.
Wer fordert Strafe für den Tiger, der'
im Dschungel seine Opfer sucht? Wenn
das Handeln des Menschen nur ein
Ausfluß der sozialen und wirtschaft
lichen Verhältnisse ist, warum dann
den Einzelnen bestrafen und nicht die
Gefellschaft, die Zustände schafft und
duldet, die zu Verbrechen führen? Ei
ne gewisse Sorte von sogenannten Hu
manisten, Gesellschaften für Menschen
rechte, haben sich bisher für die Ab
schaffung der Todesstrafe eingefetzt,
ganz logisch von ihrem materialisti
schen Standpunkt. Merkwürdig ist
nur, daß dieselbe Clique heute out
liebsten im Blut waten möchte
natürlich nicht, wenn es um Väter
chen Stalin, Bruder Benesch und
dergleichen geht.
Unser Gerechtigkeitsbegriff und
demnach unsere Gerichtsbarkeit haben
eilten Tiefstand erreicht wie kaum zu
vor in der christlichen Aera. Erinnern
wir an die Hitler—Stalin-Gerichts
Höfe an Hinrichtungen als Volks
belustigungen in Prag und Budapest:
an den Prozeß gegen Mihailovitch,
der in der Folterkammer prozeßreif
gemacht wurde an den Skandalpro
zeß gegen Laval an den Prozeß ge
gen die Terroristen von Lichfield, bei
dem Zeugen sich weigern auszusagen,
weil sie die Folgen einer belastenden
Aussage fürchten, bei dem die Ver
antwortlichen mit Verwarnungen, die
Untergebenen mit schwersten Strafen
ausgehen an die Verhandlungen in
Nürnberg, über die ein Brief an die
Chicago'er ,Tribune' eben zusammen
fassend sagt: „1.) Die Regierungen,
die zu Gericht fitzen, sind entweder
Sklavenhändler oder Sklavenhalter.
2.) Die Grausamkeiten des friedlie
benden' Rußland sind denen der Na
zis gleich oder überbieten sie. 3.) Die
geplante Aushungerung der besetzten
Gebiete Eurotzas, die durch die Über
nahme und Entfernung von Fabriken,
Werkzeugen, Farmeinrichtungen,
Viehbestand usw. und durch Zer
störungen des Restes zustande kommt.
4.) Zwangsweise Verschiebungen gan
zer Völker von einem Teil Europas
(Fortsetzung auf Seite S)

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