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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, September 18, 1948, Ausgabe der 'Wanderer', Image 3

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-. ••,. ••..,••
p:
Bauernregeln und das
Wetter
Die Meteorologen von Beruf, die
in zäher und aufopferungsvoller Ar
beit Schritt um Schritt die Rätsel
der Wetterkunde zu lösen suchen, sind
in der Regel erklärte Feinde jener
Bauernregeln, in denen der Land
man
n auch heute noch vielfach, mehr
mit dem Gefühle und der Erfahrung,
die nahe Zukunft der Witterung zu
erkennen sucht. Aber die Geschichte
bietet uns viele Beispiele dafür, wie
der Volksmund und das Volksemp
finden Dinge vorausgeahnt und naiv
formulierte, die später von der Wis
senschaft erklärt und bestätigt wur
bett. Der Sandmann ist oft ein aus
gezeichneter Wetkerprophet, wenn er
auch seine Berechnungen bisweilen
naiv formuliert, und in dem Volks
glauben offenbart sich, trotz vielem
abergläubischen Tandes, oft eine
Wahrheit, deren ursächlicher Zusam
menhang sich erst später erklärt.
W. Beach Thomas, der sich in ei
nem englischen Blatt mit der wet
terprophetischen Begabung des Land
mannes beschäftigt, weiß dafür man
che Beispiele anzuführen auch die
Jndier sagten schon vor Jahrhunder
ten, daß Fliegennetz vor Fieber schü
tze, was in dieser Fassung natürlich
falsch ist: aber erst hundert Jahre
später vermochte die Wissenschaft nach
zuweisen, daß dieses Fliegennetz in
vder
rv
Mm,
Tat ein guter Schutz gegen gewis
se Krankheiten ist, weil es die In
fektion durch Mücken erschwert und
verhindert. Die heutige Meteorolo
gie verneint auch mit Leidenschaft je
den Zusammenhang der Mondstel
lung mit der Witterung, und doch
kann niemand voraussagen, ob nicht
spätere Erkenntnisse dereinst manche
Beweise für den auf dem Lande nach
vielfach herrschenden Glauben er
bringen, nach denen der „Mond das
Wetter macht". Auch in diesem Som
mer der meteorologischen Enttäu
schungen sind die Laien der Wetter
künde eifrig an der Arbeit und man
che Behauptung wird aufgestellt, für
die Beweise einstweilen nicht erbracht
werden können und die infolgedessen
von der exakten Forschung auch ab
gelehnt werden. Und doch bestätigt
auch die jetzige herbstliche kalte, feuch
te Witterung mit ihren Regenschau
ern wiederum eine jener alten Bau
ernregeln, die da sagen: „Weht der
Wind wider die Sonne, öffnet der
Himmel die Tonne". Hier liegt eine
Beobachtung vor, die auch von der
modernen Wissenschaft bestätigt wer
den mußte. Und ähnlich geht es mit
der alten Regel „Am Abend rote
Sonne, ist des Schäfers Wonne, Rot
sonne am Morgen bringt dem Schä
fer Sorgen." Natürlich wissen wir
nicht, ob die rote Farbe der Sonne
die feuchte Witterung hervorruft.
Aber sie ist eine Folge von Ursache
und Wirkung, weiß aber oft das
Symptom richtig zu deuten, wie naiv
die Formulierung auch klingen mag.
Der Landmann weiß auch: wenn die
Wolfen sich gegen'den Wind bewegen,
oder wenn die Sonne und der Mond
einen Nebelkranz bilden, dann hat
man Regen zu erwarten. Und der
Regen kommt.
Aber die Wetterkunde des Land
mannes beschränkt sich nicht auf die
se Beobachtungen, die, von Genera
tion zu Generation weitergegeben,
allmählich die Form eines Volksglau
bens annehmen: der Landmann hat
auch bei seinen Voraussagen Ver
Kündete, über die die Meteorologie
einstweilen nicht verfügt. Und das
sind die Tiere. Am bekanntesten ist
die Tatfache, daß die Schwalben vor
Beginn schlechten Wetters ganz nie
drig am Boden dahinstreifen und
an der Küste wissen die Bauern: wenn
die Schwalben sich weit aufs Meer
hinauswagen, brauchen Stürme und
heftige Winde nicht befürchtet zu wer
den. Wenn die Fliegen aufgeregt
sind, braucht der Landmann nicht
mehr auf das Barometer zu sehen,
und wenn die Bienen sich nahe an
ihrem Stocke halten, dann nimmt er
beim Gang auf das Feld den Regen
mantel von vornherein mit. Die
Spinnen verraten uns viel von be
vorstehenden Witterungsumschlägen,
und wenn Plötzlich vor den Fenstern
Fliegen in dichten Schwärmen auf
tauchen, dann weiß man sicher: ein
Gewitter ist im Anzüge. Diese Flie
genschwärme erscheinen oft so plötz
lich, daß man fast glauben möchte,
sie verfügten über einen besonderen
Sinn, der sie die Elektrizität der
Atmosphäre registrieren läßt. Heute
aber würden wir es nicht als absurd
ansehen, wenn ein meteorologisches
Büro all diese kleinen Hilfsmittel des
Landmannes bei der Beurteilung der
Witterung in Anspruch nehmen woll
,te. Wir würden lachen, wenn ein Me
teorologe sich einen Bericht über das
w'.
'T^yw^w^'
•.,•»''
f-
Verhalten der Spinnen telegraphie
ren lassen wollte. Der beobachtende
Landmann aber weiß, daß sie und
viele andere Tiere über eine Fein
heit gewisser Sinne verfügen, die uns
Menschen versagtest und die an Si
cherheit und Genauigkeit das fein
fühligste Hydrometer übertrifft.
Nichts erscheint beispielsweise komi
scher als jene Bauernregeln, die für
bestimmte Tagesfolgen (Lostage) des
Jahres bestimmte Witterungsum
schläge als wahrscheinlich annehmen
und doch haben erst kürzlich statisti
sche Aufnahmen erwiesen, daß in der
Tat überraschende Fälle dieser Art
mit erstaunlicher Regelmäßigkeit sich
wiederholen.
(Eine höchst bedenkliche
Lrscheinuug
DA Zunahme der Ehescheidungen
in unserem gesegneten Lande ist nach
den Zugeständnissen, auch solcher, die
für Religion weiter nichts übrig ha
ben, geradezu erschrecklich. Alle, de
nen etwas liegt an der sittlichen Ge
sundheit unseres Volkes, schauen mit
der größten Besorgnis auf diese un
heilvolle und unheimliche Erschei
nung. Daran kommt man nicht vor
bei, ob man an Gott und Religion
glaubt oder nicht, daß die Familie
die Grundlage eines gesunden Volks
leben» ist. Wenn es hier hapert, dann
hapert es überall. Es verhält sich
das ähnlich wie bei einem lebendi
gen Organismus. Es gibt Krank
heitfeime, welche die Zellen im Or
ganismus angreifen und so das Le
ben von Grund auf zerstören. So
lange die Zellen gesund sind, kann
der Organismus allen Krankheits
keimen widerstehen. Hat aber diese
die Krankheit ergriffen, dann ist es
vorbei. Hilfe von außen kommt dann
zu spät. So aber steht es jetzt mit
der Gesellschaft. In ihrem innersten
Mark, an ihrer Seele ist sie tief er
krankt. Die Befürchtungen in dieser
Hinsicht sind durchaus nicht übertrie
ben. Nur ein gesundes Familienle
ben kann ein Volk glücklich und stark
machen. An dem Maßstab gemessen,
steht es nun sehr schlimm mit uns.
Obwohl nun scharfblickende Männer
den Emst der Lage völlig erfassen,
gibt es dennoch genug andere, die
das Uebel noch fördern, die da re
den von Erleichterung der Eheschei
dung, von der Beschränkung der Kin
derzahl und anderen ähnlichen Din
gen, die unserem Volke zum Verder
ben gereichen müssen. Daß keiner an
den Zorn Gottes denkt, der doch zu
letzt ein Volk treffen muß, das sich
so wenig aus den heiligsten Gesetzen
macht! Sichtlich haben wir uns in
diesem Lande bis jetzt des Segens
Gottes erfreut. Doch Fortsetzung die
ses Segens ist an gewisse Bedingun
gen geknüpft. Mehr wie einmal hat
man das Ehescheidungsübel bei uns
eine nationale Schande genannt. Doch
es ist mehr. Es ist auch ein natürli
ches Verbrechen. Und früher oder spä
ter züchtigt der Herr diejenigen, die
Seine heiligen Gesetze übertreten.
Die Ehescheidung, wenn sie wie bei
uns eine alltägliche Erscheinung
wird, hat eine allgemeine Lockerung
der Sittlichkeit zur Folge. Und das
zeigt sich schon sehr deutlich bei uns.
Einige unserer jüngsten sensationel
len Mordtaten hängen mit der Miß
achtung der Heiligkeit der Ehe und
des Familienlebens zusammen. Wo
man weiß, daß es leicht ist, die hei
ligen Bande der Ehe zu lösen, da be
ginnt man alsbald mit dem Ehe
bruch zu liebäugeln. Der Ehebruch
aber ist das furchtbarste aller Ver
brechen. Es führt von dem einen zu
dem anderen. Es verhärtet wie fein
anderes Verbrechen gegen alle Emp
findungen der Menschlichkeit. Von
Stufe zu Stufe steigt der Ehebrecher,
bis er in den abgründigen Tiefen
völliger Gewissenlosigkeit angekom
men ist. Möge sich unsere Zeit den
Spiegel vorhalten, um darin ihr häß
liches Antlitz zu schauen. Eine Zu
nahme von Verbrechen aller Art wird
ja von allen zugegeben. Sie ist zu
rückzuführen auf die fortschreitende
Zerrüttung des Familienlebens. Es
gibt auch kein Heilmittel gegen das
Verderben, als eine Wiedergenesung
des Familienlebens.
Der Mainzer Bischof von Äette
ler sah in dieser Beziehung sehr
scharf. Als er im Jahre 1848 feine
berühmten sozialen Predigten hielt,
da wies er vor allem auch auf Re
form des Familienlebens hin. Ganz
richtig, denn der Arbeiter wird nie
mals zufrieden sein, wenn er nicht
ein freundliches Heim und ein glück
liches Eheleben hat. Hat er das, so
kann er alles andere verschmerzen.
Hat er das nicht, so gibt es dafür
keinen Ersatz. Ist er in seinem Hans
unglücklich, so wird ihm alles derlei
det. Dann verbittert sich sein Gemüt
und dann lauscht er gerne den toil-
In freund und
freudloser Zeit
Heil dem, der einen treuen Freund
gefunden,
Mit dem er Liebe, Leid und Freu
den teilt,
Dem er sich ganz ergibt, der bei ihm
weilt,
Der ihn nicht einsam läßt in bösen
Stunden!
Doch wenn die schwerste naht
wenn was verbunden
Auf ewig schien, gleich einem Traum
enteilt,
Wer nimmt sich des Verlassenen an
und heilt
Des gramverstörten Herzens tiefe
Wunden?
Kennst du ihn nicht, den göttlichen,
den Einen,
Der reich an aller Liebe Schätzen
ist,
An dessen Herzen du dich aus darfst
weinen?
Da Er dein Freund, so wird zur
längsten Frist
Der Nacht dir Seines Herzens Son
ne scheinen
Ermessen kannst du nicht, wie reich
du bist!
besten und hetzerischen Reden der Auf
wiegler. Daß der Radikalismus bei
uns rasende Fortschritte macht, weiß
ja wohl auch jeder, der lesen kann.
Es wird ja allen angst und bang.
Doch die tiefste Quelle des Radika
lismus und der herrschenden Unzu
friedenheit ist der Mangel an Fa
milienglück. Hören wir, was von
Ketteier in dieser Sache zu sagen
hat: „Es bleibt noch die letzte Grund
lage des gesellschaftlichen Lebens, die
Familie, übrig. Wir wollen sehen,
wie es mit dieser Stütze des ganzen
Gebäudes steht. Tie Familie ist von
unermeßlicher Bedeutung. Finden
wir in ihr noch die Elemente zum
sozialen Leben unangetastet und ge
sund, so kann dieser Pfeiler allein
noch das Ganze tragen." Wenn aber
dieser Pfeiler morsch geworden ist,
wenn er angefressen ist, was wird
dann mit der Gesellschaft geschehen?
Wo ist dann noch Rettung zu fin
den? Dann sieht es zum Verzweifeln
fchlimm aus. Dann ist das einzige,
was noch zu retten vermag, die Blut
taufe des Umsturzes und der gewalt
tätigen Erneuerung der Gesellschaft.
Ob es dazu bei uns kommen wird?
Unzweifelhaft, wenn wir es so wei
ter treiben wie bisher. Denn- das
amerikanische Familienleben ist in
tierlich so geschwächt, daß es einem
ernstlichen Vorstoß der Kräfte des
Umsturzes nicht standzuhalten ver
mag.
Das Werk des Untergrabens der
Familie ist das Werk des Unglau
bens. Tie Entchristlichung unseres
Volkes hat als unausbleibliche Folge
die Zerstörung des Familienlebens
nach sich gezogen. Das Familienle
ben kann eben nur in einer religiö
sen Atmosphäre gedeihen. Der Eck
stein eines glücklichen Familienlebens
ist eben das Opfer. Wir findet mart
aber heute noch Opfergesinnung?
Und ohne Opfergesinnung muß das
Familienleben kläglich scheitern. Tie
Opfergesinnung ihrerseits gedeiht
aber nur auf einem religiösen Bo
den. Nur dort kann sie Wurzel fas
sen. Nur dort die notwendigen Nah
rungselemente finden. Weil das mo=
derne Religionsleben so traurig ver
flacht ist, gibt es keinen geeigneten
Nährboden für die Opfergefinnung
mehr ab. Einem erschöpteti Boden
kann man keine reichen Ernten mehr
abgewinnen. Von einem Volk, das
fein Christentum mehr hat, kann man
keine Opfer fordern. Es ist unfähig,
dieselben zu bringen. (£& ist zu ver
weichlicht.
Das rote »Gespenst ist nicht die
größte Gefahr. Die größte Gefahr
ist unsere innere Zerrüttung, unsere
moralische Zerfahrenheit, unser sitt
licher Verfall. Es ist fein sittlicher
Boden mehr vorhanden, auf dem et
was wachsen fönnte. Wir haben es
mit einem ausgemergelten Erdreich
zu tun, auf dem nur hie und da ein
Hälmlein kümmerlich sein Aeben fri
sten kann. Deshalb haben auch un
sere modernen Rekonstruktionsversu
che so wenig Erfolg. Wir bekämpfen
eben nur äußerliche Symptome, ohne
den eigentlichen Krankheitsherd an
zurühren.
Bischof Bougaud hat einst tref
fend bemerkt: „Unsere Zeit hat das
Christentum über Bord geworfen.
Die Not wird sie zwingen, Stück um
OHIO WAISEN FREUND
jfamütenkrete
Leo 7wi Helmstede
Stück zurückzuholen, bis wir das gan
ze Christentum wieder haben. Erst
dann wird sich wieder leben lassen."
Das fangen jetzt schon die Klügeren
an einzusehen, daß sich nämlich ohne
Christentum nicht nur nicht gut le
ben läßt, sondern daß es sich ohne
dasselbe überhaupt nicht leben läßt.
Die glänzenden Versprechungen der
politischen Parteien werden uns we
nig nützen. Das ist alles eitel Dunst.
Wer darauf seine Hoffnungen setzt,
ist schmählich betrogen. Was wir
brauchen, sind Bauleute, die nicht oh
ne den Herrn das Haus bauen wol
len Bauleute, die glauben, fromm
die Hände falten und beten. Vielleicht
werden aber auch unsere Staatsmän
ner das Beten noch lernen. Denn die
Not der Zeit ist groß.
C. B.
Rüchen-(Lamouflage
Eine Zeitung gibt ihren Lesern
Ratschläge, wie man in diesen teu
ren Reiten sparen kann. Die Rat
schläge sind natürlich nnd scherzweise
aufzufassen aber wir haben in
levieii Zeitungen schon Kochrezep
te gelesen, die lange nicht so ver
nünftig waren.
a s e u k e y
Man nehme einen großen, gut
ipusgebackenen Laib Brot und mache
an einem Ende eine Ceffnung, durch
die man das Innere aus dem Brot
laib herausnimmt. Das weiche Brot
mischt man mit „Hash" und füllt es
darauf wieder in die ausgehöhlte
Brotkruste. Nun befestigt man zwei
fnui'perige Brötchen als Schenkel
recht* und links an dem Brot, gibt
es in den Ofen und backt es. Abge
sehen von der Billigkeit, der Spar
famfeit, dem Nährwert und der Ein
fachheit, hat dieses Gericht noch eiti
nen anderen Vorteil: es wird kein
Streit unter den Gästen entstehen,
wer das weiße Fleisch bekommen soll.
a s ch e e n e o i n
Koche eine der Zahl der Gäste ent
streitende Quantität Hafergrütze.
Las', es kalt und schon hart werden.
Rolle es mit dem Werkelholz aus
und gib ihm die Form eines großen
Knochen-Tenderloins. Bedecke es
mit Zwiebeln, das ist bei jedem Ten
derloin die Hauptsache und insofern
sehr praktisch, als man nachher dann
nicht weiß, was man außer den Zwie
beln noch aß gieße eine halbe Kanne
Fleischbrühe darüber und lasse es
braten, bis es gar ist.
K o e e e n E s a z
Nimm sechs Wäscheklammern.
Wickle' um jede Klammer ein Vier
telpfund frischen Knddelsleck (Tripe).
Röste, bis es auf allen Seiten schön
braun ist, verziere mit Petersilie oder
sonstigem Grünzeug und serviere es
als Kotelette.
S k
it ck
Mache kleine Würfel aus einem
dicken Gipsbrei. Sobald die Würfel
bart sind, rolle sie in Gummi Arabi
cum oder Mehlpappe. Bestreue mit
gestoßenem Zucker, bis vollkommen
bedeckt, lege sie in eine Zuckerdose
aus geschliffenem Glas und bringe
sie als Zucker auf den Tisch.
E i e E s a z
Ein einfaches Mittel, um Hühner
eier zu sparen: Benutze Enteneier.
Heid und schmerz überall
So mancher Mensch, der sich nicht
rühmen kann, mit den Glücksgütern
dieser Erde in verschwenderischer
Weise bedacht zu sein, ist nur zu
leicht geneigt, anzunehmen, daß es
nur bei ihm und seinesgleichen Leid
und Schmerz gebe, daß aber jene da
von verschont seien, von denen mau
sagt, daß sie an dem, was die Erde
nn irdischem Gute bieten kann, kei
nen Mangel leiden. Und doch ist es
sicher, daß man auch unter den ärm
lichen Verhältnissen rast ungetrübtes
Glück finden kann, während Schmerz,
Leid und Sorgen nicht fehlen bei je
nen, die auf der Höhe der Mensch
heit zu stehen scheinen.
Man ist ja nur zu leicht geneigt,
das Glück bei den anderen zu su
chen. Ein Dichter schildert diese Mei
nung so schön in seinem Gedichte vom
König und dem armen Fischer. Der
König steht am Fenster seines Schlos
ses und blickt in die stille Nacht hin
aus. Da sieht er unten am See die
arme Fischerhütte, und bei sich selbst
spricht er: „Ach, könnte ich, und wäre
es auch nur für eine Nacht, der Sor
gen und Aengsten ledig, ein Fischer
sein!" Zu gleicher Zeit steht der Fi
scher vor seiner Hütte und blickt hin­
auf zum Schlosse. „Da oben wohnt
das Glück." denkt er, „ach, konnte ich,
und wäre es auch nur für eine Nacht,
der König sein!" So meint der eine
vom anderen, er sei frei von Leid
und Weh, von Kummer und Sorgen,
er habe das Glück und doch haben
beide ihre Kümmernisse und Sorgen
und feiner hat reines ungetrübtes
Gluck.
Nicht umsonst wird die Welt ein
Tränental genannt, und nicht um
sonst beten wir alle zusammen gleich
mäßig zur Tröterin der Betrübten,
zu Maria, der gebenedeiten Gottes
mutter: „Zu dir rufen wir trauernd
und weinend in diesem Tale der Trä
nen." Ja, es ist und bleibt wahr:
es gibt Schmerz und Weh auf der
Höhe und in der Tiefe, vielleicht auf
der Höhe noch mehr als in der Tiefe
denn wo es golden glänzt, ist meist
auch die Last golden schwer. Sowohl
unter elenden Lumpen duldet das
Herz, als auch unter dem schimmern
den Purpr im Leiden sind alle Men
ich en sich Weggenossen. Der strahlen
de Purpur und das arme Kleid sind
gleichsam ein wertloser Schleier so-
Das Gold im Feuerosen
Die Feuerprobe, die der Katechumene
bestehen muß
wohl der Glanz des ersteren, als itie^it ins Gegenteil umschlagen denn
1 des letzteren bedecken ei- Lüge und Verstellung kann den
Dürftigkeit
ne schreckliche Gleichheit im Leiden.
Beneiden wir darum die Reichen
nicht denn auch sie leiden wie wir,
vielleicht noch mehr sondern bleiben
wir stets eingedenk, daß die Erde ein
Tal der Tränen ist, daß wir hier kei
ne bleibende Stätte haben, sondern
als Pilger nach der ewigen, wahren
Heimat ziehen, wo jedes Leid sein
Ende nimmt, wo jeder Wunsch am
Ziele steht, wo jedes erduldete Weh
urn so größere Belohnung findet, je
geduldiger und gottergebener wir es
jetzt zu tragen suchen, wo unser ein
Lohn wartet, der so groß ist, daß
nach dem Ausspruche des heiligen
Paulus ihn kein Auge gesehen und
kein Ohr gehört hat.
Es ist nicht alles Gold, was
glänzt.
Echtes Gold hält die Feuerprobe
aus, ja durch Feuer gereinigt, er
scheint sogar erst sein wahrer Glanz.
Aber diese Feuerprüfung ist eine Lei
densprobe.
Sieh nur, wie das Feuer arbeitet.
Jedes Teilchen der Masse bewegt sich
in der sengenden Hitze, verrenkt sich,
mengt und trennt sich wieder, er
weicht, geschmolzen, aufgelöst stößt
das Gold alles Wesensfremde aus,
und fei dieses auch Jahrtausende mit
ihm verbunden gewesen. Unbarmher
zig vollzieht sich die Scheidung, selbst
von der Mischung, die so zudringlich
mit dem echten Metall die Verwandt
schaft bewahren wollte. Hätten all die
Teilchen Gefühl, wie schmerzlich müß
te ihnen die Probe sein!
In der Mission nenne ich das
Prüfungsmaterial K a e ch u nt e
iteit. Es ist Seelengold, bestimmt,
am himmlischen Jerusalem eingefaßt
zu werden, an der Krone der Heili
gen, dem verklärten Erlöser zu
glänzen.
Ter Bekehrte ist berufen zu glän
zen im Glauben und Lieben, foil
wertvoll werden durch Verdienste.
Echtes Gold ist feiten, aber gerade
deswegen so kostbar. Viele sind beru
fen, aber nur wenige auserwählt.
Eine große Anzahl Katcchumenen
läßt sich ausschreiben, allerhand Leu
te gibt es, mit viel Schlacken und
Unbrauchbarem vermengt der Mis
sionar freut sich des Fundes, aber
er gewahrt, daß viele der Katechu
menett nur Scheingold sein dürften.
Tie Feuerprobe wird zeigen, was echt
und haltbar ist. Schon ohne das Zu
tun des Missionars steckt der Kate
chumene tief im Prüfungsfeuer.
Tie Gnade der Bekehrung spendet
Gott bei dem materialistisch gestimm
ten Heiden vorzugsweise in Verbin
dung mit äußerlichen Umständen.
Tes irdischen Gewinnes halber
stellt sich der Chinese dem Glaubens
boten als Schüler vor. Ihm ist greif
barer Gewinn alles, und dafür ist er
bereit, die Annahme der Religion in
Kauf zu nehmen, ohne jene Hoff
nung wäre seine Umkehr nicht mög
lich gewesen. Jedem Glaubensboten
erscheint er als von Gott zugeführt,
aber er ist mit Scheingold gemischt.
Ter Neubekehrte selbst glaubt zu
glänzen, aber die Feuerprobe be
ginnt sofort. Ter leichtgläubige Mis
sionar beginge einen schweren Feh
ler, wollte er ihm die Probe erspa
ren oder erleichtern, dem Manne das
drückende Kreuz abnehmen
Mit seinem erhofften irdischen aushält.
kstfa*
Vorteil fomntt der Katechumene aber
gerade vom Regen in die Traufe.
Ist bekannt geworben, daß einer
Christ geworden ist, so fallen sofort
die Gegner wie Wespen über ihn her.
Zu Haufen tun sie sich zusammen,
ganze Dörfer verbinden sich, um den
Mann von seinem Vorhaben abspen
stig zu machen. Sehen sie. daß er
furchtsam ist, dann bekommen sie noch
mehr Mut, und suchen ihn zu erschrek«
ken mit Drohungen von Feuerdegen,
Totschlagen, streuen Lügen und Ver
leumdungen über ihn aus. Tag und
Stunde wird sogar für die Aus
fiihnmg der Drohungen bekannt ge
geben. In Eilmärschen flüchtet der
Katechumene zum Missionar, achtet
nicht des Schweißes, der Blattern
und Geschwüre an den Füßen, fällt
vor ihm nieder und bittet um Schutz.
as Herz des Flehenden ist aufge
stört, die ganze Gestalt ist wie zer
mürbt, wie ein gehetztes Wild sucht
er Schutz vor den Nachstellern.
Aber nur gemach, das ist eine gu
te Schule für die Echtheit des Glau
bens. Würde der Missionar zu leicht
gerührt, so würde die gute Gelegen»
Kopf
erheben, den Missionar und die hl.
Religion schwer schädigen.
Kommt die cache vor den Rich
ter, so ist es recht schwer, Schutz und
Recht zu finden. Ist der Mandarin
der christlichen Religion feindselig ge
sinnt, so bat der Neuchrist nichts Gu
tes zu erhoffen selbst Christ zu sein,
kann ihm als Verbrechen angerech
net werden. Tie Gegenpartei ver
sucht alle Mittel, siegen zu können.
Verdrehen der Sachlage, Lüge, Be
stechung sind ihre Bundesgenossen
selbst wenn das Recht des Christen
unbestreitbar ist, kommt es jenen ge
genüber nicht auf
Würde er zuguterletzt dem christ
lichen Bekenntnisse abschwören, so
könnte er noch mit heiler Haut da
vonkommen, io aber find ihm Schlä
ge und Geldbußen sicher, er muß hin
ab in den Kerker und ist der Will
kür von Schergen und Gegnern aus
geliefert. Und greift der Missionar
in diese mit Religion gemischte Sa
che ein, io kann auch er den Preis
der Niederlage mitbezahlen durch
Verlust des Ansehens. Ter gute Ruf
der Religion ist zertrümmert für das
ganze Missionsgebiet. Ich sage aber,
es ist bei diesem Werke sicher der
Feind der Menschen im Bunde, dem
daran gelegen ist, die seligmachende
Kirche so viel als möglich zu schädi
gen. Nein, es ist besser, die Sache
nicht so weit kommen zu lassen, son
dern sie in Geduld und Nachgiebig
keit beizulegen. Aber dagegen sträubt
sich der verwundete Stolz des Kate
chumenen. Dagegen gibt es kein bes
feres Mittel, als alles Zartgefühl
abzustreifen und die Prüfung mit
dem energischen „Entweder Oder"
zu beschleunigen. Einhauen muß der
Glanbensbote mit Lehren des Glau
bens und christlicher Sitte, damit
nicht wegen des einen Scheingold zei
genden Siatechumeneu die ganze Mis
sion zugrunde gehe. Man täusche sich
nicht und wähne nicht, das falsche
Gold in echtes Gold verwandeln zu
können, wenn es diese Probe nicht
einmal aushalten konnte.
Aber kommt eS auch nicht so weit,
wie in dem angeführten' Beispiele,
die Leidensprobe bekommt jeder Neu
chl'ist zur Genüge zu verkosten,
schimpf- und Schmährufe summen
ihm die ganze Zeit um den Kopf
henim. Wie müssen sie im Herzen
des nichtsahnenden Katechumenen
graben und grämen? Wahrlich, nicht
zum Aushalten ist es, welch große
Geduld erforderlich ist zum stillen
Anhören der beißenden Reden! Ge
duld und Vergebung wird aber bei
den Hei ben noch dazu als Schwäche
und Niederlage gehalten. Tie Kla
gen des Neulings vor dem Missionar
geben diesem Gelegenheit, die Probe
jii unterstützen "lit dem Hinweis auf
das Wort der Apostel, denen es als
Ruhm galt, für den Namen Jesu
Schmach leiden zu dürfen.
Verlassen von Freunden und selbst
von den nächsten Verwandten, kann
der Katechumene in eine recht bittere
Seelenstimmmig gelangen. Er sieht
daß man auf Weg und Steg ihm
ausweicht, kein Grußwort für ihn
hat, seinen Gruß nicht einmal er
widert. Früher konnte er an den fri
schen Abenden mit den Nachbarn zu
lammenntzcit und plaudern, jetzt
aber stieben sie beim Anfichtigwerden
des Abtrünnigen auseinander und
werfen ihm bittere Blicke zu, fchfot
dem ihm das bissige Wort ins Ge
stcht: „Tu bist nicht mehr einer von
uns." Es brauchte nicht viel Zureden
bei einem dadurch bange gemachten
Chinesen, um ihn dazu zu bringen,
seinem Bekenntnisse abzusagen, der
Religion den Rücken zu kehren. Es
muß schon echtes Gold sein, wenn er
diese Prüfung mutig und beherzt

18. September
o n e i n e i n i n a i
e n i s s i o n a a
e s e

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