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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, November 09, 1946, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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Gin alter, guter
tandpfarrer
Man liest Wohl sehr, sehr selten,
daß ein Pfarrer hundert Jahre oder
mehr alt geworden sei. Daß ein Prie
ster volle hundert Jahre funktionieren
der Pfarrer gewesen, scheint unglaub
lich. Und doch starb im Jahre 1586
im kleinen Psarrdorfe Geulle an der
Maas ein Pfarrer, der diese Pfarrei
im Jahre 1486 bezogen hatte und
hundert volle Jahre als Seelsorger
in der nämlichen Gemeinde tätig ge
Wesen war. Derselbe hieß Anton Haa
sech, geboren 1461, in seinem fünf
undzwanzigsten Lebensjahre zum
Priester geweiht und als Pfarrer von
Geulle ernannt, gestorben hundert
undfünfundzwanzig Jahre alt, als
unermüdlicher Landpfarrer. Noch lan
ge Zeit nachher erzählte man sich dort
mit Bewunderung von der geistigen
und leiblichen Rüstigkeit dieses ehe
maligen Herrn Pfarrers selbst in sei
nem Greisenalter. Aber wie es heute
noch geht, so war es schon im sech
zehnten Jahrhundert ja, von jeher,
seitdem es mehr als zwei Menschen
auf Erden gab: Man spricht und
sprach so gern Böses von den Neben
menschen. So ging es auch dem würdi
gen Priestergreise, als er dreiundsieb
zig Jahre alt geworden war. Da man
ihm bei seinem würdigen Lebenswan
del als echter guter Hirte nichts^ vor
werfen konnte, so mußte er „selbstver
ständlich" zu alt sein für sein verant
wortungsvolles geistliches Hirtenamt
in der weltverlorenen Landpfarrei.
So kam denn auf wiederholte „Ge
rüchte" endlich der Generalvikar von
Lüttich denn in dieses Bistum ge
hörte damals genannte Landpfarrei
und ließ im Gespräche auch Worte
von hohem Alter und wohlverdientem
Ruhestande fallen. Der Pfarrer, der
alsbald begriff, was man von ihm
wollte, fragte den Generalvikar: „Wie
alt ist der hochw'ste Bischof?"
Man antwortete etwas verlegen:
„Gut fünfundsiebzig Jahre."
Der Pfarrer frug beherzt weiter:
„Wie alt war Papst Alexander VI.,
als er vor kurzem starb?"
Der schüchtern gewordene General
Vikar antwortete beklommen: „Bei
nahe dreiundsiebzig Jahre."
„Nun gut," sagte hierauf der Pfar
rer lächelnd, „wenn unser Herr Bi
schof mit fünfundsiebzig Jahren noch
ein ganzes Bistum und ein Papst mit
dreiundsiebzig Jahren die ganze Kir
che regieren kann, so bin ich mit den
dreiundsiebzig aus dem Buckel noch
rüstig genug, um meine kleine, gut
bestellte Landpfarrei einige Jahre zu
leiten."
Und der Generalvikar ließ ihn auf
seinem Posten ruhig weiter arbeiten.
Nach einigen Jahren nun kam der
Bischof selbst nach Geulle, um seinen
ältesten Pfarrer zu besuchen, oder bef
ser, um sich zu überzeugen, ob der
selbe nicht etwa kindisch und unfähig
geworden sei, seine Herde richtig zu
leiten.
„Zählen Sie mir mal die sieben
Sakramente auf," sagte er mit amt
lichem Selbstgefühl zum hochbetagten
Dorfpfarrer.
Dieser begann: „Erstens die Tau
fe, zweitens das heilige Sakrament
des Altars, drittens die Buße, usw.,"
brachte aber nur sechs Sakramente, da
er beharrlich die zweite Nummer, die
heilige Firmung, ausließ, obgleich ihn
der Oberhirt zwei- und dreimal das
Gesagte wiederholen ließ.
Endlich sagte ihm der Bischof: „Sie
lassen ja immer die Firmung aus!"
Der Pfarrer jedoch gab zurück:
„Das weiß ich wohl. Aber seit vielen,
vielen Jahren ist noch kein Bischof
nach Geulle gekommen, um hier die
heilige Firmung Alt und Jung zu
spenden. Und da habe ich schier ge
meint, dieses heilige Sakrament sei
nicht mehr notwendig und deshalb
abgeschafft."
Der Bischof verstand nun, mit ver
blüffender Unzweideutigst, daß der
gute alte Landpfarrer nichts weniger
als den Verstand verloren hatte, und
ließ ihn in Ruhe und Segen weiter
seines Amtes walten.
Zum Schlüsse möge noch die deut
same, äußerst beherzigenswerte In
schrift, welche unter dem in Oel ge
malten Porträt des hundertjährigen
Pfarrers im Pfarrhause zu Geulle zu
lesen ist, angeführt werden, damit
auch die Leser lernen, wie sie gut und
steinalt werden können. Die Inschrift
lautet:
„Anton Haasech, erster Pfarrer von
Geulle im Bistum Lüttich, lebte hun
dert Jahre alt Pfarrer, starb 1586 in
seinem hundertfünsundzwanzigsten
Lebensjahre. Von seinem Bischof ge
fragt, wie er denn zu einem so hohen
und dennoch rüstigen Alter gekommen
sei, antwortete er, er habe sich Gott zu
Lieb allen Ernstes und zeitlebens be
sonders vor drei Sünden gehütet:
Vor Unlauterkeit, Trunkenheit und
Zorn."
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V
Das sind in der Tat echt christliche,
wirksame Mittel, um nicht bloß lange
auf Erden, sondern ewig mit Jesus
im Himmel zu leben. Wir wollen's
'mal probieren und nie den Mut ver
lieren. Ende gut, alles gut!
V
k-ft
P. G.t SfrS.
Die Fürsorge des
amerikanischen patri
archen der Kirche für
die verstorbenen
In diesen ernsten November-Tagen
geziemt es auch, sich des Mannes zu
erinnern, welcher der erste amerikani
sche Obere der hiesigen Missionare,
der erste Bischof und Erzbischof in die
sem Lande war, und somit Patriarch
zu werden verdient der durch seine
Weisheit, sein Ansehen, seinen klugen
und beharrlichen Eifer sich nicht nur
um die Befreiung der Kolonien vom
ausländischen Joche, sondern ganz be
sonders um die Befreiung der Kirche
aus der Unterdrückung, unter welcher
sie damals in den meisten Kolonien
schmachtete, und um deren Ausbil
dung, Ehre und Verbreitung verdient
gemacht hat.
Wenn dies im allgemeinen schon
dem katholischen Herzen als wohl
tuende Erinnerung gilt, so erlangt es
für die Armen-Seelen-Freunde ein be
sonderes Interesse, aus seinem Hir
tenbriefe, den er nach der ersten ame
rikanischen Priestersynode gehalten
im November 1791 im folgenden
Mai an die Katholiken Amerikas
richtete, und welches der erste bischöf
liche Hirtenbrief an die Katholiken in
denVer. Staaten war, dasjenige her
auszuheben und hier wiederzugeben,
was er inbezug auf unsere Pflichten
gegenüber den Verstorbenen sagt.
Und leider ist es für manche auch
nach hundertfünfundfünfzig Jahren
heute noch eine notwendige Rüge
und Ermahnung. Der hochw'ste Hr.
Johann Carroll schrieb in seinem
Hirtenbrief u. a.:
„Bei dieser Gelegenheit kann ich
nicht umhin, einen Mißbrauch, oder
vielmehr eine um sich greifende Nach
lässigkeit und Gleichgültigkeit inbezug
auf Euere verstorbenen Eltern oder
Angehörigen zu erwähnen. Hat diese
der Tod aus Euern Augen entfernt,
so scheint Ihr der Lehre unserer hei
ligen Religion zu vergessen, welche
doch das herzlichste Zartgefühl in Euch
wachrufen sollte, ich meine die Lehre,
daß es ,ein heiliger und heilsamer Ge
danke ist, für die Verstorbenen zu Be
ten, auf daß sie von ihren Sünden er
löst werden mögen' (2. Matth. 12,
46). Wie verschieden ist Euer Verhal
ten, wenn solche Fälle vorkommen,
von demjenigen Euerer katholischen
Brüder in der ganzen Welt! Diese
lassen es sich nicht genügen, einige
wenige Tage fruchtlose Tränen zu tier
gießen und Klagen auszustoßen son
dern ihr Glaube begleitet die verstor
benen Freunde bis in die Wohnungen
des andern Lebens und nimmt all ihre
Liebe in Anspruch. Sie sorgen dafür,
daß Gebete und Opfer Gott darge
bracht werden für die Ruhe ihrer See
len. Liebeswerke für die Annen und
jede Art von Werken der Barmher
zigkeit und Andacht werden zu ihrem
Tröste aufgeboten, so lange vernünf
tigerweise noch zu fürchten ist, daß
dieselben ihrer noch bedürfen. In sol
cher Weise gab der hl. Augustin nach
dem Tode seiner Mutter, der hl. Mo
nika, seinen Gefühlen Ausdruck. Eben
so bekannten, nach dem Zeugnisse Ter
tullians, der hl Zyprian und anderer
Väter der ersten Zeiten, die Kinder
ihre Pflichttreue und Ehrfurcht gegen
ihre Eltern, und die überlebenden
christlichen Gatten denen gegenüber,
mit welchen sie durch die Bande und
Pflichten einer tugendhaften' Ehe ver
bunden gewesen.
„Gebt auch Ihr, frage ich, solche
Beweise Euerer Anhänglichkeit an
Euere Freunde, wenn es Gott gefal
len hat, sie von dieser Welt abzube
rufen Wohl geht Ihr mit ihnen bis
zum Grabe, vergießt darüber einige
Tränen, aber das ist das Ende Euerer
Sorge und Kümmernis.
„Wenn etwa ein mitleidiger Prie
ster für dieselben am Throne der
Barmherzigkeit das Blut des Lammes
Gottes darbringt, welches die Sünden
der Welt hinwegnimmt, so geschieht
das gemeiniglich, ohne daß Ihr ihn
darum ansucht oder ihm dafür dankt.
Um der Barmherzigkeit und religiö
sen Pflicht willen, daß die Verstorbe
nen möglichst bald Erbarmung und
den ersehnten Genuß der ewigen Se
ligkeit erlangen mögen, opfert Ihr
weder ein zeitliches Gut noch Euere
Vergnügungen auf. In allem Ernste
rede ich Euch zu, nicht länger diesen
Vorwurf gegen Euere Liebe und Euer
Gemüt aufkommen zu lassen. Beglei
tet Euere verstorbenen Brüder und
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Schwestern mit Eueren Gebeten in
das Land der Ewigkeit und leistet ih
nen jede Art des Beistands, welchen
uns die Grundsätze des Glaubens- und
der Frömmigkeit anzeigen. Laßt das
große Opfer der Versöhnung für alle
darbringen, welche in der Gemein
schaft der katholischen Kirche und
pflichtschuldiger Unterwerfung unter
ihre heilsamen Gebote sterben. Wo es
möglich ist, laßt die Einsegnung der
Leiche abhalten. Und ich empfehle
ernstlich den Seelenhirten aller Ge
meinden, sowie den Gläubigen selbst,
die Gründung frommer Vereine zu
befördern, deren besonderer Zweck sein
soll, den Verstorbenen und vorzüglich
den Armen und Freundlosen die größ
ten Wohltaten der Religion zukom
men zu lassen, nämlich ein anständi
ges Begräbnis, begleitet mit den Ge
beten und heiligen Riten, welche von
der Kirche vorgeschrieben sind."
Soweit Hochw'ste Carroll über un
sere Verpflichtung gegen die Verstor
benen. Nach dieser Stelle empfiehlt er
den Gläubigen noch die Andacht zur
lieben Muttergottes. „Ich will nur
noch diesen meinen ernstlichen Wunsch
hinzufügen," sagt er, „daß Ihr mit
der Ausübung der erhabendsten Tu
genden, nämlich Glaube, Hoffnung
und Liebe, verbunden möget eine in
nige und wohlgeordnete Andacht zur
heiligen Mutter unseres Herrn und
Heilandes Jesus Christus, und daß
Ihr ein großes Vertrauen auf ihre
Fürbitte setzen und sie in allen Euern
Nöten, zumal in Eueren Seelenanlie
gen anrufen möget. Da Wir sie zur
besonderen Patronin Unseres Bis
tums (damals gehörten die ganzen
Ver. Staaten zu demselben) erwählt
haben, so seid Ihr selbstverständlich
unter ihren mächtigen Schutz gestellt,
zugleich wird aber auch Euere Pflicht,
wohl zuzusehen, daß Ihr Euch des
selben allezeit würdig zeigt durch eif
rige Nachahmung ,ihrer Tugenden
und Hingebung an ihre mütterliche
Leitung'."
Viel hat Erzbischof Carroll für die
Kirche getan. Sehr natürlich war es,
daß er auch für die Bildung eines ein
heimischen Klerus besorgt war. Er
hatte harte Kämpfe zu bestehen gegen
nnklerikale Geistliche, doch nie fiel ihm
ein, den freien Gebrauch der Sprache
oder die Nationalität der Gläubigen
anzukämpfen, solange nur nichts dem
reinen katholischen Ritus und den ka
nonischen Vorschriften der Kirche zu
widerlief. Inzwischen sind hundert«
fünfundfünfzig Jahre verflossen, und
noch immer blühen Unterschiede in
Gebräuchen, Charakter und Sprache.
Von ganzem Herzen sollten wir Gott
danken und den großen katholischen
Kirchenfürst ehren, den wir als den
Patriarchen der Kirche in den Ver.
Staaten bezeichnet haben.
Nächtlicher Versehgang
Bist du noch nie öKmds an
einer Kirche vorbeigegangen und hast
am Fenster des Chores das sieche
Flimmern des „Ewigen Lichtleins"
gesehen, wie der Glast an den dunklen
Scheiben hinanklettert und wie er ohn
mächtig wieder zurücksinkt? Ich bin
schon zuweilen um Mitternacht in die
Kirche hineingetreten, um das Heilig
ste Altarssakrament zu holen, weil ein
Kranker so spät und übereilt sterben
sollte, und der Mann, der mich holte,
kniete vor der Kirchtür mit der La
terne. Das stille, schlafende Dorf, und
die noch stillern wachen Sterne, und
das seltsame stumme Heben und Sin
ken des Lichtleins, als tät' es tanzen
einen Totentanz, und das Rauschen
des Nachtwindes im Laub und des
Baches im Gestein, und daß eines
jetzt sterben wollte, das redet einem
gar seltsame Dinge ans Herz, daß es
einem ankommt schier wie ein
Schauer, als werde der Vorhang der
Ewigkeit einen Augenblick in die Ho
he gehoben, und ich schau hinein in
ihre Tiefe und ihre Rechnung und
ihr ewiges Vergelten, und als ginge
das Gericht Gottes vorüber, und auch
ich werde zertreten unter seinen Fü
ßen.
Diese kurze Schilderung ist eine
Musterprobe Alban Stolz'scher
Schreibweise. Jeder Satz gibt ein
neues Bild und eine neue Stim
mung. Erst das stille Kirchlein von
außen mit dem unruhigen Glast des
Ewigen Lichtes an den Scheiben dann
der knieende Mann mit der Laterne
vor der Kirchentür und der Geistliche
am Tabernakel beschäftigt mitten in
der Nacht, hierauf das schlafende Dorf
noch stillere aber wachende Sterne
Funkeln des Versehlichtleins in die
weite, schwarze Nacht hinein in
den Blättern Windesrauschen und am
Fels vorbei das Murmeln des Bäch
leins und zum Schluß der Sterbende,
das Gericht Gottes, die Schauer der
Ewigkeit. Welche Stimmung in den
wenigen Sätzen!
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Allerseelen-Zeit
O bete für die Lieben bei«
In der geheimnisvollen Pein!
bete viel und bete gut,
Erlös mit frommer Werke Sold
Gefangene aus jener Glut,
Die von den Schlacken klärt das Gold!
Doch wenn dn folgst dem heiligen
Brauch,
So stelle dir die Frage auch:
„Ist keine Seele dort, die mir
Verdankt, daß Gott sie büßen ließ?
Und kein Gefangener, den hier
Ich einstens gransam von mir stieß?"
Ja, fchottr dich um in Fern nnd
Nah:
Die Armenskelen-Zeit ist da!
Pflanz' Immortellen um das Kreuz,
Tarunter ein Geliebter ruht
Doch glaube ich, dein Herz gereutes,
Warst du ihm nicht im Leben gut.
Dem Pilger drum im Tränental
Bereite gern ein Liebesmahl!
O sei dem Irrenden ein Licht
Dem kranken Bruder Freund und
Arzt
Vergiß der Armen Seelen nicht,
Für die du selbst ein Reicher wardst.
Der Tag, an dem du lebst als
Christ,
Ein Fest für alle Seelen ist.
Trum, wo du geben kannst, da gib,
Und übe bald Barmherzigkeit!
Wohl ist Gebet den Seelen lieb:
Doch reicht auch dein Gebet so weit?
Wer weiß: jenseits des Grabes
rands
Hilft ihm vielleicht kein Rosenkranz.
Tcm Lebenden ein lieb Gesicht
Und eine hilfsbereite Hand:
Er litte in der Hölle nicht,
Er weilte froh im Vaterland!
Zur rechten Zeit die Rettungstat,
Ein Frenndesblick, ein ernster Rat,
Ein Liebesdienst, ein Trosteswort
Von dir gespendet, chr er schied
Er wäre nicht am Leidensort,
Er sänge schon sein Sionslied!
Ansgar Albing
Selbstbeherrschung
Tausendmal leichter ist es, strah
lend und dankbar im Hochzeitszuge
einherzugehen, als heiter und liebreich
zu bleiben, wenn Sorgen und Leiden
kommen und eines die Fehler des an
dern entdeckt und nicht alles findet,
das es sich geträumt hat. Dann hört
man bald gereizte Stimmen, dann
fallen heftige Worte, die Türen knal
len und wie ein Rauhreif auf Früh
lingsblüten fällt Grobheit und Recht
haberei auf alle Zartheit und Innig
keit. Viele finden dann nie wieder den
Schlüssel zum Herzen, und wenn der
Tod kommt, dann sagen fie vielleicht:
„Ach, könnten wir doch noch einmal
leben, wir würden es anders anfan
gen!" Glaubt man, daß alle die Ehe
Paare, die in Zank und Eigensinn sich
das Leben zur Hölle machen, nicht
tausendmal lieber in Güte und Ein
tracht miteinander leben möchten?
Sie können es aber leider nicht, weil
sie es nicht von Jugend auf gelernt
und geübt haben. Sie sind hilflos
gegenüber ihrer eigenen Wildheit und
Aergerlichkeit.
Es fehlt ihnen die Selbstbeherr
schung. Es gibt ein Jammerleben,
wenn man sich, nicht in der Gewalt
hat. Man kann nicht plötzlich ein an
derer Mensch werden. So lange man
noch jung und das Herz weich ist,
schmiedet man sein Schicksal. Jeder
Sieg, den man über sich selbst ge
winnt, macht alle kommenden Siege
leichter, bis man ganz Herr über die
eigene Heftigkeit geworden ist und die
Fehler anderer heiter und freundlich
erträgt.
In der Jugend muß dieser Kampf
begonnen werden» indem man das
Schmollen, die üble Laune, das Ge
sichterschneiden bei Widerwärtigkei
ten nicht aufkommen läßt. Wenn man
Ehepaare sieht, die sich gegenseitig das
Leben verbittern, denke man: das wa
ren auch Kinder, die haben als solche
das gesäet, was sie jetzt ernten sie
haben die schlimmen Gewohnheiten
aufschießen lassen, bis sie mächtiger
wurden als sie selbst. Darum, wenn
Eltern und Erzieher immer wieder
vor Empfindlichkeit, schlechter Laune
und groben Worten warnen, sollten
junge Leute auf sie hören und sie be
folgen. Denn jedes dieser guten Worte
ist ein Baustein zum Fundament des
Lebensglückes.
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M. F.
Krankenbesuche
Lange Krankenbesuche sind sowohl
für Kranke wie für Genesende angrei
fend, sie können Verschlechterungen
oder Rückfälle herbeiführen. Leider
gibt es zu viele rücksichtsvolle Kranke,
welche sich nicht trauen, den lästigen
Besuch zu verabschieden, und zu viele
rücksichtslose Krankenbesucher, welche
sich's am liebsten int Krankenzimmer
recht bequem machen, den Kranken
stören, ihm allerlei Geschichten, wo
möglich gar über seine eigene Krank
heit, erzählen, ihn dadurch aufregen
und ihm zur Lost werden. Der Kranke
atmet auf, wenn die Türe von drau
ßen geschlossen ist: Gott sei Dank, daß
sie fort sind!
Es gibt für solche Fälle einen gu
ten Rat: Man sollte alle Stühle aus
dem Krankenzimmer entfernen und
dem Besuche, wenn er einen Stuhl
fordert, höflich und freundlich sagen,
es seien nur Stehbesuche erlaubt. Die
ses Mittel würde sicher wirken, denn
langes Stehen gefällt selbst den Ge
schwätzigsten nicht, und sie würden es
kurz machen.
Nutzen der Holzkohle
Die Holzkohle ist ein gute» desin
fizierendes Mittel. Infolge ihrer be
deutenden Schwammartigkeit saugt sie
rasch übelriechende Luftarten auf und
verdichtet sie. Ein Kubikzoll frische
Kohle kann nahezu hundert Kubikzoll
Ammoniak in Gasform aufsaugen.
Wird sie in mehreren flachen Gesäßen
auf dem Boden eines Gemaches aufge
stellt, so reinigt sie die verdorbene
Luft, indem sie die üblen Gerüche an
sich zieht.
Die Holzkohle bildet ein unver
gleichliches Verbandmittel für bösarti
ge Wunden und Geschwüre, indem sie
oft totes Fleisch in unglaublich kurzer
Zeit verzehrt. In Fallen von soge
nanntem wildem Fleisch ist sie un
schätzbar. Sie läßt keinen üblen Ge
ruch aufkommen, greift kein Metall,
fein Gewebe, keine Farbe an sie ist
ein einfaches, sicheres und ganz un
schädliches Desinfizierungsmittel. Auf
Brandwunden gelegt, stillt sie den
Schmerz augenblicklich und beschleu
nigt die Heilung ungemein.
Ein Teelöffel voll Kohlenpulver, in
einem Glas Wasser genommen, mil
dert oft nervöses Kopfweh, das vom
Magen ausgeht. Sie ist eines der be
sten Mittel gegen Blähungsbeschwer
den, wenn der Leib von Gasen auf
getrieben ist. Sie wirkt oft günstig
bei Verstopfungen, Sodbrennen und
Magenkrampf.
Für den Allerseelen
Monat
Wieder kommt der November-Mo
nat, jene Zeit, auf die besonders die
Leidenden im Reinigungsorte sich
freuen. Auch wir freuen uns dersel
ben, da sie uns Anlaß Bietet, für die
lieben Armen Seelen eine herzliche
Bitte an unsere lieben Leser zu rich
ten, eine Bitte, durch Gebet und
gute Werfe die leidenden Seelen aus
dem Orte der Qualen zu befreien und
ihnen die Himmelstüre zu eröffnen.
Groß, überaus groß find die Qua
len, welche die Armen Seelen im Feg
feuer erdulden. Der hl. Zyrillus von
Jerusalem trägt fein Bedenken zu sa
gen: „Lieber sollte ein lebendiger
Mensch bis zum Ende der Welt mit
allen Peilten gemartert werden wol
len, als nur einen Tag int Fegfeuer
Iirgeit!" Und wie lange müssen oft
die Armen Seelen leiden, bis sie die
Schuld, den „letzten Heller", bezahlt
haben und zur Anschauung Gottes ge
langen können? Es versichern uns
Heilige, daß ihnen Seelen erschienen,
die vierzig, ja hundert Jahre in den
Flammen des Fegfeuers leiden muß
ten.
O, wer wollte da nicht gern den Ar
men Seelen zu Hilfe kommen, zumal
da ihm so viele große Mittel zu Ge
bote stehen, Barmherzigkeit an diesen
armen, leidenden Seelen zu üben!
Man denke nur an den großen Wert
des heiligen Meßopfers. Gebet und
Almofen find ebenfalls vorzügliche
Mittel, den Armen Seelen Linderung
in ihren großen Leiden zu bringen.
Namentlich kann das Rosenkranz-Ge
bet nicht genug empfohlen werden.
Dem sei. Alarms erschienen oft wäh
rend des Rosenkranz-Gebets Arme
Seelen mit roten Kreuzlein auf der
Stirn, um sich für das Gebet zu be
danken, die aber alsdann zugleich ba
ten, das man damit fortfahre, da es
nach dem heiligen Meßopfer kein vor
züglicheres Mittel gäbe, sie zu erlösen,
als gerade das Rosenkranz-Gebet.
Und Tag für Tag, so gestanden sie
'/. ,?:"
weiter, würde durch dieses Gebet eine
ganze Anzahl Armer Seelen befreit.
Allerdings braucht man sich über ein
solches Geständnis nicht zu wundern,
wenn man bedenkt, daß die Königin
des heiligen Rosenkranzes als gute,
barmherzige Mutter ihre leidenden
Kinder so gerne aus den Flammen
des Fegfeuers befreit.
Suchen wir also, im Allerseelen
Monat alles aufzubieten, unfern lei
denden Brüdern und Schwestern Hil
fe zu bringen. Die Befreiung der Ar
men Seelen aus dem Fegfeuer ist
zweifelsohne auch ein Anliegen des
Hl. Herzens Jesu und gewiß eines
der vorzüglichsten. „Alles, was man
den Abgestorbenen in frommer Ab
sicht zuwendet," sagt der hl. Ambro
sius, „verwandelt sich zuletzt in unser
eigenes Verdienst und wir erhalten es
nach unserem Tode hundertfach ver
doppelt zurück!" Die Armen Seelen
selbst erweisen sich dankbar. Schau zu,
vielleicht findest du diese Wahrheit in
deinem eigenen Leben oft und oft be
stätigt. Was du durch anhaltendes
Gebet, manchmal nicht erlangen konn
test, das haben dir die Armen Seelen
erfleht, als du dich an sie gewandt
und zu ihrem Tröste die Erfüllung
irgend eines guten Werkes bei Erhö
rung deiner Bitte versprachest.
Verschließen wir darum unsere
Herzeit nicht. Nein, seien wir barm
herzig. Schenken wir Gehör der Mah
nung des schönen Sprüchleins:
„Ach, höret die Klagen,
Ach, sehet die Plagen,
Betrachtet der armen Gefang'nen
Not!
O, helfet erretten
Von Banden und Ketten,
Helft rufen und flehen um Gnade bei
Gott!"
Rat für die Kranken
Im Allerseelen-Monat muß der
Blick eines Katholiken, der noch treu
zu seiner Kirche hält, sich hinwenden
zum Fegfeuer und dessen Bewohner.
„Erbarmet euch unser, wenigstens ihr,
unsere Freunde!" Das ist der Jam
merruf, den die Armen Seelen unauf
hörlich hören lassen. Besser als die
Menschen im Drange harter Arbeit,
als die Menschen int Strudel der Ver
gnügungen, hören die Kranken diesen
Ruf. Mögen sie ihn nicht ungehört
verhallen lassen! Sie können nicht hin
aus auf den Friedhof, die Gräber ih
rer Lieben zu schmücken aber statt
der vergänglichen Blumen können sie
ihnen etwas anders geben, was ihnen
auch mehr ja, was ihnen allein
Nutzen schafft. Sie können für die
Annen Seelen beten, sie können ihre
eigenen Schmerzen geduldig ertragen
und sie aufopfern für jene Beelen, die
für den Himmel nichts mehr verdie
nen fömtcit. Darum möge der kranke
Christ fleißig beten für alle, für liebe
Angehörige, für Wohltäter, für jene,
denen er vielleicht Anlaß zur Sünde
war. Der Kranke sollte für die Prie
ster beten denn, wenn sie im Leben
auch eilte hohe Würde eingenommen
haben, so war doch ihre Verantwor
tung eine größere, und ist ihr Feg
feuer wohl auch schwerer. Man sage
nicht: Ich kann nicht viel beten. Kleine
Stoß gebetchen kann auch der sehr
Kraute doch verrichten auch Weih
wasser kann er für sie nehmen. Er
kann heilige Messen für Anne See
len aufopfern, kann das bittere Lei
den und Sterben Jesu Christi für sie
aufopfern. Und wenn er das nicht
kann, so werfe er einen Blicke des Mit
leids auf fettt Kruzifix, einen Blick
der Ergebung. Und sollte er auch das
nicht tun können, so stelle er sich in
Gedanken unter das Kreuz des Herrn
und sage im Geiste: „Herr, erbarme
Dich meiner und ihrer!" Das wird
ihm Trost in seinem Leiden, Zuver
sicht im Sterben, Hilfe im Fegfeuer
und Freude im Himmel bereiten.
P. G.
Trauerbildchen
«BOSSE
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WANDEltEIt PItINTINIi CO
128 East Tenth St., St. Paul

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