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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, March 15, 1947, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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Sahrgang 74
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u
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fee'''
StLX
Es ist die wichtigste Zusammenkunft
..von Staatsmännern in der Geschichte.
Und man schaut sich in der Geschichte
vergebens nach einer ähnlichen Zu
sammenkunft um, die in einer Zeit
fo allgemeiner Verwirrung und so
weltweiter Zerrüttung abgehalten
wurde. Es ist darum begreiflich, daß
man dem Verlauf und Ausgang der
Konferenz mit düsterm Pessimismus
entgegensieht. Bezeichnend für diese
Stimmung ist ein Leitartikel in einer
unserer Tageszeitungen, der des Lan
gen und Breiten ausführt, daß ein
gewisses Maß des Erfolges unaus
bleiblich sei: Denn gerade weil man
im Gegensatz zu früheren Konferen
zen von der in Moskau so gar nichts
erhoffe, werde auch Her allergeringste
Fortschritt in der Wiederherstellung
einigermaßen geordneter internatio
naler Beziehungen als Erfolg begrüßt
werden können.
Dieser Leitartikel ist nicht etwa iro
nisch oder sarkastisch gemeint, sondern
redet in vollem Ernst. Mit solch ge
künstelten Argumenten ist aber nichts
anzufangen. Wir haben das Empfin
den, daß die Sucht, unter allen Um
fttinden einen Erfolg sei es füh
render Politiker, oder einer Partei,
oder einer Regierung auszurech
nen, mit dazu beigetragen hat, daß
sich die Weltlage feit Kriegsende fort
schreitend verschlimmert hat. Noch je
de internationale Zusammenkunft der
tttzten zwanzig Monate'^ von San
Francisco bis New Zlork wurde
trotz aller Enttäuschungen zeitweilig
als. Fortschritt auf dem Wege zum
Weltfrieden gefeiert.
w
Und doch erwies sich das Vorwärts
schreite:: immer wieder als Täuschung.
Fortgeschritten ist nur die Verelen
dung der Völker, die Objekt der Be
ratungen der Staatsmänner waren,
fortgeschritten ist die Zerklüftung der
Welt, fortgeschritten ist die Erbitte
rung und Verzweiflung von vielen
Millionen Menschen. Wenn es keine
Völkerbundsgründung und keine Völ
kerbundsdebatten und keine Minister
Beratungen gegeben hätte, könnte die
Weltlage auch nicht schlimmer sein!
Vielleicht wäre sie sogar besser, da
die Völker in ihrer Not sich selber ge
holfen, mit den völkertrennenden Am
bitionen der Regierungen und dem
ganzen friedenshennnenden Plunder
der Machtpolitik aufgeräumt hätten,
um nur wieder halbwegs menschen
würdig leben zu können.
Man würde weniger scharf urtei
lett, wenn auch nur Anzeichen einer
Besserung vorhanden wären. Papst
Pius, dessen Stimme schon so oft
mahnend und warnend und flehend
in diese wilde Zeit gehallt, hat es
diese Woche beim Empfang der
Vertreter der Weltpresse am Vor
abend des Gedenktages seiner Krö
nung von neuem ausgesprochen,
daß der Friede nicht in Sicht sei, und
hat, nach einem Bericht der „Ass.
Preß", „zustimmend genickt zu einer
Bemerkung, daß die Umstände beim
Beginn der Moskau'er Konferenz ge
ringe Aussicht eröffnen auf wirkliche
Errungenschaften in der Herstellung
des Friedens". Auf die Frage, „ob
die Ereignisse des verflossenen Iah
res dazu beigetragen hätten, die in der
Welt herrschenden Gefühle der Un
sicherheit und Sorge über die Aus
sichten eines gerechten und dauernden
Frieden zu zerstreuen", antwortete der
Papst, mit offensichtlicher Zurückhal
tung: Trotz des unermüdlichen Eifers
und der entschlossenen Bemühungen
„gewisser Staatsmänner" und man
chen vorübergehenden Fortschritts in
der einen oder andern Frage stellten
die Ereignisse des verflossenen Jah
res in ihrer Gesamtheit keine bemer
kenswerte Besserung in den Aussich
ten auf einen ^eredjlen und dauern
den Frieden dar. Ja, er Befürchte,
fuhr der Papst fort, daß dieser un
glückselige Stand der Dinge so lange
anhalten wird, als der Friede Euro
jKts und der Welt einzig von Erwä
Übungen abhängig gemacht wird, was
ein jeder Staat für feine eigene Si
cherheit verlangen kann und inwie
weit er unter den bestehenden gefahr­
Li» ^amilienblatt
#eres#gege*e» Wen PKtzstliche» ftslegtitm Jssetzhiss»
Awischen Krieg und friede«
Moskau 7^
vollen Verhältnissen seine strategischen
Positionen zu stärken und seine Nach
barn vor vollendete Tatsachen zu stel
len vermag. Bis jetzt, fchloß der Papst,
haben sich noch keine positiven, kon
struktiveit Ideen für den Aufbau des
Weltfriedens geltend gemacht. Es sei
zu hoffen, daß die Vereinten Natio
nen bald in die Lage kommen, wirk
sam die Garantie für die Sicherheit
aller zu übernehmen.
Das ist das wohlerwogene und
maßvolle Urteil eines Mannes, der
von hoher Warte aus die Weltlage
überschaut nicht allein Oberhaupt
der Kirche, sondern auch der größte
Staatsmann unserer Zeit. In weni
gen Worten hat er einige der Haupt
gründe bloßgelegt, weshalb sich kein
Ausweg aus bcit unseligen Wirren
zeigen wilt. Tie Selbstsucht der Regie
ruitgcit, ihre einseitigen Forderungen
nach alleiniger „Sicherheit" ihrer ei
genen Staaten, ihr rücksichtsloses
Ringen um strategische Positionen,
ihre draufgängerische Gewaltpolitik,
welche die Nachbarn vor vollendete
Tatsachen stellt das ist es, was die
ernsten Friedensbestrebungen „gewis
ser Staatsmänner" immer wieder
lahmlegt und vereitelt und den Weg
zum Frieden verbaut.
Ter Papst wollte keinen Leitfaden
für die Staatsmänner schreiben,
er ist ja bei früheren Anlässen, beson
ders in seinen hochbedeutsamen Allo
futioneit, tiefer auf die Weltprobleme
und die Vorbedingungen eines er
sprießlichen Fliedens eingegangen.
Aber sein Hinweis darauf, daß die
Staaten nicht selbstisch und selbstherr
lich nur immer den eigenen Vorteil
suchen dürfen, sollte als Motto über
dem Konferenztisch in Moskau stehen
und befolgt werden. Dann wäre
von den Beratungen der „Vier Gro
ßen" mehr zu erwarten als nur der
negative Erfolg, den der eingangs
zitierte Zeitungsschreiber in Aussicht
stellt.
Teutschlands Schicksal
Tie Aufgabe der Moskau'er Kon
ferenz besteht programmgemäß darin,
die Friedensverträge für Teutschland
und Oesterreich zu entwerfen. Tie
Vorarbeiten sollten auf der Londoner
Konferenz der Ministervertreter ge
leistet werden. Aber zugestandener
maßen kam man in London nicht vom
Fleck. Es kamen dort einige allgemei
ne Richtlinien für den österreichischen
Vertrag zustande, in der deutschen
Frage konnte man sich nicht einmal
auf die Grundlage einigen. In Mos
kau wird man darum wieder ganz von
vorn beginnen müssen. Und für ein
einheitliches Programm sind nicht die
geringsten Vorbedingungen gegeben
heute weniger als in den Pots
damer Tagen.
Hatte man unmittelbar nach Pots
dam auf den ersten Blick den Eindruck
prinzipieller Einmütigkeit der alliier
ten Auffassungen in allen wichtigeren
Teilfrageni—Entwaffnung, Beschrän
kung der Jndustriekapazität, Repara
tionen usw. so hat sich dieses Bild
in dem Maße verschoben, wie überall
in der Welt die Interessengegensätze
zwischen dem „angelsächsischen" und
dem fowjetrussischen Koloß schärfer
zusammenstießen. Vielleicht bestanden
aber von Anfang an die größten Mei
nungsverschiedenheiten in praktischer
Hinsicht gerade in solchen Punkten, in
denen die vier Hauptsiegermächte sich
theoretisch völlig einig waren. Bei
spielsweise wird darüber, daß den
Deutschen alle Möglichkeiten zum
Wiederaufbau einer Kriegsindustrie
genommen werden sollen, in Moskau
kaum mehr theoretisch diskutiert wer
den. Wie, wo und in welchem Umfang
aber die deutsche Industrie abgebaut
werden soll, ist eine Frage, über die
in Moskau schon deshalb um so aus
giebiger debattiert werden dürfte, weil
damit die im agrarischen Osten bereits
vollzogenen und im Jndustrie-Westen
noch zur Diskussion stehenden Ge
bietsamputationen verknüpft sind.
Darüber, daß Deutschland nicht als
ein zentralistisch gelenktes Gefüge,
sondern nur als ein mehr oder weni
ger lockerer Staatenbund wieder
erstehen darf, schien wenigstens bis
vor kurzem, wenn nicht unter allen
vier Konferenzmächten, so doch unter
den drei westlichen Demokratien, so
etwas wie Einigkeit zu bestehen. Aber
selbst das ist heute schwerlich der Fall,
seitdem Frankreich in der letzten Ja«
nuar-Woche mit einem extrem-födera-
gm
für Wahrhett und Recht zur
Hefte»
btt
Azmgake des Mnnderer^
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.. 1 it i
I
Iistischen Projekt für Deutschland her
vorgetreten ist. Man hat nun den
Eindruck, daß der amerikanische (und
wohl auch der britische) Plan für die
innere Zukunft Teutschlands von dem
Pariser Programm im einzelnen in
einer Weise abweicht, daß schwer zu
erkennen ist, wie auch nur zwischen
den Ländern des westlichen Blocks ei
ne Übereinstimmung über die staats
rechtliche Zukutiftsstruktur des besieg
tet: Landes hergestellt werden kann.
Alle unvoreingenommenen und ein
sichtigen Beobachter sind sich darin ei
nig, daß die Ungewißheit darüber,
was aus Teutschland werden soll,
nicht allein alle Initiative in Teutsch
land selber lähmt und jeden Ansatz
zur Wiedergenesung des Landes er
stickt, sondern auch auf ganz Europa
wie eine Bleidecke liegt.
Tie europäischen Okkupationsmäch
te regieren, in Ermangelung ehrlicher
und klarer einheitlicher Ziele, Teutsch
land nach nationalegoistischen Kolv
nialmethodcn. Das wurde unterstri
chett durch die aus dem Gesamtrahmen
der Probleme herausgehobene Auslö
sung Preußens. In der amerikanischen
Zone dagegen hat man, auch nach ih
rer „wirtschaftlichen Zusammenle
gung" mit der englischen, dett Ein
druck eines ziellosen, dilettantischen
Experimentierens und einer ängstli
chen Unsicherheit, die allem Anschein
nach bald ans dent Mißtrauen gegen
über den Absichten der russischen Kon
kurrenz, bald aus dem Bedürfnis ei
ner unentwegten „Appeasement"--Po
litik gegenüber dem mächtige» Sow
jet-Militarismns hervorgeht. Die in
nerdeutschen Ergebnisse dieser Beset
zungspraxis der vier führenden Welt
mächte der Gegenwart liegen in Ge
stalt des Hoover-Berichts vor, wenig
stens soweit diese Folgen auf materiel
lern Gebiet zu suchen sind.
Samstag den 15. Matz 1947
Dieser Bericht sollte für die „XSro=
ßen Vier" in Moskau von brennen
dem Interesse sein. Indem Hoover ein
Bild systematischer Zerstörung der Er
werbs- und Ernährungsmöglichkeiten
in Deutschland entwirft, in dessen
Restgebiet obendrein viele Millionen!
Vertriebener aus dem Osten und dem
Sudetenland hineingepfercht worden
sind, und indem er auf die Gefahr
einer von dem deutschen Slum aus
gehenden wirtschaftlichen Verseuchung
ganz Europas hinweist, die diese Zu
stände int Gefolge haben können, hält
er in Wahrheit Gericht über die ganze
bisherige Deutschland Politik der Sie
ger (einschließlich der Ver. Staaten!).
Er läßt es aber auch an einem ein
dringlichen direkten Appell an die ver
antwortlichen alliierten Staatsmän
ner und die öffentliche Meinung in
der Siegerwelt nicht fehlen. Anders
ist es wohl nicht zu verstehen, wenn
der frühere Präsident nach seiner Fest
stellung der Haupttatsachen, von denen
jede vertragliche Befriedung Deutsch
lands ausgehen muß, sofern die Al
liierten sich nicht durch Mißachtung
aller menschlichen und wirtschaftlichen
Werte ins eigne Fleisch schneidet! wol
len, vor solchen veralteten und un
realistischen Vorstellungen wie denen
eines „strengen" oder „milden" Frie
dens für Deutschland warnt. Alle
Deutschen, sagt er, sind nun in einer
Weise „bestraft", die in den verflos
senen hundert Jahren der abendlän
dischen Zivilisation, ja, in der ganzen
deutschen Geschichte ohne Parallele
ist.
Es ist vielleicht kein Zufall, daß
die American Federation of Labor an
demselben. Tage, an dem Hoover
sprach, mit einer Publikation hervor
getreten ist, die jenen Bericht in ei
nem nicht minder aktuellen und be
deutsamen Punkte ergänzt: Die A.
F. of L. konstatiert, daß es wahr
scheinlich in der ganzen Menschheits
geschichte nie soviele Sklaven gege
ben hat, wie sie gerade zu der Zeit,
da ein unter der Parole der Freiheit
und Humanität geführter Weltkrieg
völkerrechtlich beendet werden soll, un
ter der Knute absoluter oder pseudo
demokratischer Polizeistaaten zu leben
verurteilt sind. Ist es zu verwundern,
daß in einer Zeit, in der die Sieger
sich fast mit jedem ihrer Schritte in
einen so grotesken Gegensatz zu allen
den hochtrabend idealistischen Parolen
und Versprechungen ihrer Kriegspro
paganda setzen, der Frieden selbst zwi
sehen den Siegerstaaten mehr und
mehr ins Gedränge gerät und die
Deutschland-Politik der vier Mächte
vollends aus dem toten Punkt an
kommt? Es war denn auch vielleicht
mehr als ein schlechter Witz, wenn ge
sagt worden ist, in Moskau werde
versucht werden, zu einem Friedens
vertrag zwischen den „Großen Vier"
zu gelangen!
Für einen solchen Frieden watte?
wenigstens in negMvec Hinsicht, leicht
"V:
Belehrung
die richtige „Formel" zu finden. Sie
müßte heißen: Schluß mit Potsdam,
wenn die vor anderthalb Jahren auf
dem Groß-Berliner Trümmerfelde
proklamierte Forderung der wirt
sckxlftlich-politischen Einheit Deutsch
lands nicht endlich itt die Tat umge
setzt werden kann. Es wäre das die
Politik, die Marshalls Amtsvorgän
ger Byrnes schon im August 1946 in
Stuttgart verkündete, ohne daß er
jedoch es ernstlich unternommen hätte,
seinen Worten praktische Folgen zu
geben. Zu Marshalls Hauptaufgaben
sollte es nun gehören, dem amerika
nischen Widerspruch gegen eine kolo
iiiale Verelendungs- und Unterdrük
kungspolitik int Herzen Europas und
die Wiedereinführung der Sklaverei
in der modernen Welt in der Mos
kau'er Tagung wirksamen Nachdruck
zu geben und so den Ver. Staaten die
moralische und politische Führung im
Völkerleben wiederzugewinnen.
Um was es wirklich geht
Es kennzeichnet aber den ganzen
furchtbaren Ernst der Lage, daß es
in Moskau gar nicht an erster Stelle
um Deutschland und Oesterreich geht,
so ungeheuer wichtig die baldige Re
gelung von deren völkerrechtlichem
Status für ganz Europa und die
Welt ist. Der deutsche und der öster
reichische Vertrag sind nur Episode
fast möchte man sagen: Vorwand
in der Auseinandersetzung zwischen
Osten und Westen.
Der Kreml hat seine Karten vor
trefflich gespielt. Durch seine Ver
schleppungspolitik und die Sabotage
jeder Anbahnung einer vernünftigen
Sanierung der' Weltlage hat er nicht
allein die Verelendung Teutschlands
gefördert, sondern auch in allen euro
päischen Ländern die Wiederherftel
luitg des Wirtschaftslebens hintange
halten und der politischen Zersetzung
Vorschub geleistet. Frankreichs Hai
tung in internationalen Fragen war
feit seiner Befreiung teils vom ererb
ten Chauvinismus, teils von den
Schwierigkeiten feines politischen und
wirtschaftlichen Lebens beherrscht. Es
war darum als Partner in dem Rin
gen mit dem unaufhaltsam nach We
sten vordringenden russischen Koloß
sin unsicherer Kantonist. England
hingegen ging mit Amerika unent
wegt zusammen, und der etwas rauh
beinige Außenminister Bevit: machte
den Russen bei mehr als einer Gele
genheit mit erfrischender Terbheit den
Standpunkt klar. Aber die Schwierig
feiten Englands wuchsen mit jedem
Tag, den die Russen für die völlige
Aufwühlung der Welt gewannen, und
heute ist das ehedem so stolze Albion
so weit, daß es sich mehr und mehr
auf den starken Arm Uncle Sams
stützen muß. Tas wurde letzte Woche
an dieser Stelle im einzelnen ausge
führt. Tie Lage ist nun derart, daß die
Ver. Staaten, von zwei schwachen und
zum Teil zweifelhaften Bundesgenoi
fen flankiert, dem nach der Wcltfüh
rung gierenden Rußland gegenüber
steht einem Rußland, das nicht
allein die machtpolitische Führung an
strebt, sondern auch die Welt in den
Bann der kommunistischen Ideologie
und Wirtschaftstyrannei zu zwingen
gedenkt.
Tarum geht es jetzt in Moskau,
während in ganz Europa und.it: dem
größten Teil Asiens die Revolution
schwelt.
Die russische Offensive
Kein Wunder, daß Molofdtariind
seine Mitarbeiter so zufrieden waren,
als sie in New Uork die Wahl Mos
kaus als Konferenzort durchgefetzt
hatten! Moskau ist der rechte Hin
tergrund für die jetzt anhebende Aus
einandersetzung zwischen Westen und
Osten.
Taß diese Auseinandersetzung im
Gange ist, wird von der ernsten Presse
ganz unverblümt ausgesprochen und
läßt sich auch gar nicht vertuschen an
gesichts der neuesten Entwicklungen.
Präsident Truman bekundete in den
letzten Tagen eine sich versteifende
Entschlossenheit, die Rolle Amerikas
in der Regelung der Weltlage zu er
weitern. Er sagte nach der Rückkehr
aus Mexiko wo er dtjß amerikani
sche Solidarität zu stärken sich be
mühte die geplante Erholungs
fahrt in das Karibische Meer ab, eil
te nach Washington zurück und berief
zum zweiten Mal in kurzer Zeit
die Kongreßführer zu einer Besprech
ung der internationalen Lage ins
Weiße Haus. Zur Zeit, da wir diese
Zeilen schreiben, liegen Mitteilungen
über diese Konferenz noch nicht vor.
Nach Washingtoner Meldungen hatte
der Präsident die Absicht, bor allem
die Sicherung der finanziellen Hilfe
für Griechenland zu betreiben und
und
PriefterzSslisge. Prei» fit eis Jichr is de» Ber. Statte» $2, is fttxtb« ssd tfles aeberes Staates $2.50.
Unterhaltung
den Kongreß aufzuklären über die
Notwendigkeit einer zielbewußten Po
litik int Mittelnteer, um gegen ein
weiteres Vordringen Rußlands eilten
Tamm zu errichten. Allzu viel ist dort
nicht zu retten, nachdem Rußland fast
den ganzen Balken unter feine Bot
mäßigkeit gebracht hat und auch die
Politik Ungarns in weitgehendem
Maße bestimmt. Vor einigen Tagen
hat sich das Staatsdepartement veran
laßt gesehen, eine scharfe Note nach
Moskau zu richten und Protest zu er
heben gegen die Eingriffe der rufst
schen Armee in die inneren Angelegen
heiten Ungarns. Solche Proteste las
sen den Kreml kalt er hat ja deren
schon eine ganze Sammlung. Ter rus
sische Vorsitzende der Alliierten Kon
trollkommission für Ungarn bestritt
die Behauptung der amerikanischen
Not?, daß Rußland die von einer star
ken Mehrheit des ungarischen Volkes
gewählte Regierung zu stürzen tu che,
und lehnte den Vorschlag, die Lage in
Ungarn durch eine Kommission unter
suchen zu lassen, kurzerhand ab.
Es ist wohl kanm von ungefähr,
daß gerade in diesen kritischen Tagen
die Hetze gegen Franco-Spanien wie
der mit voller Wucht anhebt. Tie Ver
treter der West-Demokratien, die sich
durch „Appeasement"-Erwägungen
für den Völkerbuttdsbeschluß gegen
Spanien breitschlagen ließen, dürften
heute wenn fie nicht verkappte Par
teigänger des Bolschewismus sini
doch einige Gedanken machen über
jenen Beschluß. Ein bolschewisiertes
Spanien, mit Moskau'er Agenten als
Drahtzieher in der Regierung, bildete
eine geradezu ideale Ergänzung der
starken Position, die Rußland im Mit
lelmeer bezogen hat!
Tie Atombombe
Seine zielbewußte Politik der
„Durchdringung" Europas begleitete
Rußland mit einem Vorstoß im Si
cherheitsrat der Vereinten Nation in
Lake Succeß.
Zu einem Zeitpunkt, an dem die
Beratungen des Sicherheitsrates der
Vereinten Nationen über eine inter
nationale Atomfontrolle endlich Fort
schritte zu verheißen schienen, hat An
drei A. Gromyko, der Vertreter der
Sowjets, erneut einen „Schrauben
schlüssel in die Maschinerie" geworfen
und damit alle Aussichten auf baldige
Einigung zunichte gemacht. Ta die of
fenkundig von der Sowjet-Regiernng
ausdrücklich gutgeheißene Rede, die
Gromyko am Mittwoch vom Stapel
ließ, am Vorabend der Ministerkon
fereitz in Moskau gehalten wurde, ist
ihr besondere Bedeutung beizumessen.
Sie beseitigt jeden Zweifel daran, wie
unfair die russische Einstellung mit
Bezug auf die Atombombe den Ver.
Staaten gegenüber gewesen ist und
noch ist.
Mit Händen und Füßen wehren sich
die Russen gegen die Annahme der
Bestimmungen für internationale
Kontrolle der Atombombe, die in dem
amerikanischen, sogenannten Baruch
Plan enthalten sind. Nur die Furcht
vor dieser Geheimwaffe, die ihnen
bisher unzugänglich geblieben ist,
vermochte die volle Auswirkung der
russischen Raubpolitik einigermaßen
in Schränken zu halten, und es ist
bezeichnend, daß Gromyko in seiner
von Bitterkeit erfüllten Rede betonte,
daß die russischen Grenzen niemals
der uneingeschränkten Inspektion ge
öffnet noch es den Sowjet-Fabriken
jemals gestattet werden wird, unter
der Kontrolle der Vereinten Nationen
zu arbeiten.
Tas ist aber gerade der Kernpunkt
des amerikanischen Planes, dem alle
Mitglieder der Atom-Energie-Koin
mission, mit Ausnahme Rußlands
und Polens, zugestimmt haben. „Un
begrenzte Kontrolle würde unbegrenz
te Einmischung in das wirtschaftliche
Leben der Länder, auf deren Gebie
ten diese Kontrolle ausgeführt würde,
und Einmischung in ihre internen
Angelegenheiten bedeuten," rief Gro
myko aus. Er klagte die Ver. Staa
ten des Versuches an, durch ihren
Plan unbegrenzter Kontrolle für sich
selbst ein Weltmonopol auf dem Fel
de der Atomenergie zu sichern, und
forderte, daß die Erzeugung der
Atombombe als ein erster Schritt zu
irgendeinem Koutrollfystem eingestellt
werde. Er verstieg sich zu der Behaup
tung, daß das Versäumnis der Ver.
Staaten, mit *der Herstellung der
Bomben aufzuhören, nur durch den
Wunsch eines Landes, seinen Willen
anderen Ländern aufzuzwingen, er
klärt werden könne. Vor allen Dingen
aber beharrte er darauf, daß das Veto
recht auch auf Strafmaßnahmen, die
über Verletzer der Atomkontrolle ver
hängt würden, Anwendung finden
müsse und keine Einigung über das
Nr. 45
Ausmaß des Vetos erfolgen könne,
solange die Ver. Staaten auf dessen
Anwendung auch auf die Straf maß
nahmen bestehen.
Tie Rede Gromykos würde naiv
anmuten, wenn sie nicht einen so be
denklichen und ständig den Weltfrie
den gefährdenden Hintergrund hätte.
Aber die Tatfache, daß die Russen uns
für fo töricht halten, daß wir uns mit
ihrem Jdeengange einverstanden er
klären könnten, wirft ein eigentümli
ches Licht entweder auf ihre Intelli
genz oder auf die un fr
ige. Tic Sow
jets können kaum viel von unserem
Staatsdepartement oder von unseren
Beratern in der Körperschaft der Ver
einten Nationen halten, wenn sie uns
Zumutungen von der Art stellen, wie
sie in Gromykos Rede enthalten sind.
In Moskau
In solcher Atmosphäre trat die
Ministerkonferenz zusammen! Man
hat das Gefühl, daß sie sich gerade
fo gut gleich wieder vertagen konnte.
In London und Washington hatte
man sich Wunderdinge versprochen
von dem Angebot eines Viermächte
pakts, der Erweiterung des britisch
französischen Vertrags von Tunker
que. Aber in Moskau hat man von
vornherein den amerikanischen Bünd
nisvorschlag abgelehnt, und wir glau-,
beit nicht, daß sich seitdem die russi
schen Ansichten geändert haben. Daß
Rußland heute einet: deutschen An
griff befürchtet, ist unseres Erachtens
ein Märchen. Wenn es sich gegen spä
tere „Eventualitäten" vorsehen will,
wird es seine eigene Bündnispolitik
machen. Einem Pakt feiner ehemaligen
Kriegsverbündeten wird es sich nur
anschließen, wenn ihm der nicht al
lein den bisherigen Länderraub si
chert sondern ihm auch noch weitere
Gewinne verheißt. Es liegen auch
nicht die geringsten Anzeichen vor, daß
es sich um Zusagen des „Schutzes"
bemühen wird.
Sein Austreten auf dem Moskau'er
Kongreß läßt es durchaus nicht als
schutzsuchend erscheinen. Bereits ist es
zu scharfen Auseinandersetzungen ge
kommen, tif" denen Molotow deti Bri
ten neben andern Anklagen auch die
an den Kopf warf, daß sie in ihrer
Zone die Deutschen nicht entmilitari
sierten und entwaffneten, sondern or
ganisierte deiitfche Formationen un
terhielten. Bevin antwortete mit der
gleichen Schärfe und stellte die Frage
nach der Zahl der deutschen Kriegs
gefangenen in Rußland worauf er
aber keine Antwort erhielt.
Eine Schlappe mußten die Russen
einstecken. Sie hatten mit ihrer übli
chen Verschleppungstaktik die Be
sprechung der chinesischen Frage bean
tragt. Das aber lehnten die öeei an
dern Minister rundweg ab. ?•.
Stthtttd
Der Senat beschloß mit achtund
fünfzig gegen neunundzwanzig Stim
men, die OPA und andere Kontroll
ämter, die im Krieg geschaffen wur
den, am 30. Juni aufzulösen. Eine
ähnliche Vorlage wurde auch im Ab
geordnetenhaus angenommen.
Präsident Truman teilte dem Kon
greß mit, daß das Wehrpslichtgesetz
am 31. März crlöichcn kann, daß man
jedoch eine Erneuerung dieser Maß
nahme Plane, wenn durch freiwillige
Rekrutierung der Personalbestand
von Armee und Flotte nicht auf 1,
641,000 gehalten werden kann.
Gleichzeitig wurde von der Armee
bekanntgegeben, daß fie die hundert
tausend Soldaten, die gegenwärtig
noch ihre Wehrpflicht ableisten, bis
zum 15. Mai im Inland und bis zum
30. Juni in lieber see entlassen wird.
Die Flotte hat jetzt schon keine Wehr
pflichtigen mehr in ihren Reihen.
Schon seit Oktober vorigen Jahres
sind feine Soldaten mehr eingezogen
worden.
Un: ein Defizit von ungefähr
$287,000,000 ausgleichen zu können,
beantragte das Postdepartement im
Kongreß eine Erhöhung der Raten,
die sich indessen nicht auf Briefe erster
Klaffe beziehen soll. Tie Ein-Cent
Postkarten sollen auf zwei Cents er
höht werden, was allein einen Ertrag
von $20,000,000 ausmachet: würde.
Andere Erhöhungen sollen sich auf
Zeitschriften, Zeitungen, Geldanwei
sungen, Spezialbeförderung, COD
Post, Pakete, Samen, Knollen und
eine ganze Anzahl anderer Sachen
beziehen. Die gewöhnlichen Briefe, die
drei Cents kosten, und die Luftpost
auf SWßM
i,
I

Am Montag begann itt wWfctf bie
Konferenz der Außenminister der vier
führenden Siegerstaaten: George Cat
lett Marshall von den Ver. Staaten,
Wyachslaw Mikhailowich Molotow
von Rußland, Ernest Bevin von Eng
land, Georges Bidault von Frank
reich.

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