OCR Interpretation


Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 27, 1949, Ausgabe der 'Wanderer', Image 5

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn91069201/1949-08-27/ed-1/seq-5/

What is OCR?


Thumbnail for

i'f
fc:,
I
f,
to'
V
m'l
Aofiui
'sK
v i v 4
'$Z klärte) Zustimmung des Kontrollrates
kommt es daher nicht an.
Da aber ein völkerrechtlich Hand«
lungsunfähiger Staat eine Vertre
hing haben muß, so bleibt als letzter
Ausweg die Annahme, daß die außen
politische deutsche Souveränität auf
die Gesamtheit der in Potsdam betei
ligten Mächte übergegangen ist. Die
ses Staatengremium übt zwar nicht,
wie gelegentlich zu Unrecht behauptet
wurde, ein „Kondominium" über
Deutschland aus, Wohl aber ist es
Träger der Deutschland zeitweilig ab
gesprochenen außenpolitischen Funk
tionen. Zur Ausübung dieser Befug
nisse bedient sich aber die Gesamtheit
der Potsdamer Unterzeichnermächte
eines besondern völkerrechtlichen Or
gans, des durch Artikel
II
?.
Staate
f-
..
-fV
t-'
Ifefr
des Pots­
damer Abkommens geschaffenen Rates
.der Außenminister. Dieser und allein
dieser wäre in der Lage, die Rechts
Widrigkeit tier polnischen Aussied
lungsaktion durch Zustimmung zu
heilen. Er hat es bisher nicht getan,
und die Aussichten, daß er es künftig
tun könnte, sind heute geringer denn
je. Das polnische Unrecht bleibt auch
nach Prüfung dieser Konvaleszie
rungsmöglichkeiten bestehen.
Das gleiche Schicksal trifft aber
auch die polnische Argumentation,
wollte man die Austreibung nach dem
Gesichtspunkt der völkerrechtlich in be
grenztem Umfange für zulässig er»
klärten Repressalie betrachten. Als
Repressalie gilt völkerrechtlich eine
Art von Selbsthilfe, durch die ein
Staat versucht, sich ohne Krieg, aber
durch völkerrechtswidrige Mittel Ge
nugtuung für ein seitens eines ande
ren Staates erlittenen Unrechtes zu
verschaffen. Es wäre denkbar und
wird gelegentlich auch von polnischer
Seite vertreten —, daß man auf die
deutscherseits 1939/44 durchgeführ
ten Polenaussiedlungen aus dem so
genannten Warthegau in das söge
nannte Generalgouvernement zurück
griffe, um eine Rechtfertigung der
Exilierung zu erreichen. Aber auch
diese Behauptung ist nicht stichhaltig.
Das Recht der Repressalie ist in der
neueren Völkerrechtspraxis (Schieds
spruch in der deutsch-portugiesischen
„Naulilaa-Angelegenheit") eindeutig
in beschränkendem Sinne geklärt. Re
pressalien sind nur zulässig, wenn vor
her ein formelles Wiedergutmach
ungsersuchen ergebnislos geblieben ist
und wenn die angewandten Maßnah
men nicht außer jedem Verhältnis zu
dem vom Gegner angerichteten Scha
den stehen. Das letztere ist hier der
Fall. Die Aktionen von 1939/44 ge
genüber den Angehörigen des polni
schen Volkstums waren keine Aussied­
ms
AbsuneWentSpreis pro
lung, sondern eine Umsiedlung: den
aus' dem Warthegau zwangsweise
ausgewiesenen Polen wurde (wenn
auch durchaus unzureichend) im da
maligen „Generalgouvernement"
Lend zur Verfügung gestellt, welches
durch die Rückstellung Volksdeutscher
freigeworden war. Nun wird man sa
gen müssen und auch diese Even
tualität sei nüchtern ins Auge gefaßt
—, daß das Unrecht, welches das
Deutsche Reich in den Jahren 1939/44
Polen gegenüber begangen hat, weit
aus größer war es ging ja nicht nur
um die Aussiedlung polnischen Volks
tums aus dem sogenannten Warthe
gau, sondern um eine Versklavung
und Dezimierung des Gesamtpolen
turns in Einern bis dahin unvorstell
baren, tief beschämenden Ausmaß. Es
besteht nicht der mindeste Anlaß für
uns, diese Tatsache zu verkleinern oder
zu beschönigen. Der Riesenumsang
deutschen Unrechts und die Unsumme
der Schuld ist nicht wegzudiskutieren.
Aber es ist gerade dieses Eingeständ
nis, welches im konkreten Falle für
die deutsche Auffassung von der Unzu
länglichkeit einer Repressalie spricht.
Das Wesen der Repressalie besteht
nicht darin, daß sie rationalistisch oder
gefühlsmäßig bloße Vergeltung übt,
nicht darin, daß fie aus einem Unrecht
deren zwei schafft. Als völkerrechtliche
Institution (wenn auch anfechtbarer
Art) ist die Repressalie zweckgebun
den: sie kann nur erfolgen, um wei
teres Unrecht zu verhüten oder ge
schehenes wieder gutzumachen. Sie
setzt also stets voraus, iaß der Staat,
gegen den sie sich richtet, noch besteht
oder mindestens Herr seiner Völker
rechtserheblichen Handlungen ist. Die
letztere Voraussetzung fehlt aber. Was
verbleibt, wäre nackte Vergeltung,
oder vielmehr Aufhäufung noch größe
ren Unrechts.
as
Ueber die Möglichkeit, die Exilie
rung der Deutschen durch einen völ
kerrechtlichen Notstand rechtfertigen
zu wollen, in den Polen durch Preis
gäbe seiner Gebiete östlich der Curzon
Linie und durch die Notwendigkeit
anderweitiger Unterbringung seiner
Ost-Einwohner geraten wäre, sind
nicht viel Worte zu machen. Ueber den
Begriff des völkerrechtlichen Notstan
des besteht noch zu wenig Klarheit und
Übereinstimmung, als daß die polni
sche Berufung auf dieses Institut Er
folg haben könnte. In jedem Falle
müßte aber auch hier eine Abwägung
der beiderseitigen Interessen und ein
sorgfältiger Ausgleich zwischen den
auszuweisenden Deutschen und den
einzuweisenden Ostpolen verlangt
werden. Der Verlauf der Exilierung
zeigt, daß davon keine Rede war. Auf
Leüellt Lure Zettung nicht ab!
Wenn du, lieber Leser, dieser Tage vielleicht eine Rechnung für deine
Zeitung erhalten hast, und es dir nicht möglich ist, jetzt deinen Jahresbetrag
einzusenden, so bestelle nicht ab, sondern warte ruhig, bis du den Betrag teil
weise oder ganz bezahlen kannst. Wir senden deine Zeitung weiter.
Abbestellung bedeutet den Berlnst eines guten, alten Freundes uud
^rnen Schaden für die katholische Presse.
Du kannst d^in Abonnement auf den ,Ohio-Waisenfrennd' oder ,The
Josephinnm Review' erneuern, oder einen neuen Leser einsende» auf fol
gendem Formular:
.Ohio Waifimfmmd'
Worthington, Ohio
Adresse ..........
.......
S a
Staat •«'*».«•.................'..... «.
Jahr $3.00 Aach dem
Ermäßigter Preis fit 3 Jahre $8.00
-x
AuSlaub $3.50
-, -c
"r OHIO 'WMMMMeittV"'
die Art und Weise der Austreibung,
auf das „Verschwinden" von rund
zwei Millionen Deutscher während die
ser Aktionen, auf die Ausplünderung
der Flüchtlinge soll dabei nicht erst
eingegangen werden schon die Tat
sache der Veröstlichung und Verstep
pung der von den Deutschen geräum
ten Gebiete zeigt eindeutig, daß Po
len überhaupt nicht in der Lage ist,
die ihm zugefallenen Gebiete rationell
zu besiedeln und auszuwerten. Damit
entfällt aber auch dieses Argument
Es verbleibt der Schluß, daß weder
Notstand, noch Repressalie, noch Ein
willigung des Betroffenen die polni
schen Maßnahmen zu rechtfertigen ver«
mögen,
(Fortsetzung folgt)
Sie Kommendel! overreichl
fchen Wahlen
Nachdem nun in einem großen ^eile
Deutschlands zum ersten Mal iit
sechzehn Jahren allgemeine Wah
len. zu einem zentralen Parlament
durchgeführt worden sind, trifft jetzt
Oesterreich Wahlvorbereitungen.
Im Oktober werden rund vierein
halb Millionen Oesterreicher nach den
Abstimmungslokalen wandern, um ev
nen neuen Nationalrat zu wählen. So
heißt nämlich in der zweiten österrei
chischen Republik, die in ihrem Ver
fassungsrecht die Lage von 1929 wie
derhergestellt hat, die „souveräne"
Volkskammer, der ähnlich der mit dem
Bonner „Grundgesetz" getroffenen
Regelung für den deutschen West
Staat, eine Länderkammer (in beiden
Fällen Bundesrat genannt) gegen
übersteht. Tie Oktober-Wahlen sind,
wenn auch von einer solchen Verschie
bung der staatsrechtlichen Verhältnis
se, wie sie sich nun in Deutschland
vollzieht, in Oesterreich nicht die Rede
ist, für die innerösterreichische Ent
Wicklung doch schon deshalb von groß
tem Interesse, weil die deutschere
chende Alpenrepublik seit dem 20. De
zember 1945 feine allgemeinen Wah
len mehr erlebt hat. Seitdem sind im
Kräfteverhältnis der österreichischen
Parteien wesentliche Veränderungen
eingetreten. Zudem besteht die Hoff
nung, daß die künftige Bundesregie
rung in Wien, die aus dem neuen
Nationalrat hervorgehen wird, mit
dem Abschluß des „Staatsvertrags"
debütieren kann, der ihr gegenüber
den Siegermächten freie Hand für die
Wiederaufbau-Arbeiten geben dürfte.
Hat man es hier mit den bestim
menden innenpolitischen Aspekten des
österreichischen Wahlkampfes zu tun,
so kommt noch hinzu, daß Oesterreich
(das, im Gegensatz zu Deutschland,
durch den West-Ost-Gegensatz im Sie
gerlager okkupationspolitisch noch
nicht in zwei einander fremd gegen
überstehende Teile gespalten ist) im
Oktober zugleich ein Prüfstein für den
stand des ideologischen Ringens in
Mittel-Europa sein wird. Kein Wun
der denn auch, daß, wie die Parteien
Oesterreichs, so auch die politischen
Einflüsse sowohl der Westmächte, wie
der östlichen Besatzungsmacht in die
Wahlbewegung hineinspielen. Ohne
das russische Bedürfnis, den Wahlnö
ten der österreichischen Kommunisten
Partei Rechnung zu tragen und den
Sowjets in Oesterreich wieder zu ei
niger Popularität zu verhelfen, wäre
es ja auch kaum denkbar gewesen, daß
in der Pariser Außenministerkonferenz
das Eis um den österreichischen
„-Staatsvertrag" gebrochen wurde.
Nur der damalige Verzicht Wischin
skys auf österreichische Reparations
Zahlungen und auf weitere Unterstüt
zung der jugoslawischen Annektions
wünsche brachte es mit sich, daß es zu
den Staatsvertrag-Verhandlnngen
der Sonderdelegierten der „Großen
Vier" im Lancaster House Londons
kam.
Leider werden dem Fortschritt die
ser Beratungen durch die Halsstarrig
Feit und allerhand perfide Manöver
des russischen Delegierten ständig neue
Schwierigkeiten bereitet. Der neueste
dieser sowjetischen Tricks besteht nach
einer Sondermeldung der New Uorker
,Times' darin, die zweihundertund
achtzig ehemals österreichischen Wirt
schaftsunternehmen, die seinerzeit von
den Nazis „übernommen" und darum
nach dem Krieg von den Russen als
„feindliches Eigentum" beschlagnahmt
wurden, unter der Hand zum Teile
zugunsten der Sowjet-Union zu ver
kaufen. Dabei denken die moskowiti
schen Betrüger gar nicht daran, des
wegen in eine Reduktion des Preises
von $150,000,000 einzuwilligen, den
Oesterreich gemäß den Pariser Ab
machungen für diese Objekte zahlen
soll, wenn es sie für seine Industrie
retten will!
Dennoch legt die Wiener Presse, so
weit es möglich ist, sie von hier aus zu
verfolgen, in ihrer Berichterstattung
aus dem Lancaster House und in ih
ren Kommentaren zu den Verhand*
lungert eine auffallend optimistische
Haltung an den Tag. Oesterreich rech
net nach wie vor mit dem rechtzeitigen
Zustandekommen eines Kompromisses.
Ein solches Ergebnis würde im'kom
men den. Monat, wenn die vier Außen
minister in New Dorf wieder zusam-
5
Gperatwnsbsüs Ferner
10üe«
Der ,Rheinische Merkur' in
Koblenz veröffentlichte vor kur
zem einen Aufsatz von Friedrich
Colleoni, der die planmäßige
Durchdringung Ost-Asiens durch
Rußland darstellt und Streiflich
ter auf die weiteren Entwicklun
gen im Ringen zwischen Ame
rika und Eurasien wirst. Wir
lassen den Aufsatz folgen:
•S#
Im Jahr 1932 erschienen die ersten
viertausend Mitglieder des kommuni
stischen Jugendverbandes „Komso
mol" am unteren Amur in Russisch*
Ost-Asien. In geschlossenen Transpor
ten kamen sie aus allen Teilen der
europäischen Sowjet-Union. Den Weg
nach dem „wilden Osten" des eurasi
schen Festlandes hatten sie aber nicht
als Kolonisten oder bloße Umsiedler
angetreten, um auf eigene Faust ihr
Glück in der Wildnis zu versuchen,
sondern als „Stoßbrigaden" jener to
talen Umwälzung, die die Welt von
Grund auf verändern will. Sie wa
ren auserfehen, ihre „revolutionäre
Dynamik" auch auf den Fernen Osten
zu übertragen.
Schon die Führer dieser ersten
Jungkommunisten kamen mit festen
Plänen und genauen Anweisungen in
der Tasche. Sie und die vielen weite
ren Transporte, die ihnen nachfolg
ten, sollten eine neue Stadt, ihre
Stadt, aufbauen und mit ihr zugleich
ein neues schwerindustrielles Zentrum.
Günstige Voraussetzungen dafür wa
ren gegeben, nachdem man an der
Bureja, einem linken Nebenfluß des
Amur, etwa fünfhundert Kilometer
stromaufwärts, beträchtliche Vorkom
men von Eisen und Kohlen erschlossen
hatte. Diese Grundstoffe sollten nun in
der Hauptsache in der neuen Stadt
Komsomol]"! verarbeitet werden. So
wuchsen nach 1932 die Häuser und
Siedlungen wie Pilze nach dem Re
gen, aber noch schneller schössen die
Werkanlagen, Hütten, Walzwerke und
Gießereien aus dem Boden. Immer
neue Jungkommunisten kamen, denen
der Staat freie 9ieije, Beihilfen und
Steuerfreiheit gewährte, und so war
die Stadt schon im Jahre 1939 auf
über 70,000 Einwohner angewachsen
und wimmelte von Kindern. Trotz er
heblicher Verluste unter ihren Män
nern im zweiten Weltkrieg hatte sie
1945 das erste Hunderttausend er
reicht und überschritten dreizehn
Jahre nach ihrer Gründung.
Waffen, Maschinen und Schiffe
Mit Koinsomolsk war aber mehr als
nur eine neue Industriestadt im Fer
nen Osten entstanden: ihre Gründung
bedeutete nur einen Teil der umfaf
senden Pläne, die der Kreml feit 1928
in Russisch-Ost-Asien verfolgte, aber
sie zeigte in ihrer Entwicklung bald am
deutlichsten seine Ziele. Mit Komso
molsk wurde nämlich nicht einfach ei
nes der neuen Zentren der Schwerin
dustrie errichtet. Hier reihte sich neben
den Hütten und Walzwerken bald eine
Waffenfabrik neben die andere. Am
Amur wurden große Marinewerften
gebaut, und schließlich liefen hier auch
die ersten Flugzeugwerke des Fernen
Ostens. Koinsomolsk war damit bis
zum zweiten Weltkrieg planmäßig
das Rüstungszentrum Russisch-Ost
Asiens geworden. Hier zeigte es sich
am deutlichsten, daß die Sowjets diese
bisher weltabgeschiedene Region nicht
rtur wirtschaftlich und industriell er
schließen. sondern zugleich und so
rasch wie möglich zu einer starken Ope
rationsbasis machen wollten.
men treten, den Abschluß des Staats-»seitdem man die Eisen- und Kohlen
Vertrages ermöglichen, und das würde schätze an der Bureja erschlossen hatte.
wenn nicht in elfter Stunde, doch
noch von bestimmter Seite „ein
Schraubenschlüssel die Maschinerie"
geworfen wird bedeuten, daß der
österreichische Boden innerhalb einer
gewissen Frist nach den Wahlen von
dem fremden Militär geräumt und
das schwer geprüfte Land wirklich frei
Zvikd.
Die Gründung von Komsomolsk im
Jahre 1932 ist nicht so sehr ein wirt
schaftliches als ein strategisches Ereig
nis. Sie hat in der Weltöffentlichkeit
kein besonderes Aussehen erregt, aber
tatsächlich beginnt seitdem die Sowjet
Union aus einer bloßen Kolonial- zu
einer einheimischen Macht am Pazisi
schen Ozean zu werden. Der Weg zu
der neuen Operationsbasis im Fernen
Osten wird von den Sowjets in aller
Stille, aber mit gewaltigen Mitteln
geebnet und dann in einem wahrhaft
„amerikanischen" Tempo durchschrit
ten. Man kann den rapiden Fortschritt
im Zug dieser Pläne auch an dem
sprunghaften Wachstum von Chaba
rowsk, der fernöstlichen Hauptstadt,
verfolgen: ursprünglich ein Nest aus
Holzhäusern am Amur-^Uebergang der
transsibirischen Bahn, war es schon
1926 aus 50.000, 1939 gar auf 200,
000 Einwohner angewachsen. Das
war kein Wunder, denn hier entwik
r. Jt
Hier war auch die Basis der geologi
schen Expeditionen, die im Auftrag
des Kreml systematisch den Boden nach
Rohstoffen durchforschten von Wla
diwostok bis nach den großen nordöst
lichen Halbinseln Tschukotka und Kam
tschatka.
Aber die Pläne des Kreml sind nicht
so einseitig gewesen, im Fernen Osten
nur eine Schwerindustrie aufzubauen.
Wenn irgendwo, so hat er sich hier
von Anfang an durch strategische Rück
sichten leiten lassen. Jedenfalls zeigte
es sich, daß er aus der Niederlage des
Zarenreichs im russisch-japanischen!
Krieg wie aus den eigenen Rückschlä-,
gen in China gelernt hatte. So sah
man ein, daß er nicht einfach genügte,
eine starke Armee in Ost-Asien auf
marschieren zu lassen man brauchte
für sie auch laufend Verpflegung und
Nachschub. Der einzige Strang der
transsibirischen Bahn hatte sich aber
dafür als unzureichend erwiesen. Um
sie zu entlasten, wurde infolgedessen
seit 1928 auch systematisch neue land
wirtschaftliche Siedlungsgebiete er
schlossen oder die schon vorhandenen
großzügig gefördert und erweitert. An
Großzügigkeit haben es die Planer im
Kreml überhaupt nie fehlen lassen,
wenn auch die Ausführung meist weit
dahinter zurück stand.
Planlosigkeit ans zuviel Planung
Schon im Jahre 1928 haben die
Sowjets das „Jüdische Autonome Ge
biet" am unteren Amur geschaffen. Es
liegt etwa zweihundert Kilometer
westlich von Chabarowsk in der unab
sehbaren Ebene und hat von den Flüs
sen Bira und Bidfchan den Namen
Birobidschan erhalten. Hier war in
früheren Zeiten nur eine Art feuch
ter, mit mannshohem Gras bewachst'
ner Prärie, die sich aber nach ihrer
Entwässerung als fruchtbarer Acker
boden erwiesen hatte. Zehntausende
von Juden aus allen Teilen der
Sowjetunion, in großen Kolchosen
zusammengeschlossen, haben sie in har
ter Arbeit urbar gemacht und sich eine
eigene gewerbefleißige Hauptstadt ge
gründet, gleichfalls Birobidschan ge
nannt. Das Klima, ähnlich wie in der
Mandschurei, war hier viel milder als
in Sibirien. So produziert beute der
Ferne Osten bereits einen erheblichen
landwirtschaftlichen Ueberschuß, vor
allem an Weizen und Sojabohnen
nicht zuletzt dank der jüdischen Koloni
sierung.
Die Amur-Ebene ist größer als das
heutige Deutschland. Sie birgt noch
unermeßliche Möglichkeiten, die der
systematischen Erschließung harren. E
gehört durchaus zur inneren Gesetzlich
keit der staatlich gelenkten Sowjet
Wirtschaft, daß die ins Größte wie ins
Kleinste eingreifenden, von verschiede
nen Behörden ausgehenden Planun
gen sich häufig widersprechen und im
Endergebnis auf eine schwere Hem
mung, wenn nicht1 totale Lähmung
ganzer Wirtschaftszweige oder Wirt
schaftlich verbundener Landschafts
räume hinauslaufen.
Die rasche Entwicklung Sowjet-Ost
Asiens konnte sich nicht nur auf das
europäische Rußland stützen, sonst wä
re sie nicht in so schnellem Ablauf ge
lungen. Sie hatte von Anfang an ei
nen starken Rückhalt an der Baikal
Region, die schon länger und intensi
ver industrialisiert war. So bat die
große Lokomotivfabrik in Ul6n-Ade,
der Hauptstadt der Burjat-Mongolei
dicht ostwärts des BaikalseO (1939
fast 130,000 Einwohner), von jeher
die ganzen fernöstlichen Bahnen mit
den nötigen Lokomotiven beliefert. Im
übrigen leistete auch die starke Maschi
nenindustrie von Irkutsk (nahe dem
Südwest-Ende des Baikalsees 1939
243,000 Einwohner) dem weiteren
raschen Aufbau des Fernen Ostens be
trächtliche Hilfe. Noch mehr wird das
der Fall sein, wenn das Kraftwerk
Angarastroi fertiggestellt sein wird.
Mit acht Kraftstationen wird es dann
über eine Gesamtkapazität von nenn
Millionen Kilowattstunden verfügen.
In Ulan-Ilde, dem Mittelpunkt ei
nes großen Weidelandes, wurde au-~
ßerdem das größte „Fleischkombinat"
Sibiriens errichtet, aus dem die Fern
ost-Armee den Hauptteil ihrer Fleisch
konserven bezieht. Was hier geschieht,
dient also direkt und indirekt militäri
schen Zwecken und Zielen. Durch die
Planmäßigkeit des sowjetischen Vor
gehens wird allerdings auch die Auf
flärimg der großen Zusammenhänge
'wesentlich erleichtert
Schon bis zum Jahre 1937 hatte
sich die strategische Lage der Sowjets
im Fernen Osten gefestigt. Allerdings
war es zeitweise zu starken Spannun
gen sowohl mit China als auch und
vor allem mit Japan gekommen. Aber
auch die Herren der Mandschurei und
des im März 1934 ausgerufenen
Schattenkaiserreichs Mandschukuo hat
ten eine bewaffnete Auseinandersetz
ung vermieden, eben weil sie sich kei
nen neuen starken Feind auf den Hals
laden wollten. So konnten die Russen
ungestört ihre fernöstlichen Länder
entwickeln und weiteraufrüsten. Im
fette sich das Verwaltungszentrum! dritten Fünfjahresplan, der im Jahre
des ganzen Fernost-Gebiets. Aber auch'1937 begann, wurde dafür die gewal
als industrieller Mittelpunkt gewann ^ttge Summe von vier Billionen Rubel
die Stadt immet größere Bedeutung, vorgesehen. Während des chmesisch-ja-
panischen Krieges konnten sich dann
die Sowjets in der Aeußeren Mongo
lei endgültig festsetzen und mit der
Ausrufung der Mongolischen Volks
republik ein politisches Gegengewicht
gegen Mandschukuo schaffen.
Inzwischen ging die fernöstliche
Aufrüstung schnell und planmäßig
weiter. Nach den Waffenfabriken und
Marinewerften hat man Komso
molsk Panzer- und Flugzeugwerke er
richtet. Russisch-Ost-Asien wurde also
auch in dieser Beziehung autark. Da
zu wurde eine zweite strategische Bahn
in Angriff genommen, nachdem die
alte transsibirische Strecke allzu dicht
an der mandschurischen Grenze ent
lang führte und leicht unterbrochen
werden konnte. Von Taischet, etwa
halbwegs zwischen Irkutsk und Kras
noyarsk, führte man einen Schienen
strang an die obere Lena, wo mit Ki
rensk eine „Stadt der Goldfelder" ge
gründet wurde. Auch das Kolyma-Ge
biet im äußersten Nordosten wurde sy
stematisch durchforscht und wie die
Halbinsel Tschujotka schrittweise er
schlossen.
(Schluß folgt)
Leuttche Katholiken in
Mindtor. Onl.. bauen At.
Michgels-Äirch?
Windsor, Kanada. 20. August.
In Windsor und Umgebung leben
über dreihundert katholische deutsche
Familien. Zum größten Teil sind es
Donau-Schwaben aus Süd-«Ungarn
(Bauat und Batschka. jetzt zu Jugo
slawien und Rumänien gehörig), die
in den Jahren 1926/29 eingewandert
sind. Neuerdings kommen nun viele
Neu-Einwanderer hinzu, zumeist na
he Verwandte der schon Ansässigen.
Und so wird das seit je bestehende Be
dürfnis nacli seelsorglicher Betreuung
in der Muttersprache von neuem ak
tuell. Es fehlte jedoch bisher der ge
eignete Seelsorger. Vor sechs Mona
ten traf nun der aus der Batschka
stammende Priester Father Koloman
Moullion aus Oesterreich kommend
hier ein. Gleich unternahmen die
Landsleute bei der bischöflichen Be
Hörde Schritte, um seine Ernennung
zum Seelsorger für die deutschspre
chenden Katholiken in Windsor und
Umgebung zu erwirken. Father Moul
lion, der den Leidensweg seines so
schwergeprüften heimatvertriebenen
Volkes in allen Phasen miterlebte,
war zuletzt als Flüchtlingsseelsorger
unter den Landsleuten in Wien tätig.
Bald nach der Ernennung wurde
die neue Kirchengemeinde organisiert
und ein Arbeitsausschuß gewählt. Da
sich gleich die dringende Notwendig
feit eines eigenen Gotteshauses er
wies, wurde bald der Plan erwogen,
eine eigene Kirche zu bauen, was auch
bei den Gläubigen großen Anklang
fand. Der agile Kirchengemeindevor
ftand mit den Herren Adam Scherer.
Nikolaus Dulvick und Dr. Franz
Grieser an der Spitze ging rüstig ans
Werk, und schon nacfi kurzer Zeit
konnte ein geeigneter Bauplatz nahe
beim Stadtzentrum erworben werden
(Parkwood Ave., südlich vom Tecum
seh Blvd.). Tie große Opferwilligkeit
unserer Gläubigen (das Ergebnis des
ersten Aufrufes waren nahezu 10,000
Dollars) berechtigt zur Hoffnung, daß
unser Gotteshaus, das dem Schutz
Herrn des deutschen Volkes, St. Mi
chael, geweiht werden soll, nicht nur
begonnen, sondern auch bald vollendet
sein wird. Der untere Teil der Kir
che, d. h. der Gemeindesaal, soll noch
dieses Jahr fertig gestellt werden. Der
erste Spatenstich wurde am Sonntag,
den 14. August, in feierlichem Rah
men und in Gegenwart des Bürger
meisters von Windsor, Hrn. Arthur
I. Reaunte, und der ganzen St.-Mi
chaels-Gemeinde, von Stadtpfarrer
Msgr. W. Dillon gemacht. M.
i

"THE TIMES,
CHALLENGE US"
This slender pamphlet by the author of One World in
Charity is "MUST" reading for all who are interested
in helping to build genuine and lasting world peace.
38 pages, single copies, 20c postpaid
10 to 100 copies, 15c per copy.
101 ta 500 copies, 12c per copy.
801 ta 1000 copies, 10c per copy.
By THE MOST REV. ALOISIUS J. MÜENCH,
ofjiÄishop of Fargo, who is now in Germany
Apostolic Visitator.
Over 1000 copies, 8c per copy.
•UDER FROM BOOK DIP&BTKSN1
WANDERER PRINTING COMPANY
138 East Tenth Street, ST. PAUL 1,10101.
SMALL SCHOOLS ARE
OFFERING ATTRACTIVE
COURSES. WRITE THOSE
IN YOUR AREA FOR
DETAILS.

xml | txt