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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 27, 1949, Ausgabe der 'Wanderer', Image 1

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Eis Sommersschtstrasm
Auf der Bühne des Welttheaters
herrscht eine Geschäftigkeit, die das
liebe Publikum vom ersten. Rang ka»
pitaliftischer, demokratischer und in
tellektueller Behaglichkeit bis hinauf
zur plebejischen Galerie geistlosen
Herdeninstinkts mit dem wonnigen
Gefühl zu erfüllen geeignet ist, daß
der dramatische Knoten der großen
^«Vslkertragödie sich zu losen begtunt
-und daß die Tugend sieghaft dem ver
dienten Lohne zuschreitet und der fin
stere Bösewicht sich unrettbar mit den
eigenen Schlingen erhenkt, wenn er
sich nicht noch im letzten Augenblick
einen günstigen Abgang sichert durch
einen Epilog zum Preise der erlösen
den Demokratie.
Die edle Tugend ist selbswerständ
lich verkörpert durch die Akteure des
Westens, der so ganz ohne eigenes
Verschulden in das verwegene und
blutige Spiel politischer Konquistado
ren und nichtswürdiger Verschwörer
gezerrt wurde. Der letzte aus der
Schar der ränkevollen Bösewichte und
ihrer gesamten verruchten Komparse
rie ist Stalin, der sich mit allen Kün
sten erborgter Ritterlichkeit, frecher
Anmaßung und elender Heuchelei
durch die verwirrenden Akte der
Schicksalstragödie hindurchgeschlagen
hat, aber jetzt in seiner ganzen Nie
Sertracht enthüllt dasteht und über
kurz oder lang ohnmächtig in der Ver
senkung verschwinden und nur den
Mephisto-Gestank der verkrachten
Weltrevolution hinterlassen tvird.
Und so kündigt denn Generalsekre
tär Lie von den Vereinten Nationen
frohgemut an, daß voraussichtlich am
24. Oktober, dem vierten Jahrestag
des Inkrafttretens der Charta, in
«^Manhattan die Grundsteinlegung des
Tempels des neuen Völkerbundes
durch Präsident Truman, den Ober
Priester der von den Schlacken des
Totalitarismus gereinigten demokra
tischen Welt, vollzogen werden wird.
Und dann wird wohl ein internct'io*
naler Fanfarenchor als Bundeslied
mit einigen Variationen die Freimau
rerhymne aus der „Zauberflöte" bla
sen: „In diesen heil'gen Hallen Kennt
man die Rache nicht. Und ist ein Volk
gefallen. Führt Liebe es zur Pflichr.
.* Und dann beginnt nach dem
Dunst und Grausen des Dreißigjäh
rigen Krieges unserer Tage und nach
den von dem Lärm der Machtpolitik
und dem eklen Schacher nationalisti
scher Selbstsucht erfüllten Nachkriegs
jahren ein neues Zeitalter aufgeklär
ten Humanismus unter den gloriosen
Proklamationen der Menschenrechte
und der geläuterten Völkerrechte und
der vier Freiheiten, und der
Da zerreißt ein durch die sHvüle
August-Nacht hallender Donnerschlag
den phantastischen Gedankengang des
Chronisten, und ernüchtert und ver
zagt wendet er sich wieder den vor ihm
aufgetürmten Zeitungen und Zeit
schriften zu, die er^vor einigen Minu
ten mißmutig von sich geschoben hat.
Das traumhafte Bild der Weltbühne,
das durch feine Sinne zog, ist der Nie
derschlag all des schwülstigen Ge
schwätzes von Zeitungskorresponden
ten und tastender Betrachtungen der
Zeitlage in ernsten Leitartikeln und
der grundsatzlosen, den Schwankungen
in der Weltlage sich anschmiegenden
Politik führender Regierungen.
Programnilose Politik
In ihrer Gesamtheit bildet die
Weltlage wahrlich keine Gewähr für
eine sich vollziehende Stabilisierung.
Die Entwicklungen im Fernen Osten
allein stellen neue schwere Komplika
tionen in dem Ringen zwischen Osten
und Westen in Aussicht. Dazu kommt
die trotz Marshall-Plan sich verschlim
mernde Wirtschaftslage des Westens,
die vor allem durch die britische Dol
larnot zum Ausdruck kommt und zu
Verstimmungen zwischen England und
.Amerika führt, für die man in Mos
kau sehr hellhörig ist. Diesen, und an
dern beunruhigenden Erscheinungen
steht einigermaßen ausgleichend ge
genüber das zeitweilige Abflauen des
„kalten Krieges" in Europa, das zum
Teil mit den russischen Plänen in
Asien, zum Teil mit dem zwischen
und Belgrad entbrannten
-Konflikt in Zusammenhang steht. Die
in Straßburg vor sich gehenden Be
sprechungen über die Einigung Euro-
Zwischen Krieg und Frieden
sind einstweilen noch zu Problem«.
':/?r -ittfrf), um au wichtiger gelter für Me
Befriedung der Welt in Rechnung ge
stellt zu werden, und werden zudem
jüngst durch den Krach zwischen Ruß
land und einem der wichtigsten seiner
bisherigen Vasallen überschattet.
Eines der schlimmsten Hindernisse
auf dem Wege zur Neuordnung der
Welt nach der großen Völkerkatastro
phe ist der vollständige Mangel einer
programmatischen, auf Prinzipien be
gründeten Politik. Eine solche liegt
nicht in dem Wesen des die Wesiwelt
beherrschenden Liberalismus. Seine
Waffe ist die Machtpolitik, seine Me
thoden liegen auf dem Gebiet des Op
portunismus und des Militarismus.
Seine Staatskunst erschöpft sich in der
Ausnutzung von Gelegenheiten, wie
sie sich aus dem fortschreitenden Wech
fei der internationalen Lage jeweils
ergeben. Er haßt den Kommunismus,
der seine Kreise stört und sein künst
lich es Wirtschaftssystem zu zerschlagen
droht. Aber er bekämpft ihn nicht als
eine antisoziale und antichristliche
Weltanschauung, die ihm bei seiner
eigenen Abkehr von der christlichen
Gesellschaftsordnung gleichgültig ist,
und ist jederzeit bereit, wenn das sei
fien materiellen Interessen dienlich zu
fem scheint, mit ihm zu paktieren.
Aus dieser Haltung ergibt sich die
große Gefahr des gegenwärtigen Au
genblicks. Es ist trotz allen beschö
nigenden Geredes nicht anzuneh
men,^ daß sich die verantwortlichen
Persönlichkeiten in Washington und
andern Hauptstädten des Westens im
unklaren sind über die schwere Nie
derlage, die der Westen in China er
litten hat, und über die fortgesetzte
Bedrohung des europäischen Westens
durch die Dynamik der russischen Ge
waltpolitik. Das verführt bei dem
Mangel eines wirklichen Programms,
für das ungeheure militärische Rü
stungen und die wirtschaftliche
Stützung West-Europas einen unzu
reichenden Ersatz bieten, zu einer Kon
junkturpolitik, die nur zu neuen Ent
täuschungen und neuen Katastrophen
führen, kann.
Her Konflikt zwischen Moska«
1
und Belgrad
Ahm hätte annehmen können, daß
die bitteren Erfahrungen mit Moskau
nach der teilweisen Klärung der deut
schen Frage durch die erfolgreiche
Behauptung des Westens in Berlin
und die bei allen berechtigten Beden
ken im Sinne der Westpolitik ausge
fallenen deutschen Wahlen zu ei
ner dauernd festen Politik in Europa
führen würden. Aber alles scheint in
der heutigen politischen Pfuscherei da
zu verurteilt zu sein, Stückwerk zu
bleiben. Statt Deutschland klug in den
europäischen Plan einzubauen, läßt
man unter dem fortgesetzten Druck der
Fabrikdemontagen und kleinlicher Pa
ragraphenwirtschaft die Wunde in der
Mitte Europas weiter schwären. Und
die Strayburger Besprechungen dro
hen im Sumpf nationalistischer Klein»
lichkeitskrämerei zu ersaufen. Wie im
mer bleibt die Staatskunst des We
stens auf halben Wege stehen und hält
Umschau nach irgend einem abgekürz
ten Verfahren, das die Mühseligkeiten
langsamen, beharrlichen Aufbaus
überflüssig zu machen verheißt. Ein
solches bequemes Verfahren scheint im
Urteil tnestlicher Staatsmänner der
Konflikt zwischen Moskau und Bel
grad in Aussicht zu stellen, und mit
Wonne laufen sie dieser Ftita Mor
gana nach.
Man hatte den schon seit Jahr und
Tag hin- und herwogenden Streit
zwischen „Marschall" Tito und der
Kommform nicht recht ernst genom
men, ihn zum Teil sogar als Spiegel
fechterei betrachtet. Aber allem An
schein nach handelt es sich um eine
Kraftprobe, durch welche der Kreml
die absolute Abhängigkeit feiner Va
saßen von seinem Machtwillen darzu
tun sucht. Tito, eine Kreatur Moskaus
und der kurzsichtigen, schwächlichen
Politik des Westens, der seinen ur
sprünglichen jugoslawischen Verbün
deten Mihaelowitsch preisgab, fand
sich nach dem Krieg in einer wichtigen
Schlüsselstellung als Sachwalter Ruß
lands in dem Land, das das schon
lange erstrebte „Fenster auf das Mit
telmeer hinaus" besaß. Er war Sta
lins getreuer Vasall und war allem
Anschein nach willens, sein Land be
reit zu halten als Ausfalltor gegen
Italien und in das Mittelmeer.
Aber selber ein gefährlicher Empor,
fämmftng, war Tito nicht gewillt,
Mi-
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litt Familienblatt für Wahrheit und.Recht zur Belehrung^ und Unterhaltung
Ausgab? des »Wanderer*
dauernd als untertäniger Gefolgs
mann sich zu betätigen, und das um
so weniger, da er erkannte, daß er in
dieser Rolle auf den Unabhängigkeit^
willen von vielen tausend Serben,
Kroaten usw. stoßen, werde. Zudem
fühlte er nach den Erfolgen feines
meteorhaften Aufstiegs, daß er zu
Größerem geboren sei, und er sah sich
bereits als der Beherrscher des Bal
kans.
i In Moskau war er darum äugen
scheinlich schon lange verdächtig, und
der zweifellos in höherem Auftrag
unternommene Vorstoß der Kontin
form war die erste öffentliche Ver
warnung. In Moskau sowohl als auch
in Belgrad scheute mart lange vor ei
nem Bruch zurück, man begnügte sich
auf beiden Seiten mit Deklamationen
und Demonstrationen. Erst die Pari
ser Ministerkonferenz machte es offen
bar, daß der Kreml nicht geneigt war,
die Macht des aufsässigen Satrapen zu
stärken. Es geschah das in den Ver
handlungen über die Gebietsansprü
che, die Tito gegen Oesterreich in
Kärnten erhob. Rußland behandelte
diese Ansprüche lediglich als Schacher
objekt, um seine eigenen Forderungen
durchzusetzen, versagte aber Tito seine
Hilfe zur Erweiterung des jugofla
wischen Gebiets auf Kosten Oester
reich». Das reizte den „Marschall"
derart, daß er die Sache Griechen
lands im Kampf mit den von Mos
kau gestützten Kommunisten förderte.
Wie weit das von Einfluß auf die
Lage in Griechenland war, läßt sich
noch nicht klar feststellen. Tatsache
aber ist, daß in den letzten Wochen der
kommunistische Bürgerkrieg zerbrök
kelte und daß Rußland hier eine emp
findliche Niederlage erlebt hat. Damit
aber war Tito nicht zufrieden. Viel
mehr erliefe er einen Appell an die
Bulgaren und Albaner, sich seiner
Rebellion gegen „Mütterchen Ruß
land" anzuschließen. Moskau hat ihn
daraufhin ausdrücklich als „Feind"
bezeichnet, was nach den Begriffen der
Kominform einer Achterklärung
gleichkommt. Alle Trabanten des Re
gimes in Warschau, Bukarest, Prag
sind für das große Kesseltreiben be
reit. Moskau hat seitfleu Botschafter
Lawrentiev abberufen und zum Vize
Außenminister gemacht. Damit ist das
Hauptquartier der Operationen gegen
Tito aus Belgrad nach Moskau ver
legt ein Zeichen, daß die jugosla
wische Gestapo zu scharf aufgepaßt
hat. Zwischen Moskau und Belgrad
gehen bitterböse Noten hin und her,
in denen sich die Weltkommuniften im
Kreml und die Nationalkommunisten
Titos die größten Grobheiten einan
der an den Kopf werfen, sich gegensei
tig hinterlistigen Wortbruchs und an
derer unschöner Dinge beschuldigen
wobei sicherlich beide Recht haben. Es
enthüllt sich da ein Bild gemeinen
Treibens, wie es in der heutigen Welt
gang und gäbe ist diesseits unit
jenseits des Eisernen Vorhangs. Eine
Tatsache wird in diesem kommunisti
schen Streit von neuem bestätigt: Daß
Moskau fein anderes Ziel kennt als
die absolute Beherrschung der Län
der, auf die es feine Faust gelegt hat,
ohne Rücksicht auf den Willen und das
Wohl und Wehe der Völker. Und
das ist das Tröstliche in dieser roten
Auseinandersetzung es bestätigt sich
das Wort, in Churchills Bostoner Re
de, daß auch Moskaus Bäume nicht
in den Himmel wachsen.
Eis kommunistischer Krieg?
Es läßt sich augenblicklich noch nicht
sagen, wohin der russisch-jugoslawische
Konflikt führen mag. Trotz der gegen
Tito angedrohten „durchgreifenden
Maßnahmen "kann den Diktatoren im
Kreml, 'wenigstens im Augenblick,
nicht daran gelegen fein, einen Krieg
mit Jugoslawien herbeizuführen, von
dem man annimmt, daß es im heuti
gen außerrussischen Europa über die
stärkste Armee verfügt. Ein solcher
Krieg des russischen Kolosses würde,
wenn er auch kein allzu großes mili
tärisches Risiko für den Angreifer ein
schließen sollte, die denkbar wirkungs
vollste Gegenpropaganda bilden, die
der Stalinismus gegen sich selber ent
falten könnte, zumal nach den berichte
ten en Frieden sko n ressen dieses
Jahres und den sonstigen Formen der
bolschewistischen „Friedensoffensive",
unter deren Zeichen die ganze rote
Weltpropaganda feit- geraumer Zeit
steht.
Es kornmf hinzu, daß Stalin und
fein Politbüro kein Interesse daran
haben können, sich in ihrem kalten
Krieg mit dem demokratischen Westen
durch einen vermeidbaren Kraftauf
wand auf dem Balkan schwächen, wenn
nicht lahmlegen zu lassen muß doch
der Moskau'er Generalstab der Welt
revolution bMrcht«, daß der ,Xi
HerssSgegebes St* Päpstliche» »e!
egin» Jofephiss» z»« Bestes de, PriesterzSglisge. Preis fft? ei* Jahr is des «er. Btestes tzS.00, is Stiüi ssd ties «stores SSisdets $3^0.
toismus" im Falle einer offenen Aus
einandersetzung nicht ohne Bundesge
upturn bleiben würde. Tito selber rech
tttt offensichtlich mit antistalinistijchen
sSrmten in dem einen und anderen
Balkan-Staat. Sein Propagandama
uvver ist ja auf nichts anderes als die
Gewinnung der unzufriedenen Ele
lHente in zweien dieser Länder berech
net, in denen die Opposition nur durch
brutale Gewalt niedergehalten wird
und selbst das alte Führertum „ti
toistifch" angefault ist.
So dürftig die Informationen sind,
die aus irgendwelchen Gebieten des
Ostblocks in die Wesnvelt dringen,
eins steht doch fest: Alle kleineren Na
tionen des Sowjet-Systems können
nur als gezwungene Mitläufer des
Stalinismus betrachtet werden, von
dem sie systematisch ihrer Rohstoffe
und Bodenschätze beraubt und wirt
schaftlich und politisch versklavt wor
den sind.
Aus dieser Situation, die durch den
jetzigen Streit grell beleuchtet wird,
ergibt sich die Möglichkeit weiterer
Risse und Sprünge in dem „Turm
der Tyrannei", den der Bolschewis
mus in Ost-Europa aufgerichtet hat,
und damit vielleicht auch die Perspek
tive einer neuen Entwicklung der Din
ae hinter dem Eisernen Vorhang.
I Freundschaft mit Tito
Es scheint, daß. sich Washington in
diese lockende Konjunktur einzuschal
ten sucht, einesteils in Moskau, an
dernteils in Belgrad. Es war auffäl
lig, mit welcher Genugtuung unsere
Presse berichtete über die erste Au
dienz unseres neuen Botschafters. Ad
miral Kirf, im Kreml. Und Belgrad
gegenüber wird ein recht freundlicher
Toil angeschlagen, dem 'eine große
Anleihe Nachdruck gibt.
Was Moskau anbelangt, so wird
es nur unter dem Truck wichtiger
Entwicklungen irgendwelchen neuen
Versländigungsversuchen Washing
tons entgegenfommen. Int übrigen
sollte man sich gerade in diesen Erin
nefnngstagen an den deutsch-russi
schenPakt vom 22. August 1939 Ruß
lands Perfidie vor Augen halten? Und
bei der Erträgung freundschaftlicher
Beziehungen zu Tito darf man nicht
vergessen, daß er sich in allem als
gelehriger Schüler seiner Moskau'er
Meister erwiesen hat. Er ist ein Ty
rann und Religionshasser gleich Sta
lin, und er war es, der mit dem infa
men Prozeß gegen Erzbischof Stepi
nac die Verfolgung der Kirche in den
russischen Vasallenstaaten eröffnet hat.
Präsident Truman und Staatssekre
tär Acheson, die ihre Haltung gegen
über Spanien mit der angeblich un
demokratifchen Rechtssprechung unter
dem Regime Franco zu rechtfertigen
suchen, sollten dessen eingedenk sein!
Dentschland
Das Staatsdepartement wird am
15. September von der Militärver
waltung die Leitung der amerikani
sehen Besatzungsbehörden in Deutsch
land übernehmen. Der Hohe Kommis
sar John I. McCloy erklärte in einer
Bekanntmachung, in einer früheren
Ankündigung fei irrtümlich als Da
tum der Umwandlung der Militär
fontrolle in die Zivilverwaltung der
15. November angegeben worden.
Wie McCloy weiter ausführte, wird
das Staatsdepartement die Gesamt
Verantwortung für die amerikanische
Besatzungskontrolle übernehmen, „so
bald die westdeutsche Regierung er
richtet ist, und dies dürfte um den
15. September herum der Fall fein".
An diesem Tag wird also, wie es
in der Bekanntmachung heißt, der
HJCOG (High Commissioner for
Germany) die OMGltS (Office of
Military Government, United States)
als oberste amerikanische Behörde in
Deutschland ablösen. Die Liquidie
rung der OMGUS hat am 15. Au
gust begonnen.
Die ursprüngliche Militärregierung
ist somit etwas länger als vier Jahre
im Amt geblieben, da sie im Juli 1945
unter General Eisenhower eingeführt
und dann von seinen Nachfolgern, Jo
seph T. McNctrney und Lucius
Clay, geleitet wurde. Auch nach dem
15. September sind die Besatzung»
mächte für West-Deutschlands Außen
politik und Sicherheit verantwortlich.
Die Straßbnrger. Besprechungen
Der Abschluß der Staatsgründung
wird, wie gesagt, Mitte September er
wartet. Bis dahin wird der Europa
Rat, der™ seit dem 10. August in
Straßburg tagt, feine Beratungen ab
geschlossen haben. Die Frage der Auf»
nannte der Deutschen Republik ist dort
hinter den Kulissen hin und her erör
tert worden. Das Ergebnis war, daß
Wwsion Churchill, der seilt Lebens­
werk durch die Begründung der Ver.
I Staaten von Europa zu krönen
wünscht, für eine positive Stellung
nahme eintrat, aber zugleich einen
späteren Termin Dezember oder
Januar vorschlug.
Nun ist es einfach wie das ABC,
daß die Europa-^lnion nicht leben und
wirken kann, wenn sie auf den West
rand des Kontinents beschränkt bleibt.
Sie bedarf der Erweiterung durch den
Atlantischen Pakt, den starke Strö
mungen im amerikanischen Senat zu
einer Atlantischen Union entwickeln
möchten, und der Ausdehnung zu
nächst auf West-Teutschland, womög
lich unter Zuziehung von symbolischen
Vertretern der Sowjet-Zone und der
osteuropäischen Länder, die heute noch
durch die russische Herrschaft an der
Ausübung ihres Selbstbestimmungs
rechts verhindert werden.
Aber, was für den logischen Ver
stand einfach ist, wird oft zum Gegen
stand politischer Manöver, die aus ei-
Es scheint zwischen Stalin und Ti
to tatsächlich zum endgültigen Bruch
gekommen zu sein. Schon die Pariser
Außenministerkonserenz zeigte, daß
der Streit zwischen Tito und dem
Kominform zur unversöhnlichen Ent
schlossenheit des Kreml führte, Tito
mit allen Mitteln zu Fall zu bringen.
Tie jetzigen Bemühungen des Kremls
stellen die Fortentwicklung auf dieser
Linie fest. Das ist die Situation, die
in den letzten Wocken immer wieder
Pressemeldungen auftauchen ließ, ei
ne Besserung der Beziehungen zwi
schen Staat und Kirche in Jugosla
wien bahne sich an.
Wie steht es nun heute wirklich mit
der Kirche im Tito-Staat? Hat dieser
aus seiner Isolierung von den Ost
block-Staaten die kulturpolitische Fol
geruitg gezogen, die nahe zu liegen
scheint? Hat er seine kirchenseindliche
Ideologie wenigstens aus taktischen
Gründen zurückgestellt? Gibt es An
zeichen dafür, die auf einen tolerante
ren Kurs des Christenverfolgers Tito
hoffen lassen?
Tatsache ist, daß die katholische Kir
che vor allem in Kroatien, wo Ti
tos Kirchenfampf zugleich einen Akt
nationaler Unterdrückung bedeutet
immer noch von Haß und Feindselig
keit des kommunistischen Tito-Staates
umgeben ist. Immer noch wird den
Bischöfen auf alle nur erdenkliche Art
der Kontakt mit dem Volk unmöglich
gemacht. Für jede Firmungs- und
Visitationsreise brauchen die Bischöfe
eilte besondere staatliche Bewilligung.
Ist dieses Hindernis überwunden, so
erwarten den Bischof am Reifeziel re
gelmäßig grobe Beleidigungen der
Mitglieder der kommunistischen Par
tei, organisierte Demonstrationen und
Unruhen, sogar während der religio
sen Handlungen. Dabei tun sich vor
allem Tito-Miliz und die kommunisti
sche Jugendorganisation durch Fana
tismus hervor.
Nach wie vor sind die Pfarrhäuser
zugunsten kommunistischer Organisa
tionen beschlagnahmt, die Priester ge
zwungen, in Privathäusern zu woh
nen, wo immer auch ein Agent der
Geheimpolizei einquartiert ist, der sie
auf Schritt und Tritt kontrolliert. Ei
ne große Anzahl von Kirchen ist' ge
sperrt, andere sind entweiht, ja zer
stört, wieder andere für profane
Zwecke beschlagnahmt. So ist in Fi
ume eine Kirche zum Kino, ihre Sa
kristei zum Lagerhaus geworden. Nach
wie vor ist die Abhaltung von Gottes
diensten in der Armee verboten, ist es
den aktiven Ossizieren strengstens un
tersagt, ihre Kinder taufen zu lassen,
muß sogar der sterbende Soldat auf
den Beistand des Priesters verzichten.
Den Priestern selbst ist während ih
rer Militärzeit nicht nur die Feier der
heiligen Messe, sondern auch der Be
such des Gottesdienstes verboten. Erst
im Oktober des vergangenen Jahres,
also bereits nach dem Bruch Titos mit
dem Kominform, wurde im jugoslawi
schen Parlament ein „Gesetz" ange
nommen, das den Priester „verpflich
tet", als Zeuge vor Gericht auszusa
gen, was ein Angeklagter ihm im
Beichtstuhl anvertraut hat. „Wir wol
len nicht das Beichtgeheimnis, wir
wollen die Staatssicherheit!", erklär
ten Regierungskreise auf entsprechen
de Einwendungen. Aufschlußreich ist
auch eine staatliche Verordnung über
die Gebühren bei religiösen Zeremo^
nien, die heute noch die Katholiken
Jugoslawiens zwingt, für jede Taufe
dreitausend Dinar, für die Firmung
viertausend Dinar, und für die firch-.
fcA/tÄe rfV. ..
V
I
Nr. 17
nem freien Flug einen mühseligen
Marsch machen. Es scheint, daß der
französische Außenminister Robert
Schuman, einer der wenigen Elsässer,
die an der Ueberbrückung des Rheins
arbeiten, durch die parlamentarische
Schwäche seiner Regierung stark be
hindert ist und gleich den übrigen
französischen Politikern sich nicht von
dem Gedanken freimachen können, daß
Deutschland ein schwacher Staat blei
ben muß.
Der Vormarsch der Kommunisten in
China geht, trotz gelegentlicher Erfol
ge der Nationalisten, weiter. Canton,
die südliche Riesenstadt, von der aus
vor zwanzig Jahren Tschiang Kai
schek seinen Siegeslauf antrat, wird
geräumt. Formosa, die üppige tropi
sche Insel, soll sein Hauptquartier
werden. Die Regierung sucht Zuflucht
-in den Bergen von Szetschwan, dessen
tFortsetzuirz auf (Seite 8)
Die Teideu der Kirche
Jugotlswien
Iiche Heirat sechstausend Dinar an
•Steuer zu bezahlen. Welch eine Ab«
Drosselung des kirchlichen, des sakra
mentalen Lebens das bedeutet, geht
aus der Tatsache hervor, daß das mo
natliche Einkommen eines mittleren
Staatsbeamten nur dreitausend Di
nar beträgt. Tie kirchliche Osterfetcr
mar auch in diesem Jahr den rohen
Schmähungen der jugoslawischen
Presse ausgesetzt, die ausnahmslos
kommunistisch ist.
Drei kleine, einmal monatlich er
scheinende Kirchenblätter dienen ledig
lich der Tito-Propaganda in den
West-Staaten und sollen den Schein
kirchlicher Freiheit vortäuschen. Von
neunzehnhundertundsechzehn 'Geistli
chen aber, die es im Jahre 1939 in
Kroatien und Slowenien gab, lebten
im Jahre 1946 nach Angaben des
Jrländers Anthony H. Count O'
Brien nur noch vierhundertund
einer. Das war das Ergebnis der blu
tigen Verfolgung der Jahre 1941 bis
1945. Wie viele heute davon noch am
Leben find, wie viele in Zuchthäufmi
und Konzentrationslagern schmachten,
ist nicht festzustellen. Es genügt ja
auch heute noch, daß das Volk einem
Priester gegenüber besondere Sympa
thien zeigt, um ihn unter irgendei
nem Vorwand verhaften und ver«
schwinden zu lassen. Und immer noch
ist der Erzbischof von Zagreb und
kroatische Metropolit, Dr. Aloysius
Stepinac, eingekerkert, den Tito im
Jabre 1946 auf sechzehn Jahre ins
Gefängnis werfen ließ. Zwei Bischöfe,
die ebenfalls zu vielen Jahren Zucht
haus verurteilt wurden, starben in der
Zwischenzeit, andere, die nicht wie die
Bischöfe von Dubrovnik und Krizevac
ermordet wurden, leiden für ihre
Glaubens- und Kirchentreue bis zum
heutigen Tag hinter Schloß und Rie
gel.
Nein, der Kommunist Tito, der
heute noch in den jugoslawischen Ge
fängnissen und Konzentrationslagern
an die 100,000 Christen in qualvoller
Gefangenschaft halt, denkt nicht da
ran, seinen antireligiösen und anti
kirchlichen Kurs zu ändern. Wohl
scheint es zu stimmen, daß Stalin
und Ttto in ihren außenpolitischen
Zielen nichts mehr gemeinsam habet:.
Jeder von ihnen aber bezeichnet sich
und zwar mit Recht als treuen
Anhänger der marxistisch-leninistischen
Lehre. Diese aber besteht aus theoreti
schem Materialismus und praktischer
Gottlosigkeit. Der „Titoismus", der
heute in ganz Ost-Europa als das
fürchterlichste und hassenswerteste
Verbrechen angeprangert wird und
der den Vorwand bildet für blutige
Säuberungsaktionen unter der kom
munistischen Führungsschicht Bulga
rietts, Ungarns, Griechenlands und
Albaniens, ist nur eine nationalisti
sche Abweichung von der allein giilti
gen Weisheit des Kremls, ist keine
Häresie gegenüber der marxistischen
Lehre, sondern ein Ausbrechen aus
der Stalinistischen ParteidtszipIW.
Tito ist Stalins selbständig geworde
ner „Zauberlehrung". der, von des
Meisters Zielen besessen, sich seiner
Methoden bedient. „Die Methoden so
wie die Ziele der Kommunisten," er
klärte Erzbischof Stepinac aber schon
im Jahre 1944, „muß ein Christ ab
lehnen, wir wollen weder den Teufel
noch den Belzebub!" Dieses Wort des
mannhaften Bekenners läßt auch in
diesem Augenblick keinen Zweifel
darüber, daß von dem Kommunisten
Tito niemals Besseres als von dem
Stalin iu «Warten fct.
•sti# 1

Samstag, den 27» August 1949
Chaos i« China

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