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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 07, 1948, Ausgabe der 'Wanderer', Image 4

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.Herr schütze una vor
unteren Freunden"
P. Franz Markert, S.V.D., schreibt
int Familienblatt' (August) unter
der obigen Ueberschrift:
Vielleicht hört sich dieses Gebet et«
was sonderbar an. In der Regel ist
malt doch dankbar für Freundschaft
und Freunde. Sind Freunde nicht
unsere Helfer? Leider nicht immer.
Sie können eine rechte Pest und Pla
ge sein. Statt uns zu helfen, sind sie
ein Schaden und ein Grund für viel
Verdruß. 2a» heißt natürlich nur,
wenn sie nicht wirkliche Freunde sind,
wenn sie sich aufdrängen, wenn sie
nicht Willen und Eignung für wahre
Freundschaft besitzen, wenn sie sich
selbst suchen, ihren Vorteil oder eine
Gelegenheit, sich einen Namen zu ma
chen. oder auch, wenn sie irgend ei
nen „Spleen" haben, einen „Fim
mel" oder ein „Steckenpferd", mit
dem sie unsere Geduld und unsere
Nerven und möglicherweise unser
Geld zu Tode reiten. Nor all solchen
„Freunden, o Herr, bewahre uns"
ist ein berechtigte» Gebet.
Tiefe» Gebet dürfen die deutschen
Frauen sprechen, wenn sie von gewis
sen amerikanischen Frauen hören, die
sich ihnen anbiedern, oder besser ge
sagt, ungerufen aufdrängen, mit
Ideen, Programmen und Plänen für
eine Umerziehung der deutschen
Frauenwelt. Wir haben, soweit die
Männer in Betracht kommen, schon
so viel verpfuscht und soviele Konsu
sion verursacht, soviel Spott und
Perachtung und Enttäuschung mit un
serer Art, die Deutschen umzuerzie
hen, wofür wir weder Recht noch Eig
nung besitzen. Nun fehlt es gerade
noch, daß auch die Frauen noch ihren
Senf dazu geben wollen!
Vor mir- liegt ein Artikel in
.Women's National News Service'.
Demgemäß brennen gewisse Frauen
kreise darauf, die deutsche Frauen
welt umzuerziehen. Wie das gehen,
und worin diese Umerziehung beste
hen, und warum sie vor sich gehen
soll, wird in dem Artikel klar ge
macht. Unsere Leser und noch mehr
die Leserinnen werden erstaunt sein
über die Entdeckungen, die die ame
rikanischen Frauen gemacht haben be
züglich des Charakters der deutschen
Frauen. Erst recht werden sie höch
lichst erstaunt sein über die sonder
bare Logik dieser amerikanischen
Blaustrümpfe, die in der echten Haus
frauentugend der deutschen Frauen
die Gefahr einer neuen Nazidiktatur
sehen. Hier ist, was diese Reformer
deutscher Hausfrauen im Sinn
haben:
»Tie ,Hausfrau'-Tradition in ih
rem engsten Sinne ist so tief in
Teutschland verwurzelt wie sein Mi
litarismus. Wenn sie weiterhin be
stehen bleibt, wird sie dem Nazis
mus Hu neuem Leben verhelfen oder
eine andere Art Despotismus ermu
tigen. Gruppen von amerikanischen
Frauen, einschließlich die ,National
League of Women Voters', haben die
amerikanische Militärverwaltung in
Teutschland gedrängt, sich mehr des
Problems der deutschen Frauen an
zunehmen. Führerinnen der hiesigen
Frauen haben Vorschläge gemacht für
ein Programm. Sie drängen darauf,
daß hierfür ausgebildete amerikani
sehe Frauen unter deutschen Frauen
arbeiten, ihnen ratend helfen mit
ihren Problemen im Gemeinschafts,
leben und sie so vorbereiten für ihre
politische Verantwortlichkeit. Weil
die deutschen Frauen nun sehr in der
Ueberzahl sind gegenüber den Män
nern, könnten sie, wenn man sie sich
wieder in ihre Hausfrauen-Jgnoranz
in Bezug auf öffentliche Angelegen
Helten zurückziehen ließe, eine gefähr
liche Macht werden unter der Füh
rung von neuen Erlösern mit neuen
Versprechungen. Außerdem ist es
wertlos, die deutsche Jugend in de
mokratischer Art zu unterweisen,
wenn sie kein Verständnis dafür fin
den bei ihren Müttern und Schwe
stern Aber wollen die Massen
von deutschen Frauen wirklich ihre
Hausfrau-Tradition aufgeben? Wol
len sie wirklich ihre alte teutonische
Theorie von dem Platz der ,Frau in
der Küche, bei den Kindern und in
der Kirche', während ihre Männer
Kriege führen und die Regierung
handhaben, beifeitefetzen? Sie haben
von den Junkern und Nazis ein psy
chologisches Erbe der Verherrlichung
de» Krieges und der sklavischen Un
terwürfigkeit ihres Geschlechtes über
nommen. Jetzt ist die günstige Zeit
gekommen, sie zu beeinflussen, um zu
verhindern, daß sie wiederum eine
Die weltberühmte St. Bene
dict-Wundsalbe
Erprobtes Heilmittel gegen alle
Arten von alten und frischen Wun
den, Geschwüren, Gewächsen, Biß
wunden, Karbunkeln usw. Bitte Geld
nur durch Post Money Order zu schif
fen. Keine Stamps. Sechzig (60)
Cents die Schachtel öd
J. L. 8TAAB
mm
•••um«* Am, «u«akaü a,s
billige Beute werden für Verspre
chungen und Schlagworte, fondern
daß sie dazu geführt werden, ihr
Hausfrauenideal zu erweitern in der
Art. daß sie den Anforderungen un
serer Zeit an die Frauen gewachsen
sind."
Ein solcher Mischmasch von Ober
flächlichkeit, Unkenntnis der tatsäch
lichen Verhältnisse und der hohen
Intelligenz der deutschen Frauen im
allgemeinen, von Eigendünkel und
Verleugnung der Schwächen unserer
hiesigen Frauenbetätigung im öffent
lichen Leben liefert Stoff für einen
langen Artikel, wenn nicht gar ein
Buch. Wieviel besser wären wir hier
zulande gestellt, wenn wir mehr
Hausfrauentugenden als Ausfrauen
lügenden hätten! Hat denn diese Art
öffentlicher Betätigung unserer hie
sigen Frauen in all den Iahren seit
dem sie begonnen haben, unser öf
fentliches Leben in Politik und Ge
schäft lind Gesellschaft zu beeinflussen,
dieses wirklich so verbessert, gehoben
und veredelt, daß das Aufgeben des
Hausfrauenideals nicht ein zu hoher
Preis mar Sind denn die deut
icheii Frauen wirklich so rückständig,
daß sie die Erziehungskunst unserer
hiesigen Blaustrümpfe und Frauen
rechtlerinnen und Klubdamen nötig
haben? Wer, wie der Schreiber die
fes. reichlich Gelegenheit hat, Sinn
und Teuren deutscher Frauen wahr
zunehmen, der weiß, daß die deut
scheu Frauen auch als Hausfrauen
im Durchschnitt eine klarere Idee ha
ben von ihrer Verantwortlichkeit als
christliche Frauen, als Mütter ihrer
Kinder gerade in einer Zeit, in der
sie so viele höchst nachdrückliche Leh
ren empfangen haben, als die hier
zulande, die sich als ihre Lehrerin
nen aufspielen wollen. Viele von ih
nen können besser unterscheiden zwi
schen Gold und Talmigold, zwischen
dem. was oberflächliches Klubge
schwätz ist und was wahrhaft christli
che Lebensgrundsätze und Notwendig
keiten sind. Man schaffe nach drei
Iahren Kriegsende endlich Lebens
Möglichkeiten für das gesamte deut
sche Volk, banne endlich Hunger und
Not durch Erwerbsmöglichkeiten!
Tann werden die deutschen Frauen
schon ihren Weg finden zur Lösung
auch der neuzeitlichen Probleme in
der sie umgebenden Welt. Man las
se sie aber sich entwickeln in der ihnen
naturgemäßen Art als deutsche Frau
en. nicht nach seichten Rezepten ober
flächlicher Allerweltsschwätzereien.
Vor allem gebe man ihnen und ih
ren Familien Gelegenheit, positiv
christliche Bildungsmöglichkeiten zu
haben. Tann wird man eine Frau
enschast am Wirken finden, die selbst
unseren sogenannten fortschrittlichen
und fortgeschrittenen Frauen in die
sem Lande manches zu sagen haben
wird. Nein, die deutschen Frauen ha
ben allen Grund zu beten, angesichts
der oben gekennzeichneten Bestrebun
gen hiesiger Frauenrechtlerinnen:
.Herr, bewahre uns vor unseren (so
genannten) Freunden'."
3a, »der
Bs» E. I. Reicheuberger
Tie Menschen im heutigen Berlin
gleichen den Siedlern um den Ve
suv. Mit wachsender Sorge hören sie
das unheimliche Beben und drohende
Grollen im Innern des Berges
wann wird die Eruption kommen?
was wird sie an Unheil mit sich brin
gen? werden wir wenigstens unser
Leben retten? Noch sind ja die Lava
massen an den Abhängen kaum erkal
tet und erstarrt und drunten liegen
die Mahner der Vergangenheit, Pom
peji und Herculaneum. Es ist nicht
nötig, den Vergleich auszuführen.
Wir können uns kaum in die Lage
dieser Menschen hineindenken. Wir
gleichen mehr den sorglosen Reisen
den, die aus der Ferne die Rauch
wölken beobachten, die in gewissen
Abständen aus dem Krater aufstei
gen, und das Naturwunder be
staunen.
Wer die Zeit der Hochspannung
nicht in Europa miterlebte, etwa im
sommerschwülen Prag der vor-Mün
chener Krise, wird nicht viel aus der
Nachricht herauslesen, die mich eben
aus Berlin erreichte: „Wir durchle
ben nochmals die Zeiten von 1938—
39 täglich warten wir aus eine Ent
scheidung, so oder so." Und doch geht
es heute in Berlin genau so um Ent
scheidungen von weltweiter Bedeu
tung wie damals. Es ist mehr als
naiv, wenn ein Blatt, das immerhin
ernst genommen werden will, ,U. S.
News & World Report' (23. Juli)
meint, ein Krieg wegen Berlin sei
sehr unwahrscheinlich, „ein Krieg um
das Recht, 2,500,000 Deutsche zu
füttern, würde schwerlich sinnvoll
sein". Ginge es wirklich nur darum,
dann haben die Morgenthauer sicher
einfachere Lösungen einet ihrer
Sprecher, Walter Winchell, hat es
klar gesagt: Let them eat arsenk!
Nein, nein, so sentimental sind unse
re Morgenthauer nicht, daß sie aus
Liebe zu den Berlinern täglich etli
che hundert Flugzeuge nach Berlin
schickten oder gar ihretwegen die Kno
chen eines Amerikaners riskierten.
In Berlin entscheidet sich nicht allein
das Schicksal dieser Stadt oder
Deutschlands, sondern das Schicksal
Europas. Die Ereignisse in Berlin
sind der Anfang, vielleicht nur ein
Ausschnitt aus dem Entscheidungs
kampf zwischen Amerika und Ruß
laud.
Wenn man sich diese unbestreitbare
Tatsache vor Augen hält, ist die Po
litik der Westmächte Deutschland ge
genüber geradezu irrsinnig: ein wirt
schaftliches. politisches, militärisches
und im Gefolge sittlich-religiöses
Vacuum im Herzeit Europas ist eine
ständige Einladung an den Bolsche
wismus. ES ist irrsinnig zu glauben,
daß England, Frankreich oder gar
Benelux die russische Dampfwalze
aufhalten könnten .es wird unend
Itch viel „Schweiß, Blut und Trä
nen" Amerikas neben den Dol
lars kosten. Europa zurückzuer
obern. Wenn (nach dem Bericht H.
L. Hopkins') Stalin einst meinte,
„Hitlers Schwäche liege in den un
terdrückten Völkern, die Hitler und
die unmoralischen Methoden seiner
Regierung haßten", so gilt das zwar
ebenso für Stalin, aber auch für die
Politik der- Westmächte, die nur Haß
und Räch sticht ernten kann. Die Un
terdriickten der Geschichte haben noch
immer auf die Befreiung gewartet
und leider zumeist wenig darauf ge
sehen, wer sie „befreit".
Die Ereignisse in Berlin werfen
wieder einmal die Frage auf: Wer
hat denn die Russen nach Berlin ge
bracht? Hitler? Wenn man aus den
Hitler-Stalin-Pakt verweist, so wird
eben aus den Memoiren des früheren
französischen Außenministers Geor
ges Bonnet („Fin d'une Europe".
Genf 1948) bekannt, daß Frank
reich und England zu demselben Pakt
bereit waren und den stärksten Druck
auf Polen und Rumänien ausübten,
den Durchmarsch bolschewistischer
Truppen nach Ostpreußen zu gestat
ten. Nur am Widerstand der Polen
scheiterte das Paris-London-Moskau
Bündnis, und man war sehr empört
über die „Verblendung" Warschaus.
Ilebrigens haben die Westmächte spä
ter Stalin weit mehr gegeben, ohne
Notwendigkeit, als wozu Hitler je
bereit war. Man sollte nicht verges
sen, daß Hitlers Angriff auf Ruß
land wegen der Unersättlichkeit der
Bolschewiken erfolgte. Und Hitlers
Kampf gegen Moskau hat eigentlich
feinen Untergang besiegelt. Hitlers
Ziel war es sicherlich nicht, Stalin
nach Deutschland zu bringen wenn
heute die Donau und die Elbe rote
Ströme sind, so ist das das „Ver
dienst" der Herren Roosevelt, Church
ill. Truman und Attlee. Tie Ameri
kaner unter Eisenhower und Mar
shall überließen den Russen die „Bö
freiung" Berlins, Wiens und Prags.
Sie zahlten fpäteir sogar mit ier
Auslieferung deutschen Bodens bis
an die Elbe dafür, daß eine Schat
tenarmee zur Besetzung einer Zone
Berlins zurückkehren durste. Es 'ist
eine tragische Ironie, daß ausgerech
net General Lucius T. Clay die Ver
einbarungen traf über die Kontrolle
der Zufuhr nach Berlin und dabei so
gar darauf vergaß, die „Vereinba
rungen" schriftlich ifestzitlegen. Ter
„gute alte Joe" kann sich eben an
nichts erinnern als daran, daß Ber
lin im roten Meere liegt, eine ein
fante" Insel. Tie Westmächte haben
mit der Forderung des unconditional
surrender Deutschland gegenüber den
Krieg verlängert, sie haben sogar
ausdrücklich Teutschlands Uiiterwer
sung auch unter die Bolschewiken ge
fordert und schließlich Stalin ein un
conditional surrender ihres militä
rischen Sieges und des Weltsriedens
angeboten, ja geradezu nachgeworfen.
Unfaßbare politische Naivität, Un
kenntnis der Geschichte, Geographie
und vor allem des Geistes Europas,
alttestamentliche Nachsucht haben die
Welt an den Abgrund eines neuen
Weltkrieges geführt. Kenner der Ver
Hältnisse befürchten mehr und mehr,
daß der Krieg unvermeidlich gewor
den ist der Krieg derer, die „Ver
einten Nationen" und „friedliebende
Völker" spielen! Die Frage ist nur,
wann er beginnt, heute, morgen,
1952, oder wenn auch die Russen ein
Lager Atombomben aufgestapelt ha
ben. (Eben geht wieder die Nachricht
durch die Presse, daß in der von
Amerika den Russen ausgelieferten
Tschecho-Slowakei neue Uranium
lager, neben den weltbekannten in
St. Ioachimstal entdeckt, durch deut
sche Sklaven ausgebeutet und in der
von Amerika verratenen russi
schen Zone verarbeitet werden!) In
diesem kommenden Kriege wird die
Haltung des russischen Volkes eine
entscheidende Rolle spielen. Igor I.
Sigorsky, der, in Rußland geboren
und erzogen, 1919 nach Amerika kam
und heute als bekannter Flugzeugin
genieur tätig ist, sieht dies ganz klar.
In ,Human Events' (10. Mai) schrieb
er einen von hohem Idealismus und
von Liebe zu seiner alten Heimat wie
zu Amerika getragenen Artikel: Rus
sia versus Communism. Sikorsky ist
überzeugt, daß der Kommunismus
sein Ziel der Weltherrschaft mit allen
Mitteln verfolgen wird, daß daraus
zwangsläufig ein Krieg entstehen
wird, ob die andere Seite es will
oder nicht. Er glaubt, daß die Aus
sicht, den Krieg zu verhindern oder
doch zu gewinnen, von einer koustruk
tiven. intelligenten amerikanischen
Politik abhängt, und das erfordere
ein richtiges Verständnis des russi
schen Problems überhaupt, nämlich
eine klare Unterscheidung zwischen
dem russischen Volk und dem russi
schen Mutterland auf der einen Sei
te, der kommunistischen Diktatur auf
der andern. Es war Hitlers Kardi
nalfehler, daß er diese Unterschei
dung nicht machte die Russen hätten
ihn sonst als Befreier begrüßt. Si
korsfy ist darum der Ansicht, daß die
Westmächte einen kommenden Krieg
„als Kreuzzug gegen das unheil
volle liebe! des aggressiven totalitä
ren Kommunismus it die Befrei
ung aller durch den Kommunismus
unterdrückten Völker, einschließlich
der Russen" proklamieren müßten.
Dazu sage ich mit voller Ueberzen
gnng a, soweit es sich um die
grundsätzliche Einstellung handelt
ja, a e Bekanntlich stand der
Kriegsanfang unter demselben
Schlagwort leider jtoar es nicht
mehr als eben .ein Schlagwort:
Kreuzzug gegen die Nazi-Tyrannei,
für die Befreiung der Unterdrückten,
einschließlich des deutschen Volkes.
Man müßte mit größerer Objektivi
tat als die Memoirenschreiber, die
heute Millionen aus dem Geschäft
des Krieges ziehen, die Geschichte die
fes Krieges wiederholen, die fkrupel
lose Bombardierung der Zivilbevöl
kerung, die wahnwitzige Zerstörung
von Kirchen. Spitälern, Kunstdenk
malen, den Raub an Privateigentum,
die Greuel der „Befreiung", wo die
Mongolen mit den Senegalnegern
der Grand Nation diabolische Or
gien in der Schändung von Frauen
und Kindern feierten, den Verrat
an den eigenen Bundesgenossen in
Teheran und Ialta. das Verbrechen
des Rassenmordes durch die Austrei
bung von 15 Millionen Christen aus
einer Heimat, die lange vor der Ent
deckung Amerikas Kulturland war,
die bewußte Aushungerung von 70
Millionen, die wahnwitzige Jndu
striezerstörung und Verschleppung,
und eben jetzt die Einführung der
Morgenthauischen Kolonialmark, die
unsozialste Geldabwertung der Ge
schichte, die vor allem ein neuerlicher
Raubzug gegen die durch Potsdam
vertriebenen Christen ist und end
gültig den Boden für den Konunu
nismus vorbereitet.
Es gab Millionen 2er besten Men
schen in Deutschland, die auf die Be
freiung durch die Alliierten warte
ten. Heute wissen sie, daß die großen
Töne über BBC und andere Sen
der, Phrasen waren heute wissen sie,
daß der Krieg nicht gegen den Na
zismus ging, sondern gegen das deut
sche Volk. Und wenn Präsident Tru
man unlängst wiederholt behauptete,
daß Amerika keine territorialen Er
oberungen machte und keine Repara
tionen forderte, so kann das die Tat
sache nicht auslöschen, daß Amerika
den Sklavenmarkt in England,
Frankreich und selbst Rußland belie
ferte mit deutschen Kriegsgefange
neu, daß Amerika nicht bloß den Rus
sen den Osten Europas sicherte, sou
dern im Westen den Franzosen die
urdeutsche Saar, und wenn so irgend
ein Räuber noch ein Stück aus dem
Leibe Deutschlands herausschneiden
will, so kann er sich auf feine Mor
genthauer verlassen. Und keine Re
parationen? Reden wir nicht davon,
was die Soldateska „organisiert" hat
an allem, was nicht niet- und nagel
fest ist schweigen wir von den be
kannt gewordenen Diebstählen wie
den hessischen Kronjuwelen sind die
deutschen Gelder, die man der
Schweiz und anderen abpreßte, keine
Reparationen, und die gestohlenen
deutschen Patente? Das deutsche
Volk hat die „Besreier" kennen ge
lernt aus allen Briefen klingt die
Ernüchterung, die Enttäuschung, die
Verbitterung und wir alle wis
sen, was daraus wächst. Aus dem
Westen schreibt ein Freund: „Als im
Oktober 1944 amerikanische Truppen
unseren Ort besetzten, wurden sie
überall als Befreier angesehen und
begrüßt. Unser Volk war in jeder
Weise aufgeschlossen und zu allem
bereit. Ich selbst habe mich tauschen
lassen durch die Propaganda am
Rundfunk, den ich den ganzen Krieg
über verbotenerweise gehört hatte,
und glaubte in den Siegern wirk
lich die Vertreter des Christentums
sehen zu können, die es besser machen
würden als wir es gemacht. Was
sind wir alle enttäuscht worden! Un
ser Bischof sagte einmal: ,Die Art
und Weise, wie die Engländer und
Amerikaner^ uns behandeln, gehört
zu den größten Enttäuschungen rnei
nes Lebens'." Es fehlt der Raum
für hunderte von Zitaten. Vielleicht
ist es den „Kreuzfahrern" heute noch
sehr gleichgültig, ob das deutsche
Volk ausgeschlossen oder verbittert
und enttäuscht ist. Man wird auch
darüber noch anders denken, wenn
unsere Jungen mit ihrem Blute für
den Morgenthauismus büßen müs­
sen. Aber und das ist noch wichti
ger Die Verbrechen der Nach
kriegszeit haben sich nicht in der Ab
geschiedenheit der KZ abgespielt,
Die Welt weiß heute, daß unsere
„Freiheiten" und Chartern Täu
schungsmanöver', Geschäftstricks sind,
genau wie die Parolen Stalins und
Hitlers. Wir haben das Vertrauen
der Welt verloren und damit die
geistige Führerschaft. Wir haben das
Recht verwirkt, den Bolschewismus
auf geistiger und sittlicher Ebene zu
bekämpfen. Und wir werden erfahren,
was das heißt.
Und werden die Russen an den
neuen „Kreuz^ug" glauben? Haben
denn nicht die Westmächte den Bol
schewismus vor dem Zusammenbruch
gerettet haben sie ihm nicht zu nie
geahnter Macht verholfen haben sie
ihn nicht zum Herrn Europas ge
macht haben sie nicht die Verbrechen
des Kommunismus vertuscht und
Verbrecher als Richter in Nürnberg
herangezogen usw. usw. Jene Russen,
die sehen können und wollen, haben
genug Anschauungsunterricht gehabt
„Onkel Joe" ist doch ein guter
Kerl, selber „Gefangener" wie die
Massen. „Ach, wenn das der Führer
wüßte hat man einmal den
Deutschen eingeredet. Reden wir nicht
mehr vom Kreuzzug. Reden wir vom
Kamps um die Weltherrschaft zwi
schen Rußland und Amerika, vom
Kampf um die Güter, für welche bei
de ihre Seelen, aber auch die Leiber
von Millionen riskieren. Es muß ei
ne neue „Kreuzauffindung" durch die
Heiligen kommen. Das Kreuz liegt
tief begraben unter den Trümmern
der Kirchen, unter faulenden Leichen,
unter Atombomben ^und Tanks und
Giftgas unter dem „Fortschritt".
Wir müssen von vorne anfangen,
wenigstens bei den Idealen der Un
abhängigkeitserklärung oder des
Sklavenbefreiers A. Lincoln „mit
Bosheit keinem gegenüber, mit Lie
be zu allen, mit Festhalten am Recht,
fo wie Gott es uns erkennen läßt".
£6 es noch Zeit ist zur Umkehr?
Die Mrmfien Opker de«
zweiten Weltkriege«
Zwölf Millionen Volksdeutsche als
Flüchtlinge
Zu den ärmsten Opfern dps zwei
ten Weltkrieges zählen die sogenann
ten Volksdeutschen, die aus den Ost
staaten nach Oesterreich und West
deutschland geflüchtet oder vertrieben
worden sind. Sie haben in ihrer Hei
mat das ganze bewegliche und un
bewegliche Vermögen zuirückgeüafsen
und an Kleidern und Wäsche nur ge
rettet, was sie auf ihrer Wanden
schaff in Handkofferchen mit sich führ
ten oder am Leibe trugen. Von den
Regierungen ihrer Herkunftsländer
wurden sie nicht nur ihres Besitzes,
sondern auch der Staatszugehörig
keit bezw. des Heimatrechtes für ver
lustig erklärt. Nun fristen sie ihre
Zahl wird auf zirka zwölf Millionen
Beelen geschätzt in ihren proviso
rischen Herbergen, zumeist in Barak
ken, wenn's hoch geht, in Notwoh
nungen ein kümmerliches Dasein.
ehemaligen Gutsbesitzer und
selbständigen Landwirte müssen, um
sich ihr tägliches Stückchen Brot zu
verdienen, als Knechte und deren
Frauen als Mägde auf Bauernhöfen
roboten die manuellen Arbeiter sind
froh, wenn sie in einem Betriebe un
terschlüpfen konnten und in der
Werksküche ein erschwingbares Essen
erhalten. Am schlimmsten sind die
Angehörigen der intellektuellen Be
rufe daran, da bei der Ueberfülle von
Intelligenz in Oesterreich und
Teutschland für die wenigsten von ih
nen ein geeignetes und auskömmli
ches Betätigungsfeld zu finden ist.
lieber alle diese Menschen, mögen sie
einen normalen Erwerb ausüben,
nur Hilfsdienste verrichten oder als
Arbeitslose oder Arbeitsunfähige ei
ne Unterstützung in Anspruch neh
men, lastet die bange Frage nach ih
rem endgültigen Schicksal: Gibt es
eine Möglichkeit zur Rückkehr in ih
re frühere Heimat und zur Wieder
gewinnung des verlorenen Besitzes?
Sollte ihnen die Heimat für immer
verschlossen und der Nießbrauch ih
res Eigentums verwehrt sein, in wel
chem Winkel der Erde werden sie end
lich zur Ruhe kommen und wer wird
dafür sorgen, daß ihnen eine Ablöse
für ihr Vermögen vergütet wird?
Vor allem aber: Wann wird über
alle diese ungelösten, für die Volks
deutschen so ungeheuer wichtigen Pro
bleute die Entscheidung fallen? Es
sind doch schon seit Kriegsende drei
volle Jahre, seit ihrer Flucht auch
schon mehr Jahre verstrichen und noch
immer haben die Siegermächte, die
allerdings mit. und untereinander
ihre eigenen Sorgen haben, nicht den
kleinsten Schritt zur Lösung der
Volksdeutschen Frage getan.
Als Fremde und Bettler unter htm
eigenen Bolk?
Der uneingeweihte Beobachter
könnte vielleicht meinen, daß es
Teutschlands und Oesterreichs Sache
wäre, durch einen Appell an die Al
liierten den ganzen Volksdeutschen
Komplex ins Rollen zu bringen.
Tenn die zwei Staaten können
angesichts des kargen Raums, auf
dem die ansässige Bevölkerung zu le
ben gezwungen ist, beim besten Wil
le« nicht all den vielen Hunderttau
senden und Millionen von Menschen
Siedlungs- und Ackerland. Arbeits
plätze oder Berufsstellen jetzt oder je
mals in der Zukunft in genügender
Menge zuteilen oder, frei machen. Da
zudem die vielen zusätzlichen Esser
auch das Ernährungspotential bela
sten, so wären Deutschland und
Oesterreich sicherlich daran interes
siert, bei deu Siegermächten aus ei
genem Antrieb auf die eheste Rege
lung der Volksdeutschen Frage zu
drängen.
Gegen solche Betrachtungen ist fol
gendes einzuwenden: Deutschland ist
gegenwärtig kaum noch ein politi
scher Begriff. Ein „souveräner" deut
scher Staat noch dazu in verstüm
meltem Umfange soll erst in den
nächsten Monaten aus der Taufe ge
hoben werden. Die neue westdeutsche
Regierung in Frankfurt a. M. wird
allerdings berufen und verpflichtet
fein, in der ersten Proklamation, mit
der sie vor das deutsche Volk und
vor die Weltöffentlichkeit treten wird,
nebst den sonstigen Problemen auch
zur Volksdeutschen Frage Stellung
zu nehmen, und sie wird sich dem
nicht entziehen. Daß die einzelnen
deutschen Länder der Westzone bis
her von sich aus den drei alliierten
Besatzungsmächten keine gesonderten
Vorschläge unterbreitet haben, mag
mancher setts vielleicht bedauert wer
den: wir sagen, es war besser so, denn
wenn jeder Landesteil eine Losung
beantragt hätte, so wäre das Durch
einander noch größer geworden.
Oesterreich aber, das sich schon seit
zwei Jahren einer von den vier Be
satzungsmächteu kontrollierten „sou
veränen" Regierung erfreut, hat
schon oft und oft an den Alliierten
Rat in der Angelegenheit der Volks
deutschen Flüchtlinge Appelle, wenn
gleich mit geringem Erfolge, gerich
tet. Regierung und Parlament ha
ben hierbei außer den Volksdeutschen
-allerdings auch die Anderssprachigen
lit ihre Fürsorge einbezogen und sich
in ihren Erklärungen des Ausdrucks
„versetzte Personen" (Displaced Per
sons) bedient. In manchen der Kritik
besonders zugänglichen Kreisen hier
zulande glaubte man, dieser Aus
druck sei gewählt worden, weil nfan
damit bekunden wollte, daß auch das
heutige Oesterreich sich gleich dem
Oesterreich der alten Monarchie als
über ..gleichberechtigten Völkerschaf
ten" erhaben betrachte und die Volks
deutschen eben auf dem gleichen Fu
ße wie die Slowenen, Kroaten, Ser
ben, Ungarn, Tschechen und die son
stigen aus den Oststaaten über die
Grenzen eingesickerten Flüchtlinge
einschätze. Diese Annahme trifft in
des nicht zu. Oesterreich ist vielmehr
aus Gründen politischer Vorsicht dar
auf bedacht, jeden Anschein zu ver
meiden, als ob es die Volksdeutschen
als Angehörige derselben Blutsge
meinfchaft bevorzuge und sich für sie
aus konnationaler Sympathie beson
ders einsetze. Verhielte es sich anders,
so könnte es ihm leicht passieren, daß
es wegen Verfolgung „pangermani
stischer, nationalistischer oder gar na
zistischer Tendenzen" vom Alliierten
Rat zur Rechenschaft gezogen würde.
Aus dem gleichen Grunde geht die
österreichische und namentlich die füh
rende Presse in Wien jeder Erörte
rung der Volksdeutschen Frage ängst
lich aus dem Wege.. Es ist daher
kein Wunder, daß die Volksdeutschen
Flüchtlinge dieses Verhalten der Re
gierung und der öffentlichen Mei
nung Oesterreichs als „Teilnahms
losigkeit" und „Hartherzikeit" emp
finden. Adam Müller-Guttenbrunn,
der Dichter unter Maria Theresia
und Josef II. im ehemaligen unga
rischen Donau-Raum angesiedelten
Kolonisten, has als schwerstes Leid der
„Schwaben" ihr Heimweh bezeichnet.
«Es brennt ein Weh, wie Kinder
tränen brennen, daß wir dem Va
terland nur Fremde sind," heißt es
in dem von ihm verfaßten Schwa
beultet). Wenn diese Volksdeutschen
trotz zweihundertjähriger Ansässigkeit
unter Ungarn in der andersnationa
len Umgebung „dem Vaterland nur
Fremde" waren, wie sehr muß es sie
bedrücken, daß sie in Oesterreich, als
unfreiwillige „Heimkehrer" Hilfe und
Verständnis für unverschuldete Not
heischend, nach ihrer Ansicht nun auch
von den eigenen Volksgenossen im
Mutterlande als „Fremdlinge", „lä
stifle Ausländer" oder gar als „Bett
ler" behandelt werden! Dabei beru
fen sich diese Menschen darauf, daß
sie als Kolonisten hervorragende
wirtschaftliche und kulturelle Werte
geschaffen und das Schild ihrer deut
fchen bezw. österreichischen Abkunft
stets hoch in Ehren gehalten hätten.
Sie leisten natürlich auch in Oester-

K o e s o n e n z e n

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