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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, April 10, 1948, Ausgabe der 'Wanderer', Image 7

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(Fortsetzung)
Gewiß! Hatte sie doch oft genug
gelesen, daß man auch häßliche Frau
eti lieben könnte, und sie hatte sich alle
Mühe gegeben, ihre hohen geistigen
Fähigkeiten und Herzensgaben aus
zubilden und zu vervollkommnen als
Ersatzwert für die mangelnde förder
liche Schönheit.
Aber ach, ihr edelmütiges 23er*
trauen, sie könne ihres Geistes und
Herzens wegen gewählt werden, emp
fing schnell einen tätlichen Schlag.
Der Präsident hatte ihren Notar, den
Verwalter ihres Vermögens, gebeten,
Hr einen Gemahl zu suchen, und es
verging kein Monat, als man ihr ver
miedene Heiratsanträge vorlegte. Es
war ein Schwärm von jungen Leuten:
Advokaten und Aerzte ohne Praxis,
Beamte ohne Vermögen. Industrielle,
Welche vor Begierde brannten, eine
Jolle Million in ihre llitternehmmv
gen zu stecken Leute, die sie niemals
gesehen hatte, oder denen sie kaum
einmal begegnet war.
Bis in das tiesste Innere hinein
war das arme Mädchen verwundet.
Und doch sah sie, wie man sich mehr
und mehr beeilte, sie los zu werden.
Warum? Das wußte sie nicht konnte
sie doch nicht ahnen, daß ihre Mit
gift von einer Million der blühenden
frischen und jugendlichen Schönheit
ihrer Kusine Schaden zuzufügen ver
möge. Was sie verstand, das war, daß
ihre aufrichtige Liebe ihr in ihrer ei
genen Familie das Bürgerrecht nicht
sichern konnte und da sie sich nicht
dazu hergeben wollte, dem ersten be
sten Abenteurer ihre Hand zu reichen,
welchen ihr Reichtum anlockte, so be
schloß sie, den bittersten Stachel im
Herzen, ihre nahe Großjährigkeit ab
zuwarten, um das ungastliche Dach
zu fliehen, welches sie widerwillig
schützte, und um fern von der habsüch
tigen, käuflichen Welt die einsame
Existenz einer alten Jungfer zu füh
ren ..
Ein Tiener trat herein, um zu mel
den, daß serviert sei.
Hugo reichte natürlich Eliane den
Arm: er setzte sich neben sie, sprach
jßdoch kein Wort.
Es gibt nur wenige Menschen, wel
che niedrig genug sind, sich ohne
Schamgefühl, ohne Gewissensbisse in
eine Angelegenheit zu stürzen, wie sie
Hugo in den Salon der Frau von
Auvran geführt hatte.
Er war nicht im Dienste und Kul
ins des Goldes erzogen worden. Jene,
welche an ihm Mutterstelle vertreten
hatte, war eine arme, kränkliche Frau
ohne Schönheit, ohne Vermögen, ohne
Glück. Aber sie hatte in sein Herz die
Keime des Edelmutes, der Uneigen
nützigkeit gelegt: das Blut stieg in
seine Wangen, als er an das treue
Auge jener guten Alten, an ihre liebe
atmenden Lehren dachte, in dem Au
genblick, da er im Begriff stand, die
neben ihm sitzende junge Dame, deren
eisige Zurückhaltung ihn noch mehr
abstieß als ihre Häßlichkeit, zu heira
ten lediglich wegen ihrer Mitgift.
Sonderbar, das reservierte Beneh
men ihres Nachbarn stimmte Eliane
zu seinen Gunsten: er war also kein
Bewerber, kein Zudringlicher!
Frau von Auvran hatte schon lange
all' ihre weibliche Kunst, das Eis zu
brechen, vergebens spielen lassen sie
Read ...
1m die Mitgikt
Frei nach M. a ry«n bearbeitet
v o n W a e v o n E e n
"Ol WORLD I« CHARITY"
war nahe daran zu verzweifeln, als
ihr ein guter Einfall kam.
„Ich glaube wirklich, Eliane, daß
Ihr Nachbar die Beute einer jener
Anfälle von Heimweh geworden ist,
denen, wie man sagt, seine Landsleute
so oft unterworfen sein sollen. Das
Unwetter dieses Abends rust ihm
vielleicht das liebliche Klima seiner
Heimatküsten ins Gedächtnis. Irre ich
mich nicht, so haben Sie ja in diesem
Herbst einen Ausflug nach der Bre
tagne gemacht und können also wohl
aus Erfahrung sprechen."
Tie Blicke Elianens und Hugos
trafen sich mit einem kaum bemerk
baren Ausdruck von Sympathie.
Wenn es in Frankreich eine Pro
vinz gibt, welche bei der reinsten Liebe
zum allgemeinen Vaterlande eine noch
glühendere Liebe zur engern Heimat,
zum eigensten Stamme bewahrt hat
und pflegt, eine Liebe, welche auf
der einen Seite den Enthusiasmus
wachruft und auf der andern zu Trä
nen rührt, so ist es die Bretagne.
Hugo hatte für sein Geburtsland
diese Liebe bewahrt, welche den Söh
nen jenes alten Landes zu eigen bleibt
von dem Tage an, da sie zum ersten
Male spielend das Vaterland verteidi
gen, bis zu jenem Augenblick, da sie
auf immer von ihm Abschied nehmen.
Und Eliane hatte zu viele und zu tiefe
Eindrücke von ihrer Reise in jene Pro
vinz mit heimgebracht, um nicht von
einem Sohne derselben neue Anregun
gen freudig zu empfangen.
Sie begannen ein Gespräch, wur
den lebhafter und immer lebhafter,
bis sie endlich ihre Umgebung fast
vergaßen. In einem Tone, in welchem
Bewunderung mit Melancholie sich
mischte, fragte sie ihn, ob er in irgend
einer Beziehung zu dem halb zur
Ruine verfallenen Schlosse Kersaure
Ploermeur stehe.
Hugos Stimme zitterte vor Stolz,
als er mit dennoch bescheidener Wär
me entgegnete:
„Tie Dichter und Touristen bewun
dern es noch, aber die Landeskinder
beugen ihr Haupt, wenn sie sehen, wie
ein Stein nach dem andern aus dem
altehrwürdigen Bau losbröckelt, um
sich zweifelsohne niemals wieder zu
erheben. Sie haben, gnädiges Fräu
lein, meine teuersten und innigsten
Erinnerungen berührt: Kerfaitre ist
die Heimat meiner Familie, die Wie
ge eines Geschlechtes, dessen letzter
Sprößling zu Ihnen spricht."
Eliane schaute ihn einen Augenblick
mit einem Blicke an, in welchem an
die Stelle der eisigen Zurückhaltung
eine warme Sympathie getreten war:
sie liebte die alten Geschlechter und
die alten Traditionen.
Hugo machte es viel Vergnügen,
ihr die Legenden wie die ruhmreiche
Geschichte des Schlosses zu erzählen,
und die junge Tame lauschte träume
risch den Schilderungen voller Wär
ine, in denen hochpoetische Sagen mit
großen Erinnerungen sich mischten.
Bald hörte sie von den lieblichen Feen
der Haide, welche ihre Segenswünsche
an der Wiege eines neuen Sprößlings
des Geschlechtes niederlegten bald er
hob sich vor ihrem Geiste die unheim
liche Gestalt der „weißen Tarne von
Plocrmeur", wie sie, als zur Zeit
Guesclins das Schloß eine starke Be
lagenutg auszuhalten hatte, am
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Schlachttage auf die Zinne des Wart
turmes stieg und die Belagerten zum
Kampfe anfeuerte dann vernahm sie
von den berühmten Jagden, zu denen
selbst Frankreichs Könige erschienen in
den längst verschwundenen Wäldern,
oort den unermeßlichen Schätzen der
Corrigans, welche ein böser Geist in
totes Laub verwandelte, endlich von
der jammervollen Zerstörung in den
wilden Zeiten der Revolution, als
des Schlosses edler Besitzer in der
Vendee für sein angestammtes Kö
nigshaus und für den Glauben seiner
Ahnen kämpfte.
Hugo sprach lange, voll Feuer
schmeichelte ihm doch das hohe Inter
esse und die Aufmerksamkeit, welche
seine ZuHörerin bekundete.
Plötzlich nun fragte die junge Da
me, indem sie wieder auf den Anfang
des Gespräches zurückgrisf, ob auch er
an jenes geheimnisvolle Uebel des
Heimwehs glaube und ob er es. für
möglich halte, daß selbst auf franzö
sischem Boden ein Bretone daran ster
ben könne.
Hugo lächelte und nickte mit dem
Kopse.
„Ich habe noch ganz kürzlich," sagte
er, „ein recht merkwürdiges Beispiel
von diesem unerklärlichen Uebel be
obachtet. Ein bretonischer Soldat,
welcher seit einigen Tagen bei mei
nem Regimente als Rekrut eingetre
ten war, verfiel plötzlich in eine ge
wisse Art von Melancholie. Er war
nicht geradezu krank, aber eine unver
tretbare Traurigkeit, ein langsames
Fieber, eine Lebensmüdigkeit Hatte
ihn gefaßt gewiß, die nicht gerade
besonders liebenswürdigen Komman
dos des Unteroffiziers vermochten ihn
nicht zu heilen. Man sprach davon in
der Kaserne wie von einem sonderba
ren pathologischen Falle, und der be
handelnde Arzt fürchtete, daß der Ar
me dahinsterben werde. Ich vernahm
davon und besuchte ihn. Er war ein
strammer Bursche sein sonnverbrann
tes Gesicht hatte ein erdfahles Aus
sehen angenommen er lag da auf sei
ner Matraze mit äußerst mattem
Blick, die Glieder schlaff herabhän
gend er schien wirklich einem lang
samen Tode entgegenzusiechen. Ich
trat an ihn heran, fragte ihn nach
seinem Namen und seinem Geburtsort
natürlich bretonisch. Sie kennen
diesen so rauhen Dialekt unserm ar
men Rekruten aber schien er wie
himmlische Musik in den Ohren zu
klingen er erhob sich wie elektrisiert,
sein Blick nahm plötzlich einen strah
lenden Glanz an er stieß einen Freu
denschrei aus, und derselbe Mann,
welcher stumm, apathisch tagelang da
gelegen, sing an, mit unerwarteter
Schnelligkeit zu schwatzen. Ich kannte
die Leute seines Hauses ich war ei
nes Tages auf der Jagd in dem Hofe
seines Vaters eingekehrt, und er kann
te nicht minder die Ruine von Kersan
re, auf dessen Zinnen er als Knabe
mehr als einmal nach Vogelnestern
gesucht hatte. Ich versprach ihm, wie
derzukehren Nach zwei Tagen
war er geheilt. Ich war für ihn ge
wissermaßen ein Stück seines verlore
nen Heimatlandes. Er ist mein Bur
sche geworden und wir sprechen Bre
tonisch zusammen," fügte lächelnd der
elegante Rittmeister hinzu.
Elianens Auge schimmerte feucht.
Mit einem Enthusiasmus, welchen je
de edelmütige Handlung, jedes zarte
Gefühl bei ihr wachrief, dachte sie, die
ser junge Mann müsse gut, müsse edel
'ein.
Das Diner war beendet. Und sie
lächelte diese sonst so eisige junge
Dame—, als Hugo ihr aufs neue sei
nen Arm bot, um sie in den Saal zu
rückzu geleiten.
„Eliane," sagte Frau von Auvran,
indem sie ihren Lieblingsplatz am Ka
min wieder einnahm, „Sie würden
sehr liebenswürdig sein, wenn Sie
uns den Tee reichen wollten."
Frl. Darny trat nun an den Tisch,
auf welchem der Tee fertig stand.
Tann wandte sie sich halb rückwärts
zu dem Rittmeister und sagte lächelnd:
„Wollen Sie mir behilflich ferner.
Kapitän?" Ihre Stimme klang
sanfter, schmiegsamer als gewöhnlich.
Sie gestand sich, daß er weit ver
schieden sei von allen jenen Männern,
mit welchen sie bisher in Berührung
gekommen war. Hugo hatte sich eben
trotz seines beständigen Verkehrs in
den Salons und auf dem glatten
Parkett eine Natürlichkeit und Fri
sche bewahrt, welche so sort für ihn
einnehmen mußten.
Im Verlaufe des Abends sang er.
Seine Stimme, ein männlicher Bari
ton, erklang voll und schmiegsam, als
er eine jener bretonischen Balladen
vortrug, in denen Melancholie mit
Kraft sich paart. Eliane begleitete sei
ne Lieder.
Als man sich gegen Mitternacht
trennte, raunte Frau von Ambreville
ihrer Freundin ins Ohr: „Sie ist ge
wonnen, vorausgesetzt, daß er sich nicht
zu voreilig erklärt."
Man nahm Abschied. Und in einem
bescheidenen Fiaker kehrte Hugo heim,
nachdem die feurigen Rosse Elianens
die Ambrevilles davongeführt hatten.
Diö feuchte Kälte der Nacht brachte
OHIO wAnroiniND
den jungen Mann zur Wirklichkeit zu» ihierher hier finden Sie Verkäuferin
rück. „Sie ist geistreich," sprach er zu nen Ihrer Bekanntschaft!"
sich selbst, „aber wenn ich frei zu wäh-1 Leicht berührte er die ihm dargebo'
Steinigen machen Mutz ich mich
denn so tief erniedrigen, mutz ich mich
verkaufen verkaufen an ein We
sen, das meine Liebe verlangen kann,
und das ich nicht zu lieben vermag?"
Hugo warf sich, mit den Zähnen knir
schend, in die Wagenecke zurück.
Am andern Morgen sprach er bei
der Frau von Auvran vor und erkun
digte sich, wann er wohl Eliane wie
dersehen konnte.
HI.
Die gewünschte Gelegenheit stellte
sich alsbald ein.
In den Salons des Ministeriums
des Innern sand ein Wohltätigkeits
basar statt, und Eliane, die reiche jun
ge Nichte des Präsidenten d'Ambre
ville, war eingeladen worden, auch ein
Verkaufskomptoir zu übernehmen.
Gegen nachmittag, als es bereits
zu dunkeln begann, wurden die Sa
ions eröffnet. Prächtige Kronleuchter
erhellten die hohen Räume und sand
ten ihre Strahlen hernieder auf all'
die tausend verschiedenen Gegenstän
de, welche in lieblicher Ordnungslosig
feit von den Händen schöner und
unschöner Tarnen feilgeboten und trotz
ihres geringen Wertes zu hohen Prei
sen verkauft wurden.
Eine elegante kauflustige Welt er
füllte alsbald die weiten Räume.
Wohl die Wenigsten von ihnen führte
der Gedanke her, der notleidenden
Menschheit zu helfen. Tie Meisten
würden es sich stolz verbeten haben,
wenn man sie daran erinnert hätte,
daß die Armen ihre Brüder sind, nur
unglücklichere, vom Schicksal stiefmüt
terlich behandelte. Tiefe traten ein,
ihren Reichtum zu zeigen zu zei
gen. wie sie für Gegenstände, deren
reeller Wert kaum auf einige Gro
schen sich belief, Goldstücke und Bank
noten verausgaben konnten. Ten Ar
men konnte das verdienstlose Gebah
ren solcher Bevorzugter nur lieb sein.
Tie Verkäuferinnen von Blumen
und Zigarren errangen die meisten
Triumphe. Auf ein hingelegtes Gold
stück wurde natürlich nichts herausge
geben. Und mancher Elegant zahlte
eine Rofenknospe, ein winziges Veil
chenbukett, eine Zigarre mit einem
Louisd'or.
Eliane Tarnt) stand hinter entern
Krame, dessen Gegenstände sich keines
wegs durch Glanz hervortaten. Es la
gen da nützlichere Tinge umher
Tücher, wollene Shawls, Handschuhe.
Gegenstände, welche Freundinnen
ihr überlassen und die sie zum Zeit
vertreib selbst angefertigt Sachen für
solche Personen, die etwa nicht nur ihr
Geld ausgeben, sondern auch etwas
Nützliches mit heimnehmen wollten.
Derartiges zieht wenig an. Und
noch weniger war das junge Mädchen,
welches als Verkäuferin fungierte, ein
Magnet für die Gecken.
Man pflegte Eliane meistens einen
solchen Verkaufsposten zu übertragen,
da man wußte, daß sie die nicht ver
kauften Gegenstände an sich zu neh
men und dafür der Kasse eine be
trächtliche Summe zuzuführen pflegte.
Ihrer Toilette mangelte es nicht
an Reichtum. Allein, sie war einfach,
dunkel und diejenigen, welche sie nicht
kannten, gaben ihr den Titel „Frau",
was solche amüsieren mag, die in ju
gendlicher Schönheit strahlen, schwer
lich aber solche, deren Figur und Ge
ficht sie älter erscheinen lassen, und die
es obendrein nur zu gut selbst wissen.
Träumerisch stand sie da. Tie Stun
den wurden ihr so lang, als unerwar
tet die Stimme der Frau von Auvran
an ihr Ohr tönte:
Nun, Eliane, haben Sie schon vie',
verkauft?"
„Wie Sie sehen, nicht," erwiderte
sie. „Es gibt hier so viele reizende Ge
sichter. deren Lächeln matt vorzieht."
„Aber warum haben Sie sich denn
auch alle diese schrecklichen Tinge aus
gewählt?"
„Ich habe sie nicht ausgewählt, ich
habe sie »nur angenommen."
„Nun, ich werde Ihnen schon Käu
fer zuführen. Ich bin hierhergekom
men, um zu fehett, ob meine jungen
Bekannten auch edelmütig sind, wie
sie mir versprochen haben. Zu Ihrer
Tante habe ich meinen Kusin von Fcir
gy dirigiert. Sie kennen ihn ja wohl,
den großen Tragoneroberst. Er hat
mir vorletzten Winter eine ganze
Schwadron Tänzer für meine Soireen
gestellt, sie werden auch diesen Win
ter wieder aushalten müssen. Beson
ders rechne ich dabei auf den jungen
Rittmeister, welchen Sie neulich bei
mir kennen gelernt haben. Er ist nicht
reich. Ich glaube, sein Helm und sein
Tegen sind nebst einigen kleinen Re
venuen aus irgend einem kleinen Be
sitztum seiner Bretagne sein einziger
Schatz. Und trotzdem scheint es. als ob
er das Geld nicht besonders achte. We
nigstens will mein Vetter wissen, er
verschwende ein wenig Aber ich
muß ihn doch her rufen. Sehen Sie,
da kommt er. Und er ist gerade auf
dem besten Wege, der hübschen Jeanne
in die Hände zu fallen und sich für
ein Zigarrettchen, von ihren Rosen
fingern gedreht, fein letztes Goldstück
abnehmen zu lassen Hr. von
Ploermeur Kommen Sie doch
len hatte, würde ich sie niemals zu der tene Hand der Frau von Auvran und „Bravo, Rittmeister, da haben
machte bor Eliane eine ehrftrrchWvvRe
Verbeugung.
wSBir wollten," sagte die Erstere,
„Sie den verführerischen Lockungen
der benachbarten Damen entziehen
Also sehen Sie nicht nach Blumen und
Zigarren, welche wahnsinnige Preise
kosten wenden Sie Ihr Gesicht ab
von schönen Tuchnadeln und vom per
lenden Champagner. Beschränken
Sie all' Ihre Phantasie auf unsere
Sachen, welche nicht so schnell wie der
Rauch verschwinden."
Eliane lächelte. „Trotzdem ich den
Wunsch hege," sagte sie, „meine Kasse
ordentlich zu füllen, so muß ich doch
gestehen, daß die Herren dem Sorti
ment, das ich feil biete, schwerlich Ge
schmack abgewinnen können."
„Wie?" tat Frau von Auvran in
komischer Entrüstung. „Wie? Besitzen
wir nicht ganz wundervolle Taschen
tücher? Alle Buchstaben sind vor
rätig. Herr Rittmeister, und unsere
Auswahl ist die atterreichste Be
lieben Sie welche mit roten Rändern,
oder ziehen Sie vielleicht blaue vor?
Alles feine, garantiert echte Wa
re!... Darf ich Ihnen vier Stück ein
wickeln
Eliane und Hugo lachten hell auf.
Aber Frau von Auvran stellte sich
schnell hinter den Kram und im Nu
hatte sie ihren kostbaren Pelzmantel
abgelegt und ihre schwedischen Hand
schuhe ausgezogen.
Haben Sie etwas Papier da.
Etiene? Sie haben vier Taschen
tücher gewünscht, Rittmeister, nicht
wahr?"
„Alles, was Sie wollen, gnädige
Frau."
„Wir verkaufen sie zu zehn Francs
das Stück ein Spottpreis, wenn
man bedenkt, daß sie von den schön
sten Händen Frankreichs gestickt sind.
ehen Sie hier dieses ,.H" mit
diesem Talisman werden Sie in der
Schlacht unbesiegbar sein."
Hugo nahm sein Portemonnaie,
das alle sein augenblickliches Vermö
gen enthielt am selben Morgen
hatte er dreihundert Francs, seinen
Sold, erhalten. Sorglos legte er ein
Hnndert-Franc-Billet auf den Tisch.
„Nehmen Sie sich in Acht," sagte
Eliane, indem sie unter einem Lächeln
die Angst verbarg, es möchte dieser
junge Tor mit einem Monat voller
Verlegenheit einen übertriebenen Akt
von Generosität bezahlen, „nehmen
Sie sich in Acht! Unsere Statuten ver
bieten uns, jemals Geld herauszuge
ben, und trotz des edlen Zwecks möchte
ich dennoch keine Taschentücher, die
kaum zwei Francs wert sind, zu so
hohem Preise verkaufen."
„Pah!" fiel Frau von Auvran ein.
„Wenn man hierherkommt, ist man
gewillt. Geringes um verhältnismä
ßig hohe Summen zu kaufen. Gehen
Sie, Eliane, Sie verstehen das ,Ge
schüft' nicht vorzüglich. Doch wir tool
Ien edelmütig sein. Der Hundert
Franc-Schein wandert allerdings in
unsere Kasse, aber wir wollen Hrn.
von Ploermeur gestatten, sich noch
obendrein einen Gegenstand auszusu
chen. der ihm gefällt."
„Tie Taschentücher genügen mir,
gnädige Frau, und ich wünsche auch
absolut kein Geld herauszubekommen.
Ich bin glücklich, mein Almosen durch
Ihre Hände gehen zu lassen." Und
dabei steckte er das in Rosapapier ge
wickelte Paketchen zu sich.
„Durchaus nicht! Sie müssen nun
einmal wählen Was halten Sie
Z. B. von diesem gestickten Täschchen
für Visitenkarten? Oder etwa von
dieser Geldbörse von weißen Perlen
Oder von diesem Flakon mit fei
item Sarnmetiiberzug?"
„Alles das ist gewiß reizend. Al
lein, es sind Dingerchen, welche eher
für Tarnen passen. Lassen Sie mir
meine Taschentücher und das Vergnü
gen, sie für die Armen bezahlt zu ha
ben."
.Aber vielleicht haben Sie eine
Verwandte, welcher ein solches Pariser
Ting Vergnügen machen würde," sag
teEliane. „Ich bitte Sie, nehmen Sie
etwas."
Hugos Auge nahm plötzlich einen
sonderbaren, man hätte sagen mögen,
schwärmerischen Ausdruck an.
„Ich habe in der Tat eine Verwand
te. welche mir sehr lieb und teuer ist,
mein Fräulein," bemerkte er sanft.
„Aber sie ist alt, sehr einfach in ihren
Gewohnheiten und kennt nichts von
dem Raffinement der Pariser Moden.
Sie wissen, das Leben in der Bre
tagne ist ernst und strenge und
meine Tante, alt und arut," fügte er
unwillkürlich gerührt und mit Würde
hinzu, „würde nicht wissen, wa-:- sie
mit derartigen Sachen tun sollte."
Frau von Auvran blickte zu Eliane
hinüber. Sie sah, wie deren Auge in
ungewohntem Glänze strahlte: eine
Träne hatte sich hinein gestohlen.
„Ich habe einzelne Gegenstände,
welche Ihrer Verwandten gefallen
dürften." sagte Eliane mit einer ge
wissen Furchtsamkeit.
Dabei wandte sie sich um und nahm
ans einer Ecke einen wundervoll gear
beiteten Shawl von schwarzer und
weißer Wolle, mit seidenen Schleifchen
reich besetzt.
„Ah, das ist eins von Ihren eige
nen Meisterwerken, Eliane,
wahr?" rief Frau von Anvran
im
einen prächtigen Handel abgeschlos
feit!"
Daß er seiner Tante gedachte es
war das einzige Wesen, das er bei
seinem Egoismus aufrichtig liebte —,
hatte ihn in den Augen Elianens sehr
gehoben.
Hugo wollte gehen und faltete
ftfch seinen Shawl zusammen.
(Fortsetzung folgt)
(Fortsetzung von Seite 2)
andere mehr psychologische
Eine
örage: Gerade schrieb mir jemand
aus den States, warum so viele Chi
nesen über Amerika erbost seien, das
ihnen doch so unendlich viel Gutes ge
tan hätte. Ja, es ist schon wahr: als
die amerikanische Armee Peking ver
lassen mußte auf Befehl von Wash
ington demonstrierten viele Chi
nesen, riefen unfreundliche Worte,
trugen unfreundliche Inschriften ein
her und machten auch in anderen
tädten allerlei Unfug. Diese kindi
scheit Demonstrationen waren ohne
Zweifel nach Anficht vieler kluger
Chinesen von kommunistischen Schrei
ern inszeniert! Auch als bei anderer
Gelegenheit ein großer Prozeß gegen
Zwei Soldaten wegen Sittlichkeitsver
gehen aufgezogen wurde, hatten die
Kommunisten die Hand im Spiel, um
China gegen Amerika aufzureizen.
Von einer anti-amerikanischen Stim
mung im ganzen Volk kann gar keine
Rede sein! Indes kann man von er
fahrenen und gebildeten Chinesen, die
täglich mehrere Zeitungen lesen und
den Gang der Ereignisse überall klug
verfolgen, schon manche absprechende
Kritik hören. Da hat z. B. die söge
nannte UNRRA ungeheure Mengen
an Lebensmitteln und Kleidern nach
China gebracht und haben auch viele
Millionen davon unentgeltlich etwas
profitiert. Aber mau weiß auch, daß
gewaltige Mengen dieser Güter in
sehr unrechte Hände gekommen sind
und daß zahlreiche Beamte, amerika
nische Beamte, dabei nicht zu kurz
gekommen sind. Natürlich fehlen allen
Fernstehenden nähere Belege, aber da
bei reichgewordene Chinesen selber
wissen sich darüber sachgemäß zu äu
ßern, wenn sie wollten, was sie
aber ans gewissen Klugheitsrücksichten
sehr unterlassen. Sodann hat es in
weitesten Kretten des armen Volkes
sehr böses Blut gemacht, daß unend
lich viele Tonnen dieser guten Dinge
in das kommunistische China gebracht
wurden! Auch nicht einer der wirklich
armen notleidenden Bauern hat ir
gendetwas davon erhalten, nur die
Kommunisten selber und ihre Freun
de und gewissenlosen Nachläufer. Wie
oft hörten wir schärfste spöttische Be
merkungen darüber, daß ganze Flug
zeuge beladen wurden und tonnen
weise Milch. Nahrungsmittel, Kleider
im roten Gebiet „abgeworfen" wur
den, um den „armen" Landleuten Gu
tes zu tun! Der dümmste chinesische
Schuljunge weiß, daß die „armen
Leute" nichts davon bekamen, die
Roten aber alles freudig einsteckten
und obendrein noch furchtbar gehässig
über Amerika schimpften! Müssen da
unsere vaterlandsliebenden Chinesen
nicht sagen: Amerika selbst hilft den
Roten! Und das haben sie tausendmal,
mit Recht gesagt!
Dann kann matt sehr oft hören:
Tie Amerikaner verachten uns, sie
trotzen mit ihren Tollars, meinen,
China sei so eine Art Nigger-Staat
und sie seien die Herren der Welt!
Natürlich stecken alle Chinesen gern
die amerikanischen Tollars ein, ma
chen den einfältigen Boyo von der
Navy oder Army dickste Preise für
wertlose Sachen oder für kürzeste
Rikschafahrt, weil sie fogen: wenn
man so dumm ist und mit dem Geld
herumschmeißt, warum auch nicht?!
So haben die guten braven „Boys"
fast überall sehr an Ansehen verloren,
denn wer so unsinnig mit dem Geld
umgeht (dem Turchschnittschinesen ist
Geld gleich Gott), der muß ungeheuer
dumm sein! Taztt kommt die gewöhn
lich sehr hochfahrende Art der meisten
Vertreter der States int Umgang mit
gewöhnlichen Leuten. Ter Chinese ist
sehr empfindlich und verlangt von je
dem eine gute Portion Höflichkeit,
weil er selbst stets höflich ist. Im Um
gang mit sehr vielen amerikanischen
Leuten hat er aber durchweg die Emp
findung des Verachtetwerdens, wie
denn tatsächlich ein riesigem Ueberle
genheit5gefiihl der in China lebenden
Amerikaner nicht abzustreiten ist, was
auch allen Vertretern anderen •Natio
nen nur zu sehr auf die Nerven fällt.
Alte Missionare und altergraute
Tiplomaten in China haben da gleich
ein ganz anderes Gefühl, wenn sie
irgendwo mit Chinesen zu tun haben.
Erste und wichtigste Pflicht ist Höf
lichkeit, Güte, Eingehen auf die Ge
fühle des anderen, auf feine Auffaf
sung der Lage und dann läßt sich
mit jedem Chinesen aufs beste aus
kommen sie freuen sich, Verständnis
und Achtung zu finden, sie sind dank
bar für Entgegenkommen und Hilfe,
sie achten den Fremden als noblen
Menschen und sind zu bester Zusam
nicht ntenarbeit bereit.
.| Für heute sei's genug. Psychologie,
Sie und nicht nur Tollars!
1
Im*
Vriti »us Ctnns

By the MOST REV. ALOISIUS J. MUENCH. Bishop of Fargo.
A powerful appeal to all Christians to put aside what Mr.
Churchill called "the craven fear of being great" and help the
nations achieve the goal of "One World."
This slender pamphlet is "must" reading for all who are
interested in helping to build genuine and lasting world
peace.
25 pages, single copies, 20c postpaid.
10 to 100 copies, 15c per copy.
101 to 500 copies, 12c per copy
SOI to 1000 copies, 10c per copy.
Over 1000 copies. 8c per copy.
ORDER FROM BOOK DEPARTMENT
WANDERER PRINTING COMPANY
128 E. 10th STREET
ST. PAUL 1, MINNESOTA

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