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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, August 27, 1949, Ausgabe der 'Wanderer', Image 6

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(Fortsetzung
„Sehr gut," sagten May und
Goodloe in einem Atem „und was
hast du sonst entdeckt, wie liegen die
Sachen hier?"
„Gouverneur Marquez sucht durch
öffentliche Schaustellungen zu glän
zen. Er ist ein schlauer Intrigant und
zwingt die Kaufleute, sich besonderen
Zollvorschriften zu unterwerfen. Ma
tea Pesquiera wird sorgsam in dem
alten Kastell zu Ures bewacht und
sein gesamtes Eigentum ist konfis
ziert. Marquez reisidiert in dem alten
Gouverneurshaus au der Plaza. Wir
haben nur auf Ihre Empfehlungen
gewartet, um uns dem Bischof zu nä
hern. Fred Bligh war der Ruf ei
nes Kapitalisten vorausgegangen,
mit ihm zusammen hat der alte wun
derliche Professor die ganze Stadt
ausgeforscht, sie sind der Mittelpunkt
aller Minenspekulanten, Landverkäu
fer und gestrandeten Abenteurer.
Bligh bewegt sich als wohlhabender
Unternehmer und Reisender überall
ungeniert, und hat auch in Erfahrung
gebracht, daß Pesquiera in nächster
Zeit vor seine Richter gebracht werden
soll. Seine Anhänger sind entmutigt,
denn Ures hat eine regelrechte Be
satzung von Bundestruppen."
„Dann sind ja auch unsere Pläne
alle hofnungslos," seufzte Mrs. Del
mar.
„Durchaus nicht," fiel der unter
nehmende Wainright ein. „Vergessen
Sie den hochw. Herrn Bischof und
Dolores Pesquiera nicht. Man muß
irgend einen Weg ausfindig machen,
um den Gefangenen wissen zu lassen,
daß wir in seiner Nähe und bereit
sind, alles zu tun dann mutz man
seine Wünsche zu erfahren suchen.
Denn, sobald die verborgenen Gelder
in Sicherheit gebracht sind, ist uns
jede Kriegslist, sogar Bestechung oder
Ueberrumpelung erlaubt, um ihn zu
befreien. Doch da kommen Bligh und
Hackmüller schon, denken Sie nur, bit
te, immer daran, daß niemand etwas
von dem Schatze oder den Minen ver
lauten lassen darf. Die beiden wissen
überhaupt nur, daß wir mit Pes
quiera Verbindungen anzuknüpfen
suchen. Sie, meine Damen, müssen
heute nachmittag den Bischof Domin
puez und Dolores Pesquiera aufsu
chen, denn es würde uns alle ver
dächtigen, wenn wir Männer uns dem
jungen Mädchen nähern würden.
Heute abend versammeln wir uns in
Ihrer Kajüte und Sie berichten uns
weiteres. Marquez darf nicht ahnen,
daß der Bischof mit dem Gefangenen
befreundet ist. Vor allem lassen Sie
sich kein spanisches Wort entschlüpfen,
damit wär's um Ihre Sicherheit ge
schehen. Denken Sie daran, daß Sie
heute auf dem ,Ranger' übernachten,
handeln Sie vorsichtig und klug."
Der Eintritt der beiden Herren
brachte eine frischere Stimmung in
die Gesellschaft. Fred Bligh, dunkel
äugig, von der Sonne scharf ge
bräunt, breitbrüstig und von kolossa
lem Körperbau, sprach langsam und
schleppend, er kannte das abenteuern
de, herumschweifende Leben im We
sten seit vielen Iahren. In Professor
Hackmüllers sinnendem blauen Auge
und echt teutonischen: Gesichts schnitt
spiegelten sich die Vorliebe für die
Wissenschaft und die Sonderbarkeit
des deutschen Gelehrten.
Ehe die Sonne im Meridian stand,
waren die Damen über alle wissens
werten Ereignisse der Revolution un
terrichtet. Die Zeit des Handelns war
gekommen.
„Ich muß leider eingestehen, daß
mein Plan, nach Ures einzudringen,
unausführbar ist," schloß Bligh seine
Erzählung. „Ich hätte dort gar zu
gern einige verführerische Minen
selbst untersucht, aber der Weg wim
melt von Briganten, Mördern und
entlassenen Soldaten. Hackmüller und
ich werden warten müssen, bis jene
menschlichen Ueberreste der Revolu
tion verschwunden sind, und dabei
brennt der Professor schon jetzt or
dentlich auf diese interessante Arbeit."
Die ganze Gesellschaft schwieg ei
nige Augenblicke nachdenklich, bis
Goodloe sagte: „Ich habe eine Idee.
Der Professor und Sie selbst müssen
dort einen mehrmonatigen Aufent
halt nehmen. Wenn Sie ein Labora
torium und eine Versuchsanstalt für
Zwecke der Goldgewinnung einrich
ten, entgehen Sie jeder Beargwöh
nung und können weitere Forschun
gen vornehmen."
„Sehr gut." rief der Professor ent
zückt aus. „Das ist ein ganz vorzüg
licher Plan, dann können wir auch
bequem über die Sicherheit der Da
men wachen, und die Herren May
und Goodloe verurlauben, damit sie
versuchen können, sich dem Kerker des
Freundes zu nähern."
Der fliegende Eisvogel
„Sobald wir die Erlaubnis zur
Niederlassung haben und Sie selbst
gerüstet sind, werden wir alles für
die nötigen Untersuchungen und Ex
perimente vorbereiten, das wird uns
in den Augen des Volkes ungefähr
lich machen," fügte Bligh hinzu.
Die Herren konferierten noch eine
Zeitlang mit Mrs. Delmar, indessen
führte Wainright auf dem Vorder
deck Anita auf und ab.
„Ich will das erste Treffen in Ih
rem Kampfe zu gewinnen versuchen,
indem ich den Champagner bei dem
Frühstück, das ich Marquez geben
werde, in Strömen fließen lasse!"
„Was hat denn das damit zu tun?"
fragte verwundert das junge Mäd
chen.
„Wenn Sie mir nämlich einen
Brief von der Tochter des Gefangenen
und eine lateinische Beglaubigung des
Bischofs verschaffen, dann will ich
Marquez zu überreden suchen, daß er
mir eine Eskorte für eine Visitations
reise nach Ures bewilligt. Wenn dort
List oder Bestechung in das Gefäng
nis Pesquieras führen, dann werde
ich ihn zu erreichen wissen. Mein of
fizieller Charakter sichert mich ja vor
jedem Argwohn."
„Kommandant, Sie find ein En
gel!" rief Anita aus.
IV.
Gelockerte Ketten
ES war drei Uhr, als Pauline Del
mar den ersten Fuß auf mexikani
schen Boden setzte. Hackmüller war der
schönen Frau galant beim Verlassen
des Bootes behilflich, während ein
junger flotter Offizier sich Anita wid
mete. Goodloe und Bligh beschäftigten
sich angelegentlichst mit dem Gepäck,
welches eine Schaluppe an Bord be
fördert hatte. Estrada, der Hafenka
pitän. beobachtete neugierig und arg
wöhnisch die Amerikaner und trat
höflich grüßend auf die Damen zu,
die ihre Plätze auf den hochbeladenen
Ochfenwagen einnahmen. Die Damen
erwiderten den Gruß und die Anrede
nur durch ein lächelndes Neigen der
Köpfe, und Bligh, der jetzt müßig
daneben stand, sagte entschuldigend:
„Die Damen sprechen nicht spanisch,
Herr Kapitän!" worauf Estrada
seufzte und bedauernd die Achseln
zuckte.
„Gestatten die Herrschaften," fuhr
Bligh fort und stellte vor: „Kapitän
Estrada Mrs Woodford und ihre
Fräulein Tochter. Die Dame ist zur
Besichtigung von Ranchos und Mi
nen, die sie gern kausen möchte, hier,
sie besitzt die größten Viehherden in
Süd-Kalifornien, und ich begleite sie
auf ihrer Tour."
„Das trifft sich merkwürdig gut,
mein Onkel sucht gerade einen Käu
fer für seinen Rancho, der fünfzig
Quadratmeilen groß ist," antwortete
Estrada, dessen Habgier erwachte.
„Da machen Sie sich den Damen
nur recht nützlich, ich will wohl den
Dolmetscher spielen."
Kaum eine Stunde später erschien
Wainright, der Kommandant des
Kriegsschiffes, mit zwei Offizieren in
Galauniform beim Gouverneur Mar
quez, um denselben zu einer Festlich
keit einzuladen, dessen Großartigkeit
ganz Guaymas Gesprächsstoff liefern
sollte.
Während die Dienerschaft ein be
quemes, einstöckiges Haus für Seno
ra Woodfords vorläufigen Aufent
halt ganz ihren Wünschen gemäß ein
richtete, ließen sich May und Goodloe
in Bligh und Hackmüllers Junggesel
lenquartier häuslich nieder. Ihre
Einkäufe, ihre Erkundigungen nach
Briefen, Wagen, Pferden, Diener
schaft und dergleichen setzten sofort die
Klatschbasen des ganzen Städtchens
in Bewegung.
Erst spät, als die Sonne hinter den
Bergen verschwunden und die vorher
so geräuschvollen Straßen verödet da
lagen und nur der Gesang der Ci
kaden ertönte, schliche« die beiden
Damen, völlig unkenntlich durch Man
tel und Schleier, in des Priesters ein
faches Haus neben der zerstörten Ka
thedrale, wohin der gute Bischof Do
minguez aus seinem dreißig Meilen
entfernten Hermosillo zur Begegnung
mit Pesquieraz Freunden gekommen
war.
Während im Wohnraum der Prä
lat ernsthafte Gespräche mit Mrs.
Telmar führte, ertönten aus dem
Speisezimmer frische, jugendliche
Mädchenstimmen. Anita hatte schnell
mit Dolores, der Tochter des Gefan
genen, Freundschaft geschlossen. Good
loe und Bligh schlenderten anschei
nend rauchend und schwatzend um die
alte Kirche, während sie nicht einen
Augenblick ihre Aufgabe als „Schild
wache" unbeachtet ließen.
Wainright, der sich den jungen Da­
n
ne
emo-WAiaDipÄBüw
Ihre wie Musik tönende Sprache,
der liebliche, an Anitas Busen ruhen
de Kopf mit den seidenen Locken und
Sie zog einen Smaragdring vom
Finger und reichte ihn dem jungen
Offizier:
„Er gehörte einst meiner Mutier
er ist ein Hochzeitsgeschenk des Va
ters. Das wird ihm alles sagen. Au
ßerdem werde ich einige Worte schrei
ben und den Bischof bitten, sie zu un
terzeichnen."
Ehe noch des trägen, mexikanischen
Wächters Horn die nächste Stunde
verkündete, verabschiedete sich Wain
right mit genauen Instruktionen vom
Bischof und von Mrs. Delmar, die
jetzt in Gedanken an seine Abreise
nach Ures vor Angst verging. Ein
Pater mit einer chiffrierten Botschaft
sollte ihm voraneilen.
Der Bifchof segnete sie beide, und
versprach dann Mrs. Delmar, einige
zuverlässige Leute zur persönlichen
Bedienung zu senden.
„Sie, liebe Anita, mögen, so oft
Sie Lust haben, meine gute Dolores
besuchen, Frau Superiorin wird sich
freuen, noch einen Schützling mehr
zu haben, den sie pflegen und liebko
sen kann halten Sie aber, bitte,
jede Aufregung von Dolores fern.
Wir, mein werter Herr Komman
dant, werden uns vorläufig nicht wie
dersehen, meine Boten werden unter
wegs zu Ihnen stoßen und Ihnen
folgende Parole zurufen."
Er beugte sich vor und flüsterte dem
Kapitän zwei Worte ins Ohr.
Tiefe Nacht lag über Guaymas,
von fern her leuchteten nur die Sig
nale des „Ranger" und der freundli
che Schein eines Lichtes am Fockmast
des „Eisvogels".
„Ich fühle, daß unser tapferer
Freund und der kluge Bischof ihr
Ziel erreichen werden, wir müssen nur
vorsichtig und geduldig sein," sagte
Mrs. Delmar zu Anita, der sie eine
gute Nacht wünschte.
Kaum einen Steinwurf von ihrem
Hause entfernt, schmiedeten Estrada
und der Lotse Diego ränkevolle Pläne.
„Du mußt die Führung überneh
men," sagte der Hafenkapitän. „Tie
Auf dem Teck des „Eisvogels", der
jetzt „Constance" hieß, gab Wainright
seinem Fähndrich Crowninshield die
letzten Befehle. „Brechen Sie mit der
.Constance' bei Tagesanbruch auf,
kreuzen Sie eine Woche und informie
ren Sie sich genau über den Naqui und
das ganze Flußgebiet. Landen Sie
überall mit wehender Flagge, fahren
Sie_ ungefähr fünfzig Meilen den
Fluß hinauf und sehen Sie sich dort
die großen Steinkohlenlager an. Ich
werde dieselben noch vor Ablauf der
nächsten Woche von Ures aus besich
tigen, vom Fluß aus müssen sie übri
gens ganz leicht zugänglich sein. Han
deln Sie offen und frei mit den Ein
geborenen und nehmen Sie den Au
genblick für Ihre Beobachtungen gut
wahr, wenn dieselben vorrücken. Die
Gegend interessiert mich, und ich ge
denke sie noch eingehender zu studie
ren, ehe unsere Kreuzfahrt zu Ende
ist. Seien Sie entgegenkommend,
freundlich und gastfrei. Ich erwarte
genauen Bericht von Ihnen."
men zugesellte, machte hier plätzlichihn während des Frühstücks beobach
die Entdeckung, daß auch er nicht im. ten. Diego wird vor zehn Tagen
verwundbar sei und daß sein Herz nicht wieder ans Land können, um
eine gute Zielscheibe für des kleinen uns irgend einen verräterischen
Liebesgottes spitze Pfeile war. Er un-Streich zu spielen, und der Dienst
terhielt sich mit Dolores Pesquiera,' unter Crowninshield wird ihn schon
dieser gazellenhaften, zierlichen Schön-, wieder zur Pflicht zurückrufen."
heit. Ihre Wangen waren gerötet, Als Wainright am anderen Mor
augenscheinlich durch die Erregung gen seinen Kaffee schlürfte, war die
und in ihrer, den Frauen der casti- „Constance" schon außer Sicht. Das
lianischen Rasse angeborenen Schüch- Frühstück langsam verzehrend, konse
ternheit, welche durch das Klosterle- rierte er mit dem Steward.
ben noch erhöht worden war, wagte „Der Champagner soll auf meinen
jte kaum, den hübschen Offizier anzu- Befehl in Strömen fließen, und au-
rihre Augen begegneten ßerdem magst du solch eine Bowle an
nur fluchtig und traurig den semrgen, setzen, wie du damals zu Ehren des
wenn
!eme ernsten Fragen beant-( Alashan-Geschwaders brautest.
J0 *0 's n ^.^e ®etoQnd erfyoh, wünsche nicht, daß seine Exzellenz das
te noch den Reiz ihrer eigentumlichen Schiff durstig verläßt."
Schönheit. Die zarten Hände faltend,
bat sie ihn, den Vater, der gewiß ei
nes Tages vor ein Kriegsgericht ge
schleppt und dann auf Befehl des Ty.
rannen erschossen würde zu ret
ten. Schluchzend umschlang sie die
neue Freundin.
ihre wundervolle Figur begeisterten bauliche Schmeicheleien und mög
Wainright:
Geben Sie mir ein Erkennungs
zeichen, Senorita, dann will ich Ih
ren Vater retten oder mit ihm unter
gehen."
Erlaubnis, den Golf zu umfahren Begrüßung bereit. In feierlichem
öwecks notwendiger Arbeiten im Auf
trage eines Yankee-Offiziers, kann ih
nen nicht verweigert werden das ist
etwas ganz Gewöhnliches, aber ihre
Reife nach Hermosillo, wo die große
Münze ist, ist auffallend dabei könn
ten sie ja den Versuch machen, eine
Schiffsladung Silber zu schmuggeln.
Wenn du begründeten Verdacht hast,
will ich eine Untersuchung anstellen,
aber nur wenn der Marineoffizier und
seine Leute weg sind. Hisse, sobald du
meinen Besuch haben willst, statt des
einen, zwei rote Lichter am Top."
Wainright seufzte tief auf, als
Zwölf Riemen ihn rasch an seinen
Kutter zurücktrieben, seine Gedanken
waren noch ganz mit der Entfernung
der „Constance" beschäftigt. „Marquez
braucht nicht alles zu wissen, ihn geht
der Schooner gar nichts an, ich werde
&
w
W
Obed Lake schaute schweigend ins
Wasser hinab. „Ganze Schwärme von
Haifischen folgen uns," setzte er lang
sam hinzu, auf eine Anzahl grünli
cher, langer Schatten an der Leeseite
des Bootes deutend. Iörgensen grin
ste. „Hier meine Hand, Kamerad!"
Ihm war's, als ob das kühne, blau
augige Weib am Baltischen Meer ihn
anlache.
Das Fest, das Wainright zum
Empfang des Gouverneurs inszeniert
hatte, entwickelte sich programmäßig.
Salutschüsse, die ganze Besatzung in
Parade und er selbst zur persönlichen
Zuge besichtigte die offizielle Eskorte
das Schiff, dann führten die jünge
ren Offiziere den ganzen Stab des
Gouverneurs in die unteren Kajüten,
wo bald ausgelassene Fröhlichkeit
herrschte.
In seiner eigenen Kabine unter
hielt Wainright mit höflicher Zuvor
kommenheit den hohen Ehrengast, den
rücksichtslosen Gewaltmenschen. Koh
lenminen, künftige Flottenbesuche, die
wachsenden Handelsbeziehungen, die
Wichtigkeit der genauen Fluß- und
Hafenbesichtigungen, fem persönlicher
Wunsch, das Aaqui-Gebiet und seine
Bewohner kennen zu lernen, ein Spe
zialbericht für das Sekretariat all
diese Themen berührte Wainright im
Gespräch mit Marquez.
Einige Gläser des amerikanischen
Punsches unterbrachen hin und wie
der die Konferenz in angenehmer
Weise.
„Ich wage kaum, Sie zu belästigen.
Herr Gouverneur," begann Wain
right endlich. „Ich würde gern einige
Tage auf die Besichtigung der Koh
lenlager in Ures verwenden, aber die
Wege sollen, wie ich höre, gefährlich
sein. Ich lasse bereits den Aaqui von
einem Offizier befahren und habe da
zu eigens ein Boot gechartert, weil
mein ,Ranger' zu viel Tiefgang hat.
Wenn ich die Minen sehen könnte und
wir genaue Einsicht über das Iaqui
Gebiet
„Senor Comcmdante," unterbrach
ihn der durch die Freigebigkeit der
Genüsse und Erzählungen in gute
Laune versetzte Tyrann von Guay
mas, „ich will Ihnen eine Eskorte
und meinen eigenen Wagen zur Dis
Position stellen. Einer meiner tüchtig
sten Offiziere ist jetzt in Ures, in Sa
chen jenes verwünschten Pesquiera.
anwesend, er kann freilich nicht fort
von da, aber er wird Sie aufklären
'a Xcs
Ich
Nach sorgfältig vollführter Mor
gentoilette entnahm Harry seinem Ak
tenschrank eine große Anzahl Map
pen, Karten, ältere Berichte über die
mexikanische Küste und einen großen,
wichtig und offiziell aussehenden Um
schlag mit der Aufschrift „Navy De
partment".
„Eine ganz kleine List, einige der
lichft viel Getränk müssen Jose Mar
quez in Stimmung bringen. Ich wer
de den großen Herrn spielen und di
plomatisch herablassend mit ihm spre
chen. Sein Stab kann in der hinteren
Kajüte bleiben die üblichen offiziel
len Toaste müssen das übrige tun."
Der vertrauensvoll lächelnde Kapi
tän konnte nicht auf das Deck der
fchon ungefähr vierzig Meilen südli
cher schwimmenden „Constance" sehen,
wo Obed Lake seinem Unmut Luft
machte.
„Da steckt doch was dahinter! Ver
dammt sei dieser hochnäsige Offizier.
Ich muß das Boot schließlich doch in
meine Gewalt bekommen, schon ihm
zum Trotz. Sollten wir die Stadt
ohne die Weiber oder die Blaujacken
verlassen, so steuere ich, wohin ich
will."
„Das ist doch noch wie ein Mann
gesprochen," pflichtete Jörgensen bei,
„aber wohin willst du denn steuern?"
«Das werde ich dir später sagen.
Ich habe schon einen Plan, der uns
beide mit Gold beladen, soll und
müssen wir die Vorbereitungen tref
fen."
«Wie denn?" Die Augen der
Schurken begegneten sich.
«Wir müssen auf dieser Fahrt den
Verschlag der Waffenkammer läsen,
die Nägel herausziehen, sie abfeilen
und die Bretter zum Schein wieder
lose annageln, dann müssen wir, wenn
mein Plan gelingen soll, jene beiden
Narren übertölpeln doch das
bleibt natürlich unter uns die
Mannschaft ist willig."
„Und was willst du mit den bei
den Gecken anfangen?" heiser und
krächzend klang die Frage.
und Sie auf dem bequemsten Wege
in die Läger schicken."
Wainright, der hocherfreut war, so
leicht an das Ziel zu gelangen, dank
te in überschwenglichen Worten und
Schmeicheleien, an denen die castilia
nische Sprache so reich ist.
„Kennt jener Offizier die NaquiS,"
fragte er dann, „ihr Land, ihre Sit
ten und Gebräuche? Es würde unse
rem Dienste sehr zugute kommen,
wenn wir dort eine Kohlenstation er
richten könnten. Ich müßte freilich
sehr genau orientiert sein für meine
geheimen offiziellen Berichte" „an
Pauline Delmar," fügte er in Ge
danken hinzu, „der Himmel verzeihe
mir diesen Mißbrauch meiner Stel
lung."
«Da ist jener Offizier gerade der
richtige. Sein Vater war Sekretär
unter Matea Pesquiera, er muß al
les kennen. Ich werde Ihnen morgen
meinen Wagen schicken, in anderthalb
tagen können Sie am Ziel sein."
Wainright warf einen Blick auf
das rote Ziegeldach des fernen. Klo
sters. Er fühlte Dolores Ring an sei
nem Finger und glaubte ihre Augen,
jene strahlenden, leuchtenden Sterne,
die ihm die ganze Zukunft erhellen
sollten, zu sehen und gelobte sich im
Inneren: „Ich werde ihren Vater be
freien Und dann?" fragte fein po
chendes Herz.
„Exzellenz gestatten, Sie auf Deck
zu geleiten, meine anderen Gäste war
ten schon sehnsüchtig darauf, Sie be
grüßen zu dürfen," wandte er sich
an den Gouverneur.
Am Vorderdeck wurden Mrs. und
Miß Woodford vorgestellt, deren Herz
zum Zerspringen pochte, als sie sich
dem Gewalthaber gegenüber sahen,
von dessen Laune ihre Zukunft, ja,
ihr Leben abhing. Bligh plauderte
harmlos über den beabsichtigten Mi
nenankauf, dem auch Wainright zu
stimmte.
Die verschwenderische Eleganz des
Gastmahls blendete den Gouverneur.
Auf dem Ehrenplatze, dicht neben den
Tamen, nahm Marquez, höflich dan
kend, jeden der offziellen Toaste wäh
rend der zweistündigen Tafel entge
gen. Die Hand aufs Herz legend,
stellte er den Freunden feine Dienste
zur Verfügung, selbst Hackmüller pro
fitierte hierbei.
„Sie wünschen die Erlaubnis, ein
Laboratorium einzurichten?" sagte er
zu ihm. „Die erteile ich Ihnen gern,
mein verehrter Herr ich weiß einen
geeigneten Platz dafür, dicht beim
Gouverneur-Haus mit angrenzendem,
großem Hofraum, auf dem allerhand
Maschinen lagern. Kommen Sie, bit
te, an Land und besuchen Sie mich
ich werde Ihnen gern alles zeigen.
In vierzehn Tagen gehe ich nach
Ures zum Verhör Pesquieras, die
Sache muß noch beschleunigt werden
wenn sein Schicksal entschieden und
das Urteil vollstreckt ist, stehe ich ganz
zu Ihrer Disposition."
«Was wird sein Schicksal sein, wenn
er schuldig befunden wird?" fragte
mit angenommener Sorglosigkeit
Wainright, der kaum seine Aufre
gung zu bezwingen vermochte.
„Er wird sofort erschossen werden,
nachdem ich telegraphisch die belasten
den Beweise gemeldet habe. Er ist
ein Feind des Fortschritts."
In Marquez Zügen lag unverhoh
lene Rachsucht. Plötzlich sprang alles
auf, Mrs. Delmar war totenbleich
zurückgesunken.
«Die Hitze, der kleine Raum! Die
Herren gestatten, daß wir uns zu
rückziehen
Zehn Minuten später waren die
Damen schon wieder fähig, dem Gou
verneur für seine aufmerksame Teil
nahme durch ihren Dolmetscher dan
ken zu lassen.
«Das könnte gefährlich werden für
uns, gnädige Frau," flüsterte Wain
right hinter dem Fächer, mit dem er
ihr Kühlung zufächelte. „Sie müssen
tapfer und gleichgültig bleiben, da
mit er keinen Argwohn faßt, daß Sie
sein Spanisch verstehen. Ich gehe
morgen mit einer Eskorte nach Ures
und habe die Erlaubnis, den Gefan
genen zu sehen ich werde ihn ret
ten. oder sterben."
Bald darauf promenierte Mrs.
Woodford am Arm des Gouverneurs
und ersuchte diesen um die Erlaub
nis, sich in Begleitung Goodloes in
ihre Wohnung zurückziehen zu dür
fen, da sie sich ermattet und schwach
fühle.
Die Zurückbleibenden verbrachten
den Nachmittag in der Kabine. Zigar
ren und die berühmte Bowle, welche
ihrem Ruf Ehre machte, kürzte im
Verein mit heiteren Gesprächen und
Anekdoten die Zeit.
Als Wainright seine Exzellenz ans
Ufer zurückbegleitete, war. man in
Betracht des Aaqui-Planes einig.
„Diese Amerikaner sind reich und
schlau wenn ich' es riskierte, Pes
quiera hierher zu bringen, könnte
man ihn vielleicht zwingen, uns die
verborgenen Schätze zu erschließen, ich
muß nachdenken nachdenken,"
schlaftrunken fiel des Gouverneurs
müdes Haupt in die Kissen seines
Wagens zurück.
Am nächsten Tage verabschiedete sich
Wainright von May und Goodloe
dann überlieb er sich der Führung
4 __ 11
W a iiiiii-Vtf
*Z. nu|tui
eines wildblickenden Kutschers, wel
cher inmitten einer Anzahl Reiter den
Reisewagen lenkte, dem eine Nachhut
folgte.
Das letzte, was Harry von Guay
mas sah, war eine lebhafte Debatte
zwischen Bligh, dem Professor und
Marquez vor des letzteren Wohnung.
An Mrs. Delmars Fenster waren die
grünen Jalousien heruntergelassen,
die eine wurde einen Moment herauf
gezogen, ein weißes flatterndes Tuch
wurde sichtbar. Dolores Lebewohl!
Während die Pferde die Sierra er
klommen, ließ der Offizier die Er
eignisse der letzten Tage noch einmal
an seinem Geist vorüberziehen. Sich
bequem in die Polster des Wagens
bettend, vergaß er des Bischofs Rat
schläge, alle Pläne, seine eigenen Sor
gen, seinen vorgeschriebenen Auftrag
und verfiel in leichten Schlummer, in
dem ihn Dolores Lächeln umschwebte.
Stunden vergingen, bis der Höhen
zug überschritten war. Durch den
Schlaf erquickt und erfrischt, beobach
tete Wainright das Halbwüste Land,
die elenden, ärmlichen Dörfer, die ge
ringe Kultur und die wilde Szenerie.
Erst am Abend des zweiten Tages
tauchten die Mauern des Kastels von
Ures auf. Weizen-, Erbsen-und Boh
nenfelder wechselten mit Tabak, Zuk
kerrohr und Baumwolle in den Win
dungen des Flußgebietes ab. In Lei
nen gekleidete Bauern, in Tücher ge
hüllte Weiber, verwegene Reiter, wild
aussehende Maultiertreiber, ächzende
Ochsenfuhrwerke und lange Reihen
von Lasteseln mit klingenden Glocken
vervollständigten die Romantik der
Felsenschluchten, durch welche die ge
panzerten Spanier einst auf der Su
che nach Gold mühsam vorgedrungen
waren.
Schweigend sich umschauend und
scharf alles betrachtend, sah er sich
die alte romantische Stadt an und
das verwitterte Schloß, in dessen Tor
bogen das königliche Wappen von un
geübter Hand roh und einfach einge
hauen war. Eine gesprungene Glocke
erklang von der einst prachtvollen
Kirche herab, die jetzt verfallen und
wüst dalag. Der Platz war beinahe
menschenleer, nur einige indianische
Frauen schlichen schemenhaft zur
Vesper.
Müßiggänger, Krüppel und un
wissendes, gaffertdes Volk folgte dem
Trupp bis in den Hof.
Der wachthabende Offizien führte
ihn mit respektvollem Gruß in ein
Empfangszimmer, das nach dem Fluß
hinauslag.
El Senor Alvarado, der Schloß
Verwalter, war abwesend, sollte aber
in einer Stunde zurückkehren, um dem
hohen Gaste, dem Kommandanten des
großen Kriegsschiffes von Nord-Ame
rika, die Honneurs zu machen.
Nachdem Wainright allein ein reich
liches Mahl eingenommen hatte, streck
te er sich in eine Hängematte. Der ein
tönige Ruf der Schildwachen auf den
Wällen schläferte ihn ein. Plötzlich
fuhr er erschreckt auf, er hörte ein Ge
räusch und sah die dunkeln Augen ei
nes Priesters auf sich ruhen. Aber
zwei leise Worte beruhigten ihn und
sagten ihm, daß die Hand des ehr
Würdigen Bischofs ihn auch hier be
schütze.
Kurze Zeit darauf saßen der Ka
stellan, der Gast und des Bischofs
Vertrauter bei einer Flasche Mescal.
Alvarado, ein treuer, alter Soldat,
war entzückt, als der Pater sich dem
'vornehmen Besuch als Führer anbot.
»Ich kann Ihnen," sagte er, „we
nigstens etwas Besseres als einfache
Soldatenkost vorsetzen und werde mir
erlauben, Sie und den Herrn Kastel
lan zum Frühstück herüberzuholen."
Wainright horte das Murmeln des
Flusses, und das volle Mondlicht zeig
te ihm in der Ferne die Kämme der
Sierra und -Hm funkelnden Sterne
darüber.
„Morgen, morgen," sagte er zu sich
selbst, „das Zeichen der schonen Dolo
res soll mir ihres Vaters Herz atz.
Winnen."
Klopfenden Herzens folgte der Of
fizier am nächsten Tage dem Kastellan
durch einen gewölbten Steinkorridor,
in welchem verstärkte Wachen postiert
worden.
(Fortsetzung folgt)
Trauerbildchen
Preise und Muster
bereltrVllligst geliefert

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188 Ixt Tenth 8t., 8t. Paul.

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