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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 26, 1947, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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(Fortsetzung)
„&o müssen wir denn abwarten,
was die nächsten Tage bringen," sag
te er mit gepreßter Stimme. „Ich
hoffe und erwarte, daß du bis dahin
mein gehorsames Kind bleibst und
dich nicht zu einem Schritt verleiten
läßt, den wir tiefte mit bitterer Reue
beklagen müßten."
..Wer sollte mich dazu verleiten?"
„Dein Verlobter er scheint ein lev
den schaftliches Temperament zu be
sitzen es liegt in seiner Familie.
Sein Großvater war auch ein leiben*
fchaftlicher, jähzorniger Mann."
„Sei unbesorgt. Erwin wird mir
nichts zumuten, was ich später bereuen
Müßte auch ihm ist der Friede dieses
Hauses heilig."
Der Bankier verließ mit banger
Sorge das Zimmer. T-as Resultat die
fer Unterredung befriedigte ihn nicht.
13. Erlösung
Strombeck war in sein Arbeits
kabinett zurückgekehrt. Heute mittag
fand er keine Ruhe auf die kurze
Siesta, die er sonst zu halten pflegte,
mußte er verzichten. Er zündete eine
Zigarre an und hing seinen qualvol
len Gedanken nach. Schon beschlich
ihn die Versuchung, einen Selbstmord
zu begehen, wie ein Nachtgespenst.
Der Klang der Hausglocke weckte
chn aus seinem finsteren Sinnen. Er
fuhr mit der Hand über seine Augen
und sah auf die Uhr. Tie Stunde war
gekommen, in welcher das Geschäfts
personal sich einfinden mußte.
Der Hausdiener trat ein und fragte,
ob Hr. Strombeck den Besuch einer
Frau annehmen wolle, die in einer
Privatsache mit ihm zu reden wün
sche.
Der Bankier schüttelte im ersten
Augenblicke verneinend das Haupt
aber er besann sich doch anders, und
gleich darauf stand Frau Wilfert ihm
gegenüber.
„Sie kennen mich wohl nicht," sag
te sie mit schüchterner Stimme, „aber
vielleicht haben Sie meinen Mann
gekannt. Er hieß Jakob Wilfert und
toat zu Lebzeiten des Herrn Barons
Theobald von Weniger dessen Wald
Hüter."
,4 Das Gesicht Strombecks war noch
Mller geworden. Starr und voll ban
W Erwartung ruhte sein Blick auf
der alten Frau, die einen Brief aus
der Tafche zog.
„Wie kommen Sie zu der Vermu
tung, daß ich diesen Mann gekannt
Wbe?" fragte er.
„Wenn Sie sich erinnern, was an
dem Tage geschah, an welchem der
Herr Baron so plötzlich starb, und
wenn Sie die Möglichkeit bedenken,
daß mein Mann im Walde war und
die Tat gesehen haben kann, so
..Wo ist Ihr Mann?" unterbrach
sie der Bankier erregt. „Warum
kommt er nicht selbst?"
„Er ist tot, verunglückt," antwor
tete sie „vor einigen Tagen haben wir
ihn begraben?"
„Und vor feinem Tode hat er ein
Geständnis gemacht?"
"Nein, Hr. Strombeck. Sie erlau
ben wohl, daß ich mich fetze? Ich bin
eine alte Frau
„Gewiß, gewiß." erwiderte er mit
wachsender Erregung „kommen Sie
ohne Umschweife zur Sache! Was wol
Ien Sie von mir?"
»Wir sind immer arm gewesen,"
fuhr sie in klagendem Tone fort
38
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Roma» vo» Herma»«vo«der Mosel
pages, single copies*
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„ich habe oft meinem Manne gesagt,
er solle zu Ihnen gehen, Sie würden
uns helfen. Aber er wollte das nicht,
er hatte keinen Mut und er verbot es
auch mir. Nun aber habe ich in dem
Nachlaß meines verstorbenen Mannes
ein Schriftstück gefunden, in dem er
jenen Vorgang ganz ausführlich be
schreibt. Ich glaube, Sie werden wün
schen, daß außer Ihnen und mir nie
mand diese Zeilen liest. Selbst meine
Tochter kennt den Inhalt nicht."
Mit zitternder Hand griff Strom
bock nach dem Papier, das die alte
Frau ihm überreichte er entfaltete
es hastig, klemmte den Kneifer auf
die Nafe und trat ans Fenster.
Frau Wilfert beobachtete ihn mit
Spannung. Sie sah, wie allmählich
seine Stirn sich glättete und die Far
be auf seine Wangen zurückkehrte. Als
er zu lesen aufgehört hatte, atmete er
tief, und der herbe Zug um die Mund
Winkel war verschwunden.
„Wollen Sie mir diesen Brief ver
kaufen fragte er mit vibrierender
Stimme,
„Es kommt darauf an, was Sie
mir dafür bieten."
„Und wenn mein Gebot Ihnen
nicht genügt, was werden Sie dann
tun
„Ich weiß es nicht, Hr. Strombeck,
darüber habe ich noch nicht nachge
dacht ich meine, da der Brief großen
Wert für Sie hat, so werden Sie auch
gerne etwas dafür zahlen."
-4,
7
Der Bankier nickte, dann wanderte
er einige Minuten lang schweigend
auf und nieder.
«Ihr Mann hätte 'damals sofort zu
mir kommen sollen," sagte er end
lich. „Was hinderte ihn daran?"
„Die Furcht, selbst in die Sache
verwickelt zu werden," antwortete die
alte Frau. „Er war der einzige Zeu
ge, und wer hätte seinen Worten
Glauben geschenkt, wenn Sie, der rei
che, angesehene Herr, die Wahrheit
derselben bestritten So würde auf
meinen Mann der Verdacht gefallen
sein, daß er Geld habe erpressen wol
len. Wir erbten auch gerade damals
von einem Verwandten eine kleine
Summe, so daß wir heiraten konnten,
upd später verdienten wir so viel, daß
wir keinen Mangel litten. Erst als wir
in Not waren, sprach mein Mann
wieder von dem Geheimnis aber er
meinte, es sei nun zu spät, mit der
Sprache herauszurücken Sie wür
den ihn vor die Türe werfen."
„Und er hat darüber wirklich nur
mit Ihnen geredet?" fragte Strom
beck.
„Nur mit mir er war fein Schwät
zer, er konnte ein Geheimnis bewah
ren."
„Und Sie?"
„Von mir hat niemand eine Silbe
erfahren, nicht einmal meine Toch
ter, Hr. Strombeck darauf kann ich
mit gutem Gewissen einen Eid schwö
ren."
„Was ist Ihre Tochter?"
„Lehrerin, sie fucht augenblicklich
eine Stelle als Gouvernante."
„Vielleicht kann ich ihr dazu behilf
lich sein. Und was tun Sie?"
„5ch nähe grobe Leinwand es
bringt nicht viel ein, und für eine al
te Frau, deren Augen und Hände
schwach werden, ist es eine saure Ar
beit."
„Nun wohl, ich will einen Vertrag
mit Jtoett schließen, der Ihnen ein
besseres Dasein sichert," sagte der
Bankier nach einer Pause „aber Sie
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müssen mir geloben, baß Sie stets
uoer den Inhalt dieses Schriftstücks
das strengste Schweigen beobachten
wollen."
„Das will ich Ihnen gerne verspre
chen."
Hermann Strombeck holte aus fei
nem Schreibtisch eine flehte Schatulle
und öffnete sie feine Hände gitterten
noch immer, als er eine Rolle heraus
nahm, die er der alten Frau über
i eichte.
„Hier sind fünfhundert Taler in
Gold," sagte er „Sie werden bis zu
Ihrem Tode jedes Jahr dieselbe Sum
me in vierteljährigen Raten empfan
gen wenden Sie sich nur am Ersten
eines jeden Quartals an meine Kas
se."
Frau Wilfert hielt im Uebermaß
der jäh auflodernden Freude die Hand
fest, welche ihr das Geld überreichte,
und küßte sie. Tränen rannen ihr aus
den Augen sie sand keine Worte,
um ihren Dank auszusprechen.
„Wenn ich Ihrer Tochter behilflich
sein kann, so soll es gerne geschehen,"
nahm der Bankier wieder das Wort
„kommen Sie nur zu mir, wenn Sie
guten Rat oder eine Empfehlung wün
schen. Und noch Eins! Kennen die
Herren von Weniger Sie selbst?"
„Hr. Baron Archimbald wird mich
kennen, ich war vor meiner Heirat apf
dem Gute in Dienst."
„Es wäre möglich, daß er die Echt
heit dieses Schriftstücks bezweifeln
würde Sie müßten in diesem Falle
dafür eintreten."
«Ich kann es," erwiderte sie. „Ich
besitze noch andere Papiere, die mein
Mann geschrieben hat ich werde sie
vorlegen, damit die Handschrift ver
glichen werden kann."
„Gut! Wo wohnen Sie?"
„In der Blumenstraße Nro. 10."
„Wenn ich zu Ihnen schicke, müssen
Sie sogleich kommen."
«Ich bin zu jeder Stunde bereit,
Hr. Strombeck."
„So wäre diese Angelegenheit so
weit erledigt," sagte er freundlich.
,.Sie würden sich und mir manche
Sorge erspart haben, wenn Sie die
sen Schritt früher getan hätten. Nein,
keinen Tank!" fuhr er hastig fort, als
sie wieder nach seiner Hand greisen
wollte. „Sie wisseil nicht, welch' gro
ssen Dienst Sie mir geleistet haben.
Gehen Sie, gute Frau, und vergessen
Sie nicht, daß Sie schweigen müssen."
Frau Wilfert fühlte sich wie be
rauscht, als sie das Haus verlassen
hatte. Mit schwankenden Schritten
durchwanderte sie die Straßen, dann
und wann art ihre Tasche tastend, ob
sie die schwere Goldrolle noch besäße.
Das hatte sie nicht erwartet. Sie wä
re auch mit einer geringeren Summe
zufrieden gewesen nun hatte sie nicht
nur das viele Geld, sondern auch ein
Jahrgehalt, das ihr bis zu ihrem 8e
bensende ein sorgenfreies Leben sicher
te. Mit einem Freudenruf trat sie in
das helle, freundliche Zimmer, das sie
jetzt bewohnte mit ebenso freudestrah
lender Miene kam Helene ihr entge
gen.
»Ich habe vorhin eine gute Offerte
erhalten, Mutter," sagte sie „eine
vornehme Familie in England will
mich als Gouvernante engagieren,
und die Bedingungen sind so günstig,
daß ich es mir nie verzeihen könnte,
wenn ich dieses Anerbieten ablehnen
würde."
Die alte Frau hatte Hut und Tuch
hastig abgelegt sie brach die Rolle
durch und schüttete das Gold aus den
Tisch.
„Nichts mehr davon!" jubelte sie.
„Du sollst nicht fremdes Brot essen
sieh her, aus aller Not und Sorge
sind wir befreit."
Helene war mit dem offenen Briefe
in der Hand bestürzt zurückgetreten,
ihre Wangen erbleichten, ihr Blick
ruhte bald auf dem Gold, bald auf
dem hochroten Antlitz der Mutter.
„Du hast des Vaters Brief ver
kauft?" fragte sie vorwurfsvoll.
^„Natürlich!" nickte die Mutter.
„Ich hab's ja immer gesagt, daß der
Bankier Strombeck uns ein schönes
Stück Geld für das Geheimnis zah
len würde, aber dein Vater wollte es
nicht glauben.-Und das ist noch nicht
alles! Jedes Jahr exHalten wir fünf
hundert Taler Was sagst du da
zu?"
„Nichts!" antwortete das Mädchen
seufzend. „Ich kann mich nicht darüber
freuen. Du hast dein Schweigen ver
kauft also muß es sich um ein Ge
heimnis handeln, das öffentlich nicht
ausgesprochen werden darf. Und cut
solches Geheimnis
„Kind, Kind, mach' mir den Kopf
nicht warnt und trübe mir die Freude
nicht! Das Geheimnis kann nur e i
n e Menschen nützen: dem Bankier
Strombeck. Wollte ich es veröffentli
chen, so würde ich nur Haß und Zwie
tracht damit säen. Was ich getan ha
be, das kann ich noch in der Todes
stunde vor Gott und meinem Gewis
sen verantworten. Wirft du das deiner
Mutter glauben?"
Helene blickte ihr einige Sekunden
lang fest in die treuherzigen Augen,
dann reichte sie ihr beide Hände.
„Ich glaube dir, Mutter."
„Dieses Geld ist ehrlich erworben,
Helene. Hätte dein Vater mehr Ener
gie besessen und meinen Rat befolgt,
l'o wären wir längst aus allen Sorgen
heraus. Der Bankier machte mir so­
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OHIO WAISEMf KKCNB
^jijjMK.V,
gar Vorwürfe darüber, daß ich nicht
früher zu ihm gekommen bin. Ich
darf nicht verraten, was der Brief ent
hielt, auch dir nicht aber das darf ich
dir sagen, daß Hr. Strombeck neu
auflebte, als er ihn gelesen hatte."
„So war es ein Schuldbeweis, den
er fürchten mußte?"
„Durchaus nicht, liebes Kind im
Gegenteil, mit diesem Schriftstück in
der Hand kann er jedem Menschen
frei ins Auge schauen."
„Das 'verstehe ich nicht," sagte He
lene, das blonde Haupt wiegend
..aber ich glaube dir."
„Und nun wirst du natürlich auf
die Gouvernantenstelle verzichten?"
fragte die alte Frau, sich vor dem Tisch
niederlassend, um das Geld zu zählen.
„Nein, Mutter, das werde ich nicht
tun."
„Wie? Sei doch nicht töricht, liebes
Kind! Tu weißt garnicht, wie bitter es
ist, anderer Leute Brot essen zu müs
sen
..Essen wir nun nicht das Brot
Strombecks?"
«Das ist etwas ganz andeM
Ich betrachte dieses Geld als eine
Pension, die mir gezahlt wird."
„Wofür? Nicht für langjährige
treue Dienste, die zum Empfang eines
Ruhegehaltes berechtigen."
„Willst du schon wieder zweifeln?"
„Nicht doch, Mutter, ich gönne dir
diese Pension von ganzem Herzen,
aber ich kann nicht Anteil daran neh
men."
„Was ist das min wieder für eine
Torheit! Was ich habe, das gehört dir
auch
„Laß mich ausreden. Tu wirst mir
schließlich doch recht geben müssen.
Fünfhundert Taler sind kein großes
Einkommen und wenn der Ban
fiei stirbt, hört die Pension auf. Es
wäre leichtsinnig, wollten wir diesen
Fall, der morgen schon eintreten kann,
nicht berücksichtigen. Und was dann,
Mutter?"
„Man darf nicht gleich an das
Schlimmste denken," erwiderte die al
te Frau, die aus den Goldstücken klei
ue Häufchen bildete „kommt Zeit,
kommt Rat. Uebrigens will ich mit
dem Bankier darüber reden und ihn
bitten, dafür zu sorgen, daß mir auch
für den Fall seines Todes die Pension
gesichert bleibt."
„Nun, vielleicht erfüllt er diese
Bitte. Aber du kannst auch sterben,
und gegen mich hat Hr. Strombeck
feine Verbindlichkeiten."
„Darüber ließe sich auch mit ihm
reden."
„Nein, Mutter, ich will das nicht
ich würde feine Pension von ihm an
nehmen."
Frau Wilfert blickte betroffen auf.
Ter entschlossene Ton, in dem Helene
diese Erklärung gegeben hatte, beun
ruhigte sie.
„Könnte er mir nicht statt der Zin
sen das Kapital auszahlen?" meinte
|iy._ „Du würdest nach meinem Tode
dieses Kapital erben und so wäre auch
deine Zukunft sichergestellt."
„Auch das will ich nicht," antwor
tete Helene. „Laß mich meinen Weg
gehen. Ich bin noch jung, und in der
Jugend soll man arbeiten. Mir wird
es ein freudiges Gefühl sein, wenn ich
selbst mein Brot verdiene. Ich sehe
mich dabei in der Welt um, lerne Land
und Leute kennen: und wenn ich ge
wissenhast meine Pflicht erfülle, so
wird jeder mich achten. Nicht jeder
kann befehlen... es muß auch Die
nende geben. Unverantwortlich wäre
es, wollte ich die Kenntnisse nicht be
nützen, die ich mir erworben habe."
«Und daß England weit weit
von hier entfernt ist, und daß deine
alte Mutter hier lim dich trauert, und
daß auch andere dich schmerzlich ver
missen werden, das alles bedenkst du
wohl nicht?"
..Daß auch andere mich schmerzlich
vermissen werden?" wiederholte He
lene mit trübem Lächeln. „Wer sollte
es sein?"
„Dr. Winterfeld!"
„Mutter, welche Idee!" rief Helene,
deren Wangen sich plötzlich mit Pur
purglnt überzogen. „Wie magst du
das behaupten?"
Ein verständnisvolles Lächeln spiel
te um die welken Lippen der alten
Frau, indem sie forschend die Tochter
ansah, welche verwirrt das Antlitz
abwandte.
„Glaubst du denn, ich habe feine
Augen im Kopf?" fragte sie scherzend,
„och Hab' euch beide beobachtet und
bin meiner Sache sicher.
Helene sah schweigend zu. wie ihre
Mutter das Geld zusammenscharrte
und es in ein Taschentuch band.
«Und wenn deine Beobachtungen
richtig wären," sagte sie, aber da in
diesem Augenblick draußen Schritte
laut wurden, brach sie wieder ab, um
zu horchen.
„Tas ist der Doktor!" sagte die
Mutterss, indem sie hastig das Geld
in die Schublade des Tisches legte und
'ich erhob dann eilte sie zur Türe, um
dieselbe zu öffnen.
Helene war rasch in die Fenster
nische getreten ihre Wangen hat
ten sich wieder dunkler gefärbt, und
verwirrt erwiderte sie den Gruß des
Eintretenden.
Ludwig blickte lächelnd sich um, in
des Frau Wilfert ihm Hut und Stock
aus der Hand nahm.
..Ich will mich nur erfundigen, ob
^i^'m
Sfe mit
tot nntm
Wohmmg aufre­
den sind," sagte er.
..Wir sind Ihnen herzlich dankbar
für Ihre freundlichen Bemühungen,"
erwiderte die alte Frau, während sie
einen Stuhl an den Tisch rückte. „Die
Wohnung ist hübscher, als wir in un
[erett Verhältnissen sie verlängert dür
fen. Ich glaube nicht, daß ich sie lange
behalten werde sie wird zu groß für
mich fein, wenn Helene mich verlas
sen hat."
Die dunklen Augen Ludwigs hefte
ten sich mit einem fragenden Blick auf
Helene, die mit gezwungenem Lächeln
ihm zunickte.
«Sie wollen uns verlassen?" fragte
er mit banger Erwartung.
„Mir ist eine Stelle in England an
geboten worden." antwortete sie „der
Brief liegt auf dem Tisch Bitte,
lesen Sie ihn Sie werden mir
recht geben, daß ich dieses Anerbieten
annehmen muß."
Ludwig entfaltete den Brief, und
feine Miene verdüsterte sich als er
die angebotenen günstigen Bedingun
gen las. Er begriff, daß Helene für
ihn verloren war, wenn er sie ziehen
ließ. Jahre konnten vergehen, bevor
er sie wieder sah und die Möglichkeit
lag sehr nahe, daß sie ihn vergaß.
„Verlockend in der Tat!" sagte er,
langsam der Fensternische näher tre
tend, in welcher Helene noch immer
stand. „Aber ich glaube, Sie würden
dennoch sich getäuscht sehen. Es sind
fremde Menschen, in deren Kreis Sie
eintreten wollen, Leute, die
«Hr. Doktor, ich weiß das alles
aber mein Entschluß steht fest," unter
brach sie ihn mit erzwungener Ruhe.
„Meine Kenntnisse bilden mein gan
zes Besitztum ... ich muß sie verwer
ten, um meine Zukunft zu sichern."
..Ihre Zukunft?" fragte er leise.
„Es ist nicht Ihre Bestimmung, al
lein durch das Leben zu wandern ein
Mann, der Sie liebt, wird Sie heim
führen ihm müssen Sie es über
lassen, für Ihre Zukunft zu sorgen."
Helene schlug vor seinem Blick die
Augen nieder und schüttelte das
Haupt. Beide bemerkten nicht, daß die
alte Frau geräuschlos das Zimmer
verließ.
..Das steht noch in weitem Felde."
sagte sie „darauf zu hoffen und zu
harren, wäre töricht.
«Und wenn nun schon jetzt der
Mann vor Ihnen stände, der Sie bit
ten will, seine Lebensgefährtin zu
werden?" erwiderte er mit bebender
Stimme. „Was würden Sie ihm auf
diese Bitte antworten?"
Tunkle Glut übergoß das Antlitz
Helenens. Sie wagte nicht, den
Blick zu erheben. Ihre Lippen
preßten sich aufeinander.
..Ich würde ihm antworten, es sei
wohl nur ein Gefühl menschenfreund
lichen Mitleids, das ihn zu dieser Bit
te bewege," sagte sie, und auch ihre
Stimme hatte einen zitternden Klang.
„Denn was konnte ich, das arme Mäd
chen, ihm sein!"
„Mein Glück, mein Alles!" erwi
derte er in tiefer Erregung.
Und als Frau Wilfert leise wieder
eintrat, war der Bund zwischen dem
jungen Paare geschlossen.
14. Entdeckungen
Baron Rüdiger war in hohem Gra
de überrascht über die frohe Miene,
mil der er am andern Tage von
Strombeck empfangen wurde.
„Tie Angelegenheit, über die wir
gestern berieten, hat inzwischen eine,
wie ich meine, günstige Wendung ge
nommen." sagte der Bankier, nachdem
er seinem Gast einen Sessel angeboten
hatte. „Wenigstens für Ihre Wünsche
ob auch für mich und mein Kind,
das weiß ich heute noch nicht."
„Nun wohl, so enthüllen Sie mir
alles," erwiderte Rüdiger in ermuti
gendem Ton.
..Sie werden sich bis morgen noch
bedulden müssen."
„Aber weshalb dieser neue Auf
schub
„Werden Sie nicht unwillig," bat
Btrombeif, „ich lose mein Wort ein.
Meine Enthüllungen haben nicht für
Sie allein, sondern für Ihre ganze
Familie Interesse darum ist es meine
Absicht, sie in Gegenwart aller Be
teiligten zu machen."
Beziehen sie sich wirklich auf den
Tod meines Vaters?" fragte Rüdiger,
seinen Unmut bezwingend.
„jawohl."
„So sagen Sie mir nur das Eine:
Ist mein Bruder völlig schuldlos?"
„Meine Aussagen werden jeden
Verdacht von ihnt nehmen."
„Also lag in der Tat ein Selbst
mord vor?"
„Nein."
„Ein Mord?"
„Herr Baron, Sie werden morgen
alles erfahren," wich Strombeck der
Antwort auf diese Frage aus, bei der
wieder ein finsterer Schatten über sein
Antlitz geglitten war. Morgen ist
Sonntag Wir alle haben dann
wohl Zeit, und ich überlasse es Ihnen,
wo wir uns versammeln sollen."
„Im Hause meines Bruders," ent
gegnete Rüdiger nach furzem Nach
denken „vorausgesetzt, daß Sie
..Ich bin damit einverstanden.
Punkt elf Uhr morgen vormittag wer
de ich mich dort einfinden. Wollen Sie
es übernehmen, Hrn. von Grüttner
und dessen Gemahlin dorthin zu brin­
ch. *#*$? s'»^/v«.-, ^"-^K
gen?"
„Sie stellen mir da eine schwere
Ausgabe, aber ich werde sie lösen,"
antwortete Rüdiger. „Ich beabsichtige
ohnedies, meine Schwester heute noch
zu besuchen. Wen wünschen Sie außer
diesen Beiden bei meinem Bruder zu
sehen?"
„Sie und Hrn. Abraham Kern."
„Nicht auch meinen Neffen?"
„Nein, das Geheimnis muß unlit
uns bleiben, das mache ich zur Bebte*
gnng."
„Nun, es soll alles so angeordnet
werden, wie Sie es wünschen," sagte
Rüdiger und erhob sich. „Ich werde
meinen Bruder mit einigen Zeilen
benachrichtigen und ihm das Billet
heute nachmittag durch einen Boten
senden. Kann ich diesen Zeilen einige
Worte hinzufügen, die Erwin ermu
tigen?"
„Nein," erwiderte der Bankier
„diese Frage kann erst morgen nach
meinen Enhüllungen beantwortet
werden."
„So wäre also heute nichts weiter
zu besprechen?"
„Nichts, Herr Baron," sagte
Strombeck, indem er den Kneifer von
der Nase nahm und mit dem seidenen
Taschentuch über die Stirn fuhr.
„Tas Weitere wird sich morgen fin«
den. Ich selbst erwarte nun ungedul
dig die festgesetzte Stunde."
Baron Rüdiger mußte sich unaus
gesetzt mit diesen ihm rätselhaften Er
klärungen beschäftigen, während er
den Weg zur Wohnung seiner Schwe
ster verfolgte aber es blieb ihm doch
nichts anderes übrig, als sich bis zum
nächsten Tage zu gedulden.
Er fand seinen Schwager zuhause.
Der ehemalige Hauptmann schien
nicht gut gelaunt zu sein, denn er
wanderte mit verdrießlicher Miene
auf und nieder, während Irma auf
dem Divan einem Modejournal
blätterte.
„Na, da bist du ja!" sagte Grütt
net mit unverkennbarem Aerger, als
fein Schwager eintrat. „Wir sprachen
soeben noch von dir Wir konnten
nicht begreifen, daß du so lange der
Gast ArchimbaldS bliebst. Hast du die
Vergangenheit ganz vergessen? Ich
kann mir wohl denken, daß der Heuch«
ler dich mit der scheinheiligsten Miene
empfangen hat
«Ter Empfang dort war herzlicher,
als er heute hier mir zuteil wird,"
fiel ihm Rüdiger lächelnd in die Re
de, während er sich auf einen Sessel
niederließ. „Warum sollte ich dem
Bruder nicht einige Tage widmen dür
fen Ich habe ja die weite Reise nur
darum hieher gemacht, um Frieden
zu stiften."
„Frieden?" spottete Grüttner.
„Für mich ist Archimbald längst Luft
gewesen Ich verlange von ihm
nichts weiter, als daß er mich in Ruhe
läßt und jede Gelegenheit meidet, mir
zu begegnen."
„Dennoch wird diese Begegnung
morgen stattfinden!"
„Archimbald will uns besuchen?"
fragte Irma überrascht. „Er soll da
raus verzichten, denn ich empfange ihn
nicht."
„Ihr werdet ihn besuchen," erwi
derte Rüdiger ernst.
„Nimmermehr!" brauste Georg von
Grüttner auf. „Eher geht die Welt
unter!"
»Wim, mm, ich hoffe, die Welt steht
etwas fester als dein eigensinniger
Kops," scherzte Rüdiger. „Wir fahren
zusammen hin, ich hole euch morgen
vormittag um zehn Uhr ab."
Und nun denkst du, wir müßten
uns sogleich in deinen Willen fügen
und deinem Befehl gehorchen?" spot
tete Grüttner, der die unterbrochene
Wanderung durch das Zimtner wieder
aufgenommen hatte. „Wir sind
0ott fei Dank! unabhängig und
Hubert's nicht nötig, uns kommandie
ren zu lassen. Wenn du deinen Frie
den mit dem Erbschleicher gemacht
hast, so verpflichtet uns das weiter
nicht
„Wo kein Erbe ist, da kann auch
keines erschlichen werden," fiel Rüdi
ger, nun einen schärferen Ton anschla
gend, ihm in die Rede. „Zch 'habe die
Bücher Archintbalds durchgesehen und
mich überzeugt, daß unser Vater nur
Schulden hinterließ Verhältnisse,
unter denen ich vielleicht die Flinte
ins Korn geworfen und darauf ver
zichtet hätte, unseren Namen wieder
zu Ehren zu bringen. Ihr hättet da
u'als gerechter urteilen und nicht auf
die Verleumder hören sollen, die un
feien Bruder haßten, weil er sie nach
Gebühr behandelte. Ich bin auch mit
Vorurteilen Hinausgegangen, ich Ha
be auch jahrelang ungerecht über ihn
geurteilt aber als ich das einsah, da
betrachtete ich es auch als die Pflicht
drs Ehrenmannes, ihm die.Hand zu
drücken und Abbitte zu tun. Und fol
cher Abbitte braucht niemand sich zu
schämen, Georg sie ist ehrenvoller als
das Festhalten an Verdächtigungen,
deren Wahrheit man nicht beweise«
fann."
«Potz Blitz, wie rasch hat er dich
gefangen!" rief Grüttner, mit feiner
Frau einen bedeutungsvollen Blick
wechselnd. „Bei uns wird es ihm nicht
gelingen."
(Fortsetzung folgt)
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JUST OFF THE PRESS
"THE TIMES
CHALLENGE US"
By THE MOST REV. ALOISIUS J. MUENCH,
Bishop of Fargo, who is now in Germany
as Apostolic Visitator.
This slender pamphlet by the author of One World in
Charity is "MUST" reading for all who are interested
in hewing to build genuine and lasting world peace.
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WANDERERIPRINTING COMPANY
128 East Tenth Street, ST. PAUL 1, MINN.

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