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Ohio Waisenfreund. [volume] (Pomeroy, O. [Ohio]) 1874-1953, December 10, 1949, Ausgabe der 'Wanderer', Image 2

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iZuA/uutfi
Son Prof. I. M. Döhren,
Redakteur des ,3BnifeiifreesV
Unter „Hagebutten" versteht man
die roten, harten Früchte, die man im
Herbst an wilden Rosenhecken findet.
.Nun teilen wir Ihnen auch das Re
zept mit, wie man aus diesen Hage
butten einen ausgezeichnet schmecken
ten und heilkräftigen Likör bereiten
kann. Als Heilmittel gebraucht, sind
Hagebutten ausgezeichnet bei Nieren
und Blasenstein. Man macht daraus
eilten Tee, indem man die Hagebut
ten auskernt, die Hülsen trocknet und
dann daraus den Tee bereitet. Man
trinke davon jeden Abend eine Tasse.
Man kann aus Hagebutten einen vor
züglichen, gesunden Trank bereiten.
Ain besten läßt man die Hagebutten
am Strauch, bis sie einen gelinden
Frost bekommenhaben: dann pflückt
man sie ab, zerquetscht sie, gießt aus
ein Quart Hagebutten drei Liter rei
nen Branntwein, setzt ein Pfund wei
szen, gestoßenen Kandiszucker hinzu
und stellt die ganze Mischung in ei
nem steinernen Kruge oder einer Fla
sche auf acht Tage an den Ofen. Ta
nach gießt man die Lösung auf Fließ
papier, füllt sie in Gläser und ver
korkt dieselben sorgfältig.
M. N., Pa.—
Wir haben wiederholt an dieser
Stelle Anleitung gegeben über die
Behandlung von Gallen- und Leber
leiden. Sie und andere Leser werden
gebeten, sich dieses Rezept aufzube
wahren. Gallen- und Leberleiden sind
gewöhnlich miteinander verbunden,
da sie gleichsam ein Organ bilden.
Nor allen gibt es ein vorzügliches
Hausmittel gegen Gallenleiden, über
flüssige Galle und Gelbsucht, und das
ist Wermut. Man streue auf jede
Suppe, die man zu sich nimmt, eine
Messerspitze voll Werinutpulver, drei
mal ant Tage. Das entfernt die
schlechten Säfte in Magen, Galle und
Leber. Auch Wermut-Tee und Wer
mut-Tinkwr (Tropfen) kann man ge
brauchen. Leber- und Gallenleidende
sollen häusig am Tage, aber jedes
mal wenig, gekochte Milch trinken.
Bei sogenannter Gallenkolik trinke
man Kamillentee, in welchen man
etwas Zitronensaft beimischt. Femer
ist es ratsam, jeden Morgen und je
den Abend eine Tasse gekochte Milch
zu trinken, der man einen Teelöffel
voll Lindenholzkohle beimischt. Bei
heftigen Gallenschmerzen lege man
heiße Honigblumenauflagen aus die
Gallengegend, oder in Ermangelung
dessen heiße Salzwasserumschläge.
Werden dadurch die Schmerzen nicht
gelindert, so ist das ein Zeichen, daß
Gallensteine vorhanden sind. Das von
Kneipp empfohlene Mittel dagegen ist
Mieles: Früh morgens trinke man
nüchtern im Bett ein Weingläschen
Olivenöl. Nach einer halben Stunde
legt man sich auf die rechte Seite, um
hat
Bewohner von Nürnberg in Deutschland suchen
in einem Militärabfallhaufen nach N ahrung
bereits 70 Millionen Dollars
dadurch die Steine aus der Galle in
den Mastdarm zu leiten. Dazu trinke
man dreimal täglich eine Tasse Tee
von zerquetschten Wacholderbeeren,
die man zerdrückt hat, und vermischt
sie mit einigen Tropfen Wermut
Tinktur. Man kann auch von Zeit zu
Zeit etwa 10 bis 12 Wermuttropfen
in einem Teelöffel Zucker nehmen,
oder nüchtern ein Weingläschen Oli
venöl mit einem Schluck hinuntertrin
ken, eine Viertelstunde später eine
Tasse schwarzen Kaffee nehmen, nach
einer halben Stunde wieder ein Gläs
chett Olivenöl, und so fortfahren.
Dies muß bald zeigen, ob man wirk
lich gallensteinleidend ist, denn bei
Befolgung dieser Methode gehen die
Gallensteine ab, wenn sie vorhanden
sind. Sind Gallensteine abgegangen,
so trinke man Petersilien-Tee. In
dem kann man Kamillentee-Umschlä
ge ans die Gallengegend machen, was
man alle 15 Minuten wiederholt. Ei
nes der wirksamsten Mittel bei Gal
lenstein ist Rettig-Sast, den man et
wa zwei Wochen lang jeden Morgen
nüchtern ein Gläschen voll
nimmt. Man schneidet abends einen
Rettich, am besten schwarzen Rettig
in Scheiben auf einen Teller, bestreut
ihn mit Zucker und Salz, deckt das
Ganze mit einem anderen Teller zu
und läßt die ganze Nacht ziehen. Am
Morgen drückt man alles durch ein
grobes Tuch aus, gießt den Saft in
ein Glas und trinkt ihn. Wer sich die
ser Behandlung bei Zeiten unterzie
hen will, braucht sich keiner Gallen
stein-Operation zu unterziehen. Wer
keinen Wermut (Wormwood) im
Garten hat, kann denselben beziehen
von der im ,Ohio-Waisenfreund' an
zeigenden Firma Swiß Herbs, Inc.,
P. O. Box 1162, Eucinitas, Calif.
Frau B. B., Calif.
Man braucht keine Vitaminen zu
kaufen, da dieselben in reicher Fülle
in den täglichen Speisen enthalten
sind, vor allem in rohem Obst, ro
bem Salat, Rüben und allen Kohl
arten. Roh bereitete Speisen enthal
ten mehr Vitaminen, als gekochte. So
ist auch gekochtes und als Suppe be
reitetes Fleisch fast wertlos, da die
Kraft desselben in der Suppe ent
halten ist.
Ph. H., N. I.
Daß gewisse hochgradige Freimau
rer sich mit eigenem Blute dem Teu
fel verschreiben, ist nicht erwiesen.
Wahrscheinlich ist wohl, daß solche
Freimaurer verschiedener Großlogen
des Teufels treue Diener sind und
wahrscheinlich auch von ihm dafür
„belohnt" werden. Das geht aus den
Zielen der Freimaurerei hervor. Nach
der Erklärung des mächtigsten Groß
meisters eines bestimmten Ritus ist
das Ziel der Freimaurerei die Zer
störung alles Königtums, aller^Thro
Tie das Mittel dazu die Vernichtung
des Papsttums und aller geoffenbar
ten Religion, die radikale Verweltli
chung des Staates, die Weltlichkeit
der Schule, die Zerstörung der christ
lichen Familie und jeder Autorität.
Das Prieftertum ist das größte Hin­
an
Unterstützungen
mehr braucht man Ihre Hilfe für die unschuldigen Opfer in Deutschland.
Bitte, schicken Sie Ihre Gabe noch heute.
War Relief Services-National Cath. Welfare Conference
wird sofort auf raschem Wege diesen hilfoeen Opfern. Lebensmittel und Unterstützung ankommen
lassen.
Spenden an War Retief Service»—NCWCJk^nmn bet det_ £mAomm«r^ro«rJn ge^htumdm.^
dernis des maurischen Fortschritts.
Alle geoffenbarte Religion ist „Gift
für die Völker". Also ein Zwillings
bruder des Kommunismus, der die
Religion als „Opium" fürs Volk Be
zeichnet.) Jeder Unterricht in irgend
welchem Katechismus in der Schule
ist zu verbieten. Alle Freimaurer sind
darin einig und verbrüdert: „Dieser
edelsten Arbeit wenden alle Freimau
rer der Welt ihre Sorge zu." Wenn
daher meist von den Freimaurern
selbst die Ansicht verbreitet wird,
die Freimaurerei sei harmlos und ha
be philanthropische Ziele, so ist dieses
entweder Ignoranz oder Lüge. Die
gewöhnlichen Logenmitglieder, die
Mitläufer, kennen selbst die maureri
schen Geheimnisse nicht. Dies geht
klar hervor aus der Aeußerung des
hochangesehenen Lehrmeisters der
Hochgradfreimaurerei A. Pike in sei
nem „Morals and Dogma": „Die
Freimaurerei verhüllt ihre Geheim
nisse selbst vor denjenigen, die
sich eingeweiht wähnen Unsere
Ordensbrüder (in den niederen Gra
den) halten jetzt die absichtlich erfun
denen falschen Erklärungen, deren
man sich bedient, um jene irre zu füh
ren, welche kein Recht hatten, die
wirkliche Bedeutung des Ordens ken
nen zu lernen, für die wahren
Die blauen (niederen) Grade sind nur
der Vorhof des Tempels, über den
die meisten Mitglieder nicht hinaus
kommen. Jeder Katholik, der Mit
glied der Freimaurerei oder einer as
filiierten geheimen Vereinigung wird,
ist damit exkommuniziert, d. h. von
der katholischen Kirche ausgeschlossen.
Alter Leser, Miuu.
Unter Stellmacher verstand man
in Deutschland und wohl auch
heutzutage einen Rademacher,
Wagner und Holzhandwerker auf dem
Lande. Ein Stellwagen ist ein Ge
sellschaftswagen für Ausflüge. Un
ter „Sterz" versteht man die Hand
habe oder den Führungsgriff am
Pflug. Tas Wort kommt vor in der
altert Bauernregel: „Ist es sonnig
im März, Nimmt der Bauer den
Pflug beim Sterz." Ein Klemp
ner ist ein Blechschneider (Tinner).
A. R., III.
Tas glücklicherweise im letzten
Weltkrieg der Zerstörung entgangene
Tome Deutschlands, wurde in den
Jahren 1377 bis 1494 erbaut und
in der weltverheerenden Reformation
von den Protestanten in Besitz genom
men, wie so viele herrliche katholi
sche Kirchen, die das gläubige katho
lische Mittelalter errichtete. Die Be
sitznahme katholischer Kirchen hat
Deutschland und Europa bei weitet
nicht so großen Schaden verursacht,
wie die unselige Glaubensspaltung,
die Millionen Christen von der ka
tholischen Mutterkirche abwendig ge
Nttlcht und in die Irre geführt hat.
Wir veröffentlichen gern Ihren
Kommentar zu unserer vor etlichen
Wochen an dieser Stelle gegebenen
Auskunft über „old fashioned" Leu-
HÜNGER
SITZT AN EINEM LEEREN
TISCHE
Tag für Tag geben in Deutschland infolge der
mörderischen Wirkung der Unterernährung im
mer mehr und mehr unschuldige Kinder einem
langsamen Tode entgegen.
Viele von ihnen werden gar nie alt genug wer
den, um etwas anderes als Hunger, Krankheit und
Tod kennenzulernen* Die christliche Caritas ruft
nach Ihrer HlZfe!
HELFEN SIE IHNEN
JETZT!
in 47 Ländern zur Verteilung gebracht. Nun­
um MII iinMUMirtiiiUM
mn
UHIO-WAISKNFREUN»
ite: „Ich stimme voll und ganz mit
Ihrer Ansicht überein. Bei unseren
Eltern und Voreltern wurde in der
hl. Advents- und Fastenzeit der Ro
senkranz jeden Abend gemeinschaftlich
von der ganzen Familie gebetet. Ein
geschlossen waren Knechte und Mäg
de. Auch vor und nach' dem Essen
wurde am Tisch laut zusammen gebe
tet. In den Pioniertagen, als es noch
nicht viele Kirchen gab, mußten un
sere Eltern ihr Buggy oft viele Mei
len weit zur Kirche fahren. Von ei
iter geheizten Kirche wußte man
nichts. Unsere junge Generation
macht es sich so bequem, daß, wenn
sie auch nur etliche Blocks von der
Kirche wohnen, sie die Car nehmen
und dann oft zu spät kommen. Eine
bloß eine halbe Stunde lang dauern
de hl. Messe finden sie zu lang, aber,
wenn es gilt, einem Baseball-Spiel
beizuwohnen, kommen sie schon lan
ge vorher, sitzen stundenlang in Hitze.
Kälte und Regen und bezahlen oft
hohe Preise für ihren Sitz." Der Le
ser hätte noch hinzufügen können,
daß heutzutage nicht selten Männer
im Sommer dem Gottesdienst bei
wohnen ohne Rock manche erscheinen
in der Kirche nur mit Hose und Hemd
bekleidet. In einer anständigen Ge
sellschast, bei einem Bankett oder
beim Besuch eines hohen Vorgesetz
ten würden sie nicht so erscheinen,
wie sie in der Kirche vor dem Aller
heiligsten, dem höchsten Herrn Him
mels und der Erde erscheinen.
Outletzliche kindrucke
Wie ein alter China-Missionar
Deutschland sieht Und erlebt
Fast vierzig lange Jahre habe ich
irrt armen Nord-China gelebt und
mußte im September dieses Jahres
notgedrungen auf Wunsch meines
Generaloberen in China mein gelieb
tes Missionsgebiet verlassen, um, wie
er mir schrieb, nicht unnötig in die
Hände der Kommunisten zu fallen.
Tie Shantung-Provinz, in deren
Mitte, Tsinan, unsere Mission gele
gen ist, habe ich durch lange Jahre
kennen gelernt, Nachbarprovinzen wie
Hopei und Shansi öfters monatelang
besucht, auch in Süd-China ein gutes
Jahr zugebracht, aber nirgends fand
ich solch tief traurige Zustände, wie
hier in unserem zerschmetterten
Deutschland! Es steht hier weit
schlimmer aus als im armen China!
Zwei-, dreimal erlebte ich zwar schreck
Ii che Hungersnöte in China, sah tau
sende bettelarmer hungriger Gestal
ten, aber nach einem kurzen halben
Jahr zeigte China wieder sein nor
males Gesicht, alle Bauersleute gin
gen wieder ihrer Landarbeit nach,
Gottes neuer Segen und Ordnung im
Lande ließ die Monate des Jammers
bald vergessen. Aber welch furchtbaren
Eindruck macht das einst so herrliche
Teutschland!
Meine ersten nieders ch mettern den
Eindrücke gewann ich auf meinen lan
gen Bahnfahrten von Basel bis Ham
burg beim Anblick schrecklich zerstörter
Städte, wie Freiburg, Mannheim,
Karlsruhe, Koblenz, Köln, Barmen,
Düsseldorf, Hannover und Hamburg.
Im Jahre 1910, bei meiner ersten
Ausreise nach China, sah ich das
fürchterlich vom Erdbeben vernichtete
Messina, doch schauriger wirken die so
zahlreichen zum großen Teil vernich
teten, einst so prächtigen Städte
Teutschlands, in denen überall wie
ein Wehschrei zum Himmel halbzer
schmetterte Kirchtürme das gräßliche
Bild des Trümmerelends noch ver
schlimmern! Mit Tränen in den Au
gen schritt ich durch geisterhaft stille
Straßen, an denen zu beiden Seiten
riesige Schutthaufen emporragen.
Unsere früheren großen und so be
liebten Franziskanerkirchen und Klö
ster in Köln, Düsseldorf, Essen, Glad
bach und anderen Städten liegen zer
trümmert am Boden, einige kahle zer
rissene Mauern ragen wie ein Klage
ruf gen Himmel. All die früher von
hunderttausend Andächtigen voll
Trost und Freude betrachteten Al
täre und Tabernakel sind zerschlagen,
zerstückelt, in Staub und Schutt ver
wandelt! Bei meinem ersten Besuch
bei meinem Vater Provinzial bat er
gleich in der ersten Stunde inständig
um meine ünd meiner treuen Wohl
täter Hilfe, um doch wenigstens einige
Kirchen und Klöster wieder erstehen
zu lassen. In armseligen Baracken
oder notdürftigst reparierten Hütten
wohnen meine Mitbrüder, um dem
armen Volk Trost, um den Hungern
den, die täglich in Scharen bei uns
vorsprechen, ein wenig Essen zu ge
ben, obwohl ihre eigene Not riesen
groß ist. Unter bitteren Tränen er
zählten mir Flüchtlingsfrauen in dem
armseligen engen Vorraum unserer
Klosterpforte von ihren Leiden und
ihrer Not, von ihren eisig kalten Nacht
quartieren in offenen Kellern, von
ihrem Hunger und ihren kranken
Kindern und der so mangelnden Hil
fe. Ich gab ihnen den Rest meiner
wenigen Mittel, tröstete sie herzlich
un£ mutzte mich abwenden, selbst von.
Schluchzen und Tränen überwältigt.
Wahrlich, solch jammervolle Armut
habe ich kaum je in China erlebt!
Und solch unsagbare Not lastet auf
Millionen unserer hilflosen Flüchtlin
ge! In Holstein hatte ich längere Zeit
traurige Gelegenheit, mitten unter
solchen Flüchtlingen, Katholiken und
Protestanten, zu leben und mit vielen
näher bekannt zu werden. Alle begeg
neten mir mit bescheidener Höflichkeit
und Hochachtung, für jedes gezeigte
Interesse und gütige Wort herzlich
dankbar. Wie viele trugen schlechte, oft
geflickte oder stark zerrissene Klei
buttg, elendes Schuhwerk mit zerris
senem Oberleder und schadhaften
Sohlen, bei dem fast ständigen Regen
wetter mit stets nassen löcherigen
Strümpfen an Heizung war bei den
unerschwinglichen Kohlenpreisen kaum
je zu denken wer einen alten ver
schlissenen Wintermantel irgend einer
Größe besaß oder geschenkt bekommen
hatte, hielt sich für reich. In einer
einzigen winzigen Stube drängt sich
die ganze, meist mehrköpfige Familie
zusammen im selben Raunt wird ge
focht, gegessen, gewohnt, geschlafen,
werden Besuche empfangen, machen
die Kinder ihre Schulausgaben. Wer
eine kleine Arbeit bei einem Pattern
oder sonstwo findet, hascht dannach,
um Pro Stunde ein paar Pfennige zu
verdienen die Mehrzahl aber ist auf
eine erbärmlich geringe wöchentliche
Unterstützung der Provinz- oder
Stadtkasse angewiesen, die nach schika
nös kleinlichen Bestimmungen ausge
zahlt wird, um die Armen vor dem
Verhungern zu bewahren! Wer sich
i'ittsernt, um irgendwo nach Arbeit
auszuschauen, erhält für Frau und
Kinder feine Unterstützung mehr, es
fei denn, er macht neue Eingaben und
belegt seine Abwesenheit mit triftigen
Gründen, wobei es den Bürokraten
immer noch freisteht, die Gründe an
zuerkennen oder nicht. Von wöchent
lich etwa fünfzehn Mark oder kaum
vier Dollars soll sich die Familie er
nähren, Miete zahlen, Kohlen kaufen,
Kleidungsstücke anschaffen! Und da
bei sind alle Preise so hoch oder gar
noch höher als in Amerika! Millionen
arbeitswilliger Hände von Männern
und Frquen möchten sich betätigen,
aber alle Stellen sind besetzt, nirgends
findet sich Arbeit, ist ein Unterkom
men möglich. Würden wenigstens ge
meinnützige Arbeiten wie Wege- oder
Wohnbauten, Aufräumungsarbeiten
oder ähnliches unternommen, viele
hunderttausende könnten Arbeit und
Verdienst finden. Mit Ueberdruß
mußte ich an zahllosen Stellen in
Straßenbahnen, Büros, Schaltern
Frauen oder Mädchen beschäftigt se
hen, während die Männer erwerbslos
danebenstehen, ihre Familien daheim
Hunger leiden. Wo immer ich mit
Leuten jeden Standes zusammentraf
und sie ansprach oder befragte, klagte
man über die jammervolle Hilflosig
feit, über die enormen in viele hun
dert Millionen gehenden Aufwendun
gen für die ganz unnötige Riesenbe
satzungstruppe und die eigenen zahl
losen Beamten, über die Zwangslage
der deutschen Regierung. Von Demo
kratie ist nicht das geringste wahrzu
nehmen, wohl aber von unausgesetzten
diktatorischen Eingriffen, wenn solche
auch mit verbrämten Worten und
schön klingenden Phrasen verschleiert
werden. Wären dem bedrückten Volk
nicht geradezu in allem die Hände
gebunden, die Lage wäre längst we
niger hart und verzweiflungsvoll!
Von Krieg und Machtrausch will kein
Mensch mehr etwas wissen, man möch
te nur das schlichte Leben fristen, ar
beiten und die Seinigen einigermaßen
durchbringen.
Bei der furchtbaren Wohnungsnot
so vieler Millionen und dem entsetz
lich drückenden Von-der-Hand-in-den
Mund-leben ist weitgehendste Hilfe
des Auslandes und vor allem jedes
christlich denkenden Mitmenschen
dringendste Gewissens- und Liebes
Pflicht! Anklagen nützen gor nichts,
gute Vorschläge ebensowenig, sondern
einzig praktische Liebe gegenüber
unsern entsetzlich leidenden Mitbrü
dern und -schwestern Christi! Helfe
man zum Aufbau von Wohnungen,
sende man Familien alter oder kin
derreicher Leute Pakete und glaube
ja nicht, es „sei in Deutschland keine
wahrlich zum Himmel schreien
de Not mehr"!
Was mich im tiefsten Herzen beson
ders schwer bedrückte, war die schreck
liche heidnische Verwilderung unserer
ehemals christlich bürgerlichen Sitten
und der gesamten Lebensauffassung
sehr weiter Kreise! Vor kurzem las
ich in einem sehr zutreffenden Zei
tungsartikel eine Darlegung über die
Vernichtung unermeßlich vieler geisti
ger Werte in uuserm Volk während
der unseligen Nazi-Zeit: blutenden
Herzens muß ich diese Tatsachen un
terschreiben und aufs bitterste erschüt
tert zugeben. Als alter China-Missio
nar, der ein langes Menschenleben
hindurch unter Millionen Heiden ge
lebt und deren ganz irdische Einstel
lung zu allem nur zu sehr kennen ge
lernt hat, habe ich ein besonderes
Empfinden für christliche Belange ei
nes sich christlich nennenden Kultur
volkes des alten Europa. Wo immer
ich mich in Bayern oder am Rhein in
wirklich katholisch denkenden Volks­
kreisen bewegen durste, ging mir daS
Herz auf, genau so wie in Ehina in
meinen lieben Groß- und Klemge
rnemden, wo aus jedem Auge gleich
sam Gottes Geist und froher Glaube
strahlte und das Erdenleben, gleich
sam als Vorstufe zu dem künftigen
ewig seligen, ertragen und betrachtet
wurde.
Doch zu meinem tiefsten Leid sah
uttd sehe ich in weiten Strichen
Deutschlands trostloses Heidentum,
weitaus durch die Lande nirgends ein
Dorfkirchlein, zumal in Holstein, und
erlebte solch religiöse Unwissenheit,
Verworrenheit, Gleichgültigkeit gegen
jede höhere und über das Leiblich
Naturhafte hinausgehende Gesin
nung, daß ich mehrmals sagen mußte:
„Hier sieht's ja trauriger und schlim
mer aus als selbst im heidnischen
China!" Dort betet oder opfert doch
durchweg jeder Heide in irgendeiner
Form seinen Götzen, Geistern oder
Ahlten, und bekennt sich von ihnen
und ihrem Schutz abhängig, Millio
nen besuchen ihre Pagoden, ehren ihr
Götterbild im eigenen Heim, doch hier
lebt man dahin mancherlei tätig
stem Aberglauben an die Sterne oder
sonstigen Unsinnigkeiten hingegeben
als hätte nie Gottes ewiger Sohn
zu uns gesprochen. Sein Lebensblut
für uns dahin gegeben!
Viele nichtfotholifche Familien ha
be ich besucht, nirgends fand ich das
geringste Zeichen oder Bild oder An
klang an christliches Gedankengut!
An den Wänden hingen nichtssagende
Blumenbilder, Photos, Landschaften,
hie und da mal ein Kunstbild, aber
nirgends auch nur ein kurzer from
mer Spruch, wie man ihn früher doch
in jeder protestantischen Familie an
traf. Wenn ich christliche Gedanken
oder Grundsätze, zumal über die Lie
be und Gottes Walten berührte, hörte
man zwar ohne Einwendung zu, aber
ich merkte, für die meisten schienen es
gleichsam Worte wie aus einer ganz
fremden Welt zu sein! Alle Gespräche
drehten sich fast ausschließlich um rein
irdische Belange, ohne, einen Tropfen
christlichen Geistes aufzuweisen!
Sonntagsmorgens, wo früher der
Gottesdienstbesuch auch jedem Prote
stanten gleichsam selbstverständlich
war, sah ich hunderte von Buben und
jungen Leuten Fußball, Faustball und
ähnliche Spiele treiben, und auf Au
tos strömten weitere junge Leute her
bei, den Tag des Herrn mit wertlo
sem Leibessport mißbrauchend und
entweihend. Man sagte mir, die prote
stantische Kirche stehe meist so gut wie
leer da und ein winziges elender
als viele meiner China-Kapellen kürz
lich erst hergerichtetes katholisches
Waldhüttchen lag versteckt fernab von
jedem Wege. Ein aus dänischer Ge
fangenschaft eben gekommener eifri
ger Kaplan begann gerade mühsam
die vielen hundert Katholiken der
Umgebung kennen zu lernen und wie
der zu Gott zu führen. Beim sonn
täglichen heiligen Meßopfer, worin
ich die Predigt hielt, klangen die schö
nen Kirchenlieder so matt und tot,
kein Bube, ja kaum ein Erwachsener
außer ein paar frommen Damen
wußte mitzusingen, fodaß ich tief be
trübt meine lieben Chinesen und ihr
frohes lautes Beten und Singen den
Gläubigen zum Vorbild hinstellen
mußte! Mit erstaunten, fragenden
Augen sahen die etwa zwanzig und
mehr Buben auf mich, als ich sie bei
der Predigt direkt anredete und ich
mir ihr unfaßliches Schweigen beim
Gesang nicht erklären konnte. Nach
her sagte der eine oder andere: Wir
kennen keins der Lieder, wir haben
keitts gelernt! Auch in einer größeren
Kirche des Sauerlandes empfand ich
bei der Elf-Uhr-Messe, in der ich eine
eindringliche Predigt zu fast tausend
Menschen hielt, ein geradezu bedrük
kendes Schweigen der meisten bei un
seren herrlichen früher allbekannten
Kirchenliedern! Da kam mir die bit
tere, entsetzliche geistige Not unseres
armen, vielfach gottentfremdeten Vol
kes mit wirklich bedrückender Gewalt
zum Bewußtsein.
Wahrlich unermeßlich groß ist das
sogenannte Diasporagebiet Deutsch
lands geworden, das Missionsgebiet
unter unseren Neuheiden! Möge das
jetzt infolge des ungeheuren Flücht
lingszuzugs aus dem Osten mit Mil
lionen Katholiken durchsetzte West
Deutschland doch mit echtem katholi
schen Geiste Christi durchsäuert wer
den! Doch dazu find mehr denn je
zahlreiche eifrige apostolische Priester
und vor allem auch neuerrichtete Ge
betshäuser und Kirchen Vonnöten, in
denen Gottes ewiges Wort verkündet
werden kann! Helfet doch mit, alle
und jeder unserer guten katholischen
Brüder und Schwestern Amerikas,
unsere zahllosen zertrümmerten Kir
chen zu Gottes Ehre und der Mitmen
schen Heil wieder aufzubauen! Jeder
gespendete Baustein wird zu einem
Denkmal eurer Liebe zu uns und vor
allem zu unseren bedauernswerten
gottentfremdeten Mitmenschen! Brin
gen wir doch gern und oft ein Opfer,
das sich umsetzt in Schätze für unsere
selige Ewigkeit!
Hilfe für unsere leiblich und geistig
entsetzlich leidenden Flüchtlinge sende
man an meine Adresse: Rev. Al
bert Klaus, Boppard/Rhetn
land, Germgny.

Frau N. F., Miff.
NAME
ADDRESS
Cmf
War Relief Services-National Cath. Weif are Conference
GERMAN RELIEF COMMITTEE
350 Fifth Avenue, New York 1, N. Y.
War Relief Services—National Catholic Wellare Conference
Gentlemen:
Enclosed i» contribution of $. for relief of needy craliane In
Aug. L., Tex.
Von Rev. Albert Klaus,
Boppard/Rhsm
Ii. December

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