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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 03, 1948, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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Jahrgang 75
Reichte Entspannung der internationa
len Krise
Die Erregung, die in unserm San
de den Ereignissen in der Tschecho
Slowakei folgte, hat sich zeitweilig et
was gelegt. Man ist sich der russischen
Gefahr, die Schwätzer aus Berechnung
oder Dummheit dem amerikanischen
Volk allzu lange ausgeredet.haben,
bewußt geworden, und das hat sein
Gutes. Noch besser ist es, daß die
gleichen Sck)wätzer, die kalt und heiß
zu blasen vermögen, es nicht fertig
brachten, das Volk in eine Hysterie
hineinzupeitschen. Selbst mit einer
amtlichen Etikette versehene Gerüchte,
daß russische Unterseeboote im Pazifik
und sonstwo gesichtet worden seien,
verursachten keine unziemliche Aufre
gung. Bei aller Sorge über das, wei
sen wir uns vom Osten her zu ver
sehen haben, sagte man sich bei ruhi
ger Ueberlegung, daß Rußland nicht
von heute auf morgen die Völker in
einen dritten Weltkrieg zu stürzen
vermag. Taß Nußland dank der ent
setzlich kurzsichtigen und stümperhaften
Staatskunst der führenden Männer
des Westens gewaltige Erfolge ein
heimste, schafft nicht die Tatsache aus
der Welt, daß es, gleich den meisten
andern kriegführenden Staaten, völ
lig erschöpft aus dem Kriege hervor
gegangen ist. Stalin und Genossen
würden die eigene Haut zu Markt tra
gen, wollten sie dem russischen Volk
schon jetzt einen neuen Krieg zumuten!
Und Stalin und Genossen sind auf ihr
Wohl sorglich bedacht.
Das heißt aber durchaus nicht, daß
man sich im Kreml mit dem Erreich
ten zufrieden geben wird. Und die
Wahrscheinlichkeit, daß sich Rußland
einen Krieg großer Ausmaße heute
Noch nicht leisten kann, bedeutet durch
,Ms nicht, daß die Ver. Staaten sor
genlos der Zukunft vertrauen können.
Dafür ist die russische Gefahr eine viel
W ernste Realität.
Tie russische Expansion wurde in
den letzten zwei Jahren nicht mit dem
Schwert vorangetragen. Sie vollzog
sich zunächst als Auswirkung der di
plomatischen Schiebereien von Tehe
ran, Quebec, Jalta und Potsdam, die
Rußland zum Zwingherrn Europas
machten, und dann auf dem Wege der
politischen und ideologischen Durch
dringung der Länder in der Periphe
rie seiner Macht. Mit der ideologi
schen Durchdringung meinen wir
selbstverständlich die Auswertung des
Kommunismus als eines politischen
Faktors. Und dem Kommunismus,
diesem brutalsten aller totalitären Sy
steme, würde in einer halbwegs ge
sunden Gesellschaft jegliche Werbekraft
abgehen. Er ist aber zu einem unHeim
lichen Machtfaktor geworden, weil der
Liberalismus Politik und Wirtschaft
und das ganze soziale Leben verseucht
und in die Bande des Materialismus
und Säkularismus, der Apostasie von
Gott und dem Sittengesetz geschlagen
hat. Damit fallen auch alle Bindun
gen in Bezug auf ein von höheren
Geboten beherrschtes Familienleben,
und mit der vom Weltgeist unterwühl
ten Familie, der Zelle der Gesellschaft,
fallen auch die Pflichten dem Gemein
schaftsleben gegenüber. Und in dieser
atomisierten, nur die Selbstsucht ken
nenden Gesellschaft wuchert und ge
deiht ein trotz feines Namens und
seiner Schlagworte so asoziales Ge
bilde mit seiner Dschungel-Philoso
phie. Rußland mit seinem ungeheuren
Länderkomplex könnte einstweilen als
saturiert betrachtet werden, hingen
seine künftigen Eroberungen von mi
litärischen Erfolgen ab. Aber auf den
Kommunismus gestützt, vermag es
seine Macht weiter und weiter aus
zudehnen in einer innerlich zerrisse
nen Welt.
Mit vollem Recht schreibt darum
Anne O'Hare McCormick in einer
Osterbetrachtung in der New Aorker
Dimes': „Wir Amerikaner geben uns
einer Täuschung hin, wenn wir glau
ben, daß das Recovery Program für
Europa oder die militärischen Maß
nahmen, mit denen wir unsere Stel
lung zu stärken gedenken, hinreichend
sein werden, uns den Sieg in der ge
waltigen Kraftprobe zu sichern, zu der
wir angetreten sind. Durch ihr Ein
gingen in jedes Land und ihre völ
lige Mißachtung aller Regeln, der
Wahrheit und menschlicher Gefühle
sind die Kommunisten im Besitz von
'Söffen, im** wir nicht gewachsen
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Lin Familienblatt
Zwischen und Frieden
sind. Aber wir haben (haben wir sie
wirklich?) sittliche Waffen, die sie nicht
besitzen,' die sie nicht zu gebrauchen
verstünden, wenn sie sie besäßen, und
je schneller wir unsere sittlichen Kräf
te mobilisieren und Europa aufrufen,
sich mit uns zu vereinen zur Rettung
der Tugenden sowohl als auch der
Werte unserer Kultur Ehre, Wahr
heit, Selbstachtung, Erbarmen —, um
so wirksamer wird die materielle und
militärische Verteidigung sein, die wir
ins Feld stellen."
Sittliche Waffen
Das aber ist die große Tragik des
von der russischen Gefahr bedrohten
Abendlandes, daß seine politischen
Führer fast ausschließlich an physische
Kräfte der Abwehr appellieren die
Macht des Geldes, Rüstungen, Bünd
nisse. Man könnte das bis zu einem
gewissen Grade gelten lassen, wenn
dabei die Rede wäre von Notstands
maßnahmen zur Abwehr unmittelba
rer Gefahren und man darüber hin
aus ein großzügiges Programm des
Wiederaufbaus der zerrütteten Gesell
schaft ins Auge faßte des Wieder
aufbaus aus der Kraft sittlicher und
religiöser Ideen. Solche Erwägungen
aber liegen den Herren in Uniform,
die Kongreßausschüssen ihre Pläne
vortragen, vollständig fern. Sie find
verkeilt in den Gedanken, daß Kon
flikte gewaltsam ausgetragen werden
müssen. Zu diesem Credo bloßer Ge
walt bekennt sich auch die Politik, und
die erleuchtete Staatskunst der Regie
renden, auf die trotz aller bitteren
Enttäuschungen brave Patrioten ver
trauen, ist schnell zu Ende, wenn Welt
katastrophen mit andern als militäri
schen Mitteln bemeistert werden sollen.
Es ist eine weitere Tragik, daß je
ne, die an die Kraft der sittlichen und
religiösen Ideen glauben und den
Krieg ats Dauerzustand ablehnen, als
Glieder der Gesellschaft und Bürger
des Staates in den Maelstrom der
Vernichtung gerissen werden. Wenn
die Entscheidung gefallen und Krieg
das Gesetz des Landes ist, stellen auch
sie ihren Mann, wie die Geschichte des
ersten und des zweiten Weltkrieges
beweist. Aber der Kriegspflicht nach
gefallener Entscheidung geht die min
deftens ebenso vaterländische Pflicht
ruhiger Abwägung und unerschütter
licher Mahnung zur Anwendung al
ler friedlichen Mittel voraus. Das ist
eine Pflicht, die in einer Demokratie
auf jedem Einzelnen um fo schwerer
lastet, wenn, wie das in Amerika in
den letzten Jahren geschah, die Un
fähigkeit und unverantwortliche
Leichtfertigkeit der Staatsführung so
unwiderleglich erwiesen wurde. Den
amerikanischen Katholiken, die einen
so starken Prozentsatz der Bevölkerung
bilden, obliegt in dieser sorgenvollen
Zeit eine Verantwortung, die, gewis
senhaft ausgeübt, von historischer Be
deutung werden könnte.
Gerade wir Katholiken lehnen den
Kommunismus schärfer und mit voll
gewichtigeren Gründen ab, als die
Leute, die gestern noch rot oder
rosafarben ihn aus machtpoliti
schen oder wirtschaftlichen Gründen
geräuschvoll bekämpfen. Wir stehen
ihm als einer kirchen- und christen
tumsfeindlichen Weltanschauung ge
genüber. Wir beklagen nicht so sehr
die schwindende Macht von Staaten
von denen sich manche als ebenso
unchristlich und unsittlich erwiesen ha
ben wie der Kommunismus •—, be
klagen nicht so sehr die Gefährdung
der kapitalistischen „Ordnung" die
ja dem Kommunismus die Wege be
reit hat —, als vielmehr die drohende
Zerstörung dessen, was dem Sumpf
des Liberalismus und Materialismus
und Säkularismus zu entgehen ver
mochte: der christlichen Kultur, die
Aufklärung und Freigeisterei und
Freimaurerei in unablässigem Kampf
geschwächt und verwässert haben und
die jetzt die Rote Flut hinwegzu
schwemmen droht.
Es ist eine Geschichtslüge, wenn
jetzt moderne Staaten, die die Ver
gangenheit verraten und durch ihre
Wortführer das Abendland an den
russischen Moloch preisgegeben Haben,
sich als die Sachwalter der christlichen
Kultur gebärden. Sie sollen sich das
e s o e z u s e i n e w e e n
indem sie mit ihrer Vergangenheit
brechen und auf dem Boden ehrlicher
Grundsätze dem als Gottesgeißel zu
gelassenen Kommunismus entgegen
fur
Wahrheit und
treten. Sie sollen die verhängnisvol
len Fehler einer leichtfertigen oppor
tunistischen Politik einigermaßen gut
machen durch ehrliche Abkehr von Te
heran, Quebec, Moskau, Jalta und
Potsdam und aufrichtige Annahme
der Grundsätze der nur auf dem Pa
I yier stehenden Atlantic Charter. Mit
der starken Politik der gepanzerten
Faust ist es nicht getan. Es stimmt
wohl, daß man mit Moskau eine
kräftige Sprache reden muß und von
Molototo, Gromyko, Wischinsky und
Genossen sich nicht die Kurasche abkau
fen lassen darf. Es mag fogar not«
wendig werden, Moskau handgreiflich
zu beweisen, daß man uns nicht schla
fend finden wird, wenn einmal die
Moskowiter die Zeit für eine militäri
sche Auseinandersetzung für gekommen
erachten sollten.
Aber mit all dem wird die unge
heure Weltkrise nicht gelöst, die Welt
revolution nicht überwunden. Was
will man denn beweisen, wenn man
von der Bedrohung des christlichen
Abendlandes redet und gleichzeitig die
verheerenden Lehren des Neuheiden
tums fördert, Gott die Schulen des
Landes verschließt, die freie Tätigkeit
der Kirche, dem einzig verbliebenen
Bollwerk christlichen Denkens, nach
Möglichkeit einzuschränken sucht? Und
in der Weltpolitik, in der wir nun
einmal eine Rolle zu spielen berufen
sind, glaubt man denn tatsächlich,
mit kleinen Verschiebungen auf dem
internationalen Schachbrett das große
Spiel zu gewinnen, mit kleinen Pfif
figkeiten einen Titanen kaltzustellen?
Wir haben in dieser Hinsicht man
ches erlebt in den letzten Wochen
in der Bündniskonferenz von Brüssel,
in Trieft, Palästina usw. Wir haben
die Russen verblüfft und verwirrt und
wohl auch da und dort an Prestige
gewonnen. Aber ungleich größer wäre
die Wirkung gewesen, wäre von Wash
ington. London und Paris eine Pro^
klamation erslossen, daß im Völker
bund der Antrag auf Revision all der
nichtswürdigen und sriedensstörenden
und die Atlantic Charter verletzenden
Abmachungen der letzten drei Jahre
gestellt werde^und wäre gleichzeitig'
an die Völker Europas der Ruf er
gangen, sich mit den Ver. Staaten
zusammenzuscharen und auf einer all
gemeinen Friedenskonferenz den
Grund zu legen für eine neue Welt
Ordnung und einen wirklichen Welt
bund statt des hohlen Machtgebildes
der Vereinten Nationen, deren fatale
Gebrechen vor drei Jahren zwei ein
same Senatoren vergebens aufzeig
ten.
Das Abgeordnetenhaus machte die
se Woche eine Geste, die kurze Zeit die
Hoffnung auf eine allgemeine Verföh
nung Europas aufkommen ließ, in
dem es dem europäischen Wiederauf
bau-Programm einen Zusatz einver
eibte, durch den die Europa-Hilfe auch
auf Spanien ausgedehnt werden soll.
In der Presse wurde dieser durchaus
vernünftige Antrag mit den abgelei
erten Haßgesängen auf Spanien be
antwortet und damit dürfte diese Epi
sode wohl erledigt sein. Würde man
gar M. Bidault zumuten, Schluß zu
machen mit der alten Gloire- und
Haßpolitik und für einen ehrlichen
Frieden zwischen den „Erbfeinden" zu
werben, oder den Briten, nicht länger
in Teutschland nur den Konkurrenten
zu erblicken, dann wäre der Ausgang
gleich negativ. Eher werden sie alle in
der Roten Flut versaufen, als auf
ihre „Ansprüche" verzichten!
Mancher Leser wird es als müßige
Träumerei bezeichnen, an so unreale
Dinge wie eine Völkerversöhnung auch
nur zu denken. Nun, die Welt hat so
lange „realpolitisch" gedacht, bis sie
im tiefsten Elend und Chaos saß, ans
dem sie keinen Ausweg findet. Viel
leicht wird die Zeit doch noch kommen,
wo man von der Rückkehr zu christli
chen Grundsätzen und Idealen reden
darf, ohne als weltferner Träumer
und Phantast angesprochen zu wer
den
Eine Osterbotschaft
Die Hoffnung auf eine Versöhnung
der Völker und die Ueberwindung der
Weltgefahr durchwehte auch die An
sprache, die am Ostersonntag Papst
Pius an einige hunderttausend auf
dem St. Peters-Platz versammelte
Römer hielt. Papst Pius ist zweifel
los die überragendste geistige Persön
lid)feit unserer Zeit und steht zugleich
fest auf dem Boden der Realitäten.
Aber gerade darum erblickt er feine
Hilfe in dem heutigen Weltelend, die
nicht aus dem Innern der Menschen
und von Gott in der Höhe kommt.
Aus seinen Worten klingt tiefste Sor
ge über die Entwicklungen der nahen
Zukunft, wenn es den Kommunisten
1 fW
Recht
Ausgabe de? »Wanderer'
Herausgegeben vo« Päpstliche« Kollegium Josephinn» zum Beste» der Priefterzöglinge. —i Preis für ein Jahr in he» Ler. Staate» $2.50, is Kanada »nb allen anderen Ländern $3.00.
gelingen sollte, in den kommenden
Wahlen die Macht an sich zu reißen
oder, im Falle einer Wahlniederlage,
den Bürgerkrieg zu entfachen. In die
ser Not richtet er an die Katholiken
ernste Mahnungen, sich nicht täuschen
zu lassen durch Volksverführer, die die
Kirche verleumden und verlästern.
Aber über die italienischen Wahlen
hinaus ruft er die Katholiken der
Welt auf, zu wachen und zu beten.
Denn „die große Stunde des christli
chen Gewissens hat geschlagen". „Ent
weder das christliche Gewissen erwacht
zur vollen und tatkräftigen Erkennt
uis feiner Mission zur Rettung einer
in ihrer Geistigkeit bedrohten Mensch
heit und dann wird sie das Wort
des Erlösers verwirklicht finden:
.Glaubet ihr, ich habe die Welt über
wunden'. Oder aber was Gott ver
hüte! dieses Gewissen rafft sich nur
zum Teil auf und gibt sich nicht voll
und mutig au Christus hin, und das
Urteil, das schreckliche Urteil wird
nicht weniger bestimmt sein: ,Wer
nicht für Mich ist, ist gegen Mich'."
Es gehe nicht an, zwei Herren dienen
zu wollen, besonders nicht in so ent
scheidungsvollen Zeiten.
Die italienischen Wahlen
Wie gewöhnlich, hebt die Bericht
erstattung nur hervor, was in der
Papstansprache von politischer Bedeu
iitng ist. Dafür, daß die Worte des
h'apstes zugleich einen Ruf an die gan
ze christliche Welt bilden, hat sie kein
Verständnis. Tatsächlich steht ja nicht
bloß Italien, in Gefahr, sondern die
Welt, die in ihrem einseitigen Denken
die tiefsten Ursachen des heutigen
Elends, eben den Verrat an Gott und
die Vergötzung des Menschen, nicht er
kennen und anerkennen will. Sollte
Italien am 18. April dem Kommu
nismus anheimfallen, dann bedeutete
das zweifellos eine Katastrophe für
die westliche Welt und die Kirche.
In der Presse wird immer wieder
die Frage aufgeworfen, wie es kom
ine, daß in einem katholischen Land
der Kommunismus eine solche Bedeu
tuitg erlangen konnte. Zum Teil ist
das das Erbe alter Hebel. Einer der
Hauptgründe aber ist der, daß gerade
in diesem katholischen Land eine kir
e n e i n i e e v o u i o n v o n o e n
her die „Aufklärung" und Freigei
sterei jahrzehntelang systematisch ge
züchtet hat unter dem Beifall und
mit der Unterstützung des Liberalis
mus und Logentums der ganzen
Welt! Der theatralische Garibaldi, der
nichts weniger als ein Edelmensch
war, gilt heute noch dem anierikani
sehen Aufkläricht als Säkularmensch
und Italiens Washington. Nicht we
niger gerühmt wurden Mazzini und
Savour, und die piemontesischen Kir
chenräuber wurden über den Schellen
könig gepriesen, bis der unglückliche
letzte von ihnen sich von Mussolini als
Staffage seines Faschismus gebrau
chen ließ. Seitdem Aufklärung und
Revolution feine Seele vergifteten,
saß das italienische Volk oder doch
ein starker Teil an den Trebern
aller Irrlehren der Zeit. Der erste
Weltkrieg mit seinen schweren Opfern
und Enttäuschungen vermehrte die He
bel, und der Faschismus und die Not
der Nachkriegszeit, für die die Sieger
geringes Verständnis und noch weni
ger Empfinden an den Tag legten,
vervollständigte die Verbitterung und
Verzweiflung. Hätte man Rücksicht
genommen auf die Tatsache des Jta
lien fehlenden Lebensraums und ihm
durch baldige Erledigung der Frage
der italienischen Kolonien Rechnung
getragen, hätte man den italienischen
Nationalstolz geschont und z. B. in
der Triester Frage von Anfang an
eine vernünftige Lösung gesucht, statt
den Ambitionen Stalins und Titos
alles Entgegenkommen zu zeigen,
vielleicht hätten die Handlanger und
Agenten Moskaus niemals den Ein
fluß gewonnen, den fie heute besitzen.
Die Stellung des Kommunismus
in Italien ist ungemein stark. Mos
kau entsandte geschulte Agitatoren,
geborene Italiener, die das Land aus
wühlten, während die Politiker auf
den Konferenzen und im Weltbund
fruchtlose Debatten veranstalteten.
Sie organisierten mit Hilfe der Par
teigenossen die mit den wirtschaftlichen
und politischen Verhältnissen Unzu
friedenen. Da Mussolini die alte
Popolari-Partei Don Stürzas ge
schlagen hatte, gab es lange kein Ge
gengewicht gegen die Umstürzler. Die
se nisteten sich in den Gewerkschaften
ein, zogen einen großen Teil der not
leidenden Bauernschaft in ihren Bann,
fanden Zulauf aus den Reihen aller
früheren Parteien. Heute bilden sie,
soweit die Wahlergebnisse von 1946
ein Urteil zulassen, vielleicht vierzig
zur Belehrung und Unterhaltung
Prozent der Wahlberechtigten.
Viele von diesen werden wohl Mit
läufer fein, und von der Zahl dieser
Mitläufer, die in der Entscheidung
die Gefolgschaft versagen, wird der
Ausgang der Wahl abhängen. Zwei
fellos haben auf viele dieser Mitläu
fer, die bloß aus Protest gegen die
elende Lage oder unter dem Druck
des Terrors der roten Fahne folgen,
die Mahnungen der Bischöfe und vor
allem die Worte des Papstes einen
großen Eindruck gemacht. Zweifellos
fallen auch die Aussicht auf amerika
nifche Hilfe und der angedrohte Aus
fall dieser Hilfe im Falle eines kom
munistischen Sieges schwer in die
Wagichaale. Den Kommunisten hat
ferner die angekündigte Revision des
italienischen Friedensvertrags das
Konzept erheblich verdorben beson
ders wenn sich Rußland noch vor dem
Wahltermin gegen die Revision sträu
ben sollte.
Aber der Ausgang der Wahl ist
trotz allem ungewiß. Selbst wenn den
Roten ein glatter Wahlsieg versagt
bleibt und sie sich, sagen wir mit fünf
unddreißig Prozent der abgegebenen
timmen begnügen müssen, werden
sie voraussichtlich darauf bestehen, daß
sie mehrere Ministerposten erhalten,
und was das bedeutet, haben die Er
eignisse in Prag zur Genüge gezeigt.
ollte aber eine antikommunistische
Mehrheit sich stark genug fühlen, o h
n e die Kommunisten zu regieren,
dann ist mit einer offenen Erhebung
zu rechnen.
Russische Drohung
Das aber wird zum Teil davon ab
hängen, ob Rußland unterdessen in
Finnland und vor allem in Deutsch
land Fortschritte macht. Das kleine
Finnland bildet nach den Mos kau'er
Kalkulationen nur eine Etappe auf
dem Wege nach Schweden und Norme
gen. In Deutschland geht es um einen
höheren Preis. Es scheint manchmal,
daß Moskau bereits einen fertigen
Feldzugsplan hat. So z. B. als am
Dienstag der rufsifche Stabschef Ge
neralleutnant Lukyanchenko in einem
Zeitungsinterview ganz unverblümt
mit Einschränkungen für die durch
die russische Zone führenden Etappen
Iinien der Amerikaner, Briten und
Franzosen in Berlin drohte.
Es war schon lange die Rede von
der Möglichkeit, daß die Russen die
westlichen Besatzungsmächte aus
Deutschland zu verdrängen suchen
werden. Taß solche Pläne auf ihrem
Wunschzettel stehen, kann man ohne
weiteres annehmen. Aber wir glau
ben nicht, daß sie für die Ausführung
einen bestimmten Termin in Aussicht
genommen haben. Der kampflose Vor
marsch hat ja ihre Erwartungen
durchaus erfüllt, und noch ein starker
Erfolg in Italien, Griechenland,
in der Türkei würde ihren Weib
herrichaftsplänen viel einfacher und
wirksamer voranhelfen als die Ver
schärfung des Konflikts mit Amerika,
die zu einem kostspieligen Krieg füh
ren könnte.
Unianft
Große Erbitterung erregte im Kon
greß die Enthüllung, daß Rußland
hier trotz der gespannten Weltlage im
nter noch Flugzeugmotoren und ande
res Kriegsmaterial kaufen konnte. Ei
ne Untersuchung dieser Ausfuhr wur
de veranlaßt. Die Regierung ver
sprach. alles genau zu kontrollieren,
was in die Länder hinter dem Eiser
nen Vorhang geht, aber der demokra
tische Senator May bank von South
Carolina verlangte, daß Firman, die
solche Dinge liefern, strafrechtlich ver
folgt werden.
Präsident Truman suchte die Erre
gung über die bisherige Haltung der
Regierung zu beschwichtigen mit dem
Hinweis darauf, daß Rußland eine
befreundete Macht sei, aber am Frei
tag sah sich Handelssekretär Harriman
zu der Erklärung veranlaßt, daß Ruß
land von den Ver. Staaten kein
Kriegsmaterial mehr erhalten wird,
und daß die Sowjet-Union und ihre
Vasallenstaaten nur noch Waren er
halten können, deren Versand von der
Armee und der Flotte ausdrücklich ge
billigt wird.
Gleichzeitig gab Präsident Truman
die Erklärung aus, daß die Ausfuhr
von Flugzeugen, Flugzeugteilen. Ra
dar, elektronischen Apparaten, Klein
waffen und allen militärischen Dingen
scharf kontrolliert werden wird.
Finnland, das für sechsundvierzig
Dampflokomotiven, die nicht gebraucht
werden, $1,666,900 angeboten hqt,
^W*W. '*j
Rußland kann von den Ver. Staa
ten Konsumgüter wie Baumwolle und
Tabak erhalten, sagte Harriman. Ob
es hier auch Automobile und Lastwa
gen kaufen kann, wird noch erwogen.
Auch teilte der Sekretär mit, daß
Rußland die bereits bestellten Bahn
waggons erhalten wird, damit die
amerikanischen Fabrikanten nicht da
mit sitzen bleiben.
Sollte Rußland die Lieferung von
Mangan und Chrom versagen, dann
wird der Kongreß ersucht werden, „ei
ne Ausfuhrkontrolle zu beschließen,
durch welche fremde Länder gezwnn
gen das heißt beeinflußt wer
den können, uns das zu liefern, was
wir brauchen". Unter einer solchen
Kontrolle könnte z. B. auch die Ein
fuhr russischer Pelze verboten wertet,
sagte Harriman.
im
Der Kongreß hat das Gesetz über
die Mietenkontrolle um ein weiteres
Jahr verlängert. In ihrer endgülti
gen Fassung stellt die Vorlage einen
Kompromiß zwischen dem Gesetz, wie
das Repräsentantenhaus es ursprüng
lich beabsichtigt hatte, und der Formu
lierung der Senatsvorlage dar.
Nachdem der Senat durch nainent
liehe Abstimmung die endgültige Faj
fung angenommen hatte, wurde sie
dem Weißen Hause zugeleitet. Das
bestehende Mietengesetz wäre diese
Woche abgelaufen. Von der Mietkon
trolle werden etwa fünfzig Millionen
Amerikaner erfaßt, die in dreizehn
Millionen Wohnungen leben.
Unter den Bestimmungen des neuen
Gesetzes können Mieterhöhungen bis
zu fünfzehn Prozent genehmigt wer
den. falls Mieter und Hauswirt sich
einigen, einen Mietsvertrag, der bis
Ende 1949 läuft, einzugehen. Doch
darf die Miete für solche Mieter, die
bereits jetzt einen solchen Vertrag ge
schlossen haben, nicht erhöht werden.
Für sie bleiben die Mieten in ihrer
augenblicklichen .5öhe bis zum Ablauf
des neuen Gesetzes, also bis zum 31.
März 1949, in Kraft.
Das Abgeordnetenhaus übersandte
dem Weißen Haus eine Vorlage, durch
die die Steuern für das Jahr 1948
um $4,800,000,000 gekürzt werden.
Nachdem der Senat Siefen Gesetzent
wurf Montag mit achtundsiebzig ge
gen elf Stimmen angenommen hatte,
wurde er vom Haus mit zweihundert
neunundachtzig gegen siebenundsechzig
Stimmen gutgeheißen, oder zweiund
fünfzig Stimmen mehr als die zur
Ueberstimmung eines erwarteten Ve
tos notwendige Zweidrittelmehrheit.
Die Gegner der Steuersenkung
stellten sich auf den Standpunkt, daß
der Kongreß nichts zur Verringerung
der Bundeseinnahmen tun sollte, da
mit die militärische Stärke des Lan
des angesichts der Weltkrise keinerlei
Schaden nimmt.
Die Vorlage wird die Einkommen
steuern sämtlicher zweiundfünfzig
Millionen Steuerzahler reduzieren,
von hundert Prozent in der untersten
Einkommensstufe bis zu fünf Prozent
in den höchsten. 7,400,000 Personen
mit niedrigen Einkommen werden von
jeglicher Steuerzahlung befreit. Mit
Wirkung vom 1. Mai an gehen die
bei Lohnzahlungen einbehaltenen Be
träge zurück, aber da die Steuersen
kung rückwirkende Kraft bis zum 1.
Januar hat, werden die vom 1. Ja
nuar bis 1. Mai zuviel einbehaltenen
Beiträge nächstes Jahr zurückvergütet.
Präsident Truman äußerte letzte
Woche seine Zuversicht auf einen de
mokratischen Sieg im kommenden
November und erklärte, er werde sich
um seine Wahl bemühen. Der Opti«
mismus des Präsidenten findet kaum
eine Rechtfertigung in der augenblick
(Seetfetmna auf feite ft)
&Ä!
1
Nr. 48
muß auf die Entscheidung, ob es sie
erhalten wird, noch dreißig Tage war
ten. Ob das mit den Bemühungen des
Kreml zusammenhängt, Finnland für
eine Allianz zu gewinnen, wurde nicht
mitgeteilt.
Harriman erklärte, die Armee und
die Flotte besitze das Vetorecht über
Ausfuhrlizenzen, die das Handelsde
partement erteilt, betonte aber, daß
der Handel mit Rußland nicht abge
brochen werden foil. Die Regierung
wolle die Türe offen halten, „denn
wir möchten selbst gewisse Produkte
aus Rußland und Ost-Europa erhal
ten". Er nannte Mangan und Chrom,
die für die Stahlindustrie gebraucht
werden, und teilte mit, daß die Ver.
Staaten fünfundzwanzig Prozent ih
res Mangans und neunundzwanzig
Prozent ihres Chroms aus Rußland
beziehen.

Samstag, den 3. April 1948

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