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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 15, 1947, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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(Fortsetzung)
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Der alfe Mann war noch nicht aus
gestiegen, als Erwin aus dem Hause
heraustrat und mit froher Miene ihm
hie Hand als Stütze bot. „Du kommst
mir gerade recht, Großvater," sagte
er heiter „ich stehe im Begriff, dem
Vater ein Geständnis zu machen. Nun
rechne ich auf deine Fürsprache."
„Geständnis? Wie heißt?" scherzte
Abraham Kern mit forschendem Blick.
„Hast du begangen eine Dummheit?
Laß es mich allein wissen, sag's nicht
dem Vater, kannst ihm den Aerger
ersparen, wir beide wollen's schon wie
der gutmachen."
„Eine Dummheit?" lachte Erwin,
aber sein Lachen klang doch etwas ge
zwungen. „Nein, das ist es nicht, im
Gegenteil Christian, du kannst das
Frühstück ins Arbeitszimmer bringen.
Du trinkst auch heute, trotz der Hitze,
kein Bier, Großvater?"
„Nein, Erwin, das ist nichts für
alte Leute. Rotwein und Wasser, wenn
ich bitten darf."
„Eine Flasche Bordeaux, Chri
stiem!" wandte Erwin sich wieder zu
dem schon ziemlich bejahrten Diener,
dessen bartloses Fuchsgesicht einen ge
ringschätzigen Ausdruck angenommen
hatte. „Nun komm, Großvater Papa
ist soeben vom Felde heimgekommen
und ist, wie ich glaube, in guter Lau
ne."
„Wie soll er nicht sein in guter
Laune, wenn er sieht die mächtige
Ernte?" erwiderte der alte Mann
lächelnd.'
Sie waren an dem Tiener vorbei
geschritten. Plötzlich wandte sich Er
win um: Zorn und Entrüstung blitz
ifcti aus seinen Augen, seine Hand
legte sich schwer auf die Schulter Chri
stians.
„Was hast du da gesagt, Chri
stian?" fragte er mit gedämpfter
Stimme, die heiser und drohend
klang.
„Nichts, Herr Sareti!" antwortete
der Diener keck.
„Tu lügst? Ich hörte etwas von
einem alten Juden. Nimm dich in
acht! Dein Maß ist voll wenn's über
läuft, stelle ick dir den Stuhl ohne
Weiteres vor- die Türe."
Er ging nach diesen Worten rasch
dem alten Manne nach, der eben die
Türe des Arbeitszimmers öffnete.
Baron Archimbald saß vor dem
massiven, mit Büchern, Papieren und
Zeitungen bedeckten Schreibtisch. Er
erhob sich beim Eintritt seines Schwie
gervaters und ging ihm entgegen, um
ihn mit einem Handruck zu begrüßen.
Er war von mittlerer Gestalt, ha
ger und sehnig, leicht und einfach ge
kleidet, wie ein Landmann zur Ernte
zeit. Sein Blick war hart und streng,
seine hohe Stirn von Furchen durch
zogen ein etwas struppiger, schon
ergrauender Bart umrahmte das von
der Sonne dunkel gebräunte Antlitz.
„Sie haben sich lange nicht mehr
blicken lassen, Papa," sagte er, nach
dem der alte Mann sich in einen Ses
sel niedergelassen hatte. „Sie zweifeln
doch nicht daran, daß Sie uns stets
willkommen sind?"
„Nein, aber wird man wo gut auf
genommen, muß man nicht gleich wie
der kommen," scherzte Abraham Kern,
die nasse Stirn trocknend. „Ich bin ein
alter Mann, Herr Baron wird man
alt, wird man auch bequem. Daran
liegt's. Hab' mich gefreut über die
mächtige Ernte dieses Jahr!"
„Hm, sie ist noch nicht unter Dach,"
erwiderte der Baron, „man darf den
Tag nicht vor dem Abend loben ein
Hagelschlag kann schon in der nächsten
Stunde kommen und vieles vernich
ten."
„Wollen's nicht hoffen! Sie sind
doch versichert?"
„Natürlich? Immerhin wäre der
Schaden bedeutend genug, abgesehen
von dem Kummer, den man empfitv
det, wenn man die Früchte seiner Ar
beit vernichtet sieht."
Christian brachte jetzt das Früh
stück: weißes Brot, Butter, Käse und
Eier, dazu einen großen Steinkrug
voll Bier und für den alten Herrn
eine Flasche Bordeaux und frisches
Wasser.
Erwin bediente die beiden Herren
er selbst trank nur ein Glas Bier, die
Speisen berührte er nicht.
„Nun?" fragte der Baron mit et
ilem forschen Blick auf seinen Sohn,
dessen mühsam verhaltene Erregung
ihm nicht entgehen konnte. „Wo
fehlt's? Wenn ein junger Mann in
deinem Alter keinen Appetit hat, kann
er nur krank oder verliebt sein."
„Nehmen wir das Letztere an, Pa
pa," erwiderte Erwin und warf dem
Großvater einen bedeutungsvollen
Blick zu.
„Ich dachte es mir schon," sagte
Baron Archimbald etwas mürrisch.
„Nun auch offen heraus mit der
Sprache. Wer ist die Auserwählte?"
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„Frl. Erna Strombeck!"
„Die Tochter unseres Bankiers?"
„Jawohl."
„Hm, eine Bürgerliche!"
„Aber ein liebes, edles Mädchen,
das mich glücklich machen wird."
„Und sehr reich, Herr Schwieger
söhn!" sagte Abraham Kern, an sei
nem Glase nippend. „Bürgerliches
Blut fließt ja auch in Erwins Adern.
Und was gibt man heutzutage auf
ein Wappen, wenn ein Hungertuch
darüber hängt?"
„Wollen Sie mich an frühere Zeit
erinnern?"
„Nein, nein, Herr Baron! Gott soll
mich bewahren vor jedem Wort, das
Sie beleidigen könnte! Muß Ihnen
die reiche bürgerliche Schwiegertochter
nicht lieber sein, als eine hochadlige
Tame, die sich nicht finden und fügen
kann in die hiesigen Verhältnisse und
am liebsten das Haus auf den Kopf
stellen möchte? Hermann Strombeck
ist ein sehr geachteter Mann und er
hat nur dieses eine Kind."
Baron Archimbald legte seine Hand
auf den Arm des alten Mannes, als
ob er ihm Schweigen gebieten wolle
fein Blick war ernst und ruhig, aber
nicht finster und unfreundlich.
„So viele Worte waren nicht nö
tig," sagte erx„Jch wäre der Letzte,
der meinem Sohne die Heirat mit
einer Bürgerlichen verbieten dürfte,
lind obgleich eine reiche Mitgift kei
neswegs zu verachten ist, so würde ich
dennoch ohne Murren darauf verzich
ten, wenn es sich bei biefer Heirat um
das Glück meines einzigen Kindes
handelt."
„Ich werde sehr •glücklich werden,
Papa," warf Erwin strahlenden Blik
kes ein. „Auch du wirst Erna lieb
gewinnen, wenn du sie kennen lernst."
„So seid ihr beide schon miteinan
der einig? Und was sagte Strom
beck dazu?"
„Ich werde ihn besuchen, sobald ich
deine Einwilligung habe!"
„Nun, die hast du, und ich wünsche
dir von ganzem Herzen, daß deine
Hoffnungen sich erfüllen mögen," sag
te Baron Archimbald, dem Sohne die
Hand drückend.
„Gratuliere ebenfalls!" nickte Abra
ham Kern. „Mach's in Ordnung,
Kind!_ Frische Fische, gute Fische!
Kamist meinen Wagen nehmen, ich
bleibe bis abend hier. Bring' deine
Braut mit heraus, gönn' meinen al
ten Augen die Freude an eurem
Glück!"
Erwin hatte sich schon erhoben.
Seine Hand zitterte, als er sie den
Beiden zum Abschied reichte.
„Es soll alles geschehen, wie du es
wünschest, Großvater," sagte er.
„Nochmals tausend Tank, lieber Pa
pa! Du hast mich ganz glücklich ge
macht."
Er stürmte hinaus.
Lächelnd sah ihm sein Voter nach.
„Wenn nur seine Wahl eine gute ist!"
sagte er. „Ich habe längst gewünscht,
daß er heiraten und mir eine tüchtige
Schwiegertochter ins Haus bringen
möge."
„Ja, ja, es wird wieder Leben ins
Haus kommen," erwiderte der alte
Mann.
„Kennen Sie die junge Dame?"
„Nur vom Sehen ich weiß nur,
daß sie hübsch ist!"
„Wen 11 sie nur auch häuslich, ein
fach und ordnungsliebend ist!"
„Lieber Sohn, man darf nicht alles
von der Jugend verlangen. Sind wir
doch auch einmal gewesen jung
»Und was habe ich gehabt von mei
ner Jugend?" warf der Baron ein.
„Sie wissen es besser als jeder ande
re, daß mein Lebensfrühling nur Ar
beit und Entsagung war. Und was ist
mein ganzes Leben gewesen?"
„Nu, nu, man darf nicht undank
bar sein gegen den lieben Gott.
Sie haben nur Freude erlebt an Jh
rem Sohne, und Ihre Arbeit ist ge
segnet gewesen in jedem Jahre
»Und wohin ich sah, begegnete ich
mißtrauischen Blicken!" unterbrach
ih$i_ der Baron mit Bitterkeit. „Sie
wissen, was ich sagen will Sie haben
mich redlich unterstützt in dem Kampfe
gegen Bosheit, Rachsucht und Ver=
leumdung, und ich danke Ihnen noch
heute dafür. Aber wer ist in diesem
Kampfe Sieger geblieben? Ich nicht!"
„Das können Sie nicht behaupten,
die bösen Zungen schweigen
„Und die Verleumdung ist geblie
ben sie wird jetzt wieder ihr
Schlangenhaupt erheben."
„Jetzt?" fragte Abraham Kern be
troffen. „Warum? Infolge der Ver
lobung?"
„Sind Sie so sicher, daß Strombeck
meinem Sohne die Hand seiner Toch
ter geben wird?"
„Wie heißt?" rief der alte Mann
ärgerlich. „Warum soll er sich wei
gern Des albernen Geredes wegen?
Wenn ihn das genierte, würde er nicht
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mtf^neft getrtfen friti in Geschäfts
Verbindung. Ist es doch eine Ehre
„Wir wollen das weiter nicht erör
tern," fiel der Baron ihm wieder in
die Rede „ich habe noch einen andern
Grund, der mir die Befürchtung nahe
legt, daß der Kampf mit den bösen
Zungen wieder neu entbrennen wird."
„Nim
„Mein Bruder ist zurückgekehrt."
„Baron Rüdiger?" fragte der alte
Mann überrascht. „Er hat drüben sein
Geschäft Was will er hier?"
„Das frage ich mich mich."
„Sie hüben ihn noch nicht gesehen?"
„Erwin Begegnete ihm gestern auf
der Straße Gustav von Grüttner
begleitete ihn heute will er mich
besuchen."
„So müssen wir seinen Besuch ab
warten," sagte Abraham Kern. „Mir
will's nur nicht gefallen, daß er schon
gewesen ist bei Ihrem Herrn Schwa
ger."
„Mir auch nicht," Erwiderte der
Baron „er kann dort über mich nur
Schlimmes gehört haben."
Beide erhoben horchend das Haupt
das Rollen eines Wagens ließ sich
draußen vernehmen.
„Wahrscheinlich kommt Ihr Bru
der," sagte der Alte. „Es soll kein
Fremder zugegen sein, wenn Geschwi
ster sich wiedersehen nach langer Tren
nung. Ich gehe in den Garten. Kom
men Sie ohne Scheu ihm entgegen
ich bin auch noch da und kann ein gu
tes Wort für Sie reden."
Kaum war er fort, so meldete Chri
stian den Baron Rüdiger von Weni
ger an.
Archimbald ging seinem Bruder
entgegen. Schweigend blickten die bei
den Männer einige Sekunden lang
einander in die Augen, dann reichte
Rüdiger dem Bruder die Hand.
„Sei mir herzlich willkommen!"
sagte Archimbald bewegt. „Täuscht
mich dein Blick nicht, so wird Friede
zwischen uns herrschen und manches
Mißverständnis, manches falsche Vor
urteil nun geklärt und beseitigt wer
den."
„Das gebe Gott!" erwiderte Rüdi
ger in herzlichem Tone. „In dieser
Absicht kam ich hieher. Schon zu lan
ge verhielten wir uns gleichgültig ge
gen einander ich sehne mich nach ei
nein herzlichen Einverständnis. Es
muß zwischen uns allen wieder wer
den wie es in unserer Kindheit war,
als unsere gute Mutter noch lebte."
„Wenn du das erreichen könntest,
wie dankbar wollte ich dir sein!" seufz
te Archimbald, dem Bruder einen Ses
sel anbietend. „Womit kann ich dir
aufwarten?"
„Ich bitte nur um ein Glas Was
ser."
Archimbald zog an der Glocken
schnür, gab dem Diener einen Befehl
und setzte sich dann dem Bruder ge
genüber.
„Meinen Sohn hast du gestern schon
gesehen," sagte er „er ist vorhin zur
Stadt gefahren wir sind allein
und ungestört."
«Umso besser," nickte Rüdiger. „Re
den wir von der Vergangenheit. Es
sind nun dreißig Jahre her, seitdem
ich dieses Haus verließ, um der Stim
me meines Herzens zu folgen."
«Und in diesen dreißig Jahren wird
keine Stunde verstrichen sein, in der
du mir nicht den Vorwurf gemacht
hättest, daß ich unseren Vater gegen
dich aufgehetzt habe," erwiderte Ar
chimbald. ihn ernst und voll anblic
kend. „Du glaubtest das, und Irma
glaubte später es auch, und dennoch
ist dieser Vorwurf ungerecht. Wenn
ich scheinbar das Lieblingskind unse
res Vaters war, so mochte wohl meine
schüchterne Natur, meine Furcht vor
seinem leidenschaftlichen Tempera
ment, mein sklavischer Gehorsam die
Ursache sein. Ich hätte niemals ge
wagt, für oder gegen dich ein Wort
zu reden ich mußte schweigend die
Dinge ihren Gang gehen lassen. Ich
hatte niemals auch nur den geringsten
Einfluß auf den Vater. Und wenn ich
in seinem Testament als Universal
erbe bezeichnet wurde, so lag das auch
nur in den Verhältnissen begründet.
Mit dir, mit Irma und ihrem Gatten
hatte der Vater gebrochen. Aber sei
versichert, wenn sein Nachlaß nen
nenswert gewesen wäre, so würde ich
dieses Testament nicht anerkannt, son
dern gleiche Teilung mit meinen Ge
schwistern beantragt haben. Ten Vor
Wurf der Erbschleicherei, wenn er auch
nur scheinbar mir gemacht werden
konnte, hätte ich nicht auf Mir ruhen
lassen."
„Ich will dir glauben," sagte Rü
diger. „Ich habe dir nie diesen Vor
wurf gemacht, wenn ich auch ander
seits dich feindlicher Gesinnung gegen
mich beschuldigte."
«Auch darin tatest du mir Unrecht.
Deine Heirat billigte ich damals frei
lich nicht, darin war ich mit dem Va
ter einverstanden aber
„Wir wollen diesen Punkt nicht
weiter erörtern du hast ja später auch
eine Bürgerliche geheiratet
„Ilm unfern Namen vor der Schan
de des Bankerotts zu bewahren," fuhr
Archimbald mit gepreßter Stimme
fort. „Es war keine Neigungsheirat,
und ich kann auch nicht behaupten, daß
ich in meiner Heirat mich glücklich
gefühlt habe. Wando Kern vergaß
über der vornehmen Dame gar zu
sehr die Hausfrau, und gerade in der
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ersten Zeit unserer The, tn der tch1
rastlos ringen und schassen mußte,
tat eine tüchtige Hausfrau mir Not.
Sie ruht im Grabe, und ich bewahre
ihr ein ehrendes Andenken."
„Du sprachst von dem drohenden
Bankerott," sagte Rüdiger und schau
te dem Bruder nach, der langsam auf
und nieder wanderte. „Ist es wahr,
daß der Vater am Spieltisch sein
ganzes Vermögen verloren hatte?"
„Leider war es Wahrheit! Er
wohnte in der Stadt, selten kam er
heraus. Steinhauer verwaltete das
Gut, ich war ihm gewissermaßen als
Gehilfe zugesellt. Nützliche Neuerun
gen in der Landwirtschaft wollte der
Vater nicht anerkennen, und vor al
len Dingen sollte der Verwalter Geld
schaffen. Wo dies blieb, erfuhr ich
nicht ich ahnte auch nicht, daß der
Vater in der Stadt große Summen
auf das Gut eintragen ließ, daß kein
Baum im Walde, kein Grashalm auf
der Wiese uns noch gehörte, wenn die
Gläubiger ihre Forderungen geltend
machten. Kurz vor seinem Todestage
erfuhr ich es. Abraham Kern, den ich
damals noch nicht kannte, schrieb mir,
er mache mich dafür verantwortlich,
daß fortan alle Einkünfte aus dem
Gute zur Deckung der Zinsen verwen
det würden, und die Zinsen, die er
allein beanspruchte, repräsentierten
einen so hohen Betrag, daß ich er
schrack. An seinem Todestage kam der
Vater heraus er wollte wieder
Geld haben. Steinhauer konnte die
ses Verlangen nicht erfüllen. Tes Va
ters Jähzorn loderte hell auf ich er
hielt Schmähungen, die ich nicht ver
dient hatte. Allerdings hatte ich es
gewagt, einige Neuerungen ohne sein
Wissen einzuführen aber sie kosteten
nicht viel, und der günstige Erfolg
war schon damals augenscheinlich.
Tas aber wollte der Vater nicht aner
kennen, und nun hielt ich ihm den
Brief vor die Augen und forderte
Rechenschaft über die Summe, die er
verschwendet hatte."
Baron Archimbald brach ab. Ter
Diener brachte die befohlenen Erfri
fchungen und entfernte sich wieder,
nachdem er einen lauernden Blick auf
die beiden Herren geworfen hatte.
„Schwieg der Vater dazu?" fragte
Rüdiger.
„Nein, ich will dir alles offen be
kennen. Ich habe bisher noch mit nie
maiid. auch nicht mit Irma und ih
rem Manne darüber geredet. Der Va
ter fluchte mir und schlug mich. Nach
dieser Beschimpfung wollte ich nicht
länger im väterlichen Hause bleiben.
Aber wohin? Ich eilte hinaus in den
Wald es mußte in meinem In
nern ruhiger werden, bevor ich diese
Frage beantworten konnte. Ich dachte
einmal daran, dich in Amerika auf
zusuchen deine Adresse hoffte ich von
deinem Schwager Dr. Winterfeld zu
erhalten. Aber mir fehlten die Reise
mittel, und mit leeren Händen durfte
ich drüben auch nicht ankommen. So
blieb mir nichts anderes übrig, als
mich nach einer Verwalterstelle umzu
sehen, für die ich ausreichende Kennt
nisse besaß, und mit diesem Entschluß
kehrte ich am Abend heim. Mein Tie
ner sagte mir, der Vater sei mit der
Büchse in den Wald gegangen und
noch nicht zurückgekommen. Mir war
das lieb. Nichts fürchtete ich mehr als
eine nochmalige Begegnung mit ihm.
Und als er am andern Morgen auch
noch nicht im Hause war. dachte ich
mir, er sei dnrcki den Wald zu Fuß
ii die Stadt zurückgekehrt, um eben
falls einer Begegnung mit mir aus
zuweichen. Gleichwohl wollte ich ab
reisen. Mein Gepäck lag fertig, aber
die Erkrankung eines Pferdes verzö
gerte die Abreise, und während dieses
Aufschubs brachte der Förster mir die
Nachricht, daß er die Leiche des Va
ters im Walde gesunden habe. Nun
sagte ich mir sofort, es sei meine
Pflicht zu bleiben, um den Schiffbruch
zu verhüten oder wenigstens zu ret
ten, was noch gerettet werden könne.
Tasselbe Pflichtgefühl zwang mich
später. Wando Kern zu heiraten die
se Heirat allein konnte den Bankerott
verhüten."
„Und der Voter?" fragte Rüdiger.
..Wvr ein unglücklicher Zufall oder
Selbstmord die Ursache seines jähen
Todes?"
Baron Archimbald stand in der
Mitte des mit Waffen und Jagdtro
phäen reich geschmückten Zimmers
und legte seine Hand auf die Stirn,
als ob er Schmerz empfinde.
„Ich weiß es selbst nicht." antwor*
tete er. „Leider habe ich alle Ursache,
an den Selbstmord zu glauben."
„Wie urteilte der Arzt darüber?"
„Sein Gutachten lautete dahin, daß
die Art der Verwundung nicht aus
Selbstmord deute, aber die Möglich
keit desselben nicht ausgeschlossen sei."
nEin seltsames Gutachten!"
&23ou einem Raubmord konnte
durchaus keine Rede sein, denn Uhr,
Börse und Portefeuille fanden wir in
den Taschen des Toten."
„Könnte nicht der Mord aus Haß
geschehen sein?"
„Auch das war nicht annehmbar
ich kannte niemand, den ich eines sol
chen Verbrechens für fähig gehalten
hätte. Später hat m3n darüber an
ders geurteilt, und Gott weiß, wie
furchtbar ich unter diesem Urteil ge
litten habe."
„Ich kann mir's denken," sagte
Rüdiger leise, der in den Augen sei
neS Bruder? schon gelesen und keinen'
Schuldbeweis darin gefunden hatte.
„So kennst auch du schon den Ver
dacht, den man auf mich wälzen woll
te?" fragte Archimbald, dessen Blick
brennend auf dem Bruder ruhte.
„Grüttner wird dich damit empfan
gen haben er war mir nie freund
lich gesinnt, und nach dem Tode un
seres Vaters brach sein Haß in hel
len Flammen aus."
„Tu tust ihm Unrecht," erwiderte
Rüdiger. „Ich erfuhr das häßliche Ge
nicht drüben in Amerika. Ein Kauf
mann aus dieser Gegend, mir persön
lich unbekannt, besuchte mich ich er
kundigte mich bei ihm nach den hiesi
gen Verhältnissen. Er mag wohl ge
glaubt haben, mir einen großen Ge
fallen dadurch zu erzeigen, daß er auch
jenes Gerücht berichtete. Ihm konnte
ich keinen Vorwurf machen er plap
perte nur das nach, was er von andern
gehört hatte. Ich gebot ihm Schwei
gen, denn an die Wahrheit jenes Ver
dachts konnte und wollte ich nicht
glauben."
«Und doch trieb dich dieser Verdacht
hieher?"
„Um dir, wenn es möglich ist, zu
helfen in dein Kampfe gegen ihn,"
sagte Rüdiger, ihm die Hand bietend.
„Ich danke dir," erwiderte Archim
bald. tief aufatmend, und hielt die
Hand des Bruders fest. „Solche Worte
habe ich feiten vernommen, und daß
du fie mir sagst
„Warum schriebst' du mir nicht
gleich, wie hier die Tinge lagen? Tu
zeigtest mir nur den Tod des Vaters
an, ohne die Ursache zu nennen."
„Weil ich dir nicht Anlaß zu der
Vermutung geben wollte, ich sei er
freut darüber, dir eine unangenehme
Nachricht schicken zu können. Wenn du
mir geantwortet hättest, so würde ich
dir wieder geschrieben haben aus dei
nem Schweigen aber mußte ich ent
nehmen, daß du Groll gegen mich
hegtest."
„Und dieser Groll war natürlich
und begreiflich," sagte Rudiger, das
Weinglas ergreifend, das der Bruder
ihm anbot. „Ich wähnte mich von
allen hier angefeindet und verstoßen
und drübeil mußte ich schwer um mein
Tasein kämpfen. Ich war bitter ge
worden ich glaubte, du und Irma,
ihr wäret hier weich im warmen Nest
gebettet. Lassen wir dos! Ich habe
später auch erfahren, wie schwer die
Hand Gottes auf dem Menschen lasten
kann, als ich an der Bahre meiner
Gattin stand."
„Auch ich habe viel gelitten. Bru
der. Mein Leben war nur Mühe und
Arbeit selten, sehr selten verstrich ei
ne frohe Stunde für mich ungetrübt."
»Es wäre besser gewesen, wenn du
damals nichts verheimlicht hättest
dieses Vertuschen gab den Anlaß zu
dem Verdacht."
„Ich weiß dos wohl, aber die Er
keiitttms ist zu spät gekommen, lieber
dies glaubte ich auch, unser Hausarzt
würde energischer gegen die Verleum
dung auftreten. Er war einer von je
nen neugierigen Schwätzern, die kein
Geheimnis wahren können sprach er
auch nicht geradezu die Unwahrsckein
lichkeit des Selbstmordes aus, so zuck
te er doch mit den Achseln, wenn er
über diesen Punkt befragt wurde, und
dieses Achselzucken konnte dem häßli
chen Verdacht nur als Stütze dienen.
Am Todestage des Vaters kannte ich
die verzweifelte Lage hier. Würde der
Selbstmord bekannt, so mußte ich er
warten, daß sämtliche Gläubiger über
den Nachlaß herfallen würden. Abra
ham Kern war der einzige, der mit
seinem erfahrenen Blick sofort die
Wahrheit durchschaute er riet mir zu
dem Vertuschen, das ich später so bit
ter' bereuen mußte, und von dessen
Folgen er feine Ahnung hotte. Er
war auch der einzige, der in jener
schweren Zeit mir mit Rot und Tat
zur Seite stand ohne seine Hilfe
würde der Bankerott unvermeidlich
gewesen sein. Man hat mir in unseren
Read
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"ONE WORLD II CHARITY"
Kreisen die Heirat mit der getauften
Jüdin sehr verdacht aber es gab kei
neu andern Rettungsanker für mich,
und lieber wollte ich mit jenen Krci»
sen brechen, von denen ich ja doch keine
Hilfe erwarten durfte, als mich einem
schmachvollen Bankerott aussetzen, der
auch das Andenken unseres Vaters ge
schändet hätte."
„Wie aber entstand das Gerücht?
Wer sprach zuerst es aus?".
„Tiefe Frage kann ich nicht mit
Sicherheit beantworten," entgegnete
Archimbald. „Ich prüfte nach dem
Tode unseres Vaters die Vermal
tungsbücher und entdeckte Unterschlei
fe, die an und für sich nicht bedeutend
waren, aber in ihrer Gesamtheit ei
nen namhaften Betrag bildeten. Ich
stellte den Verwalter Steinhauer zur
Rede... Er leugnete, ich überführte
ihn. Nun wurde et grob, und da droh,
te ich mit gerichtlicher Untersuchung.
Mit einem Hohn, der mich empörte,
aber auch erschreckte, antwortete er
mir, ich solle nur tun, was ich nicht
lassen könne er werde dann auch re
den und das Gericht veranlassen, sich
mit dem Tode meines Vaters etwas
näher zu beschäftigen. Er und der
Kammerdiener Gottfried wüßten
mehr, als ich vermute wenn sie beide
reden wollten, so würde es mit der
Herrlichkeit hier zu Ende sein."
„Hättest du sie nur reden lassen!"
warf Rüdiger ein.
„Ja, hätte ich es getan! Und den
noch. wenn diese beiden Schurken mich
anschuldigten, welche Beweise konnte
ich ihrer Anklage entgegen stellen?
Ter Verwalter war zugegen gewesen,
als der Vater mich schlug er konnte
behaupten, er sei mir in den Wold
gefolgt, und was er dann dort ge
sehen haben wollte, mochte ich hun
dertmal Lüge nennen, er fand den
noch Glauben, zu mal wenn der an
dere Schurke die Lüge mit einem
Meineid bestätigte. Ich hatte nicht den
Mut, den Kampf mit der öffentlichen
Meinung aufzunehmen es stürmte
auch gerade damals so vieles aus mich
ein, daß ich nicht sähig war, einen
klaren Gedanken zu fassen. So be
gniigte ich mich denn damit, die Bei
den fortzujagen."
„lind seitdem haben sie dich in Ru
he gelassen?"
„Mit persönlichen Drohungen, ja
aber heimlich verleumden sie mich, und
dagegen kann ich leider nichts machen.
Gottfried Grabenmacher ist Schenk
wirt. und Steinhauer ist Gütermakler
geworden beiden soll es gut gehen."
„Man muß sie doch einmal zur Re
chenschaft ziehen?"
„Und was würde dadurch erreicht?
Nur schlimmes Gerede, dessen böse
Folgen auch meines Sohnes Tasein
vergiften könnten. Man würde fra
gen. weshalb ich so lange geschwiegen
babe, wenn ich wirklich mich schuldlos
uifilte, und selbst wenn das Gericht die
Beiden wegen Verleumdung verur
teilte, der ganze Staub, den der Pro
zeß aufgewirbelt hätte, bliebe doch an
mir haften. Zudem hüten sich auch die
Verleumder vor einer bestimmt aus
gesprochenen Behauptung, die mir ei
ne Berechtigung zur Klage gäbe."
„Ich weiß nicht, ob dieses Schwei
gen klug, ist," sagte Rüdiger kopfschüt
telnd „wir wollen diese Frage später
erörtern. Eine andere Frage muß ich
noch an dich richten. Stand unser Va
ter mit dem Bankier Strombeck in ir
gendwelcher Verbindung?"
„Strombeck war damals noch nicht
Bankier!"
„Direktor eines Bankvereins, ich
weiß es."
„Wie kommst du zu dieser Frage?"
«Ter Vater soll an seinem Todes
tage Strombeck ungeduldig erwartet
haben."
„Tas ist richtig."
„Hat er dir nicht gejagt, was er von
diesem Besuch erwarte?"
(Fortsetzung folgt)
99must"
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