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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, July 20, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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Sozmler Roma»
(Fortsetzung)
Der junge Mann war auf diesen
Schlag so wenig vorbereitet, daß es
ihm einige Sekunden lang vorkam,
als ob alles um ihn herum sich in
Nebel 'hülle und wie toll sich im Kreise
drehe: Hr. de Saint-Agilbert, Alber
te, Sandrin, die Arbeiter, die Wag
gons Doch es war nicht die rich
tige Zeit für eine Ohnmacht, und so
faßte er sich rasch wieder und bot dem
Angriffe die Stinte:
„Darf ich wissen, wodurch
„Allerdings! .. Ein schweres, ein
unverzeihliches Versehen! .. Sie ha
ben alle Ueberzüge um fünf Zentime
ter zu kurz schneiden lassen, wodurch
sie
völlig unbrauchbar geworden sind."
„Das ist unmöglich!"
„Die Tatsache kann keinen Augen
blick in Zweifel gezogen werden: hier
steht Ihr Auftrag in aZhlen."
Claude nimmt das Heft, und indem
er sich trotz aller auf ihn gerichteten
Augen etwas absonders, prüft er die
Ziffern. Die türkischen Wagen über
schreiten die gewöhnlichen Dimensio
nen um fünf Zentimeter. Claude wuß
te es, und er hatte gleich von Anfang
an mündlich jedem einzelnen Werk
Meister die entsprechende Vergröße
rung aller Maße eingeschärft. Er hat
te diese fünf Zentimeter nicht bloß
nicht vergessen, sondern sie waren eine
fortwährende Geistesplage für ihn ge
worden. Und gesetzt auch, er hätte in
folge einer unbegreiflichen Zerstreut
heit wirklich für das Zuschneiden der
Stoffe die gewöhnlichen Maße vorge
schrieben, so hätte es ja nur einer ge
ringen Gefälligkeit vonseiten der Un
tergebenen bedurft, um ihn auf den
Irrtum aufmerksam zu machen denn
man kann doch unmöglich annehmen,
daß die Zerstreutheit eines einzigen
auf alle anderen übergegangen sei.
Aber so geht es eben, wenn man in
mitten von Ränken und Eifersüchte
leien arbeiten muß, wo der unbedeu
tendste Fehltritt erspäht und mit bos
hafter Schadenfreude begrüßt wird!
Wehe dem, der strauchelt in die
fem Kampfe um Brot und Leben! ...
Wenn sich ihm des Nachbars Hand
entgegenstreckt, so geschieht es nur,
«in ihn sicherer und schneller zum
Sturze zu bringen ..
Claude durchblättert das Heft Sei
te um Seite und stellt fest, daß er am
Anfang einer jeden Abteilung mit ro
ter Tinte die Bemerkung hingeschrie
e n A u e a a u i e
n Z e n i e e
Das ist für ihn beinahe eine Recht
fertigung aber Sandrin wird schon
ungeduldig und-wendet, über ihn ge
beugt, auch seinerseits die Blätter um.
dB
Es handelt sich nicht darum,
Sie von Anfang an den Unter
schied der fünf Zentimeter vorgesehen
haben Das wäre doch zu toll ge
Wesen, wenn Sie nicht im allgemei
nen an diese Vergrößerung gedacht
hätten, auf welche die Besteller gleich
anfänglich so viel Gewicht gelegt ha
ben. Es handelt sich jetzt um nichts
anderes als um die Stoffe. Diese sind
zugeschnitten worden nach den von
Ihnen berechneten klaren Zahlen, de
ren Richtigkeit wir nicht zu prüfen
hatten, und diese Zahlen entsprechen
keineswegs den besonderen Waggons,
die Sie zu erstellen hatten, sondern
gewöhnlichen Waggons, für die nie
fo kostbare Stoffe verwendet werden.
Folglich hat Hr. de Saint-Agil
Bert
recht: wenigstens fünftausend
Aranken sind verloren, denn man hat,
wie gewöhnlich, alles zusammen zuge
schnitten, da ja sämtliche Waggons
dieselben Dimensionen haben ... All
das ist sonnenklar! Was haben Sie
darauf zu erwidern
Sandrins Stimme klingt immer
stolzer und siegesgewisser, als ob die
Fabrik schon in seinen Händen wäre,
und seine blaßblauen Augen furtfein.
Weder der Graf noch Alberte führt
die Untersuchung, sondern er, San
drin, wobei er sich auf eine ganze
Clique von Arbeitern stützt, die ihr
Schicksal mit dem seinen verknüpfen
und seiner Kundgebung Beifall spen
ben. Claude weiß zu seiner Verteidi
gung kein einziges Wort vorzubrin
gen Ja, er hat sich wirklich ge
irrt, eine Null anstatt einer Fünf hin
geschrieben! ... Da steht es schwarz
.ttttf weiß auf der betreffenden Seite:
„Das Tuch in Stücke von 2 20
schneiden," anstatt: „2 25."
Und doch war er dieser Vergröße
rung wegen so besorgt! so sicher,
sie vorausgesehen und niedergeschrie
ben zu haben namentlich auch an
dieser Stelle, wo sie von ganz beson
derer Wichtigkeit war! ... Er muß
schon glauben, daß er sich täuscht, baß
es im Leben Stunden gibt, wo selbst
fe§r ernsthafteste Mensch an Geistes
abwesenheit leidet denn bas Heft, der
Gründung
Ueversetzuug
'Wff: rM#
.. 4 t, v .v'j ,' iy A
Augenschein, alle Welt ist da/um ihn
seines Fehlers zu überführen.
Angesichts dieser mit jeden Augen
blick wachsenden Menge fühlt er sich
gedemütigt, besiegt. Dieser fürchter
liche „Bock" ist in wenigen Minuten
in allen Werkstätten ruchbar gewor
den. Man drängt sich auf dem Vor
platz und in der Halle wie bei einer
Hinrichtung: Das muß man sich ein
mal ansehen, wie diese stolze Eiche
fällt wie Claude in Gegenwart
des Fabrikherrn namentlich aber
in Sandrins Gegenwart zermalmt
wird! „Patate" sieht jämmerlich
genug aus! ... Er hat einen netten
Streich gemacht! Dieser Luxus
zug sollte sein Stolz, der Stolz des
Geschäftes werden, und jetzt muß man
die ganze Auspolsterung von vorn an
fangen Man muß den besonderen
Stoff noch einmal bestellen und zu
schneiden, und diesmal wird man da
bei keinen Fehler begehen Wann
aber wird man denselben bekommen
Es ist ja für die Ablieferung
des Zuges ein bestimmter Zeitpunkt
festgesetzt, samt einem enormen Ab
zug für jeden Tag Verspätung!
Der Fabrikherr hat von fünftausend
Franken gesprochen, aber er wird
vielleicht zehntausend blechen müssen.
Zudem muß man sich auf lieber
stunden, auf Nachtarbeit gefaßt ma
chen, um die verlorne Zeit wieder ein
zubringen. Und das alles hat dieser
unglückselige Küster verschuldet, der
besser daran getan hätte, seinen Bau
anschlag zu studieren, als am Sonn
tag beim Pfarrer nebenan Kirchenlie
der zu plärren!
Es gibt im Leben Augenblicke, wo
man die Erde bitten möchte, sich zu off
nen und uns in ihrem Schöße zu ver
bergen. Dies trifft nun bei Claude
zu ... Er schaut um sich, um einen
Blick des Mitleids zu erhaschen, be
gegnet aber nur spöttischen Augen und
feindseligen Gesichtern.
„Sie kommen mir teuer zu stehen,
Hr. Routier!" sagt der kleine Graf
mit schneidender Stimme.
„Noch teurer als Sie voraussetzen,
Herr Graf!" bricht Sandrin los.
„Oh, Sie Halten Sie den
Mund!" ruft Claude.
„Warum soll ich schweigen
Ich habe schon zu lange geschwiegen!
Heute aber rede ich und rufe al
len Werkstätten zu: Derjenige, der
euch befehligt, ist ein unfähiger
Mensch ... der Beweis dafür kostet
zehntausend Franken, und dies ist
nichts im Vergleich zu dem, was die
ser Mann bereits gekostet hat!"
Claude schaut Hrn. de Saint-Agil
bert an und wartet auf ein Wort, wo
durch dieser die Tragweite der Belei
digung abschwächen und sich weigern
würde, dieselbe zu seiner eigenen zu
machen doch der Gras verharrt in ser
ner steifen und verächtlichen Haltung.
Alberte, die aussieht, als ob sie von
diesem Schauspiel angeekelt wäre,
richtet ihre Blicke anderwohin. Mit
Ausnahme einiger vom Leben hart
mitgenommenen alten Arbeiter, die
für ihr Brot fürchten und sich in der
Menge verlieren, gleicht das ganze
Personal einer Meute, die ein erleg
tes Wild umkreist, dessen Ueberreste
man auf der Stelle unter sich vertei
len wird.
Da faßt Claude plötzlich feinen
Entschluß.
„Herr Graf, Sie verlieren durch
meine Schuld fünftausend Franken,
ich will sie Ihnen ersetzen."
Zehntausend!" berichtigt un­
erbittlich Sandrin, der zu allem be
reit ist.
„Es ist nicht Ihre Sache, die Sum
me zu bestimmen Falls meine
Zerstreutheit zehntausend Franken ko
stet, werde ich zehntausend ersetzen!
Mein Leben wird darüber ver
gehen, aber meine Kinder werden er
hobenen Hauptes einhertoanbeln kön
nen und niemand, am allerwenigsten
der Fabrik in La Chapelle, etwas
schulden. Da ich nun ein Unfähiger
bin, wie Hr. Sandrin soeben gesagt
hat. .."
„Und ich beharre darauf.
s o i e i S i e e a
meine Entlassung anzunehmen und
mir meine Freiheit zurückzugeben."
Bei diesem so ernsten Worte ver
doppelt sich die Aufmerksamkeit
Jedermann fühlt, daß der Augenblick
ein feierlicher ist, daß das, was er
bringen wird, nicht mehr gutgemacht
werden kann. Aber keine einzige
Stimme erhebt sich zugunsten dieses
Unglücklichen, der in einer Sekunde
eine Stellung aufgibt, für die er seine
Familie und seine Heimat aufgeopfert
hat. Alle Augen werden starr und alle
Hälse recken sich, wie beim fünften
Akt eines Dramas.
„Ich nehme sie an," erwidert Bru
no, mit der unbefangenen Miene eines
Lt&T
Nun erhob sich in der Halle ein
tobender Lärm.
„Sandrin lebe hoch hoch!!!"
brüllt Rabaroux mit feuerrotem Ge
sicht und hervortretenden Augen.
„Hoch Sandrin!!!" antworten die
Werkstätten ...
Und das Echo wiederholt und ver
stärkt den Beifallsruf, so daß man
das Donnerrollen eines Aufruhrs zu
vernehmen glaubt.
Claude entfernt sich, allein und Be
siegt, ohne daß man ein mitleidiges
Wort, einen herzlichen Blick für ihn
hat, ohne daß sich ihm eine Hand zum
Abschied entgegenstreckt. Vielleicht...
ja wahrscheinlich hätten einige dies
gerne getan, aber Sandrin hätte es
gesehen und Sandrin ist jetzt der
Vorgesetzte!
In seinem Gärtchen angelangt,
sank Claude, wie geknickt von der Auf
regung, auf die Holzbank hin. Es ging
gegen Mittag und die Sonne strahlte
in ihrer ganzen Pracht auf der Höhe
ihres Laufes. Fast mechanisch durch
blättert der Unglückliche immer noch
das Heft, das er vorhin im Halbdun
kel der Halle nur flüchtig und verwor
ren besichtigt hat Kaum aber ist
der junge Mann zu der Seite der
Stoffe gekommen, kaum sind seine
Augen auf die verhängnisvolle Zif
fergefallen, als er plötzlich einen
Schrei ausstoßt der untere Teil
des 5 ist verwischt, ausradiert worden,
um eine O daraus zu machen!
Bei dieser scharfen, blendenden Mit
tagshelle springt Sandrins teuflische
List so deutlich in die Augen, daß jede
weitere Erörterung überflüssig ist.
Noch bemerkt man aus dem durch die
leichte Reibung des Radiergummis
abgenutzten Papier die Spur des Blei
stiftdruckes.
der Elende!... Ich wußte
wohl, daß ich mich nicht geirrt hat*
te
Ohne einen Augenblick zu verlie
ren, stürmt Claude in den Hof hin
aus, um seine Richter auszusuchen.
Gerade tauchen Alberte, Bruno und
Sandrin aus, die lebhaft miteinander
sprechen. Seiner selbst und seines au
genscheinlichen Beweises völlig sicher,
eilt Routier flammenden Gesichtes
mit dem weit geöffneten Heft auf sie
zu:
„Herr Graf, man hat Sitz in ab
scheulicher Weise hintergangen!
Ich hatte die Zahl 5 hingeschrieben,
aber man hat die Schurkerei began
gen, sie auszukratzen Ueberzeugen
Sie sich selbst! Es abzuleugnen ist un
möglich! Das ist meine volle
Rechtfertigung."
Claudes Hände beben beim Dar
reichen der Blätter.
Kaltblütig setzt der Graf sein Mo
nokel zurecht, nimmt das Heft und
prüft es, ohne zu bemerken, daß San
drin an seiner Seite totenblaß ge
worden ist.
„Es ist wirklich ausgekratzt/ sagt
er.
„Ausgekratzt von wem
schreit Sandrin. „Von Routier selbst,
der das Heft soeben in seine Wohnung
mitgenommen hat, um die Zahl zu
überschreiben und dann auszukrat
zen ...
„Ich?!"
4
OHIO WAISFNFREUND
Menschen, Ser nicht im geringsten
überrascht ist.
Und das war alles. Da gab es kein
Wort des Bedauerns, keine Gebärde
des Erstaunens oder des Mitleids,
sondern der Graf erweckte den Ein
druck eines Menschen, der einer unan
genehmen Sache auf der Stelle ein
Ende machen will. Ohne einen Augen
blick zu zögern, reckte er sich ein wenig
in die Höhe, um die Menge zu beHerr
schert, und rief laut: „Ich genehmige
die mir angebotene Entlassung, und
von heute an ist Sandrin euer Werk
führer! ... Hr. Routier hat in der
Fabrik fortan keine offizielle Stellung
mehr!"
aus Ihrer Wohnung, nicht wahr?
Und Sie haben wirklich keine Zeit
verloren Aber die List ist zu
plump."
.Ich! Ich!"
„Gewiß, sonst hätten Sie vorhin
in der Halle davon gesprochen
Sie sind nicht nur ein Dummkopf,
sondern noch dazu ein Lügner und
Fälscher!"
Gittert Augenblick ist Claude vor
Wut außer sich, es schwindelt ihm
und seine Hände ballen und lösen sich.
Sandrin zieht sich hinter Alberte zu
rück, da er fürchtet, dieser Mensch
werde ihm sofort an die Kehle sprin
gen doch Rabaroux und einige ande
re Arbeiter eilen herbei und werfe«
sich zwischen den Werkmeister und
Claude, der fürchterlich anzusehen und
zu Mord und Totschlag bereit ist
„Hoffentlich werden Sie vor Ma
demoiselle nicht wie Lumpensammler
einander an den Kragen gehen!" ruft
Bruno.
Wie von einem Keulenschlag ge
troffen, entfernt sich Claude.
„Gut pariert!" flüstert Alberte
und reicht herzlich Sandrin die Hand.
XXVIII.
Aus Lucies Tagebuche
wettn ich nicht Bedenken trüge, einen
menschlichen Schmerz mit dem gött
lichen Schmerze zu vergleichen, so
würde ich schreiben: „Consummatum
cstl
Alles ist vollbracht!"
Der Rahmen, worin sich meine
Kindheit abspielte das Schloß, die
ses ruhmvolle Heim der Tapferkeit
und der Liebe, das seit einem Jahr
tausend das edle Geschlecht derer von
Saint-Agilbert barg der kleine Fried
hof, wo alle unsere Angehörigen
schlummern der Park, wo ich so oft
meinen Zukunftsträunten nachhing,
die Felder und Wälder, alles, was
mich zur Welt kommen, lieben und
heranwachsen sah. alles, was mir
vertraut war, was mir Schutz und
Hoffnung gewährte: alles wird nun
in alle vier Winde zerstreut, alles an
den Meistbietenden verkauft, gerade
wie man alte Ladenhüter oder das
Mobiliar eines Schenkwirts oder
überhaupt Gegenstände, die einem im
Wege sind und deren man überdrüssig
ist, loszuschlagen pflegt.
Und, o Gipfel des Jammers!
Du, der du in deiner Person alle
Hoffnungen verkörpertest, hast soeben
von deinem Pariser Entresol aus die
sen Untergang befohlen! Und dabei
verspürtest du nicht das geringste Be
dürfnis, noch einmal diese Mauern
wiederzusehen, die deiner Mutter so
teuer waren, und die, wenn sie reden
könnten, den Namett derselben in die
Welt hinausschreien würden. Und du
wolltest die Verteidigung all dieser
Erinnerungen nicht anhören, die jetzt
allenthalben ein Unglück, das noch
entsetzlicher ist als selbst der Tod, be
trauern: das Vergessensein vonseiten
derer, die immerfort dieselben treu
lich hätten bewahren sollen!
O wie gut ich deshalb deine Scham
begreife! ... Du schlägst zu von dei
nem Versteck aus du befehligst dein
Zerstörungswerk von der Hauptstadt
aus, wo du gut verborgen und ferne
von denjenigen bist, die deine Jugend
gekannt haben, die dir zurufen könn
ten: „Fluch über dich!!" und dir viel
leicht doch noch die Schamröte über
dein verwünschtes Werk in dein gleich
gültiges Gesicht treiben würden.
Ich erhielt heute morgen auf dem
Wege zur Kirche die erste Kunde von
dem bevorstehenden Verkauf. Der alte
Perret, der Gemeindediener, schwang
in der Rue Basse mit beiden Händen
seine Schelle. Ich trete (näher hinzu,
um zu hören, was er verkünden will,
denn mich interessiert alles, was im
Dorfe geschieht. Sobald aber der ar
me Mann mich in der Menge erblickt,
verändert sich feine Miene und seine
Augen sind fest auf die meinen ge
richtet. Er stammelt etwas ... er ge
traut sich nicht mehr zu sprechen.
W
„Mademoiselle, es wäre mir wirk
lich lieber, wenn Sie nicht zugegen
wären ..
„Warum denn, Perret
„Sie wissen es besser als ich!"
«Ich weiß nichts!" erwiderte ich
und erbleichte.
„In diesem Falle sollen Sie es
nicht von mir erfahren!"
Dann durchbricht er den Kreis der
Landleute, die herbeigeeilt waren, um
seine Ankündigung zu hören, und
kehrt in die Mairie zurück. Ganz be
stürzt setze ich meinen Weg fort mein
Herz pocht stürmisch in meiner Brust
in meinem Kopse drängen sich unab
lässig die tollsten Fragen ich denke
an die Felder, die Wälder, die Pacht
höfe kurz an alles, nur nicht an
das, was nun eine herzzerreißende
Wahrheit geworden ist.
Meine Ungewißheit dauert iibri*
gens nicht lange. Als ich den Kirchhof
durchschreite, bemerke ich durch die
Kronen der Bäume hindurch, wie Per
ret abermals die kleine Anhöhe be
steigt, um da seines Amtes zu wal
ten. Und nach und nach erhebt sich aus
der Tiefe der Rue Basse seine Stim
me.
Schon bei den ersten Worten mußte
ich mich auf die niedrige Mauer stüt
zen, um nicht umzusinken: jeder Satz,
jedes Wort schien mir ein Faustschlag
zu sein, der von einem Judas meiner
Raffe mitten ins Antlitz versetzt wur
de .. Und er, Bruno, tut dies!
Oh! der Elende!
„Bekanntmachung. Kund
und zu wissen sei hiemit den Einwoh
nern der Gemeinde Fleurines, daß am
3. August dieses Jahres im Büro des
Hrn. Lesevre folgende Objekte öffent
lich versteigert werden: das Schloß
der Grafen de Saint-Agilbert mit
samt den in der ehemaligen Rüstkam
mer befindlichen Sammlungen von
Gemälden und Waffen, der Biblio
thek, der Kapelle, dem Park, dem Ge
müsegarten, den zwei Teichen, den
Wäldern und Gehölzen und allem
Ackerland, das durch irgendwelches
Eigentumsrecht mit dem genannten
Schlosse verbunden ist. Das niederste
Angebot beträgt dreihunderttausend
Franken. Lese vre, Notar in
Fleurines."
Er sprach mit gedämpfter Stimme,
der arme Mann!... Man hätte glau
ben können, er vermute, daß ich da
droben sei und, auf ein Grabmal ge
stützt, von dieser ganzen Schändlich
keit mitten ins Herz getroffen werde.
Mehrmals schaute er nach den Odiles
Kapelle umgebenden Taxusbäumen,
die mich verhüllten. Ich fühlte, daß
seine Augen die meinen, suchten, da
ihm irgend etwas sagte, daß sie dort
seien aber bei dieser Entfernung
formte er sie nicht bemerken. Dann
mischte er sich unter die erregten
Gruppen der Landleute, die schon
überall mit entrüsteteten Stimmen
und Gebärden die bevorstehende Ver
steigerung besprachen.
.. Durch den Gemeindediener also
muß ich die betrübendste Nachricht
meines Lebens vernehmen! Ster
ben ist nichts, besonders wenn man so
stirbt, wie man es sich erträumt hat,
wenn matt gleich einem Baume
hinfällt auf dem Felde, das mart be
schirmt hat, um darin begraben zu
werden, um sich mit dessen Erde zu
vermischen und später in dessen Aeh
rert neu aufzuleben, wenn man.
reich an Verdiensten, hineilt zu Dem
jenigen, der aus den Tiefen Seiner
Ewigkeit Zeuge war unserer Mühen,
unserer Kämpfe und vornehmlich un
serer Fehltritte, aber auch unseres un
ermüdlichen Verlangens, uns immer
wieder aufzurichten, unseres guten
Willens, trotz allen Hindernissen zu
Ihm emporzusteigen!..
(Fortsetzung folgt)
Read.
Ol WORLD
i MM"
"Ol
^Fv'r^fV•^iw.vp''#^'M
Vie geistigen vorteile
des Sfapuliers
(Fortsetzung von Seite S)
fleh' auf dein Skapulier hier ist die
jenige abgebildet, zu welcher der Erz
enge! gesagt, „daß sie voll der Gnaden
sei"!
Schauen wir denn also nur unser
Skapulier an, und wir gehen mutig
und siegesbewußt in unvermeidliche
Gefahren, siegen im Leiden, siegen
über Ratlosigkeit, siegen über Irrtum,
Unwissenheit und Sünde!
Das Skapulier als Schulterkleid
erinnert uns aber auch an die gedul
dige Annahme des Kreuzes, wobei
uns stets der Gedanke beseelen muß:
„Dein Kreuz ist im Vergleiche mit
dem Kreuze Jesu und Seiner schmerz
haften Mutter Maria nur ein leichtes
Skapulier, das sanft über deinen
Schultern ruht und dich nie zu Boden
drückt das gerade umgekehrt, dich cm
die Gnade Gottes so anknüpft durch
die hilfreiche Fürsprache Marias, day
du nicht niedersinkest, ja, wodurch du,
wenn du gefallen wärest, wieder auf
gerichtet wirst!"
Das Skapulier erinnert uns aber
auch, da die frommen Mönche es ehe
mals bei ihren harten Arbeiten tru
gen, an die Erfüllung des göttlichen
Gebotes: „Im Schweiße deines Ange
sichtes sollst du dein Brot essen!"
und erinnert uns an die großen Va
dienste der Klöster auch hinsichtlich der
Unterstützung der Armen, und mahnt
zu steter Dankbarkeit gegen sie.
Das Skapulier ist gleichfalls uns
nützlich, indem es uns die Reinerhctl
tung des Taufkleides, des Kleides der
Unschuld, zur ersten Pflicht macht
denn nimmer mehr kann uns das
Kleid Marias zieren, wenn das Kleid
Jesu Christi, das durch die heilige
Taufe erlangte Kleid der Unschuld,
befleckt ist!
Da die Regeln der Skapulierbru
derschaft auch einiges Fasten, mehrere
Gebete und standesgemäße Keuschheit
vorschreiben, so leuchtet der Vorteil
des Sfapuliers gleichfalls hieraus ein,
da die Uebung dieser drei Tugenden
die Augertlust, Fleischeslust und die
Hoffart des Lebens bändigen.
Endlich ist es die Weihe, welche dem
Skapulier zuteil wird, welche uns
besagtes Kleid 'ganz besonders ehr
würdig macht und uns antreibt, die
Weihe art unserer Seele und an un
serm Leibe stets vorzunehmen. Dahin
deuten auch alle Weihegebete. Und
deshalb weiht die Kirche Bilder, Mün
zen, Kräuter u. dgl. Nicht als wenn
besagte Dinge eine Kraft in sich hät
ten die Kraft liegt in der Weihe
und selbst diese wirkt nicht durch sich
selbst, denn sonst wäre sie ein Sakra
ment sondern sie wirkt nur, wenn
der Glaube und Lebenswandel des
jenigen, welcher geweihte Skapuliere,
Bilder, Münzen usw. gebraucht, der
Kraft des kirchlichen Weihegebetes
keine Hindernisse setzt.
Tragen wir denn das Skapulier,
das uns zu Maria, unserer himmli
schen Mutter, und durch sie zum Soh
ne und durch Ihn zum Vater führt!
Zum Karmel, d. h. zum „Garten
Gottes", sollen wir hinaussteigen.
Gott will uns heim zu Seiner Woh
nung bringen, daß wir unter Lorbeer
und Oliven, unter Trauben und Hya
zinthen weiden. Jedoch wir selbst sol
len ein Karmel ein „Garten Got
tes" seilt, morirt Gost lustwandelt.
Lorbeeren errungener Siege über uns
selbst, Oliven der Andacht, Trauben
der Geduld und Hyazinthenduft der
guten Werke sollen in uns:rm Herzen
keine ausländischen Pflanzen sein.
Gott wird dann die Silberbäche Sei
ner Gnaden durch diesen Garten strö
men lassen. Hier wird dann die schön
ste Aussicht in das wahre Paradies
sein. Gern werden heilige Seelen hier
verweilen. Und Maria wird es nicht
verschmähen, „Königin des neuen
Karmel" zu heißen.

This Modern Age
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