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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, February 22, 1947, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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Jahrgang 74
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„Die Welt in einer sehr ernsten Lage"
Die hoffnungsvolle Stimmung, die
sich zur Zeit der Jahreswende durch
setzte, nachdem die Russen auf den New
Aorker Konferenzen ihre obstinate
Haltung äußerlich gemäßigt hatten,
ist längst wieder einem fast fatalisti
schon Unmut gewichen, der sich der
stärkt, je näher der 10. März und
damit die Eröffnung der Moskau'er
Konferenz er „Großen Vier" heran
rückt.
Man beginnt allmählich zu begrei
sen, wie recht jene hatten, nach deren
Meinung die Wahl Moskaus als Kon
ferenzstadt einen russischen Sieg be
deutete, der mit einigen lockeren Zu
geständnissen Molotows recht billig
erkauft war. Die Erkenntnis drängt
sich immer bedrückender aus, daß die
Russen in ihrer eigenen Hauptstadt,
wo die Regie der Konferenz größten
teils in ihren Händen liegt, die Ge
Winne von Teheran, Jalta und Pots
dam zu konsolidieren gedenken, um
auf £en Trümmern des zerstörten eu
ropärschen Kontinents die entscheiden
de Auseinandersetzung mit der Welt
westlicher Kultur einzuleiten.
Eine andere Deutung läßt die Tak
tik ber Russen kaum zu. Tie Festset
zung und Unterzeichnung der Frie
densdiktate für die fünf Länder an
der Peripherie des europäischen
Trümmerfeldes war eine erfolgreiche
Etappe auf dem Expansionszug der
Politiker des Kremls. Tie Demarka
tionslinie der russischen Herrschaft
zieht sich vom Nordmeer glatt zum
Adriatischen Meer. Tas unterminier
te Griechenland ist die letzte schwache
Bastion des Westens in Siidost-Eu
ropa, während im Hl. Land nach end
lofm Kämpfen die Lage so hoffnungs
los zerfahren ist, daß England die
Verantwortung einer Lösung den
Vereinten Nationen zu übertragen
willens ist vielleicht in der Erwar
hing, daß sich bei dem Widerstreit der
in dem Völkerbund aufeinanderstoßen
den Interessen die Entscheidung jah
relang hinziehen mag.
In Moskau wird es um Westeuro
pa gehen. Dort wird die eigentliche
Entscheidung in tiefc Frage fallen, wer
der wirkliche Sieger in dem schauer
lichen zweiten Weltkrieg gewesen ist.
Rußland ist auf der ganzen Linie in
der Offensive, poltert über die
Ver. Staaten, von denen es. immer
wieder gekränkt und beleidigt zu sein
vorgibt beschwert sich heute über ame
rikanisch-britische Blockbildungsversu
che, um morgen Mißtrauen zwischen
beiden Ländern zu säen mit fast Pos
sierlich anmutenden Sympathien für
England, das von dem amerikanischen
Wirtschaftsegoismus übers Ohr ge
hauen werde sucht sich als Verfechter
deutscher Rechte gegen angelsächsische
Bevormundung anzubiedern, wäh
rend es gleichzeitig Reparationsforde
rmtgen stellt, deren Erfüllung Deutsch
land für immer versklaven würde
spielt mit dem französischen Chauvi
nismus, der einen Fetzen Westdeutsch
lands erhofft, und beunruhigt gleich
zeitig Frankreich durch feine kommu
nistifchen Kolonnen. So verwirrt und
kompliziert es das so sthoit fürchterlich
verworrene europäische Problem
das großenteils durch die russische
Verschleppungspolitik, dann aber auch
durch die verfehlten Okkupationsme
thoden der Westmächte heute einer
Halbswegs ersprießlichen Lösung grö
ßere Schwierigkeiten bereitet, als das
bei klugem und großzügigem Planen
vor einem Jahr der Fall gewesen
wäre.
Zwischen Krieg und frieden
Wäre der neue Weltbund, was er
in seinen San Francisco'er Grün
dungstagen zu sein vorgab und was
er sein sollte, ein wirklicher Friedens
buiib, dann wäre der Neubau einer
zerstörten Welt unter Einsatz der ver
einten Kraft der Völker noch immer
eine gewaltige Aufgabe. Aber wo trotz
aller schonen Redensarten der Krieg
in seiner fundamentalen Bedeutung
als Glied in der großen Weltrevolu
tion noch immer nicht zu Ende ist,
sondern in neuer Gestalt fortgesetzt
wird, gestaltet sich die Lage fast hoff
nungslos. Zu irgend einer Zeit kön
nen. Ereignisse eintreten, die zu Kate*
strophen führen. Dinge, wie der De
monstrationsstreik, der letzte Woche
Wirtschast und Verkehr in Paris voll
ständig lahmlegte, sind Gefahren kün
dende Fanale. Noch ernster ist es, daß
ungewöhnliches Winterwetter in Eng
land pm Krise heraufbeschwor, neiei
sie das Inselreich kaum je erlebte.
Von solchen Erscheinungen zu Welt
erschütternden Ereignissen führte in
der Geschichte mehr als einmal nur
ein Schritt.
Solche unberechenbare Zeitverhält
nisse bieten Erscheinungen von der
Art des Bolschewismus den günstig
sten Boden. Wir wissen nicht, wie weit
Staatssekretär Marshall auf diese
Tinge und Zusammenhänge einging,
als er letzte Woche dem SenatsauS
ichuß für auswärtige Angelegenheiten
in geheimer Sitzung Vortrag hielt.
Die wenigen Worte, mit denen er die
Vertreter der Preise über den Inhalt
seiner Besprechung unterrichtete, las
sen den Schluß zu, daß das der Fall
war. „Ich sagte ihnen (den Senato
ren), daß sich die Welt in einer sehr
kritischen Lage befindet," erklärte er.
Wohl heißt es in Washingtoner Mel
düngen, daß der Staatssekretär vor
allem Gewicht auf die Umwälzung in
der amerikanischen Politik legte, die
eine nachteilige Wirkung auf gegen
seitige Handelsverträge in Ausficht
stellt. Aber der Kern seiner Ausfüh
rungen scheint doch vor allem der un
sicheren internationalen Lage und den
Schwierigkeiten auf der bevorstehen
den Moskauer Konferenz gegolten zu
haben.
Unser Verhältnis zu Rußland
Und der Gründe für die Warnung
des Staatssekretärs sind gar viele.
Der erste dieser Gründe, schreibt der
angesehene Washingtoner Korrespon
dent Arthur Krock, ergibt sich selbst
verständlich aus dem Stand unserer
Beziehungen zu Rußland. Tie sind
nach wie vor unbefriedigend und kön
nen im Hinblick auf die fich daraus
ergebenden Möglichkeiten als „kri
tisch" bezeichnet werden. „Man mag
einwenden, daß im Gegensatz zu den
Regierungen das amerikanische Volk
und das russische Volk einander nicht
mit Mißtrauen gegenüberstehen. Aber
das russische Volk untersteht nun ein
mal engster Regierungskontrolle und
ist augenscheinlich durchaus willig, sich
von der Regierung blindlings leiten
zu lassen, ganz gleich, wohin der Weg
führt."
Augenblicklich, fährt der genannte
Berichterstatter fort, führt die ruffi
fche Regierung das Volk in unaufhör
liche Angriffe auf die Politik und die
Aufrichtigkeit Amerikas hinein, und
die Angriffe werden verschärft durch
die heftige Sprache der Moskau'er
Presse. Dadurch geschah es, daß hier
zulande die Stimmung sich verstärkt,
daß wir an der Atombombe und ihrem
Geheimnis festhalten und trotz des da
mit verbundenen Risikos mit der Her
stellung des Geschosses fortfahren
müssen. Und die Haltung Moskaus
hatte noch eine weitere Wirkung: Die
Ansicht hierzulande versteift sich, daß,
selbst wenn die russische Regierung
den im Baruch-Plan enthaltenen
Grundsatz der Ausschaltung des Ve
tos in einem internationalen System
der Atom-Inspektion und Kontrolle
annehmen sollte, wir uns auf diese
Annahme nicht so weit verlassen könn
ten, daß wir ohne weiteres unsere
Bomben vernichten, deren Herstellung
einstellen und das Geheimnis preis
geben. Wir haben uns nie dazu ver
pflichtet die Bomben zu zerstören, die
wir in dem Augenblick besitzen, wenn
Rußland Baruchs Entweder—Oder
akzeptiert. Doch haben wir uns ver
pflichtet, im Fall der Annahme des
Planes keine weiteren Bomben herzu
stellen und die Staaten, die dem Plan
beitreten, die ersten Stadien unserer
Atomkenntnis anzuvertrauen.
«Dieser bedauerliche Stand unserer
Beziehungen zu Rußland in Sachen
der Atomenergie wird noch kompli
zierter durch die Gewißheit, daß rus
fische Wissenschaftler mit jedem Tag
der Lösung des Geheimnisses näher
kommen, wie das Atom als das fürch
terlichste Vernichtungswerkzeug, das
je erfunden wurde, zu dienen vermag.
Und er wird ferner verschärft durch
Züge und Gegenzüge Amerikas und
der Sowjets in vielen Orten der Er
de, wo Pulverfässer und der fie zur
Entladung bringende Funke nahe bei
einander sind ..."
Das find die Hintergründe der lan
gen und erregten Debatten innerhalb
der Vereinten Nationen, die nun schon
seit acht Monaten im Gang sind und
am Freitag mit einem völligen Fiasko
ihren vorläufigen Abschluß fanden,
Bls Gromyko de» amerikanischen Kon-
Mto M»W«krenM.
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Lin Familienblatt für WahrheU und Recht zur Belehrung und Unterhaltung
Ausgabe des, Wanderer'
HeranSgegeben vom Papstliche» Kollegin« Josephi«»« znm Beste» der Priesterzögling«» Prei» für ei» Jahr i» de» Ber. Staate« $2, t» Kanada »ad alle« andere» Staate« $2.50.
Samstag den %%. Februar 1947
trollplan kategorisch ablehnte. Gro
inyko selber erklärte: „Damit sind acht
Monate zwecklos drausgegangen." Ei
nige Tage zuvor hatte man in der
Abrüstungssrage so etwas wie eine
Einigung erzielt, als man die Schaf
fung einer „Commission for Eonven
tional Armaments" beschloß. Wie der
Name der Kommission besagt, hat sie
mit der Atombombe, die den „konven
tionellen" Rüstungen nicht beigezählt
wird, nichts zu tun. Tie Ver. Staa
ten hatten konsequent aus der Schei
dung der Obrüstungsfrage und der
Atombombe bestanden und setzten ih
ren Willen gegen Rußland und Polen
durch.
Turch die ganzen Debatten zogen
sich Mißtrauen und Furcht, und die
Kluft zwischen Amerika und Rußland
ist heute weiter als je. Rußlands Pro
paganda weiß aber auch diesem Zwie
spalt Vorteil zu ziehen, indem sie
wie das auch Gromyko tat den
Ver. Staaten vorwirft, daß sie durch
ihr Atommonopol politischen Druck
auszuüben suchen vor allem selbst
verständlich auf das arme schwgchA
Rußland.
Tie Moskauer Konferenz
Man kann sich leicht vorstellen, wie
gering unter solchen Verhältnissen die
Aussichten einer gedeihlichen Bera
tung in Moskau und eines baldigen
Friedens sind. Es müßte seist ein
Wunder geschehen, wenn in Moskau
eine einigermaßen-feste Basis für of
fene und ernstliche Verhandlungen ge
funden würden. Man darf es nicht als
Bagatelle ansehen, daß die Russen in
den vielen internationalen Zusam
menkünften Erfahrungen gesammelt
und die Schwächen der Westmächte
und ihrer Diplomaten kennen gelernt
haben. Sie sind heute, dank ihrer Er
folge und daß muß ehrlich zuge
standen werden dank der diploma
tischen Ueberlegenheit (und Skrupel
losigkeit) ihrer Wortführer, die Mei
ster am internationalen Schachbrett.
In Moskau wird die deutsche Fra
ge im Mittelpunkt stehen. In der^
deutschen Frage hat man es, genau
wie in allen seit dem Spätwinter vori
gen Jahres ausgefochtenen diploma
tisch-politischen Kleinkriegen zwischen
der anglo-amerikanischen Koalition
und der Sowjet-Union. mit einein
neuen Vorstoß des expansionslüster
nen russischen Imperialismus und
einem Abwehrkampf der westlichen
Demokratien zu tun. Darüber kann
auch die verstärkte, alle Streitfragen
auf das „ideologische" Geleise ver
schiebende bolschewistische Agitation
wenig ändern, znmal es sich ja hier
bei nur immer um Variationen eines
alten, sattsam bekannten Themas han
delt: Der Kreml glaubt, sein wahres
Ziel der Eingliederung eines bolsche
»visierten Teutschland in die Sowjet
Einflußsphäre am besten dadurch er
reichen zu können, daß er der födera
listischen Deutschland-Politik der West
mächte die Parole der deutschen Ein
heit entgegensetzt. Stalin hofft näm
lieh, ein künftiges, zentralistisch re
giertes Teutschland entweder von
Berlin, wenn nicht direkt von Moskau
aus unter die Knute bekommen zu
können. Und das politische Werkzeug
dieser so geschickt an da» nationale
Gefühl des großen Haufens der deut
schen Wähler appellierenden russischen
„Turchdringungs"-Politik in Deutsch
land ist die „Sozialistische Einheits
Partei", eine „Frontorganisation" der
alten Kommunistenpartei, die sich au
ßerhalb der Sowjet-Zone unter eigner
Firma keine großen Wahlgeschäfte
mehr versprechen kann.
Leider muß zugegeben werden, daß
die Okkupationspolitik der Westmäch
te, insbesondere der Ver. Staaten,
den Russen bisher „loyal" in die
Hände gearbeitet hat. Die demokrati
scheu Militärregierungen in West- und
Süddeutschland haben bisher keines
Wegs eine klare Politik der Ermunte
rung der echt demokratischen, anti
bolschewistischen Kräfte im deutschen
Volk verfolgt, sondern wozu hatte
man das Verbot deutscher Kritik an
Maßnahmen irgendeiner Okkupa
tionsmacht? den Abwehrkampf ge
gen die Bolfchewisierung sogar noch
auf jede Weise erschwert. In diesem
Zusammenhang ist auch die einseitige
«Entnazifizierung" zu nennen, die
starr an der Ansicht festhält, jeder, der
irgendwie und irgendwann „Partei
genösse" wenn auch unter unaus
weichlichem Druck war, müsse aus
dem Gemeinschaftsleben ausgeschaltet
und verfemt werden. Angesehene
schweizerische Blätter unterziehen die
se Politik fortgesetzt schärfster Kritik
Es ist unmöglich, sich dem Eindruck
zu entziehen, daß die politische Er
ziehung unserer Militärregierung mit
de» Generälen McNarney Atnb Glap
T'C"
cr"""^srr"""
an der Spitze bis jetzt nicht einmal
so weit gefördert ist, daß sie auch
nur die einfachsten Tatsachen der eu
ropaijchcn Politik in ihrem wahren
Licht erkennen können. Unserem neuen
Staatssekretär, General Marshall,
und seinen Mitarbeitern im Staats
department bleibt nicht allzuviel Zeit
mehr, unsere Okkupationspolitik von
dem toten Geleise herunterzuheben,
auf das sie die politische Ignoranz und
Naivität unserer Delegation in Pots
dam geschoben hat. Es wird in Mos
kau darum gehen, ob wir bereit sind,
dem Bolschewismus im neuen Jahre
mit Deutschland ganz Europa auszu
liefern, nachdem wir Iran, die Dar
danellen und Griechenland im alten
Iabre vor Iwans Zugriff gerettet
haben.
Oesterreich
Es wird, wie wir in diesen Spal
ten wiederholt ausführten, ein fchwe
res Ringen werden in Moskau. Wie
weil der Westen angesichts der wirt
schaftlichen und politischen Schwierig
feiten in England und Frankreich ei
iie Einheitsfront zu bilden vermag,
und ob in der politischen Führung der
beiden Länder überhaupt eine ziel
bewußte Entschlossenheit besteht, dem
russischen Erpansionsdrang nach We
sten ein Halt zu gebieten, bleibt abzu
warten. Tie Haltung Moskaus und
der Ton seiner Presse lassen erkennen,
daß man int Kreml vornehmlich, wenn
nicht ausschließlich mit der Gegner
schart Amerikas rechnet. Viel hängt
von der politischen Einsicht und di
plomatischen Gewandtheit des neuen
Staatssekretärs ab, ob es gelingt.
England und Frankreich zu einer kla
ren programmatischen Haltung Mos
kau gegenüber zu bewegen. Was Hrn.
Marshall an staatsmännischer Ersah
rung abgeht (seine Tätigkeit in Ehi
iia kann man als solche wohl kaum
bezeichnen), wird er durch soldatische
Festigkeit ersetzen müssen und das
bedeutet den Herren im Kreml gegen
über schon etwas.
Es ist unverkennbar, daß all die
vielen Erfahrungen mit bolschewisti
scher Doppelzüngigkeit und Unzuver
lässigkeit der gefährlichen Nachgiebig
feit gegenüber den endlosen Forde
rungen des Kremls erheblichen Ab
bruch getan haben. Man ist es äugen
scheinlich müde, sich terrorisieren und
an der Nase herumführen zu lassen.
Tas trat in den letzten paar Wochen
immer klarer hervor, insbesondere
hinsichtlich der fortgesetzten russischen
Versuche, aus Oesterreich eine wei
tere Dependence zu machen und da
mit die an der Adria erreichten Ge
winne abzurunden. Es ist von guter
Vorbedeutung, daß letzte Woche auf
den Präliminarverhandlungen in
London die Ansprüche des jugoflawi
schen Vasallen Rußlands auf Teile
Kärntens von den Vertretern Ameri
kas, Englands und Frankreichs glatt
abgelehnt wurden.
Inland
Ter Budgetausschuß des Senats
und des Repräsentantenhauses, der in
geschlossener Sitzung tagte, beschloß
mit fünfzig gegen zweiundzwanzig
Stimmen, für das Geschäftsjahr, das
am 1. Juli beginnt, den von Präsi
dent Truman mit 37,5 Milliarden
Tollar vorgeschlagenen Staatshaus
halt um sechs Milliarden zu kürzen.
'ü.:
Kriegssekretär Pattersaü erklärte
letzte Woche, er sei höchst beunruhigt
durch Meldungen, wonach beabsichtigt
werde, die Bewilligungen für das
Kriegsdepartement im neuen Fiskal
jahr um anderthalb Milliarden Tol
lars zu kürzen. Patterson meinte, daß
durch eine solche Kürzung die Besät
zungsarbeit der Armee, einschließlich
die Generals McNarneys in Teutsch
land und General MacArthnrs in Ja
pan, gefährdet würde. Ter Kriegsse
kretär sagte, es sei berichtet worden,
daß von der erwähnten Summe eine
Milliarde für rein militärische Auf
gaben ausgesetzt worden sei und die
andere halbe Milliarde sür die Auf
gäbe, Hungersnöte in den Besatzungs
gebieten in Teutschland, Japan und
Korea zu verhüten.
General Eisenhower und General
Mae Arthur hätten ihm, wie Patter
son weiter ausführte, bedeutet, daß
weitere Kürzungen in den Armeebe
willigungen zur Katastrophe führen
würden. Tie bereits gefährlich nie
drigen Lebensmittelrationen in den
besetzten Gebieten müßten im Falle
einer Kürzung noch weiter herabgesetzt
werden, und Hungersnöte seien dann
unvermeidlich. Als Folge dieser Nöte
0rtfetiii— «ut Cdtt I)
('HL
&
Usrditml von Pregüng
in Amerika eingetrokken
Am Donnerstag ist Kardinal Kon
rad von Preysing, Bischof von Berlin,
im Flugzeug in New Aork eingetrof
fen. Er kam hierher auf Einladung
der amerikanischen Bischöfe und, wie
er nach einer Meldung der „Ass.
Preß" beim Antritt der Reise erklärte,
«um den amerikanischen Katholiken
für die Hilfe zu danken, die sie den
Katholiken Teutschlands haben ange
deihen lassen".
Auf Einladung des hochw'sten Hrn.
Erzbischofs Murray wird der Kirchen
fürst auch St. Paul besuchen. Wenn
keine unvorhergesehenen Störungen
seines Reiseprogramms eintreten,
wird er am Tonnerstagabend nächster
Woche (27. Februar), im Flugzeug
von San Francisco kommend, hier
eintreffen. Eine Anzahl Bischöfe wird
mit dem hochw'sten Hrn. Erzbischof zu
seinem Empfang bereit fein und ihn
im engeren Kreis begrüßen. Am Frei
tag wird er das College of St. Cath
er ine, das College of St. Thomas und
andere Anstalten besuchen. Zu Mit
tag wird er Gast des Serra-Klubs
sein, dem sich die Knights of Colum
bus anschließen werden.
Am Sonntagnachmittag (2.
März) um drei Uhr wird er von
den Äatholikcn Minnesotas und
der benachbarten Staaten in ei
ner Massenversammlung im St.
Paulcr Auditorium begrüßt wer
den. Ter hochw'ste Hr. Erzbischof
hat eine Einladung zu dieser
Versammlung au die hochw.
Geistlichkeit und die Gläubigen
ergehen lassen. Sämtliche katho
lischen A it stalten der Stadt wer
de» durch Abordnungen vertrete»
sein.
Tie Beranstaltnnq steht nnlet
dem Motto: „One World
in
Charith". Es soll eine Kundge
bung katholischer Solidarität
und eine Kundgebung des Frie
dens in einer vom
lieber die Ankunft des Kardinals
lesen wir in New Uorker Blättern:
Kardinal Graf Konrad von Prey
sing, Bischof von Berlin und mutiger
Verfechter der katholischen Belange
unter dem Hitler-Regime, ist int
Flugzeuge aus Teutschland hier zu
einem einmonatigen Besuche einge
troffen. Er ist der Gast der amerika
nischen Hierarchie, und lernt die Ver.
Staaten zum ersten Male kennen.
Bei der Ankunft des Flaggschiffes
„America" der American Overseas
Airlines auf dent^ LaGuardia Field
waren Kardinal Spellman, der Erz
bischof von New Aork, und andere
katholische Würdenträger zum Emp
fang erschienen. Tie Begrüßung ver
lief sehr herzlich. Ter Kardinal, ein
ehvas schmächtiger vornübergebeugter
Herr mittlerer Größe mit versorgtem
Gesicht, lächelte freundlich, als er vor
fichtig die Stufen aus dem Flugzeug
herunterkam und sich dem Korps von
Pressephotographen und Zeitungsleu
ten stellte.
Graf von Preysing begann 1935
öffentlich in Berlin die Nazi-Lehren
anzugreifen und blieb auch während
des Krieges den Nazi-Führern gegen
über furchtlos, als sie die Heiligkeit
der Menschenrechte und der Religion
angriffen. In feinen Briefen an Hit
ler und auch in feinen Hirtenbriefen
nahm er fein Blatt vor den Mund.
Tiefe Hirtenbriefe fanden eine weite
Verbreitung in der amerikanischen
Presse, und fein berühmter Weih
nachts-Hirtenbrief wurde sogar im
amerikanischen Bundessenat verlesen
und in die Kongreßakten ausgenom
men. Er verwarf darin kategorisch die
Philosophie der Nazis von der Ras
senfuperiorität und der Vergöttlich
ung des Staates, sowie die These, daß
ZUM
Unfrieden
zerwühlten Welt sein.
Ein Laienausschuß ist mit den Vor
bereitungen für die Temonstration
beschäftigt, die mit voller Zuversicht
auf den Erfolg an den christlichen
Sinn unseres Volkes appelliert. Tie
,'jeit für die Vorbereitung ist kurz
bemessen, aber die Vorarbeiten schrei
ten rüstig voran. Am Sonntagabend
werden die Unterausschüsse im Ver
ein mit Vertretern der Gemeinden im
Catholic ?)onth Center in der Smith
Ave. eine Generalversammlung ab
halten, urn alle Einzelheiten des Pro
gram in v dessen kirchlicher Teil
selbstverständlich in den Händen des
hochw'sten Hrn. Erzbischofs liegt
festzulegen.
»'WPMS^^^VVMW'
Kardinal 1946 wird allgemein
als eine Anerkennung des HI. Stuh
le» für seinen mutigen Stand den
Nazis gegenüber angesehen.
Kardinal Konrad von Preysing er
klärte am Freitag auf einer Presse
konferenz im Empire State Club, daß
der Nazismus seiner Ueberzeugung
nach in vielen Teilen Teutschlands
niemals einen richtigen Stützpunkt
gehabt habe. „Ich glaube," so meinte
er, „man überschätzt den Nazi-Ein
fluß, soweit das deutsche Volk in sei
iter Gesamtheit in Frage kommt. Ich
bin der Ueberzeugung. ein großer Teil
der Bevölkerung ist gegen das Nazi
Gift mehr oder minder immun gewe
sen." Er bezeichnete den allgemeinen
Lebens- und Ernährungszustand in
Deutschland als „verzweiflungsvoll".
Eine der wichtigsten Fragen, die an
den Kardinal gerichtet wurde, war die
nach der Stärke der Nazi-Untergrund
Bewegung im heutigen Deutschland.
Manchen Berichterstattern zufolge ist
der Nazi-Einfluß unter der deutschen
Bevölkerung noch immer gewaltig und
sogar wieder im Wachsen begriffen.
Der Kardinal, der sich bei allen sei
nen Erklärungen große Zurückhal
tung auferlegte und immer wieder
betonte, er könne von seinem Posten
im Bistum Berlin nur einen sehr
kleinen Teil Teutschlands übersehen,
erwiderte, er habe absolut den gegen
teiligen Eindruck. Was sich jetzt aus
den Trümmern einer furchtbaren Ver
gangenheit herausschäle und mühsam
genug an die Oberfläche trete, sei ein
in jeder Hinsicht neues Deutschland.
Allerdings müsse sich das deutsche
Volk, das so lange in Unterdrückung
und Knechtschaft gelebt habe und
zwar in einer Unterdrückung beispiel
loser Art —, erst an die neue Frei
heit gewöhnen, und dies sei ein kom
plizierter und langwieriger Prozeß,
zumal da ja die furchtbare tägliche
Not die Bevölkerung meist gegen al
les, was über ihre Tagessorgen hin
ausgeht, apathisch mache.
Heber die Entwicklung des katholi
schen Lebens im gegenwärtigen
Deutschland gefragt, wies der Kar
dinal darauf hin. daß auch hier seilt
Blickfeld verhältnismäßig eingeengt
fei, da es ja in Groß-Berlin nur vier
Prozent Katholiken gibt. Größere ka
tholische Organisationen sind nur in
der amerikanischen, britischen und
französischen Besatzungszone, in der
russischen existiert nur ein auf kleine
Kirchensprengel beschränktes Gemein
deleben. Da der Bischof von Berlin
selbst im russischen Sektor von Groß
Berlin lebt, so ist auch seine eigene
Tätigkeit notwendig begrenzt. Katho
lische Schulen gibt es in größerer
Zahl mir im amerikanischen und bri
tischen Sektor Berlins, tut russischen
Sektor der Reichshauptstadt existiert
eine einzige.
Tie Notwendigkeitider raschen Hil
fe für Groß-Berlin, wie sie in dem
Notruf des Oberbürgermeisters nach
besserer Kohlenversorgung zum Aus
druck gekommen ist. wurde von Kar
dinal Preysing unterstrichen. Kardinal
Spellman, der zusammen mit Hochw.
Tanner von der „National Catholic
Welfare Conference" in Washington
an der Pressekonferenz teilnahm, frag
te den Bischof von Berlin, ob es wahr
fei, daß in dieser Periode der starken
Kälte sich 500.000 Personen in der
Reichshauptstadt ohne Obdach befän
den. Kardinal Preysing antwortete,
rocitn man unter „Obdach" eine Un
terbringung verstehe, die wirklich die
Menschen gegen die Unbilden der
Witterung schütze, so träfe diese Mel
dung zu aber die Berliner Verwal
tung täte alles, um zu verhindern,
daß die Leute auf der Straße liegen.
Wo gebe es heute in Deutschland und
auch im meisten übrigen Europa für
(8ertfe*u«a «f Cettt
i
Nr. 42
Macht vor Recht ergeht.
Von Preysing ist der erste Berliner
Bischof, der ins Kardinalskollegium
aufgenommen wnrde. Er wurde am
80. August l£k) als viertes von elf
Kindern einer alten gräflichen Fami
lie in Kronwinkel, Bayern, geboren,
studierte an den Universitäten Mün
chen und Würzburg die Rechte, prak
tizierte vier Jahre als Anwalt und
betätigte sich im diplomatischen Tien
ste, ehe er seinen Brüdern Albert und
Joseph ins Iesuitenkolleg zu Inns
brück folgte, wo er zum Priester aus
gebildet wurde. Er empfing die Prie
sterweihe 1912, wurde 1932 Bischof
von Eichstätt und drei Jahre später
Bischof von Berlin. Seine Ernennung

•Besuch in St. Paul

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