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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, October 05, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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Zurück zur Urkirchel
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Ueberdies erkennt män nicht nur
an, daß das Evangelium von einem
obersten Hirtenamt Petri spricht man
findet auch, daß die Kirche Christi,
als eine Gesamtheit von Gläubigen,
ganz naturgemäß, wie jede andere
Gesellschaft, eines Oberhauptes gar
nicht entbehren könne:
„Die Stellung, die der Herr dem
Petrus gibt, ist nicht eine willkürliche
oder rein persönliche, sondern sie be
ruht auf einem Lebensgesetz im Rei
che Gottes. Jede Gemeinschaft bedarf
der Leitung durch eine einzelne Per
son. Die Kirche ist an dieselben Ge
letze gebunden wie alle anderen
menschlichen Lebenskreise soll sie eine
wirkliche Gemeinschaft, lebendige Ge
samtheit darstellen, so muß sie eine
numerische Einheit darstellen und muß
ein Organ dieser Einheit haben"
(Lechler, „Lehre vom heiligen Amte",
1857).
Gleichwohl unterwirft man sich lie
ber einem weltlichen Oberhaupte, als
daß man dem allein rechtmäßigen Hir
ten der Herde Christi, dem Bischof von
Rom, die schuldige Anerkennung zollt
und den unseligen und unsinnigen
Protest gegen das Papsttum aufgibt.
Dieser Protest und die Zurückhaltung
gegenüber dem römischen Bischofs
stuhl ließen sich vielleicht verstehen,
wenn dem Bischof von Rom etwa in
der Neuzeit oder im Mittelalter eines
schönen Tages plötzlich von einigen
Anhängern die Rechtsnachfolge in
dem Primat Petri zugesprochen wor
den wäre, etwa in der Weise, wie im
sechzehnten Jahrhundert gewisse Hof
theologen ihren Landesherren gegen
gute Aequivalente ein oberstes Bi
schofsamt tatsächlich zugebilligt haben.
Dies ist aber bei dem Bischof von Rom
nicht der Fall gewesen. Sein Primat
galt stets als der Primat Petri und
Petri Primat stets als Christi Stif
tung.
Daher kennen auch alle Jcchrhun«
derte und alle Teile des christlichen
Erdkreises von dem Sendschreiben
des Bischofs Klemens von Rom an
die Korinther ums Jahr 94 angefan
gen den auf diesen Primat sich
gründenden „höheren Vorrang" der
römischen Kirche (so Bischof Irenaus
von Lyon, 178—202), dieser „Wur
zel und Mutter der katholischen Kir
che", dieser „Prinzipalkirche, von der
die priesterliche Einheit ausgegangen
ist" (so Bischos Cyprianus von Kar
thago, 248—258), dieser „Vorstehe
rin des Liebesbundes" (so Bischof Ig
natius von Antiochia, gest. 107).
Wenn in den einzelnen Gemeinden
nach den Briefen des hl. Ignatius
„alle, die Gottes und Jesu Christi
sind, es mit dem Bischof halten" und
„nicht ohne den Bischof unternehmen,
was zur Kirche in Beziehung steht",
und wenn weiterhin mit der „zu Rom
von den beiden vornehmsten Aposteln
Petrus und Paulus gegründeten und
ausgerichteten Kirche" nach dem hl.
Irenaus „die Gläubigen aller wärts"
übereinstimmen müssen, dann sind
offenbar schon damals nicht nur die
Glieder der römischen Gemeinde, son
dern die Glieder aller Gemeinden den
Entscheidungen und Weisungen des
römischen Bischofs als des Nachfol
gers Petri Gehorsam schuldig gewe
sen.
Daher schrieb z. B. Bischof Optatus
von Mileve 371 in seinem Buche ge
gen den sektiererischen Bischof Parme
man von Karthago: „Du kannst also
nicht leugnen, daß du weißt, dem Pe
trus als dem Ersten sei der bischöfli
che Stuhl in der Stadt Rom verliehen
worden, auf welchem das Haupt der
Apostel, Petrus, sitzt daher wurde er
auch ,Fels' genannt. Auf diesem Lehr
stuhle soll die Einheit von allen ge
wahrt werden, damit nicht die übrigen
Apostel ein jeder den seinigen bean
spruchen. Daher wäre ein Sünder
und Schismatiker, wer gegen diesen
einzigen Lehrstuhl einen anderen er
richtet."
Der hl. Augustinus, Bischof von
Hippo (396—430), erklärt deshalb:
„Niemand glaubt dir, daß du den
katholischen Glauben hast, wenn du
sagst, man brauche den römischen
Glauben nicht zu befolgen
waren viele Apostel, aber nur einem
wurde gesagt: Weide Meine Schafe.
So hat der Herr in dem einen Pe
trus die Einheit übergeben Auf
diesem Lehrstuhle der Einheit hat
Gott die Lehre der Wahrheit nieder
gelegt Auf diesem so alten und
festgegründeten Stuhle ist daher der
gewisse und klare katholische Glaube,
so daß kein Christ daran zweifeln
darf."
Es erklären, um nur noch einige
Zeugnisse anzuführen, der hl. Ambro
ftus, Bischof von Mailand (374—
397):
„Wo Petrus, da ist die Kirche, da ist
Jfeiil Xotz sondern ewiges Leben: des­
halb setzt Er hinzu: ,Und die Pforten
der Hölle werden sie nicht überwälti
gen' ... und: ,Dir will ich die Schlüs
sel des Himmelreiches geben'." (In
Psalm 40, V. 30).
Und der hl. Hieronymus in seinem
Briefe an Papst Damasus (366—
384) vom Jahre 376:
„Da ich niemandem folgen will als
Christo, halte ich Gemeinschaft mit
Dir, das ist mit dem Sitze Petri. Ich
weiß die Kirche gegründet auf einen
einzigen Felsen Wer sich dem
Sitze Petri anschließt, der ist mein
Mann. Ich ersuche Deine Heiligkeit,
mir kundzutun, mit wem ich in Sy
rien in kirchliche Gemeinschaft zu tre
ten habe."
Papst Damasus seinerseits sagt in
einem Dekrete über die Patriarchate:
„Die ganze über den Erdkreis ver
breitete katholische Kirche ist ein ein
ziges Brautgemach Christi aber die
Kirche von Rom ist den anderen Kir
chen übergeordnet, und zwar nicht
durch Beschlüsse von Konzilien, son
dern durch das Wort unseres Herrn
und Heilandes im Evangelium, wel
cher ihr den Primat verliehen hat, in
dem Er sprach: ,Du bist Petrus, und
auf diesen Felsen will Ich Meine Kir
che bauen, und die Pforten der Hölle
sollen sie nicht überwältigen. Ich wer
de dir die Schlüssel des Himmelreiches
geben was du auf Erden binden
wirst, wird auch im Himmel gebun
den fein, und was du auf Erden lö
sen wirst, wird auch im Himmel gelöst
«ein'."
Und auf dem Konzil von Ephesus
(431) konnte einer der drei päpstli
chen Legaten, der Priester Philippus,
ohne Widerspruch befürchten zu müs
sen und ohne Widerspruch zu finden,
die feierliche Erklärung abgeben:
„Niemand zweifelt daran, alle Zei
ten haben vielmehr Kunde davon, daß
der hl. Petrus, der Fürst und das
Haupt der Apostel, die Säule des
Glaubens und das Fundament der
katholischen. Kirche, von unserem
Herrn Jesus Christus, dem Etföser
und Heiland des Menschengeschlechts,
die Schlüssel des Reiches erhalten mit
der Gewalt, die Sünden zu lösen und
zu binden bis auf unsere Zeit und
immer lebt er in seinen Nachfolgern
fort und übt die richterliche Gewalt
aus. Unser HI. Vater Cölestin, wel
cher jetzt dessen Platz einnimmt, hat
uns zu dieser Kirchenversammlung ge
sendet, damit wir seine Stelle ver
treten."
Es gestand denn auch der Leipziger
Kirchenrechtslehrer Prof. Dr. Sohm
(„Kirchenrecht"), ohne freilich die rich
tige Erklärung dafür finden und die
nötige Konsequenz daraus ziehen zu
wollen:
Es steht außer Zweifel, daß die
römische Gemeinde in den ersten drei
Jahrhunderten die führende Gemein
de der ganzen Christenheit gewesen.
Rom hat die Fürsorge für alle
anderen Gemeinden in materieller
Hinsicht gehabt und geübt Rom
hat ebenso die Fürsorge für alle christ
lichen Gemeinden in eigentlich kirchli
cher Hinsicht gehabt und geübt. All'
die großen Fragen der Kirchenlehre,
welche das zweite und dritte Jahr
hundert erschütterten, haben in Rom
ihre Entscheidung für die Kirche ge
funden Auf der römischen Ge
meinde und ihrem Bischofsstuhl ruht
(nach der Ueberzeugung Cyprians und
der ganzen Kirche im zweiten und
dritten Jahrhundert) die Einheit der
Christenheit Ohne die römische
Gemeinde und ohne den römischen Bi
schofsstuhl kann die Kirche überhaupt
gar nicht gedacht werden. Rom hat
eine einzigartige Stellung, welche kei
ner anderen Gemeinde zukommt. Je
de andere Gemeinde kann fehlen, die
Kirche würde doch Kirche fein. Aber
die römische Gemeinde kann nicht feh
len. Rom ist das ,Haupt' der Kirche,
ohne welches die Kirche gar nicht Kir
che ist. Ohne Gemeinschaft mit Rom
keine Kirche."
Zu diesen Worten Sohms bemerk'
te Prof. Dr. Eugen Müller: „In stär
keren Ausdrücken, als es hier ge
schieht, hat noch kein katholischer
Schriftsteller die ,Tatsache' des Pri
mates der römischen Kirche bezieh«
ungsweise ihrer Bischöfe und die Ue
berzeugung der ersten Jahrhunderte
bezüglich desselben ausgesprochen."
(In Hetlingers „Apologie des Chri
stentums", 7. Aufl., IV., 566.) Wird
es wohl noch stärkerer Ausdrücke be
dürfen, um einzusehen, wie die Ur
kirche beschaffen gewesen, und wo sie,
auch heute noch, zu finden ist?
dem Herrn der Herde als Glieder
Seiner Herde anerkannt zu werden^
wenn sie jetzt im bewußten Gegensatz
zu dem von Gott gesetzten irdischem
Hirten dieser selben Herde verharrend
Seine wiederholten Rufe und Einlad
düngen hochmütig verachten, nach ihf
rem Gutdünken sich selbst die Weide
plätze bereiten und selbsterwählten
Mieflingen, die „ihnen die Ohren kit
zeln" (2. Timoth., IV., 3), ihr Ge
schick anvertrauen? Und können sie je
mals Vergebung ihrer Sünden und
damit die Gewißheit ihres Heiles er
langen, wenn sie fortgesetzt es ableh
nen, diese Vergebung durch diejenigen
zu erhalten, zu denen der Herr ge
sagt hat: „Welchen ihr die Sünden
nachlassen werdet, denen sind sie nach
gelassen" (Joh. XX., 23)? Denn
zweifellos finden sich diese Bevollmäch
tigten des Herrn nur in der katholi
schen Kirche, die seit den Tagen der
Apostel einen jeden ihrer Priester
durch die Weihe eines Bischofs und
einen jeden Bischof durch die Aner
kennung seitens des Nachfolgers Pe
tri in einer Weise als rechtmäßige
Gottesgesandte legitimiert, die jeden
Zweifel ausschließt und selbst dem un
geübten Auge einleuchtet.
age niemand: Ich brauche keine
Kirche und kernen Papst, denn ich fin
de meinen Weg zu Christus ganz al
lein an Ihn halte ich mich, Er ver
gibt mir meine Sünden, wenn ich nur
an Ihn glaube und meiner Seligkeit
um Seinetwillen gewiß bin. Woher
hat man denn diese Gewißheit? Hat
man eine private Offenbarung von
Gott darüber erhalten? Oder bildet
man sich diese Gewißheit bloß ein?
Oder hat man irgend eine Stelle der
HI. Schrift, die einem diese Gewiß
heit unzweideutig verschafft?
Gewiß spricht der Herr: „Wer Mich
liebt, wird geliebt werden von Mei
nem Vater, und Ich werde ihn lieben
und Mich selbst ihm offenbaren."
Wer aber liebt den Herrn? „Wer
Meine Gebote hat und sie hält, ist
es,_ der Mich liebt" (Joh. 14, 21).
Also erst wenn man die Gebote des
Herrn beachtet, liebt man Ihn. Dann
kann man auch sagen: „Ich halte mich
an Ihn", und dann wird man auch
und das ist die Hauptsache! von
Ihm gehalten. Eins der ersten Ge
bote ist aber das des Gehorsams und
der treuen kindlichen Liebe gegen die
legitimierten Gesandten des Herrn,
so zwar, daß nach den ausdrückli
chen Worten des Herrn wer ihnen
nicht glaubt, verdammt sein wird
(Mark. 16, 16), wer sie verachtet, den
Herrn selbst verachtet (Luk. 10, 16),
und wer die Kirche nicht hört, alo
Heide und öffentlicher Sünder betrach
tet werden soll (Matth. 18, 18). Ih
nen allein hat der Herr die Predigt
des Evangeliums, die Vergebung der
Sünden und überhaupt die Spendung
aller Sakramente übertragen (1. Kor.
4, 1), so daß niemand das Leben ha
•ben und feiig werden kann, er habe
sich denn zuvor, wenigstens dem Gei
ste nach, in bußfertigem und demüti
gem Verlangen ihnen und damit der
Kirche an geschloffen. Dies aber ist nur
möglich, wenn der Protest gegen das
Fundament der Kirche, auf dem sie bis
ans Ende der Zeiten festgegründet
steht, schwindet und Petri Autorität,
so wie sie ihm vom Herrn gegeben,
auch von uns rückhaltlos anerkannt
wird.
Welche vernünftigen Einwände
können wohl bibelgläubige Christen
angesichts der obigen dem Primat des
päpstlichen Stuhles so überaus gün
stigen Urteile noch fernerhin gegen
das Papsttum erheben? Worauf ver
mögen sie wohl ihren weiteren Protest
gegen die katholische Kirche, die ihnen
von so unverdächtigen Zeugen als die
wahre Urkirche hingestellt wird, in
einer sie vor Gott rechtfertigenden
Weife noch zu gründen? Können sie
etwy koch erwarten, im jenseits von des Lebens und ewigen Heiles verlu-
Wollen wir uns also „an Christus
halten" und auch von Ihm angenom
men werden, denn wenden wir uns
zum weltbekannten Felsen Petri, auf
dem nun einmal der Herr in Seiner
Kirche, die ja Sein Leib ist (Eph. 1,
23), lebt, wirkt und siegt. Was im
mer Christus der Menschheit sein will,
das ist Er ihr in der Kirche und durch
die Kirche, und was immer diese durch
den Mund ihres obersten Hirten, des
„Hausverwalters im Gottesreich",
bindet und löset, das soll nach Christi
Willen gebunden und gelöst sein auch
im Himmel. Nur, wo Petrus, da ist
„die Kirche des lebendigen Gottes, die
Säule und. Grundfeste der Wahrheit"
(1. Tim. 3, 15).
„Darum hat" sagt Beda der
Ehrwürdige (gest. 735) „der se
lige Petrus, der Christum mit wah
rem Glauben bekannt, mit wahrer
Liebe geliebt, insbesonders die Schlüs
sel des Himmelreiches und den Vor
rang der richterlichen Gewalt emp
fangen, damit alle Gläubigen auf dem
Erdkreise wissen mögen, daß, welche
immer von der Einheit des Glaubens
oder von der Gemeinschaft mit ihm
sich trennen, eben diese weder von den
Banden der Sünden gelöst werden,
noch durch die Pforte des Himmelrei
ches eintreten können" (Horn. 16).
Zurück darum zur wahren Urkirche,
zurück nach Rom! „Allein die katholi
sche Kirche hat den wahren Kultus.
Sie ist die OueHe der Wahrheit, die
Wohnung des Glaubens, der Tempel
Gottes: Wer in sie nicht eintritt, oder
Iwer sie verläßt, geht der Hoffnung
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jamiuenkreis
Der Rosenkranz
Prächtiger prangt kein Kranz auf
Erden,
Steiner hoch im Himmel droben
Süßer mag kein Erdenpilger
Seine Himmelsmutter lobe»,
Als im heilten Rosenkränze,
Ter den Himmel mit der Erde
Bindet, daß den Erdenkindern
Erbteil einst der Hjmmel werde.
Blumen aus dem Paradiese,
Rosen aus dem Himmelsgarten
Deren muß der allerhöchste
Himmelsgärtner selber warten.
Sieb' die rote Kreuzesblume,
Die auf Golgatha erschlossen,
Die der Heiland selber weihte,
Mit dem eignen Blut begossen.
Und die andere Wunderblume
Müssen die Apostel reichen,
Blätter zwölf an Einer Krone
Der Erwählten Friedcnszeichen.
Und die dritte ist ersprossen
Ans des Heilands heil'gem Munde
Ans des Heilands heil'gem Herzen:
Seligste Gebeteskunde.
Und die lettte Himmelsblume
Brachte einst der Himmelsbote
Als er hehr die Jungfrau griifte
Erlösnngsmorgenrote.
Rote Rosen, weiße Rosen,
Rosen goldig, ganz durchdrungen
Von geheimnisvollen Düften,
Eng im schönsten Kranz verschlungen.
Eng im schönsten Kranz verschlun
gen,
(blutig prächtige Farbenrelhe,
Alle bringen Gottesfrieden,
Jede trägt die Himmelsweihe.
Prächtiger prangt kein Kranz auf
Erden,
Keiner hoch im Himmel droben,—
Süßer mag kein Erdenpilger
Seine Himmelsmutter loben,
Als im heil'gen Rosenkranze,
Ter den Himmel mit der Erde
Bindet, daß den Erdenkindern
Erbteil einst der Himmel werde.
UWWWWWWW
stig" (Lactantws C. 325 f, Institut.
Div., 4, 30).
Dr. K.
(Ein Kirtö und sein
Schutzengel
In der badischen Pfalz trug sich vor
vielen Jahren folgende liebliche Ge
schichte zu.
Ein vierjähriges Mädchen, ein lie
bes, braves und frommes Kind, wel
ches zwar arme, aber äußerst gottes
fiirchtige Eltern besaß, wurde krank.
Da dieses Kind seinen Seelsorger sehr
lieb hatte, indem es denselben ja öfter
in der Schule sah und ihm auch auf
der Straße die Hände reichte, fo
wünschte es, denselben auch an seinem
Krankenbette zu sehen.
Die Mutter mußte den Geistlichen
ersuchen, er möge doch die Güte ha
ben, das kleine Gretchen hie und da
einmal zu besuchen. Mit aller Bereit
Willigkeit willfahrte der Seelsorger
der vonseiten der lieben Kleinen an
ihn gestellten Bitte.
Derselbe erschien zum ersten und
zweiten Male. Immer wußte die
Kranke von ihrem hl. Schutzengel zu
erzählen, wie sie gesehen, wie er ihr
zugesprochen, wie er ihr versprochen,
sie bald in den Himmel zu nehmen.
Der Pfarrer kam einige Tage daraus
zum dritten Male zum Krankenbesuch.
Da war die Kleine ausnehmend freu
dig gestimmt und sagte:
„Heute werde ich noch zu meinem
lieben Gott in den Himmel kommen.
Mein heiliger Schutzengel wartet
schon dort vor meinem Bette. Sehen
Sie ihn nicht, Herr Pfarrer?"
Der Geistliche redete einige Augen
blicke mit der Mutter des Kindes.
Und auf einmal fing die Kranke an
zu lachen und klatschte in ihre zarten
Händchen und rief nochmals mit laut
vernehmlicher Stimme:
„Da kommt mein Schutzengel und
holt mich!"
Und die Aeuglein der Unschuld Wa
len geschlossen, die jugendlichen Kin-
"X '1*
&
-Iii
desHändchen waren gefaltet, die Seele
war durch des Engels Macht in die
Räume der Seligkeit entführt wor
den.
Auf die Zeugen dieser Begebenheit
machte dieser schmerzlose Kindestod
den tiefsten, aber freudigsten Ein
druck. Er lehrte sie, den Schutz ihres
heiligen Engels von neuem und im
mer mehr anzuflehen.
Freuden und Tröstungen
der Familie
Werfen wir einen Blick in die stille
Wohnung zu Nazareth und schauen
wir die seligen Freuden und Tröstun
gen, welche die Hl. Familie genoß.
Diese Freuden fand sie in ihrer gegen
seitigen Liebe und Eintracht, in ihrem
beglückendem Umgange und an dem
Beispiele der Gottseligkeit, womit die
sc drei heiligen Personen einander
borleuchteten. Das sind die Himmels
blumen. welche im stillen Hause zu
Nazareth blühten und wogegen die
prachtvollsten Rosen, welche im Gar
ten der Welt gedeihen, nur Totenblu
men und häßliche Disteln sind.
Welch' ein süßes Glück würde in
allen Familien aufgehen, wenn sie ihr
Haus auf Religion und Gottesfurcht
bauen würden! Welch' ein heiliger
Friede würde in die Herzen einkeh
ren und welch' große Freude ihnen
zuteil werden, wenn sie vor Gottes
Augen wandeln und Seine Gebote
befolgen würden! „Siehe, Ich leite
Meinen Frieden über fie hinab wie
einen Strom," verkündet Gott durch
den Propheten Jfaias (66,12). Nicht
in einzelnen Tropfen, nein, in ganzen
Strömen gießt Gott Seinen Frieden
aus über eine Familie, die Ihn zum
Hausvater und Sein Gesetz zum
Hausgesetz macht, über eine Familie,
die „zuerst das Reich Gottes und
Seine Gerechtigkeit sucht" (Matth. 6,
33). Eine solche Familie lebt dann
zufrieden und glücklich, auch wenn sie
„die Last und Hitze des Tages" tra
gen muß, glücklich, auch wenn nur
die einfachste Kost auf dem Tische steht
und ein einfaches Häuslein ihre Woh
nung ist.
Wenn es aber, wie die Erfahrung
lehrt, nicht überall fo ist, wenn viele
Familien auf Dornen gebettet sind,
wenn in vielen Familien kein lichter
Sonnenstrahl aufgeht und keine
freundliche Blume sprießt, wenn in
vielen Familien nur Jammer und
Elend und Klage herrscht, so trägt
nicht Gott die Schuld, sondern die
Menschen. Wenn man in vielen Fa
milien von Gott sich ab- und der
Sünde zuwendet, wenn man die Lei
denschaft walten läßt, dann sinkt die
onne des Friedens unter und es
kommt endlich so weit, daß man ein
ander verflucht, einander den Tod und
die Hölle wünscht.
Aus der Hl. Schrift wissen wir,
daß die Hl. Familie zu Nazareth mit
mancherlei Prüfungen heimgesucht
wurde. Sie schmachtete in Armut, und
Armut ist ein großes Leiden. Sie
mußte mancherlei entbehren, und Ent
behrung ist ein großes Leiden. Dazu
kamen noch andere, weit schmerzliche
re Heimsuchungen, welche Gott ihr
schickte, Heimsuchungen von solcher
Bitterkeit, wie sie wohl kaum ein
Mensch erduldet hat. Doch der Hl.
Familie war in den Tagen der Trüb
sal ein großer Trost bereitet. Gott
selber war ihr Tröster durch das Be
wußtsein, daß sie Seinen Willen er
füllten. Großen Trost erhielten die
drei heiligen Personen auch durch die
heldenmütige Geduld, womit sie ihre
Prüfungen ertrugen. Was aber das
Maß ihres Trostes voll machte und
ihre Herzen mit süßer Zuversicht er
füllte, war der lebendige Glaube, daß
Gott die Trübfale einst mit unendli
chem Lohne vergelten werde. So ging
das stille Glück der Hl. Familie auch
in den Tagen der Prüfung nicht un
ter, und der selige Friede ihrer Herzen
dauerte fort in den mannigfaltigen
und schweren Heimsuchungen des Le
bens.
In feiner Familie scheint immer
die Sonne des Glückes, sondern es
ziehen auch Wolken auf. Man findet
Kreuze im Ueberfluß und oftmals flie
ßen Tränen ohne Zahl. Nur der
Glaube und das gute Gewissen kön
nen da trösten, und trösten wirklich
auf eine Weise, daß das Kreuz seine
Last und die Tränen ihre Bitterkeit
verlieren. Um so trauriger ist es,
wenn in der Familie Glauben und
Gewissen nichts mehr gelten. Wehe
ihr in den Tagen der Trübsal! Sie
steht da ohne Trost und weint und
zagt und fühlt sich preisgegeben ei
nem unaussprechlichen Elende.
O, blicken wir in allen Lebensla
gen auf die Hl. Familie! Wir sehen
da ein herrliches Vorbild aller Tn
genden, welche unter allen Verhält
nissen uns Freude und Trost vermit
teln und die Bitterkeiten des LebenS
versüßen. Jesus, Maria und Joseph
seien unser Vorbild im Leben, dann
werden sie auch sein unser Trost im
Tode!
Wie in guter Zeit
Fürsten Maria ehrten
Der fromme Kurfürst Maximilian
I. von Bayern hatte sein Herz ganz
der Liebe Maria geweiht. Er ließ für
das Gnadenbild zu Altötting einen
kostbaren silbernen Tabernakel verfer
tigen und brachte ihn im Jahre 1645
der aUcrfeligsten Jungfrau zum Op
fer. Nach seinem Tode wurde, wie er
es besohlen hatte, sein Herz in ein
silbernes Her eingeschlossen, nach Al
lotting gebracht und dort in der Ka
pelle beigesetzt. Nach der feierlichen
Beisetzung befahl feine Gemahlin An
na Maria, in dein silbernen Taber
nakel des Gnadenlylde* nachzusuchen,
weil die Sage ging, es liege eine
Handschrist des verstorbenen Kurfür
sten Maximilian verborgen. Wirklich
sand man auch unter den Füßen des
Gnadenbildes eine mit dem kurfürst
lichen Siegel zweimal verschlossene
Handschrift, welche eine von dem
frommen Kurfürsten mit eigener
Hand und seinem eigenen Blute ge
schriebene Aufopferung enthielt, die
also lautete:
„Ich schenke und weihe mich dir, o
Jungfrau Maria. Dies bezeuge ich
mit meinem Blute und meiner Hand
schrift. Maximilian, der größte Sün
der."
Untadelhafte Eltern
Es ist löblich, wenn Eltern1 ihre
Kinder zu allem Guten anhalten und
die Fehlenden strafen. Aber alles Be
fehlen nutzt nichts, wenn sie das Gute
nicht selbst üben und das Böse nicht
selbst unterlassen. Das gute Beispiel
gibt der Ermahnung Kraft und macht
Drohung und Strafe wirksam.
Mögen Eltern tausendmal den
Kindern das Morgen-, Abend- und
Tischgebet befehlen, sie werden es wohl
versprechen und doch nicht beten, wenn
sie die Eltern nicht beten sehen. Gehen
aber diese mit gutem Beispiel voran,
o, dann tun sie es! Mögen Elter»
immerhin den Zorn und das FluchM
verbieten, so werden sie es den Kin
dern doch nicht abgewöhnen, wen»
diese wahrnehmen, daß die Eltern
selbst zürnen und fluchen. Ohne das
gute jöeifpiel nutzt alles Ermahnen
und Strafen nichts, es erzeugt höch
stens Lügner und Heuchler.
Das gute Beispiel wirkt mehr als
Ermahnung und Zucht. „Worte be
lehren, Beispiele ziehen," sagt schon
ein altes Sprichwort.
Der Blick aus den
Gekreuzigten
Der hl. Laurentius Justiniani hat
te schon in seinem Jünglingsalter ei
ne besondere Freude am klösterlichen
Leben.
Sein weiser Oheim jedoch, Marius
Quirins, ein frommer und gelehrter
Priester aus der Kongregation des hl.
Georg, der wohl wußte, hat? jung«
Leute oft im Anfang große Neigung
zum Klofterleben zeigen, später aber
desselben überdrüssig werden, riet
ihm, seine Kräfte durch allmähliche
Angewöhnung strenger Bußwerke zu
prüfen.
Der Jüngling gehorchte.
Als er nun eines Tages über die
Ehren, die Reichtümer und die Lust
barkeiten der Welt und andererseits
über das Schwere der Armut, des Fa
stens, der Nachtwachen und der Selbst
verleugnung nachdachte, sprach er zu
sich selbst:
„Meine Seele, hast du wohl Mut
genug, diese Lustbarkeiten zu verach
ten und ununterbrochen aus dem We
ge der Buße und der Abtötung vor
anzuschreiten?"
Dann einige Augenblicke sin
nend warf er seine Augen auf ein
Bild des Gekreuzigten und fuhr fort
in feinem Selbstgespräche:
„Du bist meine Hoffnung, o mein
Gott! In Dir ist aller Trost und ajfe
Kraft!"
Von diesem Augenblicke afi fühkkb
er sich stark und mutig genug, die
Freuden dieser Welt zu verachten unÄ
sich mit unermüdlichem Eifer alle»
Pflichten der Religion zu widmen.

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Rev. F. IV. Färber

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